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Janus-artig

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Stephen Hust

unread,
May 25, 2018, 10:27:31 AM5/25/18
to
"Dazu kommt das Janus-artige Gesicht der Konsumenten [...]"

<https://kurier.at/wirtschaft/essensmacher-steigen-auf-die-barrikaden/400039828>

Ich nehme an, daß "janus-artige" korrekt wäre - oder nicht? Die
Schreibweise mit großem j ist aber im Internet womöglich üblicher als
die mit kleinem, und man findet sie auch in einigen Büchern und
Zeitschriften.

| Die Janus-artige Doppelgesichtigkeit des Witzes [...]
|
(Sigmund Freud, "Der Witz und seine Beziehung zum Unbewussten", Franz
Deuticke, Leipzig und Wien, 1905, Kapitel V., S. 132.)

<https://archive.org/stream/Freud_1905_Der_Witz_k#page/132/mode/2up>

<https://books.google.at/books?id=d0IWAwAAQBAJ&lpg=PA131&dq=%22janus-artige%22&pg=PA132#v=onepage&q=%22janus-artige%22&f=false>

"Shakespeare-artig" kommt in Büchern und Zeitschriften noch seltener als
"Janus-/janus-artig" vor, aber wenn das Wort vorkommt, dann nach
Google-Books fast ausschließlich mit großem S.

Korrekt hin oder her, was sieht besser aus, Shakespeare-artig oder
shakespeare-artig, Janus-artig oder janus-artig? Welche Schreibweise
würdet Ihr wählen?

--
Steve

My e-mail address works as is.

Franziska Toobe

unread,
May 25, 2018, 11:15:01 AM5/25/18
to
Du erwähnst "janusartig" gar nicht?!

Ich wähle nämlich "janusartig". Also mit kleinem "j" und zusammen
geschrieben.

Das ist die übliche Schreibweise in wissenschaftlichen (historischen,
archäologischen) Abhandlungen.

Franziska.




H.-P. Schulz

unread,
May 25, 2018, 3:12:58 PM5/25/18
to
Stephen Hust <shno...@a1.net> schrieb:

>"Dazu kommt das Janus-artige Gesicht der Konsumenten [...]"
>
><https://kurier.at/wirtschaft/essensmacher-steigen-auf-die-barrikaden/400039828>
>
>Ich nehme an, daß "janus-artige" korrekt wäre - oder nicht?

Ich kenne nur 'Januskopf' bzw. 'janusköpfig'.
Das ist der mit den zwei (2) Gesichtern. Dass an den Gesichtern selbst
nun etwas Besonderes gewesen wäre - - - darüber schweigt die Sage.
Der Witz am Janus ist _der Kopf_ (wegen besagter Doppelgesichtigkeit),
nicht das Gesicht.

Also: Bild bzw. die Sage dahinter nicht verstanden, deshalb Unsinn
verzapft.

Dieser Unsinn ist bestimmt gut für ... na, ich schätze mal 300k
Google-"Treffer" (... wobei ich mir dann doch *zu* gern mal den
265.654sten Treffer näher angeschaut hätte!). ;-}

Wolfgang

unread,
May 25, 2018, 5:44:04 PM5/25/18
to
On Fri, 25 May 2018 at 19:52:01 +0200, Stefan Ram wrote:
>
> Stefan Ram writes:
>>
>> kohlfreundliche, Gorbatschow-freundlich
>
> In der Newsgroup »de.sci.mathematik« wurde - als sie noch
> exis^H^H^H^Hmehr Artikel hatte - von einigen der Standpunkt
> vertreten, daß die Kleinschreibung eines
> Mathematiker-Adjektivs eine besondere Ehre sei.
>
> Ich zitiere jemanden (vermutlich Jakob Creutzig,
> aus de.sci.mathematik, 2005):
>
> |Im Deutschen werden Adjektive im Inneren eines Satzes klein
> |geschrieben, auch wenn sie von Namen abgeleitet werden. Also
> |sind die Matrizen/Operatoren hermitesch, nicht Hermitesch.
> |
> |Man schreibt auch "der Berliner Buergermeister". Die
> |allgemein in der Mathematik uebliche Schreibweise ist IMHO
> |eher die grammatisch zweifelhafte Grosschreibung. Wer es als
> |Mathematiker schafft, seinen Namen kleingeschrieben zu
> |bekommen (Der euklidische Raum, ein pythagoraeisches Tripel),
> |ist absolute Extraklasse ;-).
>
> Dann wird diskutiert, daß man »newtonsch« schreibt, da es
> sich um ein Adjektiv handele, aber »Newtonsches Gesetz«,
> da dies insgesamt ein "Eigenname" sei.
>
> Ich finde in einer relevanten Quelle aber »Newtonsch«
> als Adjektiv (also groß geschrieben).
>
> Goethe schrieb: »Der Newtonische Versuch, auf dem die
> herkömmliche Farbenlehre beruht«, »Der Newtonische Irrtum
> steht so nett im Konversationslexikon«. Schiller »Balde, O
> Newtonisch Gespenst! folgst du dem Brüderchen nach.«.
> Herder »die Newtonische Philosophie« (aber in einem anderen
> Werk: »diesem wahrhaftig newtonischen Kopfe«).
> Raabe »alle sieben Farben der Newtonischen Lehre«.
>
> Insgesamt überwiegen die Indizien für die Großschreibungn
> solcher Adjektive stark, so daß ich »Newtonsch« als richtig
> ansehe. Bei Kleinschreibung tritt die Person in den
> Hintergrund und wird zu einem Begriff - was Creutzig als
> besondere Ehre ansieht.

Also auch Hermitesch. Nur dass dieses Adjektiv auch prädikativ
gebraucht wird, während die anderen Adjektive dieser Art rein
attributiv sind.

Für mich ist dagegen «hermitesch» eine elliptische Verkürzung von
«Hermitesch selbstadjungiert». Daher der prädikative Gebrauch und
die Kleinschreibung von «hermitesch».

Ciao,
Wolfgang

Helmut Richter

unread,
May 26, 2018, 3:15:43 AM5/26/18
to
On Fri, 25 May 2018, Wolfgang wrote:

> Also auch Hermitesch. Nur dass dieses Adjektiv auch prädikativ gebraucht wird,
> während die anderen Adjektive dieser Art rein attributiv sind.
>
> Für mich ist dagegen «hermitesch» eine elliptische Verkürzung von «Hermitesch
> selbstadjungiert». Daher der prädikative Gebrauch und die Kleinschreibung von
> «hermitesch».

Ich denke eher, der prädikative Gebrauch solcher sei in der Mathematik
generell üblich, wenn der Gesamtbegriff definiert ist oder gerade
definiert wird, und in den Definitionen wird das Wort "heißen"
verwendet, was in der Umgangssprache ebenfalls eher ungewöhnlich
ist. Es ist typischer Mathematiker-Jargon, wenn die Definition von
"Hermitesche Matrix" bei bereits bekannter Definition von "Matrix"
etwa mit den Worten beginnt:

Eine Matrix heißt Hermitesch, wenn ...

Hätten Mathematiker statt Juristen die §§ 224 und 226 StGB mit den
Definitionen von gefährlicher und schwerer Körperverletzung
geschrieben, wobei Körperverletzung schon definiert ist, hätten sie
sicher geschrieben:

Eine Körperverletzung heißt gefährlich, wenn ...
Eine Körperverletzung heißt schwer, wenn ...

Allein, der Jargon der Juristen ist ein anderer. Die definieren diese
Begriffe gar nicht, sondern beschreiben sie inhaltlich, ohne sie im
Gesetzestext zu erwähnen.

Wegen der Groß- und Kleinschreibung gabs früher eine Regel, dass es
darauf ankommt, ob der Namensgeber Urheber der genannten Sache ist. Im
berühmt-berüchtigten Kosogschen Diktat fand sich der Satz:

Macht Euch eine abrahamsche Friedfertigkeit zu eigen, indem Ihr im
Streit nach dem Abrahamschen Wort handelt: „Gehst Du zur Rechten, so
gehe ich zur Linken“.

Ob das nach der RSR noch ein Kriterium ist, weiß ich nicht.

--
Helmut Richter

Ulf.K...@web.de

unread,
May 26, 2018, 4:29:09 AM5/26/18
to
Moin,

Am Samstag, 26. Mai 2018 09:15:43 UTC+2 schrieb Helmut Richter:

> Hätten Mathematiker statt Juristen die §§ 224 und 226 StGB mit den
> Definitionen von gefährlicher und schwerer Körperverletzung
> geschrieben, wobei Körperverletzung schon definiert ist, hätten sie
> sicher geschrieben:
>
> Eine Körperverletzung heißt gefährlich, wenn ...
> Eine Körperverletzung heißt schwer, wenn ...
>
> Allein, der Jargon der Juristen ist ein anderer. Die definieren diese
> Begriffe gar nicht, sondern beschreiben sie inhaltlich, ohne sie im
> Gesetzestext zu erwähnen.

Im Strafgesetzbuch gehören neben dem Textkorpus auch die
Überschriften zum Gesetzestext.

Gruß, ULF

Gunhild Simon

unread,
May 26, 2018, 5:49:10 AM5/26/18
to
Am Freitag, 25. Mai 2018 16:27:31 UTC+2 schrieb Stephen Hust:
> "Dazu kommt das Janus-artige Gesicht der Konsumenten [...]"
>
> <https://kurier.at/wirtschaft/essensmacher-steigen-auf-die-barrikaden/400039828>


...
> Korrekt hin oder her, was sieht besser aus, Shakespeare-artig oder
> shakespeare-artig, Janus-artig oder janus-artig? Welche Schreibweise
> würdet Ihr wählen?

Ich würde als Adjektiv "janusköpfig" oder "-gesichtig" vorschlagen -
in diesem Fall nicht einmal dppelgesichtig", sondern vielleicht
unvorhersehbar oder unberechenbar.

Denn Janus weckt ja neben dem berühmten Kopf auch Assoziationen von Eingang
oder Jahresanfang.

Gruß
Gunhild

Thomas Schade

unread,
May 28, 2018, 3:56:25 PM5/28/18
to
On 28.05.2018 21:48, Gerd Thieme wrote:

>> Shakespeare-artig oder shakespeare-artig, Janus-artig oder
>> janus-artig? Welche Schreibweise würdet Ihr wählen?
>
> Da gibt es ein schönes Vorbild: kaskaesk.

Also abgeleitet von Franz Kaska, dem Erfinder der Vollkaska-Versicherung?


Ciao
Toscha
--
Newton's third Law of Emotion:
For every male action there is a female overreaction.

Jakob Achterndiek

unread,
May 28, 2018, 5:57:32 PM5/28/18
to
Am 28.05.2018 um 21:56 schrieb Thomas Schade:
> On 28.05.2018 21:48, Gerd Thieme wrote:
>
>> Da gibt es ein schönes Vorbild: kaskaesk.
> Also abgeleitet von Franz Kaska, dem Erfinder der Vollkaska-Versicherung?
>

Aus grauer Vorzeit, als Kafka noch neu und aufregend war:
<https://archiv.ub.uni-marburg.de/ep/0002/article/download/2899/2802>

--
j/\a

Thomas Schade

unread,
May 29, 2018, 12:30:46 AM5/29/18
to
On 29.05.2018 05:50, Gerd Thieme wrote:

>> Da gibt es ein schönes Vorbild: kaskaesk.
>>
>> Also abgeleitet von Franz Kaska, dem Erfinder der Vollkaska-Versicherung?
>
> Klaffischer Typfehler.

Aber ein lustiger. Weswegen in nicht resisten konnte. :)


Ciao
Toscha
--
Faulheit ist die Fähigkeit, sich auszuruhen bevor man müde wird.

Thomas Schade

unread,
May 29, 2018, 12:45:01 AM5/29/18
to
On 29.05.2018 06:30, Thomas Schade wrote:

> Aber ein lustiger. Weswegen in nicht resisten konnte. :)
ich

Ulf.K...@web.de

unread,
May 29, 2018, 3:28:05 AM5/29/18
to
Am Montag, 28. Mai 2018 21:56:25 UTC+2 schrieb Thomas Schade:
> On 28.05.2018 21:48, Gerd Thieme wrote:

> > Da gibt es ein schönes Vorbild: kaskaesk.
>
> Also abgeleitet von Franz Kaska

'Kaska' gibt es in D als Familiennamen
und vorwiegend außerhalb als Volksgruppe.

Gruß, ULF

H.-P. Schulz

unread,
May 29, 2018, 4:11:21 AM5/29/18
to
Gerd Thieme <gerdt...@gmail.com> schrieb:

>On Mon, 28 May 2018 21:56:23 +0200, Thomas Schade wrote:
>
>> Da gibt es ein schönes Vorbild: kaskaesk.
>>
>> Also abgeleitet von Franz Kaska, dem Erfinder der Vollkaska-Versicherung?
>
>Klaffischer Typfehler.

Vor Jahrzehnten, in "Titanic" irgendwo:

"Mein kafkaekestes Ferienerlebnis"

Diedrich Ehlerding

unread,
May 29, 2018, 2:14:10 PM5/29/18
to
Gerd Thieme meinte:

>> Du wolltest nochmal üben, Frakturschrift zu lesen?
>
> Immer daſſelbe, wer den Spaten hat ſpottet jeder Beſchreibung.


dasſelbe?

--
pgp-Key (RSA) 1024/09B8C0BD
fingerprint = 2C 49 FF B2 C4 66 2D 93 6F A1 FF 10 16 59 96 F3
HTML-Mail wird ungeleſen entſorgt.

Jakob Achterndiek

unread,
May 31, 2018, 11:22:40 AM5/31/18
to
Am 30.05.2018 um 23:44 schrieb Gerd Thieme:
>
> Ich ſchlage Getrenntſchreibung vor: das ſelbe.
> Dann allerdings erhebt ſich die Frage, ob nicht Selbes zum Subſtantiv zu
> erheben wäre.
>

Standeserhebungen konnten und durften früher nur von souveränen
Fürsten, meist nur Königen und Kaisern, vorgenommen werden. Das
hatte gute Gründe. Sonst hätte ja jeder freiherrliche Dödel mit
der gleichen Lässigkeit sein Betthupferl zur Gräfin Rosenplüth
erheben können, wie du das mit den Wörtern tun möchtest. Sowas
wie Monrepos oder das Taschenberg-Palais leisteten die sich auch
nicht für jedes kleine "Selbe".
--
;) j/\a

Olaf Dietrich

unread,
Jun 12, 2018, 6:42:18 AM6/12/18
to
Stephen Hust <shno...@a1.net>:
>
> Ich nehme an, daß "janus-artige" korrekt wäre - oder nicht? Die
> Schreibweise mit großem j ist aber im Internet womöglich üblicher als
> die mit kleinem, und man findet sie auch in einigen Büchern und
> Zeitschriften.
[...]
> Korrekt hin oder her, was sieht besser aus, Shakespeare-artig oder
> shakespeare-artig, Janus-artig oder janus-artig? Welche Schreibweise
> würdet Ihr wählen?

Eine ähnliche Frage (etwas allgemeiner, da nicht auf
Eigennamen beschränkt) habe ich hier kürzliche gestellt:

Newsgroups: de.etc.sprache.deutsch
From: o...@dtrx.de (Olaf Dietrich)
Subject: Grossschreibung von Substantiv-adjektivischen Bildungen mit Bindestrich
Date: Thu, 9 Sep 2010 10:23:14 +0000 (UTC)
Message-ID: <i6acii$g7e$1...@news.lrz-muenchen.de>

<https://groups.google.com/forum/#!topic/de.etc.sprache.deutsch/3qakutPPSsI>

Die anschließende Diskussion enthält eine Reihe Verweise
und weitere Beispiele.

Olaf
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