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Angefasst wirken

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Thomas Schade

unread,
Mar 18, 2012, 7:32:30 AM3/18/12
to

Moin,

im Artikel über den Bundespräsidenden Gauck [1] fällt die Aussage 'er
wirkt angefasst'. Ich kann mit 'angefasst wirken' nichts anfangen, ich
interpretiere es als 'berührt wirken'.

Ist diese Interpretation richtig?

Wenn nein, was bedeutet 'angefasst wirken' dann?

Und wo wird 'angefasst wirken' als umgangssprachlich empfunden? Ist das
übliches Deutsch, ads nur /irgendwie/ bisher an mir vorbei gegangen ist?
Ist das hohes Schirftdeutsch? Oder ist das ein Ossizismus?


[1] http://www.zeit.de/2012/12/Bundespraesident/komplettansicht

Ciao
Toscha
--
I was a punk
before you were a punk.
[The Tubes]

Thomas Schade

unread,
Mar 18, 2012, 7:35:46 AM3/18/12
to

Moin,

im Artikel über den Bundespräsidenden Gauck [1] fällt die Aussage 'er
wirkt angefasst'. Ich kann mit 'angefasst wirken' nichts anfangen, ich
interpretiere es als 'berührt wirken'.

Ist diese Interpretation richtig?

Wenn nein, was bedeutet 'angefasst wirken' dann?

Und wo wird 'angefasst wirken' als umgangssprachlich empfunden? Ist das
übliches Deutsch, das nur /irgendwie/ bisher an mir vorbei gegangen ist?
Ist das hohes Schriftdeutsch? Oder ist das ein Ossizismus?
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Matthias Opatz

unread,
Mar 18, 2012, 9:23:33 AM3/18/12
to
Wolfgang Schwanke gab zur Kenntnis:

> "Angefasst" bedeutet MUSEN "verletzt"

Nie gehört. Muss märkisch sein.

Matthias

--
Nach der Schlacht von Leipzig sah man Pferde, denen 3, 4 und noch mehr
Beine abgeschossen waren, herrenlos herumlaufen. Prof. Galletti
Wer zum Kuckuck ist dieser Galletti? ==> <http://www.galletti.de/>
== Bitte bei Mailantwort Großbuchstaben aus Reply-Adresse löschen. ==
Message has been deleted

Gerald Fix

unread,
Mar 18, 2012, 9:35:56 AM3/18/12
to
On Sun, 18 Mar 2012 14:23:59 +0100, Wolfgang Schwanke <s...@sig.nature>
wrote:

>Matthias Opatz <inv...@invalid.invalid> wrote
>in news:ugbytgizcul8$.eos3qpr0...@40tude.net:
>
>> Wolfgang Schwanke gab zur Kenntnis:
>>
>>> "Angefasst" bedeutet MUSEN "verletzt"
>>
>> Nie gehört. Muss märkisch sein.
>
>Nicht wirklich, eher Betroffenheitsjargon.

Ob es was mit "mein Vater, mein Vater, jetzt faßt er mich an" zu tun
hat, wie sich so 'n oller Betroffenheitszeilenschinder ausgedrückt
hat?


--
Viele Grüße
Gerald Fix

Manfred Hoß

unread,
Mar 18, 2012, 9:58:13 AM3/18/12
to
Am Sun, 18 Mar 2012 12:35:46 +0100 schrieb Thomas Schade:

> Moin,
>
> im Artikel über den Bundespräsidenden Gauck [1] fällt die Aussage 'er
> wirkt angefasst'. Ich kann mit 'angefasst wirken' nichts anfangen, ich
> interpretiere es als 'berührt wirken'.
>
> Ist diese Interpretation richtig?
>
> Wenn nein, was bedeutet 'angefasst wirken' dann?
>
> Und wo wird 'angefasst wirken' als umgangssprachlich empfunden? Ist das
> übliches Deutsch, das nur /irgendwie/ bisher an mir vorbei gegangen ist?
> Ist das hohes Schriftdeutsch? Oder ist das ein Ossizismus?
>
> [1] http://www.zeit.de/2012/12/Bundespraesident/komplettansicht

Die Frage wurde ausgehend von <i6dikg$oub$1...@news.albasani.net> in dieser
Gruppe schon einmal diskutiert.

Übrigens ist mir beim Nachschlagen aufgefallen, dass der Westduden erst in
der 17. Auflage "anfassen" erwähnt, im Ostduden taucht es gar nicht auf.

Gruß
Manfred.

Thomas Schade

unread,
Mar 18, 2012, 10:08:01 AM3/18/12
to
On 18.03.2012 13:56, Wolfgang Schwanke wrote: > Thomas Schade
<tos...@rrr.de> wrote
> in news:4F65C892...@news.toscha.de:

>> Und wo wird 'angefasst wirken' als umgangssprachlich empfunden? Ist
>> das übliches Deutsch, das nur /irgendwie/ bisher an mir vorbei
>> gegangen ist? Ist das hohes Schriftdeutsch? Oder ist das ein
>> Ossizismus?
>
> Das ist umgangssprachlich.

Aber dann wohl nur für sehr ausgesuchten Umgang. In meinem Umfeld kennt
das keiner; und ja, ich habe durchaus nachgefragt.


Ciao
Toscha
--
Den Reiz des Verbotenen kann man nur auskosten,
wenn man es sofort tut -
morgen ist es vielleicht schon erlaubt. (Jean Genet)

Thomas Schade

unread,
Mar 18, 2012, 10:11:10 AM3/18/12
to
On 18.03.2012 14:58, Manfred Hoß wrote: > Am Sun, 18 Mar 2012 12:35:46
+0100 schrieb Thomas Schade:

>> Und wo wird 'angefasst wirken' als umgangssprachlich empfunden? Ist das
>> übliches Deutsch, das nur /irgendwie/ bisher an mir vorbei gegangen ist?
>> Ist das hohes Schriftdeutsch? Oder ist das ein Ossizismus?
>>
>> [1] http://www.zeit.de/2012/12/Bundespraesident/komplettansicht
>
> Die Frage wurde ausgehend von <i6dikg$oub$1...@news.albasani.net> in dieser
> Gruppe schon einmal diskutiert.

Danke, daran erinnere ich mich beim Nachlesen lebhaft. Offenbar ist die
Diskussion dennoch nicht haften geblieben.


Ciao
Toscha
--
Another place - another train
Another bottle in the brain
Another girl - another fight, another drive all night.
[Beasty Boys]

Roland Franzius

unread,
Mar 18, 2012, 10:18:43 AM3/18/12
to
Am 18.03.2012 15:08, schrieb Thomas Schade:
> On 18.03.2012 13:56, Wolfgang Schwanke wrote:> Thomas Schade
> <tos...@rrr.de> wrote
>> in news:4F65C892...@news.toscha.de:
>
>>> Und wo wird 'angefasst wirken' als umgangssprachlich empfunden? Ist
>>> das übliches Deutsch, das nur /irgendwie/ bisher an mir vorbei
>>> gegangen ist? Ist das hohes Schriftdeutsch? Oder ist das ein
>>> Ossizismus?
>>
>> Das ist umgangssprachlich.
>
> Aber dann wohl nur für sehr ausgesuchten Umgang. In meinem Umfeld kennt
> das keiner; und ja, ich habe durchaus nachgefragt.

Google liefert für "wirkte angefasst" 9-30 Ergebnisse, im Sinn von
berührt, bewegt, getroffen, mitgenommen frühestens wohl 2005 für Bisky.
Ab 2010 etwas häufiger.

--

Roland Franzius

Jakob Achterndiek

unread,
Mar 18, 2012, 10:38:32 AM3/18/12
to
Am 18.03.2012, 12:35 Uhr, schrieb Thomas Schade <tos...@rrr.de>:

>
> Moin,
>
> im Artikel über den Bundespräsidenden Gauck [1] fällt die Aussage 'er
> wirkt angefasst'. Ich kann mit 'angefasst wirken' nichts anfangen, ich
> interpretiere es als 'berührt wirken'.
>
> Ist diese Interpretation richtig?
>
> Wenn nein, was bedeutet 'angefasst wirken' dann?
>
> Und wo wird 'angefasst wirken' als umgangssprachlich empfunden? Ist das
> übliches Deutsch, das nur /irgendwie/ bisher an mir vorbei gegangen ist?
>
> [1] http://www.zeit.de/2012/12/Bundespraesident/komplettansicht

1. Es gibt eine Aufnahme von der Szene, als Präsident Obama und Frau am
englischen Hof empfangen wurden und Frau Obama der Queen die Hand auf die
Schulter zu legen versuchte und wie da die Königin mit einer unnachahmlich
kühlen Bewegung der Schulter diese Hand zurückwies: Sie wollte (und durfte)
nicht einfach mal so *angefaßt* werden.
2. Es gibt Leute, die fordern Politiker zum Anfassen, Lehrer zum Anfassen
und was man sich sonst noch so *zum Anfassen* wünschen könnte, manche sogar
einen Bundespräsidenten. Das habe ich immer scheußlich gefunden: Ich wollte
*kein* Lehrer zum Anfassen sein - und war auch keiner: Soweit kommt das
noch, daß jeder Hans und Franz glaubt, er dürfe mich (oder den Bundes-
präsidenten) mit seinen Pfoten betatschen!
Wenn den jetzt jemand nach seinen Frauen gefragt hat, dann wirkte der
mit recht wie "angefaßt": Sowas gehört sich nicht!

> Ist das hohes Schriftdeutsch? Oder ist das ein Ossizismus?

Schriftdeutsch? Ja, insofern, als man das getrost auch in gehobener
Umgebung schreiben darf.
Ossizismus? Wohl eher nicht. Aber: In *den* Kreisen in der guten alten
Stadt Rostock, zu denen seine und meine Familien gehörten, da galt das so.
Da rückte man sich weder mit ungewaschenen Pfoten noch mit ungewaschenen
Fragen zu nah auf die Pelle.

Manche halten das für etepetete, abgehoben, elitär.
Wahrscheinlich haben die recht. :)

j/\a
--

Florian Ritter

unread,
Mar 18, 2012, 10:41:25 AM3/18/12
to
On 18 Mrz., 14:23, Matthias Opatz <inva...@invalid.invalid> wrote:

> > "Angefasst" bedeutet MUSEN "verletzt"
>
> Nie gehört. Muss märkisch sein.

"Tagen" (zB bergtagen) gibts auch im Skandinav., svw benommen - FR

Thomas Schade

unread,
Mar 18, 2012, 10:43:54 AM3/18/12
to
On 18.03.2012 15:38, Jakob Achterndiek wrote: > Am 18.03.2012, 12:35
Uhr, schrieb Thomas Schade <tos...@rrr.de>:

>> Und wo wird 'angefasst wirken' als umgangssprachlich empfunden? Ist das
>> übliches Deutsch, das nur /irgendwie/ bisher an mir vorbei gegangen ist?
>>
>> [1] http://www.zeit.de/2012/12/Bundespraesident/komplettansicht
>
> 1. Es gibt eine Aufnahme von der Szene, als Präsident Obama und Frau am
> englischen Hof empfangen wurden und Frau Obama der Queen die Hand auf die
> Schulter zu legen versuchte und wie da die Königin mit einer unnachahmlich
> kühlen Bewegung der Schulter diese Hand zurückwies: Sie wollte (und durfte)
> nicht einfach mal so *angefaßt* werden.
> 2. Es gibt Leute, die fordern Politiker zum Anfassen, Lehrer zum Anfassen
> und was man sich sonst noch so *zum Anfassen* wünschen könnte, manche sogar
> einen Bundespräsidenten. Das habe ich immer scheußlich gefunden: Ich wollte
> *kein* Lehrer zum Anfassen sein - und war auch keiner: Soweit kommt das
> noch, daß jeder Hans und Franz glaubt, er dürfe mich (oder den Bundes-
> präsidenten) mit seinen Pfoten betatschen!

Da hat aber das 'anfassen' in meinen Augen eine konkretere Bedeutung als
beim - für mich abgehoben klingenden - 'angefasst wirken'.

> Wenn den jetzt jemand nach seinen Frauen gefragt hat, dann wirkte der
> mit recht wie "angefaßt": Sowas gehört sich nicht!

Hier hätte ich jetzt 'recht' als Substantiv empfunden und groß geschrieben.

>> Ist das hohes Schriftdeutsch? Oder ist das ein Ossizismus?
>
> Schriftdeutsch? Ja, insofern, als man das getrost auch in gehobener
> Umgebung schreiben darf.
> Ossizismus? Wohl eher nicht. Aber: In *den* Kreisen in der guten alten
> Stadt Rostock, zu denen seine und meine Familien gehörten, da galt das so.
> Da rückte man sich weder mit ungewaschenen Pfoten noch mit ungewaschenen
> Fragen zu nah auf die Pelle.
>
> Manche halten das für etepetete, abgehoben, elitär.
> Wahrscheinlich haben die recht. :)

Dann ist mein Empfinden ja richtig. :)


Ciao
Toscha
--
100.000.000 Spermien, und du warst der Schnellste?!
[Vertical Limit]

Yvonne Steiner

unread,
Mar 18, 2012, 10:47:30 AM3/18/12
to
Thomas Schade <tos...@rrr.de> wrote:

> Moin,
>
> im Artikel über den Bundespräsidenden Gauck [1] fällt die Aussage 'er
> wirkt angefasst'. Ich kann mit 'angefasst wirken' nichts anfangen, ich
> interpretiere es als 'berührt wirken'.
>
> Ist diese Interpretation richtig?

[...]

> [1] http://www.zeit.de/2012/12/Bundespraesident/komplettansicht

Ich nehme an, es sollte "er wirkt gefasst" heissen. Allerdings stört
mich, dass das nicht als ein selbständiger Satz dortsteht.
Als Anhängsel zum vorangehenden Satzteil wirkt es äusserst unpassend.

--
Yvonne Steiner

Thomas Schade

unread,
Mar 18, 2012, 10:51:36 AM3/18/12
to
On 18.03.2012 15:47, Yvonne Steiner wrote: > Thomas Schade
<tos...@rrr.de> wrote:

>> im Artikel über den Bundespräsidenden Gauck [1] fällt die Aussage 'er
>> wirkt angefasst'. Ich kann mit 'angefasst wirken' nichts anfangen, ich
>> interpretiere es als 'berührt wirken'.
>>
>> Ist diese Interpretation richtig?
>
> [...]
>
>> [1] http://www.zeit.de/2012/12/Bundespraesident/komplettansicht
>
> Ich nehme an, es sollte "er wirkt gefasst" heissen.

Das glaube ich eher nicht.

> Allerdings stört
> mich, dass das nicht als ein selbständiger Satz dortsteht.
> Als Anhängsel zum vorangehenden Satzteil wirkt es äusserst unpassend.

'Äußerst unpassend' finde ich hingegen zu streng.


Ciao
Toscha
--
Dumpfbacke, Dünnbrettbohrer, Weichei - ABFÜHR'N
[Stoppok]

Yvonne Steiner

unread,
Mar 18, 2012, 11:06:48 AM3/18/12
to
Thomas Schade <tos...@rrr.de> wrote:

> On 18.03.2012 15:47, Yvonne Steiner wrote: > Thomas Schade
> <tos...@rrr.de> wrote:
>
[...]

> >> [1] http://www.zeit.de/2012/12/Bundespraesident/komplettansicht
> >
> > Ich nehme an, es sollte "er wirkt gefasst" heissen.
>
> Das glaube ich eher nicht.

Nun, "er wirkt angegriffen" kann es auch nicht sein. :)

> > Allerdings stört
> > mich, dass das nicht als ein selbständiger Satz dortsteht.
> > Als Anhängsel zum vorangehenden Satzteil wirkt es äusserst unpassend.
>
> 'Äußerst unpassend' finde ich hingegen zu streng.

Du kennst mich doch; ich bin halt so.

--
Yvonne Steiner

Thomas Schade

unread,
Mar 18, 2012, 11:20:19 AM3/18/12
to
On 18.03.2012 16:06, Yvonne Steiner wrote: > Thomas Schade
<tos...@rrr.de> wrote:
>> On 18.03.2012 15:47, Yvonne Steiner wrote: > Thomas Schade
>> <tos...@rrr.de> wrote:

> [...]
>
>> >> [1] http://www.zeit.de/2012/12/Bundespraesident/komplettansicht
>> >
>> > Ich nehme an, es sollte "er wirkt gefasst" heissen.
>>
>> Das glaube ich eher nicht.
>
> Nun, "er wirkt angegriffen" kann es auch nicht sein. :)

Nein, das sicher nicht; eher so was wie 'peinlich berührt'. Aber so ganz
klar bin ich mir immer noch nicht, und der von Manfred
dankenswerterweise verbundene Faden ist nicht unbedingt einer der kürzeren.

>> > Allerdings stört
>> > mich, dass das nicht als ein selbständiger Satz dortsteht.
>> > Als Anhängsel zum vorangehenden Satzteil wirkt es äusserst unpassend.
>>
>> 'Äußerst unpassend' finde ich hingegen zu streng.
>
> Du kennst mich doch; ich bin halt so.

:)


Ciao
Toscha

--
They sentenced me to twenty years of boredom
For trying to change the system from within
[Leonard Cohen]

Manfred Hoß

unread,
Mar 18, 2012, 11:31:39 AM3/18/12
to
Am Sun, 18 Mar 2012 15:11:10 +0100 schrieb Thomas Schade:

> On 18.03.2012 14:58, Manfred Hoß wrote: > Am Sun, 18 Mar 2012 12:35:46
> +0100 schrieb Thomas Schade:
>
>>> Und wo wird 'angefasst wirken' als umgangssprachlich empfunden? Ist das
>>> übliches Deutsch, das nur /irgendwie/ bisher an mir vorbei gegangen ist?
>>> Ist das hohes Schriftdeutsch? Oder ist das ein Ossizismus?
>>>
>>> [1] http://www.zeit.de/2012/12/Bundespraesident/komplettansicht
>>
>> Die Frage wurde ausgehend von <i6dikg$oub$1...@news.albasani.net> in dieser
>> Gruppe schon einmal diskutiert.
>
> Danke, daran erinnere ich mich beim Nachlesen lebhaft. Offenbar ist die
> Diskussion dennoch nicht haften geblieben.

Im DWDS heißt es dazu:

"anfassen
fasste an; hat angefasst
Aussprache:
1. ♦ jmdn., etw. mit der Hand angreifen, berühren ⇓
bildlich, umgangssprachlich ⇓
sich a. ♦ sich anfühlen ⇓
2. ♦ jmdn., etw. in einer besonderen Art behandeln übertragen
a) ⇓
b) ♦ etw. in einer besonderen Art anpacken, beginnen ⇓
3. ♦ etw. ergreift, packt jmdn. gehoben ⇓"

(Anmerkung: Anstelle des ⇓ müsste ein abwärtszeigender Pfeil zu sehen
sein.)

In dem von dir geposteten Zitat ist "angefasst" in der 3. Bedeutung
gemeint.

Gruß
Manfred.

Thomas Schade

unread,
Mar 18, 2012, 11:42:03 AM3/18/12
to
On 18.03.2012 16:31, Manfred Hoß wrote: > Am Sun, 18 Mar 2012 15:11:10
+0100 schrieb Thomas Schade:

>>> Die Frage wurde ausgehend von <i6dikg$oub$1...@news.albasani.net> in dieser
>>> Gruppe schon einmal diskutiert.
>>
>> Danke, daran erinnere ich mich beim Nachlesen lebhaft. Offenbar ist die
>> Diskussion dennoch nicht haften geblieben.
>
> Im DWDS heißt es dazu:
>
> "anfassen
> fasste an; hat angefasst
> Aussprache:
> 1. ♦ jmdn., etw. mit der Hand angreifen, berühren ⇓
> bildlich, umgangssprachlich ⇓
> sich a. ♦ sich anfühlen ⇓
> 2. ♦ jmdn., etw. in einer besonderen Art behandeln übertragen
> a) ⇓
> b) ♦ etw. in einer besonderen Art anpacken, beginnen ⇓
> 3. ♦ etw. ergreift, packt jmdn. gehoben ⇓"

Danke.

> (Anmerkung: Anstelle des ⇓ müsste ein abwärtszeigender Pfeil zu sehen
> sein.)

:)



Ciao
Toscha

Manfred Hoß

unread,
Mar 18, 2012, 11:48:34 AM3/18/12
to
Beim Abfassen des Postings war noch ein Kästchen zu sehen, bei der Anzeige
auf meinem Rechner hingegen wurde eine andere Schriftart ausgewählt und
prompt war der Pfeil wieder da. Bei dir vermutlich auch, wenn ich dein
Grinsi (Smiley) richtig deute.

Gruß
Manfred.

Yvonne Steiner

unread,
Mar 18, 2012, 12:26:14 PM3/18/12
to
Thomas Schade <tos...@rrr.de> wrote:

> On 18.03.2012 16:06, Yvonne Steiner wrote: > Thomas Schade
> <tos...@rrr.de> wrote:
> >> On 18.03.2012 15:47, Yvonne Steiner wrote: > Thomas Schade
> >> <tos...@rrr.de> wrote:
>
> > [...]
> >
> >> >> [1] http://www.zeit.de/2012/12/Bundespraesident/komplettansicht
> >> >
> >> > Ich nehme an, es sollte "er wirkt gefasst" heissen.
> >>
> >> Das glaube ich eher nicht.
> >
> > Nun, "er wirkt angegriffen" kann es auch nicht sein. :)
>
> Nein, das sicher nicht; eher so was wie 'peinlich berührt'. Aber so ganz
> klar bin ich mir immer noch nicht,

Mir ist diese Bedeutung gänzlich fremd, deshalb kann ich das nicht beurteilen.
Ich kann mir allerdings nicht vorstellen, dass G., der, in ungeschiedener Ehe
lebend, nun schon 12 Jahre lang - in aller Öffentlichkeit - eine andere Frau
an seiner Seite zeigt, sich deswegen tatsächlich "peinlich berührt" fühlt bzw.
zeigt.
Der geschilderte Angriff war doch nichts Neues für ihn; sein "Verhältnis"
wurde ja schon tagelang vorher "behandelt".

Deshalb liegt für mich der Wortsinn "gefasst wirken" (weil er eben darauf
gefasst ist) immer noch näher.

> und der von Manfred dankenswerterweise verbundene Faden ist nicht
> unbedingt einer der kürzeren.

Und ist auch nicht gerade sehr aufschlussreich.

--
Yvonne Steiner
Message has been deleted

Florian Ritter

unread,
Mar 18, 2012, 2:13:59 PM3/18/12
to
On 18 Mrz., 15:38, "Jakob Achterndiek" <achternd...@buzemann.de>
wrote:

> > Ist das hohes Schriftdeutsch? Oder ist das ein Ossizismus?
>
> Schriftdeutsch? Ja, insofern, als man das getrost auch in gehobener
> Umgebung schreiben darf.
> Ossizismus? Wohl eher nicht. Aber: In *den* Kreisen in der guten alten
> Stadt Rostock, zu denen seine und meine Familien gehörten, da galt das so.

Und die meinige gehörte nicht dazu? Galt als Betreiber der Hansehalle
für piefig? Ich glaube es ja kaum - FR

Jakob Achterndiek

unread,
Mar 18, 2012, 2:49:02 PM3/18/12
to
Am 18.03.2012, 19:13 Uhr, schrieb Florian Ritter
<hansr...@googlemail.com>:

> [..] Galt als Betreiber der Hansehalle [Rostock] für piefig?
> Ich glaube es ja kaum - FR

Bitte klär mich auf: Wo war die?

j/\a
--

Gunhild Simon

unread,
Mar 18, 2012, 5:42:13 PM3/18/12
to
On 18 Mrz., 17:57, Wolfgang Schwanke <s...@sig.nature> wrote:
> ystei...@swissonline.ch (Yvonne Steiner) wrote innews:1kh5uzy.nsqbnsb5cz04N%yste...@swissonline.ch:
>
> > Deshalb liegt f r mich der Wortsinn "gefasst wirken" (weil er eben
> > darauf gefasst ist) immer noch n her.
>
> Es ist nicht notwendig zu spekulieren. Die Bedeutung im Kontext ist
> "verletzt" oder "angegriffen".


So kenne ich es auch.

Meine Schwiegermutter aus der Gegend um Nienburg sagte:

Ich war (wie) angefaßt = Ich war in Alarmbereitschaft, empfindlich
getroffen, ich fühlte mich angegriffen.

Gruß
Gunhild

Yvonne Steiner

unread,
Mar 18, 2012, 6:31:58 PM3/18/12
to
Gunhild Simon <gunhil...@yahoo.de> wrote:

> On 18 Mrz., 17:57, Wolfgang Schwanke <s...@sig.nature> wrote:
> > ystei...@swissonline.ch (Yvonne Steiner) wrote:
> >
> > > Deshalb liegt für mich der Wortsinn "gefasst wirken" (weil er eben
> > > darauf gefasst ist) immer noch näher.
>
> > Es ist nicht notwendig zu spekulieren. Die Bedeutung im Kontext ist
> > "verletzt" oder "angegriffen".
>
> So kenne ich es auch.
>
> Meine Schwiegermutter aus der Gegend um Nienburg sagte:
>
> Ich war (wie) angefaßt = Ich war in Alarmbereitschaft, empfindlich
> getroffen, ich fühlte mich angegriffen.

Es ist schon ein Unterschied, ob gesagt wird "er fühlte sich angegriffen",
oder "er wirkte angegriffen".

--
Yvonne Steiner

Florian Ritter

unread,
Mar 18, 2012, 7:32:04 PM3/18/12
to
On 18 Mrz., 19:49, "Jakob Achterndiek" <achternd...@buzemann.de>
wrote:

> > [..] Galt als Betreiber der Hansehalle [Rostock] für piefig?
> > Ich glaube es ja kaum.
>
> Bitte klär mich auf: Wo war die?

An der Hege 6 - die gesamte Straße in unmittelbarer Nähe des Rathauses
ist aber im Bombenhagel untergegangen. Die Stadt will dort jetzt ein
Einkaufszentrum errichten und der Erbfall hat mich die letzten Jahre
beschäftigt. Meine Erleichterung darüber, daß die Sache nunmehr
ausgestanden ist, trog: Jetzt macht ein Notar geltend, er hätte sich
verrechnet - man glaubt es nicht.

Übrigens war die Hansehalle Konstante des Kapitänsvereins "Zur
fröhlichen Teekanne", der auch bei Kempowski vorkommt; mecht sein, daß
auch der Vater unseres nunmehrigen Bundespräsidenten dort Mitglied war
- FR

Thomas Schade

unread,
Mar 18, 2012, 9:34:38 PM3/18/12
to
On 18.03.2012 16:48, Manfred Hoß wrote: > Am Sun, 18 Mar 2012 16:42:03
+0100 schrieb Thomas Schade:

>>> (Anmerkung: Anstelle des ⇓ müsste ein abwärtszeigender Pfeil zu sehen
>>> sein.)
>>
>> :)
>
> Beim Abfassen des Postings war noch ein Kästchen zu sehen, bei der Anzeige
> auf meinem Rechner hingegen wurde eine andere Schriftart ausgewählt und
> prompt war der Pfeil wieder da. Bei dir vermutlich auch, wenn ich dein
> Grinsi (Smiley) richtig deute.

Tust du. Wenn ich auch dein/en/ geschrieben hätte. ;)


Ciao
Toscha
--
Well I've searched and I've searched
To find the perfect life
A brand new car and a brand new suit
I even got me a little wife [Social Distortion]

Thomas Schade

unread,
Mar 18, 2012, 9:32:27 PM3/18/12
to
On 18.03.2012 23:31, Yvonne Steiner wrote: > Gunhild Simon
<gunhil...@yahoo.de> wrote:

>> > > Deshalb liegt für mich der Wortsinn "gefasst wirken" (weil er eben
>> > > darauf gefasst ist) immer noch näher.
>>
>> > Es ist nicht notwendig zu spekulieren. Die Bedeutung im Kontext ist
>> > "verletzt" oder "angegriffen".
>>
>> So kenne ich es auch.
>>
>> Meine Schwiegermutter aus der Gegend um Nienburg sagte:
>>
>> Ich war (wie) angefaßt = Ich war in Alarmbereitschaft, empfindlich
>> getroffen, ich fühlte mich angegriffen.
>
> Es ist schon ein Unterschied, ob gesagt wird "er fühlte sich angegriffen",
> oder "er wirkte angegriffen".

Klar. Aber im OP steht nun mal 'wirkte angefasst'. Das entspricht
offensichtlich, so ganz im Klaren bin ich mir immer noch nicht, wohl am
ehesten einem 'pikiert sein' oder sogar 'sich angegriffen fühlen'.
Letzteres hätte zumindest eine enge Beziehung zu anfassen.


Ciao
Toscha
--
Wimps and posers leave the hall!
[Manowar]

Manfred Hoß

unread,
Mar 19, 2012, 12:56:53 AM3/19/12
to
Am Mon, 19 Mar 2012 02:34:38 +0100 schrieb Thomas Schade:

> On 18.03.2012 16:48, Manfred Hoß wrote:
>> Beim Abfassen des Postings war noch ein Kästchen zu sehen, bei der Anzeige
>> auf meinem Rechner hingegen wurde eine andere Schriftart ausgewählt und
>> prompt war der Pfeil wieder da. Bei dir vermutlich auch, wenn ich dein
>> Grinsi (Smiley) richtig deute.
>
> Tust du. Wenn ich auch dein/en/ geschrieben hätte. ;)

Ich sage *das* Smiley und infolgedessen *das* Grinsi.

Gruß
Manfred.

Jakob Achterndiek

unread,
Mar 19, 2012, 5:32:05 AM3/19/12
to
Am 19.03.2012, 02:32 Uhr, schrieb Thomas Schade <tos...@rrr.de>:

>> Es ist schon ein Unterschied, ob gesagt wird "er fühlte sich
>> angegriffen", oder "er wirkte angegriffen".
>
> Klar. Aber im OP steht nun mal 'wirkte angefasst'. Das entspricht
> offensichtlich, so ganz im Klaren bin ich mir immer noch nicht,
> wohl am ehesten einem 'pikiert sein' oder sogar 'sich angegriffen
> fühlen'. Letzteres hätte zumindest eine enge Beziehung zu anfassen.

Als ein weiteres Wort aus dem Feld biete ich "indigniert" an und
verweise noch einmal auf die Begegnung der englische Königin mit
der Frau des amerikanischen Präsidenten: Erstere war ob der gut
gemeinten, aber nach uralter Etikette unerlaubten Berührung durch
die Frau Obama in ihrer Würde, der dignitas, verletzt: indigniert.

In genau demselben Sinn sehe ich den Joachim Gauck indigniert,
"angefaßt", durch die brunzdumme Frage jenes bayerischen Pfaffen
nach dem ehelichen Verhältnis des Kollegen Ketzers. Gaucks Antwort
wird der (wie vermutlich manch anderer auch) kaum verstanden haben:
»Ertragen Sie’s halt, dass meine Ehe nicht aufgelöst wird« - denn
ihren Matthäus 19,6 kennnen auch die Pastöre im evangelischen Norden.

j/\a
--

Diedrich Dirks

unread,
Mar 19, 2012, 6:30:34 AM3/19/12
to
Manfred Ho�:

>> Tust du. Wenn ich auch dein/en/ geschrieben h�tte. ;)
>
> Ich sage *das* Smiley und infolgedessen *das* Grinsi.

Bei John le Carr� ist es aber *der* Smiley.

ENGE

--
Diedrich

Manfred Hoß

unread,
Mar 19, 2012, 8:46:04 AM3/19/12
to
Am Mon, 19 Mar 2012 11:30:34 +0100 schrieb Diedrich Dirks:

> Manfred Hoß:
>
>>> Tust du. Wenn ich auch dein/en/ geschrieben hätte. ;)
>>
>> Ich sage *das* Smiley und infolgedessen *das* Grinsi.
>
> Bei John le Carré ist es aber *der* Smiley.

Ich gestehe, ich habe noch kein einziges Buch von John le Carré gelesen.
Daher ist mir diese bedeutende Erkenntnis bislang verborgen geblieben.

Gruß
Manfred.

Diedrich Dirks

unread,
Mar 19, 2012, 9:54:00 AM3/19/12
to
Manfred Hoß:

>> Bei John le Carré ist es aber *der* Smiley.
>
> Ich gestehe, ich habe noch kein einziges Buch von John le Carré gelesen.

Selbst schuld.

--
Diedrich

Thomas Schade

unread,
Mar 19, 2012, 11:25:21 AM3/19/12
to
On 19.03.2012 10:32, Jakob Achterndiek wrote: > Am 19.03.2012, 02:32
Uhr, schrieb Thomas Schade <tos...@rrr.de>:

>>> Es ist schon ein Unterschied, ob gesagt wird "er f�hlte sich
>>> angegriffen", oder "er wirkte angegriffen".
>>
>> Klar. Aber im OP steht nun mal 'wirkte angefasst'. Das entspricht
>> offensichtlich, so ganz im Klaren bin ich mir immer noch nicht,
>> wohl am ehesten einem 'pikiert sein' oder sogar 'sich angegriffen
>> f�hlen'. Letzteres h�tte zumindest eine enge Beziehung zu anfassen.
>
> Als ein weiteres Wort aus dem Feld biete ich "indigniert" an und
> verweise noch einmal auf die Begegnung der englische K�nigin mit
> der Frau des amerikanischen Pr�sidenten: Erstere war ob der gut
> gemeinten, aber nach uralter Etikette unerlaubten Ber�hrung durch
> die Frau Obama in ihrer W�rde, der dignitas, verletzt: indigniert.

Passt, 'indigniert' gef�llt mir als Erkl�rung bisher am besten.


Ciao
Toscha
--
Man ist nicht betrunken, so lange man auf dem Boden liegen kann,
ohne sich festzuhalten.
[Dean Martin]

Thomas Schade

unread,
Mar 19, 2012, 11:26:45 AM3/19/12
to
On 19.03.2012 05:56, Manfred Hoß wrote: > Am Mon, 19 Mar 2012 02:34:38
+0100 schrieb Thomas Schade:

>>> Beim Abfassen des Postings war noch ein Kästchen zu sehen, bei der Anzeige
>>> auf meinem Rechner hingegen wurde eine andere Schriftart ausgewählt und
>>> prompt war der Pfeil wieder da. Bei dir vermutlich auch, wenn ich dein
>>> Grinsi (Smiley) richtig deute.
>>
>> Tust du. Wenn ich auch dein/en/ geschrieben hätte. ;)
>
> Ich sage *das* Smiley und infolgedessen *das* Grinsi.

Dann ist das für mich erledigt.


Ciao
Toscha
--
Der Bildungsminister:
Lesen gefährdet Ihre Dummheit.

Oliver Cromm

unread,
Mar 19, 2012, 1:47:29 PM3/19/12
to
* Thomas Schade:

> On 19.03.2012 10:32, Jakob Achterndiek wrote: > Am 19.03.2012, 02:32
> Uhr, schrieb Thomas Schade <tos...@rrr.de>:
>
>>>> Es ist schon ein Unterschied, ob gesagt wird "er f�hlte sich
>>>> angegriffen", oder "er wirkte angegriffen".
>>>
>>> Klar. Aber im OP steht nun mal 'wirkte angefasst'. Das entspricht
>>> offensichtlich, so ganz im Klaren bin ich mir immer noch nicht,
>>> wohl am ehesten einem 'pikiert sein' oder sogar 'sich angegriffen
>>> f�hlen'. Letzteres h�tte zumindest eine enge Beziehung zu anfassen.
>>
>> Als ein weiteres Wort aus dem Feld biete ich "indigniert" an und
>> verweise noch einmal auf die Begegnung der englische K�nigin mit
>> der Frau des amerikanischen Pr�sidenten: Erstere war ob der gut
>> gemeinten, aber nach uralter Etikette unerlaubten Ber�hrung durch
>> die Frau Obama in ihrer W�rde, der dignitas, verletzt: indigniert.
>
> Passt, 'indigniert' gef�llt mir als Erkl�rung bisher am besten.

F�r mich pa�t es schlecht zusammen - "wirkte angefa�t" scheint das
Augenmerk auf das zu lenken, was andere mit ihm tun, "indigniert"
kenne ich haupts�chlich als Ausdruck eigener - meist etwas
wunderlicher, �bertriebener - Erwartungen, der �berraschung, da�
f�r andere der eigene Ma�stab nicht selbstverst�ndlich ist. Ich
stelle mir bei dem Wort eine �ltere Dame vor, von der man
absurderweise Toleranz f�r gelegentliches Kindergeschrei erwartet.

--
Smith & Wesson--the original point and click interface

Oliver Cromm

unread,
Mar 19, 2012, 1:47:31 PM3/19/12
to
* Yvonne Steiner:

> Gunhild Simon <gunhil...@yahoo.de> wrote:
>
>> On 18 Mrz., 17:57, Wolfgang Schwanke <s...@sig.nature> wrote:
>>
>>> Es ist nicht notwendig zu spekulieren. Die Bedeutung im Kontext ist
>>> "verletzt" oder "angegriffen".
>>
>> So kenne ich es auch.
>>
>> Meine Schwiegermutter aus der Gegend um Nienburg sagte:
>>
>> Ich war (wie) angefa�t = Ich war in Alarmbereitschaft, empfindlich
>> getroffen, ich f�hlte mich angegriffen.
>
> Es ist schon ein Unterschied, ob gesagt wird "er f�hlte sich angegriffen",
> oder "er wirkte angegriffen".

Bei "angegriffen wirken" verstehe ich "gesundheitlich
angegriffen", das ist ein Spezialfall.

Ob aber jemand sich wirklich angegriffen f�hlt, kann man als
Zuschauer nicht immer beurteilen, da ist etwas Zur�ckhaltung
durchaus angebracht, z.B. "Er reagierte, als f�hle er sich
angegriffen". Und wenn "wirkte angefa�t" wirklich das bedeutet,
ist es praktischer (ich kenne die Wendung auch nicht).

--
Failover worked - the system failed, then it was over.
(freely translated from a remark by Dietz Proepper
in de.alt.sysadmin.recovery)

Jakob Achterndiek

unread,
Mar 19, 2012, 3:28:09 PM3/19/12
to
Am 19.03.2012, 18:47 Uhr, schrieb Oliver Cromm
<lispa...@crommatograph.info>:

> * Thomas Schade:
>> On 19.03.2012 10:32, Jakob Achterndiek wrote: > Am 19.03.2012, 02:32
>>> Als ein weiteres Wort aus dem Feld biete ich "indigniert" an und
>>> verweise noch einmal auf die Begegnung der englische Kᅵnigin mit
>>> der Frau des amerikanischen Prᅵsidenten: Erstere war ob der gut
>>> gemeinten, aber nach uralter Etikette unerlaubten Berᅵhrung durch
>>> die Frau Obama in ihrer Wᅵrde, der dignitas, verletzt: indigniert.
>>
>> Passt, 'indigniert' gefᅵllt mir als Erklᅵrung bisher am besten.
>
> Fᅵr mich paᅵt es schlecht zusammen - "wirkte angefaᅵt" scheint das
> Augenmerk auf das zu lenken, was andere mit ihm tun, "indigniert"
> kenne ich hauptsᅵchlich als Ausdruck eigener - meist etwas
> wunderlicher, ᅵbertriebener - Erwartungen, der ᅵberraschung, daᅵ
> fᅵr andere der eigene Maᅵstab nicht selbstverstᅵndlich ist. Ich
> stelle mir bei dem Wort eine ᅵltere Dame vor, von der man
> absurderweise Toleranz fᅵr gelegentliches Kindergeschrei erwartet.

Da treffen wohl unterschiedliche (und in meiner Person natᅵrlich
altmodische) Vorstellungen aufeinander - so wie bei den (seinerzeit
echten) Sendungen mit verdeckter Kamera oder bei den heute beliebten
Abiturienten-Streichen. Da gibt es Leute, die sind richtig beleidigt,
wenn unsereiner das nicht witzig findet, sondern "indigniert" ist.
Das Bestᅵrzende dabei oft: Die *wollen* ja den oder die Betroffenen
herabziehen, ein biᅵchen "an ihrer Wᅵrde kratzen". Und mancher der
Betroffenen hᅵlt sich dann fᅵr sehr humorvoll und tolerant, wenn er
fᅵr einen albernen Jux mal eben auf seine Wᅵrde verzichtet.

j/\a
--
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