Am 03.08.2021 um 09:30 schrieb Helmut Richter:
> On Tue, 3 Aug 2021, Stefan Ram wrote:
>
>> Es gibt eine sehr häufige Interjektion, die ähnlich
>> klingt wie "Mm" [m:]. Ich verstehe sie so, daß sie,
>> während man jemandem zuhört nicht unterbricht, sondern
>> nur kurz zeigt, daß man weiterhin zuhört, ähnlich wie
>> ein kurzes "Ja.". Zum Beispiel am Telephon.
>
> Das wäre doch ein Kandidat für ein in vielen (oder allen?) menschlichen
> Sprachen verwendetes Wort.
Die Franzosen nehmen hier für die fragende Version ein nasaliertes Ä [ɛ
mit Tilde drüber], geschrieben 'hein?' Ein Franzose sagte mir mal, dass
ihn die vielen ähhs und ehhs oft ziemlich stören (Stoiber musste sich
das für seine Kanzlerkandidatur in einem Spezialtraining
weg-konditionieren, hat glaubich einigermaßen geklappt), ich weiß nicht,
ob's dafür überhaupt eine französische Entsprechung gibt. Ich vermute,
dafür nehmen sie meistens redundante Überbrückungsfloskeln, jedenfalls
war mir immer ein Rätsel, wie viele Franzosen (und Italiener, Spanier
...) es schaffen, ihren Text quasi unterbrechungsfrei herauszusprudeln.
Wir haben übrigens schriftsprachlich auch noch 'ähm'. Im schriftlichen
Englisch scheint's 'um' zu geben, und 'err' und 'ermm', dazu kann ich
nichts sagen. Nur: Dass dieses Nachdenk-'ehm's oder Quittungs-'hm's
Universalien sind, würde ich aufgrund meiner spärlichen Beobachtungen
für unwahrscheinlich halten.
> Während Wörter mit mehr Information, z.B. Schmerz,
> Zustimmung, Ablehnung usw., von Kultur zu Kultur stark wechseln, *könnte*
> dieses Wort über viele Kulturen hinweg gleich sein, wo es nicht als unhöflich
> gilt, zu einer Äußerung den Mund nicht aufzutun; dort sagt man dann ein Wort
> der Sprache, im Deutschen neuerdings oft auch „Okay?“.
Ja, auch mit etwas in die Länge gezogenem 'ääi', was dann ausdrücken
kann 'meinst du das wirklich ernst' bzw. 'echt jetzt?'
> Computer verwenden dazu gerne das einbuchstabige Wort, das in Unicode mit dem
> Buchstaben Nr. 6 geschrieben wird. Wie sie es aussprechen, hört man leider
> nicht. Wenn Menschen es wiedergeben, sprechen sie es ACK aus.
Keine Ahnung, was du meinst.
> Ich bin nicht sicher, ob [m:] der genau richtige Laut ist. Es genügt jede
> Inbetriebsetzung des Stimmbandes bei geschlossenem Mund, sozusagen das
> Schwa-Äquivalent der Nasale. Probiere ich [m:], [n:] und [ŋ:] mit
> geschlossenem Mund aus, dann passen alle drei ungefähr, aber mir kommt vor,
> dass ich mir für ACK nicht die Mühe mache, eines davon genau zu artikulieren;
> es genügt, wenn die Stimme brummt, der Mund zu ist und die Nase frei. Dass man
> es, wenn überhaupt, als „mm“ schreibt, liegt daran, dass man [n:] und [ŋ:]
> auch mit offenem Mund sprechen könnte, [m:] aber nicht. Schreibungen mit -h-
> sind phonetisch daneben: [h] ist stimmlos und man kann es mit geschlossenem
> Mund nicht sprechen.
Es (das h) funktioniert im gesprochenen Deutsch auch als Silbentrenner
(z.B. gehen) und wird da überhaupt nicht gesprochen. Wenn man versuchen
würde, bei 'hm' die beiden Buchstaben feinsäuberlich auszusprechen, dann
käm' schon sowas ähnliches raus wie beim Vorlesen eines 'hm', aber da
das kompliziert ist, lässt man den Mund gleich zu, und das 'h' geht bei
mir dann entweder durch die Nase, oder es kommt eben das dabei heraus,
was man hat, wenn man ein 'h' mit gesprochenem Mund zu sprechen versucht.
Ralf Joerres