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Clown gefrühstückt

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Joachim Pense

unread,
May 18, 2013, 6:55:26 AM5/18/13
to
Wenn jemand gerade ungewᅵhnlich witzig drauf ist, fragt man ihn, ob er
einen "Clown gefrᅵhstᅵckt" hᅵtte. Diese Redewendung kenne ich erst seit
wenigen Jahren, und das kannibalistische Bild ist mir etwas unklar. Kann
jemand was zu dieser Redewendung sagen?

Joachim

Jakob Achterndiek

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May 18, 2013, 7:07:25 AM5/18/13
to
Wenn frᅵher jemand solche Aperᅵus erfand, dann blieben die meist im Dorf.
Und das war gut so! Nur wenn sie SEHR gut waren, fanden sie einen Verleger.
Heute gips das Internet.

j/\a
--

mock

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May 18, 2013, 7:35:14 AM5/18/13
to
On 18 Mai, 12:55, Joachim Pense <s...@pense-mainz.eu> wrote:
> Wenn jemand gerade ungew hnlich witzig drauf ist, fragt man ihn, ob er
> einen "Clown gefr hst ckt" h tte. Diese Redewendung kenne ich erst seit
> wenigen Jahren, und das kannibalistische Bild ist mir etwas unklar. Kann
> jemand was zu dieser Redewendung sagen?

Ich kenne einen Uraltwitz, von dem die Wendung abgeleitet sein kann:

Ein Clown gerät in den Kochtopf von Kannibalen. Beim Essen sagt der
eine Kannibale zum anderen: "Der schmeckt aber komisch."

Volker Gringmuth

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May 18, 2013, 8:11:03 AM5/18/13
to
Joachim Pense wrote:

> einen "Clown gefrühstückt" hätte. Diese Redewendung kenne ich erst seit
> wenigen Jahren, und das kannibalistische Bild ist mir etwas unklar.

Zumal ein handelsüblicher Clown nicht nur ein Frühstück, sondern eine
Wochenverpflegung für eine ganze Gruppe von Kannibalen darstellen dürfte.


vG

G.O.Tuhls

unread,
May 18, 2013, 8:55:01 AM5/18/13
to
Seit wann soll man Aphorismen wörtlich nehmen?

Ich vermute eine Herkunft im Zusammenhang mit den notorischen Spaßmachern
im "Frühstückradio"; das erste Auftreten der Floskel fällt nach meiner
Erinnerung zeitlich mit dem Aufkommen der Informationsfreiheit im
Dudelfunk zusammen.

Gruß
G.O.
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Joachim Pense

unread,
May 18, 2013, 10:39:09 AM5/18/13
to
Am 18.05.2013 15:25, schrieb Wolfgang Schwanke:

>
> IMHO verwendet man es eher, wenn jemand besonders albern
> ist oder ausgesprochen schlechte Witze macht. Wenn es auf jemanden
> angewendet wird, der vielleicht auch gute witzige Bemerkungen macht,
> nervt mich das eher, weil dahinter die Auffassung steckt, dass Humor
> eigentlich ungew�hnlich oder unerw�nscht ist.
>

Das sehe ich auch so.

Joachim

Joachim Pense

unread,
May 18, 2013, 10:55:52 AM5/18/13
to
Am 18.05.2013 15:25, schrieb Wolfgang Schwanke:

>
> In demjenigen steckt bildlich ein Clown drin, und das geht schon den
> ganzen Tag so.

Klingt nicht schlecht. Allerdings w�rde ich dann "Clown verschluckt"
erwarten.

Joachim

Marko Renner

unread,
May 18, 2013, 11:19:36 AM5/18/13
to
Vielleicht entwickelte es sich aus "Hast du schlecht gefr�hst�ckt?"
bei schlechter Laune bzw. basiert auf der Annahme, dass die
Qualit�t des Fr�hst�cks Auswirkung auf die Tagesstimmung hat.

Marko

Thomas Heier

unread,
May 18, 2013, 11:47:00 AM5/18/13
to
G.O.Tuhls <g.o....@googlemail.com> wrote:

> Ich vermute eine Herkunft im Zusammenhang mit den notorischen Spa�machern
> im "Fr�hst�ckradio";

Unm�glich, dieser Zusammenhang. Den gefr�hst�ckten Clown gibt es seit
mindestens 30 Jahre vor "Fr�hst�ckradio".

--
Gru� aus Henstedt-Ulzburg, Deutschlands gr��tem Dorf (Schleswig-
Holstein, Kreis Segeberg). Urlaubsbilder: http://www.thomas-heier.de
Filme: http://www.youtube.com/user/thshDE?feature=mhum#g/u
Mein Flohmarkt: http://www.thomas-heier.de/flohmarkt/flohmarkt.html

Volker Gringmuth

unread,
May 18, 2013, 3:40:02 PM5/18/13
to
Joachim Pense wrote:

> > In demjenigen steckt bildlich ein Clown drin, und das geht schon den
> > ganzen Tag so.
>
> Klingt nicht schlecht. Allerdings würde ich dann "Clown verschluckt"
> erwarten.

Wenn das clowneske Verhalten an einem Tag besonders auffällig ist, möchte
man halt dessen Aufnahme zu früher Stunde herausstellen.


vG

Roland Franzius

unread,
May 18, 2013, 11:29:41 PM5/18/13
to
Das ist analog zum linksfüßigen Aufstehen manchen Tags. Das assoziiert
man halt mit dem Bett und nicht mit dem Stuhl.

--

Roland Franzius

Christina Kunze

unread,
May 19, 2013, 4:27:08 AM5/19/13
to
Am 18.05.2013 16:55, schrieb Joachim Pense:
So �hnlich funktioniert ja auch "hast du (zum Fr�hst�ck) Quasselwasser
getrunken?".

chr

Thomas 'PointedEars' Lahn

unread,
May 20, 2013, 7:16:34 AM5/20/13
to
Joachim Pense wrote:

> Wenn jemand gerade ungewöhnlich witzig drauf ist, fragt man ihn, ob er
> einen "Clown gefrühstückt" hätte. Diese Redewendung kenne ich erst seit
> wenigen Jahren, und das kannibalistische Bild ist mir etwas unklar. Kann
> jemand was zu dieser Redewendung sagen?

Der Redewendung liegt anscheinend die Vorstellung zugrunde, dass wie man
einen Tag beginnt entscheidend für das eigene Verhalten an diesem Tag ist.
Vergleiche „mit dem falschen Bein aufgestanden“, „es war was im Kaffee“
oder „er hat einen im Tee“.

Populär wurde dieses Konzept auch durch Jürgen von der Lippes Lied
„Guten Morgen liebe Sorgen“ (1987):

Guten Morgen liebe Sorgen,
seid ihr auch schon alle da?
Habt ihr auch so gut geschlafen?
Na, dann ist ja alles klar.

Wir schwingen unser linkes Bein
behende aus dem Bett;
der Bettvorleger gibt uns Schwung
bis direkt vors Klosett.

Na, wo wir schon mal da sind,
da bleib’n wir auch hier …
Wooaah! Fertig:
wo ist das Papier?

Guten Morgen liebe Sorgen …

Wenn ein Tag so wunderschön
beginnt, ist alles drin:
heute bleibt die Dusche kalt,
das Wasserrohr ist hin.

Wir gleiten auf den Fliesen aus
und prellen uns den Steiß;
als Krönung schmeckt der Kaffee heute
irgendwie nach Schweiß.

(usw.)

--
PointedEars

Twitter: @PointedEars2
Please do not Cc: me. / Bitte keine Kopien per E-Mail.

Joachim Pense

unread,
May 20, 2013, 12:11:50 PM5/20/13
to
Am 20.05.2013 13:16, schrieb Thomas 'PointedEars' Lahn:
> Joachim Pense wrote:
>
>> Wenn jemand gerade ungewöhnlich witzig drauf ist, fragt man ihn, ob er
>> einen "Clown gefrühstückt" hätte. Diese Redewendung kenne ich erst seit
>> wenigen Jahren, und das kannibalistische Bild ist mir etwas unklar. Kann
>> jemand was zu dieser Redewendung sagen?
>
> Der Redewendung liegt anscheinend die Vorstellung zugrunde, dass wie man
> einen Tag beginnt entscheidend für das eigene Verhalten an diesem Tag ist.
> Vergleiche „mit dem falschen Bein aufgestanden“, „es war was im Kaffee“
> oder „er hat einen im Tee“.
>

Nun gut, das Frühstück findet früh am Tage statt, soweit sind wir uns ja
alle einig. Aber Clowns gehören normalerweise nicht zum Nahrungsangebot,
und auch aus Versehen würde man keinen solchen verzehren. Wär auch viel
zu viel, wer kriegt denn einen ganzen Clown runter! Und die Vorstellung,
durch das Essen eines solchen ginge dessen Witzischkeit auf einen über,
hat doch was arg Archaisches.


Clownförmige Gummibärchen oder so könnt ich mir vorstellen, aber gibt es
solche, die derart kanonisch sind, dass sie zu einem Witzbild taugen?

Joachim

Thomas 'PointedEars' Lahn

unread,
May 20, 2013, 12:50:56 PM5/20/13
to
Die Annahme, einer solchen Redewendung müsse ein adäquater (etwa historisch
belegter) Ernährungsvorgang zugrundeliegen, führt in die Irre. Entscheidend
ist die nicht so abwegige – weil empirisch nachweisbare – Vorstellung, dass
das, was am Morgen passiert, also hier speziell womit man sich ernährt,
jedenfalls bei Menschen die eigene Tagesform und Stimmung beeinflusst.

Wer beispielsweise morgens (besonders auf nüchternen Magen) unwissentlich
etwas Verdorbenes („Schlechtes“) zu sich nahm, dem geht es wahrscheinlich
dem ganzen Tag gesundheitlich nicht besonders gut, und das hat auch
psychologische Folgen (Apathie, Gereiztheit usw.) Der sprichwörtlich
„gefrühstückte Clown“ steht hier für etwas *Gutes*, das zu einer *positiven*
Grundstimmung führt, welche aber, weil im Kontext vom anderen als
*übertrieben* positiv empfunden, mit *negativer* Konnotation gebraucht wird.

Siehe auch (die Etymologie von) <http://de.wikipedia.org/wiki/Humor>.

HTH

Oliver Jennrich

unread,
May 20, 2013, 1:53:06 PM5/20/13
to
"Jakob Achterndiek" <achte...@buzemann.de> writes:

> Am 18.05.2013, 12:55 Uhr, schrieb Joachim Pense <sn...@pense-mainz.eu>:
>
>> Wenn jemand gerade ungewöhnlich witzig drauf ist, fragt man ihn, ob
>> er einen "Clown gefrühstückt" hätte. Diese Redewendung kenne ich
>> erst seit wenigen Jahren, und das kannibalistische Bild ist mir
>> etwas unklar. Kann jemand was zu dieser Redewendung sagen?
>
> Wenn früher jemand solche Aperçus erfand, dann blieben die meist im Dorf.
> Und das war gut so! Nur wenn sie SEHR gut waren, fanden sie einen Verleger.
> Heute gips das Internet.

Ach, das gehörte wohl zum Standardrepertoire von Unteroffizieren in der
Bundeswehr. Dahinter steht der rehtorische Kniff, einen Anschiss immer
mit einer Frage zu beginnen, die man nur mit 'Nein' beantworten kann -
damit ist dann der Gefragte automatisch in der Defensive.

So gesehen gab es den Spruch vermutlich schon im WK I.

--
Space - The final frontier

Gernot Zander

unread,
May 20, 2013, 2:07:29 PM5/20/13
to
Hi,

in de.etc.sprache.deutsch Christina Kunze <ku...@revesz.de> wrote:
> >> In demjenigen steckt bildlich ein Clown drin, und das geht schon den
> >> ganzen Tag so.
> >
> > Klingt nicht schlecht. Allerdings würde ich dann "Clown verschluckt"
> > erwarten.

> So ähnlich funktioniert ja auch "hast du (zum Frühstück) Quasselwasser
> getrunken?".

Rolf Kalb (wer ihn kennt...) meinte neulich: "der hat sich wohl beim
Aufstehen einen schon gebrauchten Tag andrehen lassen".

mfg.
Gernot

--
<hi...@gmx.de> (Gernot Zander) *Keine Mailkopien bitte!*
Auch einem Vegetarier kann alles wurscht sein.
Message has been deleted

Carsten Thumulla

unread,
May 21, 2013, 9:40:28 AM5/21/13
to
Am 20.05.2013 19:53, schrieb Oliver Jennrich:
>
> Ach, das gehᅵrte wohl zum Standardrepertoire von Unteroffizieren in der
> Bundeswehr.

Hᅵtt sich bei uns keiner getraut -- jedenfalls keiner der Clowns.


Carsten
--
ᅵMaastricht, das ist der Versailler Vertrag ohne Krieg.ᅵ
Franz-Olivier Giesbert, damaliger Chefredakteur des Le Figaro
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