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ausmären

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Oliver Voß

unread,
Nov 22, 2011, 1:50:21 PM11/22/11
to

Jakob Achterndiek

unread,
Nov 22, 2011, 2:06:07 PM11/22/11
to
Am 22.11.2011, 19:50 Uhr, schrieb Oliver Voß <voss....@t-online.de>:

> Dieses Wort war mir bislang auch nicht bekannt. Quelle:
> <http://www.heise.de/tp/foren/S-Wenn-die-obskure-Splitterpartei-OeDP-sich-hier-ausmaeren-darf/forum-216227/msg-21085348/read/>

Uralter Wortbestand. Zwei (nicht ur-, nur ältere) Beispiele:

Um 1200
| Uns ist in alten mæren wunders vil geseit
| von helden lobebæren, von grôzer arebeit,
| von fröuden, hôchgezîten, von weinen und von klagen,
| von küener recken strîten muget ir nu wunder hœren sagen.

Um 1535
| Vom Himmel hoch, da komm ich her.
| Ich bring’ euch gute neue Mär,
| Der guten Mär bring ich so viel,
| Davon ich singn und sagen will.

Heute offenbar nicht mehr zeitgemäß - :(

j/\a
--

Gunhild Simon

unread,
Nov 22, 2011, 2:43:47 PM11/22/11
to
On 22 Nov., 20:06, "Jakob Achterndiek" <achternd...@buzemann.de>
wrote:
> Am 22.11.2011, 19:50 Uhr, schrieb Oliver Voß <voss.oli...@t-online.de>:
>
> > Dieses Wort war mir bislang auch nicht bekannt. Quelle:
> > <http://www.heise.de/tp/foren/S-Wenn-die-obskure-Splitterpartei-OeDP-s...>
>
> Uralter Wortbestand. Zwei (nicht ur-, nur ältere) Beispiele:
>
> Um 1200
> | Uns ist in alten mæren wunders vil geseit
> | von helden lobebæren, von grôzer arebeit,
> | von fröuden, hôchgezîten, von weinen und von klagen,
> | von küener recken strîten muget ir nu wunder hœren sagen.
> ENDE
> Um 153
> | Vom Himmel hoch, da komm ich her.
> | Ich bring’ euch gute neue Mär,
> | Der guten Mär bring ich so viel,
> | Davon ich singn und sagen will.
>
> Heute offenbar nicht mehr zeitgemäß -

Märchen!

Die mir nicht sonderlich liebenswert sich gebarende Lehrerin -
Adelheid Grüneisen, sächsische Pastorentochter (Gott habe sie selig!)
- pflegte den unduldsamen Satz: "Mär dich aus!".

Gruß
Gunhild

Gruß
Gunhild

Peter Lederer

unread,
Nov 22, 2011, 3:51:02 PM11/22/11
to
Am 22.11.2011 schrieb Jakob Achterndiek:

> Heute offenbar nicht mehr zeitgemäß - :(

Gehört zu meinem aktiven Wortschatz: "Mensch, mähr dich aus" kommt z.B.
häufiger vor, wenn sie noch im Bad ist und ich darauf warte, dass wir
(aus-) gehen können. Ich kenne es von meinem, aus Ostpreußen stammenden,
Vater.

--
wen's interessiert - Bilder aus meinem Garten
www.peterlederer.de/galerien/

Florian Ritter

unread,
Nov 22, 2011, 4:17:15 PM11/22/11
to
On 22 Nov., 21:51, Peter Lederer <p.lede...@t-online.de> wrote:

> > Heute offenbar nicht mehr zeitgemäß -   :(
>
> Gehört zu meinem aktiven Wortschatz: "Mensch, mähr dich aus" kommt z.B.
> häufiger vor, wenn sie noch im Bad ist und ich darauf warte, dass wir
> (aus-) gehen können. Ich kenne es von meinem, aus Ostpreußen stammenden,
> Vater.

Und so dürfte es Jacko A. auch bekannt sein - FR

Manfred Hoß

unread,
Nov 22, 2011, 4:26:16 PM11/22/11
to
Am Tue, 22 Nov 2011 11:43:47 -0800 (PST) schrieb Gunhild Simon:

> Die mir nicht sonderlich liebenswert sich gebarende Lehrerin -
> Adelheid Grüneisen, sächsische Pastorentochter (Gott habe sie selig!)
> - pflegte den unduldsamen Satz: "Mär dich aus!".

In der Form "Mär dich aus!" ist mir "ausmären" ebenfalls begegnet.

Gruß
Manfred.

Peter Lederer

unread,
Nov 22, 2011, 4:28:38 PM11/22/11
to
Am 22.11.2011 schrieb Florian Ritter:

> Und so dürfte es Jacko A. auch bekannt sein - FR

Und (leider) wahrscheinlich nicht nur ihm.

Oliver Cromm

unread,
Nov 22, 2011, 5:33:52 PM11/22/11
to
* Florian Ritter:
Was ihn nicht hinderte, daraus ein Geheimnis zu machen und uns
statt dessen Mären aufzutischen. Aber so ist er - kommt sich
feiner vor, wenn er in Rätseln spricht. Könnte glatt als Franzose
durchgehen.

Ich kenne "sich ausmähren" und "rummähren" von meiner Mutter, die
ihre Muttersprache in Thüringen und Berlin erwarb.

--
The nice thing about standards is that you have so many to choose
from; furthermore, if you do not like any of them, you can just
wait for next year's model.
Andrew Tanenbaum, _Computer Networks_ (1981), p. 168.

HeiMeier

unread,
Nov 22, 2011, 5:40:47 PM11/22/11
to
Am 22.11.2011 21:51, schrieb Peter Lederer:
> Am 22.11.2011 schrieb Jakob Achterndiek:
>
>> Heute offenbar nicht mehr zeitgemäß - :(
>
> Gehört zu meinem aktiven Wortschatz: "Mensch, mähr dich aus" kommt z.B.
> häufiger vor, wenn sie noch im Bad ist und ich darauf warte, dass wir
> (aus-) gehen können. Ich kenne es von meinem, aus Ostpreußen stammenden,
> Vater.

Das Wort hat meine Mutter auch oft gebraucht, und sie stammte aus Schlesien.

Heinz


Christina Kunze

unread,
Nov 22, 2011, 6:12:23 PM11/22/11
to
Am 22.11.2011 19:50, schrieb Oliver Voß:
> Dieses Wort war mir bislang auch nicht bekannt. Quelle:
> <http://www.heise.de/tp/foren/S-Wenn-die-obskure-Splitterpartei-OeDP-sich-hier-ausmaeren-darf/forum-216227/msg-21085348/read/>
>
Ich hätte das spontan mit H geschrieben: ausmähren, so langsam wie ne
alte Mähre.
Für mich ist das normale Umgangssprache, MUSEN hat es was mit Sächsisch
oder Thüringisch zu tun, aber vielleicht ist das individueller Zufall
(will sagen: vielleicht habe ich das Wort überdurchschnittlich oft von
Sachsen oder Thüringern gehört).

chr

Jakob Achterndiek

unread,
Nov 22, 2011, 6:27:34 PM11/22/11
to
Am 22.11.2011, 22:17 Uhr, schrieb Florian Ritter
<hansr...@googlemail.com>:
Da muß ich dich und deine Argumentationsnachfolger enttäuschen:
Für Badezimmer- und Kosmetik-Klüngeleien habe ich andere Wörter.

"Ausmähren" ist bei mir immer mit kommunikativen Exzessen zwischen
langatmigen Geschichten und törichtem Gelaber besetzt. Darum kann
(und mag) ich Olivers Vermutung gar nicht entkräften: Rum- und aus-
mähren, die Wörter und was sie meinen, kann man als Vulgarisierung
und als Mißachtung der uralten Kunst epischen Erzählens auffassen.
Sie haben für mein Empfinden ein irgendwie unfeines Odeur: »Was der
olle Homer da rummährt - nu mach doch mal action, Alter!«

j/\a
--

Manfred Hoß

unread,
Nov 22, 2011, 6:28:28 PM11/22/11
to
Am Tue, 22 Nov 2011 19:50:21 +0100 schrieb Oliver Voß:

> Dieses Wort war mir bislang auch nicht bekannt. Quelle:
> <http://www.heise.de/tp/foren/S-Wenn-die-obskure-Splitterpartei-OeDP-sich-hier-ausmaeren-darf/forum-216227/msg-21085348/read/>

"ausmähren v
1. intr = zu Ende sprechen. mähren. 19. Jh.
2. sich ausmähren = weitschweifig und eintönig sich äußern; sich
aussprechen. 19. Jh., vorwiegend sächs.
3. mähr dich aus! = bring deine Arbeit endlich zu Ende! Ostmitteld 19. Jh."
[Wörterbuch: ausmähren. Wörterbuch der deutschen Umgangssprache, S. 2242
(vgl. Küpper-WddU, S. 64) (c) Marianne Küpper
http://www.digitale-bibliothek.de/band36.htm ]

Gruß
Manfred.

Jakob Achterndiek

unread,
Nov 22, 2011, 6:37:54 PM11/22/11
to
Am 22.11.2011, 22:17 Uhr, schrieb Florian Ritter
<hansr...@googlemail.com>:

Da muß ich dich und deine Argumentationsnachfolger enttäuschen:
Für Badezimmer- und Kosmetik-Klüngeleien habe ich andere Wörter.

"Ausmären" ist bei mir immer mit kommunikativen Exzessen zwischen
langatmigen Geschichten und törichtem Gelaber besetzt. Darum kann
(und mag) ich Olivers Vermutung gar nicht entkräften: Rum- und aus-
mären, die Wörter und was sie meinen, kann man als Vulgarisierung
und als Mißachtung der uralten Kunst epischen Erzählens auffassen.
Sie haben für mein Empfinden ein irgendwie unfeines Odeur: »Was der
olle Homer da rummärt - nu mach doch mal action, Alter!«

j/\a
--

Jakob Achterndiek

unread,
Nov 22, 2011, 6:39:51 PM11/22/11
to
Am 23.11.2011, 00:12 Uhr, schrieb Christina Kunze <ku...@revesz.de>:

> Am 22.11.2011 19:50, schrieb Oliver Voß:
>> Dieses Wort war mir bislang auch nicht bekannt. Quelle:
>> <http://www.heise.de/tp/foren/S-Wenn-die-obskure-Splitterpartei-OeDP-sich-hier-ausmaeren-darf/forum-216227/msg-21085348/read/>
>>
> Ich hätte das spontan mit H geschrieben: ausmähren, so
> langsam wie ne alte Mähre.

Ich stelle gerade bestürzt fest, daß ich das getan habe,
obgleich ich das Wort, wie bereits geschrieben, anders besetze
und erkläre. Deine Schreibweise und deine Erklärung paßt dann
besser zu den Badezimmer-Assoziationen der Vor-Schreiber.
Das wäre dann wohl ein Fall von Volksetymologie.

j/\a
--

René

unread,
Nov 22, 2011, 7:07:07 PM11/22/11
to
On 2011-11-22 17:37:54 -0600, "Jakob Achterndiek"
Ich meine, du denkst hier zu kompliziert, bzw. ganz einfach in die
flasche Richtung. Schauen wir doch einfach mal bei den Experten nach:
http://woerterbuchnetz.de/DWB/?sigle=DWB&mode=Vernetzung&hitlist=&patternlist=&lemid=GM00435

bzw.

http://tinyurl.com/8ytt5pv

Und von daher, im Thüringisch/Sächsischen mähren mit der Bedeutung
"ewig rum machen und tun", was mährst du denn noch ewig rum, du hast
vor drei Stunden gesagt, du bist fertig; ich steh hier doof rum und
warte, daß wir los können, und wieso guckste schon wieder so böse, weil
ich mich wieder hingesetzt habe und "Krieg und Frieden" aufgeschlagen
bzw. die "Skyrim"-DVD eingelegt habe?

Matthias Opatz

unread,
Nov 22, 2011, 7:37:30 PM11/22/11
to
Jakob Achterndiek gab zur Kenntnis:

> Am 22.11.2011, 19:50 Uhr, schrieb Oliver Voß <voss....@t-online.de>:
>
>> Dieses Wort war mir bislang auch nicht bekannt. Quelle:
>> <http://www.heise.de/tp/foren/S-Wenn-die-obskure-Splitterpartei-OeDP-sich-hier-ausmaeren-darf/forum-216227/msg-21085348/read/>
>
> Uralter Wortbestand.

Und in Sachsen (zumindest im meißnischen) quicklebendig.

Matthias

--
Nach der Schlacht von Leipzig sah man Pferde, denen 3, 4 und noch mehr
Beine abgeschossen waren, herrenlos herumlaufen. Prof. Galletti
Wer zum Kuckuck ist dieser Galletti? ==> <http://www.galletti.de/>
== Bitte bei Mailantwort Großbuchstaben aus Reply-Adresse löschen. ==

Sabine Baer

unread,
Nov 22, 2011, 11:34:11 PM11/22/11
to
On 2011-11-23, René wrote:

> Und von daher, im Thüringisch/Sächsischen mähren mit der Bedeutung
> "ewig rum machen und tun", was mährst du denn noch ewig rum, du hast
> vor drei Stunden gesagt, du bist fertig; ich steh hier doof rum und
> warte, daß wir los können, und wieso guckste schon wieder so böse,
> weil ich mich wieder hingesetzt habe und "Krieg und Frieden"
> aufgeschlagen bzw. die "Skyrim"-DVD eingelegt habe?

Hier nennt man das "ein Gemae(h)re machen". Ein Gemaehre machen auch
"Reichsbedenkentraeger", wenn sie immer noch ein Haar in der Suppe
finden und mit keiner Loesung eines Problems zufrieden sind.

Sabine

--
/"\
\ / ASCII ribbon campaign
X against HTML in mail and news
/ \

Klaus Drechsler

unread,
Nov 23, 2011, 3:51:58 AM11/23/11
to
Mag sein... *erlebt* habe ich es allerdings hier (Raum Bremen) einzig im
von Jakob erwähnten kommunikativen Zusammenhang. Mit "Machen und tun"
kommt es mir befremdlich vor und ich würde es selbst nie so benutzen.

Gruß
Klaus

Gunhild Simon

unread,
Nov 23, 2011, 4:14:43 AM11/23/11
to
On 23 Nov., 09:51, Klaus Drechsler <K.Drechs...@gmx.de> wrote:
> Am 23.11.2011 01:07, schrieb René:
>
>
>
> > On 2011-11-22 17:37:54 -0600, "Jakob Achterndiek"
> > <achternd...@buzemann.de> said:
>
> >> "Ausmären" ist bei mir immer mit kommunikativen Exzessen zwischen
> >> langatmigen Geschichten und törichtem Gelaber besetzt. Darum kann
> >> (und mag) ich Olivers Vermutung gar nicht entkräften: Rum- und aus-
> >> mären, die Wörter und was sie meinen, kann man als Vulgarisierung
> >> und als Mißachtung der uralten Kunst epischen Erzählens auffassen.
> >> Sie haben für mein Empfinden ein irgendwie unfeines Odeur: »Was der
> >> olle Homer da rummärt - nu mach doch mal action, Alter!«
>
> > Ich meine, du denkst hier zu kompliziert, bzw. ganz einfach in die
> > flasche Richtung. Schauen wir doch einfach mal bei den Experten nach:
> >http://woerterbuchnetz.de/DWB/?sigle=DWB&mode=Vernetzung&hitlist=&pat...
>
> > bzw.
> >http://tinyurl.com/8ytt5pv
>
> > Und von daher, im Thüringisch/Sächsischen mähren mit der Bedeutung "ewig
> > rum machen und tun", was mährst du denn noch ewig rum, du hast vor drei
> > Stunden gesagt, du bist fertig; ich steh hier doof rum und warte, daß
> > wir los können, und wieso guckste schon wieder so böse, weil ich mich
> > wieder hingesetzt habe und "Krieg und Frieden" aufgeschlagen bzw. die
> > "Skyrim"-DVD eingelegt habe?
>
> Mag sein... *erlebt* habe ich es allerdings hier (Raum Bremen) einzig im
> von Jakob erwähnten kommunikativen Zusammenhang. Mit "Machen und tun"
> kommt es mir befremdlich vor und ich würde es selbst nie so benutzen.

Wie schon erwähnt stelle ich "mären, sich ausmären" in den
Zusammenhang von "Märchen", der Diminuierungsform von dem
altertümlichen, aber in dem Luther-Weihnachtslied "Vom Himmel hoch",
vielgesungenen Wort "Mär" ("Ich bring euch gute, neue Mär. Der guten
Mär bring ich so viel ...").

Sich ausmären bedeutet also "weitschweifig erzählen.
Ich kenne es nur als negativ - ungeduldig, ja unhöflich! - konnotiert:
"Mär dich (endlich) aus!" = komm zum Punkt.

Gruß
Gunhild

Helmut Richter

unread,
Nov 23, 2011, 6:51:41 AM11/23/11
to
On Wed, 23 Nov 2011, Gunhild Simon wrote:

> Wie schon erwähnt stelle ich "mären, sich ausmären" in den
> Zusammenhang von "Märchen", der Diminuierungsform von dem
> altertümlichen, aber in dem Luther-Weihnachtslied "Vom Himmel hoch",
> vielgesungenen Wort "Mär" ("Ich bring euch gute, neue Mär. Der guten
> Mär bring ich so viel ...").
>
> Sich ausmären bedeutet also "weitschweifig erzählen.
> Ich kenne es nur als negativ - ungeduldig, ja unhöflich! - konnotiert:
> "Mär dich (endlich) aus!" = komm zum Punkt.

Ich wäre da nicht sicher. Von meiner sächsischen Verwandtschaft kenne ich
"rummähren" in der Bedeutung "in nicht zielstrebiger Weise tätig sein",
dementsprechend "sich [endlich] ausmähren" als "die nicht zielführenden
Tätgkeiten einstellen", auf Deutsch "zu Potte kommen". Es ist nicht auf
Reden als solche Tätigkeit beschränkt -- was nicht heißt, dass es nicht
doch davon hätte kommen können.

Grimm kennt:

- die "Mär" (Kunde, Nachricht) und das "Märchen" sowie das mir unbekannte Verb
"mären" (kundgeben)

- die "Mähre" (Stute) als weibliche Form eines untergegangenen Wortes für
"Pferd"; verwandt sind "Marschall" und "Marstall"

- das Verb "mähren" (rühren, tunken, mischen, wühlen) mit einem Beispiel von
Luther für übertragene Bedeutung: "es leidet sich nicht, dasz ein jeglicher
in der heiligen schrift grübele und mähre".

- die "Mährte" (einfaches Essen, Eingetunktes). Grumm schreibt dazu: "Es
scheint ein altes, in das profane leben eingedrungenes klosterwort: aus
lat. merenda entstand der ahd. ausdruck mereda antecenia, merenda Graff 2,
846, merata (Diut. 3, 256, 15), merda (Sumerl. 17, 27), der sich auch als
masc. merôt, meret, mert (Graff 2, 845) findet, für eine einfache
zwischenmahlzeit, die aus backwerk in etwas flüssigem eingetaucht bestand,
und die in der Benedictinerregel lat. mixtum genannt wird (Hattemer 1, 88)."

Das sächsische "mähren" und die sächsische "Mährte" (Durcheinander,
Kuddelmuddel) passt bedeutungsmäßig sehr viel besser auf den dritten und
vierten Punkt. Verwandt mit dem ersten ist es wohl nicht, weil sie im Mhd
verschiedene Vokale haben: mær - mërn. Und die Mähre hat das ä als echten
Umlaut.

"mähren" und "Mährte" sind bedeutungsmäßig unmittelbar beieinander, so dass,
falls der lateinische Urspruch von "Mährte" zutrifft, das auch als Ursprung
von "mähren" am wahrscheinlichsten ist.

--
Helmut Richter

Lothar Frings

unread,
Nov 23, 2011, 7:06:53 AM11/23/11
to
Helmut Richter tat kund:

> Ich wäre da nicht sicher. Von meiner sächsischen Verwandtschaft kenne ich
> "rummähren" in der Bedeutung "in nicht zielstrebiger Weise tätig sein",
> dementsprechend "sich [endlich] ausmähren" als "die nicht zielführenden
> Tätgkeiten einstellen", auf Deutsch "zu Potte kommen". Es ist nicht auf
> Reden als solche Tätigkeit beschränkt -- was nicht heißt, dass es nicht
> doch davon hätte kommen können.

Frag doch mal einen Mähren. Vielleicht tut's
auch ein Böhme.
Message has been deleted

René

unread,
Nov 23, 2011, 9:56:26 AM11/23/11
to
On 2011-11-23 03:14:43 -0600, Gunhild Simon <gunhil...@yahoo.de> said:

> Wie schon erwähnt stelle ich "mären, sich ausmären" in den
> Zusammenhang von "Märchen"

Dies völlig zu unrecht.

Stephen Hust

unread,
Nov 23, 2011, 11:58:55 AM11/23/11
to
Helmut Richter <hh...@web.de> wrote:

> Grimm kennt:
>
> - die "Mär" (Kunde, Nachricht) und das "Märchen" sowie das mir
> unbekannte Verb "mären" (kundgeben)

| /bair./ mären, /reden, plaudern./ Schm. 1, 1635 /Fromm./

<http://woerterbuchnetz.de/DWB/?sigle=DWB&mode=Vernetzung&lemid=GM01330>

Duden kennt's auch:

| in etwas herumwühlen; langsam sein; umständlich reden

<http://www.duden.de/rechtschreibung/maeren>

Und das Bertelsmann-Wörterbuch auch:

| *mä|ren* [V.1, hat gemärt; o. Obj.; sächs.] /langsam sein,
| langsam arbeiten, trödeln;/ mär nicht so! [<mhd. merren, marren
| <ahd. marrjan "verzögern, verhindern"]

<http://www.wissen.de/wde/generator/wissen/ressorts/bildung/woerterbuecher/index,page=3793148.html>

> [...]
>
> - das Verb "mähren" (rühren, tunken, mischen, wühlen) mit einem
> Beispiel von Luther für übertragene Bedeutung: "es leidet sich
> nicht, dasz ein jeglicher in der heiligen schrift grübele und
> mähre".

Und das Verb "ausmähren":

| /plane miscere, gustare, auskosten:/ warte nur, wir habens noch
| nicht bisz auf den grund zusammen ausgemähret. Filidor Ernelinde
| /s./ 121. /von/ mähren, meren, /einrühren, anrühren, vgl. mhd./
| enblanden.

<http://woerterbuchnetz.de/DWB/?sigle=DWB&mode=Vernetzung&lemid=GA08524>

--
Steve

My e-mail address works as is.

Oliver Cromm

unread,
Nov 23, 2011, 1:15:55 PM11/23/11
to
* Jakob Achterndiek:
Ich bin offenbar nicht der geborene Volksetymologe, denn da für
mich beide Verbindungen, die mit der Mär und die mit der Mähre,
keine überzeugende Erklärung hergeben, habe ich das Wort
"ausmähren" einfach als eine dritte, unerklärte Wurzel
hingenommen.

Und sieh mal an: nachdem ich dies geschrieben hatte, hat sie auch
schon jemand herausgesucht!

--
Humans write software and while a piece of software might be
bug free humans are not. - Robert Klemme

Gunhild Simon

unread,
Nov 23, 2011, 2:06:44 PM11/23/11
to
Am 23.11.2011 19:15, schrieb Oliver Cromm:
> * Jakob Achterndiek:
>
>> Am 23.11.2011, 00:12 Uhr, schrieb Christina Kunze<ku...@revesz.de>:
>>
>>> Ich hätte das spontan mit H geschrieben: ausmähren, so
>>> langsam wie ne alte Mähre.
>>
>> Ich stelle gerade bestürzt fest, daß ich das getan habe,
>> obgleich ich das Wort, wie bereits geschrieben, anders besetze
>> und erkläre. Deine Schreibweise und deine Erklärung paßt dann
>> besser zu den Badezimmer-Assoziationen der Vor-Schreiber.
>> Das wäre dann wohl ein Fall von Volksetymologie.
>
> Ich bin offenbar nicht der geborene Volksetymologe, denn da für
> mich beide Verbindungen, die mit der Mär und die mit der Mähre,
> keine überzeugende Erklärung hergeben, habe ich das Wort
> "ausmähren" einfach als eine dritte, unerklärte Wurzel
> hingenommen.
>
> Und sieh mal an: nachdem ich dies geschrieben hatte, hat sie auch
> schon jemand herausgesucht!
>
Und ich kann den Argumentationssträngen schwer folgen. Aber vielleicht
fehlt mir nur der feine Sinn für volksetymologische Ironie.

Steve hat doch die beiden Verben, die etymologisch offenbar nichts
miteinander zu tun haben - fein säuberlich getrennt.

Demnach ist "mären" eine Art zu reden, während "mähren" ein Tun - eher
der Hände - ist.

Für mich stellt es sich so dar:

mären, sich ausmären = langatmig erzählen und dieses unter vielen
Geduldsantrengungungen der Zuhörerschaft zu einem Ende bringen

mähren - langsam und umständlich - "umrührend" und "wiederkäuend" (ich
weiß, daß Pferde keine Wiederkäuer sind.)- etwas tun

Gruß
Gunhild

Jakob Achterndiek

unread,
Nov 23, 2011, 2:29:37 PM11/23/11
to
Ja, so halte ich es auch; nicht ohne hinzuzufügen, daß nach
Austausch mit meiner kürzlich goldhochzeitlich geehrten
Eheliebsten heute am Frühstückstisch diese als gebürtige und
gelernte Schlesierin der zweiten Schreibweise mit der zweiten
Bedeutung anhängt und zustimmt, während ich nach wie vor zur
ersten tendiere.

j/\a
--

Gunhild Simon

unread,
Nov 23, 2011, 3:08:25 PM11/23/11
to
Ja. So ging es aus den Beiträgen hervor.

Nach ihrer Auffassung eines Tuns muß es logischerweise "mähren" heißen.

Nach wie vor wundert mich jedoch der Sprachgebrauch meiner gefürchteten
sächsisch-pastörlichen Lehrerin: Sie gebrauchte das Wort eindeutig als
(pejoratives) Synonym für "sprechen".

Pädagogisch eine Sünde: Es kam diese Aufforderung einem Redeverbot
gleich. Das war 1960. Da war man anders gepolt.

Gruß
Gunhild

Oliver Cromm

unread,
Nov 23, 2011, 6:12:10 PM11/23/11
to
* Gunhild Simon:
Du kannst assoziieren, etymogeln und frei orthographieren, wie Du
magst - Etymologie ist halt oft nicht bis ins letzte zu klären,
und Wórter verschmelzen auch manchmal.

Was aber tatsächlich geklärt wurde, ist, daß es da drei
verschiedene heute gleichlautende Wurzeln gibt (mhd. mæren, mërn
und merhe), und mein Fazit ist, daß das
regional-umgangssprachliche aus- und rummähren wohl weder mit der
Mär noch mit der Mähre zu tun hat, sondern mit dem Rühren und
Wühlen.

Bei "mären" assoziiere ich eher "Unsinn erzählen" als "lang und
breit".

--
Software gets slower, faster than hardware gets faster.
--Wirth's law
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