>Warum sagt man eigentlich: der Wein ist "trocken" ?
>Rein sprachlich betrachtet, müßte man doch eigentlich sagen: der
>Wein ist "sauer" oder "herb".
Hallo, Horst!
Richtig, so war es auch bis zur Einführung des _Weingesetzes_ vor
etwa 20 bis 30 Jahren. Dort ist der Begriff "trocken" definiert.
Du solltest dort einmal nachlesen. Nur so viel vorab: als "trocken"
werden dort Weine bezeichnet, die ausgegoren sind. Ich höre immer
wieder, dass viele Leute die alten Begriffe "sauer" und "herb"
meinen und dann dazu "trocken" sagen.
Prost und Gruss von Karl
Die Verkaeufer finden sicher, dass dies nicht gut klingt.
Deswegen muss es verschleiert werden.
mkhan wrote:
>
> Olaf Deppe wrote:
>
> > Es gibt durchaus trockene Weine, die nicht herb sind oder sauer. Sie
> > schmecken tatsaechlich "trocken", sie vermitteln ein trockenes Gefuehl
> > auf der Zunge.
>
> Um diesen unangenehmen Effekt auszuschliessen, fuegen fuersorgliche
> Winzer im Interesse ihrer Kunden ihrem Produkt groessere Mengen Wasser
> bei.
.... oder heisst es hier korrekt: "groessere Mengen Wassers"?
Es gibt durchaus trockene Weine, die nicht herb sind oder sauer. Sie
schmecken tatsaechlich "trocken", sie vermitteln ein trockenes Gefuehl
auf der Zunge. (Wie kommt das eigentlich?)
Olaf
> "Horst Kays" <horst...@t-online.de> schrieb:
> > Rein sprachlich betrachtet, müßte man doch eigentlich sagen: der Wein
> > ist sauer
>
> Die Verkaeufer finden sicher, dass dies nicht gut klingt.
> Deswegen muss es verschleiert werden.
Sauer und trocken ist auch beim Wein nicht dasselbe.
(Erklären kann ichs aber leider nicht, nur schmecken :-))
> Sauer und trocken ist auch beim Wein nicht dasselbe.
> (Erklären kann ichs aber leider nicht, nur schmecken :-))
Das ist einfach: "sauer" ist ein Wein, der viel Säure enthält.
"trocken" ist ein wein, der wenig unvergorenen Zucker enthält.
Trockene Weine sind nicht notwendigerweise sauer, und Weine mit
viel Säure sind nicht notwendigerweise trocken.
Diedrich
--
pgp-Key (RSA) 1024/09B8C0BD auf den üblichen Servern
fingerprint = 2C 49 FF B2 C4 66 2D 93 6F A1 FF 10 16 59 96 F3
>Horst Kays (horst...@t-online.de) wrote:
>> Warum sagt man eigentlich: der Wein ist "trocken" ?
>> Gemeint ist in der Regel ein Getränk, welches nicht süß oder lieblich
>> schmeckt.
>> Rein sprachlich betrachtet, müßte man doch eigentlich sagen: der Wein
>> ist sauer oder herb.
>
>Es gibt durchaus trockene Weine, die nicht herb sind oder sauer. Sie
>schmecken tatsaechlich "trocken", sie vermitteln ein trockenes Gefuehl
>auf der Zunge. (Wie kommt das eigentlich?)
>
>Olaf
Hallo Olaf,
es ist schon so eine Sache mit dem "trocken" und "naß".
Mir ist leider noch nie ein Wein begegnet, der nicht sauer/herb,
sondern lieblich und dabei noch trocken ist ...
Aber das mag daran liegen, daß ich herbe/säuerliche oder kurz gesagt
"nicht süße" Weine nicht mag. Kennst Du eine Sorte, bei der ich
diesen Effekt mal ausprobieren kann ? Danke dafür !
Gruß Horst
>"Horst Kays" <horst...@t-online.de> schrieb im Newsbeitrag
>news:38b0578c...@news.btx.dtag.de...
>> Rein sprachlich betrachtet, müßte man doch eigentlich sagen: der Wein
>> ist sauer
>
>Die Verkaeufer finden sicher, dass dies nicht gut klingt.
>Deswegen muss es verschleiert werden.
>
>
Ehrlich gesagt: den Verdacht habe ich auch. Schön, daß auch noch
jemand anderes so (misstrauisch ???) denkt.
Danke für die offenen Worte !
Gruss v. Horst
>
>Horst Kays schrieb in Nachricht <38b0578c...@news.btx.dtag.de>...
>
>>Warum sagt man eigentlich: der Wein ist "trocken" ?
>>Rein sprachlich betrachtet, müßte man doch eigentlich sagen: der
>>Wein ist "sauer" oder "herb".
>
>
>Hallo, Horst!
>Richtig, so war es auch bis zur Einführung des _Weingesetzes_ vor
>etwa 20 bis 30 Jahren. Dort ist der Begriff "trocken" definiert.
>Du solltest dort einmal nachlesen. Nur so viel vorab: als "trocken"
>werden dort Weine bezeichnet, die ausgegoren sind. Ich höre immer
>wieder, dass viele Leute die alten Begriffe "sauer" und "herb"
>meinen und dann dazu "trocken" sagen.
>
>Prost und Gruss von Karl
>
Hallo Karl,
vielen Dank für die Info. Die Sache mit dem Weingesetz wußte ich noch
nicht. Aber ich werden den Eindruck nicht los, daß mit "trocken" wohl
säuerliche Weine gemeint sind, dieser Ausdruck aber edler klingt.
Ich meine, irgendwie muß ein schlauer Mensch im Dienst des
Gesetzgebers doch auf dieses Wort gekommen sein. Wenn es in Wahrheit
wirklich so ist, daß es sich um eher säuerliches Gebräu handelt, finde
ich schade, daß man es nicht auch so bezeichnet. Der Begriff säuerlich
muß nicht unbedingt negativ belastet sein. Ich kenne Leute, die essen
für ihr Leben gern "saure Pommes" !
Gruß v. Horst
> Warum sagt man eigentlich: der Wein ist "trocken" ?
Könnte es sich nicht einfach um die direkte Uebersetzung des
französischen "sec" handeln, was sowohl "trocken" (Ggt. von nass) als
auch "herb" bedeutet?
Katharina
> Hallo Karl,
> vielen Dank für die Info. Die Sache mit dem Weingesetz wußte ich noch
> nicht. Aber ich werden den Eindruck nicht los, daß mit "trocken" wohl
> säuerliche Weine gemeint sind, dieser Ausdruck aber edler klingt.
Hallo Horst,
ich will hier in keinster Weise behaupten, ein Weinkenner zu
sein.
Dennoch möchte ich Dir widersprechen: Es gibt trockene Weine,
die weder herb noch - bis auf eine feine Restsäure - sauer
sind, sondern einfach "schön durchgegoren" => hoher
Allohollehalt ;-). (Solche Weine trinke ich am liebsten!)
Meint
Reinhard
>>Warum sagt man eigentlich: der Wein ist "trocken" ?
>>Rein sprachlich betrachtet, müßte man doch eigentlich sagen: der
>>Wein ist "sauer" oder "herb".
>
>Richtig, so war es auch bis zur Einführung des _Weingesetzes_ vor
>etwa 20 bis 30 Jahren. Dort ist der Begriff "trocken" definiert.
Und das wirkt sich auch auf andere Sprachen aus?
pi
--
Usenet is like Tetris for those who still can read.
Sehr lustig ....
Fassen wir noch einmal zusammen:
Ein Wein ist ...
sauer, wenn er einen hohen Säureanteil hat (meist Weinsäure, auch Apfelsäure)
süß, wenn er hohen Restzucker hat
trocken, wenn er kaum Restzucker hat
herb, wenn er hohen Bitterstoffgehalt (Tannine) hat
vollmundig ? (hoher Extrakt?)
schwer ? hoher Alkoholgehalt
ausgewogen ....
gut: wenn er mir SCHMECKT
Leider können die durch die chemische Zusammensetzung bewirkten Geschmacks-
eigenschaften fast in jeder beliebigen Kombination auftreten und die heutige
Kellereitechnik kann auch aus einem sauren, faden Wein einen trinkbaren
machen (Entfernung der Weinsäure, Zusatz von Apfelsäure, Restzucker-Erhöhung,
Extrakt-Anhebung, CO2-Imprägnierung etc. Daß nicht alle Methoden laut Wein-
gesetz zulässig sind, hat, wie die vielen Weinskandale beweisen, noch niemanden
gehindert ...
--
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richtig: partitiver Genitiv, da ja nur ein weniges von der großen,
verfügbaren Menge Wasser beigefügt wird. Ich genoß eines Schluckes
trockenen Weines.
FR
Florian Ritter wrote:
> richtig: partitiver Genitiv, da ja nur ein weniges von der großen,
> verfügbaren Menge Wasser beigefügt wird. Ich genoß eines Schluckes
^^^^^^^^^^^^^^^
> trockenen Weines.
Wie bitte, ein doppelter Genitiv? Ist das nicht des Guten zuvieler?
Na, wenn du mal eine (Trocken-)beerenauslese von einem trockenen Riesling
trinkst, kannst Du schon noch eine gehoerige Restsuesse ausmachen.
Da ist eben im Traubensaft so viel Zucker, dass beim natuerlichen
Ende der Gaerung noch einiges uebrig ist.
Gruss
Joerg
Technisch ist es meist einfacher den ausvergorenen Wein zu filtrieren, um
die Hefe zu entfernen und dann wird unvergorener Traubenmost (sollte von der
gleichen Sorte etc. sein), der steril aufbewahrt wurde, zugesetzt, bis die
gewünschte/erlaubte Süße errreicht ist.
Was ihr da wollt, ist ein Widerspruch in sich. Ein *legistisch*
trockener [0] Wein kann nicht lieblich [1] sein.
Also Horst, probier es einmal mit den Schweizer Weinen. Die werden
malolaktisch [2] entsäuert, worauf sie für viele Weintrinker seltsam
schal und fad wirken.
Eine Trockenbeerenauslese (muss in .de min. 150 Oechsle haben) kann von
einem Riesling (oder einer anderen Sorte) sein; das Attribut "trocken"
bezeichnet dabei, wieweit der Zucker vergoren wurde (sehr vereinfacht:
trocken = max. 9g/l Restzucker).
Um wieder "on topic" zu sein, ich vermute - wie andere auch - dass der
Begriff "trocken" aus der direkten Übersetzung des fr. "sec" oder des
it. "secco" kommt. Für das "trockene" Gefühl sind AFAIK dabei Tannine
verantwortlich.
Prost - Ernest
[0] "trocken" - http://www.weinversand-schroeder.de/tips/lexi.html#t
[1] "lieblich" auch: http://www.wein-plus.de/archive/msg04640.html
[2] "malolaktisch" - http://www.wein-plus.de/archive/msg10383.html
>Na, wenn du mal eine (Trocken-)beerenauslese von einem trockenen Riesling
>trinkst, kannst Du schon noch eine gehoerige Restsuesse ausmachen.
>Da ist eben im Traubensaft so viel Zucker, dass beim natuerlichen
>Ende der Gaerung noch einiges uebrig ist.
Genau. Dort stoppt die Gärung nicht, weil der Zucker aufgebraucht ist,
sondern weil die Weinhefe am hohen Alkoholgehalt des Weines eingeht.
BTW: Alles über 30 Restzucker ist schon unanständig süß, wer davon mehr
als einen Schoppen trinken kann, hat meinen vollen Respekt.
cu.
Juergen
--
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\ Freie Bits für frei Buerger \
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>Andreas Meier <nos...@example.com> wrote:
>
>> "Horst Kays" <horst...@t-online.de> schrieb:
>
>> > Rein sprachlich betrachtet, müßte man doch eigentlich
>> > sagen: der Wein ist sauer
Nein.
>> Die Verkaeufer finden sicher, dass dies nicht gut klingt.
>> Deswegen muss es verschleiert werden.
>
>Sauer und trocken ist auch beim Wein nicht dasselbe.
>(Erklären kann ichs aber leider nicht, nur schmecken :-))
Ist aber ganz einfach (ich wunder' mich, dass es hier noch
nicht genannt wurde):
Die Gegensatzpaare lauten
süß <-> trocken (Da geht's um den Restzuckergehalt)
und
mild <-> sauer (säurebetont; hier geht's um den Säuregehalt)
und dann gibt's noch (beim Roten)
mild <-> herb = gerbstoffreich (da ist's der Tanningehalt)
"Trocken" ist der Wein übrigens nicht nur im Deutschen,
sondern in allen mir bekannten Sprachen.
Michael
Aber im englischen heißt es doch auch "dry" und sogar "extra dry".
Grüße
Rüdiger
Zusatzbericht.
Weingesetz vom 16.7.1969 § 10 (4):
- Wein, der in einem Liter höchstens vier Gramm unvergorenen
- Zucker (als Invertzucker - berechnet) enthält, darf als "trocken"
- gekennzeichnet werden.
Dazu Kommentar von Hans-Jörg Koch, l970. Gesetz und Kommentar geben
Auskunft über vieles, das für den Verbraucher unklar (manchmal auch:
vernebelt) ist.
Die Bezeichnung "trocken" für _Wein_ in dieser Bedeutung ist offenbar
erst mit diesem, letzten Weingesetz in die deutsche Sprache gekommen.
Mit den Begriffen "herb" und "sauer" hat "trocken" direkt nichts zu
tun. Die Verwirrung, die dazu geführt hat, dass diese beiden Begriffe
häufig mit "trocken" verwechselt werden, mag IMHO aus folgendem Grund
entstanden sein.
Wenn der Zucker vergoren ist, wird die im Wein immer enthaltene Säure
nicht mehr zugedeckt und deshalb deutlicher geschmeckt. Also schmeckt
"trockener" (ausgegorener) Wein dann halt herber oder saurer.
Übrigens habe ich den Eindruck gewonnen, dass der Begriff "trocken"
manchmal auch missbraucht wird, um die früher verwendeten, ehrlichen
Begriffe "herb" und "sauer" vornehm zu umschreiben.
Dass die Bezeichnung "trocken" bei Wein erst neueren Datums ist,
ergibt auch ein Blick in das Grimm'sche Wörterbuch. Dort habe ich ihn
in dieser Bedeutung nämlich nicht gefunden.
Gruss von Karl
[...]
> Leider
Gottlob!
> können die durch die chemische Zusammensetzung bewirkten Geschmacks-
> eigenschaften fast in jeder beliebigen Kombination auftreten [...]
C - ¦ #