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durchwegs oder doch eher durchweg?

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Gunhild Simon

unread,
Nov 10, 2014, 4:24:26 AM11/10/14
to
"Die Handlung ... ist durchwegs erwartbar."

http://www.sueddeutsche.de/medien/nachlese-zum-polizeiruf-aus-magdeburg-bringt-doch-nuescht-1.2209949
(letzter Absatz)

Für meine Ohren klingt durchwegs falsch.
Also: "keineswegs" aber "durchweg".

Ich empfinde ersteres aus Weg abgeleitet, letzteres aber aus "weg".
Das spreche ich auch so.

Zur Sicherheit habe ich bei Duden-online nachgesehen.
Da wird es als ugs und süddeutsch bezeichnet.

Paßt ja zur Quelle.

Gruß
Gunhild

Jan Bruns

unread,
Nov 11, 2014, 11:58:49 PM11/11/14
to

Gunhild Simon:

> "Die Handlung ... ist durchwegs erwartbar."

> Für meine Ohren klingt durchwegs falsch. Also: "keineswegs" aber
> "durchweg".
>
> Ich empfinde ersteres aus Weg abgeleitet, letzteres aber aus "weg". Das
> spreche ich auch so.

Hier im Haus tönt nachts oft so'n Bass. Man könnte meinen, der
Verusacher versuche, uns alle die Nacht über durchzuwecken.

Den dafür aber einzuwecken scheint mir unvernünftigerweise keineswegs
kein Weg zu sein, sich solcher Störenfriede zu entledigen.


Gruss

Jan Bruns

Heinz Lohmann

unread,
Nov 12, 2014, 2:56:41 AM11/12/14
to
Am 10.11.2014 um 17:24 schrieb Gunhild Simon:
> "Die Handlung ... ist durchwegs erwartbar."

> Zur Sicherheit habe ich bei Duden-online nachgesehen.
> Da wird es als ugs und süddeutsch bezeichnet.

Auch der 8-bändige Duden von 1993 verzeichnet "durchwegs" als österr.,
schweiz.,
sonst ugs.
Ich vermute, hier isnd regionale Umgangssprachen gemeint.

Aus meiner Umgangssprache kenne ich (MS) es nicht, finde es aber auch
nicht sonderlich auffällig.

Google sieht ein Verhältnis von ca. 596k : 4500k.

--
mfg
Heinz Lohmann
Danshui, Taiwan
25°07'58"N 121°27'56"E
Gedanken sind nicht stets parat,
man schreibt auch, wenn man keine hat. W.B.

Manfred Hoß

unread,
Nov 12, 2014, 3:25:43 AM11/12/14
to
Am Wed, 12 Nov 2014 15:56:40 +0800 schrieb Heinz Lohmann:

> Am 10.11.2014 um 17:24 schrieb Gunhild Simon:
>> "Die Handlung ... ist durchwegs erwartbar."
>
>> Zur Sicherheit habe ich bei Duden-online nachgesehen.
>> Da wird es als ugs und süddeutsch bezeichnet.
>
> Auch der 8-bändige Duden von 1993 verzeichnet "durchwegs" als österr.,
> schweiz.,
> sonst ugs.
> Ich vermute, hier isnd regionale Umgangssprachen gemeint.
>
> Aus meiner Umgangssprache kenne ich (MS) es nicht, finde es aber auch
> nicht sonderlich auffällig.
>
> Google sieht ein Verhältnis von ca. 596k : 4500k.

Die Zahlen, die Google liefert, sind unzuverlässig.
http://lexikographieblog.wordpress.com/2014/10/07/google-trefferzahlen-zur-haufigkeitsbestimmung/
Daher greife ich in solchen Fällen auf das Digitale Wörterbuch der
deutschen Sprache zurück. Das liefert für das Verhältnis von "durchweg" zu
"durchwegs" folgende Zahlen (woraus sich das jeweilige Verhältnis bestimmen
lässt):

Kernkorpus: 1.434 zu 189 (7,6 : 1)
Deutsches Textarchiv: 793 zu 84 (9,4 : 1)
Die Zeit: 4.201 zu 107 (39,3 : 1)

In der Summe also 6.428 zu 380 (16,9 : 1).

Gruß
Manfred.

Gunhild Simon

unread,
Nov 12, 2014, 4:35:08 AM11/12/14
to
Am Mittwoch, 12. November 2014 08:56:41 UTC+1 schrieb Heinz Lohmann:
> Am 10.11.2014 um 17:24 schrieb Gunhild Simon:
> > "Die Handlung ... ist durchwegs erwartbar."
>
> > Zur Sicherheit habe ich bei Duden-online nachgesehen.
> > Da wird es als ugs und süddeutsch bezeichnet.
>
> Auch der 8-bändige Duden von 1993 verzeichnet "durchwegs" als österr.,
> schweiz.,
> sonst ugs.
> Ich vermute, hier isnd regionale Umgangssprachen gemeint.
>
> Aus meiner Umgangssprache kenne ich (MS) es nicht, finde es aber auch
> nicht sonderlich auffällig.

Da0 es als süddeutsch oder ugs
angesehen wird, ist ein Punkt.

Der andere, der mich eher stutzig machte, ist
die aus der gedachten Herkunft resultierende
unterschiedliche Aussprache.

Ich habe "keineswegs" angeführt, das ja einen
deutlichen Hinweis aus "keinen Weg" enthält.
Dagegen kann ich in "durchweg" keinen "Weg"
hineindeuten, sondern aufgrund der Aussprache
bestenfalls "weg, hinweg = fort".

Ich nehme an, daß auch "weg" trotz anderer, kurzer
Aussprache mit dem figürlichen "Weg" etymologisch
zusammenhängt, habe dafür aber keinen Beleg.

Gruß
Gunhild

Heinz Lohmann

unread,
Nov 12, 2014, 5:25:50 AM11/12/14
to
Am 12.11.2014 um 16:25 schrieb Manfred Hoß:
>> Google sieht ein Verhältnis von ca. 596k : 4500k.
> Die Zahlen, die Google liefert, sind unzuverlässig.
> http://lexikographieblog.wordpress.com/2014/10/07/google-trefferzahlen-zur-haufigkeitsbestimmung/

Da habt ihr sicher recht.

> Daher greife ich in solchen Fällen auf das Digitale Wörterbuch der
> deutschen Sprache zurück. Das liefert für das Verhältnis von "durchweg" zu
> "durchwegs" folgende Zahlen (woraus sich das jeweilige Verhältnis bestimmen
> lässt):
>
> Kernkorpus: 1.434 zu 189 (7,6 : 1)
> Deutsches Textarchiv: 793 zu 84 (9,4 : 1)
> Die Zeit: 4.201 zu 107 (39,3 : 1)

Die Zeit ist bestimmt ein Ausreißer.

Der Wortschatz der Uni Leipzig hat mehr Presseerzeugnisse im Korpus und
liefert:
durchweg: 2576 (durchweg *.de)
durchwegs: 1341 (nahezu durchwegs *.at und *.ch)

Aber was lässt sich daraus schließen? Besonders wenn man die
Auflagenhöhen nicht aus dem Blick verliert?
Welche Regionen bevorzugen noch "durchwegs"?

Google: 1 : 7,5 ist doch ziemlich dicht am Kernkorpus und nicht so weit
vom Textarchiv entfernt ....

Oliver Cromm

unread,
Nov 12, 2014, 12:02:46 PM11/12/14
to
* Gunhild Simon:

> "Die Handlung ... ist durchwegs erwartbar."
>
> http://www.sueddeutsche.de/medien/nachlese-zum-polizeiruf-aus-magdeburg-bringt-doch-nuescht-1.2209949
> (letzter Absatz)
>
> Für meine Ohren klingt durchwegs falsch.
> Also: "keineswegs" aber "durchweg".
>
> Ich empfinde ersteres aus Weg abgeleitet, letzteres aber aus "weg".
> Das spreche ich auch so.

Das ist für mich keineswegs zwingend. Auch bei einer Herkunft vom
"Weg" kann sich die Aussprache des Adverbs, einmal selbständig
geworden, anders entwickeln. Ich bin sicher, daß es dafür
Beispiele gibt, auch wenn mir jetzt spontan keins einfällt.
Vielleicht kann ja schon sowas wie "siebzehn" zur Anschauung
dienen, das spreche ich üblicherweise "sippzehn".

--
A computer will do what you tell it to do, but that may be much
different from what you had in mind. - Joseph Weizenbaum
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