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Fehler in Redewendungen

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M. Opatz

unread,
Jan 8, 2001, 2:14:26 PM1/8/01
to
Es gibt Sprichworte und Redwendungen, die weit
verbreitet nicht ganz korrekt verwendet werden.
Zum Beispiel:
- einen Streit vom Zaun(e) brechen [statt vom Zaum(e)]
- etwas brennt unter den Nägeln [statt auf den Nägeln]


Wer hat weitere Beispiele für solche Standard-Irrtümer?


Matthias


--
_____________________________________________________________
NewsGroups Suchen, lesen, schreiben mit http://netnews.web.de

Thomas Frieling

unread,
Jan 8, 2001, 4:04:27 PM1/8/01
to

"M. Opatz" schrieb:

>
> Es gibt Sprichworte und Redwendungen, die weit
> verbreitet nicht ganz korrekt verwendet werden.
> Zum Beispiel:
> - einen Streit vom Zaun(e) brechen [statt vom Zaum(e)]
> - etwas brennt unter den Nägeln [statt auf den Nägeln]
>
> Wer hat weitere Beispiele für solche Standard-Irrtümer?
> (...)

'Mund-zu-Mund-Propaganda' anstatt 'Mundpropaganda'
'Aus aller Herren Länder' anstatt 'aus aller Herren Ländern'
'Auf Gradewohl' anstatt 'aufs Geratewohl'

Mehr fällt mir gerade nicht ein.

Gruß

Thomas

Holger Prinke

unread,
Jan 8, 2001, 4:01:18 PM1/8/01
to
"M. Opatz" <ste...@web.de> schrieb im Newsbeitrag
news:3a5a1cc9$1...@netnews.web.de...

> Wer hat weitere Beispiele für solche Standard-Irrtümer?

Ich hörte einst: "Wir haben gefroren wie die Schloßhunde!"

Gruß
Holger


Andreas Kabel

unread,
Jan 8, 2001, 4:32:45 PM1/8/01
to
Thomas Frieling <thomas....@arcormail.de> writes:


"Stehgreif" begegnet mir zuweilen.

Gruss,

An "Arrrrrrrrrrrgggh" dreas


--
Andreas Kabel | aka...@slac.stanford.edu
Stanford Linear Accelerator Center | +1(650)926-5069 (office)
2575 Sand Hill Road, MS 26 | +1(650)926-5368 (fax)
Menlo Park, CA 94025 | +1(650)917-8559 (home)

Wolf Busch

unread,
Jan 8, 2001, 5:28:56 PM1/8/01
to
"M. Opatz" schrieb:

> Es gibt Sprichworte
^^^^^

Tja, da lernt man nun mühsam den Unterschied zwischen »Wörtern«
und »Worten«, und dann ist gemeinerweise der Plural von
»Sprichwort« nicht »Sprichworte«, sondern »Sprichwörter«. ;-)

> und Redwendungen, die weit
> verbreitet nicht ganz korrekt verwendet werden.
> Zum Beispiel:
> - einen Streit vom Zaun(e) brechen [statt vom Zaum(e)]

Was ist denn an »einen Streit vom Zaun brechen« nicht
korrekt? Wenn hier etwas falsch ist, dann ist es der Zaum.

> - etwas brennt unter den Nägeln [statt auf den Nägeln]
>
> Wer hat weitere Beispiele für solche Standard-Irrtümer?

»Das schlägt doch dem Faß die Krone ins Gesicht«
(ist aber vermutlich eine absichtliche Verballhornung).

Schöne Grüße,
Wolf

Lothar Frings

unread,
Jan 9, 2001, 2:21:12 AM1/9/01
to
"M. Opatz" <ste...@web.de> wollte wissen:


>
>Wer hat weitere Beispiele für solche Standard-Irrtümer?


Ich habe die sogar mal gesammelt, weil ich eine Bekannte
hatte, bei der das Metaphernverdrehen schon der Standard-
zustand war. An zwei erinnere ich mich noch:


"Jemandem den Wind aus den Fahnen nehmen"
"Das sollten wir nicht unter den Teppich fallen lassen"


Was ich außerdem noch hörte: "Altweiberfastnacht",
und was fast immer falsch gebraucht wird, aber eigentlich
keine feste Redewendung ist:


"Mit dem neuen Projekt können wir nicht anfangen, bevor
wir nicht mit dem aktuellen fertig sind."

Gruß
Lothar

Alexander Boronka

unread,
Jan 9, 2001, 4:43:04 AM1/9/01
to
Ein Experte!

Am 1/8/01, 11:28:56 PM, schrieb Wolf Busch <tei...@web.de> zum Thema
Re: Fehler in Redewendungen:


> Tja, da lernt man nun mühsam den Unterschied zwischen »Wörtern«
> und »Worten«,

Das wollte ich schon immer mal wissen. Kannst Du das kurz erklären?

Gruß,
Alexander.

Erik Meltzer

unread,
Jan 9, 2001, 5:43:05 AM1/9/01
to
Moin!

Wolf Busch wrote:
> »Das schlägt doch dem Faß die Krone ins Gesicht«
> (ist aber vermutlich eine absichtliche Verballhornung).

Wer das, was er im Trüben gefischt hat, heißer essen will, als es
auf dem Krisenherd gekocht worden ist, muß sich doch fragen
lassen, ob er eine Antwort weiß auf das, was aus dem Wald
herausschallt, wenn man die Früchte ernten will, die man
nicht selber geschürt hat.
-- Heinz Rudolf Kunze, "Verlautbarung"

SCNR,
Erik.
--
"No Water:
No Steam! No Rust! No Ice!
No Heat?
Too Bad." -- Not quite a Volkswagen advertising bumper sticker

Wolf Busch

unread,
Jan 9, 2001, 10:11:30 AM1/9/01
to
Alexander Boronka schrieb:


> > Tja, da lernt man nun mühsam den Unterschied zwischen »Wörtern«
> > und »Worten«,
>
> Das wollte ich schon immer mal wissen. Kannst Du das kurz erklären?

Wenn man ein einzelnes Wort meint (z. B. »Nase«, »Quarkstrudel«),
dann lautet der Plural »Wörter« (Der Satz besteht aus Wörtern).

Wenn man dagegen »Wort« im Sinne von »Äußerung« oder »Bemerkung«
verwendet, dann lautet der Plural »Worte« (Ich vernahm seine
weisen Worte).

Diese Unterscheidung hat sich erst im Laufe der Sprachgeschichte
durchgesetzt; zu Goethes Zeiten beispielsweise haben sich die
Schriftsteller noch nicht konsequent an diese Regel gehalten.
Auch heute setzt sich manch ein Schriftsteller über diese
Regel hinweg und schreibt von Worten statt von Wörtern, so wie
etwa Robert Gernhardt:

| Dreißigwortegedicht
|
| Siebzehn Worte schreibe ich
| auf dies leere Blatt,
| acht hab' ich bereits vertan,
| jetzt schon sechzehn und
| es hat alles längst mehr keinen Sinn,
| ich schreibe lieber dreißig hin:
| dreißig.

Schöne Grüße,
Wolf

Wolfram Steinacker

unread,
Jan 9, 2001, 10:57:35 AM1/9/01
to
Wolf Busch wrote:
>
> Alexander Boronka schrieb:
>
> > > Tja, da lernt man nun mühsam den Unterschied zwischen »Wörtern«
> > > und »Worten«,

tja das war noch nie ganz leicht

http://www.zap-verlag.de/online-dienste/iusgratis/beaumonts/worte.html

W

--
Er liebte hautsächlich die Wörter, die nicht in Wörterbüchern
vorzukommen pflegen. (Lichtenberg)

NVA-Jargon http://netzwoerterbuch.de

armin saam

unread,
Jan 9, 2001, 11:10:13 AM1/9/01
to

"M. Opatz" wrote:

> Es gibt Sprichworte und Redwendungen, die weit
> verbreitet nicht ganz korrekt verwendet werden.
> Zum Beispiel:
> - einen Streit vom Zaun(e) brechen [statt vom Zaum(e)]
> - etwas brennt unter den Nägeln [statt auf den Nägeln]
>
> Wer hat weitere Beispiele für solche Standard-Irrtümer?

Die witzigsten Fehler entstehen, wenn zwei Redewendungen miteinander
vermengt werden. Ich hörte mal in einer Rundfunkdiskussion: "Man soll
doch den Teufel nicht gleich an die Wand stellen".

Welche Redewendung ist die am häufigsten falsch gebrauchte? Meiner
Beobachtung nach ist es die "Nagelprobe". Die Nagelprobe machen heißt:
sein Glas auf ex trinken. Benutzt wird diese Redewendung in Unkenntnis
ihrer wirklichen Bedeutung von den meisten im Sinne von "eine
(entscheidende) Bewährungsprobe bestehen." Klar: Hier wird die
Nagelprobe mit der Feuerprobe verwechselt.

Gruß von
Armin Saam

Gerald Fix

unread,
Jan 9, 2001, 11:35:40 AM1/9/01
to
On 08 Jan 2001 21:14:26 +0200, "M. Opatz" <ste...@web.de> wrote:

>Wer hat weitere Beispiele für solche Standard-Irrtümer?

Zwei Literaturbeispiele, die regelmäßig falsch gebraucht werden,
sind Brechts Mutter Courage (nein, Regine Hildebrandt ist keine
Marketenderin, die dem Krieg hinterherzieht und von ihm
aufgefressen wird) und Heines "Denk ich an Deutschland in der
Nacht", das sich ausdrücklich nicht auf die politischen Verhält-
nisse in Deutschland bezieht.


Wolf Busch

unread,
Jan 9, 2001, 12:32:03 PM1/9/01
to
armin saam schrieb:


> Welche Redewendung ist die am häufigsten falsch gebrauchte? Meiner
> Beobachtung nach ist es die "Nagelprobe". Die Nagelprobe machen heißt:
> sein Glas auf ex trinken.

Nicht ganz; erst wird getrunken, dann kommt die Nagelprobe:
Man dreht das Glas um und setzt es mit dem Rand schief auf den
Daumennagel, um zu beweisen, daß kaum noch ein Tropfen übriggeblieben
ist. Wenn vom Daumennagel keine Flüssigkeit herunterfließt, dann hat
man die Nagelprobe bestanden.

Schöne Grüße,
Wolf

Carsten Kruse

unread,
Jan 9, 2001, 12:42:10 PM1/9/01
to

M. Opatz schrieb:

MO> Wer hat weitere Beispiele für solche Standard-Irrtümer?

"Grüßt Euch" (anstelle [Ich] grüß[e] Euch)
"Beschäftigungstheorie" (statt ~therapie)
Das kostet *dem* Land 10 Millionen. (Statt: Das kostet das Land...)
Jetzt habe ich *mich* aber erschrocken. (Statt: Ich bin erschrocken.)

Bye/7, Carsten [G'Car] E-Mail: c...@beg.gera.thur.de
--
... "Ok, now for a quick backuú+?&?#^1s_"

Peter Salewsky

unread,
Jan 9, 2001, 2:52:35 PM1/9/01
to
Carsten Kruse wrote:
> Das kostet *dem* Land 10 Millionen. (Statt: Das kostet das Land...)

M.W. sind beide Varianten erlaubt.

armin saam

unread,
Jan 9, 2001, 7:06:08 PM1/9/01
to

"M. Opatz" wrote:

> Es gibt Sprichworte und Redwendungen, die weit
> verbreitet nicht ganz korrekt verwendet werden.
> Zum Beispiel:
> - einen Streit vom Zaun(e) brechen [statt vom Zaum(e)]
> - etwas brennt unter den Nägeln [statt auf den Nägeln]

Es brennt mir auf den Nägeln, zum zweiten Beispiel Statistisches
nachzutragen: Ich habe (schon mehrfach) unter meinen Studenten
schriftlich abgefragt, 1. ob es "auf" oder "unter" heißt, und 2. was
diese Redewendung bedeutet. Ergebnis:
zu 1: ca. 15 Prozent halten "auf" für richtig, einige wenige haben diese
Redewendung noch nie gehört!
zu 2: ca. 30 % verstehen sie richtig, weitere 30 % nur sehr vage, der
Rest greift entweder grob daneben oder versteht nur "Bahnhof".

Ob eine solche Erhebung repräsentativ ist für das allgemeine passive
Sprachverständnis, weiß ich nicht. Ich möchte darüber keinen
Streit vom Zaun (mit "n"!) brechen.

Beste Grüße
von Armin Saam

Tanja G. Baudson

unread,
Jan 9, 2001, 8:21:18 PM1/9/01
to
Peter Salewsky <pe...@psalewsky.de> wrote:

Grammatikalisch richtig ist zweiteres; das erste breitet sich aber
unaufhaltsam aus (da heulen die Sprachpuristen...).

Viele Grüße,

Tanja

Alexander Scharfs

unread,
Jan 10, 2001, 3:49:47 AM1/10/01
to

Wolf Busch schrieb in Nachricht <3A5B2A22...@web.de>...

>Alexander Boronka schrieb:
>
>> > Tja, da lernt man nun mühsam den Unterschied zwischen »Wörtern«
>> > und »Worten«,
>>
>> Das wollte ich schon immer mal wissen. Kannst Du das kurz erklären?
>
>Wenn man ein einzelnes Wort meint (z. B. »Nase«, »Quarkstrudel«),
>dann lautet der Plural »Wörter« (Der Satz besteht aus Wörtern).
>
>Wenn man dagegen »Wort« im Sinne von »Äußerung« oder »Bemerkung«
>verwendet, dann lautet der Plural »Worte« (Ich vernahm seine
>weisen Worte).
>
---Snip---

Schlimm wird es beim Plural von "Stichwort": wenn man einen Gedanken
stichwortartig zu Papier bringt, dann sind es Stichworte. Wenn es sich um
eine (eher sinnlose, z.B. rein alphabetische) Aufzählung handelt, sind es
"Stichwörter". Bei Wörterbüchern, die damit werben, x-tausend Stichworte zu
enthalten, sollte man aufpassen!

Sascha


Ralf Heinrich Arning

unread,
Jan 10, 2001, 5:24:53 AM1/10/01
to
Wolf Busch <tei...@web.de> wrote:

> Alexander Boronka schrieb:
>
> > > Tja, da lernt man nun mühsam den Unterschied zwischen »Wörtern«
> > > und »Worten«,
> >
> > Das wollte ich schon immer mal wissen. Kannst Du das kurz erklären?
>
> Wenn man ein einzelnes Wort meint (z. B. »Nase«, »Quarkstrudel«),
> dann lautet der Plural »Wörter« (Der Satz besteht aus Wörtern).
>
> Wenn man dagegen »Wort« im Sinne von »Äußerung« oder »Bemerkung«
> verwendet, dann lautet der Plural »Worte« (Ich vernahm seine
> weisen Worte).

Spricht das nicht für den Plural "Sprichworte"? Dabei handelt es sich ja
nicht um einzelne Wörter, sondern um Sätze, also Wortgruppen, die als
Bemerkung verwendet werden.

Ralf

Wolf Busch

unread,
Jan 10, 2001, 7:22:55 AM1/10/01
to
Ralf Heinrich Arning schrieb:


> Wolf Busch <tei...@web.de> wrote:
>
> > Alexander Boronka schrieb:
> >
> > > > Tja, da lernt man nun mühsam den Unterschied zwischen »Wörtern«
> > > > und »Worten«,
> > >
> > > Das wollte ich schon immer mal wissen. Kannst Du das kurz erklären?
> >
> > Wenn man ein einzelnes Wort meint (z. B. »Nase«, »Quarkstrudel«),
> > dann lautet der Plural »Wörter« (Der Satz besteht aus Wörtern).
> >
> > Wenn man dagegen »Wort« im Sinne von »Äußerung« oder »Bemerkung«
> > verwendet, dann lautet der Plural »Worte« (Ich vernahm seine
> > weisen Worte).
>
> Spricht das nicht für den Plural "Sprichworte"?

Ja, natürlich.

> Dabei handelt es sich ja nicht um einzelne Wörter, sondern um
> Sätze, also Wortgruppen, die als Bemerkung verwendet werden.

Ja, »Sprichworte« wäre eigentlich naheliegend, aber wie ich
schon schrieb, ist der korrekte Plural gemeinerweise
»Sprichwörter«. Warum das so ist, weiß ich auch nicht.

Schöne Grüße,
Wolf

Gernot Katzer

unread,
Jan 10, 2001, 9:47:59 AM1/10/01
to
Wolf Busch wrote:
>
> Ja, »Sprichworte« wäre eigentlich naheliegend, aber wie ich
> schon schrieb, ist der korrekte Plural gemeinerweise
> »Sprichwörter«. Warum das so ist, weiß ich auch nicht.

Ein Sprichwort ist eine Sammlung von Worten (nicht Woertern).
Mehrer Sprichwoerter sind mehrere Sammlungen von Worten.

Der Plural in "Sprichwoerter" vervielfaeltigt also nicht
Worte/Woerter, sondern Sammlungen; daher ist die Unterscheidung
von zwei Pluralformen nicht mehr sinnvoll.

--
Gernot Katzer
Alles ueber Gewuerze im Web: http://www-ang.kfunigraz.ac.at/~katzer/germ

Wolf Busch

unread,
Jan 10, 2001, 11:20:23 AM1/10/01
to
Gernot Katzer schrieb:


> Wolf Busch wrote:
> >
> > Ja, »Sprichworte« wäre eigentlich naheliegend, aber wie ich
> > schon schrieb, ist der korrekte Plural gemeinerweise
> > »Sprichwörter«. Warum das so ist, weiß ich auch nicht.
>
> Ein Sprichwort ist eine Sammlung von Worten (nicht Woertern).
> Mehrer Sprichwoerter sind mehrere Sammlungen von Worten.

Ein Sprichwort ist ein kurzer Satz oder Spruch, der eine
Lebensweisheit enthält.

Dies ist z. B. ein Sprichwort: »Ordnung ist das halbe Leben«.
Wieso siehst Du darin eine Sammlung von Worten? Das ist
ein Satz, der aus Wörtern besteht.

> Der Plural in "Sprichwoerter" vervielfaeltigt also nicht
> Worte/Woerter, sondern Sammlungen; daher ist die Unterscheidung
> von zwei Pluralformen nicht mehr sinnvoll.

Das kann ich leider nicht so ganz nachvollziehen. ;-)

Schöne Grüße,
Wolf

Karl Karn

unread,
Jan 10, 2001, 1:39:29 PM1/10/01
to
Wolf Busch schrieb: ...

>Ja, »Sprichworte« wäre eigentlich naheliegend, aber wie ich
>schon schrieb, ist der korrekte Plural gemeinerweise
>»Sprichwörter«. Warum das so ist, weiß ich auch nicht.

Servus, wenn ein Ausdruck nicht der sprachlichen Regel entspricht,
sehe ich dazu auch die folgenden beiden möglichen Gründe:

1.) Der Ausdruck war schon gebräuchlich bevor die Regel
aufgestellt wurde.
2.) Der allgemeine Sprachgebrauch kümmert sich nicht um das Korsett
der Regel.

Gruss von
Karl

Michael Pronay

unread,
Jan 10, 2001, 7:05:17 PM1/10/01
to
ste...@web.de (M. Opatz) wrote:

>Es gibt Sprichworte und Redwendungen, die weit
>verbreitet nicht ganz korrekt verwendet werden.
>Zum Beispiel:
>- einen Streit vom Zaun(e) brechen [statt vom Zaum(e)]

Zaun ist richtig, Zaum ist falsch. (Röhrich, Lexikon der
sprichwörtlichen Redensarten, Band 5, S. 1570)

>- etwas brennt unter den Nägeln [statt auf den Nägeln]

"Unter" ist richtig. (Röhrich, a.a.O., Band 1, S.253)

>Wer hat weitere Beispiele für solche Standard-Irrtümer?

Irrtümer seh ich bis jetzt eigentlich nur bei Dir. Und dass das in 24
Postings nur einem aufgefallen ist...

Michael

Thomas Bliesener

unread,
Jan 10, 2001, 11:37:00 AM1/10/01
to
M. Opatz wrote:

>Wer hat weitere Beispiele für solche Standard-Irrtümer?

"Dem sind sämtliche Sicherungen durchgebrannt."

Wenn eine Sicherung durchbrennt, erfüllt sie ihre Funktion und verhindert
Schlimmeres.

bli

João Luiz

unread,
Jan 11, 2001, 3:43:07 AM1/11/01
to
Wolf Busch schrieb:

> > Der Plural in "Sprichwoerter" vervielfaeltigt also nicht
> > Worte/Woerter, sondern Sammlungen; daher ist die Unterscheidung
> > von zwei Pluralformen nicht mehr sinnvoll.
>
> Das kann ich leider nicht so ganz nachvollziehen. ;-)

Weil jedes Sprichwort nichts mit einenander zu tun haben (müssen),
so daß die Sprichwörter insgesamt nicht in einem Kontext sind?

Mir schien es logisch.

JL

João Luiz

unread,
Jan 11, 2001, 3:49:35 AM1/11/01
to
Carsten Kruse schrieb:


> "Beschäftigungstheorie" (statt ~therapie)

Mal in der "Zeit" und in der "Thüringer Allgemeine":
"Achillesverse"
(Über die Washington D.C.): "das Parthenon des Presidenten Lincoln".

Und im Bereich Therapie wurde in Brasilien das deutsche Wort
Gestalttherapie direkt verportugesiert als "gestalterapia",
was wir, verdrehte Köpfe, gleich zu "gestapoterapia" machten. :-)

JL

M. Opatz

unread,
Jan 11, 2001, 3:29:34 AM1/11/01
to


Naja, zum Beispiel eins bist Du immerhin der zweite.
Recht habt ihr, gar keine Frage.
Denn gemeint war eigentlich "im Zaun(e) halten"
[statt im Zaum[e]].


Bei Beispiel zwei melde ich vorsichtige Zweifel an Deiner
(und Röhrichs) Behauptung an.
Könntest Du bitte den Eintrag im Röhrich mal posten?


Leider habe ich die Phrase in keiner der beiden Versionen
in meinen Büchern gefunden.


Ich erinnere mich aber an ein Germanistik-Quiz aus meiner
Studienzeit, wo ebendies eine Rolle spielte (dass es
eigentlich "auf den Nägeln" heisst). Die Etymologie ist mir
(falls sie erwähnt wurde) aber leider entfallen.
Was sagt Röhrich dazu? Hat jemand andere Quellen?


Ich habe jedenfalls mal bei Gutenberg gesucht und in alten
Büchern ausschließlich "auf den Nägeln" gefunden (zweimal
bei Raabe und je einmal bei Fontane und Nestroy). "Unter
den Nägeln" kommt nur in neueren Veröffentlichungen vor.
In der Gegenwartssprache sind beide Versionen gleich oft
verteilt (je ca. 1200 Treffer bei Alltheweb sind, glaube
ich, hinreichend repräsentativ) - was natürlich nichts
darüber aussagt, wie es nun richtig heißt.


Matthias

Wolf Busch

unread,
Jan 11, 2001, 5:49:22 AM1/11/01
to
"M. Opatz" schrieb:


> Michael Pronay wrote:
> > ste...@web.de (M. Opatz) wrote:
[...]

> >> - etwas brennt unter den Nägeln [statt auf den Nägeln]
> >
> > "Unter" ist richtig. (Röhrich, a.a.O., Band 1, S.253)
[...]

> Bei Beispiel zwei melde ich vorsichtige Zweifel an Deiner
> (und Röhrichs) Behauptung an.
> Könntest Du bitte den Eintrag im Röhrich mal posten?
>
> Leider habe ich die Phrase in keiner der beiden Versionen
> in meinen Büchern gefunden.
>
> Ich erinnere mich aber an ein Germanistik-Quiz aus meiner
> Studienzeit, wo ebendies eine Rolle spielte (dass es
> eigentlich "auf den Nägeln" heisst). Die Etymologie ist mir
> (falls sie erwähnt wurde) aber leider entfallen.
> Was sagt Röhrich dazu? Hat jemand andere Quellen?

Im WANDER steht nur die Variante mit »auf«:

| Wenn's auf dem Nagel brennt, muss man wehren.
| [...]
| Nach Eiselein pflegte man Wachskerzchen angezündet auf dem
| Daumennagel zu befestigen und sich damit in den Kirchen zu
| leuchten. Daher die Redensart. Das Brennen auf dem Nagel ist
| viel schmerzhafter, als auf die blosse Haut, wie man durch
| eine Probe mit Zunder erfahren kann.

Das mit dem Zunder habe ich noch nicht ausprobiert. ;-)
Jedenfalls hat man es »brandeilig«, wenn die Kerze so
weit heruntergebrannt ist, daß sie »auf dem Nagel brennt«.

WANDER nennt auch diese Version:

| Das brennt ihm nicht auf den Nagel.
| Holl.: Het brandt hem niet op den nagel.

> Ich habe jedenfalls mal bei Gutenberg gesucht und in alten
> Büchern ausschließlich "auf den Nägeln" gefunden (zweimal
> bei Raabe und je einmal bei Fontane und Nestroy).

So z. B. auch bei Goethe und E. T. A. Hoffmann.

> "Unter den Nägeln" kommt nur in neueren Veröffentlichungen vor.

Ja, das scheint wohl tatsächlich eine verhältnismäßig moderne
Variante zu sein.

Schöne Grüße,
Wolf

Wolf Busch

unread,
Jan 11, 2001, 6:22:10 AM1/11/01
to
"João Luiz" schrieb:

Es heißt »Sprichwörter«, aber »geflügelte Worte« (nicht: Wörter).
Es gibt ein Buch mit dem Untertitel »Dichterworte und Sprichwörter«,
darin sind verschiedene Sprichwörter und Dichterworte (Zitate)
gesammelt, nicht etwa verschiedene Sprichworte und Dichterwörter.

Wenn Dir das alles völlig logisch vorkommt, dann bist Du wirklich
zu beneiden. :-)

Schöne Grüße,
Wolf

Ralf Kusmierz

unread,
Jan 11, 2001, 7:04:19 AM1/11/01
to
"João Luiz" schrieb:

> Weil jedes Sprichwort nichts mit einenander zu tun haben (müssen),
> so daß die Sprichwörter insgesamt nicht in einem Kontext sind?

Die erste Zeile solltest Du neu formulieren:
1. Numerus
2. miteinander (_ein_ Wort) kenne ich eigentlich nur in bezug auf
eine Mehrheit.


Gruß aus Bremen
Ralf


Gernot Katzer

unread,
Jan 11, 2001, 7:11:09 AM1/11/01
to
Wolf Busch wrote:
>
> > Ein Sprichwort ist eine Sammlung von Worten (nicht Woertern).
> > Mehrer Sprichwoerter sind mehrere Sammlungen von Worten.
>
> Ein Sprichwort ist ein kurzer Satz oder Spruch, der eine
> Lebensweisheit enthält.
>
> Dies ist z. B. ein Sprichwort: »Ordnung ist das halbe Leben«.
> Wieso siehst Du darin eine Sammlung von Worten? Das ist
> ein Satz, der aus Wörtern besteht.

Nein, aus Worten. Saetze bestehen immer aus Worten. Wenn Du
Saetze aus Woertern aufbaust, dann hast Du nicht viel zu sagen :)
In diesem Sinn ist jeder Satz, also auch ein Sprichwort, eine
Ansammlung von Worten.

Wolf Busch

unread,
Jan 11, 2001, 9:24:30 AM1/11/01
to
Gernot Katzer schrieb:


> Wolf Busch wrote:
> >
> > > Ein Sprichwort ist eine Sammlung von Worten (nicht Woertern).
> > > Mehrer Sprichwoerter sind mehrere Sammlungen von Worten.
> >
> > Ein Sprichwort ist ein kurzer Satz oder Spruch, der eine
> > Lebensweisheit enthält.
> >
> > Dies ist z. B. ein Sprichwort: »Ordnung ist das halbe Leben«.
> > Wieso siehst Du darin eine Sammlung von Worten? Das ist
> > ein Satz, der aus Wörtern besteht.
>
> Nein, aus Worten. Saetze bestehen immer aus Worten.

Das ist mir neu.
Zitat aus dem WAHRIG: »der Satz besteht aus fünf Wörtern«.
Willst Du behaupten, daß »Wörtern« hier falsch ist?

> Wenn Du Saetze aus Woertern aufbaust, dann hast Du nicht
> viel zu sagen :)

Was verstehst Du denn überhaupt unter »Wörtern«?
Selbstverständlich kann man mit einem Satz, der beispielsweise
aus dreißig Wörtern besteht, eine ganze Menge sagen.

Schöne Grüße,
Wolf


Gernot Katzer

unread,
Jan 11, 2001, 10:10:24 AM1/11/01
to
Wolf Busch wrote:
>
> > Nein, aus Worten. Saetze bestehen immer aus Worten.
>
> Das ist mir neu.
> Zitat aus dem WAHRIG: »der Satz besteht aus fünf Wörtern«.
> Willst Du behaupten, daß »Wörtern« hier falsch ist?

Ja, dieser Meinung bin/war ich (bis jetzt).
Deshalb werde ich jetzt nachlesen gehen, ob
mir ein geeignetes Buch ein paar Worte (nicht
Woerter) zu diesem Thema verraet...

Peter Salewsky

unread,
Jan 11, 2001, 3:03:38 PM1/11/01
to
"M. Opatz" wrote:
> Wer hat weitere Beispiele für solche Standard-Irrtümer?
>
Ich habe mal "jemanden tot sterben lassen" gehört (statt
"jemanden dumm sterben lassen"), weiß aber nicht, ob das
verbreitet ist. Lustig finde ich es allemal.

Peter Salewsky

unread,
Jan 11, 2001, 3:00:24 PM1/11/01
to

Ich habe mir die entsprechende Stelle im Duden nochmal genauer
zu Gemüte geführt und zitiere einfach mal (21. Auflage):

| es kostet mich viel [Geld], nichts, hundert Mark,
| das kostet ihn od. ihm die Stellung

Verstehe ich das richtig, daß bei direkter Bedeutung (Geld kosten)
nur der Akkusativ erlaubt ist und lediglich bei Verwendung im
übertragenen Sinn (die Stellung, das Leben, ... kosten) auch der
Dativ zulässig ist?

Ralf Heinrich Arning

unread,
Jan 11, 2001, 5:10:03 PM1/11/01
to
Wolf Busch <tei...@web.de> wrote:

>
> Es heißt »Sprichwörter«, aber »geflügelte Worte« (nicht: Wörter).
> Es gibt ein Buch mit dem Untertitel »Dichterworte und Sprichwörter«,
> darin sind verschiedene Sprichwörter und Dichterworte (Zitate)
> gesammelt, nicht etwa verschiedene Sprichworte und Dichterwörter.
>
> Wenn Dir das alles völlig logisch vorkommt, dann bist Du wirklich
> zu beneiden. :-)

Aus diesem Grund bin ich dafür, sich gegen Duden und Tradition und für
die Logik zu entscheiden.

Ab jetzt: Sprichworte.

Ralf

Heinz Lohmann

unread,
Jan 11, 2001, 7:17:38 PM1/11/01
to
M. Opatz schrieb:

>Naja, zum Beispiel eins bist Du immerhin der zweite.
>Recht habt ihr, gar keine Frage.
>Denn gemeint war eigentlich "im Zaun(e) halten"
>[statt im Zaum[e]].

Duden Band 11: Redewendungen und sprichwörtliche Redensarten
verzeichnet auch:

sich, etwas im Zaum[e] halten
(vom Zaumzeug der Pferde)

einen Streit vom Zaun[e] brechen
(Herkunft unklar, eventuell vom Zaun als Grundstücksgrenze zwischen
zwei Nachbarn)

Ich war aber auch sehr unsicher. Vielleicht liegt es daran, dass man
es wenig bewusst liest und auch in den Zeitungen häufig einem falschen
Gebrauch begegnet.

--
Beste Gruesse

Heinz Lohmann
Taipei, Taiwan

João Luiz

unread,
Jan 12, 2001, 7:08:52 PM1/12/01
to
Wolf Busch schrieb:
>
> "João Luiz" schrieb:

> > Mir schien es logisch.
>
> Es heißt »Sprichwörter«, aber »geflügelte Worte« (nicht: Wörter).

[...]


> Wenn Dir das alles völlig logisch vorkommt, dann bist Du wirklich
> zu beneiden. :-)

Ich nehme es zurück. :-)

JL

João Luiz

unread,
Jan 12, 2001, 7:06:02 PM1/12/01
to
Ralf Kusmierz schrieb:

Schreiben, umformulieren und dann lesen vor dem Klicken auf "Senden" ...
Den dritten Teil soll ich öfter üben.

JL

Kai-Uwe Thiessenhusen

unread,
Jan 13, 2001, 4:40:11 AM1/13/01
to
armin saam wrote:
>
> "M. Opatz" wrote:
>
> > Es gibt Sprichworte und Redwendungen, die weit
> > verbreitet nicht ganz korrekt verwendet werden.
> > Zum Beispiel:
> > - einen Streit vom Zaun(e) brechen [statt vom Zaum(e)]
> > - etwas brennt unter den Nägeln [statt auf den Nägeln]

Eine Redewendung ist _nicht_ dann "nicht ganz korrekt", wenn
sie von früheren, ähnlichen Redewendungen abweicht.
Redewendungen müssen nichts Festes sein.
Sie ist nur dann nicht korrekt, wenn sie ein schiefes Bild liefert.
Oder sie ist untauglich, weil sie einfach nichts aussagt.

Selbstverständlich _kann_ man einen Streit -im übertragenen
Sinne - vom Maschendrahtzaune brechen ;-).


> Es brennt mir auf den Nägeln, zum zweiten Beispiel Statistisches
> nachzutragen: Ich habe (schon mehrfach) unter meinen Studenten
> schriftlich abgefragt, 1. ob es "auf" oder "unter" heißt, und 2. was
> diese Redewendung bedeutet. Ergebnis:
> zu 1: ca. 15 Prozent halten "auf" für richtig,

Das finde ich ein schönes Ergebnis. Ich halte "auf"
auch nicht für richtig, oder besser gesagt, für recht
unzweckmäßig. Selbstverständlich kann etwas im chemischen
Sinne (Reaktion mit Flammenbildung) überall brennen,
meinetwegen auch auf den Nägeln.
Aber das sagt m.E. nur wenig aus. Was soll das Besondere
daran sein, wenn etwas _auf_ den Nägeln brennt? Auf dem
Kopf oder in den Kniekehlen stört es doch mehr. Oder unter
dem Teppich, das kann ganz gefährlich sein.

Gemeint im Sinne dieser Redewendung ("da drängt mich etwas, das
muß ich unbedingt losweden") ist aber wohl kaum das chemische
Brennen, gemeint ist Brennen als Sinneseindruck. Und in dem
Sinne ist "auf den Nägeln brennen" schlichtweg falsch, dort
gibt es gar keine Sinneszellen. "Unter" den Nägeln ist dagegen
richtig, und für mich ist es auch ein sehr schönes Bild, weil es
deutlich macht, daß es eben 'raus muß. Kratzen, oder was den
Schmerz sonst so lindern könnte, funktioniert dort nicht.

Kai

Wolf Busch

unread,
Jan 13, 2001, 7:44:47 AM1/13/01
to
Kai-Uwe Thiessenhusen schrieb:


> armin saam wrote:
> >
> > "M. Opatz" wrote:
> >
> > > Es gibt Sprichworte und Redwendungen, die weit
> > > verbreitet nicht ganz korrekt verwendet werden.
> > > Zum Beispiel:
> > > - einen Streit vom Zaun(e) brechen [statt vom Zaum(e)]
> > > - etwas brennt unter den Nägeln [statt auf den Nägeln]
>
> Eine Redewendung ist _nicht_ dann "nicht ganz korrekt", wenn
> sie von früheren, ähnlichen Redewendungen abweicht.
> Redewendungen müssen nichts Festes sein.
> Sie ist nur dann nicht korrekt, wenn sie ein schiefes Bild liefert.
> Oder sie ist untauglich, weil sie einfach nichts aussagt.

Ja, aber wir haben hier ja schon festgestellt, daß der »Zaun«
hier richtig ist. »Einen Streit vom Zaum brechen« ist eben
ein solch schiefes oder zumindest recht unklares Bild. Eine
Suche im Netz zeigt, daß es doch etliche Zeitgenossen gibt, die
einen Streit vom Zaum brechen wollen. ;-)
Ich weiß nicht, was die sich darunter vorstellen; vielleicht
ist es manchmal einfach nur ein Tippfehler.

> Selbstverständlich _kann_ man einen Streit -im übertragenen
> Sinne - vom Maschendrahtzaune brechen ;-).

Dazu gehört aber auch ein gewisses Naturtalent. ;-)

> > Es brennt mir auf den Nägeln, zum zweiten Beispiel Statistisches
> > nachzutragen: Ich habe (schon mehrfach) unter meinen Studenten
> > schriftlich abgefragt, 1. ob es "auf" oder "unter" heißt, und 2. was
> > diese Redewendung bedeutet. Ergebnis:
> > zu 1: ca. 15 Prozent halten "auf" für richtig,
>
> Das finde ich ein schönes Ergebnis. Ich halte "auf"
> auch nicht für richtig, oder besser gesagt, für recht
> unzweckmäßig. Selbstverständlich kann etwas im chemischen
> Sinne (Reaktion mit Flammenbildung) überall brennen,
> meinetwegen auch auf den Nägeln.
> Aber das sagt m.E. nur wenig aus. Was soll das Besondere
> daran sein, wenn etwas _auf_ den Nägeln brennt?

Nun, wie ich schon schrieb, sind damit Kerzen gemeint:

| Bei der Frühmesse und abends klebten sich die Mönche beim Lesen
| kleine Wachskerzen auf die Nägel, die oft schon abgebrannt waren,
| ehe der Leser die Lektion beendet hatte.
(Krüger-Lorenzen: Deutsche Redensarten)

> Gemeint im Sinne dieser Redewendung ("da drängt mich etwas, das
> muß ich unbedingt losweden") ist aber wohl kaum das chemische
> Brennen, gemeint ist Brennen als Sinneseindruck. Und in dem
> Sinne ist "auf den Nägeln brennen" schlichtweg falsch, dort
> gibt es gar keine Sinneszellen.

Wenn Du Dir vorstellst, daß auf Deinem Daumennagel ein Kerzenstummel
brennt und sich die Flamme immer mehr Deinem Nagel nähert, dann
hast Du es tatsächlich »brandeilig«. »Brennen« bezieht sich hier
einerseits ganz konkret auf die Flamme, andererseits auf den
Schmerz, der durch das Feuer erzeugt wird.

> "Unter" den Nägeln ist dagegen
> richtig, und für mich ist es auch ein sehr schönes Bild, weil es
> deutlich macht, daß es eben 'raus muß. Kratzen, oder was den
> Schmerz sonst so lindern könnte, funktioniert dort nicht.

Das ist dann eine spätere Abwandlung der ursprünglichen Redewendung,
hier wird Brennen nur noch im übertragenen Sinne verstanden. Wie
ich inzwischen festgestellt habe, war diese Variante auch schon
im 19. Jh. bekannt (WANDER unter dem Stichwort »Feuer«:
»Dat Für brennt em op de Nöägel. (Ukermark)
Das Feuer brennt ihn auf die Nägel; auch: brennt ihm unter den
Nägeln. Er ist in der dringensten Gefahr und Noth«).

Die Geschichte mit den Wachskerzen auf dem Daumennagel war schon
im 19. Jh. nicht mehr jedem bekannt, deswegen wurde die Redensart
etwas umgedeutet. Für Dich ergab ja »auf dem Nagel« auch keinen
rechten Sinn.

Die jüngere Variante »unter den Nägeln brennen« kann man wohl
nicht als falsch bezeichnen, da man sich darunter noch etwas
vorstellen kann. Anders ist das z. B. bei der Redewendung
»zwischen allen Stühlen sitzen« (statt: ... zwei Stühlen ...),
das ist ein schiefes Bild.

Schöne Grüße,
Wolf

Wolf Busch

unread,
Jan 13, 2001, 8:04:17 AM1/13/01
to
Heinz Lohmann schrieb:


> M. Opatz schrieb:
> >Naja, zum Beispiel eins bist Du immerhin der zweite.
> >Recht habt ihr, gar keine Frage.
> >Denn gemeint war eigentlich "im Zaun(e) halten"
> >[statt im Zaum[e]].
>
> Duden Band 11: Redewendungen und sprichwörtliche Redensarten
> verzeichnet auch:
>
> sich, etwas im Zaum[e] halten
> (vom Zaumzeug der Pferde)
>
> einen Streit vom Zaun[e] brechen
> (Herkunft unklar, eventuell vom Zaun als Grundstücksgrenze zwischen
> zwei Nachbarn)

Da diese Redensart schon seit mindestens 500 Jahren verwendet
wird, ist es natürlich schwierig, die Herkunft zweifelsfrei
zu klären. Wahrscheinlich spielt die Redensart darauf an, daß
man eine Latte aus dem Zaun bricht und damit auf den Gegner
einprügelt. Wenn man unverhofft einen Streit anfängt, dann muß
man eben das nehmen, was einem gerade so zur Verfügung steht.

Ich hoffe, Du verstehst das jetzt nicht »als Wink mit dem
Zaunpfahl«. ;-)

Schöne Grüße,
Wolf

Peter Salewsky

unread,
Jan 13, 2001, 2:22:12 PM1/13/01
to
Wolf Busch wrote:
> [...] Anders ist das z. B. bei der Redewendung

> »zwischen allen Stühlen sitzen« (statt: ... zwei Stühlen ...),
> das ist ein schiefes Bild.

Hm, ich empfinde das nicht so schief. Unter "zwischen zwei Stühlen
sitzen" verstehe ich, daß sich jemand nicht so recht zwischen zwei
Alternativen entscheiden kann. Analog bedeutet dann "zwischen allen
Stühlen", daß mehr als zwei Möglichkeiten zur Auswahl stehen. Auch
bildlich kann ich mir das durchaus vorstellen (na gut, zumindest für
alle < 6 :-) - die Stühle sind kreisförmig angeordnet, und das Opfer
sitzt in der Mitte auf dem Boden.

Carsten Kruse

unread,
Jan 14, 2001, 1:29:13 PM1/14/01
to

Peter Salewsky schrieb:

PS> Ich habe mal "jemanden tot sterben lassen" gehört (statt
PS> "jemanden dumm sterben lassen"), weiß aber nicht, ob das

:-)))

Ich las übrigens letztens als Anrede: "Hai, XYZ!"
Das fand ich total shark.

Bye/7, Carsten [G'Car] E-Mail: c...@beg.gera.thur.de
--
... Photons have mass? I didn't even know they were Catholic.

Kai-Uwe Thiessenhusen

unread,
Jan 15, 2001, 6:06:00 PM1/15/01
to
Wolf Busch wrote:

> Ja, aber wir haben hier ja schon festgestellt, daß der »Zaun«
> hier richtig ist.

Ich habe einfach in blinden Herdentrieb Matthias' Verwechselung
übernommen, instinktiv wissend, daß mit Zaum doch auch irgend
etwas war ;-).

> > Aber das sagt m.E. nur wenig aus. Was soll das Besondere
> > daran sein, wenn etwas _auf_ den Nägeln brennt?

> Wenn Du Dir vorstellst, daß auf Deinem Daumennagel ein Kerzenstummel


> brennt und sich die Flamme immer mehr Deinem Nagel nähert, dann
> hast Du es tatsächlich »brandeilig«. »Brennen« bezieht sich hier
> einerseits ganz konkret auf die Flamme, andererseits auf den
> Schmerz, der durch das Feuer erzeugt wird.

Ja, das ist eine schöne Erklärung. Was mir daran auffiel:



> im 19. Jh. bekannt (WANDER unter dem Stichwort »Feuer«:
> »Dat Für brennt em op de Nöägel. (Ukermark)
> Das Feuer brennt ihn auf die Nägel; auch: brennt ihm unter den
> Nägeln. Er ist in der dringensten Gefahr und Noth«).

Dazu zwei Sachen: "op de Nägel" kann auf zweierlei Weise
übersetzt werden: "auf die Nägel" und "auf den Nägeln"
(bei der von Dir an anderer Stelle geposteten holländischen
Variante ist es m.W. ähnlich). Ist der Satz wirklich plattdeutsch
/holländischem Ursprungs? Dann muß es nicht unbedingt
"es brennt ihm auf den Nägeln" heißen, es geht auch wie
im obigen Beispiel: "es brennt ihn auf die Nägel", was mir
anschaulicher erscheint, es drückt schön das
Herunterbrennen aus.

Das zweite ist die Interpretation: "er ist in der dringensten
Gefahr und Noth". Hat der Spruch auch im Laufe der Jahre
einen Bedeutungswandel erfahren? Mit Not und Gefahr hat
er doch MUSEN heute weniger zu tun, eher mit Eile.

Kai

Karl Eichwalder

unread,
Jan 16, 2001, 12:03:32 AM1/16/01
to
Kai-Uwe Thiessenhusen <ku...@gmx.li> writes:

> Das zweite ist die Interpretation: "er ist in der dringensten
> Gefahr und Noth". Hat der Spruch auch im Laufe der Jahre
> einen Bedeutungswandel erfahren? Mit Not und Gefahr hat
> er doch MUSEN heute weniger zu tun, eher mit Eile.

Warum MUSEN streust du immer MUSEN in deine MUSEN Sätze ein? MUSEN.
Ich vermuten es ist in etwa gleichbedeutend mit IMO, welches man nur ein
technischen Newsgroups verwenden sollte, MUSEN.

--
work : k...@suse.de | ,__o
: http://www.suse.de/~ke/ | _-\_<,
home : kei...@gmx.net | (*)/'(*)

Ralf Heinrich Arning

unread,
Jan 16, 2001, 7:00:55 PM1/16/01
to
Karl Eichwalder <kei...@gmx.net> wrote:

> Kai-Uwe Thiessenhusen <ku...@gmx.li> writes:
>
> > Das zweite ist die Interpretation: "er ist in der dringensten
> > Gefahr und Noth". Hat der Spruch auch im Laufe der Jahre
> > einen Bedeutungswandel erfahren? Mit Not und Gefahr hat
> > er doch MUSEN heute weniger zu tun, eher mit Eile.
>
> Warum MUSEN streust du immer MUSEN in deine MUSEN Sätze ein? MUSEN.
> Ich vermuten es ist in etwa gleichbedeutend mit IMO, welches man nur ein
> technischen Newsgroups verwenden sollte, MUSEN.

So in etwa. Statt "IMHO" gibts hier "MUSEN": "Meinem Unmaßgeblichen
SprachEmpfinden Nach". Das stammt von Michael Prónay.
In der SAHARA von Jörg Digmayer, zuletzt hier veröffentlicht am 12.1.
unter der Message-ID: <3a5e...@news.rz.uni-passau.de>, findest Du noch
mehr der hier üblichen Abkürzungen.

Ralf

Thomas Frieling

unread,
Jan 17, 2001, 12:10:31 PM1/17/01
to

Karl Eichwalder schrieb:
> (...)


> Warum MUSEN streust du immer MUSEN in deine MUSEN Sätze ein? MUSEN.
> Ich vermuten es ist in etwa gleichbedeutend mit IMO, welches man nur ein

> technischen Newsgroups verwenden sollte, MUSEN. (...)

Das ist wie bei den Rittern, die immer 'NIE' sagen.
(Monty Python, Ritter der Kokosnuß)

Gruß

Thomas

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