Hallo, ja, ich versuche wohl auch, mich einigermaßen korrekt auszu-
drücken, und ich möchte z.B. die Nomina mit dem korrekten Genus
benutzen. Man lernt aber vieles aus dem Kontext, und 'Pogrom'
hörte ich meistens als 'ein Progrom'. Abgesehen vom falschen 'Pro-',
was ich inzwischen weiß: Ist es nun 'der' oder 'das'? Die Frage musste
ich mir bis jetzt nicht stellen, der Duden meint, beides gibt es.
Die Duden-Liste der schwierigen Wörter durchzugehen, bin ich ehrlich
gesagt eher mäßig motiviert. Vieles bilde ich mir ein zu wissen,
manches kann ich mir trotz jahrzehntelanger angestrengter Versuche
partout nicht merken, und inzwischen ist durch das Herumgemurkse
im Bereich Groß- und Klein- sowie Zusammen- und Getrenntschreibung
dort überhaupt und in meinem Schädel dazu ein derartiges Chaos
entstanden, dass man mit gelegentlichen Fehlern in diesem Bereich
kaum mehr Verwirrung stiften kann und, solange es sich nicht um
Bewerbungen handelt, vermutlich aufgrund mildernder Umstände frei-
gesprochen würde.
Dies und das ist schon seit jeher lediglich Duden-richtig, jedoch
sprachlogisch falsch, z.B. die Großschreibung sogenannter Einwohner-
bezeichnungen in der Position eines attributiven Adjektivs (z.B.,
ich bin mal so frei, Hamburger Göre). Manches lässt sich auch gar
nicht 'richtig' im Sinne von lautrichtig schreiben (Gara_g_e, oder
wie sprecht ihr etwa da oben 'fisseln', dieses Sprühregnen in feinen
Tröpfchen, sprecht ihr es etwa wie ihr es schreibt, also 'fißßeln?).
Wie auch immer, den Duden benutze ich gerne bei rein orthographischen
Unsicherheiten, die sich bei mir im Laufe der Jahre vergrößern, aber
er ist für mich kein Evangelium.
Was die Grammatik angeht, finde ich einen etwas saloppen Schreibmodus
eher entspannend. Für mich sind die Grenzen zwischen Flapsigkeit,
Normalität und angestrengtem Preziosentum nicht so leicht zu bestimmen.
In Sachen Semantik muss ich da auch manchmal aufpassen. Irgendwann
war hier die Rede von 'krass' im Sinne von 'drastisch, ins Auge
springend', das wird von jungen Leuten bis hin zu jungen Lehramts-
anwärtern nicht mehr verstanden. Neulich nannte ich eine junge
türkische Dame, die sehr hudelig gearbeitet hatte, eine Schlampe.
Das war in meiner Zeit ein nicht-anzügliches Wort, so hatte ich
es jedenfalls gelernt; familienintern gab es bei
uns noch die Schlunze - übrigens beide ohne vollwertiges männliches
Pendant, der 'Schlunz' erschien mir mehr als Verlegenheitsbildung
wie 'Kröterich' für 'männliche Kröte', und den 'Schlamper' hatten
wir gar nicht, und an einen 'Schlamp' erinnere ich mich auch nicht,
anscheinend wurden Mädchen mehr zur Ordentlichkeit angehalten -,
jedenfalls wird 'Schlampe' heute nur noch als 'Flittchen' verstan-
den, wie mir auch eine halbe Sekunde, nachdem ich das gesagt hatte,
klar wurde, denn nur in dieser Bedeutung habe ich es die letzten
Jahre gehört. Zu Schillers Zeit hieß das noch 'Metze'.
Wie auch immer werde ich mich wohl nicht mit diesen Dativ-statt-
Genitiv-Krücken anfreunden, und auch 'kostete ihm viel Geld' werde
ich mir nicht angewöhnen. Vielleicht wird man irgendwann sagen
'der Zeuge beschuldigte den Mann dem Diebstahl' - ohne mich.
Grüße: Ralf Joerres