Das gleiche Problem taucht auch bei "prinzipiell" auf.
Nun sagte jemand, die erste Bedeutung sei die mathematisch-
naturwissenschaftliche, die zweite die juristische. Ist das
tatsächlich so?
Ich selbst verwende im Alltag beide Versionen, aber mit
unterschiedlicher Betonung bzw Satzbau. Wie sieht es bei euch aus?
> Ich bin mal wieder Zeuge eines Missverst�ndnisses �ber die Bedeutung
> von "grunds�tzlich" geworden.
> Eine Seite verstand es als "unter allen Umst�nden", die andere als "in
> der Regel".
>
> Das gleiche Problem taucht auch bei "prinzipiell" auf.
>
> Nun sagte jemand, die erste Bedeutung sei die mathematisch-
> naturwissenschaftliche, die zweite die juristische. Ist das
> tats�chlich so?
>
> Ich selbst verwende im Alltag beide Versionen, aber mit
> unterschiedlicher Betonung bzw Satzbau. Wie sieht es bei euch aus?
Mir ist 'grunds�tzlich' in der Bedeutung 'unter allen Umst�nden' zwar
nicht unbekannt, ich verwende es so aber eher selten. Hinter
'grunds�tzlich' folgt in meiner Erfahrung sehr h�ufig ein 'aber', was
also eher f�r die Bedeutung 'in der Regel spricht':
"Das ist grunds�tzlich schon richtig, was du sagst, aber ..."
F�r 'prinzipiell' gilt grunds�tzlich das Gleiche.
Ciao
Toscha
--
Ambition is a poor excuse
for not having enough sense to be lazy.
Ich kann nur zu "grunds�tzlich" was Grunds�tzliches sagen: ;-)
Im Sprachgebrauch der Juristen hei�t "grunds�tzlich"
tats�chlich: "es gibt einen Grundsatz, aber davon kann
es (begr�ndete) Ausnahmen geben".
Im Sprachgebrauch normaler Menschen hei�t es:
"es gibt einen (ehernen) Grundsatz, und davon kann es
niemals nicht eine Ausnahme geben".
Also grunds�tzlich genau andersrum ;-)
"Prinzipiell" sagen Juristen nach meiner Erfahrung nicht,
vielleicht weil das Wort im Gegensatz zu "grunds�tzlich"
nicht definiert ist ...
/Walter
> Im Sprachgebrauch der Juristen hei�t "grunds�tzlich"
> tats�chlich: "es gibt einen Grundsatz, aber davon kann
> es (begr�ndete) Ausnahmen geben".
>
> Im Sprachgebrauch normaler Menschen hei�t es:
> "es gibt einen (ehernen) Grundsatz, und davon kann es
> niemals nicht eine Ausnahme geben".
Na klasse. Soll ich mich jetzt geschmeichelt f�hlen, dass ich kein
'normaler' Mensch bin, oder eher beleidigt sein, dass du meinem
Sprachgebrauch eine N�he zum Juristentum andichtest.
> Also grunds�tzlich genau andersrum ;-)
MUSEN nicht. ;)
Ciao
Toscha
--
Ich bremse auch f�r Biere.
> On 22.12.2009 22:49, Stefan Schmitz wrote:
>
>> Ich bin mal wieder Zeuge eines Missverständnisses über die Bedeutung
>> von "grundsätzlich" geworden.
>> Eine Seite verstand es als "unter allen Umständen", die andere als "in
>> der Regel".
>>
>> Das gleiche Problem taucht auch bei "prinzipiell" auf.
>>
>> Nun sagte jemand, die erste Bedeutung sei die mathematisch-
>> naturwissenschaftliche, die zweite die juristische. Ist das
>> tatsächlich so?
>>
>> Ich selbst verwende im Alltag beide Versionen, aber mit
>> unterschiedlicher Betonung bzw Satzbau. Wie sieht es bei euch aus?
>
> Mir ist 'grundsätzlich' in der Bedeutung 'unter allen Umständen' zwar
> nicht unbekannt, ich verwende es so aber eher selten. Hinter
> 'grundsätzlich' folgt in meiner Erfahrung sehr häufig ein 'aber', was
> also eher für die Bedeutung 'in der Regel spricht':
> "Das ist grundsätzlich schon richtig, was du sagst, aber ..."
>
> Für 'prinzipiell' gilt grundsätzlich das Gleiche.
Bei 'prinzipiell' denke ich auch an 'im Prinzip', was an sich auch das
Gleiche ist.
Na klasse. Soll ich mich jetzt schei�e f�hlen, weil mir
die WP recht gibt? ;-)
Du hattest mich verunsichert, und ich habe nachgesehen.
Das "grunds�tzlich" der normalen Menschen dr�ckt der
Jurist durch "stets" aus. Klingt MJSEN richtig ...
Einer der Gr�nde �brigens, warum ich ein "grunds�tzlich"
im allt�glichen Sprachgebrauch entweder vermeide und durch
"eigentlich", "normalerweise" o.�. umschreibe.
Aber davon mal abgesehen: "nebenan" beschreibst Du doch
genau einen Sprachgebrauch, der nahelegt, dass Du das
"grunds�tzlich" eben nicht im juristischen, sondern im
"normalen" Sinne verwendest (vgl. mein Kommentar dort).
/Walter
Einspruch, Euer Ehren: durch die Hinzuf�gung dieser Einschr�nkung
weist Du klar darauf hin, dass Du davon ausgehst, dass man die
M�glichkeit einer Ausnahme ausdr�cklich einr�umen muss.
F�r einen Juristen w�re das (nur im Umgang mit anderen Juristen,
nat�rlich) nicht erforderlich, da in der Definition des
Wortes "grunds�tzlich" schon enthalten.
Also: Du bist normal. ;-)
/Walter
>>> Ich bin mal wieder Zeuge eines Missverst�ndnisses �ber die Bedeutung
>>> von "grunds�tzlich" geworden.
>>> Eine Seite verstand es als "unter allen Umst�nden", die andere als "in
>>> der Regel".
>>>
>>> Das gleiche Problem taucht auch bei "prinzipiell" auf.
>>>
>>> Nun sagte jemand, die erste Bedeutung sei die mathematisch-
>>> naturwissenschaftliche, die zweite die juristische. Ist das
>>> tats�chlich so?
>>>
>>> Ich selbst verwende im Alltag beide Versionen, aber mit
>>> unterschiedlicher Betonung bzw Satzbau. Wie sieht es bei euch aus?
>>
>> Mir ist 'grunds�tzlich' in der Bedeutung 'unter allen Umst�nden' zwar
>> nicht unbekannt, ich verwende es so aber eher selten. Hinter
>> 'grunds�tzlich' folgt in meiner Erfahrung sehr h�ufig ein 'aber', was
>> also eher f�r die Bedeutung 'in der Regel spricht':
>> "Das ist grunds�tzlich schon richtig, was du sagst, aber ..."
>
> Einspruch, Euer Ehren: durch die Hinzuf�gung dieser Einschr�nkung
> weist Du klar darauf hin, dass Du davon ausgehst, dass man die
> M�glichkeit einer Ausnahme ausdr�cklich einr�umen muss.
Klar. Das ist aber der Gebrauch, wie ich ihn auch bei Stefans 'als "in
der Regel" gesehen habe. In diesem Gebrauch /funktioniert/
'grunds�tzlich' nur mit einem folgenden, einschr�nkenden 'aber'.
> F�r einen Juristen w�re das (nur im Umgang mit anderen Juristen,
> nat�rlich) nicht erforderlich, da in der Definition des
> Wortes "grunds�tzlich" schon enthalten.
>
> Also: Du bist normal. ;-)
Lieber normal als Jurist. *g*
Ciao
Toscha
--
It's better to burn out, than to fade away.
[Neil Young]
>>> Im Sprachgebrauch normaler Menschen hei�t es:
>>> "es gibt einen (ehernen) Grundsatz, und davon kann es
>>> niemals nicht eine Ausnahme geben".
>>
>> Na klasse. Soll ich mich jetzt geschmeichelt f�hlen, dass ich kein
>> 'normaler' Mensch bin, oder eher beleidigt sein, dass du meinem
>> Sprachgebrauch eine N�he zum Juristentum andichtest.
>>
>>> Also grunds�tzlich genau andersrum ;-)
>>
>> MUSEN nicht. ;)
>
>
> Na klasse. Soll ich mich jetzt schei�e f�hlen, weil mir
> die WP recht gibt? ;-)
Eh. *g*
> Du hattest mich verunsichert, und ich habe nachgesehen.
> Das "grunds�tzlich" der normalen Menschen dr�ckt der
> Jurist durch "stets" aus. Klingt MJSEN richtig ...
Ich kann hier die �hnlichkeit zwischen 'grunds�tzlich' und 'stets'
erkennen. Ich kann mich nur nicht erinnern, 'normale' Menschen jemals
'grunds�tzlich' in dieser absoluten Form verwendet geh�rt zu haben. Ich
selbst verwende es so, also als 'stets', sicher nicht.
> Einer der Gr�nde �brigens, warum ich ein "grunds�tzlich"
> im allt�glichen Sprachgebrauch entweder vermeide und durch
> "eigentlich", "normalerweise" o.�. umschreibe.
Das ist aber doch alles die Form des eingeschr�nkten 'grunds�tzlich, aber'?
> Aber davon mal abgesehen: "nebenan" beschreibst Du doch
> genau einen Sprachgebrauch, der nahelegt, dass Du das
> "grunds�tzlich" eben nicht im juristischen, sondern im
> "normalen" Sinne verwendest (vgl. mein Kommentar dort).
Sehe ich eben nicht so, wie dort beantwortet. In meinem Sprachgebrauch
kommt 'grunds�tzlich' ohne 'aber' nicht aus, d.h. in dieser Bedeutung
(von dir) "es gibt einen (ehernen) Grundsatz, und davon kann es
niemals nicht eine Ausnahme geben" benutze ich es �berhaupt nicht.
Ciao
Toscha
--
I was a punk
before you were a punk.
[The Tubes]
> Nun sagte jemand, die erste Bedeutung sei die mathematisch-
> naturwissenschaftliche, die zweite die juristische. Ist das
> tats�chlich so?
Also zumindest aus der Mathematik ist mir jetzt der Begriff
"grunds�tzlich" nicht bekannt bzw. gel�ufig.
Bei "fast alle" h�tte ich jetzt sofort was mathematisches dazu sagen
k�nnen, aber bei "grunds�tzlich" mu� ich passen.
Viele Gr��e von Dani
P.S: "Fast alle" == "alle, bis auf endlich viele". "Fast alle M�nner
sind Schweine" ist mathematisch gesehen v�llig korrekt.
>Ich bin mal wieder Zeuge eines Missverst�ndnisses �ber die Bedeutung
>von "grunds�tzlich" geworden.
>Eine Seite verstand es als "unter allen Umst�nden", die andere als "in
>der Regel".
>Ich selbst verwende im Alltag beide Versionen, aber mit
>unterschiedlicher Betonung bzw Satzbau. Wie sieht es bei euch aus?
Es kann sein, dass damit "unter allen Umst�nden" gemeint ist,
aber eine Einschr�nkung liegt grunds�tzlich in der Luft.
Beginne ich einen Satz mit "grunds�tzlich", folgt immer eine
Einschr�nkung. Steht grunds�tzlich im Satzinnern, kann beides
gemeint sein.
Grunds�tzlich bin ich bereit, ...
Ich bin grunds�tzlich bereit, aber ...
Ich bin grunds�tzlich bereit.
--
Viele Gr��e
Gerald Fix
Da "fast alle" in Wahrheit die Gesamtheit mit Ausnahmen von Mengen vom
Mass 0 bezeichnet, ist die Verwendung in endlichen Mengen "fast immer"
falsch.
--
Roland Franzius
> Ich bin mal wieder Zeuge eines Missverst�ndnisses �ber die Bedeutung
> von "grunds�tzlich" geworden.
> Eine Seite verstand es als "unter allen Umst�nden", die andere als "in
> der Regel".
[...]
> Ich selbst verwende im Alltag beide Versionen, aber mit
> unterschiedlicher Betonung bzw Satzbau. Wie sieht es bei euch aus?
Meine �blichen Verwendungen im Alltag sind:
- Das mache ich grunds�tzlich _so_, aber ...
(hier wird offensichtlich eine Ausnahme konstatiert)
- Das mache ich _grunds�tzlich_ nicht.
(hier ist "ohne Ausnahme" gemeint)
Also: ich benutze beide, aber die Bedeutung "ausnahmslos" kommt
�blicherweise mit Negation daher, und "grunds�tzlich" ist dann betont.
Die Bedeutung "in der Regel" steht mit folgender Ausnahme, und
grunds�tzlich ist nicht besonders betont.
Die Besonderheit im juristischen Sprachgebrauch hat m.E. Walter
herausgearbeitet: die Ausnahmen m�ssen nicht explizit als solche
gekennzeichnet werden.
--
gugelgesang, m., m�nchsgesang, pejorativ
GRIMM, Deutsches W�rterbuch