Viele kennen den Ausdruck "...bei allem nötigen Respekt...". Eine Freundin
behauptet nun, dieser Ausdruck hätte sich aus der Übersetzung aus dem
Englischen "...with alle due respect..." gebildet. Ist da etwas dran? Und
wenn ja, wie kann man diesen Ausdruck semantisch umschreiben? Mir fiele
allenfalls "Es steht mir zwar nicht zu, aber..." ein.
Das gehört wohl nicht hierhin, jedoch ist mir noch eine zweite Variante
aufgefallen, bei der ich nicht weiß, ob sie so auch richtig ist: "...with
all due _to_ respect..."
Google findet diese Variante ebenfalls, wenn auch mit einer sehr viel
kleineren Anzahl an Treffern.
Vielen Dank für die Klärung! Ursache der Diskussion war übrigens der
aktuelle "Zwiebelfisch" bei Spiegel online.
Gruß
Jan
> [...] "...with alle due respect..." [...]
>
> Das gehört wohl nicht hierhin, jedoch ist mir noch eine zweite
> Variante aufgefallen, bei der ich nicht weiß, ob sie so auch
> richtig ist: "...with all due _to_ respect..."
> Google findet diese Variante ebenfalls, wenn auch mit einer sehr
> viel kleineren Anzahl an Treffern.
Diese Variante ist meines Erachtens einfach falsch.
--
Steve
My e-mail address works as is.
Bedeutet "...due to someone" nicht "aufgrund von jemandem" und "due someone"
"jemandem schudig"?
> Bedeutet "...due to someone" nicht "aufgrund von jemandem" und
> "due someone" "jemandem schudig"?
| *due* [...] (of a thing) required or owed as a legal or moral
| obligation: /he was only taking back what was *due to* him/
| [...]
|
| [...] 'payable or owed to' (/render unto Caesar what is due to
| Caesar/).
|
("The New Oxford American Dictionary", Second Edition, 2005.)
Ich kannte den "nötigen Respekt" bislang noch nicht.
MUSEN ist eher "bei allem gebotenen Respekt" richtig.
mfg
Heinz Lohmann
Danshui, Taiwan
25°07'59"N 121°27'56"E
--
Wenn andre klüger sind als wir,
Das macht uns selten nur Pläsier.
Doch die Gewißheit, daß sie dümmer,
erfreut fast immer. W. B.
Passt schon, wenns aus dem Kontext HipHop/Ghetto/Wasguggsualda kommt.
Da hat das Substantiv respect seine Bedeutung ("muss man sich
verdienen, und zwar nicht durch Geplapper, Gehopse und Geschmiere")
auch verloren.
Ansonsten hast du natürlich recht.
> Viele kennen den Ausdruck "...bei allem nötigen Respekt...". Eine Freundin
> behauptet nun, dieser Ausdruck hätte sich aus der Übersetzung aus dem
> Englischen "...with alle due respect..." gebildet. Ist da etwas dran? Und
> wenn ja, wie kann man diesen Ausdruck semantisch umschreiben? Mir fiele
> allenfalls "Es steht mir zwar nicht zu, aber..." ein.
Ich kannte "bei allem nötigen Respekt" nicht und es kommt mir auch
komisch vor. Ich würde in den typischen Fällen, wo es im Englischen
"with all due respect" heißt, wohl ganz anders formulieren:
Ohne dir zu nahe treten zu wollen, ...
Nichts für ungut, aber ...
Wenn ich ganz ehrlich sein darf, ...
> Das gehört wohl nicht hierhin, jedoch ist mir noch eine zweite Variante
> aufgefallen, bei der ich nicht weiß, ob sie so auch richtig ist: "...with
> all due _to_ respect..."
Das scheint mir grammatisch nicht aufzugehen.
--
Oliver C.
>Viele kennen den Ausdruck "...bei allem nötigen Respekt...". Eine Freundin
>behauptet nun, dieser Ausdruck hätte sich aus der Übersetzung aus dem
>Englischen "...with alle due respect..." gebildet. Ist da etwas dran?
Ich glaube nicht. Wir haben im Dänischen den Ausdruck "med al
respekt", und den kenne ich seitdem ich Kind war. Damals hatte
English keinen großen Einfluß auf Dänisch. Vielleicht ist "nötig"
durch englischen Einfluß zugekommen, aber so gut kenne ich nicht
Deutsch, daß ich das wissen kann.
Heißt es wirklich "bei"? Ich hätte "mit" erwartet.
>Das gehört wohl nicht hierhin, jedoch ist mir noch eine zweite Variante
>aufgefallen, bei der ich nicht weiß, ob sie so auch richtig ist: "...with
>all due _to_ respect..."
Das ist ein Fehler. Es ist eine Mischung zwischen "with all due
respect" und "Due to unforeseen events, we have decided ...".
>Google findet diese Variante ebenfalls
Natürlich. Google findet allen Varianten. Versuche mal z.B.
"Hierarchie" falsch zu schreiben und suche danach.
"With all due respect" gibt 577'000 Treffer.
"With all due to respect" gibt 432 Treffer.
Allein das zeigt, daß das letzte ein Fehler ist.
--
Bertel
http://bertel.lundhansen.dk/ FIDUSO: http://fiduso.dk/
>Respect wird bei aktuellen Synchronisationen laufend mit Respekt anstatt
>mit Achtung übersetzt. Ich halte das für einen falschen Freund.
Mein dänisch-deutsches Wörterbuch, übersetzt "respekt" zu
"Respekt" und "agtelse" zu "Achtung". Die zwei Wörter sind nicht
ganz gleich, aber der Unterschied ist nicht groß.
>Jan C. Schmitz meinte:
>
>> Viele kennen den Ausdruck "...bei allem nötigen Respekt...". Eine Freundin
>> behauptet nun, dieser Ausdruck hätte sich aus der Übersetzung aus dem
>> Englischen "...with alle due respect..." gebildet. Ist da etwas dran? Und
>> wenn ja, wie kann man diesen Ausdruck semantisch umschreiben? Mir fiele
>> allenfalls "Es steht mir zwar nicht zu, aber..." ein.
>
>Ich kannte "bei allem nötigen Respekt" nicht und es kommt mir auch
>komisch vor.
"Bei allem Respekt, .." meine ich schon gehört zu haben, aber
"nötigen"?
>Ich würde in den typischen Fällen, wo es im Englischen
>"with all due respect" heißt, wohl ganz anders formulieren:
>
> Ohne dir zu nahe treten zu wollen, ...
> Nichts für ungut, aber ...
> Wenn ich ganz ehrlich sein darf, ...
Das kenne ich auch als die üblicheren Wendungen, allerdings von
anderen Sprechergruppen (jünger, weniger konservativ) und ich
empfinde es auch als eine "privatere" Ausdrucksweise. "Bei allem
Respekt" klingt für mich vergleichsweise autoritativ.
>
>> Das gehört wohl nicht hierhin, jedoch ist mir noch eine zweite Variante
>> aufgefallen, bei der ich nicht weiß, ob sie so auch richtig ist: "...with
>> all due _to_ respect..."
>
>Das scheint mir grammatisch nicht aufzugehen.
Ich kann mich täuschen, aber ich empfinde es als schlicht falsch.
"Mit" geht auch, aber "bei" ist MUSEN üblicher und trifft den
Sachvarhelt auch besser. Die Äußerung, die danach kommt, ist eher
respektlos (also gerade nicht "mit Respekt") und wird neben den angeblich
ansonsten vorhandenen Respekt gestellt.
CU
Thomas
> Ich kannte den "nötigen Respekt" bislang noch nicht.
> MUSEN ist eher "bei allem gebotenen Respekt" richtig.
Oder nur "bei allem Respekt".
Matthias
--
Sixtus V. war bei seiner Ernennung 35 Jahre alt, nachdem er vorher 65
Jahre krank gewesen. Prof. Galletti
*** Wer zum Kuckuck ist Prof. Galletti? => http://www.galletti.de ***
== Bitte bei Mailantwort Großbuchstaben aus Reply-Adresse löschen ===
Wenn man das "nötig" wegläßt, hört sich die Formulierung schon viel
besser an: "Bei allem Respekt" ist ja in Formulierungen wie "b. a. R.
vor ihren Leistungen muß auch Kritik erlaubt sein" gängig.
"Sir, with all due respect, I disagree" ließe sich MUSEN auch als "Mit
Verlaub, Herr Oberst, ich bin anderer Meinung" übersetzen.
Gruß, Michael
> "Sir, with all due respect, I disagree" ließe sich MUSEN auch als "Mit
> Verlaub, Herr Oberst, ich bin anderer Meinung" übersetzen.
Nicht ganz. Vielleicht "Mit Verlaub, mein Herr, ..."
Wo nimmst Du den Oberst her? Aus dem fehlenden Kontext?
Das entspricht auch meinem Eindruck. Schlechte Uebersetzung aus dem
Englischen. Auf Deutsch wuerde ich "mit Verlaub" sagen oder, weniger
formell, "bei aller Liebe".
> Und
> wenn ja, wie kann man diesen Ausdruck semantisch umschreiben? Mir fiele
> allenfalls "Es steht mir zwar nicht zu, aber..." ein.
Richtig. Haeufig kommt diese Wendung in Filmen vor, wenn beim Militaer
oder in einer Firma ein Vorgesetzter kritisiert wird.
> Das gehört wohl nicht hierhin, jedoch ist mir noch eine zweite Variante
> aufgefallen, bei der ich nicht weiß, ob sie so auch richtig ist: "...with
> all due _to_ respect..."
Das ist falsch. (s. Bertels Posting)
Jan
Das fehlt vielen Übersetzungen: mal von der wörtlichen Übertragung
wegzukommen. Oft klebt man so an dem Nomen oder Verb, besonders wenn es
in der eigenen Sprache ebenfalls vorhanden ist.
Gleichwohl scheint der Ausdruck im Deutschen schon älter zu sein. Im
Deutschen Wörterbuch (Grimm) gibt es einige Beispiele:
RESPECT [Lfg. 14,5], m., aus franz. respect, im 17. jh. aufgenommen,
achtung, ehrerbietung: vor diesem manne musz man respect haben; sich bei
jemandem in respect setzen; seine untergebenen im respect erhalten.
respects halber, mit respect zu sagen, zur entschuldigung eines
^^^^^^^^^^^^^^^^^^^^^^^^^^^^^^^^^^^^^^^^^^^^^^
unpassenden ausdruckes. dann besonders auch ehrerbietige, furchtsame
^^^^^^^^^^^^^^^^^^^^^^^^
scheu: vor jemandem einen heiligen respect haben; ich ersahe andere,
welche die unschuldigen nicht beschützeten, weil sie ein forchtsamen
respect hätten. SCHUPPIUS 745. ferner: wenn im gemeinen leben eine
grosztante nach der alten welt höllich zu sprechen glaubt, wenn sie
sagt: meine füsze, mit respect zu sagen! .. so lachen wir über die gute
^^^^^^^^^^^^^^^^^^^^^^^^^^^^^^^^^^
frau. HERDER z. schön. lit. u. kunst 2, 171; müssen respects halber 'n
biszchen sachter zusammen reden, wenn alte kluge leute in der
gesellschaft sind. MALER MÜLLER 1, 293; da hatten wir dir respect, wie
eine garnison in einer eroberten vestung. SCHILLER räuber 1, 2
schauspiel; dasz er, mit respect zu vermelden, ein hurenweibel ist, das
^^^^^^^^^^^^^^^^^^^^^^^^
läugne ich ganz und gar. Shakespeare könig Heinrich IV. 1, 2, 4;
Genau. Der angelsächsische Soldat als solcher spricht schließlich
seinen Vorgesetzten nicht ständig mit dessen Dienstgrad an, anders als
der deutsche Schütze Arsch. (Eigentlich müßten amerikanische
Streitkräfte einen Zeitvorteil haben. "Jawohl, Herr Hauptfeldwebel"
braucht viel mehr Zeit als "Yes, sir!")
Gruß, Michael
> Oliver Cromm <lispa...@internet.uqam.ca> schrieb vorher:
>
>>Ich kannte "bei allem nötigen Respekt" nicht und es kommt mir auch
>>komisch vor.
>
> "Bei allem Respekt, .." meine ich schon gehört zu haben, aber
> "nötigen"?
Patsch - natürlich, und selbst darauf kommt man nicht! Übersetzen ist
doch ein schwieriges Geschäft.
>> Ohne dir zu nahe treten zu wollen, ...
>> Nichts für ungut, aber ...
>> Wenn ich ganz ehrlich sein darf, ...
>
> Das kenne ich auch als die üblicheren Wendungen, allerdings von
> anderen Sprechergruppen (jünger, weniger konservativ) und ich
> empfinde es auch als eine "privatere" Ausdrucksweise. "Bei allem
> Respekt" klingt für mich vergleichsweise autoritativ.
Jetzt mußte ich mal nachschauen, wie man "autoritativ" im Deutschen
benutzt.
--
Oliver C.
Die demoskopische Hauptzielgruppe von "Focus" sind Maenner aus dem
gehobenen Mittelstand zwischen 40 und 65 (IQ, nicht Alter).
Andreas Kabel in de.etc.sprache.deutsch
In "The Sopranos" wird es mit Respekt übersetzt - ist das dann in
Ordnung?
--
Viele Grüße
Gerald Fix
Oder: "Ich will nicht unhöflich sein, aber ..."
>> Das gehört wohl nicht hierhin, jedoch ist mir noch eine zweite
>> Variante aufgefallen, bei der ich nicht weiß, ob sie so auch richtig
>> ist: "...with all due _to_ respect..."
>
> Das scheint mir grammatisch nicht aufzugehen.
Nein, das ist Kabbes. Einige kennen halt "due" nur in Verbindung
mit "to", wobei dieses nicht-attributive "due to Ms. Robinson ..."
m. W. ursprünglich ein Amerikanismus ist, den das Britische
Englisch nicht kannte.
Andreas
>>Ich kannte "bei allem nötigen Respekt" nicht und es kommt mir auch
>>komisch vor.
>
>"Bei allem Respekt, .." meine ich schon gehört zu haben, aber
>"nötigen"?
Schuldig!
|Vor Ihro Kaiserliche Majestät hab ich, wie immer, schuldigen Respekt...
--
Freundliche Grüße
Wolfgang Schmidhuber
In amerikanischen Filmen heißt es aber immer: "Yes, sir, master
sergeant, sir!" Das bin ich durchaus als authentisch anzunehmen geneigt,
seitdem ich den zur Genüge filmkünstlerisch verarbeiteten morgendlichen
Trimm-Trab durch die Kaserne mit einem Liedlein auf den Lippen selbst
erleben durfte (und zwar ebenfalls zur Genüge).
Gruß,
Michael
"Ganz ehrlich" ist der moderne Mensch in jedem zweiten Satz; diese
Variante ist also vielleicht etwas zu abgegriffen, als dass sie noch
geeignet wäre, das Gegenüber auf eine eher unangenehme Wahrheit
vorzubereiten.
Gruß,
Michael
> In amerikanischen Filmen heißt es aber immer: "Yes, sir, master
> sergeant, sir!"
Bei den Marines waehrend der Grundausbildung. Ausserhalb
und bei allen anderen Teilstreitkraeften nicht.
Ach so, danke. Die Marines sind ja in Hollywood auch ziemlich
überrepräsentiert; kein Wunder, dass sie die Wahrnehmung der
amerikanischen Streitkräfte irgendwie prägen ...
Gruß,
Michael
> Der Ami hingegen zieht den Söööööööööööööööö gemeinhin ziemlich in die
> Länge.
Hmm, das militärische ist mir von Star-Trek am vertautesten (die
paradiesisch-friedliche Utopiewelt mit der Militärbehörde an der
Spitze), und da ist das ziemlich zackig-kurz. Allerdings wird es auch in
300 Jahren noch die von Michael H. angesprochene Langvariante geben:
"Yes, sir! Captain, sir!"
--
Oliver C.
45n31, 73w34
Temperatur: 20.7°C (12 August 2005 9:00 AM EDT)