Jedem das Seine

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Thomas Frieling

unread,
Jan 14, 2009, 3:01:42 AM1/14/09
to
SpON meldet, Tchibo und Esso haben eine Werbekampagne zurückgezogen -
soweit, so gut. Grund: Der Zentralrat der der Juden in Deutschland
hält den Kernsatz der Kampagne "Jedem den Seinen" in Abwandlung des
bekannten Spruches "Jedem das Seine" für Nazi-Jargon und wirft den
Initiatoren Geschichtsunkenntnis vor.

Zieht hier der Zentralrat solche komplett absurden Zusammenhänge an
den Haaren herbei, um mal wieder in die Presse zu kommen? In meiner
Beobachtung ist "Jedem das Seine" absolut gängig und völlig
unverdächtig in der Verwendung. Oder bin ich der Einzige?

Thomas

Michael Schumacher

unread,
Jan 14, 2009, 3:31:33 AM1/14/09
to
Thomas Frieling wrote:

Nein, wir sind natürlich bei Dir, nur keine Angst! :^)

IANAL, aber ich kann mir nicht vorstellen, daß der Spruch
"Suum cuique!" ("Jedem sein Schweinchen!") von Adolf H. aus B.
erfunden wurde -- dafür war sein Mandarin einfach zu schwach.

Und da Godwin's Law keine Ausnahmen zuläßt, ist der Fred hier auch
schon wieder zu Ende. Schade, eigentlich.


mike

Dieter Bruegmann

unread,
Jan 14, 2009, 3:35:55 AM1/14/09
to
Thomas Frieling (2009-01-14 0901):

Mich wundert, wie schnell die vergessen. Vor einigen Jahren hatte mal
Nokia mit "Jedem das Seine" Werbung für Händies mit auswechselbaren
Oberschalen gemacht und damit einen furchtbaren Wirbel ausgelöst.

Da krochen die Berufsbetroffenen aus ihren Löchern, daß die gesamte
Werbebranche ins Zittern kam.

Nokia hat damals brav gekuscht und die Kampagne zurückgezogen oder
geändert.

Ein ausführlicher Aufsatz zu dem Thema "Mißbrauch von Schlagworten"
befindet sich hier:
http://www.sopos.org/aufsaetze/3c7d45aeb2e57/1.phtml


Da Didi
l ist doof * Peer Ücke -71,77€ * Otto Rieteer 36$ * MORGEN: Kinder, wi
--
Dieter Brügmann, Spandau (bei Berlin) http://bruhaha.de
Di und Silvia: Zusammen ein Baby. (Bild-Zeitung)

Sascha Broich

unread,
Jan 14, 2009, 3:36:53 AM1/14/09
to
On Wed, 14 Jan 2009 00:01:42 -0800 (PST), Thomas Frieling wrote:

> Zieht hier der Zentralrat solche komplett absurden Zusammenhänge an
> den Haaren herbei, um mal wieder in die Presse zu kommen? In meiner
> Beobachtung ist "Jedem das Seine" absolut gängig und völlig
> unverdächtig in der Verwendung. Oder bin ich der Einzige?

Ja.
Nein.


Sascha Broich
--
Schlage nie jemand grundlos.
Ein Grund findet sich immer.

Wolfram Heinrich

unread,
Jan 14, 2009, 3:50:47 AM1/14/09
to

Ich habe das noch nie im Zusammenhang mit Nazis gehört. Es müßte ja schon
spezifisch nazistisch sein, wenn man sich drüber aufregen wollte.

Ciao
Wolfram
--
Heut tu ich mal nichts. Ich tu zwar sonst auch nichts, aber heute nehm' ich
mir auch nichts vor.
UNBEKANNTER MEISTER
<http://derfranzehatgsagt.blogspot.com/> <www.theodor-rieh.de/heinrich>
<www.mpu-forum.eu> <www.brueckenbauer.it> <www.theodor-rieh.de>

Frank Hucklenbroich

unread,
Jan 14, 2009, 4:00:10 AM1/14/09
to
Am Wed, 14 Jan 2009 09:50:47 +0100 schrieb Wolfram Heinrich:

> Am Wed, 14 Jan 2009 00:01:42 -0800 (PST) schrieb Thomas Frieling:
>
>> SpON meldet, Tchibo und Esso haben eine Werbekampagne zurückgezogen -
>> soweit, so gut. Grund: Der Zentralrat der der Juden in Deutschland
>> hält den Kernsatz der Kampagne "Jedem den Seinen" in Abwandlung des
>> bekannten Spruches "Jedem das Seine" für Nazi-Jargon und wirft den
>> Initiatoren Geschichtsunkenntnis vor.

> Ich habe das noch nie im Zusammenhang mit Nazis gehört.

Es war die Tor-Inschrift am Eingang des KZ Buchenwald:
http://www.fotocommunity.de/pc/pc/display/1448387

So geschrieben, daß man es nur von innen lesen konnte, um die Opfer zu
verhöhnen..

Die Diskussionsbeiträge zu dem Foto sind auch nicht ganz uninteressant.

> Es müßte ja schon
> spezifisch nazistisch sein, wenn man sich drüber aufregen wollte.

Nunja, da kann man drüber streiten, ob der Spruch nun dadurch von den Nazis
tatsächlich so negativ besetzt wurde. Er ist sicher nicht so eindeutig
Nazi-Jargon wie "entartet" oder "völkisch" oder sowas in der Richtung.

Grüße,

Frank

Lothar Frings

unread,
Jan 14, 2009, 4:28:14 AM1/14/09
to
Thomas Frieling tat kund:

> Zieht hier der Zentralrat solche komplett absurden Zusammenhänge an
> den Haaren herbei, um mal wieder in die Presse zu kommen?

Logisch. Sie haben ja auch Riesenprobleme:
Die Schuldigen sind praktisch ausgestorben,
die Kollektivschuld wurde zunehmend als
so absurd gesehen wie sie ist und mußte
darum durch eine ominöse "Kollektivverantwortung"
ersetzt werden, die weder logische Berechtigung
noch irgendeinen Rückhalt im Volk hat.

> In meiner
> Beobachtung ist "Jedem das Seine" absolut gängig und völlig
> unverdächtig in der Verwendung.

Geht mir genauso - es ist einfach das Prinzip
der Gerechtigkeit.

Wolfram Heinrich

unread,
Jan 14, 2009, 5:02:43 AM1/14/09
to
Am Wed, 14 Jan 2009 10:00:10 +0100 schrieb Frank Hucklenbroich:

> Am Wed, 14 Jan 2009 09:50:47 +0100 schrieb Wolfram Heinrich:
>
>> Am Wed, 14 Jan 2009 00:01:42 -0800 (PST) schrieb Thomas Frieling:
>>
>>> SpON meldet, Tchibo und Esso haben eine Werbekampagne zurückgezogen -
>>> soweit, so gut. Grund: Der Zentralrat der der Juden in Deutschland
>>> hält den Kernsatz der Kampagne "Jedem den Seinen" in Abwandlung des
>>> bekannten Spruches "Jedem das Seine" für Nazi-Jargon und wirft den
>>> Initiatoren Geschichtsunkenntnis vor.
>
>> Ich habe das noch nie im Zusammenhang mit Nazis gehört.
>
> Es war die Tor-Inschrift am Eingang des KZ Buchenwald:
> http://www.fotocommunity.de/pc/pc/display/1448387
>

Ich hatte es inzwischen auch nachgeschlagen, trotzdem Dank für die Mühe.

> So geschrieben, daß man es nur von innen lesen konnte, um die Opfer zu
> verhöhnen..
>

Schon klar.

> Die Diskussionsbeiträge zu dem Foto sind auch nicht ganz uninteressant.
>
>> Es müßte ja schon
>> spezifisch nazistisch sein, wenn man sich drüber aufregen wollte.
>
> Nunja, da kann man drüber streiten, ob der Spruch nun dadurch von den Nazis
> tatsächlich so negativ besetzt wurde. Er ist sicher nicht so eindeutig
> Nazi-Jargon wie "entartet" oder "völkisch" oder sowas in der Richtung.
>

Um die Aufmerksamkeit sofort auf die Nazis zu lenken, dafür ist der Spruch
viel zu alt. Wenn man nicht so ein Geschiß um den Spruch machen würde,
würde keine Sau mit diesem Spruch Buchenwald assoziieren.
Was ganz anderes ist natürlich der Spruch aus Auschwitz "Arbeit macht
frei". Gegen diesen Spruch ist im Grunde auch nichts einzuwenden, aber er
ist dermaßen naziversudelt, daß man ihn in der Tat nicht unbedacht
verwenden sollte.

Ciao
Wolfram
--
Man nimmt die dunkle, unerklärte Sache wichtiger als die helle, erklärte.
FRIEDRICH NIETZSCHE

Felix Neumann

unread,
Jan 14, 2009, 5:17:31 AM1/14/09
to
Wolfram Heinrich scripsit:

> Um die Aufmerksamkeit sofort auf die Nazis zu lenken, dafür ist
> der Spruch viel zu alt. Wenn man nicht so ein Geschiß um den
> Spruch machen würde, würde keine Sau mit diesem Spruch Buchenwald
> assoziieren.

Es wundert mich, daß die Verwendung in Buchenwald so unbekannt sein
soll. Sich fetischhaft daran aufzuhängen ist eins -- gerade die
zynische Verwendung dieses Spruchs ist aber so bezeichnend für das
gesamte Nazisystem, daß das KZ-Tor zurecht als pädagogische
Steilvorlage erkannt und genutzt wird.

-fn-

Felix Neumann

unread,
Jan 14, 2009, 5:12:08 AM1/14/09
to
Lothar Frings scripsit:

> Die Schuldigen sind praktisch ausgestorben,
> die Kollektivschuld wurde zunehmend als
> so absurd gesehen wie sie ist und mußte
> darum durch eine ominöse "Kollektivverantwortung"
> ersetzt werden, die weder logische Berechtigung
> noch irgendeinen Rückhalt im Volk hat.

Beides bezweifle ich. Die Bundesrepublik Deutschland ist
Rechtsnachfolger des Deutschen Reichs, damit ist eine Form
"kollektiver" Verantwortung natürlich logisch berechtigt, wenn nicht
zwingend. Interessanter und näher am Thema dieser Gruppe wäre es, wenn
man die Politik außen vor lassen will, über die Metapher "Kulturerbe"
zu sprechen -- ein Erbe kann man auch nur ganz ausschlagen oder
annehmen: Damit erbt, wer "als Deutscher" Goethe erbt, auch Auschwitz.

Die Behauptung, es gäbe keinen Rückhalt im Volk, ist auch sehr
angreifbar: Nicht nur in der Politik, auch in den meisten Medien wird
diese Verantwortung angenommen, thematisiert, diskutiert. Wenn Du nun
behauptest, das hätte nicht "irgendeinen Rückhalt im Volk" --
unterstellt Du dann, daß Politik und Medien fast durchweg die wahre
Volksmeinung verschweigen?

Das heißt übrigens nicht, daß ich den rituellen Protest bei jeder
Verwendung von dieser Wendung gutheiße. Mit einem derartigen Alarmismus
erreicht man meines Erachtens das genaue Gegenteil vom Gewünschten.

> Geht mir genauso - es ist einfach das Prinzip
> der Gerechtigkeit.

Ich denke auch zuerst an Aristoteles, Justinian und Thomas von Aquin --
aber eben auch an Buchenwald. Mir ist bewußt, daß "suum cuique" ein
elementarer Rechtsgrundsatz ist; mir scheint "Jedem das Seine" aber
auch belastet.

Ganz unabhängig von den moralischen oder politischen Implikationen --
"Jedem den Seinen" halte ich schlicht für einen schlechten Slogan. Er
holpert und ist eher unspektakulär: Es gibt verschiedene Sorten. Prima.
Dieses Alleinstellungsmerkmal von so ziemlich jedem habe viele andere
schon deutlich spritziger kommuniziert.

-fn-

Lothar Frings

unread,
Jan 14, 2009, 5:21:38 AM1/14/09
to
Wolfram Heinrich tat kund:

> Um die Aufmerksamkeit sofort auf die Nazis zu lenken, dafür ist der Spruch
> viel zu alt. Wenn man nicht so ein Geschiß um den Spruch machen würde,
> würde keine Sau mit diesem Spruch Buchenwald assoziieren.

Darum macht man das Geschiß ja.

> Was ganz anderes ist natürlich der Spruch aus Auschwitz "Arbeit macht
> frei". Gegen diesen Spruch ist im Grunde auch nichts einzuwenden, aber er
> ist dermaßen naziversudelt, daß man ihn in der Tat nicht unbedacht
> verwenden sollte.

Auch nur noch eine Frage der Zeit. Bei, sagen
wir, Unter-Dreißig-Jährigen dürfte den schon
kaum noch einer kennen.

Wolfram Heinrich

unread,
Jan 14, 2009, 5:25:20 AM1/14/09
to
Am Wed, 14 Jan 2009 11:17:31 +0100 schrieb Felix Neumann:

> Wolfram Heinrich scripsit:
>
>> Um die Aufmerksamkeit sofort auf die Nazis zu lenken, dafür ist
>> der Spruch viel zu alt. Wenn man nicht so ein Geschiß um den
>> Spruch machen würde, würde keine Sau mit diesem Spruch Buchenwald
>> assoziieren.
>
> Es wundert mich, daß die Verwendung in Buchenwald so unbekannt sein
> soll.

Ich wußte es zum Beispiel nicht.

> Sich fetischhaft daran aufzuhängen ist eins -- gerade die
> zynische Verwendung dieses Spruchs ist aber so bezeichnend für das
> gesamte Nazisystem, daß das KZ-Tor zurecht als pädagogische
> Steilvorlage erkannt und genutzt wird.
>

Der Spruch aber ist sehr, sehr viel älter als die Nazis und - vor allem -
er wird heute noch häufig verwendet in absolut nazifernem Zusammenhang.
Also ich kann die Aufregung nicht nachvollziehen, aber bitte: Jedem das
Seine.

Ciao
Wolfram
--
Der Weise hat keine unumstößlichen Grundsätze. Er paßt sich anderen an.
LAOTSE

Lothar Frings

unread,
Jan 14, 2009, 5:29:58 AM1/14/09
to
Felix Neumann tat kund:

> Lothar Frings scripsit:
>
> > Die Schuldigen sind praktisch ausgestorben,
> > die Kollektivschuld wurde zunehmend als
> > so absurd gesehen wie sie ist und mußte
> > darum durch eine ominöse "Kollektivverantwortung"
> > ersetzt werden, die weder logische Berechtigung
> > noch irgendeinen Rückhalt im Volk hat.
>
> Beides bezweifle ich. Die Bundesrepublik Deutschland ist
> Rechtsnachfolger des Deutschen Reichs, damit ist eine  Form
> "kollektiver" Verantwortung natürlich logisch berechtigt, wenn nicht
> zwingend.

Sorry, aber erstens bin ich der Bundesrepublik
nicht beigetreten und zweitens bin ich ausschließlich
für mein eigenes Handeln verantwortlich.

> Interessanter und näher am Thema dieser Gruppe wäre es, wenn
> man die Politik außen vor lassen will, über die Metapher "Kulturerbe"
> zu sprechen -- ein Erbe kann man auch nur ganz ausschlagen oder
> annehmen: Damit erbt, wer "als Deutscher" Goethe erbt, auch Auschwitz.

Demnach wäre ich - weil Kulturerbe - für alle Untaten
mitverantwortlich, die irgendwann mal in meinem
Kulturkreis, was immer das ist, verantwortlich?
Das ist doch völlig hirnrissig. Und wie sollte
ich ein Kulturerbe annehmen oder ausschlagen?

>
> Die Behauptung, es gäbe keinen Rückhalt im Volk, ist auch sehr
> angreifbar: Nicht nur in der Politik, auch in den meisten Medien wird
> diese Verantwortung angenommen, thematisiert, diskutiert. Wenn Du nun
> behauptest, das hätte nicht "irgendeinen Rückhalt im Volk" --
> unterstellt Du dann, daß Politik und Medien fast durchweg die wahre
> Volksmeinung verschweigen?

Nein, nur ist die veröffentlichte Meinung nicht
unbedingt die öffentliche. Ich glaube auch nicht,
daß "im Volk" eine andere Meinung herrscht, sondern
daß das Thema ihm einfach egal ist. Es hat andere
Sorgen.

>
> Das heißt übrigens nicht, daß ich den rituellen Protest bei jeder
> Verwendung von dieser Wendung gutheiße. Mit einem derartigen Alarmismus
> erreicht man meines Erachtens das genaue Gegenteil vom Gewünschten.

Vermutlich. Irgendwann sagt sich jeder mal
"Meine Güte, schon wieder die Nazis."

>
> > Geht mir genauso - es ist einfach das Prinzip
> > der Gerechtigkeit.
>
> Ich denke auch zuerst an Aristoteles, Justinian und Thomas von Aquin --
> aber eben auch an Buchenwald. Mir ist bewußt, daß "suum cuique" ein
> elementarer Rechtsgrundsatz ist; mir scheint "Jedem das Seine" aber
> auch belastet.

YMMV.

Frank Hucklenbroich

unread,
Jan 14, 2009, 5:46:36 AM1/14/09
to
Am Wed, 14 Jan 2009 11:02:43 +0100 schrieb Wolfram Heinrich:

> Was ganz anderes ist natürlich der Spruch aus Auschwitz "Arbeit macht
> frei". Gegen diesen Spruch ist im Grunde auch nichts einzuwenden, aber er
> ist dermaßen naziversudelt, daß man ihn in der Tat nicht unbedacht
> verwenden sollte.

Selbst wenn der Spruch nicht Nazi-besudelt wäre fällt mir eigentlich keine
Gelegenheit ein, bei der ich in Versuchung käme, ihn im täglichen
Sprachgebrauch zu verwenden.

Ich kenne höchstens noch aus dem Geschichtsunterricht "Stadtluft macht
frei". Aber ich empfinde das als ziemlich altertümlich ("...macht frei").

Bei "Jedem das Seine" ist das anders, das ist ja ein durchaus übliches
Sprichwort, das es in vielen inhaltlich ähnlichen Versionen gibt ("Jedem
Tierchen sein Plaisierchen" oder auf kölsch "Jeder es anders Jeck un jede
Jeck es anders").

Grüße,

Frank

Wolfram Heinrich

unread,
Jan 14, 2009, 5:52:04 AM1/14/09
to
Am Wed, 14 Jan 2009 11:46:36 +0100 schrieb Frank Hucklenbroich:

> Am Wed, 14 Jan 2009 11:02:43 +0100 schrieb Wolfram Heinrich:
>
>> Was ganz anderes ist natürlich der Spruch aus Auschwitz "Arbeit macht
>> frei". Gegen diesen Spruch ist im Grunde auch nichts einzuwenden, aber er
>> ist dermaßen naziversudelt, daß man ihn in der Tat nicht unbedacht
>> verwenden sollte.
>
> Selbst wenn der Spruch nicht Nazi-besudelt wäre fällt mir eigentlich keine
> Gelegenheit ein, bei der ich in Versuchung käme, ihn im täglichen
> Sprachgebrauch zu verwenden.
>

Hmnja, das ist richtig.

Ciao
Wolfram
--
Wir sind nicht nur verantwortlich für das, was wir tun, sondern auch für
das, was wir nicht tun.
MOLIÈRE

Thomas Frieling

unread,
Jan 14, 2009, 5:52:39 AM1/14/09
to
On 14 Jan., 11:46, Frank Hucklenbroich <Hucklenbroic...@aol.com>
wrote:
> (...)

> Bei "Jedem das Seine" ist das anders, das ist ja ein durchaus übliches
> Sprichwort, das es in vielen inhaltlich ähnlichen Versionen gibt ("Jedem
> Tierchen sein Plaisierchen" oder auf kölsch "Jeder es anders Jeck un jede
> Jeck es anders").
>
> Grüße,
>
> Frank

Oder "Leben und leben lassen".

Thomas

Erick T. Barkhuis

unread,
Jan 14, 2009, 5:58:42 AM1/14/09
to
Frank Hucklenbroich:

> [...] oder auf kölsch "Jeder es anders Jeck un jede
> Jeck es anders".

Brian: "You're all individuals. You're all different."
Einer aus der Masse: "I'm not!"


--
Erick

Lothar Frings

unread,
Jan 14, 2009, 6:20:57 AM1/14/09
to
Frank Hucklenbroich tat kund:

> Am Wed, 14 Jan 2009 11:02:43 +0100 schrieb Wolfram Heinrich:
>
> > Was ganz anderes ist natürlich der Spruch aus Auschwitz "Arbeit macht
> > frei". Gegen diesen Spruch ist im Grunde auch nichts einzuwenden, aber er
> > ist dermaßen naziversudelt, daß man ihn in der Tat nicht unbedacht
> > verwenden sollte.
>
> Selbst wenn der Spruch nicht Nazi-besudelt wäre fällt mir eigentlich keine
> Gelegenheit ein, bei der ich in Versuchung käme, ihn im täglichen
> Sprachgebrauch zu verwenden.

Inhaltlich ist er natürlich höchst eigenartig.
Wer nicht arbeiten muß, ist m. E. freier als
jemand, der dieses Glück nicht hat.

Helmut Richter

unread,
Jan 14, 2009, 6:28:51 AM1/14/09
to
On Wed, 14 Jan 2009, Frank Hucklenbroich wrote:

> Bei "Jedem das Seine" ist das anders, das ist ja ein durchaus übliches
> Sprichwort, das es in vielen inhaltlich ähnlichen Versionen gibt ("Jedem
> Tierchen sein Plaisierchen" oder auf kölsch "Jeder es anders Jeck un jede
> Jeck es anders").

Oder gebüldet französisch: Jeder gut nach seinem Chacun.

--
Helmut Richter

Michael Schumacher

unread,
Jan 14, 2009, 6:30:29 AM1/14/09
to
Erick T. Barkhuis wrote:

> Frank Hucklenbroich:
>
>> [...] oder auf kölsch "Jeder es anders Jeck un jede
>> Jeck es anders".

Dem een sin Uhl is'm annern sin Nachtigall.

> Brian: "You're all individuals. You're all different."
> Einer aus der Masse: "I'm not!"

Linguistikvorlesung am MIT (oder war's woanders?).
Prof: "Es gibt Sprachen, in denen eine doppelte Verneinung
eine starke Bejahung bedeutet. Es gibt jedoch keine
uns bekannt Sprache, in der eine doppelte Bejahung
eine starke Verneinung bedeutet."
Stud: "Yeah, yeah."


mike

Jakob Achterndiek

unread,
Jan 14, 2009, 7:12:36 AM1/14/09
to
Am 14.01.2009, 10:00 Uhr, schrieb Frank Hucklenbroich
<Hucklen...@aol.com>:

> Es war die Tor-Inschrift am Eingang des KZ Buchenwald:
> http://www.fotocommunity.de/pc/pc/display/1448387
> So geschrieben, daß man es nur von innen lesen konnte,
> um die Opfer zu verhöhnen..

.. wenn die auf ihren Abendspaziergängen nach Feierabend
beschaulich an Zaun und Tor entlang flanierten.

j/\a
--

Richard Loebner

unread,
Jan 14, 2009, 7:14:20 AM1/14/09
to
The message <ltd1fjz1265l$.d...@www.theodor-rieh.de>
from Wolfram Heinrich <in...@theodor-rieh.de> contains these words:

> Am Wed, 14 Jan 2009 11:46:36 +0100 schrieb Frank Hucklenbroich:

> > Am Wed, 14 Jan 2009 11:02:43 +0100 schrieb Wolfram Heinrich:
> >
> >> Was ganz anderes ist natürlich der Spruch aus Auschwitz "Arbeit macht
> >> frei". Gegen diesen Spruch ist im Grunde auch nichts einzuwenden, aber er
> >> ist dermaßen naziversudelt, daß man ihn in der Tat nicht unbedacht
> >> verwenden sollte.
> >
> > Selbst wenn der Spruch nicht Nazi-besudelt wäre fällt mir eigentlich keine
> > Gelegenheit ein, bei der ich in Versuchung käme, ihn im täglichen
> > Sprachgebrauch zu verwenden.
> >
> Hmnja, das ist richtig.

Abgesehen davon das die urspruengliche roemische als klassisch gebettet
war, ist der Spruch eine armselige Vereinfachung eines viel serioeseren
Gedankens den es ohne weitere Deutung schlecht wiedergibt.

--

Gruß
Richard

Richard Loebner

unread,
Jan 14, 2009, 7:24:30 AM1/14/09
to
The message <gkkico$l0f$1...@news.albasani.net>
from Michael Schumacher <mi...@gmx.de> contains these words:

> Erick T. Barkhuis wrote:

> > Frank Hucklenbroich:
> >
> >> [...] oder auf kölsch "Jeder es anders Jeck un jede
> >> Jeck es anders".

> Dem een sin Uhl is'm annern sin Nachtigall.

> > Brian: "You're all individuals. You're all different."
> > Einer aus der Masse: "I'm not!"

> Linguistikvorlesung am MIT (oder war's woanders?).
> Prof: "Es gibt Sprachen, in denen eine doppelte Verneinung
> eine starke Bejahung bedeutet. Es gibt jedoch keine
> uns bekannt Sprache, in der eine doppelte Bejahung
> eine starke Verneinung bedeutet."
> Stud: "Yeah, yeah."


Wahrscheinlich woanders.
Ja, ja, weiss schon.

--

Gruß
Richard

Lothar Frings

unread,
Jan 14, 2009, 7:43:07 AM1/14/09
to
Michael Schumacher tat kund:

> Linguistikvorlesung am MIT (oder war's woanders?).
> Prof: "Es gibt Sprachen, in denen eine doppelte Verneinung
>        eine starke Bejahung bedeutet.  Es gibt jedoch keine
>        uns bekannt Sprache, in der eine doppelte Bejahung
>        eine starke Verneinung bedeutet."
> Stud: "Yeah, yeah."

Kann ja nicht klappen mit der Kommunikation,
wenn der Professor Deutsch spricht und der
Student Englisch.

Frank Hucklenbroich

unread,
Jan 14, 2009, 8:03:27 AM1/14/09
to

...oder nach seiner Facon?!

Grüße,

Frank

Wolfgang Krietsch

unread,
Jan 14, 2009, 8:41:06 AM1/14/09
to
Wolfram Heinrich <in...@theodor-rieh.de> wrote:

>Der Spruch aber ist sehr, sehr viel älter als die Nazis und - vor allem -
>er wird heute noch häufig verwendet in absolut nazifernem Zusammenhang.
>Also ich kann die Aufregung nicht nachvollziehen, aber bitte: Jedem das
>Seine.

Ich sehe das genauso. Aber ich denke, wenn erstmal eine Institution
wie der Zentralrat der Juden sich öffentlich empört, hat man als
Unternehmen kaum noch eine andere Chance als Betroffenheit zu heucheln
und die Kampagne zu ändern - so albern das auch im Grunde sein mag.


Grüße

woffi

Wolfgang Krietsch

unread,
Jan 14, 2009, 8:42:53 AM1/14/09
to
Lothar Frings <da_l...@gmx.de> wrote:

Zumal das mit "Ja, ja" auch funktioniert.


Grüße

woffi

Lothar Frings

unread,
Jan 14, 2009, 8:56:24 AM1/14/09
to
Wolfgang Krietsch tat kund:

> Ich sehe das genauso. Aber ich denke, wenn erstmal eine Institution
> wie der Zentralrat der Juden sich öffentlich empört, hat man als
> Unternehmen kaum noch eine andere Chance als Betroffenheit zu heucheln
> und die Kampagne zu ändern - so albern das auch im Grunde sein mag.

Traurig, daß sich jemand von einem Haufen Spinner
den Mund verbieten läßt.

Wolfgang Krietsch

unread,
Jan 14, 2009, 9:09:48 AM1/14/09
to
Lothar Frings <da_l...@gmx.de> wrote:

Soweit, die pauschal als Haufen Spinner zu bezeichnen, würde ich nicht
gehen.

Aber wenn durch die Welle in den Medien die angebliche
Nazi-Vergangenheit des Zitats ins Bewusstsein der Leute gerückt wird
und das dann negative Auswirkungen auf den Umsatz hat, dürfte die
Entscheidung richtig sein - auch wenn's traurig ist.


Grüße

woffi

Message has been deleted

Lothar Frings

unread,
Jan 14, 2009, 9:53:31 AM1/14/09
to
Wolfgang Krietsch tat kund:

> Lothar Frings <da_lo...@gmx.de> wrote:
> >Wolfgang Krietsch tat kund:
>
> >> Ich sehe das genauso. Aber ich denke, wenn erstmal eine Institution
> >> wie der Zentralrat der Juden sich öffentlich empört, hat man als
> >> Unternehmen kaum noch eine andere Chance als Betroffenheit zu heucheln
> >> und die Kampagne zu ändern - so albern das auch im Grunde sein mag.
>
> >Traurig, daß sich jemand von einem Haufen Spinner
> >den Mund verbieten läßt.
>
> Soweit, die pauschal als Haufen Spinner zu bezeichnen, würde ich nicht
> gehen.

Mir fällt kein netterer Ausdruck für jemanden ein,
der etwas glaubt, was allen Naturgesetzen widerspricht.
Dagegen sind die Hohl- und Scheibenweltler ja noch
fast zurechnungsfähig.

Die FR schreibt, Korn habe gesagt, Solange es noch
einen einzigen Menschen gebe, der bei der Redewendung (*)
an Buchenwald denke, sei es unmöglich, sie zu verwenden.
Bestimmt das jetzt Herr Korn? Wer ist der denn?

>
> Aber wenn durch die Welle in den Medien die angebliche
> Nazi-Vergangenheit des Zitats ins Bewusstsein der Leute gerückt wird
> und das dann negative Auswirkungen auf den Umsatz hat, dürfte die
> Entscheidung richtig sein - auch wenn's traurig ist.

In der FR selber steht das mit der Überschrift
"Nazi-Werbung". Es macht mir echt Sorgen, daß
irgendein Herr Korn nur mit den Fingern zu schnipsen
braucht, und alles fällt vor ihm in den Staub.


-----
(*) Die nicht verwendet wurde.

Helmut Richter

unread,
Jan 14, 2009, 10:03:53 AM1/14/09
to
On Wed, 14 Jan 2009, Lothar Frings wrote:

> In der FR selber steht das mit der Überschrift
> "Nazi-Werbung". Es macht mir echt Sorgen, daß
> irgendein Herr Korn nur mit den Fingern zu schnipsen
> braucht, und alles fällt vor ihm in den Staub.

Wer ist Herr Korn, und wer fällt vor ihm in den Staub?

--
Helmut Richter

Lothar Frings

unread,
Jan 14, 2009, 10:10:28 AM1/14/09
to
Helmut Richter tat kund:

> On Wed, 14 Jan 2009, Lothar Frings wrote:
> > In der FR selber steht das mit der Überschrift
> > "Nazi-Werbung". Es macht mir echt Sorgen, daß
> > irgendein Herr Korn nur mit den Fingern zu schnipsen
> > braucht, und alles fällt vor ihm in den Staub.
>
> Wer ist Herr Korn,

Der Vizepräsident des Zentralrats der Juden.

> und wer fällt vor ihm in den Staub?

Die Firmen, die eilfertig den von ihm kritisierten
Spruch zurückgezogen haben, und die veröffentlichte
Meinung, die den Spruch wie gesagt sogar als
"Nazi-Werbung" bezeichnete.

Gerald Fix

unread,
Jan 14, 2009, 10:28:34 AM1/14/09
to

Buchenwald war im Westen ein, sagen wir mal, wenig pouläres KZ. Dachau
war viel bekannter.


--
Viele Grüße
Gerald Fix

Wolfgang Krietsch

unread,
Jan 14, 2009, 11:00:18 AM1/14/09
to
Gerald Fix <geral...@t-online.de> wrote:

>
>Buchenwald war im Westen ein, sagen wir mal, wenig pouläres KZ. Dachau
>war viel bekannter.

MUSEN kann man im Englischen durchaus "popular" verwenden und damit
einfach nur wertfrei "bekannt" meinen, im Deutschen bedeutet für mich
"populär" aber immmer auch "beliebt" - und ist somit für ein KZ
ziemlich unpassen.

Grüße

woffi

Wolfram Heinrich

unread,
Jan 14, 2009, 11:01:54 AM1/14/09
to

Das mag wohl sein.

Ciao
Wolfram
--
Die meisten Dinge sind verflucht einfach. Sie werden erst durch schlaue
Leute zum Problem.
COSTABILE MATARAZZO

Gerald Fix

unread,
Jan 14, 2009, 11:32:08 AM1/14/09
to
On Wed, 14 Jan 2009 17:00:18 +0100, Wolfgang Krietsch
<wkri...@gmx.de> wrote:

>>Buchenwald war im Westen ein, sagen wir mal, wenig pouläres KZ. Dachau
>>war viel bekannter.
>
>MUSEN kann man im Englischen durchaus "popular" verwenden und damit
>einfach nur wertfrei "bekannt" meinen, im Deutschen bedeutet für mich
>"populär" aber immmer auch "beliebt" - und ist somit für ein KZ
>ziemlich unpassen.

Ich gestehe, hier einen Anglizismus verwendet zu haben.

Man kann inzwischen auch im Deutschen populär für bekannt verwenden -
oder würdest du Popularität immer mit Beliebtheit gleichsetzen? Du
hast allerdings recht, für ein KZ ist es unpassend.

Andreas Prilop

unread,
Jan 14, 2009, 11:46:35 AM1/14/09
to
On Wed, 14 Jan 2009, Thomas Frieling wrote:

> Der Zentralrat der der Juden in Deutschland

Warum nicht "Jüdinnen und Juden"?

> hält den Kernsatz der Kampagne "Jedem den Seinen" in Abwandlung des
> bekannten Spruches "Jedem das Seine" für Nazi-Jargon und wirft den
> Initiatoren Geschichtsunkenntnis vor.

Das Wort "Führerschein" ist sogar sexistisch *und* faschistisch!
Wann wird das endlich ausgemerzt ... äh ... will sagen: ersetzt?

--
Ich bin Antifaschist - ich fahre nicht auf der Autobahn.

Wolfram Heinrich

unread,
Jan 14, 2009, 12:14:09 PM1/14/09
to

Es ging hier um den anderen Spruch: "Arbeit macht frei".

Ciao
Wolfram
--
Ah ! ça ira, ça ira, ça ira, / Les aristocrats à la lanterne, / Ah ! ça
ira, ça ira, ça ira, / Les aristocrats on les pendra; / Et quand on les
aura tout pendus, / On leurs fich’ra la pelle au cul.

Oliver Cromm

unread,
Jan 14, 2009, 12:30:56 PM1/14/09
to

Richtig gut funktioniert es im Englischen erst mit "Yeah, right."

--
von Muret ein gugeln guot
mit lûtrem vêhen bunde
V. D. HAGEN

Oliver Cromm

unread,
Jan 14, 2009, 12:31:00 PM1/14/09
to
* Wolfgang Krietsch <wkri...@gmx.de> wrote:

> Lothar Frings <da_l...@gmx.de> wrote:
>
>>Wolfgang Krietsch tat kund:
>>
>>> Ich sehe das genauso. Aber ich denke, wenn erstmal eine Institution
>>> wie der Zentralrat der Juden sich öffentlich empört, hat man als
>>> Unternehmen kaum noch eine andere Chance als Betroffenheit zu heucheln
>>> und die Kampagne zu ändern - so albern das auch im Grunde sein mag.
>>
>>Traurig, daß sich jemand von einem Haufen Spinner
>>den Mund verbieten läßt.
>
> Soweit, die pauschal als Haufen Spinner zu bezeichnen, würde ich nicht
> gehen.

Wenn das als allgemeines Urteil gelten soll, ja - und davon muß man bei
Lothar wohl ausgehen.

Aber so gemeint wie ein "Warum fährt der Idiot da vorne nicht??!!", also
in dem Sinne, daß sich jemand im Moment gerade idiotisch oder spinnert
verhält, ohne daß er (oder sie) immer und von Grund auf so sein muß,
paßt es schon, finde ich.

--
binsaugnesseln, hummelsköl, mönchspfeffer, gugelköpf, minbrüdermüntz
FISCHART
GRIMM, Deutsches Wörterbuch

Oliver Cromm

unread,
Jan 14, 2009, 12:34:51 PM1/14/09
to
* Felix Neumann <felix....@inka.de> wrote:

> Es wundert mich, daß die Verwendung in Buchenwald so unbekannt sein
> soll. Sich fetischhaft daran aufzuhängen ist eins -- gerade die
> zynische Verwendung dieses Spruchs ist aber so bezeichnend für das
> gesamte Nazisystem, daß das KZ-Tor zurecht als pädagogische
> Steilvorlage erkannt und genutzt wird.

Ich halte das deswegen für irrelevant, weil der Spruch eben alltägliches
Deutsch ist und kaum auch nur als Zitat erkennbar.

--
dasz jederman sehe, wie falsch unsere gugelmönche zu ihres ordens
verteidigung der ersten kirchenexempel anziehen Calvin
GRIMM, Deutsches Wörterbuch

Oliver Cromm

unread,
Jan 14, 2009, 12:37:53 PM1/14/09
to
* Felix Neumann <felix....@inka.de> wrote:

> Es wundert mich, daß die Verwendung in Buchenwald so unbekannt sein
> soll. Sich fetischhaft daran aufzuhängen ist eins -- gerade die
> zynische Verwendung dieses Spruchs ist aber so bezeichnend für das
> gesamte Nazisystem, daß das KZ-Tor zurecht als pädagogische
> Steilvorlage erkannt und genutzt wird.

Ich halte das deswegen für irrelevant, weil der Spruch eben alltägliches

Deutsch ist und kaum auch nur als Zitat erkennbar. Wenn jemand "des
Pudels Kern" findet, ist es auch nicht jedesmal der Teufel.

Richard Loebner

unread,
Jan 14, 2009, 1:20:12 PM1/14/09
to
The message <157ki3jre9x3d$.d...@www.theodor-rieh.de>

from Wolfram Heinrich <in...@theodor-rieh.de> contains these words:

> Am Wed, 14 Jan 2009 12:14:20 GMT schrieb Richard Loebner:

> > The message <ltd1fjz1265l$.d...@www.theodor-rieh.de>
> > from Wolfram Heinrich <in...@theodor-rieh.de> contains these words:
> >
> >> Am Wed, 14 Jan 2009 11:46:36 +0100 schrieb Frank Hucklenbroich:
> >
> >>> Am Wed, 14 Jan 2009 11:02:43 +0100 schrieb Wolfram Heinrich:
> >>>
> >>>> Was ganz anderes ist natürlich der Spruch aus Auschwitz "Arbeit macht
> >>>> frei". Gegen diesen Spruch ist im Grunde auch nichts einzuwenden,
> >>>> aber er
> >>>> ist dermaßen naziversudelt, daß man ihn in der Tat nicht unbedacht
> >>>> verwenden sollte.
> >>>
> >>> Selbst wenn der Spruch nicht Nazi-besudelt wäre fällt mir
> >>> eigentlich keine
> >>> Gelegenheit ein, bei der ich in Versuchung käme, ihn im täglichen
> >>> Sprachgebrauch zu verwenden.
> >>>
> >> Hmnja, das ist richtig.
> >
> > Abgesehen davon das die urspruengliche roemische als klassisch gebettet
> > war, ist der Spruch eine armselige Vereinfachung eines viel serioeseren
> > Gedankens den es ohne weitere Deutung schlecht wiedergibt.

> Es ging hier um den anderen Spruch: "Arbeit macht frei".


War halt noch bei "suum cuique", aber wenns um "Arbeit macht frei" geht,
dann frage ich wer da frei wird.
Oder ist "Arbeit sei gratis zu leisten" gemeint?

--

Gruß
Richard

Richard Loebner

unread,
Jan 14, 2009, 1:15:15 PM1/14/09
to
The message <6esrm41qmc0ukcmrc...@4ax.com>
from Wolfgang Krietsch <wkri...@gmx.de> contains these words:

> Lothar Frings <da_l...@gmx.de> wrote:


Ich sehe das umgekehrt.
Es bringt Trauriges wieder in Erinnerung ohne damit eine Loesung
gewaehrleisten zu koennen.

--

Gruß
Richard

Wolfram Heinrich

unread,
Jan 14, 2009, 1:45:10 PM1/14/09
to
Am Wed, 14 Jan 2009 18:20:12 GMT schrieb Richard Loebner:

> The message <157ki3jre9x3d$.d...@www.theodor-rieh.de>
> from Wolfram Heinrich <in...@theodor-rieh.de> contains these words:
>

>>> Abgesehen davon das die urspruengliche roemische als klassisch gebettet
>>> war, ist der Spruch eine armselige Vereinfachung eines viel serioeseren
>>> Gedankens den es ohne weitere Deutung schlecht wiedergibt.
>
>> Es ging hier um den anderen Spruch: "Arbeit macht frei".
>
> War halt noch bei "suum cuique", aber wenns um "Arbeit macht frei" geht,
> dann frage ich wer da frei wird.
> Oder ist "Arbeit sei gratis zu leisten" gemeint?

Es sollte wohl heißen: "Wenn du brav und fleißig arbeitest, dann kommst du
hier irgendwann auch wieder raus."

Ciao
Wolfram
--
Ja, ist das jetzt wahr? Das wäre ja Wahnsinn, wenn das wahr wäre. Es wird
wahrscheinlich doch nicht wahr sein.

G.O.Tuhls

unread,
Jan 14, 2009, 3:28:34 PM1/14/09
to
On 14 Jan., 18:31, Oliver Cromm wrote:

> >>> Ich sehe das genauso. Aber ich denke, wenn erstmal eine Institution
> >>> wie der Zentralrat der Juden sich öffentlich empört, hat man als
> >>> Unternehmen kaum noch eine andere Chance als Betroffenheit zu heucheln
> >>> und die Kampagne zu ändern - so albern das auch im Grunde sein mag.
>
> >>Traurig, daß sich jemand von einem Haufen Spinner
> >>den Mund verbieten läßt.
>
> > Soweit, die pauschal als Haufen Spinner zu bezeichnen, würde ich nicht
> > gehen.
>
> Wenn das als allgemeines Urteil gelten soll, ja - und davon muß man bei
> Lothar wohl ausgehen.
>
> Aber so gemeint wie ein "Warum fährt der Idiot da vorne nicht??!!", also
> in dem Sinne, daß sich jemand im Moment gerade idiotisch oder spinnert
> verhält, ohne daß er (oder sie) immer und von Grund auf so sein muß,
> paßt es schon, finde ich.

Da Zentralräte jedweder Art offensichtlich als edelste Aufgabe das
Berufsbetroffensein ansehen und das auch zu jeder (un)passenden
Gelegenheit praktizieren, hinkt der Vergleich zu dem eben mal
trödelnden Autofahrer aber gewaltig. Institutionalisierte
Betroffenheit wirkt auf Normaldenkende nun mal spinnert. Die Menschen
wünschen gern selbst zu entscheiden, was sie betroffen macht.

Antiindoktrinäre Grüße
G.O.

Christina Kunze

unread,
Jan 14, 2009, 4:54:22 PM1/14/09
to
"Wolfram Heinrich" <in...@theodor-rieh.de> schrieb
[suum quique]

>>
> Der Spruch aber ist sehr, sehr viel älter als die Nazis und - vor allem -
> er wird heute noch häufig verwendet in absolut nazifernem Zusammenhang.
> Also ich kann die Aufregung nicht nachvollziehen, aber bitte: Jedem das
> Seine.

Des Rätsels Lösung (und in gewissen Grenzen der Grund für die
Empörung) könnte in der derzeitigen Verteilung von Bildung
liegen. Wer, bitte, kann noch Latein, und wie oft haben alle
jüngeren Generationen in der Schule diesen Spruch am
KZ-Tor gesehen? Genau.

chr

Wolfgang Krietsch

unread,
Jan 14, 2009, 5:45:13 PM1/14/09
to
Lothar Frings wrote:

>Mir fällt kein netterer Ausdruck für jemanden ein,
>der etwas glaubt, was allen Naturgesetzen widerspricht.
>Dagegen sind die Hohl- und Scheibenweltler ja noch
>fast zurechnungsfähig.

Ach Gottchen (sic!). Wenn für mich jeder gleich ein Spinner wäre, der
irgendwelche religiösen oder esoterischen Überzeugungen hat, die ich nicht
teile, dann hoffe ich nur, dass mir die gleiche Intoleranz nicht auch
entgegengebracht wird.

>In der FR selber steht das mit der Überschrift
>"Nazi-Werbung".

Das allerdings finde ich auch peinlich.

Wolfgang Krietsch

unread,
Jan 14, 2009, 5:48:36 PM1/14/09
to
Oliver Cromm wrote:

Ebenso wie im Deutschen mit "Ja, klar". In beiden Sprachen eine Frage der
Betonung.

Wolfgang Krietsch

unread,
Jan 14, 2009, 5:47:11 PM1/14/09
to
Gerald Fix wrote:

>Man kann inzwischen auch im Deutschen populär für bekannt verwenden -
>oder würdest du Popularität immer mit Beliebtheit gleichsetzen?

Ja, ich empfinde das im Deutschen so.

Wolfgang Krietsch

unread,
Jan 14, 2009, 5:51:04 PM1/14/09
to
Lothar Frings wrote:


>Sorry, aber erstens bin ich der Bundesrepublik
>nicht beigetreten und zweitens bin ich ausschließlich
>für mein eigenes Handeln verantwortlich.

Und drittens kann ich nicht, auch nicht indirekt, für etwas verwnatwortlich
sein, was etliche Jahre vor meiner Geburt geschehen ist.

Lothar Frings

unread,
Jan 15, 2009, 2:35:18 AM1/15/09
to
Wolfgang Krietsch tat kund:

> Lothar Frings wrote:
> >Mir fällt kein netterer Ausdruck für jemanden ein,
> >der etwas glaubt, was allen Naturgesetzen widerspricht.
> >Dagegen sind die Hohl- und Scheibenweltler ja noch
> >fast zurechnungsfähig.
>
> Ach Gottchen (sic!). Wenn für mich jeder gleich ein Spinner wäre, der
> irgendwelche religiösen oder esoterischen Überzeugungen hat, die ich nicht
> teile,  dann hoffe ich nur, dass mir die gleiche Intoleranz nicht auch
> entgegengebracht wird.

Was muß man denn glauben, um in deinen
Augen als Spinner zu gelten? Daß die Erde
irgendwann von einer riesigen Sternenziege
gefressen wird?

Frank Hucklenbroich

unread,
Jan 15, 2009, 3:17:10 AM1/15/09
to
Am Wed, 14 Jan 2009 17:32:08 +0100 schrieb Gerald Fix:

> Man kann inzwischen auch im Deutschen populär für bekannt verwenden -
> oder würdest du Popularität immer mit Beliebtheit gleichsetzen?

Genau das. Popularität ist positiv besetzt. Ein populärer Politiker ist im
Volk nicht nur bekannt, sondern auch beliebt. Das Gegenteil wäre dann
"berüchtigt" - es ist auch bekannt, aber gefürchtet.

> Du
> hast allerdings recht, für ein KZ ist es unpassend.

Allerdings.

Grüße,

Frank

Frank Hucklenbroich

unread,
Jan 15, 2009, 3:18:58 AM1/15/09
to
Am Wed, 14 Jan 2009 17:46:35 +0100 schrieb Andreas Prilop:

> Das Wort "Führerschein" ist sogar sexistisch *und* faschistisch!
> Wann wird das endlich ausgemerzt ... äh ... will sagen: ersetzt?

Und jetzt weißt Du auch, warum das Ding schon seit Jahren "Fahrerlaubnis"
heißt.

SCNR,

Frank

Erick T. Barkhuis

unread,
Jan 15, 2009, 3:23:31 AM1/15/09
to
Frank Hucklenbroich:

Hmm...mein Führerschein ist ein Führerschein, und bescheinigt die
Erlaubnis zum Fahren. Steht drauf!


--
Erick

Wolfram Heinrich

unread,
Jan 15, 2009, 3:44:12 AM1/15/09
to

Hm, ich hatte das Wort "populär" in dem Zusammenhang als sehr sarkastischen
Kommentar aufgefaßt.
So wie Freud, der vor seiner Ausreise aus dem besetzten Österreich einen
Revers unterschreiben mußte, in dem er bestätigte, daß er von der SS
korrekt behandelt worden sei. Er leistete die Unterschrift und schrieb
darunter: "Ich kann die SS jedermann nur wärmstens empfehlen."

Ciao
Wolfram
--
Die köstlichsten Fensterputzer sind meist erfunden - O. WIED

i95

unread,
Jan 15, 2009, 4:52:29 AM1/15/09
to
also im türkischen gibt es auch den spruch:

"calisan demir paslanmaz"... arbeitendes metall rostet nicht...
ist, wie ich finde, sehr ähnlich zu "arbeit macht frei"
ich weiss garnicht warum die als meckern... einfach ignorieren sollte
man sie...
so langsam übertreiben dies doch mit ihrem gemeckere... immer nur
"empörung empörung"

Wolfram Heinrich

unread,
Jan 15, 2009, 5:05:09 AM1/15/09
to
Am Thu, 15 Jan 2009 01:52:29 -0800 (PST) schrieb i95:

> also im türkischen gibt es auch den spruch:
>
> "calisan demir paslanmaz"... arbeitendes metall rostet nicht...
> ist, wie ich finde, sehr ähnlich zu "arbeit macht frei"

Nein. Die deutsche Entsprechung wäre: "Wer rastet, der rostet".

Ciao
Wolfram
--
REVAULUZIAUN
hosd / den frechn untadon / in mein / jawoi / ghead?
QUELLE UNBEKANNT

Lothar Frings

unread,
Jan 15, 2009, 5:07:47 AM1/15/09
to
i95 tat kund:

> also im türkischen gibt es auch den spruch:
>
> "calisan demir paslanmaz"... arbeitendes metall rostet nicht...

Offenbar vor Erfindung des Autos entstanden.

G.O.Tuhls

unread,
Jan 15, 2009, 5:16:24 AM1/15/09
to
On 15 Jan., 09:17, Frank Hucklenbroich wrote:

> > Man kann inzwischen auch im Deutschen populär für bekannt verwenden -
> > oder würdest du Popularität immer mit Beliebtheit gleichsetzen?
>
> Genau das. Popularität ist positiv besetzt. Ein populärer Politiker ist im
> Volk nicht nur bekannt, sondern auch beliebt. Das Gegenteil wäre dann
> "berüchtigt" - es ist auch bekannt, aber gefürchtet.

MUSEN ist "populär" wertfrei, eine populäre Person muss nicht gemocht
werden. Sowohl Obama als auch Osama sind populär, beliebt ist
allerdings nur einer von beiden.

Gruß
G.O.

G.O.Tuhls

unread,
Jan 15, 2009, 5:31:50 AM1/15/09
to
On 15 Jan., 09:23, Erick T. Barkhuis wrote:

> > > Das Wort "Führerschein" ist sogar sexistisch *und* faschistisch!
> > > Wann wird das endlich ausgemerzt ... äh ... will sagen: ersetzt?
>
> > Und jetzt weißt Du auch, warum das Ding schon seit Jahren "Fahrerlaubnis"
> > heißt.
>
> Hmm...mein Führerschein ist ein Führerschein, und bescheinigt die
> Erlaubnis zum Fahren. Steht drauf!

Nix "Fahren", in meinem (rosa) steht als Auflage: "Beim Führen von
Kraftfahrzeugen sind geeignete Augengläser zu tragen."
Die Mehrsprachigkeit führt übrinx zu der Einsicht, dass auch
anderenorts meist vom "Führen" die Rede ist (Permis de conduire,
Permiso de Conducción, Patente di guida, Carta de Condução). Von den
mir annähernd bekannten, dort ausgewiesenen Sprachen weicht nur das
Angelsächsische mit der "Treibergenehmigung" von dieser Tendenz ab.

Gruß
G.O.

Frank Hucklenbroich

unread,
Jan 15, 2009, 5:42:49 AM1/15/09
to
Am Thu, 15 Jan 2009 02:31:50 -0800 (PST) schrieb G.O.Tuhls:

> On 15 Jan., 09:23, Erick T. Barkhuis wrote:
>
>>> > Das Wort "Führerschein" ist sogar sexistisch *und* faschistisch!
>>> > Wann wird das endlich ausgemerzt ... äh ... will sagen: ersetzt?
>>
>>> Und jetzt weißt Du auch, warum das Ding schon seit Jahren "Fahrerlaubnis"
>>> heißt.
>>
>> Hmm...mein Führerschein ist ein Führerschein, und bescheinigt die
>> Erlaubnis zum Fahren. Steht drauf!
>
> Nix "Fahren", in meinem (rosa) steht als Auflage: "Beim Führen von
> Kraftfahrzeugen sind geeignete Augengläser zu tragen."

Das hatte ich in meinem rosafarbenen Lappen auch mal drin, als Stempel. Im
Laufe der Jahre hat sich die Stempelfarbe aber in Wohlgefallen aufgelöst,
war wohl eine Art Geheimtinte :-)

> Die Mehrsprachigkeit führt übrinx zu der Einsicht, dass auch
> anderenorts meist vom "Führen" die Rede ist (Permis de conduire,
> Permiso de Conducción, Patente di guida, Carta de Condução).

Das ist ja im Prinzip auch korrekt. Man "führt" das Auto. Und das Auto
fährt. Man selbst kann nicht fahren, es sei denn man hat Rollschuhe an :-)

Grüße,

Frank

Lothar Frings

unread,
Jan 15, 2009, 5:43:10 AM1/15/09
to
G.O.Tuhls tat kund:

> MUSEN ist "populär" wertfrei, eine populäre Person muss nicht gemocht
> werden.

Sehe ich anders. Für mich ist "populär" auf jeden
Fall positiv besetzt.

Frank Hucklenbroich

unread,
Jan 15, 2009, 5:44:00 AM1/15/09