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grundsätzlich, prinzipiell

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Stefan Schmitz

unread,
Dec 22, 2009, 4:49:42 PM12/22/09
to
Ich bin mal wieder Zeuge eines Missverständnisses über die Bedeutung
von "grundsätzlich" geworden.
Eine Seite verstand es als "unter allen Umständen", die andere als "in
der Regel".

Das gleiche Problem taucht auch bei "prinzipiell" auf.

Nun sagte jemand, die erste Bedeutung sei die mathematisch-
naturwissenschaftliche, die zweite die juristische. Ist das
tatsächlich so?

Ich selbst verwende im Alltag beide Versionen, aber mit
unterschiedlicher Betonung bzw Satzbau. Wie sieht es bei euch aus?

Thomas Schade

unread,
Dec 22, 2009, 4:57:41 PM12/22/09
to
On 22.12.2009 22:49, Stefan Schmitz wrote:

> Ich bin mal wieder Zeuge eines Missverst�ndnisses �ber die Bedeutung
> von "grunds�tzlich" geworden.
> Eine Seite verstand es als "unter allen Umst�nden", die andere als "in


> der Regel".
>
> Das gleiche Problem taucht auch bei "prinzipiell" auf.
>
> Nun sagte jemand, die erste Bedeutung sei die mathematisch-
> naturwissenschaftliche, die zweite die juristische. Ist das

> tats�chlich so?


>
> Ich selbst verwende im Alltag beide Versionen, aber mit
> unterschiedlicher Betonung bzw Satzbau. Wie sieht es bei euch aus?

Mir ist 'grunds�tzlich' in der Bedeutung 'unter allen Umst�nden' zwar
nicht unbekannt, ich verwende es so aber eher selten. Hinter
'grunds�tzlich' folgt in meiner Erfahrung sehr h�ufig ein 'aber', was
also eher f�r die Bedeutung 'in der Regel spricht':
"Das ist grunds�tzlich schon richtig, was du sagst, aber ..."

F�r 'prinzipiell' gilt grunds�tzlich das Gleiche.


Ciao
Toscha
--
Ambition is a poor excuse
for not having enough sense to be lazy.

Walter P. Zaehl

unread,
Dec 22, 2009, 4:59:16 PM12/22/09
to
Stefan Schmitz schrieb:

> Ich bin mal wieder Zeuge eines Missverst�ndnisses �ber die Bedeutung
> von "grunds�tzlich" geworden.
> Eine Seite verstand es als "unter allen Umst�nden", die andere als "in

> der Regel".
>
> Das gleiche Problem taucht auch bei "prinzipiell" auf.
>
> Nun sagte jemand, die erste Bedeutung sei die mathematisch-
> naturwissenschaftliche, die zweite die juristische. Ist das
> tats�chlich so?

>
> Ich selbst verwende im Alltag beide Versionen, aber mit
> unterschiedlicher Betonung bzw Satzbau. Wie sieht es bei euch aus?

Ich kann nur zu "grunds�tzlich" was Grunds�tzliches sagen: ;-)

Im Sprachgebrauch der Juristen hei�t "grunds�tzlich"
tats�chlich: "es gibt einen Grundsatz, aber davon kann
es (begr�ndete) Ausnahmen geben".

Im Sprachgebrauch normaler Menschen hei�t es:
"es gibt einen (ehernen) Grundsatz, und davon kann es
niemals nicht eine Ausnahme geben".

Also grunds�tzlich genau andersrum ;-)

"Prinzipiell" sagen Juristen nach meiner Erfahrung nicht,
vielleicht weil das Wort im Gegensatz zu "grunds�tzlich"
nicht definiert ist ...
/Walter

Thomas Schade

unread,
Dec 22, 2009, 5:11:50 PM12/22/09
to
On 22.12.2009 22:59, Walter P. Zaehl wrote:

> Im Sprachgebrauch der Juristen hei�t "grunds�tzlich"
> tats�chlich: "es gibt einen Grundsatz, aber davon kann
> es (begr�ndete) Ausnahmen geben".
>
> Im Sprachgebrauch normaler Menschen hei�t es:
> "es gibt einen (ehernen) Grundsatz, und davon kann es
> niemals nicht eine Ausnahme geben".

Na klasse. Soll ich mich jetzt geschmeichelt f�hlen, dass ich kein
'normaler' Mensch bin, oder eher beleidigt sein, dass du meinem
Sprachgebrauch eine N�he zum Juristentum andichtest.

> Also grunds�tzlich genau andersrum ;-)

MUSEN nicht. ;)


Ciao
Toscha
--
Ich bremse auch f�r Biere.

Rolf Magnus

unread,
Dec 22, 2009, 5:55:15 PM12/22/09
to
Thomas Schade wrote:

> On 22.12.2009 22:49, Stefan Schmitz wrote:
>

>> Ich bin mal wieder Zeuge eines Missverständnisses über die Bedeutung

>> von "grundsätzlich" geworden.
>> Eine Seite verstand es als "unter allen Umständen", die andere als "in


>> der Regel".
>>
>> Das gleiche Problem taucht auch bei "prinzipiell" auf.
>>
>> Nun sagte jemand, die erste Bedeutung sei die mathematisch-
>> naturwissenschaftliche, die zweite die juristische. Ist das

>> tatsächlich so?


>>
>> Ich selbst verwende im Alltag beide Versionen, aber mit
>> unterschiedlicher Betonung bzw Satzbau. Wie sieht es bei euch aus?
>

> Mir ist 'grundsätzlich' in der Bedeutung 'unter allen Umständen' zwar


> nicht unbekannt, ich verwende es so aber eher selten. Hinter

> 'grundsätzlich' folgt in meiner Erfahrung sehr häufig ein 'aber', was
> also eher für die Bedeutung 'in der Regel spricht':
> "Das ist grundsätzlich schon richtig, was du sagst, aber ..."
>
> Für 'prinzipiell' gilt grundsätzlich das Gleiche.

Bei 'prinzipiell' denke ich auch an 'im Prinzip', was an sich auch das
Gleiche ist.

Walter P. Zaehl

unread,
Dec 22, 2009, 6:02:49 PM12/22/09
to
Thomas Schade schrieb:


Na klasse. Soll ich mich jetzt schei�e f�hlen, weil mir
die WP recht gibt? ;-)

Du hattest mich verunsichert, und ich habe nachgesehen.
Das "grunds�tzlich" der normalen Menschen dr�ckt der
Jurist durch "stets" aus. Klingt MJSEN richtig ...

Einer der Gr�nde �brigens, warum ich ein "grunds�tzlich"
im allt�glichen Sprachgebrauch entweder vermeide und durch
"eigentlich", "normalerweise" o.�. umschreibe.

Aber davon mal abgesehen: "nebenan" beschreibst Du doch
genau einen Sprachgebrauch, der nahelegt, dass Du das
"grunds�tzlich" eben nicht im juristischen, sondern im
"normalen" Sinne verwendest (vgl. mein Kommentar dort).

/Walter


Walter P. Zaehl

unread,
Dec 22, 2009, 6:05:37 PM12/22/09
to
Thomas Schade schrieb:

> On 22.12.2009 22:49, Stefan Schmitz wrote:
>
>> Ich bin mal wieder Zeuge eines Missverst�ndnisses �ber die Bedeutung
>> von "grunds�tzlich" geworden.
>> Eine Seite verstand es als "unter allen Umst�nden", die andere als "in
>> der Regel".
>>
>> Das gleiche Problem taucht auch bei "prinzipiell" auf.
>>
>> Nun sagte jemand, die erste Bedeutung sei die mathematisch-
>> naturwissenschaftliche, die zweite die juristische. Ist das
>> tats�chlich so?
>>
>> Ich selbst verwende im Alltag beide Versionen, aber mit
>> unterschiedlicher Betonung bzw Satzbau. Wie sieht es bei euch aus?
>
> Mir ist 'grunds�tzlich' in der Bedeutung 'unter allen Umst�nden' zwar
> nicht unbekannt, ich verwende es so aber eher selten. Hinter
> 'grunds�tzlich' folgt in meiner Erfahrung sehr h�ufig ein 'aber', was
> also eher f�r die Bedeutung 'in der Regel spricht':
> "Das ist grunds�tzlich schon richtig, was du sagst, aber ..."

Einspruch, Euer Ehren: durch die Hinzuf�gung dieser Einschr�nkung
weist Du klar darauf hin, dass Du davon ausgehst, dass man die
M�glichkeit einer Ausnahme ausdr�cklich einr�umen muss.

F�r einen Juristen w�re das (nur im Umgang mit anderen Juristen,
nat�rlich) nicht erforderlich, da in der Definition des
Wortes "grunds�tzlich" schon enthalten.

Also: Du bist normal. ;-)

/Walter

Thomas Schade

unread,
Dec 22, 2009, 6:15:37 PM12/22/09
to
On 23.12.2009 00:05, Walter P. Zaehl wrote:
> Thomas Schade schrieb:
>> On 22.12.2009 22:49, Stefan Schmitz wrote:

>>> Ich bin mal wieder Zeuge eines Missverst�ndnisses �ber die Bedeutung
>>> von "grunds�tzlich" geworden.
>>> Eine Seite verstand es als "unter allen Umst�nden", die andere als "in
>>> der Regel".
>>>
>>> Das gleiche Problem taucht auch bei "prinzipiell" auf.
>>>
>>> Nun sagte jemand, die erste Bedeutung sei die mathematisch-
>>> naturwissenschaftliche, die zweite die juristische. Ist das
>>> tats�chlich so?
>>>
>>> Ich selbst verwende im Alltag beide Versionen, aber mit
>>> unterschiedlicher Betonung bzw Satzbau. Wie sieht es bei euch aus?
>>
>> Mir ist 'grunds�tzlich' in der Bedeutung 'unter allen Umst�nden' zwar
>> nicht unbekannt, ich verwende es so aber eher selten. Hinter
>> 'grunds�tzlich' folgt in meiner Erfahrung sehr h�ufig ein 'aber', was
>> also eher f�r die Bedeutung 'in der Regel spricht':
>> "Das ist grunds�tzlich schon richtig, was du sagst, aber ..."
>
> Einspruch, Euer Ehren: durch die Hinzuf�gung dieser Einschr�nkung
> weist Du klar darauf hin, dass Du davon ausgehst, dass man die
> M�glichkeit einer Ausnahme ausdr�cklich einr�umen muss.

Klar. Das ist aber der Gebrauch, wie ich ihn auch bei Stefans 'als "in
der Regel" gesehen habe. In diesem Gebrauch /funktioniert/
'grunds�tzlich' nur mit einem folgenden, einschr�nkenden 'aber'.

> F�r einen Juristen w�re das (nur im Umgang mit anderen Juristen,
> nat�rlich) nicht erforderlich, da in der Definition des
> Wortes "grunds�tzlich" schon enthalten.
>
> Also: Du bist normal. ;-)

Lieber normal als Jurist. *g*


Ciao
Toscha
--
It's better to burn out, than to fade away.
[Neil Young]

Thomas Schade

unread,
Dec 22, 2009, 6:22:56 PM12/22/09
to
On 23.12.2009 00:02, Walter P. Zaehl wrote:
> Thomas Schade schrieb:

>>> Im Sprachgebrauch normaler Menschen hei�t es:


>>> "es gibt einen (ehernen) Grundsatz, und davon kann es
>>> niemals nicht eine Ausnahme geben".
>>
>> Na klasse. Soll ich mich jetzt geschmeichelt f�hlen, dass ich kein
>> 'normaler' Mensch bin, oder eher beleidigt sein, dass du meinem
>> Sprachgebrauch eine N�he zum Juristentum andichtest.
>>
>>> Also grunds�tzlich genau andersrum ;-)
>>
>> MUSEN nicht. ;)
>
>
> Na klasse. Soll ich mich jetzt schei�e f�hlen, weil mir
> die WP recht gibt? ;-)

Eh. *g*

> Du hattest mich verunsichert, und ich habe nachgesehen.
> Das "grunds�tzlich" der normalen Menschen dr�ckt der
> Jurist durch "stets" aus. Klingt MJSEN richtig ...

Ich kann hier die �hnlichkeit zwischen 'grunds�tzlich' und 'stets'
erkennen. Ich kann mich nur nicht erinnern, 'normale' Menschen jemals
'grunds�tzlich' in dieser absoluten Form verwendet geh�rt zu haben. Ich
selbst verwende es so, also als 'stets', sicher nicht.

> Einer der Gr�nde �brigens, warum ich ein "grunds�tzlich"
> im allt�glichen Sprachgebrauch entweder vermeide und durch
> "eigentlich", "normalerweise" o.�. umschreibe.

Das ist aber doch alles die Form des eingeschr�nkten 'grunds�tzlich, aber'?

> Aber davon mal abgesehen: "nebenan" beschreibst Du doch
> genau einen Sprachgebrauch, der nahelegt, dass Du das
> "grunds�tzlich" eben nicht im juristischen, sondern im
> "normalen" Sinne verwendest (vgl. mein Kommentar dort).

Sehe ich eben nicht so, wie dort beantwortet. In meinem Sprachgebrauch
kommt 'grunds�tzlich' ohne 'aber' nicht aus, d.h. in dieser Bedeutung
(von dir) "es gibt einen (ehernen) Grundsatz, und davon kann es
niemals nicht eine Ausnahme geben" benutze ich es �berhaupt nicht.


Ciao
Toscha
--
I was a punk
before you were a punk.
[The Tubes]

Daniela Duerbeck

unread,
Dec 22, 2009, 8:08:15 PM12/22/09
to
Stefan Schmitz wrote:

> Nun sagte jemand, die erste Bedeutung sei die mathematisch-
> naturwissenschaftliche, die zweite die juristische. Ist das

> tats�chlich so?

Also zumindest aus der Mathematik ist mir jetzt der Begriff
"grunds�tzlich" nicht bekannt bzw. gel�ufig.
Bei "fast alle" h�tte ich jetzt sofort was mathematisches dazu sagen
k�nnen, aber bei "grunds�tzlich" mu� ich passen.

Viele Gr��e von Dani

P.S: "Fast alle" == "alle, bis auf endlich viele". "Fast alle M�nner
sind Schweine" ist mathematisch gesehen v�llig korrekt.

Gerald Fix

unread,
Dec 23, 2009, 12:33:40 AM12/23/09
to
On Tue, 22 Dec 2009 13:49:42 -0800 (PST), Stefan Schmitz
<ss...@gmx.de> wrote:

>Ich bin mal wieder Zeuge eines Missverst�ndnisses �ber die Bedeutung

>von "grunds�tzlich" geworden.
>Eine Seite verstand es als "unter allen Umst�nden", die andere als "in
>der Regel".

>Ich selbst verwende im Alltag beide Versionen, aber mit


>unterschiedlicher Betonung bzw Satzbau. Wie sieht es bei euch aus?

Es kann sein, dass damit "unter allen Umst�nden" gemeint ist,
aber eine Einschr�nkung liegt grunds�tzlich in der Luft.

Beginne ich einen Satz mit "grunds�tzlich", folgt immer eine
Einschr�nkung. Steht grunds�tzlich im Satzinnern, kann beides
gemeint sein.

Grunds�tzlich bin ich bereit, ...
Ich bin grunds�tzlich bereit, aber ...
Ich bin grunds�tzlich bereit.

--
Viele Gr��e
Gerald Fix

Roland Franzius

unread,
Dec 23, 2009, 4:06:30 AM12/23/09
to
Daniela Duerbeck schrieb:

Da "fast alle" in Wahrheit die Gesamtheit mit Ausnahmen von Mengen vom
Mass 0 bezeichnet, ist die Verwendung in endlichen Mengen "fast immer"
falsch.

--

Roland Franzius

Oliver Cromm

unread,
Dec 23, 2009, 5:56:48 PM12/23/09
to
* Stefan Schmitz:

> Ich bin mal wieder Zeuge eines Missverst�ndnisses �ber die Bedeutung

> von "grunds�tzlich" geworden.
> Eine Seite verstand es als "unter allen Umst�nden", die andere als "in
> der Regel".

[...]

> Ich selbst verwende im Alltag beide Versionen, aber mit
> unterschiedlicher Betonung bzw Satzbau. Wie sieht es bei euch aus?

Meine �blichen Verwendungen im Alltag sind:

- Das mache ich grunds�tzlich _so_, aber ...
(hier wird offensichtlich eine Ausnahme konstatiert)
- Das mache ich _grunds�tzlich_ nicht.
(hier ist "ohne Ausnahme" gemeint)

Also: ich benutze beide, aber die Bedeutung "ausnahmslos" kommt
�blicherweise mit Negation daher, und "grunds�tzlich" ist dann betont.
Die Bedeutung "in der Regel" steht mit folgender Ausnahme, und
grunds�tzlich ist nicht besonders betont.

Die Besonderheit im juristischen Sprachgebrauch hat m.E. Walter
herausgearbeitet: die Ausnahmen m�ssen nicht explizit als solche
gekennzeichnet werden.

--
gugelgesang, m., m�nchsgesang, pejorativ
GRIMM, Deutsches W�rterbuch

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