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Andreas Hauffe

unread,
Oct 25, 1998, 2:00:00 AM10/25/98
to
Kann mri jemand bei der Interpretation dieses Gedichts helfen ?

Ich bin Schüler der 11.-Klasse und komme einfach nicht weiter.

Danke Andreas


Johann Wolfgang Goethe

Neue Liebe, Neues Leben

Herz mein Herz was soll das geben?
Was bedränget dich so sehr?
Welch ein fremdes neues Leben!
Ich erkenne dich nicht mehr!
Weg ist alles was du liebtest,
Weg worum du dich betrübtest,
Weg dein Fleiß und deine Ruh,
Ach wie kamst du nur dazu.

Fesselt dich die Jugendblüte?
Diese liebliche Gestalt,
Dieser Blick voll Treu und Güte,
Mit unendlicher Gewalt?
Will ich rasch mich ihr entziehen
Mich ermannen ihr entfliehen;
Führet mich im Augenblick
Ach mein Weg zu ihr zurück.

Und an diesem Zauberfädgen
Das sich nicht zerreißen läßt
Hält das liebe lose Mädgen
Mich so wider Willen fest.
Muß in ihrem Zauberkreise
Leben nun auf ihre Weise;
Die Veränderung ach wie groß!
Liebe liebe laß mich los.

Gedichtsinterpretation „Neue Liebe, Neues Leben“
Johann Wolfgang Goethe (1749-1832)

Das Gedicht „Neue Liebe, Neue Leben“ wurde Anfang 1775 von Johann Wolfgang
Goethe verfaßt. Es ist eines der Gedichte, die Goethe nach der Begegnung mit
der Bankierstochter Lili Schönemann in Frankfurt, zur Zeit der Erlebnislyrik
im Sturm und Drang, verfaßte. In dem Gedicht werden die Gefühle und die
Liebe zu dieser Frau beschrieben.

In der ersten Strophe fragt das lyrische Ich sein Herz, warum es sich so
verändert habe. Dann, in der zweiten Strophe, wird beschrieben, daß das
lyrische Ich ihr nicht mehr entfliehen kann und immer wieder zu ihr zurück
muß. In der letzen Strophe sagt das lyrische Ich, daß es sich wie gefesselt
fühlt, aber durch die Macht der Liebe, wider Willen, auch Veränderungen in
Kauf nimmt. In der letzten Strophe fordert das lyrische Ich „Liebe liebe laß
mich los.“
Das Gedicht ist inhaltlich in zwei Abschnitte geteilt. Im ersten Abschnitt,
der bis zur 12 Zeile geht, spricht das lyr. Ich mit seinem Herzen. Das Herz
ist in diesem Falle eine Personifikation des lyr. Ich, das lyrisch Ich redet
mit sich selbst als würde es mit einem anderem Menschen reden. So nimmt das
„Herz“ auch menschliche Eigenschaften an, es kann fühlen und handeln, zum
Beispiel „Weg ist alles was du liebtest,/ Weg worum du dich betrübtest,
(Z.5 und 6). Weiterhin ist der erste Teil durch Fragesätze und
Ausrufesätze gekennzeichnet.
Im zweiten Teil (13.-24. Zeile) hingegen treten nur noch Aussagesätze auf,
außer in der vorletzten Zeile in der ein Ausruf vorhanden ist. In diesem
Teil berichtet das lyrische Ich, daß es durch die Macht der Liebe von der
Frau nicht mehr weg kommt.

Das Gedicht besteht aus 3 Strophen zu je 8 Zeilen. Die Zeilen mit ungerader
Zeilennummer bestehen aus vierhebigen Trochäen mit unbetonter Silbe am
Schluß (´xx ´xx ´xx ´xx), die Zeilen mit gerader Zeilennumer aus vierhebigen
Trochäen ohne unbetonter Silbe am Schluß (´xx ´xx ´xx ´x), es ist also eine
unvollständige Taktreihe, ein kataletischer Vers.
In diesem Gedicht sind vorwiegend reine Reime mit männlicher Kadenz
vorhanden. Es tritt nur ein unreiner Reim auf, Augenblick – zurück (Z.13 und
15). In den ersten vier Zeilen einer Strophe treten Kreuzreime auf und in
den letzten vier Paarreime (ababccdd).
Goethe verwendet in den ersten zwei Strophen parataktische Sätze, bei denen
in der 5. bis 7. Zeile Anapher und Ellipsen auftreten („Weg ist alles was du
liebtest,/ Weg [ist alles] worum du dich betrübest,/ Weg [ist] dein Fleiß
und deine Ruh,/ ...) und in der letzten Strophe treten hypotaktische
Satzstrukuren auf. In der zweiten Strophe ist eine Inversion vorhanden:
„Will ich rasch mich ihr entziehen/ ...“. Goethe benutz in der letzen Zeile
des Gedichts zur Betonung seiner Forderung eine Alliteration „Liebe liebe
laß mich los.“

Das lyrisch Ich bemerkt, daß es sich durch die Liebe zu einer Frau verändert
hat, es fühlt sich bedrängt, fremd und erkennt sich selbst nicht mehr, es
führt eine Art Dialog mit sich selbst, den das Herz ist hier eine
Personifikation und steh für das lyrische Ich. („Was bedränget dich so
sehr?/ Welch ein fremdes neues Leben!“ (Z.2-3)). Durch diese Veränderungen
ergibt sich für das lyrische Ich ein Zwiespalt. Auf der einen Seite steht
die Liebe und auf der anderen Seite die Veränderungen und die Fesseln der
Liebe („Leben nun auf ihre Weise;/ Die Veränderungen ach wie groß!
(Z.22-23) „Hält das liebe lose Mädgen/ Mich so wider Willen fest.
(Z19-20)).
Man bekommt das Gefühl das die Frau berechnend ist und genau weiß was sie
will, denn das lyrische Ich sagt: „Und an diesem Zauberfädgen/ Das sich
nicht zerreißen läßt/ Hält das liebe lose Mädgen/ Mich so wider Willen fest.
“ Das es sagt damit, daß das lyrische Ich durch die Frau, die die Liebe als
eine Art unzerreißbare „Leine“ einsetzt, gegen dessen Willen festgehalten
wird. Er bezeichnet deshalb auch ihre „Jugendblüte“ (Z.9) die „... liebliche
Gestalt,“ (Z.10) und ihr „... Blick voll Treu und Güte,“ (Z.11) als
„unendliche[...] Gewalt“ (Z.12) und nicht als Macht oder Kraft. Das Wort
„Gewalt“ steht für etwas negatives und grausames und nicht für etwas was man
normaler Weise mit Liebe in Bezug bringt. Das beweist, daß diese Liebe eben
auch eine negative Seite hat.


Andreas Hauffe

unread,
Oct 27, 1998, 3:00:00 AM10/27/98
to

Arno Zopf schrieb in Nachricht
<1dhjfei.1ue...@ppp-c6.freiepresse.de>...

>Andreas Hauffe <andreas...@zi.sda.de> wrote:
>
>> Kann mri jemand bei der Interpretation dieses Gedichts helfen ?
>>
>> Ich bin Schüler der 11.-Klasse und komme einfach nicht weiter.
>
>Gedichte sollte man genießen, nicht interpretieren. Im "Klub der toten
>Dichter" hat man die entsprechenden Seiten aus den Lehrbüchern
>rausgerissen. (Vielleicht kommst Du damit bei Deinem Lehrer durch?)
>
>
>--
>
>
> Arno Zopf (der Echte)
Das ist auch meine Einstellung,aber die hilft mir leider nicht weiter.

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