On Wed, 23 Nov 2011, Gunhild Simon wrote:
> Wie schon erwähnt stelle ich "mären, sich ausmären" in den
> Zusammenhang von "Märchen", der Diminuierungsform von dem
> altertümlichen, aber in dem Luther-Weihnachtslied "Vom Himmel hoch",
> vielgesungenen Wort "Mär" ("Ich bring euch gute, neue Mär. Der guten
> Mär bring ich so viel ...").
>
> Sich ausmären bedeutet also "weitschweifig erzählen.
> Ich kenne es nur als negativ - ungeduldig, ja unhöflich! - konnotiert:
> "Mär dich (endlich) aus!" = komm zum Punkt.
Ich wäre da nicht sicher. Von meiner sächsischen Verwandtschaft kenne ich
"rummähren" in der Bedeutung "in nicht zielstrebiger Weise tätig sein",
dementsprechend "sich [endlich] ausmähren" als "die nicht zielführenden
Tätgkeiten einstellen", auf Deutsch "zu Potte kommen". Es ist nicht auf
Reden als solche Tätigkeit beschränkt -- was nicht heißt, dass es nicht
doch davon hätte kommen können.
Grimm kennt:
- die "Mär" (Kunde, Nachricht) und das "Märchen" sowie das mir unbekannte Verb
"mären" (kundgeben)
- die "Mähre" (Stute) als weibliche Form eines untergegangenen Wortes für
"Pferd"; verwandt sind "Marschall" und "Marstall"
- das Verb "mähren" (rühren, tunken, mischen, wühlen) mit einem Beispiel von
Luther für übertragene Bedeutung: "es leidet sich nicht, dasz ein jeglicher
in der heiligen schrift grübele und mähre".
- die "Mährte" (einfaches Essen, Eingetunktes). Grumm schreibt dazu: "Es
scheint ein altes, in das profane leben eingedrungenes klosterwort: aus
lat. merenda entstand der ahd. ausdruck mereda antecenia, merenda Graff 2,
846, merata (Diut. 3, 256, 15), merda (Sumerl. 17, 27), der sich auch als
masc. merôt, meret, mert (Graff 2, 845) findet, für eine einfache
zwischenmahlzeit, die aus backwerk in etwas flüssigem eingetaucht bestand,
und die in der Benedictinerregel lat. mixtum genannt wird (Hattemer 1, 88)."
Das sächsische "mähren" und die sächsische "Mährte" (Durcheinander,
Kuddelmuddel) passt bedeutungsmäßig sehr viel besser auf den dritten und
vierten Punkt. Verwandt mit dem ersten ist es wohl nicht, weil sie im Mhd
verschiedene Vokale haben: mær - mërn. Und die Mähre hat das ä als echten
Umlaut.
"mähren" und "Mährte" sind bedeutungsmäßig unmittelbar beieinander, so dass,
falls der lateinische Urspruch von "Mährte" zutrifft, das auch als Ursprung
von "mähren" am wahrscheinlichsten ist.
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Helmut Richter