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"Krass" jetzt immer Umgangssprache

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Florian Pampelmus

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Dec 26, 2011, 12:32:35 PM12/26/11
to
Hallo zusammen,

passt vielleicht auch in die Unmutsguppe, aber ich will es mal hier
loswerden: In zwei Fällen habe ich es nun schon erlebt, dass Schüler im
Deutschaufsatz so etwas schreiben wie "krasses Gegenteil" und dann von
den (jungen) Gymnasial-Lehrerinnen einen Ausdrucksfehler wg.
"Umgangssprache" bekommen. Krass, oder?

--
Florian
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Jakob Achterndiek

unread,
Dec 26, 2011, 2:07:20 PM12/26/11
to
Am 26.12.2011, 19:05 Uhr, schrieb Stefan Ram <r...@zedat.fu-berlin.de>:

> Florian Pampelmus <florian....@web.de> writes:
>> den (jungen) Gymnasial-Lehrerinnen einen Ausdrucksfehler wg.
>> "Umgangssprache" bekommen. Krass, oder?
>
> Außerdem ist es natürlich so:
> ^^^^^^^^^^

> Umgangssprache ist kein Ausdrucksfehler.
>
NATÜRLICH !!

> Umgangssprache ist »Sprache, die im täglichen Umgang mit
> anderen Menschen verwendet wird«.
>
NATÜRLICH !!

> In Umgangssprache sagt man beispielsweise »Guten Tag!«
>
NATÜRLICH !!

> Ist »Guten Tag!« deswegen nun ein Ausdrucksfehler?
>
NATÜRLICH NICHT !!

> Gegebenenfalls hätte man vorher erklären müssen, daß jede
> Wendung zu vermeiden sei, die auch in der Umgangssprache
> vorkommen könnte. Das ist aber auch kaum feststellbar.
>
NATÜRLICH !!

> Gemeint war wohl eher »nicht standardsprachlich«. Aber
> die Standardsprache ist nicht das krasse Gegenteil der
> Umgangssprache, sondern stimmt zu einem großen Teil
> mit ihr überein (Schnittmenge).
>
NATÜRLICH !!

> Daß in einem Aufsatz nur Standardsprachliches zu verwenden
> sei, ist schon eher nachvollziehbar. Aber man muß dann auch
> vorher auch ein Verfahren festlegen, mit dem im Zweifelsfall
> bestimmt werden kann, ob etwas standardsprachlich ist.
>
NATÜRLICH !!

Und außerdem sollte man NATÜRLICH noch das Thema des Aufsatzes
und die Wortlaute der Sätze kennen, in die jene mehreren Schüler
ihr "krass" hineingeschrieben haben. Und WIEVIELE Lehrerinnen
das angestrichen haben und WIE jung die waren, sollte man
NATÜRLICH auch noch wissen. - Also laß dir mal vom Pampelmus
weitere Einzelheiten berichten.

j/\a
--

Lothar Frings

unread,
Dec 26, 2011, 2:44:52 PM12/26/11
to
Florian Pampelmus tat kund:
Mich wundert zweierlei: Daß in einem Schulaufsatz
Umgangssprache kritisiert wird und daß junge
Gymnsasiallehrerinnen solch eine Ausdruck
bemerkenswert finden, ältere Gymnasiallehrerinnen
und Gymnasiallehrer jeden Alters aber nicht.

Uwe Schickedanz

unread,
Dec 26, 2011, 3:36:35 PM12/26/11
to
Die Antwort ist einfach: Bedeutungsverschiebung.

Gruß Uwe

--
Wenn man seine eigenen Gedanken entwickeln möchte, ist es eine gute
Idee, für jede Stunde, die man liest, mindestens zwei Stunden zu
schreiben. Es ist natürlich keine gute Idee, alles zu veröffentlichen.
Oliver Cromm in desd === http://www.sicherheitslampe.de ===

Florian Pampelmus

unread,
Dec 26, 2011, 4:36:18 PM12/26/11
to
Am 26.12.2011 18:59, schrieb Stefan Ram:
> »Krass« bedeutet angeblich »in seiner Art besonders extrem«.
> Was soll ein »in seiner Art besonders extremes Gegenteil« nun
> sein? Besonders gegenteilig?

Schulljung, ich meinte den gebräuchlicheren "krassen Gegensatz". Man
kann auch hier fragen, inwieweit Gegensätze unterschiedlich krass
ausfallen können, aber MUSEN zählt der Ausdruck zur Standardsprache.

> Die Lehrer sollte man weniger nach ihrer ersten Äußerung beurteilen,
> sondern danach, wie sie dann auf Nachfragen oder Kritik daran
> reagieren, danach, ob sie dann in der Lage sind, ihre Einschätzung
> nachvollziehbar zu begründen.

Nach Hinweis eines Schülers auf eine ähnliche Textstelle im Deutschbuch
war die Antwort der Lehrerin "Oh, stimmt, OK, dann war das wohl doch
kein Ausdrucksfehler." Was mich zu der Annahme bringt, dass sie die
standardsprachliche Verwendung von "krass" nicht kannte.

Bertel Lund Hansen

unread,
Dec 26, 2011, 4:41:03 PM12/26/11
to
Lothar Frings skrev:

> Mich wundert zweierlei: Daß in einem Schulaufsatz
> Umgangssprache kritisiert wird

Mich nicht. Schüler müssen lernen, welche Ausdrücke zu einem
bestimmten Sprachstil gehören, und sie sollen kritisiert werden,
wenn sie Ausdrücke von verschiedenen Stilen mischen.

> und daß junge Gymnsasiallehrerinnen solch eine Ausdruck
> bemerkenswert finden, ältere Gymnasiallehrerinnen und
> Gymnasiallehrer jeden Alters aber nicht.

Das wundert auch mich.

--
Gruß
Bertel, Dänemark

Roland Franzius

unread,
Dec 27, 2011, 9:48:16 AM12/27/11
to
"Krasses Gegenteil" ist keine Wendung, die irgendeiner Bedeutung fähig
wäre. Also wäre nur zu beanstanden, dass junge Gymnasiallehrerinnen zur
Verwendung flascher Kategorien neigen, hier "Umgangssprache" statt
"Unsinn".

Hier greift Regel 17a.1: Junge Gymnasiallehrerinnen sind von ihren
älteren Schülerinnen in keinerlei Hinsicht sehr verschieden, allenfalls
etwas unsicherer im Auftritt.

--

Roland Franzius

Lothar Frings

unread,
Dec 27, 2011, 10:36:12 AM12/27/11
to
Bertel Lund Hansen tat kund:

> Lothar Frings skrev:
>
> > Mich wundert zweierlei: Daß in einem Schulaufsatz
> > Umgangssprache kritisiert wird
>
> Mich nicht. Schüler müssen lernen, welche Ausdrücke zu einem
> bestimmten Sprachstil gehören, und sie sollen kritisiert werden,
> wenn sie Ausdrücke von verschiedenen Stilen mischen.

Da du den Aufsatz offenbar gelesen hast: In
welchem Stil ist er denn gehalten?

Lothar Frings

unread,
Dec 27, 2011, 10:41:52 AM12/27/11
to
Florian Pampelmus tat kund:

> Am 26.12.2011 18:59, schrieb Stefan Ram:
>
> >    »Krass« bedeutet angeblich »in seiner Art besonders extrem«.
> >    Was soll ein »in seiner Art besonders extremes Gegenteil« nun
> >    sein? Besonders gegenteilig?
>
> Schulljung, ich meinte den gebräuchlicheren "krassen Gegensatz". Man
> kann auch hier fragen, inwieweit Gegensätze unterschiedlich krass
> ausfallen können, aber MUSEN zählt der Ausdruck zur Standardsprache.

Natürlich. Das kommt davon, wenn dauernd
outgeburnte Lehrer ersetzt werden müssen
und man die Mathelehrerin Aufsätze
korrigieren läßt.

Lothar Frings

unread,
Dec 27, 2011, 10:53:55 AM12/27/11
to
Roland Franzius tat kund:

> "Krasses Gegenteil" ist keine Wendung, die irgendeiner Bedeutung fähig
> wäre.

Doch, sie bedeutet "extremer Unterschied",
so wie auch "Bullurup" "extremer Unterschied"
bedeuten wird, sobald sich dieses Wort dafür
durchgesetzt hat.

> Also wäre nur zu beanstanden, dass junge Gymnasiallehrerinnen zur
> Verwendung flascher Kategorien neigen, hier "Umgangssprache" statt
> "Unsinn".

Dazwischen gibt es ja auch große Überschneidungen,
weil Unsinn in jeder Sprache und auf jeder Sprachebene
vorkommt.

Christian Weisgerber

unread,
Dec 27, 2011, 10:24:41 AM12/27/11
to
Bertel Lund Hansen <splittemi...@lundhansen.dk> wrote:

> > und daß junge Gymnsasiallehrerinnen solch eine Ausdruck
> > bemerkenswert finden, ältere Gymnasiallehrerinnen und
> > Gymnasiallehrer jeden Alters aber nicht.
>
> Das wundert auch mich.

Ich glaube, "junge --innen" war beschreibend gemeint, nicht
einschränkend.

Vor lauter Leuten, die hier ihre sprachlichen Steckenpferdchen
reiten, verliert man leicht den Überblick, um was es eigentlich
geht.

Duden gibt für "krass" diese Bedeutungen an:
| 1. in seiner Art besonders extrem
| 2. a. (besonders Jugendsprache) in begeisternder Weise gut, schön
| b. (besonders Jugendsprache) schlecht, furchtbar

Bedeutung (1) ist lang etabliert und standardsprachlich. Bedeutung
(2) ist in den letzten Jahrzehnten aufgekommene Umgangssprache.

Florians Klage ist nun, dass junge Lehrer, die inzwischen mit (2)
aufgewachsen sind, in einem Fall von Hyperkorrektur *jede* Verwendung
von "krass" als umgangssprachlich einstufen, auch wenn es sich um
eine standardsprachliche Verwendung nach (1) handelt.

--
Christian "naddy" Weisgerber na...@mips.inka.de

Bertel Lund Hansen

unread,
Dec 27, 2011, 11:31:52 AM12/27/11
to
Lothar Frings skrev:

> Da du den Aufsatz offenbar gelesen hast: In
> welchem Stil ist er denn gehalten?

Das musst du ja selber wissen, wenn du die Stilkritik nicht mag.

--
Gruß
Bertel, Dänemark

Joachim Pense

unread,
Dec 27, 2011, 11:49:08 AM12/27/11
to
"Krass" als Umgangssprachenwort kenne ich erst seit Dragan & Alder. Zur
verstärkten Betonung eines Kontrastes (auch im Übertragenden Sinne) war
das Wort wohl durchaus in der Hochsprache üblich; allerdings wohl selten
gebraucht, da es ein sehr starkes Hervorstechen bezeichnet. In "krasses
Gegenteil" sehe ich allerdings dennoch einen Stilfehler, da mir "krass"
(außer in begründeten Ausnahmefällen) inhaltlich nicht zu "Gegenteil"
passen mag.

Joachim

Joachim Pense

unread,
Dec 27, 2011, 11:50:57 AM12/27/11
to


On 26.12.2011 22:36, Florian Pampelmus wrote:
> Am 26.12.2011 18:59, schrieb Stefan Ram:
>> »Krass« bedeutet angeblich »in seiner Art besonders extrem«.
>> Was soll ein »in seiner Art besonders extremes Gegenteil« nun
>> sein? Besonders gegenteilig?
>
> Schulljung, ich meinte den gebräuchlicheren "krassen Gegensatz".

"krasser Gegensatz" ist ok, "krasses Gegenteil" nicht. Ich würde das
aber in der Hochsprache, nicht in der Umgangssprache ansiedeln.

> Nach Hinweis eines Schülers auf eine ähnliche Textstelle im Deutschbuch
> war die Antwort der Lehrerin "Oh, stimmt, OK, dann war das wohl doch
> kein Ausdrucksfehler." Was mich zu der Annahme bringt, dass sie die
> standardsprachliche Verwendung von "krass" nicht kannte.

Ah ja.

Joachim

Joachim Pense

unread,
Dec 27, 2011, 11:58:20 AM12/27/11
to


On 26.12.2011 22:41, Bertel Lund Hansen wrote:
> Lothar Frings skrev:
>
>> Mich wundert zweierlei: Daß in einem Schulaufsatz
>> Umgangssprache kritisiert wird
>
> Mich nicht. Schüler müssen lernen, welche Ausdrücke zu einem
> bestimmten Sprachstil gehören, und sie sollen kritisiert werden,
> wenn sie Ausdrücke von verschiedenen Stilen mischen.
>
>> und daß junge Gymnsasiallehrerinnen solch eine Ausdruck
>> bemerkenswert finden, ältere Gymnasiallehrerinnen und
>> Gymnasiallehrer jeden Alters aber nicht.
>

Weil "krass" bis vor wenigen Jahren ein standardsprachliches Wort war,
ein Adjektiv stark verstärkend.

Eine zweite, rein umgangssprachliche ist aber mittlerweile sehr populär
geworden, und zwar durch die Gruppe "Mundstuhl", die ihre Figuren
"Dragan" (einen Kroaten) und "Alder" (einen Türken) einen angenommenen
oder wirklichen, jedenfalls aber parodistisch herausgearbeiteten
"Gastarbeiterdialekt" sprechen lässt. Dort kommt "krass" vor und
bedeutet so etwas wie "cool", "toll", "ungewöhnlich".

Joachim
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Joachim Pense

unread,
Dec 27, 2011, 12:47:04 PM12/27/11
to


On 27.12.2011 18:22, Stefan Ram wrote:
> Joachim Pense<sn...@pense-mainz.eu> writes:
>> Eine zweite, rein umgangssprachliche ist aber mittlerweile
>> sehr populär geworden, und zwar durch die Gruppe
>
> Anscheinend beziehst Du dich auf eine Verbreitung durch das
> Fernsehen.
>

Radio. 1997 haben sie angefangen.

> »krass« wurde aber, wenn man den Weg über das Fernsehen
> betrachten will, spätestens 2000 mit »Erkan& Stefan«
> populär, während die Fernsehsendung der von Dir erwähnten
> Gruppe ja erst 2007 begann.
>

Auf ihre alten Tage haben sie auch Fernsehen gemacht, ja.

Joachim

Jakob Achterndiek

unread,
Dec 27, 2011, 12:52:32 PM12/27/11
to
Am 27.12.2011, 16:24 Uhr, schrieb Christian Weisgerber
<na...@mips.inka.de>:
Das ist ja auch echt ärgerlich bei den Wörtern, daß man ihnen, wenn
sie nur so dahergesprochen oder -geschrieben sind, nicht ansieht,
aus welcher Bedeutungsebene sie genommen sind. Der Duden macht es
sich leicht: Der druckt seine Wörter rot oder schwarz oder unterlegt
sie gelb, je nach Reformebene. Wer also aus dem Duden lebt ... - Da
fällt mir spontan ein: Das sollte man bei Schulaufsätzen auch einführen:
Mit dem Markierstift in gelb (siehe oben 1.) oder grün (2.a) oder rot
(2.b) drüber, dann weiß die junge Gymnasiallehrerin immer gleich, wie
sie das verstehen soll.

j/\a
--
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Uwe Schickedanz

unread,
Dec 27, 2011, 2:15:48 PM12/27/11
to
On Tue, 27 Dec 2011 19:07:25 +0100, Rüdiger Silberer
<Use...@Silberer.net> wrote:

>Am 26.12.2011 schrieb Uwe Schickedanz:
>
>> On Mon, 26 Dec 2011 11:44:52 -0800 (PST), Lothar Frings
>> <Lothar...@gmx.de> wrote:
>>
>>>Florian Pampelmus tat kund:
>>>
>>>> passt vielleicht auch in die Unmutsguppe, aber ich will es mal hier
>>>> loswerden: In zwei Fällen habe ich es nun schon erlebt, dass Schüler im
>>>> Deutschaufsatz so etwas schreiben wie "krasses Gegenteil" und dann von
>>>> den (jungen) Gymnasial-Lehrerinnen einen Ausdrucksfehler wg.
>>>> "Umgangssprache" bekommen. Krass, oder?
>>>
>>>Mich wundert zweierlei: Daß in einem Schulaufsatz
>>>Umgangssprache kritisiert wird und daß junge
>>>Gymnsasiallehrerinnen solch eine Ausdruck
>>>bemerkenswert finden, ältere Gymnasiallehrerinnen
>>>und Gymnasiallehrer jeden Alters aber nicht.
>>
>> Die Antwort ist einfach: Bedeutungsverschiebung.
>
>Nein, die Antwort ist: mangelnde Ausdrucksfähigkeit und fehlende
>Kenntnisse.

IBTD: das krasse Gegenteil ist für mich unauffällig und auch nicht nur
der Umgangssprache zuzuordnen.
Die jungen Gymnasialllehrerinnen hattenwohl eher solche Redewendungen
wie" voll krass, Alda" im Hinterkopf, als sie diese Bewertung
vergaben.

Und der Bedeutungswandel des Wörtchens "krass" ist ja nun wohl
evident, denn kaum jemand verwendet es noch in seiner ursprünglichen
Bedeutung, sondern die jugendsprachliche Verwendung hat beinah alle
anderen verdrängt.

Christina Kunze

unread,
Dec 27, 2011, 4:25:23 PM12/27/11
to
Am 26.12.2011 22:41, schrieb Bertel Lund Hansen:
> Lothar Frings skrev:
>
>> Mich wundert zweierlei: Daß in einem Schulaufsatz
>> Umgangssprache kritisiert wird
>
> Mich nicht. Schüler müssen lernen, welche Ausdrücke zu einem
> bestimmten Sprachstil gehören, und sie sollen kritisiert werden,
> wenn sie Ausdrücke von verschiedenen Stilen mischen.
>
>> und daß junge Gymnsasiallehrerinnen solch eine Ausdruck
>> bemerkenswert finden, ältere Gymnasiallehrerinnen und
>> Gymnasiallehrer jeden Alters aber nicht.

Die jungen Gymnasiallehrerinnen hyperkorrigieren (korrigieren hyper?),
sie haben gelernt, dass der häufige Gebrauch von "krass" so ugs. ist wie
"geil", und wissen nicht, dass es auch einen standardsprachlichen
Gebrauch von "krass" gibt, u.a. in dieser Wendung.
Die älteren Gymnasiallehrerinnen wissen das vermutlich noch und
streichen daher den standardsprachlichen Gebrauch nicht als
Umgangssprache an.

chr

Manfred Hoß

unread,
Dec 27, 2011, 5:37:11 PM12/27/11
to
Am Tue, 27 Dec 2011 20:15:48 +0100 schrieb Uwe Schickedanz:

> Und der Bedeutungswandel des Wörtchens "krass" ist ja nun wohl
> evident, denn kaum jemand verwendet es noch in seiner ursprünglichen
> Bedeutung, sondern die jugendsprachliche Verwendung hat beinah alle
> anderen verdrängt.

Da es gerade um den Bedeutungswandel geht, hier mal ein paar Quellen:

"Kraß/krass" kommt in der 1. Hälfte des 19. Jahrhunderts in vielen
Wörterbüchern gar nicht vor, nur "graß/grass", so z. B. bei
- Adelung (1796) "fürchterlich, abscheulich, gräulich, schrecklich, und in
weiterer Bedeutung zur Bezeichnung eines jeden hohen und übertriebenen
Grades"
- Kaltschmidt (1834) "...; grob, stark, kraß" (Anmerkung: Es gibt kein
Lemma "kraß")
- Heinsius (1840) "... zuweilen auch f. grob, stark"

Hingegen wird "kraß/krass" aufgeführt von
- Weyh (1843) "dick, grob, stark : k. Unwissenheit; 2)grobsinnlich,
ungelaütert : k. Mensch, Vorstellung"
- Sanders (1859) "eig. dick, z. B.: Kaiser Karl genannt der K. ... nam.
aber burschik.: plump, roh, ohne den studentischen Komment : Den k-en
Fuchsen ... zu einem forschen Studio herzurichten. ... Du k-er Philister!
... ferner (vgl. grass) : handgreiflich, auch für grobe Sinne stark und
empfindlich hervortretend : Die k-esten Gegensätze. ... K-e Unwissenheit."

Offensichtlich bildete sich bis 1840 die orthographische Unterscheidung
zwischen "grass" und "krass" heraus.

In der 1. Auflage des Duden von 1880 kommt "kraß" bereits vor. Ab
spätestens der 3. Auflage von 1887 ist als Bedeutung "dick, plump"
angegeben. Der Eintrag findet sich bis zur 13. Auflage.

Nach dem Krieg trennen sich die Wege des Dudens. Im West-Duden ist die
Bedeutung von "kraß":
- 14. Auflage "dick, plump"
- 15. Auflage "ungewöhnlich; rücksichtslos"
- 16. - 19. Auflage "ungewöhnlich; scharf; grell"

Dem Ost-Duden zufolge steht "kraß" für
- 14. Auflage "plump, unbeholfen; weitgehend"
- 15. Auflage "weitgehend, unerhört, grob, plump"
- 16. - 18. Auflage "unerhört, grob, plump"

Seit dem Einheitsduden ist die Bedeutung von "kraß/krass":
- 20. - 24. Auflage "extrem; außergewöhnlich scharf; grell", ab der 23.
Auflage zusätzlich "/Jugendspr./ extrem gut, extrem schlecht"
(Anmerkung: ich besitze die 25. Auflage des Dudens nicht.)

Das oben erwähnte "graß" findet sich erstmals in der 5. Auflage des Duden
(1897), wobei die Bedeutung "wütend; schrecklich; gräßlich" erstmalig in
der 9. Auflage (1911) genannt wird. In der 12. und 13. Auflage wird es als
veraltet gekennzeichnet, ab der 14. Auflage wird es sowohl in Ost als auch
in West nicht mehr aufgeführt.

In Hermann Pauls "Deutschem Wörterbuch", 10., überarbeitete und erweiterte
Auflage von 2002 heißt es:

"*kraß* (1710) /graß/; FWb) <lat. /crassus/ >dick< (auch /crassa/
/ignorantia/ >grobe Unwissenheit<), über die Studentenspr. verbreitet:
/krasse Füchse/ 1781 (Kindleben, Studentenlieder 21), *1* >grob,
ungeschliffen<, heute meist *2* >extrem, weitgehend< /Gambetti fand diese/
/Feststellung meinerseits als zu k., übertrieben nannte er sie/ (TBernard,
Auslöschung 81); /er unterschied sich auch so k. von allen ../
/Leidensgenossen/ (HKant, Aula 251). Vgl. /graß -> gräßlich/."

Gruß
Manfred.
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Andreas Karrer

unread,
Dec 27, 2011, 6:52:19 PM12/27/11
to
* Manfred Hoß <rostk...@arcor.de>:
> Am Tue, 27 Dec 2011 20:15:48 +0100 schrieb Uwe Schickedanz:
>
>> Und der Bedeutungswandel des Wörtchens "krass" ist ja nun wohl
>> evident, denn kaum jemand verwendet es noch in seiner ursprünglichen
>> Bedeutung, sondern die jugendsprachliche Verwendung hat beinah alle
>> anderen verdrängt.
>
> Da es gerade um den Bedeutungswandel geht, hier mal ein paar Quellen:
>
> "Kraß/krass" kommt in der 1. Hälfte des 19. Jahrhunderts in vielen
> Wörterbüchern gar nicht vor, nur "graß/grass", so z. B. bei
> - Adelung (1796) "fürchterlich, abscheulich, gräulich, schrecklich, und in
> weiterer Bedeutung zur Bezeichnung eines jeden hohen und übertriebenen
> Grades"
> - Kaltschmidt (1834) "...; grob, stark, kraß" (Anmerkung: Es gibt kein
> Lemma "kraß")
> - Heinsius (1840) "... zuweilen auch f. grob, stark"
>
> Hingegen wird "kraß/krass" aufgeführt von
> - Weyh (1843) "dick, grob, stark : k. Unwissenheit; 2)grobsinnlich,
> ungelaütert : k. Mensch, Vorstellung"
> - Sanders (1859) "eig. dick, z. B.: Kaiser Karl genannt der K. ... nam.
> aber burschik.: plump, roh, ohne den studentischen Komment : Den k-en
> Fuchsen ... zu einem forschen Studio herzurichten. ... Du k-er Philister!
> ... ferner (vgl. grass) : handgreiflich, auch für grobe Sinne stark und
> empfindlich hervortretend : Die k-esten Gegensätze. ... K-e Unwissenheit."
>
> Offensichtlich bildete sich bis 1840 die orthographische Unterscheidung
> zwischen "grass" und "krass" heraus.

Bei den Grimms (Lieferung "kra" 1869) hiess es dann schon:

plump, grob, derb, dann arg, schrecklich, fürchterlich, nach lat.
crassus, doch vermengt mit grasz, gräszlich; ein in manchen kreisen
beliebtes superlativisches kraftwort, bes. studentisch (krasser
fuchs, kerl), seit ende 18. jh., wol eben aus der studentensprache:
du krasser philister!


Es fehlt mir noch die feststehende Verwendung in "krasser
Aussenseiter". Das war wohl ursprünglich Jargon bei Pferdewetten (ein
Gebiet, in dem ich mich krass nicht auskenne) und wurde dann auch in
anderen Sportarten oder ganz allgemein bei Wettbewerben verwendet.
Sicher schon viel früher als Dragan und Alder, aber vielleicht noch
nicht im 19. Jh.


Es dünkt mich doch irgendwie, dass dem nackten Wort "krass" rein
lautlich etwas innewohnt, das Studenten, Schüler und Deutschlernende
aus anderen Gegenden dazu verleitet, damit rumzuspielen und es für
alles mögliche und dann eben als verstärkendes Adjektiv für jeden Zweck
zu gebrauchen. Jedenfalls freuten wir uns als Gymnasiasten enorm, als
Crassus im Geschichtsuntericht drankam (dass "krass" von lat. crassus
kommt, wussten wir (math.-natw. Gymnasium ohne Latein) natürlich nicht).

- Andi

Manfred Hoß

unread,
Dec 27, 2011, 7:07:56 PM12/27/11
to
Am Tue, 27 Dec 2011 23:37:11 +0100 schrieb Manfred Hoß:

> "Kraß/krass" kommt in der 1. Hälfte des 19. Jahrhunderts in vielen
> Wörterbüchern gar nicht vor, nur "graß/grass", so z. B. bei

Ich muss mich korrigieren. Zu Beginn des 19. Jahrhunderts wurde
"kraß/krass" mit c geschrieben. So wird es in folgenden Wörterbüchern
aufgeführt:

- Campe (1813) "dick, plump, grob; ungeläutert, grobsinnlich"
- Kaltschmidt (1834) "dick, fett, stark, grob, roh, grobsinnlich"
- Petri (1834) "dick, fett; grob, grobsinnlich, roh"
- Weyh (1843) [bei dem sich darüber hinaus das Lemma "kraß" findet] "dick,
grob, roh, noch unwissend"

Gruß
Manfred.

Lothar Frings

unread,
Dec 27, 2011, 7:08:28 PM12/27/11
to
Christian Weisgerber tat kund:

> Vor lauter Leuten, die hier ihre sprachlichen Steckenpferdchen
> reiten, verliert man leicht den Überblick, um was es eigentlich
> geht.

Stimmt, es wurde hier auch schon vermutet, daß
es um das "krasse Gegenteil" geht und nicht um
"kraß".

Michael J

unread,
Dec 28, 2011, 5:20:35 AM12/28/11
to
Manfred Hoß <rostker...@arcor.de>:

> "*kraß* (1710) /graß/; FWb) <lat. /crassus/ >dick< (auch /crassa/
> /ignorantia/ >grobe Unwissenheit<) [...]

Siehe auch Praetor Crassus Vampus - Preisfrage: in welchem Asterix-
Band?

Ave!

Gunhild Simon

unread,
Dec 28, 2011, 6:42:01 AM12/28/11
to
On 28 Dez., 00:52, Andreas Karrer <ak...@gmx.ch> wrote:

...
>
> Es dünkt mich doch irgendwie, dass dem nackten Wort "krass" rein
> lautlich etwas innewohnt, das Studenten, Schüler und Deutschlernende
> aus anderen Gegenden dazu verleitet, damit rumzuspielen und es für
> alles mögliche und dann eben als verstärkendes Adjektiv für jeden Zweck
> zu gebrauchen. ...

Mir begegnet "Voll kraß!" ähnlich wie "Voll derbe!" eher unflektiert -
also, wenn ich es recht überlege immer als Prädikativ: "Ist ja (voll,
und/oder: derbe) kraß!"

Gruß
Gunhild

Andy Angerer

unread,
Dec 28, 2011, 8:01:13 AM12/28/11
to
Michael J <wrlb...@yahoo.de> wrote:

> Siehe auch Praetor Crassus Vampus - Preisfrage: in welchem Asterix-
> Band?

Schweizer?

--
Die andere Site
mit den anderen Links
www.angerer-bodenlos.de

Christian Weisgerber

unread,
Dec 28, 2011, 11:17:43 AM12/28/11
to
Stefan Ram <r...@zedat.fu-berlin.de> wrote:

> >Da es gerade um den Bedeutungswandel geht, hier mal ein paar Quellen:
>
> Es gibt ja im Englischen auch Ausdrücke, wie »Ew, gross!«.
>
> Könnte das »krass« der Jugendsprache vielleicht auch ein
> Anglizismus sein?

Erscheint mir nicht plausibel. Der englische Gebrauch von "gross"
bietet kein direktes Vorbild und die Lautung passt auch nicht.

(Englisch "crass", wie deutsch "krass" eine Entlehnung aus dem
Lateinischen, gibt es auch.)

> Vielleicht gibt es auch eine etymologische Verwandschaft?

Sieht nicht danach aus.

engl. "gross" < altfranz. "gros" < vulg. lat. "grossus"

"krass" < lat. "crassus"

Florian Ritter

unread,
Dec 28, 2011, 12:22:34 PM12/28/11
to
On 28 Dez., 00:52, Andreas Karrer <ak...@gmx.ch> wrote:

> Bei den Grimms (Lieferung "kra" 1869) hiess es dann schon:
>
>   plump, grob, derb, dann arg, schrecklich, fürchterlich, nach lat.
>   crassus, doch vermengt mit grasz, gräszlich; ein in manchen kreisen
>   beliebtes superlativisches kraftwort, bes. studentisch (krasser
>   fuchs, kerl), seit ende 18. jh., wol eben aus der studentensprache:
>   du krasser philister!

Als ich schlummernd lag heut nacht,
lockten süße Träume,
schimmernd in der Jugend Pracht,
mich in ferne Räume.
K r a s s e s Füchslein saß ich schlank
in der Kneipe wieder,
und in vollem Chore klang
laut das Lied der Lieder:
Gaudeamus igitur,
iuvenes dum sumus!

Joachim Pense

unread,
Dec 28, 2011, 12:30:03 PM12/28/11
to

On 28.12.2011 17:17, Christian Weisgerber wrote:
>
> (Englisch "crass", wie deutsch "krass" eine Entlehnung aus dem
> Lateinischen, gibt es auch.)

<http://de.wikipedia.org/wiki/Crass>

Joachim

Henning Weede

unread,
Dec 28, 2011, 2:34:08 PM12/28/11
to
Uwe Schickedanz wrote:

> Und der Bedeutungswandel des Wörtchens "krass" ist ja nun wohl
> evident, denn kaum jemand verwendet es noch in seiner ursprünglichen
> Bedeutung, sondern die jugendsprachliche Verwendung hat beinah alle
> anderen verdrängt.

Die vermeintliche neue Bedeutung unterschlägt eine Bewertung, und
wahrscheinlich haben noch nicht einmal restlos alle Jugendlichen
das Bedürfnis, sich so dezent und zurückhaltend auszudrücken,
dass sie verheimlichen, ob sie die "krasse" Beobachtung besonders
Scheiße, besonders witzig, besonders cool oder besonders doof finden.

Diese leere Worthülse wird sich nicht durchsetzen, vermute ich.

Henning

--
Stellenausschreibungen gehoeren auch nach de.markt.arbeit.biete.
Stellengesuche gehoeren auch nach de.markt.arbeit.suche.
Am besten mit einem eigenen E-Mail-Account nur dafuer wegen UBE.
http://home.snafu.de/hweede/dma.htm

Detlef Bosau

unread,
Dec 29, 2011, 6:29:25 AM12/29/11
to
On 12/26/2011 06:59 PM, Stefan Ram wrote:
> Florian Pampelmus<florian....@web.de> writes:
>> passt vielleicht auch in die Unmutsguppe, aber ich will es mal hier
>> loswerden: In zwei Fällen habe ich es nun schon erlebt, dass Schüler im
>> Deutschaufsatz so etwas schreiben wie "krasses Gegenteil" und dann von
>> den (jungen) Gymnasial-Lehrerinnen einen Ausdrucksfehler wg.
>> "Umgangssprache" bekommen. Krass, oder?
>
> »Krass« bedeutet angeblich »in seiner Art besonders extrem«.
> Was soll ein »in seiner Art besonders extremes Gegenteil« nun
> sein? Besonders gegenteilig?
>
> Beispiele für mögliche Anwendungen: »das krasse Mißverhältnis«,
> »eine krasse Mißdeutung«, »der krasse Egoismus«.
>
> Die Lehrer sollte man weniger nach ihrer ersten Äußerung beurteilen,
> sondern danach, wie sie dann auf Nachfragen oder Kritik daran
> reagieren, danach, ob sie dann in der Lage sind, ihre Einschätzung
> nachvollziehbar zu begründen.
>


Wie lange wollen wir eigentlich noch Gesocks und fehlpositionierte Hartz
IV mitschleppen?

"Das krasse Gegeteneil" gehört als Wendung seit Ewigkeiten zur deutschen
Sprache, und wenn da zwei verunfallte Hartz IV Damen kein Deutsch
können, sollte man diese fehlplazierten Hartz IV vielleicht ihrer
eigentlichen Bestimmung zuführen.

Nordkorea sucht Arbeitsmigrantinnen. Angesichts des noch recht jungen
Herrschers sind gewisse Dienstleistungen sicher gefragt.

Sorry, wenn ich Deine Geduld nicht teile. Es mag an meinem Alter und
meiner Lebenserfahrung liegen. Aber ich kenne auch keine Geduld und
Zuwendung. Ich kenne nur Rübe runter und gesellschaftlichen Druck beim
ersten falschen Niesen.

Also: Raus mit diesen "Gymnasiallehreinen", die können sich in Pjönjang
als, wie hieß es mal so schön in einem Film, "Soziolotrice" bewerben.

Es gibt auf dem Arbeitsmarkt sicher ein bis zwei Mio. geeignete Leute,
die den Job können.

Lars Bräsicke

unread,
Jan 1, 2012, 6:53:09 PM1/1/12
to
Am 27.12.2011 20:15, schrieb Uwe Schickedanz:

> Und der Bedeutungswandel des Wörtchens "krass" ist ja nun wohl
> evident, denn kaum jemand verwendet es noch in seiner ursprünglichen
> Bedeutung, sondern die jugendsprachliche Verwendung hat beinah alle
> anderen verdrängt.

Diese Aussage finde ich jetzt doch etwas krass.

Lars Bräsicke

unread,
Jan 1, 2012, 7:11:14 PM1/1/12
to
Am 27.12.2011 16:53, schrieb Lothar Frings:
> Roland Franzius tat kund:
>
>> "Krasses Gegenteil" ist keine Wendung, die irgendeiner Bedeutung fähig
>> wäre.
>
> Doch, sie bedeutet "extremer Unterschied",
> so wie auch "Bullurup" "extremer Unterschied"
> bedeuten wird, sobald sich dieses Wort dafür
> durchgesetzt hat.

Nichts kann sich voneinander mehr unterscheiden als Gegenteile.
Ein "Gegenteil" ist allein bereits die äußerste Form des Unterschieds.
Ein Gegenteil kann nicht mehr oder minder krass sein.
Das Wort "krass" ist hier also überflüssig und wohl eine Kontamination
durch "krasser Unterschied" u.ä.

Lothar Frings

unread,
Jan 2, 2012, 2:52:19 AM1/2/12
to
Lars Bräsicke tat kund:

> Am 27.12.2011 16:53, schrieb Lothar Frings:
>
> > Roland Franzius tat kund:
>
> >> "Krasses Gegenteil" ist keine Wendung, die irgendeiner Bedeutung fähig
> >> wäre.
>
> > Doch, sie bedeutet "extremer Unterschied",
> > so wie auch "Bullurup" "extremer Unterschied"
> > bedeuten wird, sobald sich dieses Wort dafür
> > durchgesetzt hat.
>
> Nichts kann sich voneinander mehr unterscheiden als Gegenteile.
> Ein "Gegenteil" ist allein bereits die äußerste Form des Unterschieds.
> Ein Gegenteil kann nicht mehr oder minder krass sein.

Jaja. Gähn.

Oliver Cromm

unread,
Jan 4, 2012, 8:16:46 AM1/4/12
to
* Lars Bräsicke:

> Nichts kann sich voneinander mehr unterscheiden als Gegenteile.
> Ein "Gegenteil" ist allein bereits die äußerste Form des Unterschieds.
> Ein Gegenteil kann nicht mehr oder minder krass sein.

Da behaupte ich doch einfach mal das Gegenteil.

Was habe ich nun behauptet? Nur, daß es nicht so ist oder doch,
daß es genau umgekehrt sei?

Manche Ausdrücke haben sogar noch mehr als zwei "Gegenteile"
(Negation, Umkehrung, Spiegelung, Pendant).

--
The Internet? Is that thing still around? - Homer Simpson

Oliver Cromm

unread,
Jan 4, 2012, 6:18:19 PM1/4/12
to
* Stefan Ram:

> Florian Pampelmus <florian....@web.de> writes:
>>den (jungen) Gymnasial-Lehrerinnen einen Ausdrucksfehler wg.
>>"Umgangssprache" bekommen. Krass, oder?
>
> Außerdem ist es natürlich so:
>
> Umgangssprache ist kein Ausdrucksfehler.

In einem Text, der in gehobener Schriftsprache verfaßt sein soll,
kann es das schon sein.

> Umgangssprache ist »Sprache, die im täglichen Umgang mit
> anderen Menschen verwendet wird«.
>
> In Umgangssprache sagt man beispielsweise »Guten Tag!«
>
> Ist »Guten Tag!« deswegen nun ein Ausdrucksfehler?

"Guten Tag!" sagt man auch in der gehobenen Standardsprache,
dieser Ausdruck ist also nicht "umgangssprachlich" im Sinne von
"als umgangssprachlich markiert/erkennbar".

> Gemeint war wohl eher »nicht standardsprachlich«. Aber
> die Standardsprache ist nicht das krasse Gegenteil der
> Umgangssprache, sondern stimmt zu einem großen Teil
> mit ihr überein (Schnittmenge).

Wenn ich von einem Menschen sage, er sei "intelligent", dann meine
ich damit nicht, daß er irgendeinen Grad von Intelligenz besäße,
z.B. einen minderen, sondern einen auffallend hohen, und sich
dadurch von anderen Menschen abhebt.

Bei Wörtern, die in einem Wörterbuch einen Zusatz wie "(ugs.)"
tragen, ist das m.E. so ähnlich gemeint wie "intelligent" in
meinem Beispiel.

--
Microsoft designed a user-friendly car:
instead of the oil, alternator, gas and engine
warning lights it has just one: "General Car Fault"

Oliver Cromm

unread,
Jan 4, 2012, 6:18:20 PM1/4/12
to
* Joachim Pense:

> In "krasses Gegenteil" sehe ich allerdings dennoch einen
> Stilfehler, da mir "krass" (außer in begründeten
> Ausnahmefällen) inhaltlich nicht zu "Gegenteil" passen mag.

Mag sein, es ist aber nicht gerade ein krasser Stilfehler.

--
There are two ways of constructing a software design. One way is
to make it so simple that there are obviously no deficiencies.
And the other way is to make it so complicated that there are no
obvious deficiencies. The first method is far more difficult.
-- C. A. R. Hoare
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