> Bisher - nach meiner Duden-Grammatik von 1984 und dem Duden "Richtiges
> und gutes Deutsch" (RugD) von 2001 - galt einzig als richtig:
>
> Die Taten, *deren* sie sich rühmen, ...
>
> Ausdrücklich stellt RugD 2001 beim Relativpronomen fest:
>
> |deren / derer:
> |Die Formen des Relativpronomens der, die, das lauten im Genitiv dessen,
> |deren, dessen, Plural deren:
[...]
>
> Im August ist die neue Auflage des RugD erschienen, und - man staune! -
> plötzlich ist "derer" gleichwertig erlaubt:
>
> |deren / derer:
> |Die Formen des Relativpronomens der, die, das lauten im Genitiv dessen,
> deren, |dessen, Plural deren. Die Form derer ist die Form des
[...]
> Oder hat jemand eine andere Theorie für die Änderung? Hat der Duden
> einfach dem Volk aufs Maul geschaut?
Hier haben wir mal wieder den Unterschied zwischen deskriptiver
und preskriptiver Grammatik. Sind die Regeln von oben gegeben, oder
sollen sie eine Beschreibung dessen sein, was "vom Volke" gesagt wird?
Ich meine, ihr Deutschen haben einen Hang zum preskriptiven, während
man in Dänemark ziemlich alles acceptiert, was normalerweise gasagt
wird, logisch oder nicht.
--
Dieter Britz
Das Erscheinen eines neuen Bandes Duden 9 mit einem neuen Artikel hat
immer etwas Plᅵtzliches, so wie auch Glᅵhbirnen immer ganz plᅵtzlich und
im unpassenden Moment kaputt gingen.
Das deren/derer-Problem scheint/schien so frickelig zu sein, dass das
Relativpronomen im Genitiv Plural sogar in einem DaF-Lehrwerk im
Grammatikteil falsch aufgelistet wurde und mein Sprachgefᅵhl absolut
versagte.
Auch heute schwanke ich bei diesen Fragen wie ein Rohr im Sturm. Ich bin
noch nicht einmal sicher, ob es sich bei dem "deren" (Die Kinder, deren
Eltern ich gestern kennen gelernt habe, ...) tatsᅵchlich um so ein
100%iges Relativpronomen handelt, oder ob es etwas anderes ist, da es
die Artikelstelle einnimmt.
Auf der anderen Seite leuchtet mir partout nicht ein, warum das
"derer/deren" (Die Probleme, deren/derer er sich bewusst wurde, ...)
unbedingt ein Demonstrativpronomen sein soll. Wenn in den folgenden
Nebensᅵtzen (Die Probleme, die ich selbst gesehen habe, ...; Die
Probleme, denen sie sich widmet, ...; die Probleme, die mich
interessieren, ...) immer Relativpronomen stehen, warum sollte es dann
bei dem Genitivbeispiel anders ein?
Cetreum censeo: Den Genitiv abschaffen, in allen fraglichen Sᅵtzen das
Relativpronomen durch "wo" ersetzen, und schon ist ein Problem weniger
auf der Welt.
Die Probleme, wo wir uns nicht bewusst sind, tun uns auch nicht jucken.
http://is.gd/tkMyKn
--
mfg
Heinz Lohmann
Danshui, Taiwan
25ᅵ07'58"N 121ᅵ27'56"E
Nichts kann mehr zu einer Seelen-Ruhe beitragen, als wenn
man gar keine Meinung hat.
G. Chr. Lichtenberg (Sudelbuch E 63)