> Meine Schwiegermutter nannte gestern etwas, das eher
> kreß :-) gewesen wäre, "tschitscherin".
> Wenn sich schon die Herkunft nicht ergründen läßt,
> weiß dann wenigstens jemand, was für ein Grün das ist?
> Spontan denke ich an recht giftiges Grün,
> ohne zu wissen, warum.
Ich kenne "tschitscheringrün" als einen Ausdruck für eine Farbe /ein
Kleidungsstück, das einem nicht gefällt. Das Teil muß dazu nicht wirklich
grün sein.
Gehört habe ich es in den achtziger Jahren so zwischen Wittenberg und
Naumburg.
chr
> Meine Schwiegermutter nannte gestern etwas, das eher kreß :-) gewesen
> wäre, "tschitscherin". Mir kam das Wort bekannt vor, es sagt mir aber
> nicht wirklich etwas.
Georgij W. Tschitscherin war ein sowjetischer Politiker, Außenminister unter
Lenin und Stalin und Vertragspartner Rathenaus bei den Rapallo-Verträgen.
> Als ich später meinen Mann darauf ansprach,
> meinte er, tschitscherin sei doch grün, genauer wisse er es aber auch
> nicht.
Vielleicht hatte Tschitscherin in Genua was ausgefallen-grünes an?
> Google und Gruppen-Google sind dazu nicht sehr ergiebig.
Hm. Evt. auch mit Cicerin (Transliteration; normalerweise mit Hatscheks auf
den beiden c; fehlen aber oft), Chicherin (englisch?) oder Tchitcherine
(französisch?) versuchen.
> Wenn sich
> schon die Herkunft nicht ergründen läßt, weiß dann wenigstens jemand,
> was für ein Grün das ist?
Herr Pfennigwerth aus Sachsen sucht für seinen Audi ein tschitscheringrünes
Teil [1]. Leider ist kein Bild dabei.
<detektiv>
Es ist ein Modell A4 Avant quattro, Baujahr 1998. Die werden den damals nur
in einem Grünton geliefert haben. Laut den Angeboten auf autoscout24.de
handelt es sich dabei offiziell um kaktusgrün. Beispiel: [2]
</detektiv>
[1] http://a1a.at/audi-gebrauchtteile/
[2] http://pic.autoscout24.de/images/6/1/1/38403116_1.jpg
> Spontan denke ich an recht giftiges Grün,
> ohne zu wissen, warum.
Weil's so ist?
> Wo ist das Wort sonst überhaupt verbreitet?
Ich meine, dass es im ganzen deutschen Osten üblich war.
Ob auch darüber hinaus, weiß ich nicht. Jedenfalls wundere ich mich über die
raren Webbelege. Ist wohl ein Wort wie Schäslong, das man mühelos spricht,
aber beim Schreiben doch lieber auf Sofa ausweicht ...
Matthias
--
Wenn wir annehmen, dass eine Kanonenkugel in wenigen Sekunden eine
Viertelstunde fliegt, so kömmt sie etwa bis Erfurt. Prof. Galletti
* Wer zum Kuckuck ist Prof. Galletti? => http://www.galletti.de/ *
-- Bitte bei Mailantwort Großbuchstaben aus Reply-Adresse löschen --
Welche Farbe haben die Blätter der Zichorien (Cichorium), deren geröstete
Wurzeln Damals, In Der Schlechten Zeit, Als Mer Nüscht Hatten [tm], als
Kaffee-Ersatz herhalten mussten? :)
--
Any and all mail sent to ka...@the-coalition.us will be deleted
automagically. Reply here or use Reply-To: instead
AS> Meine Schwiegermutter nannte gestern etwas, das eher kreß :-) gewesen
AS> wäre, "tschitscherin". Mir kam das Wort bekannt vor, es sagt mir aber
AS> nicht wirklich etwas. Als ich später meinen Mann darauf ansprach,
AS> meinte er, tschitscherin sei doch grün, genauer wisse er es aber auch
AS> nicht.
Bei Tschitscherin fällt mir eigentlich nur Georgi Wassiljewitsch
Tschitscherin (1872-1936) ein, der von Mai 1918 bis 1930 Außenminister
(Kommissar) im Rat der Volksbeauftragten der Russischen Republik bzw.
der Unionsregierung der UdSSR war.
MfG,
Lüko Willms http://www.mlwerke.de
/--------- L.WI...@jpberlin.de -- Alle Rechte vorbehalten --
"Kein Land kann seine Probleme in dieser globalisierten Welt allein
auf sich gestellt lösen. Entweder wir retten uns alle zusammen oder
wir gehen zusammen unter. Heute mehr denn je gilt das Wort von José
Martí: Das Vaterland ist die ganze Menschheit."
- Fidel Castro, Caracas (Veneuzuela), 3. Februar 1999
["tschitscheringrün"]
>>Ich meine, dass es im ganzen deutschen Osten üblich war.
>>Ob auch darüber hinaus, weiß ich nicht.
Nicht nur im Osten. Ich habe das als Kind vor ~40 Jahren in Hannover auch
gehört; in den letzten 20 Jahren allerings nicht mehr, es scheint
auszusterben.
Was der ehemalige sowjetische Außenminister damit zu tun hat, ist mir
allerdings auch unklar.
Diedrich
--
pgp-Key (RSA) 1024/09B8C0BD
fingerprint = 2C 49 FF B2 C4 66 2D 93 6F A1 FF 10 16 59 96 F3
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> Auf "Tschitscherin" reimt sich ein landschaftliches "grien", ein
> bißchen klingen Wörter aus der Farbstoffchemie an
Zumindest gibt es ein Phthalocyaningrün [*]. Das lädt ja zum Verballhornen
geradezu ein. Vielleicht ist Tschitscherin (in klangliche Anbspielung auf
den Außenminister, der in den 20er Jahren durchaus zeitungsbekannt war, in
Rechnung stellend) für dieses Grün auf irgendeneiner Berliner oder Münchner
Kabarett- oder Cabaret-Bühne der 20er Jahre geboren worden.
[1] http://www.emrath.de/pigments.htm#hegruen
> Auf "Tschitscherin" reimt sich ein landschaftliches "grien", ein
> bißchen klingen Wörter aus der Farbstoffchemie an
Zumindest gibt es ein Phthalocyaningrün [*]. Das lädt ja zum Verballhornen
geradezu ein. Vielleicht ist Tschitscherin (die klangliche Anbspielung auf
> Nicht nur im Osten. Ich habe das als Kind vor ~40 Jahren in Hannover
> auch gehört; in den letzten 20 Jahren allerings nicht mehr, es scheint
> auszusterben.
"Ortszuweisungen" könnten hinkommen. Meine Mama, gebürtig Ostpreussen,
späterer Wohnsitz der Familie 100 Km südlich v. Hannover, sprach von
"schitscherin-grün", aber auch von "okkulalla-blau" und
"lila-gebibbert".
Auf Nachfragen konnten die Farben auch "beschrieben" werden
(quietschgrün, kräftiges-hellblau und lila-meliert-grau), aber lt.
meiner Mutter sind es mehr "Scherzangaben" von Farben gewesen.
;-) Herrlich, die Wörter existieren immer noch!
Schmunzelnde Grüße
Doris
>Christina Kunze schrieb:
>
>>Ich kenne "tschitscheringrün" als einen Ausdruck für eine Farbe /ein
>>Kleidungsstück, das einem nicht gefällt. Das Teil muß dazu nicht wirklich
>>grün sein.
>
>Dieses Grün als eine Haßfarbe scheint sich in einer anderen
>Zusammensetzung erhalten zu haben.
>
>Google:
>ungefähr 999 für kotzgrün
Das könnte auch daher kommen, daß man immer sagt, jemand sei grün im
Gesicht, wenn er sich nicht wohlfühlt.
chr
> Georgij W. Tschitscherin war ein sowjetischer Politiker
Der hieß aber m. W. Tschitschérin und nicht tschitscherín wie das Grün.
Gerd
Wogegen Anilin usw. vielleicht hier reinfliessen könnte. Die Badische
Anilin und ... Fabrik hat ja so einiges ~in-Zeugs hergestellt, nicht nur
die $Bayer und die $Hoexst.
Für mich ist es ab jetzt wahrscheinlich ein neuer Grünton, mal abwarten,
was noch so alles kommt. :-)
Ob mit oder ohne Geschmack, grüne Früchte sind meisten so wie so mit
Vorsicht zu geniessen.
Ja, und hier gleich die Politik mit reinzuziehen, ich weiss nicht, die
Farben in der Politik scheinen mir bis auf Ausnahmen erst jüngeren
Datums. lol
cj
> tschitscherin sei doch grün, genauer wisse er es aber auch
> nicht.
Mein heute befragte Ehegattin war sich sicher, dass olivgrün gemeint ist.