> Mir sind kürzlich wieder die Ortsnamen "Scharmbeckstotel" und
> "Lesumstotel" aufgefallen, wobei "Scharmbeck" eine Gemeinde und
> "Lesum" ein Fluß sowie eine Ortsteilbezeichnung eines an diesem Fluß
> gelegenen Ortsteils in näherer Entfernung sind. Also muß "-totel" eine
> Art ergänzende Bezeichnung sein wie "-haven" in "Bremerhaven" eben den
> Bremer Hafen bezeichnet. Weiß jemand, was "Totel" bedeutet?
"Ort, wo nichts los ist"?
Grimm: Tot, Tote, Töte, Pate und Patenkind
Daher wohl auch der seltsame Name des Wohnsitzes des Barden.
--
Roland Franzius
> Mir sind kürzlich wieder die Ortsnamen "Scharmbeckstotel" und
> "Lesumstotel" aufgefallen, wobei "Scharmbeck" eine Gemeinde und
> "Lesum" ein Fluß sowie eine Ortsteilbezeichnung eines an diesem Fluß
> gelegenen Ortsteils in näherer Entfernung sind. Also muß "-totel" eine
> Art ergänzende Bezeichnung sein wie "-haven" in "Bremerhaven" eben den
> Bremer Hafen bezeichnet. Weiß jemand, was "Totel" bedeutet?
Nur ein spekulativer Hinweis:
'tote' ist im Kluge Etymol.Wb. als fnhd. Form von 'Pate' aufgeführt.
'tate' kommt nach meiner Erinnerung in Grimmelshausens Simplizissimus
in derselben Bedeutung vor; dort kann ich es aber z.Zt. nicht finden.
Hilft das irgendwie weiter?
j/\a
--
> Mir sind kürzlich wieder die Ortsnamen "Scharmbeckstotel" und
> "Lesumstotel" aufgefallen, wobei "Scharmbeck" eine Gemeinde und
> "Lesum" ein Fluß sowie eine Ortsteilbezeichnung eines an diesem Fluß
> gelegenen Ortsteils in näherer Entfernung sind. Also muß "-totel" eine
> Art ergänzende Bezeichnung sein wie "-haven" in "Bremerhaven" eben den
> Bremer Hafen bezeichnet. Weiß jemand, was "Totel" bedeutet?
Nicht "Totel" sondern "Stotel" (einen Ort dieses Namens gibt es bei
Bremen), kommt aus dem Slaw. und bedeutet "Hundert Körper" (sto = 100,
tel = Körper).
Für mich als Erlebnispädagogen ist es immer sehr, sehr bitter, daß ich
hier, klar und klipp gesagt, regelmäßig wieder beim Urschleim anfangen
muß.
FR
Jiddisch scheint Tate Onkel, Patenonkel vielleicht, zu heißen.
In einem dieser tieftraurigen Lieder über das Sterben heißt es:
"... graben wir ein tiefes Grab,
und wir senken unser Liebstes da hinab.
All die Mame, Tate und die Kindlech klejne.
All in ejne, und ich schäjm, darob ich wejne."
Gruß
Gunhild
> Für mich als Erlebnispädagogen ist es immer sehr, sehr bitter, daß ich
> hier, klar und klipp gesagt, regelmäßig wieder beim Urschleim anfangen
> muß.
Für uns isses aber manchmal auch nicht leicht, weissu.
> Jiddisch scheint Tate Onkel, Patenonkel vielleicht, zu heißen.
>
> Gruß
> Gunhild
>
-------------------
Jiddisch tate heißt 'Vati,Papa' und kommt aus dem
Polnischen.
Gruß
Wolfgang
-------------------
> 'tote' ist im Kluge Etymol.Wb. als fnhd. Form von 'Pate' aufgeführt.
> 'tate' kommt nach meiner Erinnerung in Grimmelshausens Simplizissimus
> in derselben Bedeutung vor; dort kann ich es aber z.Zt. nicht finden.
> Hilft das irgendwie weiter?
"Tate" kenne ich nur als jiddischen Begriff für Vater.
-rike
Müssen, Tateleben, die Hausierer bei die Pfahlbauern gehen lernen
schwimmen?
Gautama Ritter
Nu kieke hier, nu kieke da, der kleene Frings versucht sich als meen
Schüler.
Also, da kann ich als Erlebnispädagoge nur loben und zurufen: Weiter
so!
(Beiseite:) Is doch besser als wennse auffer Straße hocken und Hasch
rauchen.
FR
> Für mich als Erlebnispädagogen ...
Professore, das sind sie auch noch?
Beeindrückend.
Mt
> "Tate" kenne ich nur als jiddischen Begriff für Vater.
Nachzulesen bei Frau Landmann, ja.
Und dann noch der herrliche Stabreim bei Robert Neumann, der eine
Kabbelei zweier Germanenkinder erlauscht hatte:
"Teuto", eislachte sie hinter ihm drein, "dich zeugte nicht Ohdinn!
Brünstig im Bette zeugte dich Techto, dein Tate!"
Viele Grüße
Steffen
> Hier auf dem Lande in Mittelfranken wird der Vater oder Dadl genannt.
In Niederbayern heißt er BAP, oder "da Bap" (im Gegensatz zu "dMam"). Ich
habe mir sagen lassen, in Köln hieße der Vater auch so, und die
gleichnamige Rockgruppe habe davon ihren Namen.
Ciao
Wolfram
--
Heut tu ich mal nichts. Ich tu zwar sonst auch nichts, aber heute nehm' ich
mir auch nichts vor.
UNBEKANNTER MEISTER
<http://derfranzehatgsagt.blogspot.com/> <www.theodor-rieh.de/heinrich>
<http://www.freitag.de/community/blogs/wolfram-heinrich>
> In Niederbayern heißt er BAP, oder "da Bap" (im Gegensatz zu "dMam"). Ich
> habe mir sagen lassen, in Köln hieße der Vater auch so, und die
> gleichnamige Rockgruppe habe davon ihren Namen.
Stimmt. Viele halten das für eine Abk., weil es meist -
auch von der Band selber - "BAP" geschrieben wird.
Am 09.07.2010 14:59, schrieb Wolfram Heinrich:
> Am Fri, 9 Jul 2010 14:39:28 +0200 schrieb Rüdiger Silberer:
>
>> Am 08.07.2010 schrieb Rike Kunze:
>>
>>> Jakob Achterndiek bemerkte:
>>>
>>>> 'tote' ist im Kluge Etymol.Wb. als fnhd. Form von 'Pate' aufgeführt.
>>>> 'tate' kommt nach meiner Erinnerung in Grimmelshausens Simplizissimus
>>>> in derselben Bedeutung vor; dort kann ich es aber z.Zt. nicht finden.
>>>> Hilft das irgendwie weiter?
>>>
>>> "Tate" kenne ich nur als jiddischen Begriff für Vater.
>>
>> Hier auf dem Lande in Mittelfranken wird der Vater oder Dadl genannt.
>
> In Niederbayern heißt er BAP, oder "da Bap" (im Gegensatz zu "dMam"). Ich
> habe mir sagen lassen, in Köln hieße der Vater auch so, und die
> gleichnamige Rockgruppe habe davon ihren Namen.
>
So kenne ich die Geschichte auch.
Joachim
> ............
>> "Tate" kenne ich nur als jiddischen Begriff für Vater.
>
> Hier auf dem Lande in Mittelfranken wird der Vater oder Dadl genannt.
>
----------------------------------
Das jiddische tate kommt aus poln tata "Vati,Papa".
Zu Papa und Tata:
Roman Jakobson beschreibt die Reihenfolge der lautlichen Erwerbungen
der Kindersprache in seiner „Kindersprache, Aphasie und allgemeine
Lautgesetze“(1) ungefähr so:
„An der Schwelle der ersten Sprachstufe … taucht ein ‚a’ als der erste
Vokal und gewöhnlich ein labialer Verschlusslaut als der erste
Konsonant der Kindersprache auf. Als erster konsonantischer Gegensatz
tritt der des Mund- und Nasenlautes auf (etwa papa-mama); ihm folgt der
Gegensatz der Labialen und Dentalen (etwa papa-tata und mama-nana)….“.
Erst später erscheint „der erste vokalische Gegensatz: es wird nämlich
dem breiten Vokal ein enger gegenübergestellt, z.B. papa-pipi…“
(1) ed. suhrkamp 330, 61 ff
Wolfgang
-------------------------------------
> In Niederbayern heißt er BAP, oder "da Bap" (im Gegensatz zu "dMam"). Ich
> habe mir sagen lassen, in Köln hieße der Vater auch so, und die
> gleichnamige Rockgruppe habe davon ihren Namen.
Genauso ist es.
Hier ist es recht gut erklärt:
http://de.wikipedia.org/wiki/BAP
Demnach heißt es auf Kölsch eigentlich "Bapp", aber das sah als Schriftzug
auf der Basedrum nicht gut aus, also hat man das zweite "p" weggelassen und
wurde zu BAP.
Grüße,
Frank
>Am Fri, 9 Jul 2010 14:39:28 +0200 schrieb Rüdiger Silberer:
>
>> Am 08.07.2010 schrieb Rike Kunze:
>>
>>> Jakob Achterndiek bemerkte:
>>>
>>>> 'tote' ist im Kluge Etymol.Wb. als fnhd. Form von 'Pate' aufgeführt.
>>>> 'tate' kommt nach meiner Erinnerung in Grimmelshausens Simplizissimus
>>>> in derselben Bedeutung vor; dort kann ich es aber z.Zt. nicht finden.
>>>> Hilft das irgendwie weiter?
>>>
>>> "Tate" kenne ich nur als jiddischen Begriff für Vater.
>>
>> Hier auf dem Lande in Mittelfranken wird der Vater oder Dadl genannt.
>
>In Niederbayern heißt er BAP, oder "da Bap" (im Gegensatz zu "dMam").
Das gilt für meine Ecke Sachsens genauso.
Gruß Uwe
--
"Demokratie ist riskant. Das Volk kann sich ja auch irren."
Dieter Wiefelspütz, SPD
=== http://www.sicherheitslampe.de ===
> > Für mich als Erlebnispädagogen ...
>
> Professore, das sind sie auch noch?
>
> Beeindrückend.
Petschier dich doch selbst - FR
> On Fri, 9 Jul 2010 14:59:37 +0200, Wolfram Heinrich
> <in...@theodor-rieh.de> wrote:
>
>>Am Fri, 9 Jul 2010 14:39:28 +0200 schrieb Rüdiger Silberer:
>>
>>> Hier auf dem Lande in Mittelfranken wird der Vater oder Dadl genannt.
>>
>>In Niederbayern heißt er BAP, oder "da Bap" (im Gegensatz zu "dMam").
>
> Das gilt für meine Ecke Sachsens genauso.
>
Die Sachsen sind sowieso eine Art Bayern, nur halt mit einem etwas
merkwürdigen Dialekt. Diese verschwommen-flirrende Art des Südens, die
einen Berliner wahrscheinlich in den Wahnsinn treibt, finde ich oft auch
bei Sachsen.
Ciao
Wolfram
--
Limerick
Es war ein Landwirt aus Lam bei Cham, / den übermannte in Roding die Scham
/ Er genierte sich mächtig, / amüsierte sich prächtig, / wobei das zweite
(na klar) vor dem ersten kam
>Am Fri, 09 Jul 2010 15:50:59 +0200 schrieb Uwe Schickedanz:
>
>> On Fri, 9 Jul 2010 14:59:37 +0200, Wolfram Heinrich
>> <in...@theodor-rieh.de> wrote:
>>
>>>Am Fri, 9 Jul 2010 14:39:28 +0200 schrieb Rüdiger Silberer:
>>>
>>>> Hier auf dem Lande in Mittelfranken wird der Vater oder Dadl genannt.
>>>
>>>In Niederbayern heißt er BAP, oder "da Bap" (im Gegensatz zu "dMam").
>>
>> Das gilt für meine Ecke Sachsens genauso.
>>
>Die Sachsen sind sowieso eine Art Bayern, nur halt mit einem etwas
>merkwürdigen Dialekt. Diese verschwommen-flirrende Art des Südens, die
>einen Berliner wahrscheinlich in den Wahnsinn treibt, finde ich oft auch
>bei Sachsen.
Bayer ehrenhalber? Meinetwegen, aber kein Weißbier!
chr
Kommt aus oder ist stammverwandt mit?
chr
> Für mich als Erlebnis
> pädagogen ist es
> immer sehr, sehr bitter
Endgeiles Gedicht.
mike
<Rick Kavanian, mode = "Jens Maul">
Urschleimer!
</>
mike
Grüße
Andreas
> Am 08.07.2010, 14:00 Uhr, schrieb Ralf . K u s m i e r z
> <m...@privacy.invalid>:
>
>> Mir sind kürzlich wieder die Ortsnamen "Scharmbeckstotel" und
>> "Lesumstotel" aufgefallen, wobei "Scharmbeck" eine Gemeinde und
>> "Lesum" ein Fluß sowie eine Ortsteilbezeichnung eines an diesem
>> Fluß gelegenen Ortsteils in näherer Entfernung sind. Also muß
>> "-totel" eine Art ergänzende Bezeichnung sein wie "-haven" in
>> "Bremerhaven" eben den Bremer Hafen bezeichnet. Weiß jemand,
>> was "Totel" bedeutet?
>
> Nur ein spekulativer Hinweis: 'tote' ist im Kluge Etymol.Wb. als
> fnhd. Form von 'Pate' aufgeführt.
Dann käme also auch die chinesische Mafia in Betracht -- weia!
Izmir auch egal: ich geh da sowieso nicht hin...
mike
> Am 09.07.2010 14:39, schrieb Rüdiger Silberer:
>
> > ............
> >> "Tate" kenne ich nur als jiddischen Begriff für Vater.
> >
> > Hier auf dem Lande in Mittelfranken wird der Vater oder Dadl genannt.
> >
> ----------------------------------
>
> Das jiddische tate kommt aus poln tata "Vati,Papa".
Auch in den Bantusprachen Namibias heisst Vater = tate
Mutter = meme
> Zu Papa und Tata:
> Roman Jakobson beschreibt die Reihenfolge der lautlichen Erwerbungen
> der Kindersprache in seiner "Kindersprache, Aphasie und allgemeine
> Lautgesetze"(1) ungefähr so:
> "An der Schwelle der ersten Sprachstufe … taucht ein 'a' als der erste
> Vokal und gewöhnlich ein labialer Verschlusslaut als der erste
> Konsonant der Kindersprache auf. Als erster konsonantischer Gegensatz
> tritt der des Mund- und Nasenlautes auf (etwa papa-mama); ihm folgt der
> Gegensatz der Labialen und Dentalen (etwa papa-tata und mama-nana)….".
> Erst später erscheint "der erste vokalische Gegensatz: es wird nämlich
> dem breiten Vokal ein enger gegenübergestellt, z.B. papa-pipi…"
>
> (1) ed. suhrkamp 330, 61 ff
>
> Wolfgang
> -------------------------------------
--
Yvonne Steiner
> "JaWo" <Ja...@niko.invalid> schrieb
>>
>> Das jiddische tate kommt aus poln tata "Vati,Papa".
>
> Kommt aus oder ist stammverwandt mit?
Angesichts von Sharon Tate ist diese Frage durchaus berechtigt.
mike
> Am Fri, 9 Jul 2010 14:39:28 +0200 schrieb Rüdiger Silberer:
>>
>> Hier auf dem Lande in Mittelfranken wird der Vater oder Dadl
>> genannt.
>
> In Niederbayern heißt er BAP, oder "da Bap" (im Gegensatz zu
> "dMam"). Ich habe mir sagen lassen, in Köln hieße der Vater
> auch so, und die gleichnamige Rockgruppe habe davon ihren Namen.
Jo! Auch bei uns isses "die Mamme" und "de Bappe". Was mich aber
etwas wundert: Mahatma (und mahatmanicht) Ghandis Kosename war ja
ebenfalls "Bapu" (Vater). Gibbet da etwa einen gemeinsamen
Wortstamm?
mike
> >> "Tate" kenne ich nur als jiddischen Begriff für Vater.
>
> Es muss auch Großvater heißen, sonst funktioniert der Witz
> nicht, in dem Móriczka von der Mutter in den Laden
> geschickt wird, um Patria-Ersatzkaffee zu kaufen.
> Auf der Treppe begegnet er dem Großpapa. Dieser spricht,
> um Móriczkas schulische Leistungen zu fördern, stets nur
> Latein mit ihm und redet ihn also an: "Quo vadis,
> Mauritius?" Antwort: "Pro patria, lieber Tate."
Dürfte mit dem sowjetischen djeduschka, kurz djadja korrespondieren -
fr
> >>> Hier auf dem Lande in Mittelfranken wird der Vater oder Dadl genannt.
>
> >>In Niederbayern heißt er BAP, oder "da Bap" (im Gegensatz zu "dMam").
>
> > Das gilt für meine Ecke Sachsens genauso.
>
> Die Sachsen sind sowieso eine Art Bayern, nur halt mit einem etwas
> merkwürdigen Dialekt.
Nee, der engste Verwandte des Sachsen im dtschn. Sprachraum ist der
Schwabe.
> Diese verschwommen-flirrende Art des Südens, die einen Berliner wahrscheinlich > in den Wahnsinn treibt, finde ich oft auch bei Sachsen.
Bei Euch hat's heute wahrscheinlich heiß; eine wie auch immer geartete
"verschwommen-flirrende Art des Südens" (also Kinder, Ausdrücke habt
Ihr) eignet dem Sachsen nun wahrlich nicht - FR
> Die Sachsen sind sowieso eine Art Bayern, nur halt mit einem
> etwas merkwürdigen Dialekt.
Odda, wie's der Franze z'letscht g'soagt hoat: "Diese Schpanieah
sanns keine Arrgentienieah!". No, recht hatta, der Franze -- ah
wenn's a Saubeidel is, a g'witterg'schiss'ner bajuwarischer!
mike, wundsalzverteilend
Sicher? Es ging um Freiheit, nicht um Dschadschadscha.
mike
>> Das jiddische tate kommt aus poln tata "Vati,Papa".
>
> Kommt aus oder ist stammverwandt mit?
>
> chr
>
-------------------------
Kommt aus, nach Salcia Landmann.
Gruß, W.
-------------------------
Könnte sein. Müßte man anhand größeren Datenmaterials mal untersuchen.
R. Jakobson beschreibt (in op.cit.) die Reihenfolge der Aneignung
phonolog. Oppositionen bei Kindern (natürlich je nach Phonemsystem
verschieden) und zeigt dann, dass der Sprachverlust bei Aphatikern in
der umgekehrten Reihenfolge vor sich geht.
Gruß
Wolfgang
-----------------------------------------
> дядя (djadja) ist das russische (sic!) Wort für Onkel, тётя (tjotja) heißt Tante. дедушка ist schon Diminutiv zu дед.
Könnte ja trotzdem sein, dass der ded und der djadja und
der tate zusammenhängen, wenn man z.B. den Zusammen-
hang zwischen den ersten beiden als "männlicher Ver-
wandter älter als man selber" fasst.
Kann das jemand bestätigen oder auch nicht? Etymolog.
Wörterbücher für slaw. Sprachen habe ich nicht zu Hause.
chr
Nach Vassmer hängen in der Tat дядя und дед. zusammen. Beide seien
„begünstigt durch die lallende Kindersprache.“ . тaтa hingegen hat auch
in anderen Sprachen Entsprechungen, aber auch hier „Ähnliche Lallnamen
in allen Sprachen der Welt“.
REW, Bd. III, s.v. тaтa
Gruß
Wolfgang
-------------------------------------------------------
Als Haiku knapp daneben.
--
GUGELFUHR(E), f., scherz, spasz, narrheit,
GRIMM, Deutsches Wörterbuch
Irre! Gibt es da etwa gar eine Sprachfamilie?
Es geht aber darüber hinaus, z.B.:
Chinesisch mama/baba
Vietnamesisch má/bá
Koreanisch eomma/appa
Aber Japanisch: haha/chichi* als ähnliche Bildungen. Kinder rufen ihre
Eltern (o)kâsan/(o)tôsan. Für Babys ziemlich schwierige Laute (besonders
ch und k).
____
* <ch> ist als tsch [tS] zu sprechen. Vokale mit ^ sind lang.
--
binsaugnesseln, hummelsköl, mönchspfeffer, gugelköpf, minbrüdermüntz
FISCHART
GRIMM, Deutsches Wörterbuch
> On Fri, 9 Jul 2010 17:31:19 +0200, Wolfram Heinrich
> <in...@theodor-rieh.de> wrote:
>
>>Die Sachsen sind sowieso eine Art Bayern, nur halt mit einem etwas
>>merkwürdigen Dialekt. Diese verschwommen-flirrende Art des Südens, die
>>einen Berliner wahrscheinlich in den Wahnsinn treibt, finde ich oft auch
>>bei Sachsen.
>
> Bayer ehrenhalber? Meinetwegen, aber kein Weißbier!
>
Du kannst beim zuständigen Bayerischen Generalkonsulat in Dresden ganz
unbürokratisch Weibier-Dispens erwirken.
Ciao
Wolfram
--
Es gibt ja Leute, die sagen, unsere Politiker, das sind alles Verbrecher.
Das ist natürlich Unsinn. Das wirklich organisierte Verbrechen, das
arbeitet auf höherem Niveau. Da werden Menschen auch mal zur Verantwortung
gezogen.
MATHIAS BELTZ
> On Fri, 9 Jul 2010 17:31:19 +0200, Wolfram Heinrich
> <in...@theodor-rieh.de> wrote:
>
>>Die Sachsen sind sowieso eine Art Bayern, nur halt mit einem etwas
>>merkwürdigen Dialekt. Diese verschwommen-flirrende Art des Südens, die
>>einen Berliner wahrscheinlich in den Wahnsinn treibt, finde ich oft auch
>>bei Sachsen.
>
> Bayer ehrenhalber? Meinetwegen, aber kein Weißbier!
>
Du kannst beim zuständigen Bayerischen Generalkonsulat in Dresden ganz
unbürokratisch Weißbier-Dispens erwirken.
Ciao
Wolfram
--
Es gibt ja Leute, die sagen, unsere Politiker, das sind alles Verbrecher.
Das ist natürlich Unsinn. Das wirklich organisierte Verbrechen, das
arbeitet auf höherem Niveau. Da werden Menschen auch mal zur Verantwortung
gezogen.
MATHIAS BELTZ
>Nur ein spekulativer Hinweis:
> 'tote' ist im Kluge Etymol.Wb. als fnhd. Form von 'Pate' aufgeführt.
> 'tate' kommt nach meiner Erinnerung in Grimmelshausens Simplizissimus
> in derselben Bedeutung vor; dort kann ich es aber z.Zt. nicht finden.
>Hilft das irgendwie weiter?
Der Begriff Tote - ausgesprochen eher Dood - war zumindest in den
Sechzigern in der Gegend von Heilbronn noch üblich. Das trifft
übrigens auf sehr viele Wörter aus dem Simplicissimus zu, der ja etwas
nördlich von dieser Gegend spielt.
--
Viele Grüße
Gerald Fix
> * Michael Schumacher:
>
> > Wolfram Heinrich wrote:
> >
> >> Am Fri, 9 Jul 2010 14:39:28 +0200 schrieb Rüdiger Silberer:
> >>>
> >>> Hier auf dem Lande in Mittelfranken wird der Vater oder Dadl
> >>> genannt.
> >>
> >> In Niederbayern heißt er BAP, oder "da Bap" (im Gegensatz zu
> >> "dMam"). Ich habe mir sagen lassen, in Köln hieße der Vater
> >> auch so, und die gleichnamige Rockgruppe habe davon ihren Namen.
> >
> > Jo! Auch bei uns isses "die Mamme" und "de Bappe". Was mich aber
> > etwas wundert: Mahatma (und mahatmanicht) Ghandis Kosename war ja
> > ebenfalls "Bapu" (Vater). Gibbet da etwa einen gemeinsamen
> > Wortstamm?
>
> Irre! Gibt es da etwa gar eine Sprachfamilie?
War nicht wirklich ernstgemeint?
Larry Trask betrachtet die große Ähnlichkeit gerade als Gegenargument: Die
Wörter unterliegen keiner Lautverschiebung, werden also offenbar in jeder
Generation von den Kindern neu erfunden. Ein recht lesenswerter Artikel.
http://www.sussex.ac.uk/linguistics/documents/where_do_mama2.pdf
> Es geht aber darüber hinaus, z.B.:
>
> Chinesisch mama/baba
> Vietnamesisch má/bá
> Koreanisch eomma/appa
Hebräisch em/av mit den aramäischen Koseformen ima/abba
und manch andere, siehe Trasks Artikel, der auch ein paar Gegenbeispiele
nennt.
--
Helmut Richter
Wirklich lesenswert, danke! Aber woher weißt Du, dass Trask der Autor ist?
Der ist nämlich in dem Artikel seltsamerweise nicht angegeben.
Schönen Gruß
Horst
> Am Sat, 10 Jul 2010 09:19:42 +0200 schrieb Helmut Richter:
> > http://www.sussex.ac.uk/linguistics/documents/where_do_mama2.pdf
> Wirklich lesenswert, danke! Aber woher weißt Du, dass Trask der Autor ist?
> Der ist nämlich in dem Artikel seltsamerweise nicht angegeben.
In der Übersichtsseite http://www.sussex.ac.uk/linguistics/1-4-1-2.htm
stehts. Ich habs schon vorher gewusst und gleich nach "larry trask mama"
gesucht.
--
Helmut Richter
Daran hab ich auch zuerst gedacht. Aber kann es nicht sein, dass
Móriczka seinen Vater trifft? Ich habe beim Schnellsuchen keine Belege
für Tate = Großvater gefunden. Was sagt ein Wörterbuch?
-rike
Es muss so heißen:
http://www.sussex.ac.uk/linguistics/1-4-1-2.html
> Müssen, Tateleben, die Hausierer bei die Pfahlbauern gehen lernen
> schwimmen?
Ts, ts.
"Haben müssen gehen lernen schwimmen, Tateleben, die Hausierer bei
die Pfahlbauern?"
M.
> > Müssen, Tateleben, die Hausierer bei die Pfahlbauern gehen lernen
> > schwimmen?
>
> Ts, ts.
>
> "Haben müssen gehen lernen schwimmen, Tateleben, die Hausierer bei
> die Pfahlbauern?"
Na jut, acceptiert - FR
Aus einem Text von J. Haschek: Und Aron gehorchte Tateleben,
Mameleben, dem Großvater, der Großmutter, vier Brüdern, fünf
Schwestern, drei Onkeln und drei Tanten...
FR
Ich möchte keinen Legenden widersprechen, aber mir bekannte
Kölner sagen eher Papp als Bapp.
Daher auch die Geschichte vom mundfaulen Sohn, der seinem
Vater zur Begrüßung ein Stück Dachpappe (Teerpappe)
entgegenhielt.
/Walter
> Daher auch die Geschichte vom mundfaulen Sohn, der seinem
> Vater zur Begrüßung ein Stück Dachpappe (Teerpappe)
> entgegenhielt.
Das war ja noch eine Steigerung von "Ohne Rolf".
http://www.youtube.com/watch?v=Lm4tVaP18j4
Gruss
Walter
[ Mama, Papa, Tata, ...]
> Larry Trask betrachtet die große Ähnlichkeit gerade als Gegenargument: Die
> Wörter unterliegen keiner Lautverschiebung, werden also offenbar in jeder
> Generation von den Kindern neu erfunden. Ein recht lesenswerter Artikel.
Ja. Allerdings ist "Die Wörter unterliegen keiner Lautverschiebung"
zumindest missverständlich formuliert. Trask schreibt über die These,
dass diese Wörter keiner Lautverschiebung unterlägen und unverändert aus
der Ursprache übernommen worden wären:
| No. It is not right. In fact, it is shriekingly wrong, and not just
| wrong: it is impossible.
Auch diese Wörter unterliegen dem Sprachwandel (wie man als
Deutschsprachiger leicht sieht: Mutter und Vater sind schon recht weit
weg von Mama und Papa, aber die Verwandtschaft ist noch erkennbar - bei
Olivers japanischen Beispielen wird das schon schwieriger). Trotzdem
kommen diese Wörter in sehr vielen Sprachen in sehr ähnlicher Form vor,
weil, wie sie - wie Du richtig schreibst - "offenbar in jeder Generation
von den Kindern neu erfunden" werden. Oder genauer gesagt, von den
Eltern, die halt in den ersten Silben, die die Kinder von sich geben,
gerne Wörter für Mutter und Vater sehen.
hp
Gibt es in der Nähe von Bremen und Scharmbeck viele slawische
Ortsnamen? Wann waren die Slawen denn dort zugange? Sind gar die
Namen "Bremen", "Scharmbeck" und "Lesum" auch slawischen Ursprungs?
Verwundert.
--
Klaus Pommerening
Ich nehme es Ihnen nicht übel, dass Sie meine Manieren nicht
nett finden. Sie sind in der Tat ziemlich schlecht.
(Raymond Chandler)
> Am 2010-07-09 15:41 schrieb Frank Hucklenbroich:
>> Am Fri, 9 Jul 2010 14:59:37 +0200 schrieb Wolfram Heinrich:
>>
>>> In Niederbayern heißt er BAP, oder "da Bap" (im Gegensatz zu "dMam"). Ich
>>> habe mir sagen lassen, in Köln hieße der Vater auch so, und die
>>> gleichnamige Rockgruppe habe davon ihren Namen.
>>
>> Genauso ist es.
>>
>> Hier ist es recht gut erklärt:
>> http://de.wikipedia.org/wiki/BAP
>>
>> Demnach heißt es auf Kölsch eigentlich "Bapp", aber das sah als Schriftzug
>> auf der Basedrum nicht gut aus, also hat man das zweite "p" weggelassen und
>> wurde zu BAP.
>>
>
> Ich möchte keinen Legenden widersprechen, aber mir bekannte
> Kölner sagen eher Papp als Bapp.
Stimmt, als "Papp" ist es mir auch geläufiger. Aber Wolfgang Niedecken
singt ja eh kein so wirklich typisches, echtes Kölsch, da ist schon einiges
"weichgespült" - da würde es mich nicht wundern, wenn der eben den "Papp"
mit "B" geschrieben hat. Aber vermutlich war es noch viel profaner, "PAP"
sah als Schriftzug doof aus (da denkt man dann an Pappdeckel und sowas).
Grüße,
Frank
Ist Papp nicht auch der Babybrei und damit Grundwortschatz des Nicht-
mehr-Säuglings?
Gruß
Gunhild
> Ist Papp nicht auch der Babybrei und damit Grundwortschatz des Nicht-
> mehr-Säuglings?
Wurde zu meiner akademischen Zeit in der Mensa
auch gerne für den als "Essen" verabreichten
Nährschlamm gebraucht.
Soll das einen weiteren tiefen Einblick in deine Küche bedeuten?
Meiner Meinung nach bezog sich das auf den Geschmacksvergleichstest von
Fanny-Knödeln, doppelblind Inhalt gegen Verpackung.
--
Roland Franzius
>>> Mir sind kürzlich wieder die Ortsnamen "Scharmbeckstotel"
>>> und "Lesumstotel" aufgefallen, .... Weiß jemand, was "Totel"
>>> bedeutet?
>> Nicht "Totel" sondern "Stotel" (einen Ort dieses Namens gibt
>> es bei Bremen), kommt aus dem Slaw. und bedeutet "Hundert
>> Körper" (sto = 100, tel = Körper).
>
> Gibt es in der Nähe von Bremen und Scharmbeck viele slawische
> Ortsnamen? Wann waren die Slawen denn dort zugange? Sind gar
> die Namen "Bremen", "Scharmbeck" und "Lesum" auch slawischen
> Ursprungs?
> Verwundert.
Ich bin auch verwundert. Florian Ritter hat ja Recht mit
*Stotel* statt *Totel*. Aber seine Geschichte mit dem
slawischen "Hundert Körper" kaufe ich auch nicht. :-)
Er hat auch keine Quelle angegeben. Die Siedlungen
im Wesermarsch sind ja altem "Friesengebiete". Die
Ortsnamen mit "-Stotel" sind laut Wikipedia seit 1105
schriftlich bekannt . (Auch "Statle", "Stotlo", "Stotle",
"Stotele" und "Stotell" genannt).
http://de.wikipedia.org/wiki/Stotel
Andere Stechwörter für Wiki/Google:
- Vresekenstotele
- "Stotel der Friesen"
- "Grafen von Stotel"
- "Grafen von Lesum"
Aber wo finden wir denn die richtige Etymologie?
--
Gruß :·)
Herluf Holdt
DK-3140
Ja, so wird im Kölner Raum manchmal Essen bezeichnet, daß nicht besonders
lecker aussieht und schmeckt - eben breiähnlich, pampig, pappig. "Was ist
das denn für'n Papp?!".
Grüße,
Frank
>
> > Ist Papp nicht auch der Babybrei und damit Grundwortschatz des Nicht-
> > mehr-Säuglings?
Ich meine, darüber im etymologischen Wörterbuch gelesen zu haben.
Und tatsächlich, da steht ein Artikel, der sich damit detailiert
befaßt und den Pap im Niederdeutschen, Niederländischen und Englischen
verortet.
> Soll das einen weiteren tiefen Einblick in deine Küche bedeuten?
Ich bitte um Entschuldigung, wenn ich mich da zu sehr ausgemärt habe.
Ich werde mich in Zukunft mehr kontrollieren.
Gruß
Gunhild
In dem Sinne gibt es das Wort auch in Bayern. Das Wort kommt wahrscheinlich
vom italienischen "pappa" - Brei. Obacht! Es heißt auch Lude, Loddel,
Louis.
Ciao
Wolfram
--
Optimist: ein Mensch, der die Dinge nicht so tragisch nimmt, wie sie sind.
KARL VALENTIN
> Ich bin auch verwundert. Florian Ritter hat ja Recht mit
> *Stotel* statt *Totel*. Aber seine Geschichte mit dem
> slawischen "Hundert Körper" kaufe ich auch nicht. :-)
> Er hat auch keine Quelle angegeben. Die Siedlungen
> im Wesermarsch sind ja altem "Friesengebiete". Die
> Ortsnamen mit "-Stotel" sind laut Wikipedia seit 1105
> schriftlich bekannt . (Auch "Statle", "Stotlo", "Stotle",
> "Stotele" und "Stotell" genannt).
>
> http://de.wikipedia.org/wiki/Stotel
>
> Andere Stechwörter für Wiki/Google:
> - Vresekenstotele
> - "Stotel der Friesen"
> - "Grafen von Stotel"
> - "Grafen von Lesum"
>
> Aber wo finden wir denn die richtige Etymologie?
Vielleicht gar nicht.
| Seite 65. [...] es scheint keiner der vielen Oerter gemeint zu
| sein, welche zwischen Weser und Elbe jetzt den Namen Statel,
| Stotel tragen, dessen Bedeutung die ganz allgemeine von Stadt,
| Niederlassung, Anbau ist.
|
(H.A. Schumacher, "Die Stedinger: Beitrag zur Geschichte der Weser-
Marschen", Bremen, 1865, S. 168.)
| [...] der Grafen von Stotel, die auf ihrer Burg dieses Namens,
| ursprünglich Stotlo, von Stot, in altdeutscher Runensprache
| Hülfe und Lo, d. i. Höhe, daher Hülfsburg [...]
|
(Johann Hermann Duntze, "Geschichte der freien Stadt Bremen",
Zweiter Band, Bremen, 1846, S. 34.)
| 9) Lo, Loh, Lee, Leda, mögen entweder einen etwas erhabenen Ort
| andeuten, oder insgemein eine Wohnung, wie das Wort Loger,
| Logis, in der französischen Sprache annoch gebraucht wird, so
| ist es doch ein altes Chautzisches Wort, und hat die Benennung
| in diesen Landen häufig beibehalten. So in der Amtsschreiberei
| Stotel oder Stotlo, wovon die alten Grafen zu Stotel ihren Namen
| gehabt.
|
(Joh. Heinr. Pratje's vermischte historische Sammlungen, Erster
Band, Stade, 1842, S. 47-48.)
Ein paar andere Quellen meinen, daß /stot/ "stehendes Gewässer"
oder "mooriges, sumpfiges Wasser" bedeutet (oder bedeuten kann).
--
Steve
My e-mail address works as is.
> Ich bitte um Entschuldigung, wenn ich mich da zu sehr ausgemärt habe.
Was heißt denn 'sich ausmähren'?
Ciao
Toscha
--
Death before Dishonour
[The Exploited]
Lass mich raten: der Bahlow?
> Stephen Hust wrote:
Der Bahlow ist eine der Quellen ("mooriges, sumpfiges Wasser").
"Stehendes Gewässer" ist nach Google-Books aus einer
Veröffentlichung mit dem Titel "ONOMA" (International Centre of
Onomastics). Man sieht nur einige Zeilen, aber es wäre möglich, daß
diese Erklärung auch von Bahlow ist. Er kommt jedenfalls in dem
Band vor.
>On 12.07.2010 16:05, Gunhild Simon wrote:
>
>> Ich bitte um Entschuldigung, wenn ich mich da zu sehr ausgemärt habe.
>
>Was heißt denn 'sich ausmähren'?
In meiner sächsischen Heimat soviel wie aus dem Knick kommen; wird
eigentlich nur als kategorischer Imperativ angewendet.
Gruß Uwe
--
"Demokratie ist riskant. Das Volk kann sich ja auch irren."
Dieter Wiefelspütz, SPD
=== http://www.sicherheitslampe.de ===
> On 12.07.2010 16:05, Gunhild Simon wrote:
>
> > Ich bitte um Entschuldigung, wenn ich mich da zu sehr ausgemärt habe.
>
> Was heißt denn 'sich ausmähren'?
| au}s|mä|ren, sich (bes. ostmitteld. für trödeln; auch zu trödeln
| aufhören)
© Duden - Die deutsche Rechtschreibung, 25. Aufl. Mannheim 2009 [CD-ROM]
--
Yvonne Steiner
> On 12.07.2010 16:05, Gunhild Simon wrote:
>
>> Ich bitte um Entschuldigung, wenn ich mich da zu sehr ausgemärt habe.
>
> Was heißt denn 'sich ausmähren'?
Wieso schreibst du "ausmähren", wenn Gunhild nichts von Böhmen
schrieb?
Da Didi
--
Dieter Brügmann, Spandau (bei Berlin) http://didispandau.de
Bei Risiken oder Nebenwirkungen fragen sie Ihren Arzt oder Dealer.
Ich bringe das Wort in Verbindung mit "der guten alten Mär", nicht
aber mit der alten, armen Schindmähre.
Nach meinem Verständnis bedeutet es nicht herumtrödeln, wie Yvonne
erkundete, sondern weitschweifig erzählen.
Die Englisch- und Religion-Fachlehrerin meiner Kindheit pflegte dies
in einem ungeduldigen Tonfall zu sagen:" Nun mär dich schon aus!"
Heute erwartet man von einem Lehrer wohl mehr Affektkontrolle.
Fräulein Grüneisen hatte einen unüberhörbaren Stechschritt, wenn sie
nahte. Eine sächsische Pastorentochter, vor der ich ängstlichen
Respekt hatte.( Also ostmitteldeutsch paßt schon.)
Gruß
Gunhild
> On 12 Jul., 19:18, Thomas Schade <tos...@rrr.de> wrote:
>> On 12.07.2010 16:05, Gunhild Simon wrote:
>>> Ich bitte um Entschuldigung, wenn ich mich da zu sehr
>>> ausgemärt habe.
>> Was heißt denn 'sich ausmähren'?
> Ich bringe das Wort in Verbindung mit "der guten alten Mär",
> nicht aber mit der alten, armen Schindmähre.
> Nach meinem Verständnis bedeutet es nicht herumtrödeln, wie
> Yvonne erkundete, sondern weitschweifig erzählen.
| *mä|ren* <sw. V.; hat> [mhd. mer(e)n = eintauchen, -brocken;
| umrühren, wohl zu mhd. mer[o-]t, ahd. mero-de = flüssige Speise
| aus Brot u. Wein, Abendmahl < spätlat. merenda = Vesperbrot, zu
| lat. merere = bekommen, erwerben] (landsch. abwertend):*1.*
| /herumwühlen, -rühren./ *2.* *a)* /langsam u. umständlich
| sein;/ *b)* /umständlich reden, sehr viel erzählen. /
|
(DUDEN - Deutsches Universalwörterbuch.)
<http://app.mr-check.de/Mrcheck.php?CL=zeit&SP=m%E4ren>
Siehe auch Grimms Wörterbuch:
| MÄREN, /verb. kund geben, verkünden, mhd./ mæren [...]
| MÄRENSAGER, /m. nugator./ [...]
| MÄRENTRÄGER, /m. verbreiter von erzählungen und gerüchten,
| geschichtenträger/ [...]
Was ist geblieben von alledem? Das Märchen.
Gruß
Gunhild
>> > Ich bitte um Entschuldigung, wenn ich mich da zu sehr ausgemärt habe.
>>
>> Was heißt denn 'sich ausmähren'?
>
> Ich bringe das Wort in Verbindung mit "der guten alten Mär", nicht
> aber mit der alten, armen Schindmähre.
Das war zweifellos unachtsam abgeschrieben.
> Nach meinem Verständnis bedeutet es nicht herumtrödeln, wie Yvonne
> erkundete, sondern weitschweifig erzählen.
So hätte ich es interpretiert, aber selbst die gebürtige Hamburgerin zu
meiner Seite konnte damit nichts anfangen.
Ciao
Toscha
--
Frauen sind die Juwelen der Schöpfung.
Man muss sie mit Fassung tragen.
> Gunhild Simon <gunhil...@yahoo.de> wrote:
>
>> On 12 Jul., 19:18, Thomas Schade <tos...@rrr.de> wrote:
>>> On 12.07.2010 16:05, Gunhild Simon wrote:
>>>> Ich bitte um Entschuldigung, wenn ich mich da zu sehr
>>>> ausgemärt habe.
>>> Was heißt denn 'sich ausmähren'?
>
>> Nach meinem Verständnis bedeutet es nicht herumtrödeln, wie
>> Yvonne erkundete, sondern weitschweifig erzählen.
>
>| *mä|ren* <sw. V.; hat> [mhd. mer(e)n = eintauchen, -brocken;
>| umrühren, wohl zu mhd. mer[o-]t, ahd. mero-de = flüssige Speise
>| aus Brot u. Wein, Abendmahl < spätlat. merenda = Vesperbrot, zu
>| lat. merere = bekommen, erwerben] (landsch. abwertend):*1.*
>| /herumwühlen, -rühren./ *2.* *a)* /langsam u. umständlich
>| sein;/ *b)* /umständlich reden, sehr viel erzählen. /
>|
> (DUDEN - Deutsches Universalwörterbuch.)
Ich kenne es von der ostmitteld. Verwandtschaft so:
rummären: langsam tun
sich ausmären: zum Ende kommen, zu Potte kommen
Entschuldigen wird man sich also eher dafür, sich nicht (schneller)
ausgemärt zu haben.
--
nun schmeckt, wer ich sei, ihr gugelnarren! PARACELSUS
GRIMM, Deutsches Wörterbuch
Irgendwie doch widerlich, dieses verwöhnte Pack von westdeutschen
Bürgersöhnchen. Er hätte mal in der Mensa academica der Alma mater
Gryphis Valdensis panierten Kuheuter zu sich zu nehmen gezwungen sein
müssen - FR
Auch als Pappchen bekannt.
> Soll das einen weiteren tiefen Einblick in deine Küche bedeuten?
>
> Meiner Meinung nach bezog sich das auf den Geschmacksvergleichstest von
> Fanny-Knödeln, doppelblind Inhalt gegen Verpackung.
Ja, Franzius, nach '45 wär'n wir für solche Klöße aber dankbar
gewesen.
Die gewesenen Inhaber der gemeinten Firma, mittlerweilen an einen
Konzern verkauft, waren übrigens Alte Herren des Corps Borussia
Berlin, in das hatte ich mal die Überlegung einzutreten, mich aber
doch anders entschieden.
Bei Borussia ließ man alljährlich eine Einladung zum
Stiftungsfestkommers an den damaligen Chef des Hauses Hohenzollern,
Prinz Louis Ferdinand, herausgehen, und ebenso regelmäßig wurde mit
einem absagenden Danktelegramm, beinhaltend die Zusage eines namhaften
Betrages für die Bierversorgung geantwortet - FR
N.B.: Die Asymptote aller möglichen Regierungsformen dürfte die
eingeschränkte Monarchie sein.
D.O.
> > > Ist Papp nicht auch der Babybrei und damit Grundwortschatz des Nicht-
> > > mehr-Säuglings?
>
> Ich meine, darüber im etymologischen Wörterbuch gelesen zu haben.
> Und tatsächlich, da steht ein Artikel, der sich damit detailiert
> befaßt und den Pap im Niederdeutschen, Niederländischen und Englischen
> verortet.
Wolle auch "Pamps" berücksichtigen.
> > Soll das einen weiteren tiefen Einblick in deine Küche bedeuten?
>
> Ich bitte um Entschuldigung, wenn ich mich da zu sehr ausgemärt habe.
> Ich werde mich in Zukunft mehr kontrollieren.
Leere Versprechung! FR
> >Was heißt denn 'sich ausmähren'?
>
> In meiner sächsischen Heimat soviel wie aus dem Knick kommen; wird
> eigentlich nur als kategorischer Imperativ angewendet.
Auch "aus der Hüfte kommen" - FR
> Die Englisch- und Religion-Fachlehrerin meiner Kindheit pflegte dies
> in einem ungeduldigen Tonfall zu sagen:" Nun mär dich schon aus!"
> Heute erwartet man von einem Lehrer wohl mehr Affektkontrolle.
>
> Fräulein Grüneisen hatte einen unüberhörbaren Stechschritt, wenn sie
> nahte. Eine sächsische Pastorentochter, vor der ich ängstlichen
> Respekt hatte.( Also ostmitteldeutsch paßt schon.)
Sollte mal mich erleben, dann wüßte was Respekt heißt - FR
> > > Ja, so wird im Kölner Raum manchmal Essen bezeichnet, daß nicht besonders
> > > lecker aussieht und schmeckt - eben breiähnlich, pampig, pappig. "Was ist
> > > das denn für'n Papp?!".
>
> > In dem Sinne gibt es das Wort auch in Bayern. Das Wort kommt wahrscheinlich
> > vom italienischen "pappa" - Brei. Obacht! Es heißt auch Lude, Loddel,
> > Louis.
>
> Schwäbisch "Bapp" ist schlicht und erstmal Klebstoff, Leim.
Und der Bapp hebt. Die Schwaben sagen für kleben heben - FR
Ach ja? Da schieße ich nur.
--
Oliver Cromm from this day forward
you will also be known as
Smilin' Samurai
<http://www.mess.be/inickgenwuname.php>
> Die Schwaben sagen für kleben heben - FR
"heben/haben" ist in unterschiedlicher Intensität im gesamten
oberdeutschen Sprachraum für verschiedene Formen von "halten" üblich.
Im Alemannischen ist "heben" die gängige Form, im
tirolisch/salzburgisch/obderennsischen Raum ist zwar "des hebt (net)"
für "das hält (nicht)", sonst aber eher "-haben" für "anhalten,
festhalten" üblich:
"habts enk an" = "habt euch an" = haltet euch fest
"muasst di gscheit anhabn" = du musst dich fest anhalten / gut
festhalten.
Bei der Übertragung des Fußball-WM-Finales ist dem ORF-Reporter einmal
durchgerutscht: "Und da hebt er ihn am Leiberl..." -- ein Xiberger halt.
Helmut
--
Nach dera Zei'n kimmt nix mehr
> Und der Bapp hebt. Die Schwaben sagen für kleben heben
Die Tiroler auch. "Des hebt" = das hält.
M.
Die Pfälzer heben auch, statt zu halten. Die Rheinhessen nicht.
Joachim
>On 12 Jul., 19:18, Thomas Schade <tos...@rrr.de> wrote:
>> On 12.07.2010 16:05, Gunhild Simon wrote:
>>
>> > Ich bitte um Entschuldigung, wenn ich mich da zu sehr ausgemärt habe.
>>
>> Was heißt denn 'sich ausmähren'?
>
>Ich bringe das Wort in Verbindung mit "der guten alten Mär", nicht
>aber mit der alten, armen Schindmähre.
Ja, ich auch, deswegen fand ich es eigentlich selbsterklärend.
>Nach meinem Verständnis bedeutet es nicht herumtrödeln, wie Yvonne
>erkundete, sondern weitschweifig erzählen.
Genau so kenne ich das auch, spätestens seit meiner Jugend, aber
ich weiß nicht mehr, von wem ich das Wort gehört habe.
> > > >Was heißt denn 'sich ausmähren'?
>
> > > In meiner sächsischen Heimat soviel wie aus dem Knick kommen; wird
> > > eigentlich nur als kategorischer Imperativ angewendet.
>
> > Auch "aus der Hüfte kommen"
>
> Ach ja? Da schieße ich nur.
Zwanzig und will sehen - FR
> >> Und der Bapp hebt. Die Schwaben sagen für kleben heben
>
> > Die Tiroler auch. "Des hebt" = das hält.
>
> Die Pfälzer heben auch, statt zu halten. Die Rheinhessen nicht.
Die Rheinländer sagen für kleben peppen, ankleben = anpeppen. Eine
Zeitlang waren so Aufkleber Mode, da sah man gleich, welch Geistes
Kind der Autobesitzer war, die nannte der Rheinländer Aufpepper - FR
So richtig mit hartem "p"? Bei uns ist das natürlich "babben" (Man denke
an Fraa Schtruwwelisch un Fraa Babbisch). Die Aufkleber kenne ich aber
nur als "Bepper".
Joachim
> Was heißt denn 'sich ausmähren'?
Ich kenn es als "sich (langsam) ausleeren", ob sprachlich oder
in der Handlung ... Alles, was man dazu sagen, schreiben, tun will -
machen!
Aber entnervend langsam.
Weil's 'raus muss! ;-)
Dorothee
Und 'das Ding' selbst heißt "Papperl" - egal ob Preisetikett
oder TÜV-Plakette ...
>>>> Die Tiroler auch. "Des hebt" = das hält.
"Dees hebbt" - wenn endlich!
Dorothee
Das heisst bei uns "ausmehren" ;-)
http://de.wikipedia.org/wiki/Helvetismus
Gruss
Walter
Na gut ;-)
Meines Opa Vorfahren waren aus Schlesien - und deshalb hab ich das in
Gedanken eigentlich immer mit Böhmen ("du verstehst nur böhmische
Dörfer") und mit Mähren in Zusammenhang gebracht.
Ich würd's immer mit ä schreiben ;-)
Dorothee
Das dürfte eine Vermischung mir mähren sein. Beim ausmären ist nicht
ganz klar, ob es eher vom grimmen Märchenaberzählen oder freudschen
Alptraumrauserzählen kommt.
--
Roland Franzius
> On 12 Jul., 19:18, Thomas Schade <tos...@rrr.de> wrote:
>> On 12.07.2010 16:05, Gunhild Simon wrote:
>>
>>> Ich bitte um Entschuldigung, wenn ich mich da zu sehr ausgemärt habe.
>>
>> Was heißt denn 'sich ausmähren'?
>
> Nach meinem Verständnis bedeutet es nicht herumtrödeln, wie Yvonne
> erkundete, sondern weitschweifig erzählen.
>
> Die Englisch- und Religion-Fachlehrerin meiner Kindheit pflegte dies
> in einem ungeduldigen Tonfall zu sagen:" Nun mär dich schon aus!"
Damit forderte Sie aber MUSEN auf, mit dem (rum)mären aufzuhören. Doch
nicht: "Nun sei endlich weitschweifig!"
--
ę liezen sich die man schouwen
âne gugel vor den frouwen,
nu siht mans in den gugeln gân
vor den frouwen als ein man, -- TEICHNER