Mundorgel aus den 1950ern, Lied 174:
In einen Harung jung und schlank, zwo, drei, vier, ßtata,
tirallala, der auf dem Meeresgrunde schwamm, zwo, drei, vier,
ßtata, tirallala, verliebte sich, o Wunder, 'ne olle Flunder, 'ne
olle Flunder, verliebte sich, o Wunder, 'ne olle Flunder.
2. Der Harung sprach "Du bist verrückt, du bist mir viel zu platt
gedrückt. Rutsch mir den Buckel 'runter, du olle Flunder!"
3. Da stieß die Flunder auf den Grund, wo sie 'nen goldnen Rubel
fund, ein Goldstück von zehn Rubel, o Jubel!
4. Da war die olle Schrulle reich, da nahm der Harung sie
sogleich: denn so ein alter Harung, der hat Erfahrung.
5. Und die Moral von der Geschicht? Verlieb dich in 'nen Harung
nicht; denn so ein alter Harung, der hat Erfahrung.
Die Variante mit "ßtata, tirallala" und "Harung jung und schlank"
einerseits sowie "alter Harung mit Erfahrung" andererseits stammt
also auf jeden Fall aus der Mundorgel, seit den 1950ern.
Dort ist es als "mündl. überliefert" angegeben und steht im
Kapitel "der Globus quietscht und eiert", in dem sich auch die
Moritat von Sabinchen findet:
Sabinchen war ein Frauenzimmer, gar hold und tugendhaft. Sie
lebte treu und redlich immer bei ihrer Dienstherrschaft.
2. Da kam aus Treuenbrietzen ein junger Mann daher, der wollte
gern Sabinchen besitzen und war ein Schuhmacher.
3. Sein Geld hat er versoffen in Schnaps und auch in Bier. Da kam
er zu Sabinchen geloffen und wollte welches von ihr.
4. Sie konnte ihm keins geben, da stahl er auf der Stell von
ihrer guten Dienstherrschaft sechs silberne Blechlöffel.
5. Jedoch nach achtzehn Wochen, da kam der Diebstahl 'raus. Da
jagte man mit Schimpf und Schande Sabinchen aus dem Haus.
6. Sie rief: "Verruchter Schuster, du rabenschwarzer Hund!" Da
nahm er sein Rasiermesser und schnitt ihr ab den Schlund.
7. Das Blut zum Himmel spritzte, Sabinchen fiel gleich um. Der
böse Schuster aus Treuenbrietzen, der stand um ihr herum.
8. In einem dunklen Keller, bei Wasser und bei Brot, da hat er
endlich eingestanden die grausige Moritot.
9. Moral von der Geschichte: Trau keinem Schuster nicht! Der
Krug, der geht so lange zum Wasser, bis daß der Henkel bricht.
mündl. überliefert
Stärker ausgearbeitet findet sich die im
Pfadfinder-Liederbuch von Walter Hansen, Ueberreuter 2001:
Die Moritat von Sabinchen
Sabinchen war ein Frauenzimmer,
gar hold und tugendhaft.
Sie lebte treu und redlich immer
bei ihrer Dienstherrschaft.
Da kam aus Treuenbrietzen
ein junger Mann daher,
der wollte gern Sabinchen besitzen
und war ein Schuhmacher.
2. Sie hat sich nicht sehr lang bedenket
und sprach: "Es mag so sein!"
Sie hat zu leicht Vertraun geschenket
des Schusters falschem Schein.
Sein Geld hat er versoffen
in Schnaps und auch in Bier.
Da kam er zu Sabinchen geloffen
und wollte welches von ihr.
Sabinchen kann sich kein Geld nicht leihen, drum geht sie auf der
Stell
und stahl der guten Dienstherrschaft zwei silberne Blechlöffel.
Jedoch nach achtzehn Wochen, da kam der Diebstahl raus.
Da jagte man mit Schimpf und Schande Sabinchen aus dem Haus.
Sabinchen litt Gewissensbissen,
ihr ist das Herz so schwer;
doch will jetzt nichts mehr von ihr wissen
der Treuenbrietzener.
Sie rief: "Verruchter Schuster, du rabenschwarzer Hund!"
Da nahm er sein Rasiermesser und schnitt ihr ab den Schlund.
Das Herzblut tut sogleich rausspritzen,
sie sinket um und um.
Der falsche Schuster von Treuenbrietzen
der steht um sie herum.
In einem dunklen Keller, bei Wasser und bei Brot
da hat er endlich eingestanden die grausige Moritot.
Am Galgen wurd der Treuenbrietzner gehängt durch einen Strick,
dazu hat ihn gebracht die Untreu und auch die falsche Tück.
Die Kehle abzuschneiden, das tut kein Gut gar nicht.
Der Krug, der geht so lange zum Brunnen, bis daß der Henkel
bricht.
- Wird in diesem Buch als Parodie auf eine Jahrmarktsballade
bezeichnet - allerdings frage ich mich, was man an einer Moritat
parodieren können soll, denn das ist doch selbst schon so ein
Zwitterwesen à la "für 20 Fennich kann ick ooch verlangen, daß an
meine niedersten Instinkte appelliert wird!".
Schließlich das Bolle-Lied aus dem Mundorgel-Liedertextbuch aus
den 1950ern, wahrscheinlich 1954:
Bolle reiste jüngst zu Pfingsten,
nach Pankow war sein Ziel
da verlor ein seinen Jüngsten
ganz plötzlich im Gewühl.
'Ne volle halbe Stunde hat er nach ihm gespürt,
aber dennoch hat sich Bolle ganz köstlich amüsiert.
2. zu Pankow gabs kein Essen,
zu Pankow gabs kein Bier,
war alles aufgefressen
von fremden Leuten hier.
Nicht mal 'ne Butterstulle hat man ihm reserviert
aber dennoch hat sich Bolle ganz köstlich amüsiert.
3. Auf der Schönholzer Heide,
da gab's 'ne Keilerei.
Und Bolle, gar nicht feige,
war mittenmang dabei,
hats Messer rausgerissen und fünfe massakriert,
aber dennoch hat sich Bolle ganz köstlich amüsiert.
4. Es fing schon an zu tagen,
als er sein Heim erblickt,
das Hemd war ohne Kragen,
das Nasenbein zerknickt,
das linke Auge fehlte, das rechte marmoriert,
aber dennoch hat sich Bolle ganz köstlich amüsiert.
5. Zu Hause angekommen,
da gings ihm aber schlecht,
da hat ihn seine Olle
ganz mörderisch verdrescht,
'ne volle halbe Stunde hat sie auf ihm poliert,
aber dennoch hat sich Bolle ganz köstlich amüsiert.
- mündl. überliefert
1954 gibt es dieses Lied wohl schon eine Weile. "Reiste" klingt
nach Passierschein oder nach Schwierigkeiten, von Wedding (wo
Bolle mutmaßlich wohnt) die 3, 4 S-Bahnstationen nach Pankow oder
Schönholz zu kommen. Auf der Schönholzer Heide sind große
Friedhöfe, ab 1956 SIW wurde dort ein sowjetisches Ehrenmal
gebaut, ein großer sowjetischer Soldatenfriedhof. Das ist
allerdings nur ein Teil der Schönholzer Heide, das meiste ist
Grünfläche. Und ins Grüne will man aus dem grauen, heißen Wedding
schon mal. Allerdings ist das nur ein Ausmalen für die Zeit, daß
dieses Lied in der unmittelbaren Nachkriegszeit von WK2 spielt.
Unschlüssig bin ich über die Butterstulle. Üblich als billige
Zwischenmahlzeit kenne ich Schmalzstulle, Butterstulle ist
eigentlich schon bißchen was Besseres und setzt eine
funktionierende Milchverarbeitung voraus. Sowas gab es in Berlin
von der Meierei Bolle mindestens seit 1885. Es könnte also ohne
weiteres auch vor dem 1.WK spielen - "rausfahren" war damals
schon eine Massenveranstaltung (z.B. nach Werder zur Baumblüte
mit kollektivem Obstweinbesäufnis), und das "reisen" könnte sich
auch darauf beziehen, daß ein Stadtmensch sich nur selten im Jahr
so weit nach draußen wagt. Vielleicht reiste er gar per pedes, so
wie die Neuköllner stundenlang liefen, um auf dem Tempelhofer
Feld Flugvorführungen anzusehen.
Auf www.ingeb.org gibt es eine weitere Version ohne Datierung:
1. Bolle reist' sich jüngst zu Pfingsten,
Nach Pankow war sein Ziel
Da verlor er seinen Jüngsten
Janz plötzlich im Jewühl
'ne volle halbe Stunde
Hat er nach ihm jespürt
|: Aber dennoch hat sich Bolle
Janz köstlich amüsiert :|
2. In Pankow gabs kein Essen,
In Pankow gabs kein Bier
War alles aufjefressen
Von fremden Gästen hier.
Nich mal 'ne Butterstulle
Hat man ihm reserviert!
|: Aber dennoch hat sich Bolle
Janz köstlich amüsiert :|
3. Auf der Schöneholzer Heide,
Da gabs 'ne Keilerei
Und Bolle, gar nicht feige,
War feste mang dabei
Hat's Messer rausgezogen
Und fünfe massakriert
|: Aber dennoch hat sich Bolle
Janz köstlich amüsiert :|
4. Es fing schon an zu tagen,
Als er sein Heim erblickt.
Das Hemd war ohne Kragen,
Das Nasenbein zerknickt
das rechte Auge fehlte,
Das linke marmoriert
|: Aber dennoch hat sich Bolle
Janz köstlich amüsiert :|
5. Als er nach Haus gekommen,
Da ging's ihm aber schlecht
Da hat ihn seine Olle janz
Mörderisch verdrescht!
Ne volle halbe Stunde
Hat sie auf ihm poliert
|: Aber dennoch hat sich Bolle
Janz köstlich amüsiert :|
--------
Unser Bolle wollte sterben
Und hat sich's überlegt:
Er hat sich auf die Schienen
Der Kleinbahn draufgelegt
Die Kleinbahn hat Verspätung
Und vierzehn Tage drauf
|: Da fand man unsern Bolle
Als Dürrgemüse auf :|
Auch wenn das "janz" und "Jefühl" sicher eher stimmen als das
hochdeutsche "ganz" und "Gefühl" - "reiste sich" lese ich hier
zum ersten Mal, gehört habe ich es noch nie, und "nach Haus
gekommen" hört sich für mich eher süddeutsch an. Wenn die
Schönholzer Heide "Schöneholzer" gesprochen würde, würde man sie
gewiß auch so schreiben - tut man aber nicht.
Wohl aus dem Westberlin der 1970ern hat www.ingeb.org noch eine
Variante, die aber etwas abschwächelt:
Bolle wollte letzten Samstag
Auf eine Party gehen
Da blieb ihm auf dem Weg dahin
Sein Auto plötzlich stehen
Ein Laster kam von hinten,
Ist mit ihm kollidiert,
|: Aber dennoch hat sich Bolle
Ganz köstlich amüsiert. :|
Weiter ging's auf Schusters Rappen,
Das Auto war im Arsch
Eine Flasche Jägermeister war
Die Zehrung für den Marsch
Völlig knülle hat er sich
Dann in der Hausnummer geirrt,
|: Aber dennoch hat sich Bolle
Ganz köstlich amüsiert. :|
Das Haus war zwar das falsche,
Doch bat man ihn herein
Eine Selbsterfahrungsgruppe
Hatte hier ihr Stelldichein
So hat er 18 Stunden
In der Gruppe diskutiert,
|: Aber dennoch hat sich Bolle
Ganz köstlich amüsiert. :|
Das Schicksal versucht jeden Tag
Dich wieder rein zulegen,
Doch ist das Leben viel zu kurz,
Sich drüber aufzuregen.
Nimm Bolle dir zum Vorbild
Denn egal was ihm passiert,
|: Aber dennoch hat sich Bolle
Ganz köstlich amüsiert. :|
Bolle war im Klinikum,
Der Blinddarm mußte raus,
Mit 15 Kästen Kitzmann Bier
Rief er die Party aus,
Im Suff haben ihm die Ärzte
Die Beine amputiert,
|: Aber dennoch hat sich Bolle
Ganz köstlich amüsiert. :|
Bolle kam nach seinem Tode
Ins Paradies hinein
Dort traf er eine Schönheit
Mit goldenen Flügeleien
Zwar hat der blonde Engel
Sich schon etwas geziert,
|: Aber dennoch hat sich Bolle
Ganz köstlich amüsiert. :|
Ihr fragt euch sicher alle,
Warum ist Bolle tot
Wir würden's euch gern' sagen,
Doch gibt's da ein Verbot
Wir dürfen es nicht singen,
Es wurde uns zensiert,
|: Aber hoffentlich hat dieses Lied
Euch dennoch amüsiert. :|
Das Schicksal versucht jeden Tag
Dich wieder rein zulegen,
Doch ist das Leben viel zu kurz,
Sich drüber aufzuregen.
Und wenn für dieses Liedchen
Auch niemand applaudiert
|: So haben wir uns trotzdem
Ganz köstlich amüsiert. :|
> Mundorgel aus den 1950ern, Lied 174:
> In einen Harung jung und schlank, zwo, drei, vier, ßtata,
> [...]
Nur mal so ;-)
Kennst Du diesen Link schon:
http://www.deutscheslied.com/de/search.cgi?cmd=search&srch_Titel=I*&start=16000
Das Archiv umfasst 198.000 Musikstücke ...
http://www.deutscheslied.com/de/about.htm
Dorothee
[alte Liedertexte]
Ich glaub, ich hab die gleiche Mundorgel wie Du.
[Bolle]
> 1954 gibt es dieses Lied wohl schon eine Weile. "Reiste" klingt
> nach Passierschein oder nach Schwierigkeiten, von Wedding (wo
> Bolle mutmaßlich wohnt)
Wieso gerade im Wedding?
Ich glaube auch, das Lied ist *viel* älter, aus einer Zeit,
in der Pankow man grade so oder noch nicht einmal
zu Berlin gehörte. Ausflüge in die $Heide waren allenfalls
Sonntagsprogramm, und dann konnte das auch "reiste" heißen.
Also meine Vermutung: vor dem 1. Wk.
Hier ist schon mal ein Anfang:
Im Geschäftsbericht der ABOAG (1911) sind die Ausflugsziele
Pichelsberge, Wannsee, Onkel Toms Hütte, Hermsdorf-Schulzendorf,
*Schönholz*, Carlshof ... verzeichnet.
<http://www.berliner-verkehrsseiten.de/bus/Linien/Dreieck/hauptteil_dreieck.html>
Die nächste Aufgabe ist herauszufinden, warum gerade
Pankow und warum gerade Pfingsten.
Was Pankower Lokalgeschichte angeht, sitze ich ja
wohl rein geographisch näher an der Quelle als Du,
vielleicht läuft mir mal was dazu über den Weg.
chr
Damit es sich einigermassen auf "juengsten" reimt?
Servus,
Stefan
--
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Stefan. Hässlich und superb!
(Sloganizer)
> > 1954 gibt es dieses Lied wohl schon eine Weile. "Reiste" klingt
> > nach Passierschein oder nach Schwierigkeiten, von Wedding (wo
> > Bolle mutmaßlich wohnt)
>
> Wieso gerade im Wedding?
Wedding gehörte schon vor 1920 zu Berlin und das "Naherholungsgebiet"
Pankow/Schönholz wurde gern von Bewohnern des Wedding aufgesucht, so
sie sich einen Ausflug leisten konnten.
> Die nächste Aufgabe ist herauszufinden, warum gerade
> Pankow und warum gerade Pfingsten.
Vielleicht ist das Lied im Berliner Norden entstanden, da war das eben
naheliegend (sic!).
Pfingsten war und ist traditioneller Ausflugstermin (s. a.
Frühkonzert), weil man sich da Sonntags die Kante geben und montags
ausschlafen kann. Das war einfach.
Gruß
G.O.
Diese Version ist nicht aus den 70ern, sondern ein gutes Stück neuer.
Sie stammt von der "Fun-Metal"-Band J.B.O., was leicht am Schlüsselwort
"Kitzmann" zu erkennen ist.
http://www.jbo.de/werke/1997-laut/Bolle.html
Gruß,
Rainer
Vielen Dank für den Text. Aber hat das Bolle-Lied, das ächte und orinale,
wirklich nur fünf Strophen? Ich kannte mal einige Strophen auswendig, hatte
aber dabei im Hinterkopf, daß es viel, viel mehr seien...
Ciao
Wolfram
--
Ich heiße Erwin Schmidt / Und bring euch Kuchen mit / Den Kuchen freß ich
selber, / Was denkt ihr euch, ihr Kälber?
<http://derfranzehatgsagt.blogspot.com/> <www.theodor-rieh.de/heinrich>
<www.mpu-forum.eu> <www.brueckenbauer.it> <www.theodor-rieh.de>
> Das Archiv umfasst 198.000 Musikstücke ...
> http://www.deutscheslied.com/de/about.htm
Dann sollte man aber auch http://www.ingeb.org nennen !
Ich hab' das hier als Lied 539 in einem "Liederbuch für
Schleswig=Holstein" aus den Verlagen Möseler Verlag Wolfenbüttel und
Voggenreiter Verlag Bad Godesberg, von 1958 (allerdings besagt das
mehrteilige Vorwort daß es eine unveränderte 5. Auflage des Originals
vom 1954 ist). Im ersten Teil des Vorwortes wird auch auf ein 'Blaues
Liederbuch' von 1927 hingewiesen.
Bolle findet sich hierin auch.
Meine Mundorgel kann ich leider nicht mehr finden, aber die war so alt
nicht.
> Helga Schulz schrieb:
>
> > Wie erwähnt, habe ich ein paar Liederbücher erebayt. Leider war
> > nur in einem, einer ganz alten Mundorgel, die sicher aus den
> > 1950er Jahren stammt, also eine der ersten Versionen sein müßte,
> > das Harung-Lied zu finden. [...]
>
> Worum geht es Dir eigentlich?
Um den jungen Harung der ersten vs. den alten der letzten Strophe.
> Ich habe irgendwo ein Liederbuch ausse DDR, da sollten einige dieser
> Schwänke drin sein (Harung und Sabinchen auf alle Fälle). Ich hab's
> auf die Schnelle nicht gefunden, bei Interesse PM, da such ich nochmal.
Falls Deine Version hier abweicht,
|In einen Harung jung und schlank, zwo, drei, vier, ßtata,
|tirallala, der auf dem Meeresgrunde schwamm
bitte hier posten!
(Ich meine übrigens das Lied früher öfters mal im Radio gehört zu haben.
Und meiner Erinnerung nach wurde das 's' von "ßtata" stimmhaft
gesungen.)
Manfred
--
Merk, wie's endet! (Fafner)
> Wie erwähnt, habe ich ein paar Liederbücher erebayt. Leider war
> nur in einem, einer ganz alten Mundorgel, die sicher aus den
> 1950er Jahren stammt, also eine der ersten Versionen sein müßte,
> das Harung-Lied zu finden.
Nur mal so am Rande: Ist die "Mundorgel" einklich überall als
Liederbuch bekannt?
Da Didi
--
Dieter Brügmann, Spandau (bei Berlin) http://bruhaha.de
Der Mensch ist Mittel. Punkt.
...
> |In einen Harung jung und schlank, zwo, drei, vier, ßtata,
> |tirallala, der auf dem Meeresgrunde schwamm
ALso, in meinem anderswo erwähnten "Liederbuch für Schleswig=Holstein"
von 1958 heisst es:
1. In einen Harung jung und *stramm*, zwo, drei, vier: Ss=ta=ta,
ti=ral=la=la,
der auf dem Meersgrunde schwamm, zwo, drei, vier: Ss=ta=ta, ti=ral=la=la,
verliebte sich, o Wunder, 'ne olle Flunder, 'ne olle Flunder,
verliebte sich, o Wunder, 'ne olle Flunder.
2. (wie von Helga gepostet)
3.
"... von zehn Rubel, o welch ein Jubel!"
4. "... denn so ein oller Harung, der ..."
Aufzeichnung und Bearbeitung: R. Barthel
As gebürtiger Hamburger (und in SH/HH Grenznähe aufgewachsener) sehe ich
'oller' nicht unbedingt aufs Lebensalter abzielend...
Matjes
> Nur mal so am Rande: Ist die "Mundorgel" einklich überall als
> Liederbuch bekannt?
bekannt und einstmals besessen, ja.
Keine Ahnung wo meine geblieben ist. Die letzte war aber schon ein
Ersatz (ba 80er Jahre) nach Verlust einer geerbten die der von Helga
ähnlich gewesen sein könnte.
> As gebürtiger Hamburger (und in SH/HH Grenznähe aufgewachsener)
> sehe ich 'oller' nicht unbedingt aufs Lebensalter abzielend...
Ja. Man kann auch mit jungen Jahren ein alter Schlawiner sein.
> As gebürtiger Hamburger (und in SH/HH Grenznähe aufgewachsener) sehe ich
> 'oller' nicht unbedingt aufs Lebensalter abzielend...
man könnte die Diskrepanz auch so interpretieren dass zwischen der
ersten under letzten Strophe viel Zeit verging, und die Flunder
den Rubel erst fand als der Harung schon gealtert war (und damit wohl
auch Erfahrung gesammelt hatte).
>> Nur mal so am Rande: Ist die "Mundorgel" einklich überall als
>> Liederbuch bekannt?
>
> bekannt und einstmals besessen, ja.
Und außerhalb Deutschlands?
> Keine Ahnung wo meine geblieben ist. Die letzte war aber schon ein
> Ersatz (ba 80er Jahre) nach Verlust einer geerbten die der von Helga
> ähnlich gewesen sein könnte.
Ich weiß genau, wo meine geblieben ist.
Da Didi
--
Dieter Brügmann, Spandau (bei Berlin) http://bruhaha.de
Die Wimper ist das Ende vom Lid!
> am Fri, 10 Oct 2008 13:47:22 +0200 schrieb Dieter Bruegmann
> <dieterb...@gmx.net>:
>
>> Helga Schulz schrieb am 9.10.2008 um 23.28:
>>
>>> Wie erwähnt, habe ich ein paar Liederbücher erebayt. Leider war
>>> nur in einem, einer ganz alten Mundorgel, die sicher aus den
>>> 1950er Jahren stammt, also eine der ersten Versionen sein müßte,
>>> das Harung-Lied zu finden.
>>
>> Nur mal so am Rande: Ist die "Mundorgel" einklich überall als
>> Liederbuch bekannt?
>
> Als was sonst? Das andere ist ein "Fotzenhobel".
Es könnte ja deutschsprechige Länder geben, in denen andere
Wanderlieder gesungen werden.
Da Didi
--
Dieter Brügmann, Spandau (bei Berlin) http://bruhaha.de
Ob Selbstgespräche stören, hängt von der Lautstärke und der
Nachbarschaft ab. (Christian Pree, de.talk.bizarre, 21.1.2008)
> am Fri, 10 Oct 2008 11:05:40 +0200 schrieb Wolfram Heinrich
>> Vielen Dank für den Text. Aber hat das Bolle-Lied, das ächte und orinale,
>> wirklich nur fünf Strophen? Ich kannte mal einige Strophen auswendig, hatte
>> aber dabei im Hinterkopf, daß es viel, viel mehr seien...
>
> Wird wohl sein wie beim König-Ludwig-Lied ("Auf den Bergen wohnt die
> Freiheit, auf den Bergen ist es scheen ..."). Da macht sich jeder, der
> mehr als drei Wörter kennt, seine eigenen Strofen(sic) noch dazu.
Das ist bei anderen Liedern ähnlich, so zum Beispiel bei den "Rittersleut".
Bei Karl Valentin hat es noch 16 Strophen, inzwischen sind es aber mehrere
Dutzend.
Gruß
Manfred.
> am Fri, 10 Oct 2008 19:17:38 +0200 schrieb Manfred Hoß
> <rostk...@arcor.de>:
> "Drunt in da greaner Au" stößt allerdings an die Grenzen des Wachstums.
>
Meinen möcht man's. Aber menschlichem Erfindungsgeist sind keine Grenzen
gesetzt. In der Variante
http://jetzt.sueddeutsche.de/texte/anzeigen/293824/3/10#kommentarfeld
kommt man auf 12 (!) Strophen, weil auf dem Bladl angeblich ein Nesterl wär
und in dem Nesterl ein Oa, aus dem dann ein Vegerl...
Diese Maßlosigkeit aber auch.
Ciao
Wolfram
--
Ich bin nackt und bekackt / Und wenn nicht, bin ich befrackt. / Ich bin ein
Diplomat.
> Nur mal so am Rande: Ist die "Mundorgel" einklich überall als
> Liederbuch bekannt?
Japp!
Zu dem Sabinchentext übrigens gibt es eine ganz interessante
Textvariante, die in einem Buch über Französisch in der Berliner Mundart
berichtet wird. Da heißt es:
Da kam aus Treuenbrietzen
ein fremder Etranger
Die Stelle wird als Beispiel angeführt für einen bestimmten Typ von
Tautologien, frz.-dt. Wortdoppelungen, die sich aus dem Kontakt des
Französischen der zahlennmäßig zeitweise sehr starken hugenottischen
Einwanderergruppe mit dem ursprünglichen Berliner Niederdeutschen
ergeben haben sollen.
Leider habe ich das Buch nicht mehr, andere Beispiele sind mir
entfallen. Wenn jemandem das etwas sagt und er das Buch hat, könnte man
dort weitere Beispiele finden, vielleicht sogar aus dem erwähnten
Liedtext.
Gruß
Ingo
> Am Fri, 10 Oct 2008 19:32:27 +0200 schrieb Heinz Brueckner:
>> "Drunt in da greaner Au" stößt allerdings an die Grenzen des Wachstums.
>>
> Meinen möcht man's. Aber menschlichem Erfindungsgeist sind keine Grenzen
> gesetzt. In der Variante
> http://jetzt.sueddeutsche.de/texte/anzeigen/293824/3/10#kommentarfeld
> kommt man auf 12 (!) Strophen, weil auf dem Bladl angeblich ein Nesterl wär
> und in dem Nesterl ein Oa, aus dem dann ein Vegerl...
Albin Braig und Karlheinz Hartmann (*) haben bei einem Sketchabend in der
Mäulesmühle am Ende gesungen, wobei ich hier aus dem Gedächtnis heraus
zitiere:
"Drei aus zwei, zwei im Bett, Bett aus der Feder, Feder am Vogel, Vogel im
Ei, Ei im Nest, Nest am Blatt, Blatt am Zweig, Zweig am Ast, Ast am Stamm,
Stamm am Baum, Baum in der Au, ..."
Gruß
Manfred.
(*) Nein, Nichtschwaben müssen die nicht kennen.
>Helga Schulz schrieb:
>> Wie erwähnt, habe ich ein paar Liederbücher erebayt. Leider war
>> nur in einem, einer ganz alten Mundorgel, die sicher aus den
>> 1950er Jahren stammt, also eine der ersten Versionen sein müßte,
>> das Harung-Lied zu finden.
>
>> Mundorgel aus den 1950ern, Lied 174:
>> In einen Harung jung und schlank, zwo, drei, vier, ßtata,
> > [...]
>
>Nur mal so ;-)
>Kennst Du diesen Link schon:
>http://www.deutscheslied.com/de/search.cgi?cmd=search&srch_Titel=I*&start=16000
>
>Das Archiv umfasst 198.000 Musikstücke ...
>http://www.deutscheslied.com/de/about.htm
Danke, klasse Seite, und schon sind wir ein Stück weiter: dort
wird "In einen Harung jung und stramm" aus einem Liederbuch von
1995 angegeben, dessen Quelle von 1936 stammen soll, sowie ein
weiteres Liederbuch von 1934. In allen angegebenen Büchern ist
der Harung "jung und stramm".
So. Nun müßte man sich in die 20er, 10er und 00er Jahre, evt. bis
ins 19.Jhdt. weiterrobben.
>On 10 Okt., 00:29, "Christina Kunze" wrote:
>
>> > 1954 gibt es dieses Lied wohl schon eine Weile. "Reiste" klingt
>> > nach Passierschein oder nach Schwierigkeiten, von Wedding (wo
>> > Bolle mutmaßlich wohnt)
>>
>> Wieso gerade im Wedding?
Ich kam durch das "erblickte" drauf. Wenn man mit der S-Bahn von
der Bornholmer nach Norden fährt, bildet der Wedding eine
richtige Stadtkante. Jedenfalls prägte sich mir dieser Anblick in
den 90ern ein.
Weiters habe ich 10 Jahre in Moabit gewohnt und auch ein paar
Weddinger kennengelernt. Vom Temperament her schien mir das zu
passen ("das Wichtigste ist: immer Mensch bleiben."), und Pankow
und Schönholz liegen nahe an Wedding, das schien mir ebenfalls
passend. Für einen Ausflug ins Grüne geht man von Moabit aus in
den Tiergarten, von Neukölln aus wohl eher nach Tempelhof oder
Treptow.
>Wedding gehörte schon vor 1920 zu Berlin und das "Naherholungsgebiet"
>Pankow/Schönholz wurde gern von Bewohnern des Wedding aufgesucht, so
>sie sich einen Ausflug leisten konnten.
>
>> Die nächste Aufgabe ist herauszufinden, warum gerade
>> Pankow und warum gerade Pfingsten.
>
>Vielleicht ist das Lied im Berliner Norden entstanden, da war das eben
>naheliegend (sic!).
>Pfingsten war und ist traditioneller Ausflugstermin (s. a.
>Frühkonzert), weil man sich da Sonntags die Kante geben und montags
>ausschlafen kann. Das war einfach.
Richtig. Feiertage ohne Familienverpflichtung wie Ostern oder
Weihnachten, deshalb für Ausflüge geeignet.
>"Helga Schulz" <h...@colorcraze.de> schrieb
>
>[alte Liedertexte]
>
>Ich glaub, ich hab die gleiche Mundorgel wie Du.
>
>[Bolle]
>> 1954 gibt es dieses Lied wohl schon eine Weile. "Reiste" klingt
>> nach Passierschein oder nach Schwierigkeiten, von Wedding (wo
>> Bolle mutmaßlich wohnt)
>
>Wieso gerade im Wedding?
Zuerst dachte ich ja, das sei ein Lied vom Ende der
Berlin-Blockade, als es den Westberlinern wieder möglich war,
schwarzmarktmäßig(?) im Ostteil Butter zu kaufen - so es welche
gab. Pankow war da aber wohl schon ein ziemlich geschlossenes
Viertel, teils die Villen requiriert durch SU, teils DDR-Obere
drin - ob das der richtige Ort war, wo es was gab? Keine Ahnung.
Die Erklärung, daß das Lied älter ist, und die Schönholzer Heide
Naherholungsgebiet des wedding war, scheint mir zwangloser.
>
>Ich glaube auch, das Lied ist *viel* älter, aus einer Zeit,
>in der Pankow man grade so oder noch nicht einmal
>zu Berlin gehörte. Ausflüge in die $Heide waren allenfalls
>Sonntagsprogramm, und dann konnte das auch "reiste" heißen.
>Also meine Vermutung: vor dem 1. Wk.
Gut möglich. Vielleicht in der Zeit, in der auch "in Rixdorf
Musike" war?
>Hier ist schon mal ein Anfang:
>Im Geschäftsbericht der ABOAG (1911) sind die Ausflugsziele
>Pichelsberge, Wannsee, Onkel Toms Hütte, Hermsdorf-Schulzendorf,
>*Schönholz*, Carlshof ... verzeichnet.
><http://www.berliner-verkehrsseiten.de/bus/Linien/Dreieck/hauptteil_dreieck.html>
Aha. Die Möglichkeiten waren also gegeben.
>Die nächste Aufgabe ist herauszufinden, warum gerade
>Pankow und warum gerade Pfingsten.
>Was Pankower Lokalgeschichte angeht, sitze ich ja
>wohl rein geographisch näher an der Quelle als Du,
>vielleicht läuft mir mal was dazu über den Weg.
Mal sehen, was noch alles auftaucht - bin gespannt.
>Ich hab' das hier als Lied 539 in einem "Liederbuch für
>Schleswig=Holstein" aus den Verlagen Möseler Verlag Wolfenbüttel und
>Voggenreiter Verlag Bad Godesberg, von 1958 (allerdings besagt das
>mehrteilige Vorwort daß es eine unveränderte 5. Auflage des Originals
>vom 1954 ist). Im ersten Teil des Vorwortes wird auch auf ein 'Blaues
>Liederbuch' von 1927 hingewiesen.
Ha! Neue Spur. Möglicherweise schon 1927 existent.
>Bolle findet sich hierin auch.
Also gab es "Bolle" schon vor 1954.
>Meine Mundorgel kann ich leider nicht mehr finden, aber die war so alt
>nicht.
Falls sie doch noch auftaucht, kannst Du ja mal nachgucken, ob
Harung, Bolle und Sabinchen vielleicht Veränderungen unterworfen
waren.
>Helga Schulz wrote:
>>
>> Bolle wollte letzten Samstag
>> Auf eine Party gehen
>Diese Version ist nicht aus den 70ern, sondern ein gutes Stück neuer.
>Sie stammt von der "Fun-Metal"-Band J.B.O., was leicht am Schlüsselwort
>"Kitzmann" zu erkennen ist.
>http://www.jbo.de/werke/1997-laut/Bolle.html
Sei bedankt! Ich hatte von der 18 h diskutierenden Gruppe auf die
70er geschlossen. Jägermeister im Auto gabs gewiß damals schon,
dachte ich mir. Das Kitzmann-Bier konnte ich allerdings wirklich
nicht einordnen, das ist berlinuntypisch. U.a. deswegen der
Punktabzug "schwächelt".
>Manfred Russ wrote:
>> Fri, 10 Oct 2008 00:00:05 +0200 Matthias Opatz schrieb:
>>
>>> Helga Schulz schrieb:
>>>
>>>> Wie erwähnt, habe ich ein paar Liederbücher erebayt. Leider war
>>>> nur in einem, einer ganz alten Mundorgel, die sicher aus den
>>>> 1950er Jahren stammt, also eine der ersten Versionen sein müßte,
>>>> das Harung-Lied zu finden. [...]
>>> Worum geht es Dir eigentlich?
>>
>> Um den jungen Harung der ersten vs. den alten der letzten Strophe.
Ja. Weil Achterndiek von einem "Harung dick und stramm"
gesprochen hatte, und dies zu "ollem Harung" eigentlich besser
paßt als zuerst jung und dann alt.
Ob es noch ältere Liederbücher von der Küste, hauptsächlich
Schleswig-Holstein, gibt? Eine Version mit "dick und stramm"
konnte bis jetzt jedenfalls noch nicht dingfest gemacht werden.
>
>> |In einen Harung jung und schlank, zwo, drei, vier, ßtata,
>> |tirallala, der auf dem Meeresgrunde schwamm
>
>ALso, in meinem anderswo erwähnten "Liederbuch für Schleswig=Holstein"
>von 1958 heisst es:
>
>1. In einen Harung jung und *stramm*, zwo, drei, vier: Ss=ta=ta,
>ti=ral=la=la,
Also "jung und stramm", wie in den Versionen aus den 1930ern.
> der auf dem Meersgrunde schwamm, zwo, drei, vier: Ss=ta=ta, ti=ral=la=la,
> verliebte sich, o Wunder, 'ne olle Flunder, 'ne olle Flunder,
> verliebte sich, o Wunder, 'ne olle Flunder.
>
>2. (wie von Helga gepostet)
>
>3.
> "... von zehn Rubel, o welch ein Jubel!"
>
>4. "... denn so ein oller Harung, der ..."
>
>Aufzeichnung und Bearbeitung: R. Barthel
>
>
>As gebürtiger Hamburger (und in SH/HH Grenznähe aufgewachsener) sehe ich
>'oller' nicht unbedingt aufs Lebensalter abzielend...
>
>
>Matjes
Eigentlich müßte man noch weitere Strophen dazudichten, wo
Flunder und Hering am Ende als Fischbrötchen enden.
>Heinz Brueckner schrieb am 10.10.2008 um 18.10:
>
>> am Fri, 10 Oct 2008 13:47:22 +0200 schrieb Dieter Bruegmann
>> <dieterb...@gmx.net>:
>>
>>> Helga Schulz schrieb am 9.10.2008 um 23.28:
>>>
>>>> Wie erwähnt, habe ich ein paar Liederbücher erebayt. Leider war
>>>> nur in einem, einer ganz alten Mundorgel, die sicher aus den
>>>> 1950er Jahren stammt, also eine der ersten Versionen sein müßte,
>>>> das Harung-Lied zu finden.
>>>
>>> Nur mal so am Rande: Ist die "Mundorgel" einklich überall als
>>> Liederbuch bekannt?
Falls nicht, wäre das meinen obigen Sätzen zumindest klar zu
entnehmen gewesen, meine ich.
>> Als was sonst? Das andere ist ein "Fotzenhobel".
Hä?
>Es könnte ja deutschsprechige Länder geben, in denen andere
>Wanderlieder gesungen werden.
Mit Sicherheit. Habe mir auch ein Liederbuch der Jungpioniere von
1972 gekauft, da kenne ich kein einziges Lied draus. Vermutlich
größtenteils neu komponiert. "Sang und Klang fürs Kinderherz" von
1911 und einem gewissen Prof. Engelbert Humperdinck hingegen
enthält vieles, was ich kenne.
>>> Als was sonst? Das andere ist ein "Fotzenhobel".
>
> Hä?
"Fotz(en)hobel" ist das Nämliche wie Mundorgel oder Mundharmonika.
Der Ausdruck "der Fotz" [fo:ts], auch "die Fotze", für Mund und i.ü.S.
das ganze Gesicht, ist gemeindeutsch und uralt, er hat sich vor allem im
bairischen Sprachraum in seiner ursprünglichen Bedeutung erhalten,
anders als in vielen anderen Gegenden, wo einzig die per Analogie von
"Mund" auf das Äüßere des weiblichen Geschlechtsorgans übertragene
Bedeutung geläufig ist (die wiederum im bairischen Sprachraum niemandem
als erstes einfallen täte).
Ergo wird ein Satz wie "Des Mensch hat a liabs Fotzal" von Ausheimischen
regelmäßig mißverstanden ("Das Mädchen hat ein hübsches Gesichtchen"),
was in den passenden Situationen zu dann auch noch zu Fotzen führen kann
(was hier, ebenfalls per Analogie) nichts anderes als "Ohrfeigen"
bedeutet.
Helmut
--
"Halt die Fotzn!" ist keine Aufforderung,
den Geschlechtsverkehr einzustellen!
> "Christina Kunze" <ku...@revesz.de> schrieb vorher:
[...]
>> Ich glaube auch, das Lied ist *viel* älter, aus einer Zeit,
>> in der Pankow man grade so oder noch nicht einmal
>> zu Berlin gehörte. Ausflüge in die $Heide waren allenfalls
>> Sonntagsprogramm, und dann konnte das auch "reiste" heißen.
>> Also meine Vermutung: vor dem 1. Wk.
>
> Gut möglich. Vielleicht in der Zeit, in der auch "in Rixdorf
> Musike" war?
Wann war einklich im Grunewald das letzte Mal Holzauktion?
Da Didi
--
Dieter Brügmann, Spandau (bei Berlin) http://bruhaha.de
Ein Buch ist völlig harmlos, bis man es gelesen hat.
> --
> Dieter Brügmann, Spandau (bei Berlin) http://bruhaha.de
> Ein Buch ist völlig harmlos, bis man es gelesen hat.
"Ein Buch ist völlig harmlos, bis man es gelesen hat", sagte der Schöngeist
und wischte mit großer Geste "Zettels Traum" vom Tisch, das auf seinen
Sandalen landete.
Ciao
Wolfram
--
Wir sind nicht nur verantwortlich für das, was wir tun, sondern auch für
das, was wir nicht tun.
MOLIÈRE
> Ja. Weil Achterndiek von einem "Harung dick und stramm"
> gesprochen hatte, und dies zu "ollem Harung" eigentlich besser
> paßt als zuerst jung und dann alt.
> Ob es noch ältere Liederbücher von der Küste, hauptsächlich
> Schleswig-Holstein, gibt? Eine Version mit "dick und stramm"
> konnte bis jetzt jedenfalls noch nicht dingfest gemacht werden.
Hier ist er, leider ohne Quellenangabe:
<http://www.plattsiet.ferdinandshof.de/anner_leeder.htm#Hiering>
j/\a
--
> Vielleicht hilft Dir die Literaturangabe
> Lukas Richter (Hrsg.): Mutter, der Mann mit dem Koks ist da. Berliner
> Gassenhauer -- mit Noten. Leipzig: Dt. Verl. für Musik 1977
Wobei auch der Koksmann im Laufe der Jahre so einiges durchmachen musste:
<http://de.wikipedia.org/wiki/Mutter,_der_Mann_mit_dem_Koks_ist_da_%28Falco%29>
Ciao
Toscha
--
I know that I will never be politically correct.
And I don't give a damn about my lack of etiquette.
(Meat Loaf)
> Wie erwähnt, habe ich ein paar Liederbücher erebayt.
Was ihr erebayt von euren Müttern, ergoogelt es, um es zu besitzen.
Ciao
Wolfram
--
mein kopf ist bewundernswert schön. besonders der linke
> Am 11.10.2008, 01:20 Uhr, schrieb Helga Schulz <h...@colorcraze.de>:
>
>> Ja. Weil Achterndiek von einem "Harung dick und stramm"
>> gesprochen hatte, und dies zu "ollem Harung" eigentlich besser
>> paßt als zuerst jung und dann alt.
> <http://www.plattsiet.ferdinandshof.de/anner_leeder.htm#Hiering>
"Jung und schlank" erträumt man sich die Jünglinge in den Salons des
Binnenlandes. An der Küste weiß man, daß "dick und stramm" für einen
jungen Flomhering ein ganz und gar positives Qualitätsmerkmal ist.
Siehe auch <http://heringstage-wismar.de>
j/\a
--
> Der Ausdruck "der Fotz" [fo:ts], auch "die Fotze", für Mund und i.ü.S.
> das ganze Gesicht, ist gemeindeutsch und uralt, er hat sich vor allem im
> bairischen Sprachraum in seiner ursprünglichen Bedeutung erhalten,
> anders als in vielen anderen Gegenden, wo einzig die per Analogie von
> "Mund" auf das Äüßere des weiblichen Geschlechtsorgans übertragene
> Bedeutung geläufig ist (die wiederum im bairischen Sprachraum niemandem
> als erstes einfallen täte).
Dürften nicht eher die jeweiligen Lippen ausschlaggebender gewesen sein
als der Mund?
Ciao
Toscha
--
Mein Auto hat man demoliert, es hängt ein Zettel dran,
Von meiner Freundin, die mir sagt, was ich sie alles kann.
[J.B.O.]
Am 11.10.2008, 01:20 Uhr, schrieb Helga Schulz <h...@colorcraze.de>:
> [..] und dies zu "ollem Harung" eigentlich besser
> paßt als zuerst jung und dann alt.
Irgend jemand hat hier, glaube ich, schon gesagt, daß ein
"oller" Harung nicht unbedingt ein angejahrter Fisch sein
muß. Auf Hochdeutsch kann ja sogar ein "alter Schwerenöter"
an Jahren noch recht jung sein. "Alt" ist da nur eine sehr
spezielle Verstärkung.
j/\a
--
Wir alle, die wir unseren Karl May und dessen entsprechende Ausführungen
bei der Einführung von Old Shatterhand, Old Shurehand, Old Weißdergeierwas
kennen, wissen das.
Ciao
Wolfram
--
Wir sind nicht nur verantwortlich für das, was wir tun, sondern auch für
das, was wir nicht tun.
MOLIÈRE
[A Fotzn]
> Ergo wird ein Satz wie "Des Mensch hat a liabs Fotzal" von Ausheimischen
> regelmäßig mißverstanden ("Das Mädchen hat ein hübsches Gesichtchen"),
> was in den passenden Situationen zu dann auch noch zu Fotzen führen kann
> (was hier, ebenfalls per Analogie) nichts anderes als "Ohrfeigen"
> bedeutet.
Was auch eine verkürzte Ausdrucksweise darstellt und der passenderen
Analogie zuliebe[1] mit "Maulschellen" bezeichnet werden kann. Oder wird
das nördlich der Main-Nahe-Linie nicht mehr verstanden?
[1] Liest man zZ auch gern als "zu Liebe".
Manfred
--
Merk, wie's endet! (Fafner)
Du scherzest, loses Lästermaul!
Ciao
Wolfram
--
Was ist schon die Beraubung einer Bank gegen die Gründung einer solchen?
BERTOLT BRECHT
> Am Sat, 11 Oct 2008 13:44:00 +0200 schrieb Jakob Achterndiek:
>
>> (...)
>> Irgend jemand hat hier, glaube ich, schon gesagt, daß ein
>> "oller" Harung nicht unbedingt ein angejahrter Fisch sein
>> muß. Auf Hochdeutsch kann ja sogar ein "alter Schwerenöter"
>> an Jahren noch recht jung sein. "Alt" ist da nur eine sehr
>> spezielle Verstärkung.
>>
> Wir alle, die wir unseren Karl May und dessen entsprechende Ausführungen
> bei der Einführung von Old Shatterhand, Old Shurehand, Old Weißdergeierwas
> kennen, wissen das.
Ahem. Das heisst nicht "Weißdergeierwas", sondern "Geierschnabel",
und das ist auch einer der wenigen, der mit Vornamen nicht "Old" heisst.
-is
Ich kann mich auch an sowas wie "Hobble Frank" erinnern.
Da Didi
--
Dieter Brügmann, Spandau (bei Berlin) http://bruhaha.de
Seit 1746 sind die Internetgebühren kontinuierlich gesunken.
(Uli Arzberger in detebe)
Tante Droll gibt psychoanal viel mehr her - FR
> On 14 Okt., 16:54, Dieter Bruegmann <dieterbruegm...@gmx.net> wrote:
>>>>> (...)
>> Ich kann mich auch an sowas wie "Hobble Frank" erinnern.
>
> Tante Droll gibt psychoanal viel mehr her - FR
Bevor sich jetzt ein Psychologe oder Germanist notiert: "Thema für
Doktorarbeit" - das hat der Arno Schmidt schon gemacht.
Ciao
Wolfram
--
Der Mensch ist bereit, für jede Idee zu sterben, vorausgesetzt, daß sie ihm
nicht ganz klar ist.
G. K. CHESTERTON
No na, nicht wissen wer ich's.
Ciao
Wolfram
--
Weltschmerz / grün / ist die heide / blau / ist das meer / aber noch bläuer
/ jetzt / weiß ich nichts mehr
> > Tante Droll gibt psychoanal viel mehr her.
>
> Bevor sich jetzt ein Psychologe oder Germanist notiert: "Thema für
> Doktorarbeit" - das hat der Arno Schmidt schon gemacht.
Ich nehme mal an, Deine Frau hat ein Gemüt wie eine Sumpfschildkröte,
denn ohne dies täte sie Deine neunmalklugen Absonderungen nicht auf
Dauer ertragen - FR
Ich nehme mal an, Du bist nicht verheiratet ...
--
Skyler: Uncle Cosmo ... why do they call this a word processor?
Cosmo: It's simple, Skyler ... you've seen what food processors do
to food, right?
Cartoon by Jeff MacNelley
Nein, war mir neu.
Ist "Mundorgel" ("Muulörgeli" im Schweizerdeutschen) einklich überall
als Synonym für Mundharmonika bekannt?
- Andi
> Ist "Mundorgel" ("Muulörgeli" im Schweizerdeutschen) einklich überall
> als Synonym für Mundharmonika bekannt?
Nein, beim Titel des Liederbuches habe ich immer an eine Art Panflöte
gedacht. War sowas auf dem Liederbuch (oder bestimmten Ausgaben davon)
abegebildet?
--
WinErr 008: Erroneous error. Nothing is wrong.
>> Ist "Mundorgel" ("Muulörgeli" im Schweizerdeutschen) einklich überall
>> als Synonym für Mundharmonika bekannt?
>
> Nein, beim Titel des Liederbuches habe ich immer an eine Art Panflöte
> gedacht.
Ich an eine Mundharfe. Weiß der Geier warum ...
> War sowas auf dem Liederbuch (oder bestimmten Ausgaben davon)
> abegebildet?
Wenn man
http://www.mundorgel-verlag.de/mundorgel/
Glauben schenken will, dann ja.
Ciao
Toscha
--
Da wartet eine perfekte Kurve auf Sie.
Enttäuschen Sie sie nicht.
> Ich an eine Mundharfe. Weiß der Geier warum ...
Ist Mundharfe so etwas wie eine Maultrommel?
>> War sowas auf dem Liederbuch (oder bestimmten Ausgaben davon)
>> abegebildet?
> Wenn man
> http://www.mundorgel-verlag.de/mundorgel/
> Glauben schenken will, dann ja.
Ich interpretiere es als Person mit Mundharmonika /vor/ Orgelpfeifen, um
damit den Titel (Mund + Orgel) zu symbolisieren.
Später hat man es bei der Zeichnung belassen.
Dorothee
>> Ich an eine Mundharfe. Weiß der Geier warum ...
>
> Ist Mundharfe so etwas wie eine Maultrommel?
Jetzt musste ich erstmal schauen, was eine Maultrommel ist. Laut
http://www.perpetuum-mobile.ch/de/produkte/maultrommel-1133.html
ist's aber in der Tat das gleiche.
Ciao
Toscha
--
Well I've searched and I've searched
To find the perfect life
A brand new car and a brand new suit
I even got me a little wife [Social Distortion]
> > [1] Liest man zZ auch gern als "zu Liebe".
> >
> Du scherzest, loses Lästermaul!
Was mußte ich neulich lesen?
"Erfahrung. Bittere Erfahrung."
> Mon, 13 Oct 2008 23:58:48 +0200 Wolfram Heinrich schrieb:
>
>>> [1] Liest man zZ auch gern als "zu Liebe".
>>>
>> Du scherzest, loses Lästermaul!
>
> Was mußte ich neulich lesen?
> "Erfahrung. Bittere Erfahrung."
>
Ach. Befürchtet hatte ich es ja...
Ciao
Wolfram
--
Der Franze hat gsagt, er möcht nicht in den Himmel kommen. Wenn er mal tot
ist, sagt er, seinetwegen, aber heut nicht.
> On 15.10.2008 19:44, Oliver Cromm wrote:
>> * Andreas Karrer <ak...@gmx.ch> wrote:
>
>>> Ist "Mundorgel" ("Muulörgeli" im Schweizerdeutschen) einklich überall
>>> als Synonym für Mundharmonika bekannt?
>>
>> Nein, beim Titel des Liederbuches habe ich immer an eine Art Panflöte
>> gedacht.
>
> Ich an eine Mundharfe. Weiß der Geier warum ...
>
>> War sowas auf dem Liederbuch (oder bestimmten Ausgaben davon)
>> abegebildet?
>
> Wenn man
> http://www.mundorgel-verlag.de/mundorgel/
> Glauben schenken will, dann ja.
Aber nur, wenn "sowas" sich auf "Mundharmonika" bezieht. Ich bezog es
eigentlich auf "eine Art Panflöte".
--
The Internet? Is that thing still around? - Homer Simpson
[Mundorgel]
> Aber nur, wenn "sowas" sich auf "Mundharmonika" bezieht. Ich bezog
> es eigentlich auf "eine Art Panflöte".
Vermutlich ein Knick in der Erinnerung: auf einigen Heftchen wurde
die Mundharmonika mit einer stilisierten Hand gehalten, und die
mutierte wohl im Gedächtnis zur Pan-Flöte.
>> Nein, beim Titel des Liederbuches habe ich immer an eine Art Panflöte
>> gedacht.
>
> Ich an eine Mundharfe. Weiß der Geier warum ...
Was ist eine Mundharfe?
chr
> Was ist eine Mundharfe?
Auch Maultrommel. Einfach mal googeln:
http://www.google.de/search?hl=de&rlz=1B3GGGL_deDE247DE247&q=mundharfe%20Maultrommel&um=1&ie=UTF-8&sa=N&tab=iw
Dorothee
>On 15.10.2008 19:44, Oliver Cromm wrote:
>> * Andreas Karrer <ak...@gmx.ch> wrote:
>
>>> Ist "Mundorgel" ("Muulörgeli" im Schweizerdeutschen) einklich überall
>>> als Synonym für Mundharmonika bekannt?
>>
>> Nein, beim Titel des Liederbuches habe ich immer an eine Art Panflöte
>> gedacht.
>
>Ich an eine Mundharfe. Weiß der Geier warum ...
Ich stellte mir WIMRE eine Art Bündel aus Flöten mit einer Kurbel
dran vor.. keine Ahnung, ob es sowas gibt. Irgendwo muß ich aber
wohl mal so ein Bild gesehen haben.
>> War sowas auf dem Liederbuch (oder bestimmten Ausgaben davon)
>> abegebildet?
>
>Wenn man
>http://www.mundorgel-verlag.de/mundorgel/
>Glauben schenken will, dann ja.
Jaja, als ich vor 30 Jahren diees Bild sah, wußte ich dann auch,
daß eine Mundharmonika gemeint war (ich hatte auch mal eine
kleine - von Hohner. Obs die noch gibt? Die Hochschwarzwälder
Instrumentenbaufirmen waren zeitenweise ja weltbekannt, eines der
Instrumente hats als Bandoneon bis zum La Plata geschafft).