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Re: tschitscherin

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Christina Kunze

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Oct 16, 2004, 4:45:03 PM10/16/04
to
"Astrid Schleicher" <astrid.s...@gmx.de> schrieb

> Meine Schwiegermutter nannte gestern etwas, das eher
> kreß :-) gewesen wäre, "tschitscherin".

> Wenn sich schon die Herkunft nicht ergründen läßt,
> weiß dann wenigstens jemand, was für ein Grün das ist?
> Spontan denke ich an recht giftiges Grün,
> ohne zu wissen, warum.

Ich kenne "tschitscheringrün" als einen Ausdruck für eine Farbe /ein
Kleidungsstück, das einem nicht gefällt. Das Teil muß dazu nicht wirklich
grün sein.
Gehört habe ich es in den achtziger Jahren so zwischen Wittenberg und
Naumburg.

chr


Matthias Opatz

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Oct 16, 2004, 5:27:46 PM10/16/04
to
Astrid Schleicher schrieb:

> Meine Schwiegermutter nannte gestern etwas, das eher kreß :-) gewesen

> wäre, "tschitscherin". Mir kam das Wort bekannt vor, es sagt mir aber
> nicht wirklich etwas.

Georgij W. Tschitscherin war ein sowjetischer Politiker, Außenminister unter
Lenin und Stalin und Vertragspartner Rathenaus bei den Rapallo-Verträgen.

> Als ich später meinen Mann darauf ansprach,
> meinte er, tschitscherin sei doch grün, genauer wisse er es aber auch
> nicht.

Vielleicht hatte Tschitscherin in Genua was ausgefallen-grünes an?

> Google und Gruppen-Google sind dazu nicht sehr ergiebig.

Hm. Evt. auch mit Cicerin (Transliteration; normalerweise mit Hatscheks auf
den beiden c; fehlen aber oft), Chicherin (englisch?) oder Tchitcherine
(französisch?) versuchen.

> Wenn sich
> schon die Herkunft nicht ergründen läßt, weiß dann wenigstens jemand,
> was für ein Grün das ist?

Herr Pfennigwerth aus Sachsen sucht für seinen Audi ein tschitscheringrünes
Teil [1]. Leider ist kein Bild dabei.

<detektiv>
Es ist ein Modell A4 Avant quattro, Baujahr 1998. Die werden den damals nur
in einem Grünton geliefert haben. Laut den Angeboten auf autoscout24.de
handelt es sich dabei offiziell um kaktusgrün. Beispiel: [2]
</detektiv>

[1] http://a1a.at/audi-gebrauchtteile/
[2] http://pic.autoscout24.de/images/6/1/1/38403116_1.jpg

> Spontan denke ich an recht giftiges Grün,
> ohne zu wissen, warum.

Weil's so ist?

> Wo ist das Wort sonst überhaupt verbreitet?

Ich meine, dass es im ganzen deutschen Osten üblich war.
Ob auch darüber hinaus, weiß ich nicht. Jedenfalls wundere ich mich über die
raren Webbelege. Ist wohl ein Wort wie Schäslong, das man mühelos spricht,
aber beim Schreiben doch lieber auf Sofa ausweicht ...

Matthias

--
Wenn wir annehmen, dass eine Kanonenkugel in wenigen Sekunden eine
Viertelstunde fliegt, so kömmt sie etwa bis Erfurt. Prof. Galletti
* Wer zum Kuckuck ist Prof. Galletti? => http://www.galletti.de/ *
-- Bitte bei Mailantwort Großbuchstaben aus Reply-Adresse löschen --

Matthias Opatz

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Oct 16, 2004, 5:28:34 PM10/16/04
to
Astrid Schleicher schrieb:

oder http://pic.autoscout24.de/images/4/5/0/37560054_1.jpg

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René

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Oct 17, 2004, 12:04:12 AM10/17/04
to
Astrid Schleicher wrote:
> Meine Schwiegermutter nannte gestern etwas, das eher kreß :-) gewesen
> wäre, "tschitscherin". Mir kam das Wort bekannt vor, es sagt mir aber
> nicht wirklich etwas. Als ich später meinen Mann darauf ansprach,

> meinte er, tschitscherin sei doch grün, genauer wisse er es aber auch
> nicht.

Welche Farbe haben die Blätter der Zichorien (Cichorium), deren geröstete
Wurzeln Damals, In Der Schlechten Zeit, Als Mer Nüscht Hatten [tm], als
Kaffee-Ersatz herhalten mussten? :)

--
Any and all mail sent to ka...@the-coalition.us will be deleted
automagically. Reply here or use Reply-To: instead


Lueko Willms

unread,
Oct 17, 2004, 1:04:00 AM10/17/04
to
. Am 16.10.04
schrieb astrid.s...@gmx.de (Astrid Schleicher)
auf /DE/ETC/SPRACHE/DEUTSCH
in 2tddrkF...@uni-berlin.de
ueber tschitscherin

AS> Meine Schwiegermutter nannte gestern etwas, das eher kreß :-) gewesen
AS> wäre, "tschitscherin". Mir kam das Wort bekannt vor, es sagt mir aber
AS> nicht wirklich etwas. Als ich später meinen Mann darauf ansprach,
AS> meinte er, tschitscherin sei doch grün, genauer wisse er es aber auch
AS> nicht.

Bei Tschitscherin fällt mir eigentlich nur Georgi Wassiljewitsch
Tschitscherin (1872-1936) ein, der von Mai 1918 bis 1930 Außenminister
(Kommissar) im Rat der Volksbeauftragten der Russischen Republik bzw.
der Unionsregierung der UdSSR war.


MfG,
Lüko Willms http://www.mlwerke.de
/--------- L.WI...@jpberlin.de -- Alle Rechte vorbehalten --

"Kein Land kann seine Probleme in dieser globalisierten Welt allein
auf sich gestellt lösen. Entweder wir retten uns alle zusammen oder
wir gehen zusammen unter. Heute mehr denn je gilt das Wort von José
Martí: Das Vaterland ist die ganze Menschheit."
- Fidel Castro, Caracas (Veneuzuela), 3. Februar 1999

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Diedrich Ehlerding

unread,
Oct 17, 2004, 4:10:58 AM10/17/04
to
Astrid Schleicher meinte:


["tschitscheringrün"]


>>Ich meine, dass es im ganzen deutschen Osten üblich war.
>>Ob auch darüber hinaus, weiß ich nicht.

Nicht nur im Osten. Ich habe das als Kind vor ~40 Jahren in Hannover auch
gehört; in den letzten 20 Jahren allerings nicht mehr, es scheint
auszusterben.

Was der ehemalige sowjetische Außenminister damit zu tun hat, ist mir
allerdings auch unklar.

Diedrich
--
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Matthias Opatz

unread,
Oct 17, 2004, 4:52:09 AM10/17/04
to
Astrid Schleicher schrieb:

> Auf "Tschitscherin" reimt sich ein landschaftliches "grien", ein
> bißchen klingen Wörter aus der Farbstoffchemie an

Zumindest gibt es ein Phthalocyaningrün [*]. Das lädt ja zum Verballhornen
geradezu ein. Vielleicht ist Tschitscherin (in klangliche Anbspielung auf
den Außenminister, der in den 20er Jahren durchaus zeitungsbekannt war, in
Rechnung stellend) für dieses Grün auf irgendeneiner Berliner oder Münchner
Kabarett- oder Cabaret-Bühne der 20er Jahre geboren worden.

[1] http://www.emrath.de/pigments.htm#hegruen

Matthias Opatz

unread,
Oct 17, 2004, 5:05:28 AM10/17/04
to
Astrid Schleicher schrieb:

> Auf "Tschitscherin" reimt sich ein landschaftliches "grien", ein
> bißchen klingen Wörter aus der Farbstoffchemie an

Zumindest gibt es ein Phthalocyaningrün [*]. Das lädt ja zum Verballhornen

geradezu ein. Vielleicht ist Tschitscherin (die klangliche Anbspielung auf

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Doris Wiederhake

unread,
Oct 17, 2004, 9:05:12 AM10/17/04
to
Diedrich Ehlerding wrote:
> Astrid Schleicher meinte:
> ["tschitscheringrün"]
>>> Ich meine, dass es im ganzen deutschen Osten üblich war.
>>> Ob auch darüber hinaus, weiß ich nicht.

> Nicht nur im Osten. Ich habe das als Kind vor ~40 Jahren in Hannover
> auch gehört; in den letzten 20 Jahren allerings nicht mehr, es scheint
> auszusterben.

"Ortszuweisungen" könnten hinkommen. Meine Mama, gebürtig Ostpreussen,
späterer Wohnsitz der Familie 100 Km südlich v. Hannover, sprach von
"schitscherin-grün", aber auch von "okkulalla-blau" und
"lila-gebibbert".
Auf Nachfragen konnten die Farben auch "beschrieben" werden
(quietschgrün, kräftiges-hellblau und lila-meliert-grau), aber lt.
meiner Mutter sind es mehr "Scherzangaben" von Farben gewesen.
;-) Herrlich, die Wörter existieren immer noch!
Schmunzelnde Grüße
Doris

Christina Kunze

unread,
Oct 17, 2004, 9:54:33 AM10/17/04
to
"Astrid Schleicher" <astrid.s...@gmx.de> schrieb

>Christina Kunze schrieb:


>
>>Ich kenne "tschitscheringrün" als einen Ausdruck für eine Farbe /ein
>>Kleidungsstück, das einem nicht gefällt. Das Teil muß dazu nicht wirklich
>>grün sein.
>

>Dieses Grün als eine Haßfarbe scheint sich in einer anderen
>Zusammensetzung erhalten zu haben.
>
>Google:
>ungefähr 999 für kotzgrün

Das könnte auch daher kommen, daß man immer sagt, jemand sei grün im
Gesicht, wenn er sich nicht wohlfühlt.

chr

Gerd Thieme

unread,
Oct 17, 2004, 11:44:24 AM10/17/04
to
Matthias Opatz wrote:

> Georgij W. Tschitscherin war ein sowjetischer Politiker

Der hieß aber m. W. Tschitschérin und nicht tschitscherín wie das Grün.

Gerd

Clemens Jerg

unread,
Oct 17, 2004, 3:52:28 PM10/17/04
to
Astrid Schleicher wrote:
> René schrieb:

>
>> Welche Farbe haben die Blätter der Zichorien (Cichorium), deren
>> geröstete Wurzeln Damals, In Der Schlechten Zeit, Als Mer Nüscht
>> Hatten [tm], als Kaffee-Ersatz herhalten mussten? :)
>
> Das halte ich für hergeholt. Falls das Grün der Zichorie gemeint wäre,
> müßte diese wohl auch sonst irgendwo "Tschitscheri" gennnt werden,
> wird sie meines Wissens aber nicht.
>
Es handelt sich ja hier, so wie ich aus den Beiraegen im Thread etnehme
um etwas aus dem ehemaligen "östlichen" Sprachraum.
Ich habe aber doch einmal wegen der "Zichorie" überlegt.
"Tschischorien" wurde diese etwas fremden Früchte hierzulande (Südwesten
D'lands) genannt. "Tschitschorien" kann ich mich nicht so erinnern. Und
zu der schlechten Zeit faellt mir auch nichts brauchbares für einen
sprachlichen Haspler als Begründung ein.

Wogegen Anilin usw. vielleicht hier reinfliessen könnte. Die Badische
Anilin und ... Fabrik hat ja so einiges ~in-Zeugs hergestellt, nicht nur
die $Bayer und die $Hoexst.

Für mich ist es ab jetzt wahrscheinlich ein neuer Grünton, mal abwarten,
was noch so alles kommt. :-)
Ob mit oder ohne Geschmack, grüne Früchte sind meisten so wie so mit
Vorsicht zu geniessen.
Ja, und hier gleich die Politik mit reinzuziehen, ich weiss nicht, die
Farben in der Politik scheinen mir bis auf Ausnahmen erst jüngeren
Datums. lol

cj

Matthias Opatz

unread,
Oct 17, 2004, 5:42:49 PM10/17/04
to
Astrid Schleicher schrieb:

> tschitscherin sei doch grün, genauer wisse er es aber auch

> nicht.

Mein heute befragte Ehegattin war sich sicher, dass olivgrün gemeint ist.

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