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Aussprache das -- dass (war: OT oder doch nicht?: Rechtschreibreform)

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Markus Gail

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Apr 20, 2004, 11:47:27 AM4/20/04
to
Christian Gollwitzer <auri...@btcips73x1.cip.uni-bayreuth.de> wrote:

> > Beispiel: Der Vokal in "das" und "dass" ist gleich lang, trotzdem wird
> > das eine Wort so, und das andere so geschrieben.
>
> Wo kommst Du denn her?

Mir ist bisher nur eine einzige Person aufgefallen, die "das" lang
ausgesprochen hat.

> Im Hochdeutschen ist der Vokal in "das" lang, daher konsequenterweise
> einfaches "s".

Tatsächlich? Wo steht das?

M.

PS: Durchschlag und Umleitung nach desd.

Markus Kohm

unread,
Apr 20, 2004, 12:10:16 PM4/20/04
to
Markus Gail wrote:

> Mir ist bisher nur eine einzige Person aufgefallen, die "das" lang
> ausgesprochen hat.

Kann ich nicht ganz bestätigen. Ich kann es aber auch nicht ganz verneinen.
Tatsächlich hat die Stellung oft eine größere Auswirkung. Man vergleiche:

Ich sehe, dass das Pferd eine lange Nase hat.
Das Pferd hat eine lange Nase.

Noch stärker wird der Unterschied, wenn der Artikel mal ganz normal
verwendet wird und mal in der Bedeutung "dieses", was durch Betonung
hervorgehoben wird:

Ich sehe, dass das Pferd eine lange Nase hat.
Pferde haben oft lange Beine. Ich sehe jedoch,
dass das Pferd einen kurzen Fuß hat.

Dabei verändert sich "dass" jedoch nicht. Um "dass" zu betonen, wird das "a"
eher kürzer und das Wort insgesamt härter ausgesprochen. Damit
unterscheidet sich das "a" in "das" und "dass" doch wieder ganz erheblich.

BTW: Die Frage von Christian ist aber nicht unberechtigt. Die
Sprachgewohnheit hängt von der Umgebung ab. Für allgemeingültige,
sprachabhängige Schreib-Regeln muss daher erst eine allgemeingültige
Aussprache festgelegt werden. Diese wurde aber für die NDR nicht geändert.

Gruß
Markus

Helmut Richter

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Apr 20, 2004, 1:46:36 PM4/20/04
to
In article <1334282.v...@ID-107054.user.dfncis.de>,
Markus Kohm wrote:

> Markus Gail wrote:

>> Mir ist bisher nur eine einzige Person aufgefallen, die "das" lang
>> ausgesprochen hat.

> Kann ich nicht ganz bestätigen. Ich kann es aber auch nicht ganz verneinen.

> [...]

> Noch stärker wird der Unterschied, wenn der Artikel mal ganz normal
> verwendet wird und mal in der Bedeutung "dieses", was durch Betonung
> hervorgehoben wird:

> Ich sehe, dass das Pferd eine lange Nase hat.
> Pferde haben oft lange Beine. Ich sehe jedoch,
> dass das Pferd einen kurzen Fuß hat.

Im Bairischen beispielweise werden die drei Wörter

- Konjunktion "dass" - bair. "dass"
- Artikel "das" - bair. "as"
- Demonstrativpronomen "das" - bair. "dees" (oft "dös" geschrieben, aber ein ö
gibts im Bairischen nicht)

alle verschieden gesprochen. Das Beispiel ändere ich ein wenig ab, weil dein
erster Satz nicht eindeutig ist, ob ein bestimmtes Pferd gemeint ist, oder
das gerade erwähnte ohne Betonung, oder "das Pferd an sich" (das es im
Bairischen nicht gibt, da verwendet man den Plural "Pferdln hom lange Nosn"):

As Pferdl vo meim Bruada is scho oid.
Dees Pferdl do is scho oid.
I siech, dass dees Pferdl scho oid is.

Insofern wäre es einleuchtend, wenn auch in anderen deutschen Dialekten das
Demonstrativpronomen "das" länger gesprochen würde als die Konjunktion "dass"
und der Artikel "das". Nach der Bühnenaussprache sind sie aber alle drei kurz
und völlig gleich.

Helmut Richter

Ulf Andrick

unread,
Apr 24, 2004, 2:53:07 PM4/24/04
to
Markus Gail <ga...@gmx.de> schrieb:

Mir ist aufgefallen, daß Pfälzer, wenn sie deutlich und hochdeutsch
sprechen wollen, "daas" und "ees" statt "das" und "es" sagen. Ich als
Nichtdialektsprecher empfinde diese Aussprache dagegen als
eigenartig und sehr gekünstelt.

Andreas Karrer

unread,
Apr 25, 2004, 1:31:01 PM4/25/04
to
* Ulf Andrick <Ulf.A...@t-online.de>:

> Mir ist aufgefallen, daß Pfälzer, wenn sie deutlich und hochdeutsch
> sprechen wollen, "daas" und "ees" statt "das" und "es" sagen. Ich als
> Nichtdialektsprecher empfinde diese Aussprache dagegen als
> eigenartig und sehr gekünstelt.

Also bei der Diskussion von Dialekt und Hochsprache passt das Wort
"gekünstelt" zweifelsohne am besten zu letzterer.

- Andi

Christian Seidl

unread,
Apr 25, 2004, 2:23:33 PM4/25/04
to
"Andreas Karrer" <Andreas...@gmx.net> wrote in message
news:slrnc8ntel.5lp....@madrid.ee.ethz.ch

> > Mir ist aufgefallen, daß Pfälzer, wenn sie deutlich und hochdeutsch
> > sprechen wollen, "daas" und "ees" statt "das" und "es" sagen. Ich als
> > Nichtdialektsprecher empfinde diese Aussprache dagegen als
> > eigenartig und sehr gekünstelt.
>
> Also bei der Diskussion von Dialekt und Hochsprache passt das Wort
> "gekünstelt" zweifelsohne am besten zu letzterer.

Wobei es aber auch sehr gekünstelten Dialekt gibt: Geh mal an die Basler
Fasnacht; das Baaseldytsch, das dort gepflogen wird, ist in vielerlei
Hinsicht museal.

Und ähnliches gilt von dieser, hmmm, wirklich großartigen Zürcher
Veranstaltung namens Sechseläuten, mit "Grossmöischter", "Zöifter",
"Chünge", "Hung" usw.

Christian

--
Posted via Mailgate.ORG Server - http://www.Mailgate.ORG

Yvonne Steiner

unread,
Apr 25, 2004, 4:34:10 PM4/25/04
to
Christian Seidl <se...@indoger.unizh.ch> wrote:

> Wobei es aber auch sehr gekünstelten Dialekt gibt: Geh mal an die Basler
> Fasnacht; das Baaseldytsch, das dort gepflogen wird, ist in vielerlei
> Hinsicht museal.
>
> Und ähnliches gilt von dieser, hmmm, wirklich großartigen Zürcher
> Veranstaltung namens Sechseläuten, mit "Grossmöischter", "Zöifter",

Wie bitte? Wir Zürcher sagen doch ----> "Grossmünschter", "Zümpfter",

> "Chünge", "Hung" usw.

?, Hund/Honig?

Oder habe ich dich irgendwie falsch verstanden?

--
Yvonne Steiner

Christian Seidl

unread,
Apr 25, 2004, 5:43:33 PM4/25/04
to
"Yvonne Steiner" <yste...@swissonline.ch> wrote in message
news:1gctkf6.meo19m1wvvwjkN%yste...@swissonline.ch

> > Wobei es aber auch sehr gekünstelten Dialekt gibt:

> > Und ähnliches gilt von dieser, hmmm, wirklich großartigen Zürcher
> > Veranstaltung namens Sechseläuten, mit "Grossmöischter", "Zöifter",
>
> Wie bitte? Wir Zürcher sagen doch ----> "Grossmünschter", "Zümpfter",
>
> > "Chünge", "Hung" usw.
>
> ?, Hund/Honig?

Gemeint: "Könige" und "Honig (bzw. Marmelade)".

> Oder habe ich dich irgendwie falsch verstanden?

Dass du mich nicht verstehst, ist natürlich. Das Weibervolk hat am
Sechseläuten ja auch nur dekorative Funktion. Und das ist auch gut so;-)

Ich meinte, dass von den aktiven Teilnehmern und den Kommentatoren
am Fernsehen aber die Begriffe in der von mir erwähnten altertümlichen
Form verwendet werden, was eben ein Zeichen für "gekünstelte" Dialekte
ist. Ansonsten sagt ja kein normaler Mensch sowas (aber die Zöifter
sind ja eh nicht ...).

Rainer Stahl

unread,
Jun 16, 2004, 9:34:13 PM6/16/04
to
Helmut Richter wrote:

> In article <1334282.v...@ID-107054.user.dfncis.de>,
> Markus Kohm wrote:
>
>
>>Markus Gail wrote:
>

[Pferde, Demonstrativpronomen und Artikel im Bairischen]

Danke Helmut,

> Im Bairischen beispielweise werden die drei Wörter
>
> - Konjunktion "dass" - bair. "dass"
> - Artikel "das" - bair. "as"
> - Demonstrativpronomen "das" - bair. "dees" (oft "dös" geschrieben, aber ein ö
> gibts im Bairischen nicht)
>
> alle verschieden gesprochen. Das Beispiel ändere ich ein wenig ab, weil dein
> erster Satz nicht eindeutig ist, ob ein bestimmtes Pferd gemeint ist, oder
> das gerade erwähnte ohne Betonung, oder "das Pferd an sich" (das es im
> Bairischen nicht gibt, da verwendet man den Plural "Pferdln hom lange Nosn"):

..also fuer mich ganz klar ein systemimmanentes Problem
der hochdeutschen Sprache. Im schwäbischen und badischen
(selten so vereint wie hier) ist ebenfalls deutlich zwischen
der Konjunktion und dem Artikel zu unterscheiden.

Des Pferd vom meim Bruudr isch ald.
Sellres Pferd do isch au ald.
I sä, dass des/sellres Pferd do ersch rächd ald isch.

Deutlich der Unterschied des betonenden "das" in der zweiten
Zeile.
Im Zweifelsfall ergibt sich das "dass/das-Problem" aber gar nicht,
da es eigentlich

I sä, dassdr Gaul von meinre Schwschdr ald isch.

heisst / haisse dud.

Was mich darauf bringt, dass ich diese "kurz/lang"-Regel
deutlich weniger transparent finde, als es eine
vorangebrachte Bildung, die überhaupt zwischen Artikel,
Konjunktion und sonstigen Pronomen unterscheiden kann,
bringen könnte.
(ja, doch, trotz [oder deshalb] tiefer Kenntnisse suedwestdeutscher
Mundart kann ich in anderen Regionen mitunter
einen Unterschied zwischen "dass" und "das" raushören :-) )

Gute Nacht,
Rainer


Thomas Gerlach

unread,
Jun 17, 2004, 3:40:30 AM6/17/04
to
On Thu, 17 Jun 2004 03:34:13 +0200, Rainer Stahl wrote:

> Des Pferd vom meim Bruudr isch ald.
> Sellres Pferd do isch au ald.
> I sä, dass des/sellres Pferd do ersch rächd ald isch.
>
> Deutlich der Unterschied des betonenden "das" in der zweiten
> Zeile.

Meinst du "sellres"? Gehe ich völlig falsch in der Annahme, dass jenes
Wort mit "das" zwar in Verbindung steht, aber doch ein anderes ist?

CU
Thomas

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