Am Sonntag, 26. April 2020 15:27:52 UTC+2 schrieb Andreas Karrer:
Man kann im Prinzip immer fragen, nur: Da gibt es elendig lange Warteschleifen
und Vorzimmer, Callcenterbeschäftigte in Indien mit schwer verständlichem
Englisch, Vertröstungsdurchsagen (der nächste freie Mitarbeiter...), häufig
mit dem Telefon zu bedienende Menüs (drücken sie bitte die 1), wo man nicht
weiß, ab man die 1 sofort drücken kann oder erst das Ende der Ansage abwarten
muss; oder der Befragte bedingt sich einen Termin aus; oder ist gerade nicht
zu sprechen, oder es läuft grundsätzlich ein AB; oder man macht es wie Google
und bietet keine Kontaktmöglichkeit an. Oder kennst du eine?
Tatsache ist, dass viele gerne wüssten, wie die Trefferzahlen bei Google sich
erklären. Und wohl weil das sehr häufig mit wirtschaftlichen Interessen
verknüpft ist, blockt Google das prinzipiell ab, so mein Eindruck. Zahlende
Kunden werden über andere Kanäle versorgt, denke ich.
Eine weitere Tatsache ist, dass die Google-Treffer im Zeitverlauf schwanken
und sich insgesamt in ihrer Zusammensetzung verändern. Google will offensicht-
lich darüber nicht Rechenschaft ablegen. Bei der Eingabe irgendwelcher
Suchwörter sind Treffer, die auf handelbare Güter verweisen, klar favorisiert,
dafür zahlen die Kunden schließlich. Die Pest der Linkfarmen haben sie schon
lange ausgetrocknet, was den Nutzer freut, aber auch dazu habe ich nie etwas
erfahren (hab mir jedoch auch keine Mühe gegeben). Und natürlich ist es so,
dass Google vor allem seine unglaublich mächtigen Such-Algorithmen unter
Verschluss halten und nichts über deren Funktionsweise preisgeben will, denn
damit machen sie ihr Geld. Ich sehe das weniger als Archäologie denn als
Feudalismus: Google gewährt uns die Gnade, viele seiner Unmassen von
Informationen nutzen zu dürfen. Und die auf diese Weise an Google gelieferten
Informationen über einen selbst werden wieder in Einnahmen durch personali-
sierte Werbung umgemünzt. Einen Anspruch darauf, zu erfahren, wie das alles
funktioniert, hat niemand. Und wer mal zu viel nervt, bekommt nichts ab -
Google Street View wurde in Deutschland (und Österreich aus ähnlichen Gründen)
nicht weitergeführt, weil zu viele hier ihre Hausfassade verpixelt haben
wollten und weil eine Reihe weiterer rechtlicher Auflagen die Dinge hier zu
sehr verkomplizierte. Mit der Suchmaschine hat Google mal angefangen, und die
ist wohl immer noch die Milchkuh.
Gruß Ralf Joerres