Am Mon, 11 Jul 2022 00:48:16 -0700 (PDT) schrieb Ulf Kutzner:
> Frank Hucklenbroich schrieb am Montag, 11. Juli 2022 um 09:32:24 UTC+2:
>> Am Sat, 9 Jul 2022 14:08:43 +0200 schrieb Stefan Schmitz:
>>
>>> "Abe war gestern bei einem Wahlkampfauftritt angeschossen worden und
>>> später seinen Verletzungen erlegen"
>>>
>>> Gestern habe ich auch mal "erschossen" gehört. Was genau ist der
>>> Unterschied zwischen erschießen und Tod infolge Anschießens? Muss bei
>>> ersterem der Tod direkt nach dem Schuss erfolgen?
>
>> Ich vermute eine (Fehl-)Übersetzung aus dem Englischen:
>>
>> "He was shot" bedeutet dort nämlich nicht, daß er durch den Schuss getötet
>> wurde, sondern nur, daß er getroffen wurde.
>>
>> Wurde er erschossen, dann schrieb man "he was shot dead".
>
> So richtig offiziell hat man es im Zweifel erst im Krankenhaus
> festgestellt, daß Herzfunktion nicht mehr bestand und auch
> nicht mehr bestehen konnte. Und das, obgleich er an Ort und Stelle
> verstorben sein dürfte, da, wo er wahlgekämpft hatte.
>
> Bei lebensbedrohlichen Schußverletzungen am Torso macht man
> wohl nicht lange am Antreffensort herum, sondern fährt den
> Getroffenen dorthin, wo er bestmöglich versorgt werden kann.
Eigentlich nicht. Wenn er lebensbedrohliche Schussverletzungen hat, muss
man sofort vor Ort die Blutungen stillen, da geht es um Minuten.
Katastrophenschutz-Kameraden von mir haben das damals beim Oskar Lafontaine
gemacht, dem man ein Messer in den Hals gerammt hatte (es war purer Zufall,
daß ich an dem Abend dort keinen Einsatz hatte). Dem muss man dann sofort
helfen, die Fahrt ins Krankenhaus hätte der sonst niemals überlebt.
Es gibt da zwei Philosophien:
Die Amerikaner machen "scoop and run", das empfielt sich auf dem
Schlachtfeld. Da bringt man den Verletzten erst mal aus der Schusslinie ins
Lazarett, danach kümmert man sich dann um ihn.
Das Gegenteil ist "Stay and play", das macht der deutsche Rettungsdienst,
man stabilisiert den Patienten im RTW erst mal, mit dem Notarzt zusammen,
bis er transportfähig ist, bevor man ihn ins Krankenhaus fährt.
Diese beiden konträren Konzepte wurden beim Flugshow-Unglück von Ramstein
deutlich, da haben die US-Sanitäter die Schwerstverbrannten einfach
eingesammelt und weggefahren, was ihnen einiges an Kritik einbrachte.
Ich weiß nicht, nach welchem Motto die Japaner arbeiten, aber bei einer
Schussverletzung, wenn der Schütze gefasst ist, würde ich "stay & play"
erwarten.
> Zudem sind Rettungssanitäter, angenommen, es war kein Notarztwagen,
> zumindest hier nicht für die offizielle Todesfeststellung zuständig.
Das macht im Zweifel die Polizei, wenn einer erschossen wurde. Da kommt
dann vielleicht später noch ein Gerichtsmediziner nach, der den Tod
bestätigt.
Grüße,
Frank