Am Sun, 15 May 2022 08:45:20 +0200 schrieb Stefan Schmitz:
> Progressiv war der Name Kevin in dieser Generation gewiss nicht, sondern
> Mode. Und der Auslöser dieser Welle sprach natürlich eher einfache
> Menschen an.
Da gab es zwei Filme/Serien: "Der mit dem Wolf tanzt" mit Kevin Kostner,
und die Kevin-allein-zuhaus-Reihe.
Beides irgendwann Anfang der 90er.
> Bei 50jährigen Kevins dürfte noch niemand den Namen als Diagnose
> aufgefasst haben. Eher als Zeichen von Migrationshintergrund oder
> Weltoffenheit der Eltern.
Ganz genau.
In den USA gibt es viele "schwarze" Namen nach einem ähnlichen Schema, da
heißen die Mädels dann "Chrystal" oder "Diamond", und die Männer "DelRoy"
oder "Fitzroy", was dann auch irgendwie edel klingen soll.
>> Nein, dazu habe ich keine Zahlen, aber als pensionierter Lehrer hatte ich
>> einen Sean, der sich [si:n] aussprechen ließ, sowie viele Cindys, Olivers
>> oder Chantals in meinen Klassen, die in fast allen Fällen einer einfachen,
>> nicht sehr privilegierten Familie angehörten.
>
> Am Namen Oliver finde ich nun nichts, was irgendwie auf die soziale
> Schicht hindeutet. Da gibt es ja auch etliche Promis, die so heißen.
Nö, das finde ich sehr neutral. Ich hatte einige Olivers als Schulkameraden
in der BRD in den 70ern, das war ein ganz normaler Name.
> Cindy klingt für mich nach DDR, wo ja englische Vornamen sehr beliebt
> waren und teilweise durch eine der Aussprache angepasste Schreibweise
> entstellt wurden.
Mike -> Maik
> Mein erster Verdacht bei Frau Faeser war DDR-Herkunft.
> Ein englischer Vorname, der im Westen gebräuchlich war und für mich nach
> einfacher Herkunft klingt, ist Jennifer.
>
> Chantal ist dagegen als Proll-Vorname bekannt geworden. Warum eigentlich?
Weil es französische Finesse vortäuscht. Ähnlich hier in Köln "Carmen". Es
gab da in meiner Kindheit den Spruch, wo eine Mutter ihre Tochter anschreit
"Carrmen, kumm us der Sood!" (Carmen, komm aus dem Matsch!).
Das wurde später ja auch von den "Höhnern" aufs Korn genommen:
"Dicke Mädchen haben schöne Namen
heißen Toska, Rosa oder Carmen"
Das assoziiert man mit unterschicht, wenn es deutsche Mädchen sind.
>> Vom Jahrgang 1970, könnte Frau Faeser durchaus bereits zu den frühen Opfern
>> dieses Phänomens gehören, wenngleich die Beschreibung ihrer Familie als
>> Kind in Wikipedia diesem Klischee nicht entspricht.
>
> Solche Vornamensphänomene sind eigentlich eher kurzlebiger.
>
> Namen, die ich vor 30 Jahren sehr schön fand, würde ich heute nicht mehr
> verwenden wollen, weil sie sich zu sehr verbreitet haben und zum
> Unterschicht-Indikator geworden sind.
Ich hatte eine Lisa-Nike in meiner Klasse :-)
> Heute finde ich klassische Namen
> interessanter, die mir früher hässlich erschienen und bei den alten
> Leuten häufig vorkamen, aber sich inzwischen von der Masse abheben.
Ja, man findet wieder Jungs die Ludwig heißen, oder Theodor.
Grüße,
Frank