Re: "Juri"

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Arnulf Sopp

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Jun 24, 2022, 7:53:38 PMJun 24
to
Am 24 Jun 2022 22:51:08 GMT schrieb Stefan Ram:

> In einer Sendung zum Bachmann-Preis sagt eine Journalistin (könnte
> allerdings eine Österreicherin sein) "Jury" [ˈʤyːʁi].

Dschournalist (oft sogar Dschornalist), Dscheannine, dschonglieren,
Dscheton, Dschalousie... Wie es scheint — das kann ich jetzt nicht
überprüfen, ist an deutschen Gymnasien Französisch schon lange nicht mehr
zwingend die zweite Fremdsprache. Es kann je nach Angebot an der jeweiligen
Schule auch Latein, Spanisch oder sonstwas sein. So gibt es sehr viele
Absolventen eines Gymnasiums, die die Aussprache des französischen J [ʒ]
nie gelernt haben. Versiert in Englisch als erster Fremdsprache sagen sie
also [ʤ].

Schade, aber isso.

Tschüs!
Arnulf

--
Religion ist die höchste Form von Separatismus.
K.-H. Schneider

Christina Kunze

unread,
Jun 25, 2022, 12:40:28 AMJun 25
to
Am 25.06.2022 um 01:53 schrieb Arnulf Sopp:
> Am 24 Jun 2022 22:51:08 GMT schrieb Stefan Ram:
>
>> In einer Sendung zum Bachmann-Preis sagt eine Journalistin (könnte
>> allerdings eine Österreicherin sein) "Jury" [ˈʤyːʁi].
>
> Dschournalist (oft sogar Dschornalist), Dscheannine, dschonglieren,
> Dscheton, Dschalousie... Wie es scheint — das kann ich jetzt nicht
> überprüfen, ist an deutschen Gymnasien Französisch schon lange nicht mehr
> zwingend die zweite Fremdsprache. Es kann je nach Angebot an der jeweiligen
> Schule auch Latein, Spanisch oder sonstwas sein. So gibt es sehr viele
> Absolventen eines Gymnasiums, die die Aussprache des französischen J [ʒ]
> nie gelernt haben. Versiert in Englisch als erster Fremdsprache sagen sie
> also [ʤ].
>
Es liegt nicht alles am Niedergang der Bildung. Wenn man von allen im
Umfeld und in den Medien die korrekte Aussprache hört, dann eignet man
sich ungefähr diese an.
Ich weiß nicht mehr, wann man angefangen hat, diese Wörter eher Englisch
auszusprechen, meiner Erinnerung nach war das um 2000, und seither wird
es immer weiter verbreitet.

chr

Bertel Lund Hansen

unread,
Jun 25, 2022, 3:18:48 AMJun 25
to
Den 25.06.2022 kl. 00.51 skrev Stefan Ram:

> In einer Sendung zum Bachmann-Preis sagt eine Journalistin
> (könnte allerdings eine Österreicherin sein) "Jury" [ˈʤyːʁi].
> In einem deutschen Aussprachewörterbuch steht [ʒyˈʁiː],
> britisch: [ˈʤʊəɻi], amerikanisch: [ˈʤʊɹi], französisch: [ʒyʁi].

Die rigsdanske Aussprache ist "'juri". Ob heute eine englische
Aussprache sich verbreitet hat, weiss ich nicht, aber das Wort wird
selten benutzt. Ein "Jury" heisst auf Dänisch (eine Gruppe von)
"nævninge" (direkt: "Nenninge").

Gibt es nicht ein rein deutsches Wort für ein Jury?

--
Bertel

Ulf Kutzner

unread,
Jun 25, 2022, 3:27:37 AMJun 25
to
Historisch: die Geschworenen, soweit es nicht
um privatrechtliche Preisverleihung geht.
https://de.wikipedia.org/wiki/Geschworenengericht#Verfahren_in_der_Hauptverhandlung

Wolfgang

unread,
Jun 25, 2022, 3:33:19 AMJun 25
to
On Sat, 25 Jun 2022 at 00:51:08 +0200, Stefan Ram wrote:
> [...]
> ʤ dʒ als Einheit, bei der sich das [d] zum [ʒ] öffnet

Warum vermeidest Du den Begriff „Affrikate“?

Ciao,
Wolfgang

Helmut Richter

unread,
Jun 25, 2022, 4:09:34 AMJun 25
to
On Sat, 25 Jun 2022, wolfgang s wrote:

> Das ist deshalb eine unwahrscheinliche Erklärung für die
> Aussprachemarotten der Dschournalisten.

Sollte man da nicht die französische Schreibung verwenden, wie sie in den
frankphonen Ländern Afrikas für die Affrikate dʒ verwendet wird, z.B.
in „Abidjan“?

Also: Djournalist.

--
Helmut Richter

Quinn C

unread,
Jun 25, 2022, 9:06:10 AMJun 25
to
* Bertel Lund Hansen:

> Den 25.06.2022 kl. 00.51 skrev Stefan Ram:
>
>> In einer Sendung zum Bachmann-Preis sagt eine Journalistin
>> (könnte allerdings eine Österreicherin sein) "Jury" [ˈʤyːʁi].
>> In einem deutschen Aussprachewörterbuch steht [ʒyˈʁiː],
>> britisch: [ˈʤʊəɻi], amerikanisch: [ˈʤʊɹi], französisch: [ʒyʁi].
>
> Die rigsdanske Aussprache ist "'juri". Ob heute eine englische
> Aussprache sich verbreitet hat, weiss ich nicht, aber das Wort wird
> selten benutzt. Ein "Jury" heisst auf Dänisch (eine Gruppe von)
> "nævninge" (direkt: "Nenninge").

Diese Verdeutschung habe ich nicht verstanden. Das klingt für mich so,
als würden diese Leute etwas oder jemanden nennen. Tatsächlich sind sie
ernannt.

> Gibt es nicht ein rein deutsches Wort für ein Jury?

Stefan hatte "Kommission" und (Gruppe von) "Juroren" vorgeschlagen.
Kommission scheint mir ein wenig zu allgemein. "Preisgericht" wäre noch
ein genaueres.

Die juristische jury gibt es ja im deutschen Rechtswesen nicht. Hier
gibt es daher etliches Falsche-Freunde-Potential:

Englisch Deutsch

judge (law) Richter
jury (law) die Geschworenen
juror (law) Geschworene:r
judge (competition) Juror
jury (comeptition) Jury

--
ich habe eine sehr sensible und vertrauliche kurz für you
-- SPAMPOESIE

Bertel Lund Hansen

unread,
Jun 25, 2022, 9:19:30 AMJun 25
to
Den 25.06.2022 kl. 15.06 skrev Quinn C:

>> Die rigsdanske Aussprache ist "'juri". Ob heute eine englische
>> Aussprache sich verbreitet hat, weiss ich nicht, aber das Wort wird
>> selten benutzt. Ein "Jury" heisst auf Dänisch (eine Gruppe von)
>> "nævninge" (direkt: "Nenninge").

> Diese Verdeutschung habe ich nicht verstanden.

"Nævne" = "Nennen". "Nævning" ist eine Substantivierung davon. Die
Erklärung hat mit "udnævne" zu tun, was "ernennen" bedeutet.

Ich mache direkte Übersetzungen nicht dafür, das Deutschsprechende das
Wort verstehen (ich vermutete, dass alle weiss, wovon ich sprach),
sondern um die dänische Wortbildung klar zu machen.

--
Bertel

Quinn C

unread,
Jun 25, 2022, 10:21:44 AMJun 25
to
* Bertel Lund Hansen:

> Den 25.06.2022 kl. 15.06 skrev Quinn C:
>
>>> Die rigsdanske Aussprache ist "'juri". Ob heute eine englische
>>> Aussprache sich verbreitet hat, weiss ich nicht, aber das Wort wird
>>> selten benutzt. Ein "Jury" heisst auf Dänisch (eine Gruppe von)
>>> "nævninge" (direkt: "Nenninge").
>
>> Diese Verdeutschung habe ich nicht verstanden.
>
> "Nævne" = "Nennen". "Nævning" ist eine Substantivierung davon. Die
> Erklärung hat mit "udnævne" zu tun, was "ernennen" bedeutet.

Laut Wiktionary kann auch nævne allein "ernennen" bedeuten, und so
erklären sie nævning.

<https://en.wiktionary.org/wiki/n%C3%A6vne#Danish>
<https://en.wiktionary.org/wiki/n%C3%A6vning>

> Ich mache direkte Übersetzungen nicht dafür, das Deutschsprechende das
> Wort verstehen (ich vermutete, dass alle weiss, wovon ich sprach),
> sondern um die dänische Wortbildung klar zu machen.

Ich hätte in diesem Fall wohl gesagt "darin steckt die Wurzel 'nennen'",
denn mehr Information kann ich Deiner Verdeutschung nicht entnehmen. Ob
Dänisch -ing einem deutschen -ing entspricht, ist zweifelhaft. Das
gibt's am ehesten noch als Entlehnung aus dem Englischen. Vielleicht
eher -ling.

--
Ich habe ein Geschäft verdunkelt Anregung für Sie.
-- SPAMPOESIE

Bertel Lund Hansen

unread,
Jun 25, 2022, 10:45:46 AMJun 25
to
Den 25.06.2022 kl. 16.21 skrev Quinn C:

> Ob Dänisch -ing einem deutschen -ing entspricht, ist zweifelhaft. Das
> gibt's am ehesten noch als Entlehnung aus dem Englischen. Vielleicht
> eher -ling.

Ich habe ein zufälliges -ing-Wort in ODS nachgeschlagen, und da steht
unter anderem:

[kælling]
glda. kærlingh, kerlingh [...] sv. kär(r)ing,
no. kjerring, oldn. kerling;

Wenn es Altnordisch ist, ist es ebenso original auf Dänisch wie auf
Englisch. Es gibt aber die Wörter verschiedene Bedeutungen. Bei
"kælling" ist es Diminutiv; bei z.B. "opsparing" beschreibt es ein
Prozess (das Sparen).

--
Bertel

Christian Weisgerber

unread,
Jun 25, 2022, 11:30:06 AMJun 25
to
On 2022-06-24, Arnulf Sopp <hack_DELET...@gmx.de> wrote:

>> In einer Sendung zum Bachmann-Preis sagt eine Journalistin (könnte
>> allerdings eine Österreicherin sein) "Jury" [ˈʤyːʁi].
>
> Dschournalist (oft sogar Dschornalist), Dscheannine, dschonglieren,
> Dscheton, Dschalousie... Wie es scheint — das kann ich jetzt nicht
> überprüfen, ist an deutschen Gymnasien Französisch schon lange nicht mehr
> zwingend die zweite Fremdsprache. Es kann je nach Angebot an der jeweiligen
> Schule auch Latein, Spanisch oder sonstwas sein. So gibt es sehr viele
> Absolventen eines Gymnasiums, die die Aussprache des französischen J [ʒ]
> nie gelernt haben. Versiert in Englisch als erster Fremdsprache sagen sie
> also [ʤ].

Nun ist „Jury“ – wie auch „Budget“ – aber ein englisches Wort.
Offenbar haben viele gebildete Leute früher nie die englische
Aussprache gelernt und, versiert in der Weltsprache Französisch,
diese Wörter dann nach französischer Manier ausgesprochen.

Schade, aber isso.

--
Christian "naddy" Weisgerber na...@mips.inka.de

Stefan Schmitz

unread,
Jun 25, 2022, 11:39:34 AMJun 25
to
Am 25.06.2022 um 00:51 schrieb Stefan Ram:
> In einer Sendung zum Bachmann-Preis sagt eine Journalistin
> (könnte allerdings eine Österreicherin sein) "Jury" [ˈʤyːʁi].
> In einem deutschen Aussprachewörterbuch steht [ʒyˈʁiː],
> britisch: [ˈʤʊəɻi], amerikanisch: [ˈʤʊɹi], französisch: [ʒyʁi].

Gibt es auf Französisch keine Betonung?

Für mich gehört im Deutschen die Betonung auf die erste Silbe, im
Französischen auf die zweite.

Ulf Kutzner

unread,
Jun 25, 2022, 11:45:36 AMJun 25
to
Stefan Schmitz schrieb am Samstag, 25. Juni 2022 um 17:39:34 UTC+2:
> Am 25.06.2022 um 00:51 schrieb Stefan Ram:

> > In einer Sendung zum Bachmann-Preis sagt eine Journalistin
> > (könnte allerdings eine Österreicherin sein) "Jury" [ˈʤyːʁi].
> > In einem deutschen Aussprachewörterbuch steht [ʒyˈʁiː],
> > britisch: [ˈʤʊəɻi], amerikanisch: [ˈʤʊɹi], französisch: [ʒyʁi].

> Gibt es auf Französisch keine Betonung?

Sehr gelegentlich schrieb man da auch juri, siehe Betreff.

Hier
https://fr.wiktionary.org/wiki/juri
sind auch Aussprachedateien hinterlegt.

Bertel Lund Hansen

unread,
Jun 25, 2022, 12:12:25 PMJun 25
to
Den 25.06.2022 kl. 17.39 skrev Stefan Schmitz:

> Gibt es auf Französisch keine Betonung?

Viele französische Wörter haben keine Betonung (oder gleiche Betonung
auf allen Silben).

> Für mich gehört im Deutschen die Betonung auf die erste Silbe, im
> Französischen auf die zweite.

So hören Dänen (und vielleicht auch Deutschen) oft französische Wörter,
denn wir erwarten, dass die letzte Silbe 'verschwindet'. Wenn sie
deutlich ausgesprochen wird, kommt es wie eine Betonung vor. Das ist
aber falsch.

--
Bertel

Christian Weisgerber

unread,
Jun 25, 2022, 4:30:06 PMJun 25
to
On 2022-06-25, Stefan Schmitz <ss...@gmx.de> wrote:

>> In einer Sendung zum Bachmann-Preis sagt eine Journalistin
>> (könnte allerdings eine Österreicherin sein) "Jury" [ˈʤyːʁi].
>> In einem deutschen Aussprachewörterbuch steht [ʒyˈʁiː],
>> britisch: [ˈʤʊəɻi], amerikanisch: [ˈʤʊɹi], französisch: [ʒyʁi].
>
> Gibt es auf Französisch keine Betonung?

Nein, nicht innerhalb eines Worts.

(Es wird die letzte Silbe einer Wortgruppe betont. Wenn man ein
Wort einzeln ausspricht, ist das die letzte Silbe des Worts, aber
im Satz gilt das nicht mehr.)

Sergio Gatti

unread,
Jun 25, 2022, 6:13:36 PMJun 25
to
Stefan Schmitz hat am 25.06.2022 um 17:39 geschrieben:
Im Französischen, wie ich das gelernt habe, auf die letzte, sogar für
ausländische Namen. Dort sagten sie Gatí zu mir und Massarolí zu meiner
damaligen Freundin.

Ulf Kutzner

unread,
Jun 26, 2022, 4:25:48 AMJun 26
to
Gatti schrieb am Sonntag, 26. Juni 2022 um 00:13:36 UTC+2:
> Stefan Schmitz hat am 25.06.2022 um 17:39 geschrieben:

> > Gibt es auf Französisch keine Betonung?
> >
> > Für mich gehört im Deutschen die Betonung auf die erste Silbe, im
> > Französischen auf die zweite.

> Im Französischen, wie ich das gelernt habe, auf die letzte, sogar für
> ausländische Namen.

Magarèt Tattchèr.

Klaus Pommerening

unread,
Jun 26, 2022, 12:19:16 PMJun 26
to
Quinn C kennt viele Falsche Freunde:
> [...]
> Englisch Deutsch
>
> [...]

> judge (competition) Juror
Preisrichter, Kampfrichter, Punktrichter

> jury (comeptition) Jury

Preisgericht, Kampfgericht
--
Klaus Pommerening
Faktencheck: Wenn man Zweifel an etwas hat, das auf einer Internetseite
steht, dann konsultiert man einfach eine andere Internetseite, die einem
sagt, ob es stimmt oder nicht. (Gregor Füller)

Arnulf Sopp

unread,
Jun 26, 2022, 7:56:06 PMJun 26
to
Am 26 Jun 2022 07:40:10 GMT schrieb Markus Ermert:

> Arnulf Sopp <hack_DELET...@gmx.de> wrote:
> „Jury“ stammt aber nicht aus dem Französischen, ist dort selbst ein
> Fremdwort.

Stimmt. In den Quiz-Sendungen der 60er Jahre fragte der Quizmaster in
Zweifelsfällen die Jury (['ʒyʁi] nach Stefan Ram zitiert). Dass die erste
Silbe betont war, juckte damals keinen. Das kannte man aus dem
Schweizerdeutsch auch von Vico Torriani.

Glaub's oder nicht: Seither hat das Wort Jury in meinem Leben keine Rolle
mehr gespielt, so dass ich in dem Glauben blieb, es sei ein französisches
Wort.

Tschüs!
Arnulf

--
Wir sind alle Würmchen, nur glaube ich, daß ich ein Glühwürmchen bin.
Sir Winston Churchill

Ulf Kutzner

unread,
Jun 27, 2022, 3:20:50 AMJun 27
to
Arnulf Sopp schrieb am Montag, 27. Juni 2022 um 01:56:06 UTC+2:
> Am 26 Jun 2022 07:40:10 GMT schrieb [...] Ermert:

> > „Jury“ stammt aber nicht aus dem Französischen, ist dort selbst ein
> > Fremdwort.
>
> Stimmt. In den Quiz-Sendungen der 60er Jahre fragte der Quizmaster in
> Zweifelsfällen die Jury (['ʒyʁi] nach Stefan Ram zitiert). Dass die erste
> Silbe betont war, juckte damals keinen. Das kannte man aus dem
> Schweizerdeutsch auch von Vico Torriani.
>
> Glaub's oder nicht: Seither hat das Wort Jury in meinem Leben keine Rolle
> mehr gespielt, so dass ich in dem Glauben blieb, es sei ein französisches
> Wort.

Dabei ist es ursprünglich Anglo-Normaund, in der Form 'juree'.

Stefan Schmitz

unread,
Jun 27, 2022, 4:04:15 AMJun 27
to
Am 26.06.2022 um 09:40 schrieb Markus Ermert:
> Arnulf Sopp <hack_DELET...@gmx.de> wrote:
>> Am 24 Jun 2022 22:51:08 GMT schrieb Stefan Ram:
>>
>>> In einer Sendung zum Bachmann-Preis sagt eine Journalistin (könnte
>>> allerdings eine Österreicherin sein) "Jury" [ˈʤyːʁi].
>>
>> Dschournalist (oft sogar Dschornalist), Dscheannine, dschonglieren,
>> Dscheton, Dschalousie... Wie es scheint — das kann ich jetzt nicht
>> überprüfen, ist an deutschen Gymnasien Französisch schon lange nicht mehr
>> zwingend die zweite Fremdsprache.
>
>
> „Jury“ stammt aber nicht aus dem Französischen, ist dort selbst ein
> Fremdwort.

Na und? Trotzdem ist es aus dem Französischen importiert worden.

Stefan Schmitz

unread,
Jun 27, 2022, 4:24:18 AMJun 27
to
Am 27.06.2022 um 10:09 schrieb Markus Ermert:
> Nein. Es ist aus dem Englischen importiert worden.

Wie wäre es, wenn du dich erst mal informierst, bevor du dich zum Deppen
machst?

Zur Etymologie bei DWDS:

> . Engl. jury bezeichnet die in England ausgebildete Institution des Geschworenengerichts und wird zur Darstellung englischer Verhältnisse sowohl ins Frz. (Ende 17. Jh.) wie ins Dt. (Anfang 18. Jh.) übernommen. Mit der Einführung des Schwurgerichts in Frankreich (1790) und unter dem Einfluß des französischen Rechts in Deutschland (Anfang 19. Jh.) gewinnen frz. jury, dt. Jury an Verbreitung. Aus dem zweiten Entlehnungsvorgang erklärt sich die frz. Aussprache des Wortes, die die engl. im modernen Dt. weitgehend zurückdrängt.

Manfred Hoß

unread,
Jun 27, 2022, 4:31:59 AMJun 27
to
Am 27 Jun 2022 08:09:29 GMT schrieb Markus Ermert:

> Stefan Schmitz <ss...@gmx.de> wrote:
> Nein. Es ist aus dem Englischen importiert worden.

"Jury" wurde aus dem Englischen übernommen, aber das zu einer Zeit, als das
Deutsche sehr viele französische Fremdwörter aufwies. Mein Verdacht ist,
dass daher viele Leute annahmen, das Wort wäre aus dem Französischen und es
somit französisch aussprachen. So ähnlich lief es auch bei "Waggon", von
dem ich bis heute nur die französisierte Aussprache im Ohr habe, nicht die
englische.

Gruß
Manfred.

Stefan Schmitz

unread,
Jun 27, 2022, 5:05:39 AMJun 27
to
> Genau. Es ist aus dem Englischen übernommen worden, und zwar sowohl ins
> Deutsche als auch in Französische. Später dann hat die französische
> Aussprachevariante des englischen Fremdworts an Bedeutung im
> Deutschen gewonnen.

Nein, da steht, dass es ein zweites Mal aus dem Französischen übernommen
wurde. Und zwar für andere Gegenstände als die englische Version.

Stefan Schmitz

unread,
Jun 27, 2022, 6:52:38 AMJun 27
to
> Und nun müsstest Du nur noch erklären, warum die heutige, moderne deutsche
> Hauptverwendung (Preiskomitee) aus dem Französischen des 19. Jahrhunderts
> übernommen worden sein soll.

Aber aus dem Englischen des 17. Jh.??
Die hat sich halt im Deutschen entwickelt.

> Die zweithäufigste deutsche Verwendung (Geschworene) ist ebensowenig aus
> dem Französischen übernommen.

So wie ich den obigen Text verstehe, hatte diese Bedeutung auch das aus
dem Französischen übernommene Wort.

Quinn C

unread,
Jun 27, 2022, 9:20:00 AMJun 27
to
> Und nun müsstest Du nur noch erklären, warum die heutige, moderne deutsche
> Hauptverwendung (Preiskomitee) aus dem Französischen des 19. Jahrhunderts
> übernommen worden sein soll.
>
> Die zweithäufigste deutsche Verwendung (Geschworene) ist ebensowenig aus
> dem Französischen übernommen.

Die letztere halte ich freilich für unüblich oder einen Anglizismus. Im
DWDS steht sie gar nicht erst drin. Normalerweise heißt das für mich nur
"die Geschworenen".

--
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das beigefügte Formular werden.
-- SPAMPOESIE

Ulf Kutzner

unread,
Jun 27, 2022, 10:01:04 AMJun 27
to
Quinn C schrieb am Montag, 27. Juni 2022 um 15:20:00 UTC+2:
> * [...] Ermert:

> > Und nun müsstest Du nur noch erklären, warum die heutige, moderne deutsche
> > Hauptverwendung (Preiskomitee) aus dem Französischen des 19. Jahrhunderts
> > übernommen worden sein soll.
> >
> > Die zweithäufigste deutsche Verwendung (Geschworene) ist ebensowenig aus
> > dem Französischen übernommen.

> Die letztere halte ich freilich für unüblich

Das richtige Wort wäre MUSEN veraltet.

https://books.google.de/books?id=uS5RAAAAcAAJ&printsec=frontcover&dq=jury+gericht&hl=de&newbks=1&newbks_redir=0&sa=X&redir_esc=y#v=onepage&q=jury%20gericht&f=false

https://books.google.de/books?id=a7xCAAAAcAAJ&printsec=frontcover&dq=jury+gericht&hl=de&newbks=1&newbks_redir=0&sa=X&redir_esc=y#v=onepage&q=jury%20gericht&f=false

Was nun das Preisgericht des 19. Jahrhunderts in Frankreich betrifft:
https://fr.wikipedia.org/wiki/%C3%89mile_Zola#Esth%C3%A9tique_zolienne

Christian Weisgerber

unread,
Jun 27, 2022, 11:30:07 AMJun 27
to
On 2022-06-26, Klaus Pommerening <pomm...@uni-mainz.de> wrote:

>> judge (competition) Juror
> Preisrichter, Kampfrichter, Punktrichter

Was genau bezeichnet der Begriff „Kampfrichter“ im Deutschen?

Bei Kampfsportarten, z.B. Boxen, gibt es im Englischen den „referee“,
der im Ring den Ablauf leitet, und die „judges“, die außerhalb
sitzen und falls nötig ein Punkturteil fällen.

Ulf Kutzner

unread,
Jun 27, 2022, 11:33:19 AMJun 27
to
Christian Weisgerber schrieb am Montag, 27. Juni 2022 um 17:30:07 UTC+2:
> On 2022-06-26, Klaus Pommerening <pomm...@uni-mainz.de> wrote:
>
> >> judge (competition) Juror
> > Preisrichter, Kampfrichter, Punktrichter

> Was genau bezeichnet der Begriff „Kampfrichter“ im Deutschen?
>
> Bei Kampfsportarten, z.B. Boxen, gibt es im Englischen den „referee“,
> der im Ring den Ablauf leitet, und die „judges“, die außerhalb
> sitzen und falls nötig ein Punkturteil fällen.

Beim Judo fällt das zumindest bei Jugendmeisterschaften zusammen;
der Kampfrichter am Mattenrand vergibt auch gleich die Punkte.

Diedrich Ehlerding

unread,
Jun 27, 2022, 1:12:39 PMJun 27
to
Christian Weisgerber meinte:

>>> judge (competition) Juror
>> Preisrichter, Kampfrichter, Punktrichter
>
> Was genau bezeichnet der Begriff „Kampfrichter“ im Deutschen?
>
> Bei Kampfsportarten, z.B. Boxen, gibt es im Englischen den „referee“,
> der im Ring den Ablauf leitet, und die „judges“, die außerhalb
> sitzen und falls nötig ein Punkturteil fällen.

Beim Boxen hei0en die "Ringrichter" bzw. "Punktrichter".

--
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Bertel Lund Hansen

unread,
Jun 28, 2022, 2:54:01 AMJun 28
to
Den 27.06.2022 kl. 10.31 skrev Manfred Hoß:

> somit französisch aussprachen. So ähnlich lief es auch bei "Waggon", von
> dem ich bis heute nur die französisierte Aussprache im Ohr habe, nicht die
> englische.

Das Wort "waggon" kenne ich auch vom Dänischen - aber nur in der
Verbinding "waggon lit" mit französischer Aussprache. Als ich Kind war,
war Englisch keine grosse Inspiration zu dänischen Wörtern.

https://www.merriam-webster.com/dictionary/wagon-lit

gibt eine französische Aussprache an.

--
Bertel
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