> Menschen, die flugunfähig sind, kenne ich nicht - denn fliegen
> konnten die nicht vorher.
Zur semantischen Dreckwerferei reicht es. Und nur darauf kommt es hier an.
Kurz und prägnant, auf dass es mit Nachdruck hängenbleibe. Aber wenn man in
dem Fall Medien sagt, sollte man nun schon etwas deutlicher dazusagen, was
man unter Medien versteht. Und bei den zugehörigen staatlichen Stellen muss
man in dem Fall auch schon zwingend dazusagen, dass sie in der hier
fraglichen Instanz nicht der Wahrheit sondern der Weisungsgebundenheit
verpflichtet sind. Das ist ja nicht immer dasselbe nit. Die Medien, die
ich frequentiere, sind weniger damit beschäftigt, Dreck zu werfen und das
Dreckwerfen möglichst glaubwürdig nachzustellen, mehr damit, den Dreck dann
wieder wegzuräumen. Da fallen die kleinen Unterschiede dann auf. Soll
heißen, ich erspar es mir lieber, mich mit dem Dreck zuschütten zu lassen,
soweit möglich.
Ich weiß ja nicht, warum das gerade wieder hochgekocht wird, die Faktizität
des Flugablaufs passt jedenfalls viel besser zu irgendwelchem NATO-Zeugs
zwischen Korsika und Spanien. Und hernach war ganz schnell dann nurmehr ein
Durcheinander und es verblieb als konstruierte Zielscheibe ein armer Teufel,
der als Dummkopf herhalten muss. Dabei verfolgt die Lufthansa in Frankfurt
_jede Minute_ von jedem ihrer Flüge weltweit mit hoher Präzision und kann
per Fernsteuerung jederzeit überall das Kommando übernehmen. Jaja, so sind
sie die Medien, diese feineren Informationen (Boeing hat sich die
Fernsteuerung schon in den 1990ern patentieren lassen, bis dann plötzlich
großes Stillschweigen zu diesem Detail ausbrach) muss man sich selbst in den
Weiten der endlosen Verzeigerungen zusammenkratzen. Derweil übernehmen die
Dschornalisten die Verkündigung der staatsanwaltschaftlichen
Verlautbarungen, auf dass 1 Ruhe im Kontor sei.
In dem Fall fand ich gerade soeben auf
<
http://www.medienanalyse-international.de/germanwings-2015.html> das ganze
Konvolut an Fragerei, begleitet von fetten Körben voller lächerlicher
Antworten auch noch einmal nachgereicht. Hab aber nicht verfolgt, warum das
gerade jetzt nochmals serviert wird.
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Die obige Vokabel finde ich dort via der Seite zum einen als
alltagssprachlichen Ausdruck, rein auf die Situation bezogen, wenn ein
Münchner Professor zitiert wird, bei schlimmer Beeinträchtigung wäre der
Copilot dem Piloten als fluguntauglich aufgefallen, was aber nicht der Fall
war.
Ansonsten finde ich die Vokabel dann generalisierend, zur Klassifizierung
von Personen, nur bei den berufsgeschädigten Wortdenglern.
Eigentlich ist es doch Unsinn, zur begrifflichen Klassifizierung den
Unterschied treffen zu wollen, alltagssprachlich, jemand könne ein
flugtauglicher Pilot sein oder nicht. Das kaschiert ja nur notdürftig den
Eiertanz von armen Schweinen, die zwischen Interessensgruppen eingekeilt
sind und in ihrer Not, vor lauter Rücksichtnahmen keine einfachen, geraden
Sätze mehr bilden zu können, dann Begriffsverhunzung betreiben.
Piloten müssen sie ja wohl sagen. Und dass dem einem per Gerücht dringlich
anzuhängen war, eigentlich habe er ja garnicht fliegen können, müssen sie
auch sagen. Sonst sind sie ihren Job los.
Dass es in großen Maschinen Piloten geben könnte, die ihres Handwerks nicht
mächtig sind, dürfen sie aber unter keinen Umständen sagen. Das ist
wiederum in etwa die Kategorie, wie unter keinen Umständen berichtet wird,
dass alle Verkehrflieger auf dieser Welt per Fremdsteuerung übernommen
werden können. Das sind Details, womit die Kundschaft bei der Nutzung des
Massenverkehrsmittels verunsichert werden könnte. Es bleibt, per Eiertanz
sich durchlavieren. Mit leicht angeknacksten Vokabeln.
Es ist ohnehin besser, man sucht sich Medien, wo die Schreibenden so einen
Eiertanz nicht nötig haben. Das ist dann aber leider etwas weniger
komfortabel, weil man sich dann kreuz und quer die Informationen
zusammenklauben muss, und wo man mit dem generellen Vertrauensvorschuss zur
prinzipiellen Absolution in Richtung möglicher Fragwürdigkeiten nicht garso
weit kommt. Ist manchmal dann etwas nerviger, bis man belastbare Aussagen
findet.
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Unscharf werden Medien da, wo der Sprachgebrauch hin- und herhüpft, zwischen
der Faktizität, und dem Überbau, dass Vorgänge in erwünschten Bahnen
ablaufen sollen.
Die Verkürzungen von Fachsprache sind in dem Fall gewiss hilfreich und
sinnvoll, als da der Sprachgebrauch des Fachpersonals ja genau das Einhalten
erwünschter Bahnen unterstützen soll. Allerdings sind die Verkürzungen
nicht immer durchwegs auf Alltagssprache transferierbar. Oft macht man
besser einen ganzen Satz draus, wo in Arbeitsgruppen eine Vokabel genügt.
Ob ein Pilot per Fachsprache _flugtauglich_ sein kann, entzieht sich meiner
Kenntnis.
Wenn das aber dergestalt, wie zu beobachten, in die mediale Breite gezerrt
wird, dann scheint das naheliegend analog dazu, wie das ganze massenweise
Fachpersonal der fahrzeuglenkenden Bewohner, je ihrer rollenden Blechdosen
im ordinären Straßenverkehr, die Rede vom _fahrtauglichen_ Lenker
verinnerlicht hat, als da dies, vor allem dank weitverbreitetem
Alkoholmissbrauch, als stehende Redewendung permanent im Umlauf ist.
Und diese Nachbarschaft wiederum wirft ein ganz anderes Licht auf den
herumgereichten flugfähigen Piloten, der zwischendurch auch flugunfähig sein
soll können, als da in Fortführung der Analogie wunderschön abgelenkt werden
kann:
erstmal, dass dies eine Frage von Disziplin und Moral sei, mithin
prinzipiell mit dem wedelnden Zeigefinger plus einem verhaltenen Schmunzeln
zu begleiten, also sollte man bei den Fragen auch nicht allzu tief schürfen,
zweitens, dass der Flugbetrieb ähnlich strukturiert gedacht gehört, wie der
Betrieb der Massenblechtonnage & in jedem Blechpanzer sitzt ein einsamer
Held, der alleine kraft seiner mutigen Entscheidungen & Tugend &
Beharrlichkeit usw. (wie eben die Schmonzetten so alle gestrickt sind) mit
seinem Gefährt um die Welt kommt,
womit sich ganz lässig komplett ausblenden lässt, dass der Flugbetrieb eine
minutiös durchorganisierte Kollektivveranstaltung von Unmengen von Teams
ist, die mit Befugnissen und weitreichenden Beobachtungs- und
Eingriffsmöglichkeiten versehen sind.
Aber das kann man flugs alles wegwischen und prompt wird ein einsamer
mutiger Held zur tragischen Gallionsfigur.
Passt irgendwie. So herum gesehen ist das sprachlich gesehen ein geschickter
Zug. Dann trieft und schmalzt es locker im Gebälk, und die Krokodilstränen
schauen zu, während die Beweise weggeräumt werden, die zuviel Transparenz
ermöglichten.