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Sprachliche Marotten - ne, wa, gell ...

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Edith Altmann

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Oct 28, 2014, 1:43:20 PM10/28/14
to


H a l l o ,

ich kannte es bisher nur umgekehrt - nämlich daß mittels PC
"mehr" dargestellt wurde, als ich mit dem Tablet abrufen konnte.

Jetzt ist es erstmals umgekehrt: Mit dem Tablet habe ich etwas
entdeckt, was ich gern "hierzugroup" posten würde, doch leider
funktioniert die grafische Darstellung zum Text nicht, also das
eigentlich Interessante.

Hier ist der Link zu einem Artikel aus dem aktuellen ZEIT-Magazin
"Deutschlandkarte - Ne, wa und gell"
http://www.zeit.de/zeit-magazin/2014/42/deutschland-sprache-dialekt


Gruß,
Edith
*in einem "ne"-Gebiet aufgewachsen*

Stefan Schmitz

unread,
Oct 28, 2014, 1:56:03 PM10/28/14
to
Am Dienstag, 28. Oktober 2014 18:43:20 UTC+1 schrieb Edith Altmann:

> Hier ist der Link zu einem Artikel aus dem aktuellen ZEIT-Magazin
> "Deutschlandkarte - Ne, wa und gell"
> http://www.zeit.de/zeit-magazin/2014/42/deutschland-sprache-dialekt

Da fehlt das "gelt", das ich schon in Büchern gelesen aber noch nie gehört habe.
Duden führt es auch. Wo spricht man so, oder ist das bloß eine künstliche
Schreibung von "gell"?

Oliver Cromm

unread,
Oct 28, 2014, 6:01:06 PM10/28/14
to
* Edith Altmann:

> Hier ist der Link zu einem Artikel aus dem aktuellen ZEIT-Magazin
> "Deutschlandkarte - Ne, wa und gell"
> http://www.zeit.de/zeit-magazin/2014/42/deutschland-sprache-dialekt
>
> Gruß,
> Edith
> *in einem "ne"-Gebiet aufgewachsen*

Das "gell", und gelegentliches "net" für nicht waren unter den
wenigen Charakteristika, anhand derer man mich früher mal einfach
regional einordnen konnte, wenn auch nur grob; sind aber in
Göttingen rasch verschwunden.

Ich meine, "woll" auch in Osthessen angetroffen zu haben, oder
waren das etwa Zugewanderte?

--
Skyler: Uncle Cosmo ... why do they call this a word processor?
Cosmo: It's simple, Skyler ... you've seen what food processors
do to food, right?
Cartoon by Jeff MacNelley

Gunhild Simon

unread,
Oct 29, 2014, 12:44:26 AM10/29/14
to
Am Dienstag, 28. Oktober 2014 23:01:06 UTC+1 schrieb Oliver Cromm:

...

>
> Ich meine, "woll" auch in Osthessen angetroffen zu haben, oder
> waren das etwa Zugewanderte?

Ich kenne von dort nur Formen,
denen "gelt", ="das gelte", zugrunde liegt.

Ich glaube, daß diese damals - in den
Fünfzigern - schon zwischen nahegelegenen
Orten variierten. Mir ist etwas wie "gä"
und "gell" gleichermaßen erinnerlich.

Dagegen halte ich "woll",= "wohl", für
rheinisch - oder zwischen Rhein und Ruhr
beheimatet. (Diese Mundarten kann ich
nicht auseinanderhalten.)

Gruß
Gunhild

Frank Hucklenbroich

unread,
Oct 29, 2014, 5:05:37 AM10/29/14
to
Am Tue, 28 Oct 2014 21:44:25 -0700 (PDT) schrieb Gunhild Simon:

> Dagegen halte ich "woll",= "wohl", für
> rheinisch - oder zwischen Rhein und Ruhr
> beheimatet. (Diese Mundarten kann ich
> nicht auseinanderhalten.)

"Woll" oder als Steigerung "wollnicht?" ist für mich eindeutig in Wuppertal
verortet, vielleicht auch noch Richtung Ruhrgebiet und Sauerland.

In Köln sagt das keiner, hier ist eher das "ne?" üblich.

Grüße,

Frank

Stephen Hust

unread,
Oct 29, 2014, 5:24:45 AM10/29/14
to
On 28.10.2014 18:41, Edith Altmann wrote:

> Hier ist der Link zu einem Artikel aus dem aktuellen ZEIT-Magazin
> "Deutschlandkarte - Ne, wa und gell"
> http://www.zeit.de/zeit-magazin/2014/42/deutschland-sprache-dialekt

| Wörter, die auf keine Antwort warten, aber gern verwendet werden,
| weil man den anderen damit zwingt, der gleichen Meinung zu sein
|
| In einer Wachauer Gaststube brachte es unlängst eine Kellnerin im
| Service auf gut drei "Göns" pro Kurzauftritt.

Den ganzen Artikel von Daniel Glattauer gibt es hier:

<http://derstandard.at/1227288555483/Goens-und-gengans>

--
Steve

My e-mail address works as is.

Roland Franzius

unread,
Oct 29, 2014, 5:26:50 AM10/29/14
to
Ist eine allgemein plattdeutsche Höflichkeitsformel im Befehlsmodus.

"Wutt du woll..." war die übliche harsche Anmache für ungehorsame Kinder
auf dem Dorfe. Ich nehme an, dass auch der Alte Fritz so zu seinen
Bauern redete, im edlen Barock-Preußisch natürlich in der 3. Person
"Will er wohl .. "

--

Roland Franzius

Edith Altmann

unread,
Oct 29, 2014, 6:01:17 AM10/29/14
to


Im ZEIT-Magazin kommentierte ein Leser u.a. wie folgt:

"... In Sachsen sagt man natürlich "Nu!", was gleichzeitig
- 'Ja',
- 'Nicht wahr?' und
- 'Das wollte ich schon immer sagen.'
heißt." ...

Wie wahr!
Das war sehr!!! gewöhnungsbedürftig, als es mich nach
20 Jahren Nordhessen und 25 Jahren Südniedersachsen
der Liebe wegen nach Sachsen (C) verschlug.

Doch jetzt, wo ich das - für meine Ohren genuschelte - Sächsisch
relativ gut verstehe und auch das "Nu" gut einzuordnen weiß,
möchte ich nach dem Tod des Liebsten nur noch weg von hier
(Problem: Wohnungssuche in Kassel).

Gruß,
Edith
*ganz ohne "Nu" in 3. Variante*

Manfred Hoß

unread,
Oct 29, 2014, 11:13:29 AM10/29/14
to
Im "Wörterbuch deutscher Dialekte" von Ulrich Knoop heißt es dazu:

"nicht wahr?
Westnddt.: ne
Ostnddt.: ne, wa, wat, manních
Sächsisch: ne, wa, gelle, he, hänt
Thüringisch: gelle, ne, he
Hessisch: gelle, ne
Rheinisch: ne, gell, woll
Pfälzisch: gell, ne
Schw.-Alem.: gell
Fränkisch: gell, ne
Bairisch: gell"

Gruß
Manfred.

Stefan Schmitz

unread,
Oct 29, 2014, 12:16:24 PM10/29/14
to
Am Mittwoch, 29. Oktober 2014 05:44:26 UTC+1 schrieb Gunhild Simon:
> Am Dienstag, 28. Oktober 2014 23:01:06 UTC+1 schrieb Oliver Cromm:
>
> ...
>
> >
> > Ich meine, "woll" auch in Osthessen angetroffen zu haben, oder
> > waren das etwa Zugewanderte?
>
> Ich kenne von dort nur Formen,
> denen "gelt", ="das gelte", zugrunde liegt.

Hast du auch mal welche mit gesprochenem t gehört?
Wenn nein, wann mag das verschwunden sein?

Reinhold {Rey} Aman

unread,
Oct 29, 2014, 12:24:35 PM10/29/14
to
Manfred Hoß schrieb:
>
> Im "Wörterbuch deutscher Dialekte" von Ulrich Knoop heißt es dazu:
>
> "nicht wahr?
[...]
> Bairisch: gell"
>
In Niederbayern und Oberbayern: "gej"

--
~~~ Reinhold {Rey} Aman ~~~
Wer den Aman filtert bleibt ignorant.

Hans

unread,
Oct 29, 2014, 3:35:40 PM10/29/14
to
Am .10.2014, 17:24 Uhr, schrieb Reinhold {Rey} Aman <am...@sonic.net>:

> Manfred Hoß schrieb:
>>
>> Im "Wörterbuch deutscher Dialekte" von Ulrich Knoop heißt es dazu:
>>
>> "nicht wahr?
> [...]
>> Bairisch: gell"
>>
> In Niederbayern und Oberbayern: "gej"

In Ostösterreich "gö"

Hans

J J Panury

unread,
Oct 30, 2014, 5:23:33 AM10/30/14
to
Diese Partikeln - "nicht worthafte Registerpartikeln" würde ich sie
nennen - sind keine Marotte, sondern "Registerabschwächer". Sie sind
praktisch ausnahmslos zu nichts weiter da, als einen
sprachmelodischen Marker zu tragen, nämlich eine typische
*Frage*-"Melodie".
Damit wird der voran stehende Indikativ relativiert, abgeschwächt, was
im Ergebnis den Sprechakt als *soziale* Interaktion quasi herab stuft
(oder herab stimmt), die obligative "Gewalt" nimmt.
Alles das steht im Dienst von Höflichkeit, Vorsicht, Rücksichtnahme.
Auch wirkt es anti-hierarchisch (oder anti-hierarchistisch).

Es gibt auch worthafte Partikeln mit der selben Funktion: 'wohl',
'denn', 'mal' u.a.m..

Roland Franzius

unread,
Oct 30, 2014, 5:39:50 AM10/30/14
to
"Nun denn aber gar auch du, Freund, möchtest du wohl gern mal einen
Kakao, nichtwahr?"

So imitierte man in Lernpausen Platonische Dialoge auf dem Weg zur
Milchbar.

--

Roland Franzius

Michael J

unread,
Nov 3, 2014, 6:03:46 AM11/3/14
to
Es schrieb Hans:
[ nicht wahr? Bairisch: gell; Niederbayern und Oberbayern: gej;
>
> In Ostösterreich "gö"
Meines Wissens auch die einzige Gegend mit Höflichkeitsvariante: "göns".

In Vorarlberg und Tirol: "odrr"; von den örtlichen Skibusfahrern auch im Funkverkehr statt "over" verwendet.

VG M

Andreas Karrer

unread,
Nov 3, 2014, 7:08:52 AM11/3/14
to
* Michael J <wrlb...@yahoo.de>:
> Es schrieb Hans:
> [ nicht wahr? Bairisch: gell; Niederbayern und Oberbayern: gej;
>>
>> In Ostösterreich "gö"
> Meines Wissens auch die einzige Gegend mit Höflichkeitsvariante: "göns".

Das -ej oder -ö ist ja wohl ein vokalisiertes l.

Schweizerdeutsch "gell" zu einer Person, die man duzt, "gelled" zu
mehrerhn solchen, sonst "gelletsi" ("gellen Sie"). Im Berndeutschen zu
gä-u, gä-u-et vokalisiert.

> In Vorarlberg und Tirol: "odrr"; von den örtlichen Skibusfahrern auch im Funkverkehr statt "over" verwendet.

Das ", oder?" im Nachsatz ist auch in der Schweiz sehr verbreitet. Hat
aber wenig mit gell/gelt/gelten zu tun.


- Andi

>
> VG M

Richard

unread,
Nov 3, 2014, 9:17:02 AM11/3/14
to
> In Ostösterreich "gö"
>
> Hans

gö, so iss

Henning Sponbiel

unread,
Nov 5, 2014, 11:36:45 AM11/5/14
to
On Tue, 28 Oct 2014 18:01:03 -0400, Oliver Cromm wrote:

>Ich meine, "woll" auch in Osthessen angetroffen zu haben, oder
>waren das etwa Zugewanderte?

Keine Ahnung. Ich kenne es aus Südwestfalen / Sauerland.


Henning

Henning Sponbiel

unread,
Nov 5, 2014, 11:36:49 AM11/5/14
to
On Wed, 29 Oct 2014 10:05:31 +0100, Frank Hucklenbroich wrote:

>Am Tue, 28 Oct 2014 21:44:25 -0700 (PDT) schrieb Gunhild Simon:
>
>> Dagegen halte ich "woll",= "wohl", für
>> rheinisch - oder zwischen Rhein und Ruhr
>> beheimatet. (Diese Mundarten kann ich
>> nicht auseinanderhalten.)
>
>"Woll" oder als Steigerung "wollnicht?" ist für mich eindeutig in Wuppertal
>verortet, vielleicht auch noch Richtung Ruhrgebiet und Sauerland.

Hmmmm. Ich kenne einige gebürtige und dort auch noch wohnende Wuppertaler. Von
denen benutzt keiner "woll".

Wie ich in einem anderen Artikel schrieb: Ich kenne es (aus eigenem Erleben) nur
von Personen, die im Sauerland oder in angrenzenden Südwestfalen leben.


Henning

Thomas Schade

unread,
Nov 5, 2014, 12:07:16 PM11/5/14
to
Genau von da kenne ich es auch.


Ciao
Toscha
--
Wer zu Lebzeit gut auf Erden, / Wird nach dem Tod ein Engel werden.
Den Blick gen Himmel fragst du dann, / Warum man sie nicht sehen kann.
[Rammstein: Engel]

Florian Ritter

unread,
Nov 7, 2014, 3:34:51 PM11/7/14
to
Am Montag, 3. November 2014 13:08:52 UTC+1 schrieb Andreas Karrer:

> >> In Ostösterreich "gö"
> > Meines Wissens auch die einzige Gegend mit Höflichkeitsvariante: "göns".

> Das -ej oder -ö ist ja wohl ein vokalisiertes l.
>
> Schweizerdeutsch "gell" zu einer Person, die man duzt, "gelled" zu
> mehrerhn solchen, sonst "gelletsi" ("gellen Sie").

Der Schwabe sagte "gelletse" - FR

Sam Sung

unread,
Nov 7, 2014, 4:52:12 PM11/7/14
to
Florian Ritter schrieb:
https://www.google.de/?gfe_rd=cr&ei=ST5dVPThGoqm8we9tICQAQ&gws_rd=ssl#q=gelletse

Nix gefunden ehm das kommt mir reichlich mental gehandlet vor irgendwie...

Matthias Opatz

unread,
Nov 8, 2014, 4:33:08 AM11/8/14
to
Dies schrieb Stefan Schmitz:
> Edith Altmann:
>
>> Hier ist der Link zu einem Artikel aus dem aktuellen ZEIT-Magazin
>> "Deutschlandkarte - Ne, wa und gell"
>> http://www.zeit.de/zeit-magazin/2014/42/deutschland-sprache-dialekt
>
> Da fehlt das "gelt", das ich schon in Büchern gelesen aber noch nie gehört habe.

Ich habe das schon gehört.

> Duden führt es auch. Wo spricht man so, oder ist das bloß eine künstliche
> Schreibung von "gell"?

Nein, es kommt auch in freier Wildbahn vor, ich kann es jetzt aber
nicht regional zuordnen.

Ich vermisse vor allem das meißnische "nohr".

Matthias

Florian Ritter

unread,
Nov 14, 2014, 12:12:35 PM11/14/14
to
Am Donnerstag, 30. Oktober 2014 10:39:50 UTC+1 schrieb Roland Franzius:

> > Es gibt auch worthafte Partikeln mit der selben Funktion: 'wohl',
> > 'denn', 'mal' u.a.m..

> "Nun denn aber gar auch du, Freund, möchtest du wohl gern mal einen
> Kakao, nichtwahr?"

> So imitierte man in Lernpausen Platonische Dialoge auf dem Weg zur
> Milchbar.

Für Platonische Dialoge bin ich impotent - FR
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