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-rünstig

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Jakob Achterndiek

unread,
Mar 7, 2014, 2:18:47 PM3/7/14
to

Hallo,

aus gegebenem Anlaß (Uhland als Poet der Blutrunst) eine Frage:
Gibt es mit "~rünstig" noch andere gängige Zusammensetzungen
als "blutrünstig"? Ist das Wort "Blutrunst" oder überhaupt
"Runst" irgendwo geläufig? - Ich kenne für beides keine
Beispiele und finde keine außer denen, die Google hergibt.

Gruß
j/\a
--

Gunhild Simon

unread,
Mar 7, 2014, 3:14:18 PM3/7/14
to
Ich habe es leider auch nicht mehr parat.

Ich habe auch einmal recherchiert und erinnere
mich schwach an Brunst, Brunft.
Jedenfalls etwas Rauschhaftes, Triebgesteuertes.

Vielleicht äußern sich jetzt die Fachleute?

Gruß
Gunhild

Volker Gringmuth

unread,
Mar 7, 2014, 3:23:35 PM3/7/14
to
Jakob Achterndiek wrote:

> Ist das Wort "Blutrunst" oder überhaupt "Runst" irgendwo geläufig?

Runst ist mir geläufig als Wanderung auf dem Rennsteig.
brennen -> Brunst, rennen -> Runst.


vG

Thomas Schade

unread,
Mar 7, 2014, 4:23:41 PM3/7/14
to
On 07.03.2014 20:18, Jakob Achterndiek wrote:

> aus gegebenem Anlaß (Uhland als Poet der Blutrunst) eine Frage:
> Gibt es mit "~rünstig" noch andere gängige Zusammensetzungen
> als "blutrünstig"?

Ist eventuell vielleicht nicht genau das, was du meinst, aber 'brünstig'
und insbesondere 'inbrünstig' scheinen mir ins Schema zu passen.


Ciao
Toscha
--
Mary Bradley waits at home,
In the nuclear fallout zone.
[Jona Lewie: Stop the Cavalry]

Markus Loch

unread,
Mar 7, 2014, 4:27:51 PM3/7/14
to
Brunst von brennen

Brunft von bremmen (verwandt mit brummen) die Lautäusserung
eines brünftigen Hirsches.

Allgemein werden Wörter mit intervokalischem "n" zu ..unst
gerundiviert; desgleichen Wörter mit intervokalischem "m" zu "..unft".
Beispiele:

ankommen Ankunft, Unterkunft, Auskunft (von (dr)auskommen)
ziemen Zunft
bremmen Brunft
(ver)nehmen Vernunft

brennen Brunst (Inbrunst = inneres Brennen)
rennen Runst (neben dem schon genannten Rennsteig wird auch ein
Teil des Mühlgrabens so benannt und zwar der Teil hinter der
Gerindschwelle wo das Wasser ans Rennen kommt. In Südtirol heissen
gewisse Abschnitte der Waale so.

können Kunst
flennen weicht ab: Flansch (Flunst wäre korrekt) wegen der
Lippenhaltung
gönnen Gunst
(verdünnen) Dunst

Ich hatte mal vorgeschlagen, das Bildungsprinzip wiederzubeleben:

pennen, nennen, trennen, sennen (was auf der Alm abgeht)
besamen, schämen.

ergäbe: Punst, Nunst, Trunst, Sunst, Besunft, Schunft

Nur mal so ins Unreine gedacht. Schöne Sätze wären so denkbar:

"Während der Sunst ist die Besumft unkritisch, weil
im Herbst abgetrieben wird."

Mein Vorschlag wurde damals leider, leider abgelehnt.


Gruss
Markus


Helmut Richter

unread,
Mar 7, 2014, 4:36:58 PM3/7/14
to
On Fri, 7 Mar 2014, Markus Loch wrote:

> flennen weicht ab: Flansch (Flunst wäre korrekt) wegen der
> Lippenhaltung

Die Lippenhaltung beim Flennen kenne ich als "Flunsch".

--
Helmut Richter

Markus Loch

unread,
Mar 7, 2014, 4:41:32 PM3/7/14
to
Am 07.03.2014 22:36, schrieb Helmut Richter:
> On Fri, 7 Mar 2014, Markus Loch wrote:
>
>> flennen weicht ab: Flansch (Flunst wäre korrekt) wegen der
>> Lippenhaltung
>
> Die Lippenhaltung beim Flennen kenne ich als "Flunsch".
>

Das kommt ja schon fast hin, Süddeutschland, oder?
Flansch ist ja eher fachsprachlich und wohl eine gelehrte
Bildung.

Gruss
Markus

Thomas Schade

unread,
Mar 7, 2014, 4:46:23 PM3/7/14
to
On 07.03.2014 22:41, Markus Loch wrote:
> Am 07.03.2014 22:36, schrieb Helmut Richter:

>>> flennen weicht ab: Flansch (Flunst wäre korrekt) wegen der
>>> Lippenhaltung
>>
>> Die Lippenhaltung beim Flennen kenne ich als "Flunsch".
>>
>
> Das kommt ja schon fast hin, Süddeutschland, oder?

Nicht unbedingt, 'zieh nicht so einen Flunsch' kenne ich schon aus
meinen Ruhrgebietzeiten.


Ciao
TRoscha
--
They sentenced me to twenty years of boredom
For trying to change the system from within
[Leonard Cohen]

Roland Franzius

unread,
Mar 7, 2014, 4:57:03 PM3/7/14
to
Man unterschied wohl noch zu Luthers Zeiten blutrünstig=blutgeronnen,
vergl. engl. to run, von blutbrünstig=blutgierig. Mit dem Verschwinden
der Form rünstig sind die Worte amalgamiert.

--

Roland Franzius

Christina Kunze

unread,
Mar 7, 2014, 6:12:21 PM3/7/14
to
Am 07.03.2014 22:41, schrieb Markus Loch:
> Am 07.03.2014 22:36, schrieb Helmut Richter:
>> On Fri, 7 Mar 2014, Markus Loch wrote:
>>
>>> flennen weicht ab: Flansch (Flunst wäre korrekt) wegen der
>>> Lippenhaltung
>>
>> Die Lippenhaltung beim Flennen kenne ich als "Flunsch".
>>
>
> Das kommt ja schon fast hin, Süddeutschland, oder?

"Flunsch" ist für mich eindeutig norddeutsch, jedenfalls kenne ich es
von pommerscher Großmutter (naja, die sagte auch Muul) über Hamburger
Verwandte und hier in Berlin auch ganz normal.
Flansch ist ist für mich nur die Rohrverbindung.

Aber ein Flunsch ist nicht beim Flennen (das bedeutet für mich Weinen),
ein Flunsch ist ein beleidigtes Gesicht, Tränen gehören eher nicht dazu.

chr

Matthias Opatz

unread,
Mar 7, 2014, 6:37:32 PM3/7/14
to
Am Sat, 08 Mar 2014 00:12:21 +0100 schrieb Christina Kunze:

> "Flunsch" ist für mich eindeutig norddeutsch, jedenfalls kenne ich es
> von pommerscher Großmutter (naja, die sagte auch Muul) über Hamburger
> Verwandte und hier in Berlin auch ganz normal.

Norddeutsceh? Ich hatte es bisher zum kersächsischen Wortschatz gezählt.

Tatsächlich führen es hans Reimann, Gunter Bergmann ("Du ziehst enn
Flunsch wie drei Taache Räächnwetter"), beide synonym zu Fläbbe, sowie
Karl Albrecht an. Letzterer führt es auf mhd. /vlans/ zurück.

> Flansch ist ist für mich nur die Rohrverbindung.
>
> Aber ein Flunsch ist nicht beim Flennen (das bedeutet für mich Weinen),
> ein Flunsch ist ein beleidigtes Gesicht, Tränen gehören eher nicht dazu.

Jedenfalls nicht zwingend.

Matthias

Thomas Schade

unread,
Mar 7, 2014, 6:45:21 PM3/7/14
to
On 07.03.2014 22:46, Thomas 'Ingrid' Schade wrote:
> On 07.03.2014 22:41, Markus Loch wrote:

>>> Die Lippenhaltung beim Flennen kenne ich als "Flunsch".
>>>
>>
>> Das kommt ja schon fast hin, Süddeutschland, oder?
>
> Nicht unbedingt, 'zieh nicht so einen Flunsch' kenne ich schon aus
> meinen Ruhrgebietzeiten.

Dem Flunsch im Norddeutschen entspricht im Süddeutschen wohl eher die
Lätschn.


Ciao
Toscha
--
Let there be rock
[AC/DC]

Stephen Hust

unread,
Mar 7, 2014, 11:11:28 PM3/7/14
to
On 3/7/2014 12:18 PM, Jakob Achterndiek wrote:

> aus gegebenem Anlaß (Uhland als Poet der Blutrunst) eine Frage:
> Gibt es mit "~rünstig" noch andere gängige Zusammensetzungen
> als "blutrünstig"?

Gängige kenne ich nicht und habe ich auch nicht gefunden, aber es war
für mich fast unmöglich, ein -rünstig ohne blut- überhaupt zu finden:

*Der dicke Weinwirt deklamiert*

Weinrünstig sitz' ich hier, der Wirt, und biet euch gute Sachen an:
Burgunder, vollgebaucht und schwer - wohl dem, der ihn vertragen kann,
die heitern Säfte auch vom Rhein, den Schillerwein vom Neckargrund -
hinab mit ihnen durch den Schlund - und gießt sie philosophisch ein!
Die Mädchen mit der Busenzier versagen sich nicht unbedingt ...
und manch ein Christ frohlocket hier, der sonntags in der Kirche singt ...
Heran, du Schlund, heran, du Wanst - ein Gläschen Wermut ins Gebein
und eine heit're Welt ist dein, mit der du operieren kannst!

Peter Scher

(Simplicissimus, 1921 (Jg. 25), Heft 49, Seite 659.)

<http://www.simplicissimus.info/uploads/tx_lombkswjournaldb/1/25/25_49_659.jpg>

--
Steve

My e-mail address works as is.

Roland Franzius

unread,
Mar 8, 2014, 12:54:51 AM3/8/14
to
Am 08.03.2014 00:12, schrieb Christina Kunze:
>
> "Flunsch" ist für mich eindeutig norddeutsch, jedenfalls kenne ich es
> von pommerscher Großmutter (naja, die sagte auch Muul) über Hamburger
> Verwandte und hier in Berlin auch ganz normal.
> Flansch ist ist für mich nur die Rohrverbindung.


Ein Flunsch ist die ringförmig aufgeworfene Mundform, die der
Flensburger als Rohranschluss an ein Flens ausbildet.

--

Roland Franzius



Jakob Achterndiek

unread,
Mar 8, 2014, 6:32:57 AM3/8/14
to
Am 08.03.2014, 06:54 Uhr, schrieb Roland Franzius <roland....@uos.de>:

> Am 08.03.2014 00:12, schrieb Christina Kunze:
>>
>> "Flunsch" ist für mich eindeutig norddeutsch, jedenfalls
>> kenne ich es von pommerscher Großmutter (naja, die sagte
>> auch Muul) über Hamburger Verwandte und hier in Berlin
>> auch ganz normal.
>
> Ein Flunsch ist die ringförmig aufgeworfene Mundform, die
> der Flensburger als Rohranschluss an ein Flens ausbildet.

Wenn de Diern 'n Mul makt as ne Funder, denn is dat ne Flunsch.

j/\a
--

Markus Loch

unread,
Mar 8, 2014, 7:38:41 AM3/8/14
to
Am 08.03.2014 12:32, schrieb Jakob Achterndiek:

> Wenn de Diern 'n Mul makt as ne Funder, denn is dat ne Flunsch.
>

Funder?

ml

Jakob Achterndiek

unread,
Mar 8, 2014, 7:57:35 AM3/8/14
to
Pardon, nein. Sondern Flunder - wie Butt.
Sonst hieße das ja womöglich Funsch - wie Punsch.

j/\a
--

Jakob Achterndiek

unread,
Mar 8, 2014, 8:23:19 AM3/8/14
to
Am 07.03.2014, 20:18 Uhr, schrieb Jakob Achterndiek
<achte...@buzemann.de>:

> aus gegebenem Anlaß (Uhland als Poet der Blutrunst) eine Frage:
> Gibt es mit "~rünstig" noch andere gängige Zusammensetzungen
> als "blutrünstig"? [..]


Danke für etliche Antworten.

"Weinrünstig" fand ich am schönsten.

Gruß
j/\a
--
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Markus Loch

unread,
Mar 9, 2014, 11:02:49 AM3/9/14
to
Am 09.03.2014 15:51, schrieb Rüdiger Silberer:

> Flunsch ist auf keinen Fall süddeutsch.

Ja.

Frank Hucklenbroich

unread,
Mar 10, 2014, 8:08:46 AM3/10/14
to
Am Sat, 08 Mar 2014 00:12:21 +0100 schrieb Christina Kunze:

> "Flunsch" ist für mich eindeutig norddeutsch, jedenfalls kenne ich es
> von pommerscher Großmutter (naja, die sagte auch Muul) über Hamburger
> Verwandte und hier in Berlin auch ganz normal.

Ist hier in Köln auch üblich. "Einen Flusch ziehen" = mißmutigen
Gesichtsausdruck haben.

Grüße,

Frank

Daniela Duerbeck

unread,
Mar 12, 2014, 6:32:04 PM3/12/14
to
Stephen Hust wrote:

> Weinrünstig sitz' ich hier, der Wirt, und biet euch gute Sachen an:

Grad wollte ich schreiben, dass, wenn es solche Wörter nicht gibt, man
sie unbedingt bilden müßte. :-)

Also, laßt uns wissensrünstig sein!

Viele Grüße von Dani, heute eher wirsch aufgelegt

hanisc...@t-online.de

unread,
Nov 26, 2018, 6:26:23 AM11/26/18
to
Am Freitag, 7. März 2014 20:18:47 UTC+1 schrieb Jakob Achterndiek:
Ja. "geldrünstig" In Neudeutsch würde man auch sagen können "geldgeil" oder geldversessen oder geldsüchtig, oder geldraffgierig

Gunhild Simon

unread,
Nov 27, 2018, 8:17:10 AM11/27/18
to
Nun habe ich doch bei einer Google-Suche eine
erhellende (sagt das folgende Wort eigentlich schon
aus:) Erklärung gefunden:
""blutrünstig" bedeutet "gierig nach Blut, schauerlich". Entstand aus dem mhd. "bluotruns" oder "bluotrunsic", was soviel bedeutet wie "blutig wund", eigentlich "das Rinnen des Blutes". Und Menschen, die dieses Blut gern "rinnen" sehen, werden eben als "blutrünstig" bezeichnet. Interessant – vor allem weil im österreichischen Sprachraum noch erhalten – daß auch das Wort "Runse" dieses "Rinnen" noch enthalten hat. Die "Runse" ist so etwas wie ein "Rinnsal", womit wir wieder beim "Rinnen" wären."

Ich bin jetzt zufrieden.

Gruß
Gunhild

Roland Franzius

unread,
Nov 27, 2018, 1:30:01 PM11/27/18
to
Ich zweifle da an der Identität von blutrünstig und blutdürstig.

Grimm führt "Runst" als Bezeichnung für eine verschorfte Wunde an.

Vielleicht steckt hinter der Blutrunst eher die Ruhmsucht der
homerischen Recken, die ihre Ehre in der Bedeckungsdichte ihres
nackichten Körpers mit Wunden maßen.

Der antike ebenso wie der germanische Held im Epos bezog seinen Ruhm
nach der Heimkehr zu Haus aus der Zahl und Schwere der Wunden. Das Thema
ist dann wieder zentral im Django-Typus des Italowestern.

Florian wird dich sicher darüber aufklären können, warum der
nachfaustische akademische Salon-Held des 19.ten Jahrhunderts eines
ordentlichen Schmisses im Gesicht zwecks Beweises seiner Kuhlnis bedurfte.

--

Roland Franzius

Markus Loch

unread,
Nov 27, 2018, 2:29:27 PM11/27/18
to
Am 27.11.18 um 14:17 schrieb Gunhild Simon:
>
> Nun habe ich doch bei einer Google-Suche eine
> erhellende (sagt das folgende Wort eigentlich schon
> aus:) Erklärung gefunden:
> ""blutrünstig" bedeutet "gierig nach Blut, schauerlich". Entstand aus dem mhd. "bluotruns" oder "bluotrunsic", was soviel bedeutet wie "blutig wund", eigentlich "das Rinnen des Blutes". Und Menschen, die dieses Blut gern "rinnen" sehen, werden eben als "blutrünstig" bezeichnet. Interessant – vor allem weil im österreichischen Sprachraum noch erhalten – daß auch das Wort "Runse" dieses "Rinnen" noch enthalten hat. Die "Runse" ist so etwas wie ein "Rinnsal", womit wir wieder beim "Rinnen" wären."
>
> Ich bin jetzt zufrieden.
>
> Gruß
> Gunhild

Die Runst - Rennsteigwanderung.....

<http://www.geo.de/reisen/community/reisebericht/323511/1/Die-Runst-Rennsteigwanderung-von-Hoerschel-nach-Blankenstein>

Runst ist gebildet von rennen, so wie

brennen <-> Brunst (hierzu: Inbrunst, inneres Brennen)
gönnen <-> Gunst
können <-> Kunst
"ver"dünnen <-> Dunst

und eben
rennen <-> Runst (hierzu: blutrünstig)

weicht ab:
flennen <-> müsste eigentlich "Flunst" ergeben haben,
tatsächlich aber Flunsch (Norddeutsch? ).
Hiervon abgeleitet Flansch, wegen der
Lippenhaltung beim flennen.


Weitere, analog gebildete Wörter suche ich noch.

Als Runst werden übrigens auch die steilen Verbindungsstücke zwischen
zwei Waalen bezeichnet. Diese sind meist aus Holz gefertigt.

Gruss
Markus

xylo...@gmail.com

unread,
Nov 28, 2018, 10:41:33 AM11/28/18
to
Am Dienstag, 27. November 2018 19:30:01 UTC+1 schrieb Roland Franzius:

> Der antike ebenso wie der germanische Held im Epos bezog seinen Ruhm
> nach der Heimkehr zu Haus aus der Zahl und Schwere der Wunden. Das Thema
> ist dann wieder zentral im Django-Typus des Italowestern.
>
> Florian wird dich sicher darüber aufklären können, warum der
> nachfaustische akademische Salon-Held des 19.ten Jahrhunderts eines
> ordentlichen Schmisses im Gesicht zwecks Beweises seiner Kuhlnis bedurfte.

"Schmiss" ist des Plebejers Rede, unseneins spricht von Macke.
Ich trage eine Macke auf Hochterz, also parallel zum Scheitel,
da wurde mir die Schwarte gespalten - etwa ein halber Liter
Blutverlust, acht Nadeln - natürlich ohne Lokalanästhesie.
Leider von einem Gynäkologen (derzeit in einer festen Anstalt
tragisch aufhältig) genäht mit graphitiertem Faden, was
bei ggf. eintretendem Haarausfall die Stiche wohl deutlich
marquieren wird.
Einem Juristen soll es gelungen sein, in seinem Personaldokument
unter dem Rubrum "Besondere Kennzeichen" eintragen zu lassen:
Macke auf Tiefquart. Reife Leistung, so es denn wahr ist.

Hoch zum Ehrengang!

FR

René Marquardt

unread,
Nov 28, 2018, 10:55:32 AM11/28/18
to
On Wednesday, November 28, 2018 at 9:41:33 AM UTC-6, xylo...@gmail.com wrote:

> Ich trage eine Macke auf Hochterz

Es haette dieser deiner Versicherung keineswegs bedurft.

xylo...@gmail.com

unread,
Nov 28, 2018, 11:53:45 AM11/28/18
to
Am Mittwoch, 28. November 2018 16:55:32 UTC+1 schrieb René Marquardt:

>> Ich trage eine Macke auf Hochterz

> Es haette dieser deiner Versicherung keineswegs bedurft.

Schnauze, Puppe!

Ich hatte mal einen US-Prof., der hier einen Vertrag über mehrere
Monaten zu erfüllen hatte, auf einem Korporationshaus untergebracht.
Der ist zwar Mitglied einer Fraternity, hatte aber ziemlichen
Schiß, er müßte auf dem Hause fechten - FR

René Marquardt

unread,
Nov 28, 2018, 12:06:17 PM11/28/18
to
Wenn man mit den Aufnahmeritualen "griechischer"
Frats vertraut ist, versteht man diese Sorge.

Dorothee Hermann

unread,
Nov 28, 2018, 12:06:35 PM11/28/18
to
Am 28.11.18 um 17:53 schrieb Florian Ritter

> Ich hatte mal einen US-Prof., der hier einen Vertrag über mehrere
> Monaten zu erfüllen hatte, auf einem Korporationshaus untergebracht.
> Der ist zwar Mitglied einer Fraternity, hatte aber ziemlichen Schiß,
> er müßte auf dem Hause fechten - FR

"Auf einem Korporationshaus" und "auf dem Hause fechten" - sagt man
wirklich so?
Also "auf" statt "in"?


Dorothee

xylo...@gmail.com

unread,
Nov 28, 2018, 1:40:21 PM11/28/18
to
Am Mittwoch, 28. November 2018 18:06:35 UTC+1 schrieb Dorothee Hermann:

>> Ich hatte mal einen US-Prof., der hier einen Vertrag über mehrere
>> Monaten zu erfüllen hatte, auf einem Korporationshaus untergebracht.
>> Der ist zwar Mitglied einer Fraternity, hatte aber ziemlichen Schiß,
>> er müßte auf dem Hause fechten.

> "Auf einem Korporationshaus" und "auf dem Hause fechten" - sagt man
> wirklich so?
> Also "auf" statt "in"?

Ja, so ist es der Brauch, abgekürzt a.d.H.

FR

xylo...@gmail.com

unread,
Nov 28, 2018, 2:09:23 PM11/28/18
to
Am Mittwoch, 28. November 2018 18:06:17 UTC+1 schrieb René Marquardt:

>> Ich hatte mal einen US-Prof., der hier einen Vertrag über mehrere
>> Monaten zu erfüllen hatte, auf einem Korporationshaus untergebracht.
>> Der ist zwar Mitglied einer Fraternity, hatte aber ziemlichen
>> Schiß, er müßte auf dem Hause fechten.

> Wenn man mit den Aufnahmeritualen "griechischer"
> Frats vertraut ist, versteht man diese Sorge.

Naja, in der Verbindung meines Freundes gibt's derlei
Mätzchen nicht, da ist auch ein gewesener US-Präsident
Mitglied. Mir wurde versichert, daß bei ungenügenden
Studienleistungen Dimission erfolgt.
Als ich ihm das erste Mal auf dem Hause ein Zimmer
verschaffte, holte ich ihn vom Flughafen ab.
Er hatte zwei sauschwere Koffer dabei. Auf meine
Nachfrage: In einem wären Materialien für das Buch,
an dem er gerade arbeitete, und im anderen Schuhe.
Schuhe? Ja, kaputte Schuhe - er hätte sechs Kinder
und wollte deren Botten hier reparieren lassen, die
Schuster wären ja in Dtschld. so billig.
Leider mußte ich ihm den Zahn ziehen und der Inhalt des
zwoten Koffers landete dann in einem Abfallcontainer.

FR

Detlef Meißner

unread,
Nov 28, 2018, 2:42:01 PM11/28/18
to
xylo...@gmail.com schrieb:
So hat jeder seine Sprache. Was der Jugend recht ist, sollte den Alten
Herren billig sein.

Detlef

--
Das Recht auf Dummheit gehört zur Garantie der freien Entfaltung der
Persönlichkeit. (Mark Twain)

Jakob Achterndiek

unread,
Nov 28, 2018, 5:48:14 PM11/28/18
to
Dieses "auf" hat meistens etwas Institutionalisierendes: Man war
nicht in, sondern auf einer guten Schule; deine Papiere bekommst
du nicht im, sondern auf dem Rathaus; Bettine und Achim von Arnim
haben nicht in, sondern auf Wiepersdorf gelebt; und meine Schwieger-
mutter ist nicht in, sondern auf Zeippern geboren.
--
j/\a

René Marquardt

unread,
Nov 28, 2018, 6:10:31 PM11/28/18
to
Jaaaaa, wenn sie denn auf dem Gut (Korrespondenz nach Post Schabenau i. Schl.)
geboren wurde. Die Dörfler kamen in Zeippern zur Welt.

Gunhild Simon

unread,
Nov 29, 2018, 3:19:40 AM11/29/18
to
Hier lebt man nicht in dem Stadtteil Uhlenhorst*,
sondern _auf der Uhlenhorst_.

(*Hamburg-Uhlenhorst liegt am nordöstlichen Außenalster-Ufer. Wohlgemerkt: Es heißt _die_ Uhlenhorst!)

Gruß
Gunhild

Detlef Meißner

unread,
Nov 29, 2018, 5:21:21 AM11/29/18
to
Jakob Achterndiek schrieb:
"Auf Schalke" nicht zu vergessen!

Ralf Joerres

unread,
Nov 29, 2018, 6:22:28 AM11/29/18
to
Am Samstag, 8. März 2014 00:37:32 UTC+1 schrieb Matthias Opatz:
> Am Sat, 08 Mar 2014 00:12:21 +0100 schrieb Christina Kunze:
>
> > "Flunsch" ist für mich eindeutig norddeutsch, jedenfalls kenne ich es
> > von pommerscher Großmutter (naja, die sagte auch Muul) über Hamburger
> > Verwandte und hier in Berlin auch ganz normal.
>
> Norddeutsceh? Ich hatte es bisher zum kersächsischen Wortschatz gezählt.
>
> Tatsächlich führen es hans Reimann, Gunter Bergmann ("Du ziehst enn
> Flunsch wie drei Taache Räächnwetter"), beide synonym zu Fläbbe, sowie
> Karl Albrecht an. Letzterer führt es auf mhd. /vlans/ zurück.

Bei uns (Ruhr) ist die Fläppe ne Fleppe, Flunsch auch sehr geläufig, wer die
Wörter nicht kennt, kann auch einfach mit 'ziehen' arbeiten: Jetzt zieh' doch
nicht wieder so'n Gesicht / so'ne Schnute!

> > Flansch ist ist für mich nur die Rohrverbindung.
> >
> > Aber ein Flunsch ist nicht beim Flennen (das bedeutet für mich Weinen),
> > ein Flunsch ist ein beleidigtes Gesicht, Tränen gehören eher nicht dazu.
>
> Jedenfalls nicht zwingend.

Beim heftigen Wut-Plärren schon, denke ich.

Gruß Ralf Joerres

Ralf Joerres

unread,
Nov 29, 2018, 6:29:04 AM11/29/18
to
Am Freitag, 7. März 2014 20:18:47 UTC+1 schrieb Jakob Achterndiek:
> Hallo,
>
> aus gegebenem Anlaß (Uhland als Poet der Blutrunst) eine Frage:
> Gibt es mit "~rünstig" noch andere gängige Zusammensetzungen
> als "blutrünstig"? Ist das Wort "Blutrunst" oder überhaupt
> "Runst" irgendwo geläufig? - Ich kenne für beides keine
> Beispiele und finde keine außer denen, die Google hergibt.

Das 'Wörterbuchnetz' suchen lassen nach "*rünstig":

http://www.woerterbuchnetz.de/cgi-bin/WBNetz/startGlobalSearch.tcl?stichwort=*r%FCnstig

oder "*runst"

http://www.woerterbuchnetz.de/cgi-bin/WBNetz/startGlobalSearch.tcl?stichwort=*runst

Da kommt so allerhandlei, hab leider jetzt keine Zeit, das durchzugehen...

Gruß Ralf Joerres

Ralf Joerres

unread,
Nov 29, 2018, 6:37:52 AM11/29/18
to
Am Freitag, 7. März 2014 22:27:51 UTC+1 schrieb Markus Loch:
> Am 07.03.2014 21:14, schrieb Gunhild Simon:
> > Am Freitag, 7. März 2014 20:18:47 UTC+1 schrieb Jakob Achterndiek:
> >> Hallo,
> >>
> >>
> >>
> >> aus gegebenem Anlaß (Uhland als Poet der Blutrunst) eine Frage:
> >>
> >> Gibt es mit "~rünstig" noch andere gängige Zusammensetzungen
> >>
> >> als "blutrünstig"? Ist das Wort "Blutrunst" oder überhaupt
> >>
> >> "Runst" irgendwo geläufig? - Ich kenne für beides keine
> >>
> >> Beispiele und finde keine außer denen, die Google hergibt.
> >
> > Ich habe es leider auch nicht mehr parat.
> >
> > Ich habe auch einmal recherchiert und erinnere
> > mich schwach an Brunst, Brunft.
> > Jedenfalls etwas Rauschhaftes, Triebgesteuertes.
> >
>
> Brunst von brennen
>
> Brunft von bremmen (verwandt mit brummen) die Lautäusserung
> eines brünftigen Hirsches.
>
> Allgemein werden Wörter mit intervokalischem "n" zu ..unst
> gerundiviert; desgleichen Wörter mit intervokalischem "m" zu "..unft".
> Beispiele:
>
> ankommen Ankunft, Unterkunft, Auskunft (von (dr)auskommen)
> ziemen Zunft
> bremmen Brunft
> (ver)nehmen Vernunft
>
> brennen Brunst (Inbrunst = inneres Brennen)
> rennen Runst (neben dem schon genannten Rennsteig wird auch ein
> Teil des Mühlgrabens so benannt und zwar der Teil hinter der
> Gerindschwelle wo das Wasser ans Rennen kommt. In Südtirol heissen
> gewisse Abschnitte der Waale so.
>
> können Kunst
> flennen weicht ab: Flansch (Flunst wäre korrekt) wegen der
> Lippenhaltung
> gönnen Gunst
> (verdünnen) Dunst
>
> Ich hatte mal vorgeschlagen, das Bildungsprinzip wiederzubeleben:
>
> pennen, nennen, trennen, sennen (was auf der Alm abgeht)
> besamen, schämen.
>
> ergäbe: Punst, Nunst, Trunst, Sunst, Besunft, Schunft
>
> Nur mal so ins Unreine gedacht. Schöne Sätze wären so denkbar:
>
> "Während der Sunst ist die Besumft unkritisch, weil
> im Herbst abgetrieben wird."
>
> Mein Vorschlag wurde damals leider, leider abgelehnt.

Ja, höchst bedauerlich, zumal völlig regelhaft erarbeitet und unmittelbar
einleuchtend. ;)

Als Deutschlehrer für Nullanfänger könnte ich da natürlich subversiv tätig
werden... Mal in Ruhe drüber nachdenken.

Die von Dir vorgeführte Regel mit den Beispielen kommt in meine Sammlung
von Geheimtipps für diejenigen, die alles wissen wollen - ich find's toll!

Gruß Ralf Joerres

Klaus Dahlwitz

unread,
Nov 29, 2018, 2:40:28 PM11/29/18
to
Am 29.11.2018 um 09:19 schrieb Gunhild Simon:
> Hier lebt man nicht in dem Stadtteil Uhlenhorst*,
> sondern _auf der Uhlenhorst_.

Dort gibt es auch keine Kellerwohnungen, sondern Souterrain-Wohnungen,
wie ich anno '73 als studentischer Briefzusteller lernen mußte.

Klaus, damals _in_ Barmbek-Süd wohnend
--
Herbst: nachts ist's kälter als draußen

Ulf.K...@web.de

unread,
Nov 30, 2018, 3:08:53 AM11/30/18
to
Am Mittwoch, 28. November 2018 17:53:45 UTC+1 schrieb xylo...@gmail.com:
> Am Mittwoch, 28. November 2018 16:55:32 UTC+1 schrieb René Marquardt:

> > Es haette dieser deiner Versicherung keineswegs bedurft.
>
> Schnauze, Puppe!

Es ist an der Zeit, daß Dir der Mund mit Seife
ausgewaschen werde. Nicht erst seit vorgestern.

Ulf.K...@web.de

unread,
Nov 30, 2018, 3:10:53 AM11/30/18
to
Am Donnerstag, 29. November 2018 09:19:40 UTC+1 schrieb Gunhild Simon:

> Hier lebt man nicht in dem Stadtteil Uhlenhorst*,
> sondern _auf der Uhlenhorst_.

Gasprom spielt ja auch auf Schalke.

Gruß, ULF
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