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Anstößige Frage

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Joachim Pense

unread,
Dec 4, 1999, 3:00:00 AM12/4/99
to
Hallo!
Anfang der siebziger Jahre konnte ich für die bekannte vulgäre Bezeichnung
für das weibliche Geschlechtsteil nur die Schreibweise "Votze" lesen. Heute
sehe ich nur noch "Fotze", auch im Duden. Ich erinnere mich dunkel an einen
Artikel in "Konkret Sexualität" aus den Achtzigern, wo über
Aufklärungsunterricht in einer Berufsschulklasse berichtet wird. Die
Lehrerin schreibt "Fotze" an die Tafel, ein Schüler korrigiert sie, es würde
mit V geschrieben, sie antwortet: "Ich schreib das nicht so oft...".

Kann mir jemand was zur Historie dieser Schreibweisen sagen?

Gruß: Joachim

Hoffentlich bin ich auf kein FAQ gestoßen...

tobias koehler

unread,
Dec 4, 1999, 3:00:00 AM12/4/99
to
Joachim Pense schrieb:

> Kann mir jemand was zur Historie dieser Schreibweisen sagen?

nein, ich kann nur vermuten, dass derlei Vulgarismen eher in der
gesprochenen Sprache zuhause sind und selten genug Eingang in die
Literatur finden, dass sich beide Schreibweisen behaupten konnten.

Patrick Borer

unread,
Dec 4, 1999, 3:00:00 AM12/4/99
to
On Sat, 4 Dec 1999 21:25:48 +0100, "Joachim Pense"
<Joachi...@main-rheiner.de> wrote:

>Anfang der siebziger Jahre konnte ich für die bekannte vulgäre Bezeichnung
>für das weibliche Geschlechtsteil nur die Schreibweise "Votze" lesen. Heute
>sehe ich nur noch "Fotze", auch im Duden.

(...)


>Kann mir jemand was zur Historie dieser Schreibweisen sagen?

Nun, auch mein etwas aelterer Wahrig kennt nur 'Fotze' und erklaert:
[zu Futteral].

Patrick Borer


Volker Hartmann

unread,
Dec 5, 1999, 3:00:00 AM12/5/99
to Patrick Borer
Patrick Borer schrieb:


Interessant. Mein Duden leitet das Wort vom mittelhochdt. vut ab (dort
wohl schon in gleicher Bedeutung), daher auch die Form "Fut". Ich
vermute, dass die V-Schreibweise sozusagen mehr der historischen
Tradition folgt, während die stärker ausspracheorientierte
F-Schreibweise sich in jüngerer Zeit durchgesetzt hat, zumal man das
Wort aus nahe liegenden Gründen selten schwarz auf weiß lesen kann. (V
ist uneindeutig, es könnte auch wie W ausgesprochen werden.)
Es gibt laut Duden auch eine bayrisch-österr. Bedeutung für Fotze, von
der ich - aus dem Rheinland stammend - noch nie gehört habe, nämlich a)
Mund b) Ohrfeige. "Fotzen" heißt dementsprechend "ohrfeigen", ein
"Fotzhobel" ist (honi soit qui mal y pense :-)) eine Mundharmonika!!

Volker Hartmann

Alexander Dinhobl

unread,
Dec 5, 1999, 3:00:00 AM12/5/99
to
> Es gibt laut Duden auch eine bayrisch-österr. Bedeutung für Fotze, von
> der ich - aus dem Rheinland stammend - noch nie gehört habe, nämlich a)
> Mund b) Ohrfeige. "Fotzen" heißt dementsprechend "ohrfeigen", ein
> "Fotzhobel" ist (honi soit qui mal y pense :-)) eine Mundharmonika!!


Richtig:
ZB im ländlichen NÖstr. Raum:
Fotz (in jeder Verwendung mit langem "o"): Gesicht, Grimasse, Antlitz
(negativ)
etwa "er hot sein Fotz einag'hoid'n": er hat sein dummes Gesicht
hereingehalten (di: der Typ/Trottel/etc. kam dann auch noch, war auch
dabei, etc.)

"an Fotz machen": langes Gesicht machen, übel gelaunt sein.
Fotzn: Ohrfeige
fotzn, verb: ohrfeigen

Fotzhobel/-howe: ugs., etwas derb: Mundharmonika

Wobei in allen Regionen, wo man das hört, die Bedeutung Vagina, weibl.
Geschlechtsteil, nie mit "Fotz/e" benannt wird. Der Unterschied ist va.
hörbar: langes "o" (s.o.) versus kurzes "o".

Alex Dinhobl

Helmut Richter

unread,
Dec 5, 1999, 3:00:00 AM12/5/99
to
Volker Hartmann <Volker_...@t-online.de> writes:

>Interessant. Mein Duden leitet das Wort vom mittelhochdt. vut ab (dort
>wohl schon in gleicher Bedeutung), daher auch die Form "Fut". Ich
>vermute, dass die V-Schreibweise sozusagen mehr der historischen
>Tradition folgt, während die stärker ausspracheorientierte
>F-Schreibweise sich in jüngerer Zeit durchgesetzt hat, zumal man das
>Wort aus nahe liegenden Gründen selten schwarz auf weiß lesen kann. (V
>ist uneindeutig, es könnte auch wie W ausgesprochen werden.)

Dass etwas MHD mit v geschrieben wurde, bedeutet sehr wenig für die
heutige Schreibung. Die MHD Schreibung war wohl auch nicht immer
konsequent, so dass Wörterbücher (ich habe hier nur ein Wörterverzeichnis
zu einem Buch hier) auf den Unterschied ganz verzichten und schlicht
"f... siehe v..." enthalten. Beispiele: vlîz ("Fleiß", Eifer, Sorgfalt),
vriunt (Freund), vrum ("fromm", tüchtig, tapfer), varwe (Farbe).

Helmut Richter

irmgard neubauer

unread,
Dec 5, 1999, 3:00:00 AM12/5/99
to

Alexander Dinhobl <alexande...@aon.at> schrieb in im Newsbeitrag:
3849adce$0$21...@SSP1NO17.highway.telekom.at...

hallo!


> > Es gibt laut Duden auch eine bayrisch-österr. Bedeutung für Fotze, von
> > der ich - aus dem Rheinland stammend - noch nie gehört habe, nämlich a)
> > Mund b) Ohrfeige.

ich kenne es auch mit der bedeutung "ohrfeige". meine eltern sind aus
oberösterreich, dort wird das wort auch so verwendet - als kind hab ich das
öfters gehört: " sei ned so frech, sonst fangst a paar fotzen!"
grüsse irmgard


Patrick Borer

unread,
Dec 5, 1999, 3:00:00 AM12/5/99
to
On Sun, 05 Dec 1999 00:14:29 +0100, Volker Hartmann
<Volker_...@t-online.de> wrote:

>Patrick Borer schrieb:
>>
>> On Sat, 4 Dec 1999 21:25:48 +0100, "Joachim Pense"
>> <Joachi...@main-rheiner.de> wrote:
>>
>> >Anfang der siebziger Jahre konnte ich für die bekannte vulgäre Bezeichnung
>> >für das weibliche Geschlechtsteil nur die Schreibweise "Votze" lesen. Heute
>> >sehe ich nur noch "Fotze", auch im Duden.
>> (...)
>> >Kann mir jemand was zur Historie dieser Schreibweisen sagen?
>>
>> Nun, auch mein etwas aelterer Wahrig kennt nur 'Fotze' und erklaert:
>> [zu Futteral].
>
>

>Interessant. Mein Duden leitet das Wort vom mittelhochdt. vut ab (dort
>wohl schon in gleicher Bedeutung), daher auch die Form "Fut". Ich
>vermute, dass die V-Schreibweise sozusagen mehr der historischen
>Tradition folgt, während die stärker ausspracheorientierte
>F-Schreibweise sich in jüngerer Zeit durchgesetzt hat

(...)
Das mittelhochdeutsche 'vut' muss ja auch von irgendwo kommen, und ich
nehme mal an, dass der Wahrig da mit seinem 'Futteral' keinen Unsinn
erzaehlt. Dass man heute viele damals eher mit v geschriebene Woerter
mit f schreibt, hat ja jemand schon erwaehnt.

Patrick Borer


Klaus Didrich

unread,
Dec 5, 1999, 3:00:00 AM12/5/99
to
"Alexander Dinhobl" <alexande...@aon.at> writes:

> > Es gibt laut Duden auch eine bayrisch-österr. Bedeutung für Fotze, von
> > der ich - aus dem Rheinland stammend - noch nie gehört habe, nämlich a)

> > Mund b) Ohrfeige. "Fotzen" heißt dementsprechend "ohrfeigen", ein
> > "Fotzhobel" ist (honi soit qui mal y pense :-)) eine Mundharmonika!!

An die Bedeutung "Ohrfeige" kann ich mich auch noch aus meiner
Grundschulzeit erinnern (das war in Oberbayern).

> Wobei in allen Regionen, wo man das hört, die Bedeutung Vagina, weibl.
> Geschlechtsteil, nie mit "Fotz/e" benannt wird. Der Unterschied ist va.
> hörbar: langes "o" (s.o.) versus kurzes "o".

Zum ersten kann ich nichts sagen, aber "Fotze" hatte an unserer Grundschule
ein kurzes "o". Meine Eltern wunderten sich jedenfalls heftig :-)

MfG
Klaus

--
Klaus Didrich _/\/\__/\/\________/\/\_
k...@cs.tu-berlin.de _/\/\/\/\______/\/\/\/\_
http://uebb.cs.tu-berlin.de/~kd _/\/\/\/\____/\/\__/\/\_
_______________________________________________/\/\__/\/\____/\/\/\/\_

Martin Braun

unread,
Dec 6, 1999, 3:00:00 AM12/6/99
to
Helmut Richter <Helmut....@lrz-muenchen.de> schrieb in Newsbeitrag:
82ddue$186$1...@sparcserver.lrz-muenchen.de...

[...]


> Dass etwas MHD mit v geschrieben wurde, bedeutet sehr wenig für die
> heutige Schreibung. Die MHD Schreibung war wohl auch nicht immer
> konsequent, so dass Wörterbücher (ich habe hier nur ein
> Wörterverzeichnis
> zu einem Buch hier) auf den Unterschied ganz verzichten und schlicht
> "f... siehe v..." enthalten. Beispiele: vlîz ("Fleiß", Eifer, Sorgfalt),
> vriunt (Freund), vrum ("fromm", tüchtig, tapfer), varwe (Farbe).

Dass man in der heutigen dt. Orthografie aber /f/ nicht nur mit <f>
sondern auch (und das nicht gerade selten) mit <v> schreibt, ist v.a. und
am leichtesten aus der mhd. Schreibweise zu erklären. (Vgl. etwa die
Schreibung von nhd. /i:/ als <ie>.) Tatsache ist, dass die meisten Fällen
im Mhd. [f]~[v] mit <v> geschrieben wurde, daneben aber (wenngleich viel
seltener) auch Formen mit <f> vorkommen. Auffällig ist nun, dass v.a.
Präfixe und einsilbige Wörter heute noch mit <v> geschrieben werden (z.B.
<ver->, <vier>, <von>), während sich bei den meisten anderen das <f>
durchgesetzt hat (wichtige Ausnahmen: <Vater>, <Vogel>). Dabei kommt es
auch zu widersprüchlichen Schreibweisen wie <voll> aber <füllen>.
Eisenberg stellt fest, dass Formen mit <v> "im Kernwortschatz als
markierte Schreibungen" [1] auftreten. Zu welchem Zweck aber eine (nicht
einmal homogene) Gruppe von Wörtern "markiert" werden sollte, bleibt ein
Rätsel.

Meine Meinung über das <v> und das <ie> in der heutigen dt. Orthografie
dürfte wohl bekannt sein.

File Grüße,
Martin

[1] Peter Eisenberg: Grundriss der dt. Grammatik. Bd. 1: Das Wort.
Stuttgart, Weimar: Verlag J.B. Metzler 1998. S. 291

Johannes Floersch

unread,
Dec 6, 1999, 3:00:00 AM12/6/99
to
Tag.

> Volker Hartmann <Volker_...@t-online.de> wrote:

(snip)


> Es gibt laut Duden auch eine bayrisch-österr. Bedeutung für Fotze, von
> der ich - aus dem Rheinland stammend - noch nie gehört habe, nämlich a)
> Mund b) Ohrfeige. "Fotzen" heißt dementsprechend "ohrfeigen"

(snip)
> Volker Hartmann
Stimmt. Der Vater der Kinder meiner Freundin droht ihnen staendig
selbiges an.

;-))

der jofl

--
johannes fl oe rsch
94036 passau (Niederbayern)
------------
(08 51)8 33 40

Ma Moody

unread,
Dec 7, 1999, 3:00:00 AM12/7/99
to
ist doch und bleibt alles dasselbe ob V oder F
~Ay~


Johannes Floersch

unread,
Dec 7, 1999, 3:00:00 AM12/7/99
to
Tag.

>Klaus Didrich <k...@cs.tu-berlin.de> wrote:


>
> An die Bedeutung "Ohrfeige" kann ich mich auch noch aus meiner
> Grundschulzeit erinnern (das war in Oberbayern).

Wo wir schon einmal dabei sind: Was hat die Feige am Ohr zu suchen?
Genauer: Wie kommt es zu diesem Begriff? Maulschelle scheint mir noch
nachvollziehbar: Das hat manches Mal ganz schoen geklingelt, wenn mir
Papa [war halt damals so in den Fuenfzigern ;-((] eine aufs Dach gab.

Also: Ohrfeige - woher?

fragt

der jofl

--

-- johannes fl oe rsch
94036 passau

Wolfram Steinacker

unread,
Dec 7, 1999, 3:00:00 AM12/7/99
to
Johannes Floersch schrieb:

> Was hat die Feige am Ohr zu suchen?
> Genauer: Wie kommt es zu diesem Begriff? Maulschelle scheint mir noch

> nachvollziehbar: Das hat manches Mal ganz schoen geklingelt, ...
>
> Also: Ohrfeige - woher?

Genauer also: 'Feige' - woher?

Auffällig immerhin ist das synonyme Obstaufkommen: Backfeige, Kopfnuß,
Knallschote, nddt.: muilbeer (Maulbirne).
Und der Literatur folgend wäre es dann wohl als 'synomyme Entlehnung'
aus Letzterem zu verstehen. (Duden, Herkunftswb.)

Herzliche Grüße

Wolfram


Wolfgang Palka

unread,
Dec 7, 1999, 3:00:00 AM12/7/99
to
Johannes Floersch <johannes...@passau.netsurf.de> wrote:

> Maulschelle scheint mir noch


> nachvollziehbar: Das hat manches Mal ganz schoen geklingelt, wenn mir
> Papa [war halt damals so in den Fuenfzigern ;-((] eine aufs Dach gab.

Also was denn jetzt: aufs Dach, aufs Maul oder aufs Ohr?
(Maulschelle kann ich nicht nachvollziehen; ich sag Watschen.)

Alexander Dinhobl

unread,
Dec 7, 1999, 3:00:00 AM12/7/99
to
> Stimmt. Der Vater der Kinder meiner Freundin droht ihnen staendig
> selbiges an.
>
> ;-))
>
Bist das Du oder ein anderer? ;-)

Alex

Ralf Heinrich Arning

unread,
Dec 7, 1999, 3:00:00 AM12/7/99
to

Auf die Früchte weißt Pfeifer auch hin (Etymologisches Wörterbuch des
Deutschen), führt aber zuvor noch mnd "orvige", nl. "oorvijg" und
"oorveeg" an, die sich an nl. "vegen" (fegen, kehren, wischen)
anlehnen. Grundwort sei aber Feige.

Ich vermute, daß der Zusammenhang zwischen dem süßen Obst und dem
Schlag zur Strafe absichtlich hergestellt wurde. Die Ohrfeige ist ja
auch eine Belohnung. Soviel Sarkasmus darf man der Sprachgeschichte
schon zutrauen.

Ralf
--
So scheint ein Nashorn, das stumme Tier, zu sagen:
ich bin ein Nashorn.
Theodor W. Adorno

Wolfgang Mederle

unread,
Dec 7, 1999, 3:00:00 AM12/7/99
to
Es schrieb Johannes Floersch <johannes...@passau.netsurf.de>:

> Wo wir schon einmal dabei sind: Was hat die Feige am Ohr zu suchen?


> Genauer: Wie kommt es zu diesem Begriff?

Der Etymologie-Duden sagt dazu folgendes:

Die "-feige" kommt tatsächlich von der Frucht, und ohne genau zu sagen,
daß der Begriff daher kommt, verweist er auf auf das Wort "Dachtel"
(deutsch mundartlich), das auch "Ohrfeige" bedeutet und seinen
Ursprung in der "Dattel" hat.

Jetzt die Dattel: Die Frucht heißt (hieß?) im Griechischen "daktylos",
was gleichlautend mit gr. für "Finger" ist, weil die
Dattelpalmenblätter Ähnlichkeit mit einer gespreizten Hand bzw. die
Frucht selbst mit einem Finger habe.

Uff... irgendwie schon weit hergeholt.

--
Wolfgang Mederle
wolfgang...@stud.uni-muenchen.de
http://www.mederle.de/
ICQ# 1435333

Reinhard Zwirner

unread,
Dec 8, 1999, 3:00:00 AM12/8/99
to
Wolfram Steinacker wrote:
>
> Johannes Floersch schrieb:
>
> > Was hat die Feige am Ohr zu suchen?
> > Genauer: Wie kommt es zu diesem Begriff? Maulschelle scheint mir noch
> > nachvollziehbar: Das hat manches Mal ganz schoen geklingelt, ...
> >
> > Also: Ohrfeige - woher?
>
> Genauer also: 'Feige' - woher?
>
> Auffällig immerhin ist das synonyme Obstaufkommen: Backfeige,...
^^^^^^^^^

Hallo Wolfram,

ich kenne nur das Wort "Backpfeife"....(autsch!).

HTH,

Reinhard

Johannes Floersch

unread,
Dec 8, 1999, 3:00:00 AM12/8/99
to
Tag.

Alexander Dinhobl <alexande...@aon.at> wrote:

In dem Fall stimmt der lose Spruch nicht, der da heisst: Gruess Deine
Frau und meine Kinder. Alles klar?

*Smile* der jofl

Johannes Floersch

unread,
Dec 8, 1999, 3:00:00 AM12/8/99
to
Tag.

> Wolfram Steinacker <Wolfram.S...@t-online.de> wrote:

> Johannes Floersch schrieb:
>
> > Was hat die Feige am Ohr zu suchen?
> > Genauer: Wie kommt es zu diesem Begriff? Maulschelle scheint mir noch
> > nachvollziehbar: Das hat manches Mal ganz schoen geklingelt, ...
> >
> > Also: Ohrfeige - woher?
>
> Genauer also: 'Feige' - woher?
>
> Auffällig immerhin ist das synonyme Obstaufkommen: Backfeige,

^^^^^
Wolfram, ich kenne, aus lustvoller Erfahrung, und damit sei genug von
meinem Vater erzaehlt, nur die Backpfeife. Meinteste diese?

Peter

unread,
Dec 8, 1999, 3:00:00 AM12/8/99
to wolfgang...@stud.uni-muenchen.de
Ein interessantes Wort, und ein sehr typisches deutsches Wort, das sich
nicht auf englisch uebersetzen laesst. Jedenfalls mir ist es noch nie
gelungen.

Hierzulande in den USA schlaegt man auch seine Kinder nie auf die Ohren
was ja lebenslange schlimme Erfolge haben kann. Vielleicht ist das auch
der Grund warum es kein englisches Wort dafuer gibt!

Peter

unread,
Dec 8, 1999, 3:00:00 AM12/8/99
to wolfgang...@stud.uni-muenchen.de

Johannes Floersch

unread,
Dec 8, 1999, 3:00:00 AM12/8/99
to
Tag und Danke, weil

Wolfgang Mederle <wolfgang...@stud.uni-muenchen.de> wrote:

> Es schrieb Johannes Floersch <johannes...@passau.netsurf.de>:
>

> > Wo wir schon einmal dabei sind: Was hat die Feige am Ohr zu suchen?


> > Genauer: Wie kommt es zu diesem Begriff?
>

> Der Etymologie-Duden sagt dazu folgendes:
>
> Die "-feige" kommt tatsächlich von der Frucht, und ohne genau zu sagen,
> daß der Begriff daher kommt, verweist er auf auf das Wort "Dachtel"
> (deutsch mundartlich), das auch "Ohrfeige" bedeutet und seinen
> Ursprung in der "Dattel" hat.
>
> Jetzt die Dattel: Die Frucht heißt (hieß?) im Griechischen "daktylos",
> was gleichlautend mit gr. für "Finger" ist, weil die
> Dattelpalmenblätter Ähnlichkeit mit einer gespreizten Hand bzw. die
> Frucht selbst mit einem Finger habe.
>
> Uff... irgendwie schon weit hergeholt.

Olaf Deppe

unread,
Dec 8, 1999, 3:00:00 AM12/8/99
to
Peter (p_ul...@ix.netcom.com) wrote:
> Ein interessantes Wort, und ein sehr typisches deutsches Wort, das sich
> nicht auf englisch uebersetzen laesst. Jedenfalls mir ist es noch nie
> gelungen.

Der englische Ausdruck fuer einen Schlag mit der flachen Hand ins
Gesicht lautet "a slap in the face". Ist durchaus gelaeufig. Man
kann auch einfach nur "slap" sagen, und es ist klar was gemeint ist
("My father slapped me").

> Hierzulande in den USA schlaegt man auch seine Kinder nie auf die Ohren
> was ja lebenslange schlimme Erfolge haben kann. Vielleicht ist das auch
> der Grund warum es kein englisches Wort dafuer gibt!

Bei einer Ohrfeige haut man auch nicht auf die Ohren, sondern auf die
Wange. Wo ich aufgewachsen bin, sagt man umgangssprachlich "Backe"
statt "Wange" und sagt eher "Backpfeife" oder "'n Backs", waehrend
"Ohrfeige" als gehoben oder schriftsprachlich empfunden wird. Aber
auch die bairische "Watschn" hat nur lautmalerischen Bezug zu den Ohren.

Olaf

Wolfram Steinacker

unread,
Dec 8, 1999, 3:00:00 AM12/8/99
to
Reinhard Zwirner kennt statt:

> Backfeige,...


>
> nur das Wort "Backpfeife"....(autsch!).
>
> HTH,

wieso? wozu?

'Pfeife' ist schlichte sekundäre Bildung anhand des sausend
heranpfeifenden Begleitgeräusches.

Grüße

Wolfram

Wolfram Steinacker

unread,
Dec 8, 1999, 3:00:00 AM12/8/99
to
Johannes Floersch schrieb:
>
> Tag und Danke,

schließ mich an

> > Die "-feige" kommt tatsächlich von der Frucht, und ohne genau zu
> > sagen, daß der Begriff daher kommt, verweist er auf auf das Wort
> > "Dachtel" (deutsch mundartlich), das auch "Ohrfeige" bedeutet und
> > seinen Ursprung in der "Dattel" hat.
> >
> > Jetzt die Dattel: Die Frucht heißt (hieß?) im Griechischen
> > "daktylos", was gleichlautend mit gr. für "Finger" ist, weil die
> > Dattelpalmenblätter Ähnlichkeit mit einer gespreizten Hand bzw. die
> > Frucht selbst mit einem Finger habe.
> >
> > Uff... irgendwie schon weit hergeholt.

Weil die Genese eben kompliziert ist. Aber die Spur scheint zu stimmen.
Dem Begriff 'Dattel' liegt auch das semitische 'daqal' zugrunde.

weiter dazu Storfer:

"Mit Dattel = fingerförmige Frucht hängt auch der Ausdruck *Dachtel* für
Ohrfeige zusammen. Dachtel ist die mhd. Form für Dattel. [Daneben gibt
es für Dachtel (nddt. dechting) = Ohrfeige auch noch drei andere,
offenbar falsche Ableitungen: eine von *denken* (Denkzettel!), eine
andere von *Dach* (einem eins aufs Dach geben) und eine dritte von mhd.
dehsen = schlagen. Mit deutsch Dattel-Dachtel = ist zu vergleichen
rumänisch palma (vom Pflanzennamen Palme), das nicht nur Handfläche
bedeutet, sondern auch Ohrfeige.] Im übrigen wird nicht nur die Dattel,
sondern auch das Fünffingerkraut zur scherzhaften Umschreibung der
Ohrfeige herangezogen. Es gibt mehrere volkstümliche Redensarten wie:
Ich will dich mit dem Fünffingerkraut salben oder dir Fünffingerkraut
auf die Hand reiben. Ein Sprichwort lautet: Fünffingerkraut speist den
Leib (d.h. Schläge sind heilsam.) Hierher gehört auch der Wortscherz: 5
in die 10 (Zähne) dividieren. Der Franzose "steckt einem eine
fünfblättrige Levkoje" (ficher und girofleé à cinq feuilles). Bei diesen
Metaphern wird auch an die Spur gedacht, die die Ohrfeige im Gesicht
hinterläßt."

(Wörter und ihre Schicksale)

Der selten zitierte Storfer bietet hier gerade auch durch
fremdsprachliche Analogien die für mich bestechendste Erläuterung.

Röhrich (L.d.dt.RA) bestreitet jedoch den Bezug zur Feigenfrucht:
"Früher hieß das Wort Ohrfeg, Ohrfeeg und kam von 'Veeg': Streich, Hieb,
das in dem Wort 'Fegfeuer', 'fegen' noch nachklingt."

MUSEN weniger ein Gegensatz denn eine Ergänzung im Sinne 'heilsamer
Hiebe'.

Herzliche Grüße

Wolfram


Joachim Pense

unread,
Dec 8, 1999, 3:00:00 AM12/8/99
to

Peter schrieb in Nachricht <384E14...@ix.netcom.com>...

>
>Hierzulande in den USA schlaegt man auch seine Kinder nie auf die Ohren
>was ja lebenslange schlimme Erfolge haben kann. Vielleicht ist das auch
>der Grund warum es kein englisches Wort dafuer gibt!
AFAIK war der große Erfinder Thomas A. Edison Opfer einer solchen Aktion und
daher sein Leben lang schwerhörig. (War glaube ich in einem großen Staat in
Nordamerika, Mexico oder Kanada war's nicht)...
Joachim

Thomas Bliesener

unread,
Dec 8, 1999, 3:00:00 AM12/8/99
to
Joachim Pense <Joachi...@main-rheiner.de> wrote:

> Nordamerika, Mexico oder Kanada war's nicht)...

^^^^^^
*Anglizismus detected*

Oder?

bli

Peter

unread,
Dec 8, 1999, 3:00:00 AM12/8/99
to olaf....@desy.de
Olaf Deppe wrote:
>
> Peter (p_ul...@ix.netcom.com) wrote:
> > Ein interessantes Wort, und ein sehr typisches deutsches Wort, das sich
> > nicht auf englisch uebersetzen laesst. Jedenfalls mir ist es noch nie
> > gelungen.
>
> Der englische Ausdruck fuer einen Schlag mit der flachen Hand ins
> Gesicht lautet "a slap in the face". Ist durchaus gelaeufig. Man
> kann auch einfach nur "slap" sagen, und es ist klar was gemeint ist
> ("My father slapped me").

Sie haben natuerlich vollkommen recht dass ein Schlag "slap" heisst,
aber das sagt noch lange nicht das dieser "slap" eben auf der Seite des
Gesichts ist. Wir sagen doch auch "He slapped him on the back as a good
will gesture." Man sagt auch "He slapped his child on the behind when
the boy misbehaved."

Also wenn man sagt "a slap in the face" (ein Schlag in's Gesicht) dann
uebersetzen wir die "Ohrfeige" "herum" aber ich bin immer noch der
Meinung dass es kein einzelnes englisches Wort fuer diesen Ausdruck
gibt.


>
> > Hierzulande in den USA schlaegt man auch seine Kinder nie auf die Ohren
> > was ja lebenslange schlimme Erfolge haben kann. Vielleicht ist das auch
> > der Grund warum es kein englisches Wort dafuer gibt!
>

> Bei einer Ohrfeige haut man auch nicht auf die Ohren, sondern auf die
> Wange. Wo ich aufgewachsen bin, sagt man umgangssprachlich "Backe"
> statt "Wange" und sagt eher "Backpfeife" oder "'n Backs", waehrend
> "Ohrfeige" als gehoben oder schriftsprachlich empfunden wird. Aber
> auch die bairische "Watschn" hat nur lautmalerischen Bezug zu den Ohren.

Wenn man Kindern auf die Wange haut, wie Sie schrieben, wie soll man
dann nicht auch das Ohr treffen? Eine Erwachsenenhand ist doch viel
groesser als die Wange eines Kindes.

Michael Pronay

unread,
Dec 9, 1999, 3:00:00 AM12/9/99
to
Thomas Bliesener schrieb

Oder Hispanismus?

M-.


Martin Braun

unread,
Dec 9, 1999, 3:00:00 AM12/9/99
to
Thomas Bliesener <b...@megared.net.mx> schrieb in Newsbeitrag:
5rsm28...@127.0.0.1...

> Joachim Pense <Joachi...@main-rheiner.de> wrote:
>
>> Nordamerika, Mexico oder Kanada war's nicht)...
> ^^^^^^
> *Anglizismus detected*
>
> Oder?

Hispanismus?

Grüße,
Martin

Olaf Deppe

unread,
Dec 9, 1999, 3:00:00 AM12/9/99
to
Peter (p_ul...@ix.netcom.com) wrote:

> Olaf Deppe wrote:
> > Der englische Ausdruck fuer einen Schlag mit der flachen Hand ins
> > Gesicht lautet "a slap in the face". Ist durchaus gelaeufig. Man
> > kann auch einfach nur "slap" sagen, und es ist klar was gemeint ist
> > ("My father slapped me").

> Sie haben natuerlich vollkommen recht dass ein Schlag "slap" heisst,
> aber das sagt noch lange nicht das dieser "slap" eben auf der Seite des
> Gesichts ist. Wir sagen doch auch "He slapped him on the back as a good
> will gesture." Man sagt auch "He slapped his child on the behind when
> the boy misbehaved."

Yup, stimmt, ohne den Kontext geht es nicht. Nur wenn zwei einander
im Streit gegenueberstehen ist einigermassen klar, wo der "slap"
hinlangt. Und mir faellt auch kein anderes Wort ein. Das ist schon
erstaunlich, bedenkt man, dass man im Deutschen aus einer Vielzahl von
Woertern waehlen kann, und vermutlich jedem auf Anhieb zwei oder drei
davon einfallen.

> Wenn man Kindern auf die Wange haut, wie Sie schrieben, wie soll man
> dann nicht auch das Ohr treffen? Eine Erwachsenenhand ist doch viel
> groesser als die Wange eines Kindes.

Aehm, also, ich schlage keine Kinder, von daher weiss ich nicht genau,
wie man es anstellt, aber ich selbst bin nie am Ohr getroffen worden.

Auf die deutsche Sprache zurueckkommend faellt mir auf, dass die
Verwendung der verschiedenen Woerter fuer "Ohrfeige" nicht paarig zu
sein scheint mit den entsprechenden Verben. Wer zum Beispiel
"Backpfeife" sagt, benutzt nicht unbedingt das Verb "backpfeifen" --
"ohrfeigen" scheint demgegenueber bevorzugt zu werden. Umgekehrt
scheint der Fall zu liegen, wenn die Ohrfeige im uebertragenen Sinn
gemeint ist: hier hoert man sogar im Norden oefters das
bair. "abwatschen". In der Umgangssprache wird der eigtl. Begriff
auch oft ausgelassen (gebend: "jdn. eine kleben/knallen/wischen/verpassen",
empfangend: "eine gewischt kriegen / geknallt bekommen / fangen").
Auch hier ist die Vielfalt ueberraschend.

Olaf

Thomas Bliesener

unread,
Dec 9, 1999, 3:00:00 AM12/9/99
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Michael Pronay <pro...@teleweb.at> wrote:

>>> Nordamerika, Mexico oder Kanada war's nicht)...
>> ^^^^^^
>>*Anglizismus detected*
>>Oder?
>

> Oder Hispanismus?

Dafür fehlt eigentlich noch ein Akzent.

Merkwürdigerweise taucht bei den Einwohnern dann doch wieder das "k" auf,
oder hat schon jemand "Mexicaner" gesichtet?

Lassen wir die Anklage für dieses Mal fallen und belassen es bei einer
Verwarnung? ("Mexico City" werde ich aber nicht durchgehen lassen!)
;-)

bli

Thomas Bliesener

unread,
Dec 9, 1999, 3:00:00 AM12/9/99
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Martin Braun <a950...@unet.univie.ac.at> wrote:

> Hispanismus?

Immer diese Dupes! Ist da irgendwo in .at ein Newsserver defekt?

bli

Joachim Pense

unread,
Dec 9, 1999, 3:00:00 AM12/9/99
to

Michael Pronay schrieb in Nachricht ...

>>> Nordamerika, Mexico oder Kanada war's nicht)...
>> ^^^^^^
>>*Anglizismus detected*
>>Oder?
>
>Oder Hispanismus?
Dann hieße es wohl "Mejico".
Joachim

Felix Neumann

unread,
Dec 9, 1999, 3:00:00 AM12/9/99
to
Thomas Bliesener wrote:

> ("Mexico City" werde ich aber nicht durchgehen lassen!)

Immer noch besser als "Mexiko City".

-fn-

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