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Wer bestimmt den Kasus, das Verb oder die Präposition?

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Tilo Baumann

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Sep 17, 2011, 11:16:13 AM9/17/11
to
Aus dem Spiegel stammt der Satz:

Es wird wohl das Geheimnis der damaligen Verkehrsdezernenten Frankfurts
bleiben, was sie mit solchen Plänen bezweckten - außer vielleicht ein
gigantisches Konjunkturprogramm für die Hersteller jener ...
Pflastersteine.

Ich bin geneigt zu verlangen: ... außer vielleicht einem gigantischen
Konjunkturprogramm, kenne aber nicht mehr Begründung als die, daß die
Präposition "näher dran steht".


Tilo
--
Sprachschluderei im SPIEGEL: http://eene.mine.nu/spiegel2.html

Juergen Grosse

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Sep 17, 2011, 12:14:39 PM9/17/11
to
Am 17.09.2011 17:16, schrieb Tilo Baumann:

...
> bleiben, was sie mit solchen Plänen bezweckten - außer vielleicht
> ein gigantisches Konjunkturprogramm für die Hersteller jener ...
> Pflastersteine.
>
> Ich bin geneigt zu verlangen: ... außer vielleicht einem
> gigantischen Konjunkturprogramm, kenne aber nicht mehr Begründung als
> die, daß die Präposition "näher dran steht".
...

Beides geht. In deinem Satz würde man 'außer' in der Tat als Präposition
bezeichnen, im von dir zitierten Satz hingegen als Konjunktion.


Tschüs, Jürgen

Tilo Baumann

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Sep 17, 2011, 2:01:54 PM9/17/11
to
On 2011-09-17, Juergen Grosse <gro...@hansenet.de> wrote:

> Beides geht. In deinem Satz würde man 'außer' in der Tat als Präposition
> bezeichnen, im von dir zitierten Satz hingegen als Konjunktion.

Ich stelle noch einmal gegenüber

1. Zitat:
was sie mit solchen Plänen bezweckten - außer vielleicht ein
gigantisches Konjunkturprogramm für die Hersteller

2. Meine Vorstellung, wie es zu sein hätte:
was sie mit solchen Plänen bezweckten - außer vielleicht einem
gigantischen Konjunkturprogramm für die Hersteller

Du meinst, in 1. sei "außer" eine Konjunktion und in 2. eine Präposition?


Tilo
--
Sprachschluderei im SPIEGEL: http://eene.mine.nu/spiegel2-hits.html
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Tilo Baumann

unread,
Sep 17, 2011, 4:51:09 PM9/17/11
to
On 2011-09-17, Ralf Heinrich Arning <rhause...@t-online.de> wrote:
> Tilo Baumann <20...@eene.mine.nu> wrote:
>
>> Aus dem Spiegel stammt der Satz:
>>
>> Es wird wohl das Geheimnis der damaligen Verkehrsdezernenten Frankfurts
>> bleiben, was sie mit solchen Plänen bezweckten - außer vielleicht ein
>> gigantisches Konjunkturprogramm für die Hersteller jener ...
>> Pflastersteine.
>>
>> Ich bin geneigt zu verlangen: ... außer vielleicht einem gigantischen
>> Konjunkturprogramm, kenne aber nicht mehr Begründung als die, daß die
>> Präposition "näher dran steht".
>
> Der Satz aus dem Spiegel ist völlig vermurkst. Worauf soll sich "außer"
> beziehen? Es müßte eine Behauptung vorangehen, zu der "außer" die Angabe
> der Ausnahme einleiten könnte.

Diese Behauptung sehe ich schon, und sie geht auch voraus: Die
Entscheidung, diese Pflastersteine einzusetzen, ist unverständlich
(bleibt ein Geheimnis), außer man nimmt an, deren Verlegung sollte ein
Konjunkturprogramm (nicht Kulturprogramm) für die Hersteller in Gang
setzen. Da das nicht zu den Zielen eines Verkehrsdezernenten gehört,
bedeutet der Satz: es gibt keinen gescheiten Grund für die Verlegung
dieser Steine, sie ist unsinnig.

> Formal ist die Behauptung: "Es wird wohl ein Geheimnis bleiben ...",
> aber davon ist das "gigantische Kulturprogramm" keine Ausnahme.


> Möglich wäre: "Solche Pläne der damaligen Verkehrsdezernenten Frankfurts
> hatten hatten wohl keinen Zweck -- außer vielleicht einem gigantischen
> Konjunkturprogramm ..."

Nach meiner Meinung muß sich "außer" nicht auf Zweck sondern kann sich
auf Geheimnis beziehen.

Tilo Baumann

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Sep 17, 2011, 4:57:27 PM9/17/11
to
On 2011-09-17, Juergen Grosse <gro...@hansenet.de> wrote:

> Beides geht. In deinem Satz würde man 'außer' in der Tat als Präposition
> bezeichnen, im von dir zitierten Satz hingegen als Konjunktion.

Ich stelle noch einmal gegenüber

1. Zitat:
was sie mit solchen Plänen bezweckten - außer vielleicht ein
gigantisches Konjunkturprogramm für die Hersteller

2. Meine Vorstellung, wie es zu sein hätte:
was sie mit solchen Plänen bezweckten - außer vielleicht einem
gigantischen Konjunkturprogramm für die Hersteller

Du meinst, in 1. sei "außer" eine Konjunktion und in 2. eine Präposition?


Juergen Grosse

unread,
Sep 17, 2011, 5:04:46 PM9/17/11
to
Am 17.09.2011 20:01, schrieb Tilo Baumann:

...
> 1. Zitat: was sie mit solchen Plänen bezweckten - außer vielleicht
> ein gigantisches Konjunkturprogramm für die Hersteller
>
> 2. Meine Vorstellung, wie es zu sein hätte: was sie mit solchen
> Plänen bezweckten - außer vielleicht einem gigantischen
> Konjunkturprogramm für die Hersteller
>
> Du meinst, in 1. sei "außer" eine Konjunktion und in 2. eine
> Präposition?
...

Kurze Antwort: Ja.

Längere Antwort: Das meine nicht nur ich, sondern z. B. auch der
Zweifelsfall-Duden:
"außer: Die Präposition außer regiert in der Bedeutung »ausgenommen,
abgesehen von« den Dativ: Man hörte nichts außer dem Ticken der Uhr.
Auch in der Bedeutung »außerhalb« regiert außer gewöhnlich den Dativ:
Sie können auch außer der Zeit kommen. Der Kranke ist außer aller
Gefahr. Ich bin außer mir über sein Verhalten. Der veraltete Genitiv
kommt nur noch in den Verbindungen außer Landes gehen, außer Landes sein
/ leben und außer Hauses sein (selten neben: außer Haus[e] sein) vor. In
Verbindung mit Verben der Bewegung hat sich in neuerer Zeit der
Akkusativ durchgesetzt: etwas außer jeden Zusammenhang, außer jeden
Zweifel stellen; jemanden außer allen Stand setzen, etwas zu tun. Bei
geraten allerdings steht der Dativ noch mit dem Akkusativ in Konkurrenz:
Ich geriet außer mir / außer mich vor Wut. Wenn das Bezugswort des auf
außer folgenden Substantivs im Nominativ, Genitiv oder Akkusativ steht,
ist es möglich, dieses in den gleichen Kasus zu setzen; außer ist dann
_Konjunktion_. Nominativ: Niemand kann es herausbekommen außer ich
selbst. Genitiv: Ich entsinne mich all dieser Vorfälle nicht mehr außer
eines einzigen. Akkusativ: Ich kenne niemanden außer ihn. Auf
Bettwäsche, außer Streifsatin und Matratzenschonbezüge, gewähren wir
Rabatt. In allen diesen Beispielen könnte man außer auch als Präposition
(mit dem Dativ) verwenden: Niemand kann es herausbekommen außer mir usw.
Leitet außer als Konjunktion einen Infinitiv mit zu ein, so setzt man
ein Komma: Ihr braucht nichts zu tun, außer abzuwarten. Aber ohne Komma:
Ihr könnt nichts tun außer abwarten."

© Duden - Richtiges und gutes Deutsch, 6. Aufl. Mannheim 2007 [CD-ROM]


Im Spiegel-Satz ist 'was' das im Akkusativ stehende Bezugswort, deshalb
steht 'ein Konjunkturprogramm' ebenfalls im Akkusativ, der sich
allerdings, wie bei Neutra nicht unüblich, vom Nominativ nicht
unterscheidet. Als besonders elegant formuliert empfinde ich den Satz
auch nicht, doch sehe ich in ihm keinen Regelverstoß.


Tschüs, Jürgen


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Juergen Grosse

unread,
Sep 17, 2011, 7:22:10 PM9/17/11
to
Am 17.09.2011 22:51, schrieb Tilo Baumann:

>>> Es wird wohl das Geheimnis der damaligen Verkehrsdezernenten
>>> Frankfurts
>>>>> bleiben, was sie mit solchen Plänen bezweckten - außer
>>>>> vielleicht ein gigantisches Konjunkturprogramm für die
>>>>> Hersteller jener ... Pflastersteine.
>>>>>
>>>>> Ich bin geneigt zu verlangen: ... außer vielleicht einem
>>>>> gigantischen Konjunkturprogramm, kenne aber nicht mehr
>>>>> Begründung als die, daß die Präposition "näher dran steht".
...

> Nach meiner Meinung muß sich "außer" nicht auf Zweck sondern kann
> sich auf Geheimnis beziehen.


Nein, der Anfang ist im Grunde unwichtig. Da könnte z. B. auch stehen:
'Niemand weiß, was die Verkehrsdezernenten mit solchen Plänen bezweckten
...'

Aber wählen wir einmal formal ähnliche Konstruktionen mit besser
erkennbaren Kasus:
1. 'Hans weiß nicht, wen (Akk.) er zu seinem Geburtstag einladen soll
außer (Konj.) vielleicht seinen Erbonkel (Akk.).'
2. *'Hans weiß nicht, wen (Akk.) er zu seinem Geburtstag einladen soll
außer vielleicht (Präp.) seinem Erbonkel (Dat.).'

Die zweite Konstruktion erscheint mir allerdings nicht so schön. Wenn
'außer' hier als _Prä_position fungiert, dann sollte es doch besser
direkt vor 'seinem Erbonkel' stehen, besser wäre also:
'Hans weiß nicht, wen (Akk.) er zu seinem Geburtstag einladen soll
vielleicht außer (Präp.) seinem Erbonkel (Dat.).'

Dies gälte dann auch für die Umformung des Spiegel-Satz zu einer
Konstruktion mit präpositionalem 'außer':
'..., was sie mit solchen Plänen bezweckten - vielleicht außer einem
gigantischen Konjunkturprogramm ...'


Tschüs, Jürgen
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Juergen Grosse

unread,
Sep 17, 2011, 8:48:43 PM9/17/11
to
Am 18.09.2011 01:45, schrieb Stefan Ram:

>> 2. *'Hans weiß nicht, wen (Akk.) er zu seinem Geburtstag einladen soll
>> >außer vielleicht (Präp.) seinem Erbonkel (Dat.).'
>> >Die zweite Konstruktion erscheint mir allerdings nicht so schön.

> »Außer« kann hochsprachlich in diesem Satz nicht verwendet
> werden, da es hochsprachlich voraussetzt, daß zuvor eine
> Gruppe genannt wurde, von der dann etwas ausgenommen wird.

Wer außer dir sähe das noch so?

> Möglich wären:
>
> 1. »Hans lädt alle ein, außer seinen Onkel.« und
> 2. »Hans lädt alle außer seinem Onkel ein.«.

"Wer, außer mir, entband euch aller Schranken
Philisterhaft einklemmender Gedanken?"

Es geht aber auch ganz ohne zuvor genanntes:
"Außer Theresen war niemand in seinem Gleise geblieben; ..."

Wen soll ich denn noch anführen außer Goethen?


Tschüs, Jürgen








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Tilo Baumann

unread,
Sep 18, 2011, 5:32:18 AM9/18/11
to
On 2011-09-17, Juergen Grosse <gro...@hansenet.de> wrote:
Das erschüttert mich. Für mich war/ist "außer" als Konjunktion
ausschließlich unterordnend wie "weil"(*) und "daß", was Wikipedia auch
Subjunktion nennt: http://de.wikipedia.org/wiki/Konjunktion_(Wortart)

Was dein Zweifelsfall-Duden als Kriterium für die Unterscheidung der
Wortart (Präposition oder Konjunktion) verfügt, gefällt mir nicht: Schon
der Kasus bestimmt sie. Das ist mir etwas wenig Unterschied.

Zur Rechtfertigung des Spiegelzitates und ähnlicher Konstruktionen
brauchte man keinen Wechsel der Wortart. Es reichte, wenn man verfügte:
Die Präposition "außer" darf auch mit dem Akkusativ stehen.

Vermutlich verfügt der neuere Duden für "statt" Entsprechendes wie für
"außer" und läßt Dinge zu wie "Ich liebe ihre Nase statt ihre Ohren."
Kannst du mal nachsehen?

Bei "trotzdem" bin ich mir nicht mehr sicher, ob der Duden diese
Konjunktion als ausschließlich nebenordnend (Hauptsatz + Hauptsatz)
ansieht und nicht inzwischen zusätzlich eine Unterordnung (Hauptsatz +
Nebensatz) erlaubt nach Aufkommen der Sprachgewohnheit "Trotzdem ich
Hunger habe, esse ich nicht."

(*) Bei "weil" zweifle ich, ob es im Duden noch als ausschließlich
unterordnend gilt. Sprachgebräuche wie "Weil - das ist ja so." hat der
Duden vielleicht schon integriert. Vielleicht schafft dessen Redaktion
antizipierend.


Ich muß mir nicht alles zu eigen machen, was in neuen Büchern steht,
aber neue Dudenregeln erschweren mir Kritik z.B. an
Spiegel-Formulierungen gewaltig. Das ist wohl auch ihr Sinn.


Danke für deine Ausführungen!



Tilo
--
Sprachschluderei im SPIEGEL: http://eene.mine.nu/spiegel2.html

Juergen Grosse

unread,
Sep 18, 2011, 10:35:42 AM9/18/11
to
Am 18.09.2011 01:45, schrieb Stefan Ram:

...
> Das erschüttert mich. Für mich war/ist "außer" als Konjunktion
> ausschließlich unterordnend wie "weil"(*) und "daß", was Wikipedia auch
> Subjunktion nennt:http://de.wikipedia.org/wiki/Konjunktion_(Wortart)

Bei der Frage, ob wir eine Konjunktion beiordnend/nebenordnend
(koordinierend) oder unterordnend (subordinierend) nennt, geht es doch
nicht um Kasus, sondern vielmehr um die Wortstellung.

'Wir fahren jetzt an die Ostsee, außer wenn es dort regnet.'
*'Wir fahren jetzt an die Ostsee, außer wenn es regnet dort.'

(Der Asterisk (*) kennzeichnet Bildungen, die ich nicht als wohlgeformt
empfinde.)

'Wir fahren jetzt an die Ostsee, weil es dort regnet.'
*'Wir fahren jetzt an die Ostsee, weil es regnet dort.'

So gesehen verhielte sich 'außer' wie 'weil' oder 'dass', wäre also eine
subordinierende Konjunktion.

Doch Obacht, da steht 'außer wenn', und selbst wenn wir das Wörtchen
'außer' ganz wegließen, erzwänge 'wenn' alleine schon die
Wortumstellung. Wie aber sähe es ohne 'wenn' aus?

*'Wir fahren jetzt an die Ostsee, außer es dort regnet.'
'Wir fahren jetzt an die Ostsee, außer es regnet dort.'

Über die Schönheit des zweiten Satzes lasse ich mit mir diskutieren,
über die Normwidrigkeit der ersten nicht.

'... dass einer Mutter, außer sie schreite zur zweiten Ehe, ein
Inventarium angemutet werde; ...' (Orthografie modernisiert)

Subordinierend hätte Goethe schreiben müssen:
*... dass einer Mutter, außer sie zur zweiten Ehe schreite, ein
Inventarium angemutet werde ...'

> Was dein Zweifelsfall-Duden als Kriterium für die Unterscheidung der
> Wortart (Präposition oder Konjunktion) verfügt, gefällt mir nicht: Schon
> der Kasus bestimmt sie. Das ist mir etwas wenig Unterschied.

Das ist doch nur eine Frage der Definition. Du kannst den Begriff
"Konjunktion" gerne auf die Wörter beschränken, die mehr oder weniger
vollständige Sätze miteinander verbinden. Dann allerdings wäre 'und' in
vielen Fällen _keine_ Konjunktion. Oder du fasst Konjunktionen und
Präpositionen als Relatoren zusammen. Oder was auch immer.

> Zur Rechtfertigung des Spiegelzitates und ähnlicher Konstruktionen
> brauchte man keinen Wechsel der Wortart. Es reichte, wenn man verfügte:
> Die Präposition "außer" darf auch mit dem Akkusativ stehen.

Nominativ und Genitiv nicht zu vergessen. Das muss aber niemand
verfügen, schon bei Schlegel/Tieck findet sich z. B.:

"Bei meiner Jugend! bei der Unschuld! nein!
Ein Herz, ein Busen, eine Treu', ist mein,
Und die besitzt kein Weib; auch wird nie keine
Darüber herrschen, außer ich alleine."

> Vermutlich verfügt der neuere Duden für "statt" Entsprechendes wie für
> "außer" und läßt Dinge zu wie "Ich liebe ihre Nase statt ihre Ohren."
> Kannst du mal nachsehen?

Ob der Duden nun etwas verfügen kann? Ich mag den Abschnitt hier des
Urheberrechts wegen nicht posten, sende ihn dir aber kommentarlos per
Mail zu.

> Bei "trotzdem" bin ich mir nicht mehr sicher, ob der Duden diese
> Konjunktion als ausschließlich nebenordnend (Hauptsatz + Hauptsatz)
> ansieht und nicht inzwischen zusätzlich eine Unterordnung (Hauptsatz +
> Nebensatz) erlaubt nach Aufkommen der Sprachgewohnheit "Trotzdem ich
> Hunger habe, esse ich nicht."
>
> (*) Bei "weil" zweifle ich, ob es im Duden noch als ausschließlich
> unterordnend gilt. Sprachgebräuche wie "Weil - das ist ja so." hat der
> Duden vielleicht schon integriert. Vielleicht schafft dessen Redaktion
> antizipierend.

S. o., siehe Mail.

> Ich muß mir nicht alles zu eigen machen, was in neuen Büchern steht,
> aber neue Dudenregeln erschweren mir Kritik z.B. an
> Spiegel-Formulierungen gewaltig. Das ist wohl auch ihr Sinn.

Was auch immer Sinn und Zweck von Regeln sein mag, wenigstens bei
'außer' handelt es sich keinesfalls um _neue_ Regeln, wenn du die von
mir angeführten Beispiele betrachtest.


Tschüs, Jürgen


Juergen Grosse

unread,
Sep 18, 2011, 11:25:48 AM9/18/11
to
Am 18.09.2011 03:19, schrieb Stefan Ram:

...
>>> »Außer« kann hochsprachlich in diesem Satz nicht verwendet
>>> werden, da es hochsprachlich voraussetzt, daß zuvor eine
^^^^^
>>> Gruppe genannt wurde, von der dann etwas ausgenommen wird.

Ich gehe einmal davon aus, dass wir jetzt darin übereinstimmen, dass die
Gruppe nicht zwingend _zuvor_ genannt sein muss.

> Die Gruppe kann grundsätzlich auch durch »wen« oder »niemand«

'Niemand' wäre eine sehr kleine Gruppe.

> angegeben werden, aber dann sollte die Phrase mit »außer« zum »wen«
> gehören.

Zugehörigkeit erzwingt doch aber nicht eine ganz bestimmte Wortstellung.

> Du schriebst:

> |Hans weiß nicht, wen er zu seinem Geburtstag einladen soll |außer
> vielleicht seinem Erbonkel.
>
> Ich würde dies dann so schreiben:
>
> Hans weiß nicht, wen, außer vielleicht seinen Erbonkel, er zu seinem
> Geburtstag einladen soll.
...

Das kannst du auch gerne so schreiben, es mag in diesem Falle sogar die
schönere Fassung sein. Ich halte aber die ursprüngliche Formulierung
(unabhängig vom Kasus) auch nicht für falsch oder auch nur auffällig.

Siehst du in meinem Satz ein Problem darin, dass die 'außer'-Phrase dem
Bezugswort (in diesem Falle 'wen') nicht unmittelbar folgt oder vorangeht?

Dann müsstest du auch diesen Satz
'Die ganze Welt war mir außer Narzissen tot, nichts hatte außer ihm Reiz
für mich.'
umformulieren zu
'Die ganze Welt außer Narzissen war mir tot, nichts außer ihm hatte Reiz
für mich.'

Oder
'Sind die neu entdeckten Planeten nicht der ganzen Welt unsichtbar,
außer den wenigen Astronomen, denen wir auf Wort und Rechnung glauben
müssen?'
zu
'Sind die neu entdeckten Planeten nicht der ganzen Welt, außer den
wenigen Astronomen, denen wir auf Wort und Rechnung glauben müssen,
unsichtbar?'

> Aber es muß klar sein, zu welcher Menge mit »außer« eine Differenz
> gebildet werden soll.

Schon richtig, nur sehe ich nicht, dass dies in meinem oben zitierten
Satz (mit dem Erbonkel) nicht der Fall wäre. Unsere Sprache kennt nun
einmal eine relativ freie Wortstellung.


Tschüs, Jürgen




Tilo Baumann

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Sep 18, 2011, 11:48:54 AM9/18/11
to
On 2011-09-18, Juergen Grosse <gro...@hansenet.de> wrote:
> Am 18.09.2011 01:45, schrieb Stefan Ram:
>
> ...
>> Das erschüttert mich. Für mich war/ist "außer" als Konjunktion
>> ausschließlich unterordnend wie "weil"(*) und "daß", was Wikipedia auch
>> Subjunktion nennt:http://de.wikipedia.org/wiki/Konjunktion_(Wortart)
>
> Bei der Frage, ob wir eine Konjunktion beiordnend/nebenordnend
> (koordinierend) oder unterordnend (subordinierend) nennt, geht es doch
> nicht um Kasus, sondern vielmehr um die Wortstellung.

Auf den Kasus hob ich an anderer Stelle ab. Hier, im Zusammenhang mit
unterordnenden Konjunktionen, ist mir wichtig, daß "außer" einen ganzen
Satz einleitet; das ist für 'mein' "außer" ein Essential. 'Mein' außer
ist eine Subjunktion, 'deines' nicht. (Erst nebenordnende Konjunktionen
wie "und", "oder" geben sich mit Satzteilen zufrieden.)

Auf den Rest komme ich später.
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Tilo Baumann

unread,
Sep 18, 2011, 4:42:46 PM9/18/11
to
On 2011-09-18, Juergen Grosse <gro...@hansenet.de> wrote:

> Tilo Baumann schrieb:

>> Das ersch�ttert mich. F�r mich war/ist "au�er" als Konjunktion
>> ausschlie�lich unterordnend wie "weil"(*) und "da�", was Wikipedia auch


>> Subjunktion nennt:http://de.wikipedia.org/wiki/Konjunktion_(Wortart)
>
> Bei der Frage, ob wir eine Konjunktion beiordnend/nebenordnend
> (koordinierend) oder unterordnend (subordinierend) nennt, geht es doch
> nicht um Kasus, sondern vielmehr um die Wortstellung.
>

> 'Wir fahren jetzt an die Ostsee, au�er wenn es dort regnet.'
> *'Wir fahren jetzt an die Ostsee, au�er wenn es regnet dort.'


>
> (Der Asterisk (*) kennzeichnet Bildungen, die ich nicht als wohlgeformt
> empfinde.)
>
> 'Wir fahren jetzt an die Ostsee, weil es dort regnet.'
> *'Wir fahren jetzt an die Ostsee, weil es regnet dort.'
>

> So gesehen verhielte sich 'au�er' wie 'weil' oder 'dass', w�re also eine
> subordinierende Konjunktion.
>
> Doch Obacht, da steht 'au�er wenn', und selbst wenn wir das W�rtchen
> 'au�er' ganz weglie�en, erzw�nge 'wenn' alleine schon die
> Wortumstellung. Wie aber s�he es ohne 'wenn' aus?
>
> *'Wir fahren jetzt an die Ostsee, au�er es dort regnet.'
> 'Wir fahren jetzt an die Ostsee, au�er es regnet dort.'
>
> �ber die Sch�nheit des zweiten Satzes lasse ich mit mir diskutieren,
> �ber die Normwidrigkeit der ersten nicht.
>
> '... dass einer Mutter, au�er sie schreite zur zweiten Ehe, ein

> Inventarium angemutet werde; ...' (Orthografie modernisiert)
>

> Subordinierend h�tte Goethe schreiben m�ssen:
> *... dass einer Mutter, au�er sie zur zweiten Ehe schreite, ein
> Inventarium angemutet werde ...'


Ich verstehe, was du meinst und widerrufe: "au�er" ist als Konjunktion
nicht unter- sondern nebenordnend.

Dein Goethe-Beispiel gef�llt mir.

Im selbstgestrickten Beispiel mit der Ostsee unterscheidest du den
Haupt- vom Nebensatz durch die Position eines Adverbs ("dort").

Auch die Position eines Hilfsverbs erlaubt die Unterscheidung:

weil es geregnet hat. => unterordnend: HS + NS
X
denn es hat geregnet. => nebenordnend: HS + HS,
oder NS + NS,
oder Satzteil + Satzteil

Auch die Position eines Objektes tut das:

weil ich es gab
X
denn ich gab es


Es verbleibt als Rest meines Unwohlseins, da� nach meiner Vorstellung,
die Konjunktion "au�er" einen ganzen Satz einleiten m��te. Danach hatte
sich "au�er" syntaktisch zu verhalten wie etwa "weil" und durfte sich
nicht so verhalten wie etwa "und".

Nachdem ich mir ein paarmal zugeredet hatte, habe ich (auch) diese
Vorstellung fallen lassen, verleitet durch das Beispiel aus deiner Mail:

"Er gab das Geld ihr statt ihm."
Mit "statt" als Pr�position m��te es hei�en: Er gab ihr das Geld statt
seiner. Das geht aus irgendeinem Grunde nicht. Andererseits verlangt die
Praxis, eine einfache Darstellung eines solchen Sachverhaltes.

"statt da�" ist eine nebenordnende Konjunktion, wie der Vergleich mit

weil er es gab
X
denn er gab es

zeigt. Daher verh�lt sich "statt" / "statt da�" wie "au�er" / "au�er".

Da� mir bei "statt" meine Fehler eher auffielen als bei "au�er", liegt
wohl daran, da� "statt" als Pr�position den Genitiv, "au�er" den Dativ
verlangt, und der Genitiv syntaktisch komplizierter ist als der Dativ.

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