Das Wörtchen "gell" am Ende einer Frage, ist das in den deutschsprachigen
Ländern allgemein verbreitet oder gibt es dafür Varianten?
"Gell" wie im Satz: Das ist ein schönes Auto, gell?
MfG
Danny
>
>"Gell" wie im Satz: Das ist ein schönes Auto, gell?
Hier in Wien verwendet man das genau so.
--
"Das genaue Hinschauen, die präzise Analyse und die angemessene
sprachliche Vermittlung eines Sachverhaltes entsprechen nicht
unbedingt der kollektiven Bedürfnislage unserer Epoche."
Nicholas Mailänder, Verleger und Alpinist, AVZ 03/01
> Das Wörtchen "gell" am Ende einer Frage, ist das in den
> deutschsprachigen Ländern allgemein verbreitet
Im gesamten Norden Deutschlands <alert mode="angli"> outest </> du dich
damit als "aus'm Süden".
Ob's exakt die Nord_hälfte_ ist, darauf möchte ich keinen Eid leisten,
aber pi mal Daumen könnte es so sein.
Im Norden fragt man eher "..., ne?" oder "..., was?"
vG
--
Volker Gringmuth http://www.volker-gringmuth.de
Eine Raucherecke im Restaurant ist wie eine Pinklerecke im Schwimmbad.
"Oddr" in der Schweiz, oddr?
> Im gesamten Norden Deutschlands <alert mode="angli"> outest
> </> du dich damit als "aus'm Süden".
Ich würde Sachsen nicht zum Norden rechnen.
Dort sagt man das aber nicht (in Thüringen aber sehr wohl).
Sachsen sagen: "Ä scheenes Audou, nohr?"
Matthias
--
__________________________________________________________
News suchen, lesen, schreiben mit http://newsgroups.web.de
Hier noch:
"ge" kurz und knapp und
"gelle" lang und breit.
Wird je nach Situation variiert.
Beides in Teilen Thüringens und
Sachsens benutzt.
"nuh" ?? Dresden?
Mein das bei meiner Tante oft gehört
zu haben, aber nach einer Frage?
"nich wahr?" Mehr so Berliner Ecke
"vastehste?" dito.
"weeeeste?" dito (Mit mindestens 4 "e" in der Mitte
"wa?" dito
Bayern und Schwaben haben sowas MUSEN nicht.
(Die haben sowas _bestimmt_ auch.)
Jedenfalls fällt mir grad nichts ein.
Gruß
BGE
Bayern und Schwaben haben sowas MUSEN nicht.
(Die haben sowas _bestimmt_ auch.)
Jedenfalls fällt mir grad nichts ein.
Wie schon weiter oben im Thread erwähnt, kommt das "gell" "aus dem Süden".
Also haben die auch sowas. ;)
Und dan wollen wir doch das Sauerland nicht vergessen, woll?
Sascha
> Danny Schrijvers schrieb:
>
>> Das Wörtchen "gell" am Ende einer Frage, ist das in den
>> deutschsprachigen Ländern allgemein verbreitet oder gibt es dafür
>> Varianten?
>>
>> "Gell" wie im Satz: Das ist ein schönes Auto, gell?
>
> "Oddr" in der Schweiz, oddr?
Oder "gäll".
>> Das Wörtchen "gell" am Ende einer Frage, ist das in den deutschsprachigen
>> Ländern allgemein verbreitet oder gibt es dafür Varianten?
>>
>> "Gell" wie im Satz: Das ist ein schönes Auto, gell?
>
> Hier noch:
[...]
> "nich wahr?" Mehr so Berliner Ecke
Das kennt man auch in der Schweiz.
Frage dazu: Ist das eigentlich ein Anglizismus?
Wie z.B.: *It's true, isn't it.*
Yvonne Steiner
>Wie schon weiter oben im Thread erwähnt, kommt das "gell" "aus dem Süden".
>Also haben die auch sowas. ;)
>
>Und dan wollen wir doch das Sauerland nicht vergessen, woll?
Von Heinz Erhardt gibt's ein Gedicht über Wilhelm Tells
Apfelschuß. Da heißt es am Schluß:
"Man rief: Ein Hoch dir, Willi Tell!
Jetzt geh'n wir einen trinken, gell? (*)
(*) Westfälische Fassung:
Man rief: Der Tell, der schießt ja toll!
Jetzt geh'n wir einen trinken, woll?"
>Frage dazu: Ist das eigentlich ein Anglizismus?
>Wie z.B.: *It's true, isn't it.*
Das glaube ich nicht. Schon in etwa als ich in der Schule Deutsch
gelernt habe, war "<Frage>, nicht wahr?" ein ganz normaler
Ausdruck. Im Dänischen sagen wir "<Frage>, ikke sandt?" das genau
dasselbe bedeutet.
--
Gruß, Bertel
>> "nich wahr?" Mehr so Berliner Ecke
>
> Frage dazu: Ist das eigentlich ein Anglizismus?
> Wie z.B.: *It's true, isn't it.*
Ein Angli(zi)smus wäre "..., ist es nicht?" - Asterix lässt grüßen.
Die Frage "..., nicht wahr?" ist MUSEN normalstes Hochdeutsch.
vG
--
Volker Gringmuth http://www.volker-gringmuth.de
Die stumpfsinnigsten Leute sind die, die schon alles wissen.
(Henry Ford)
Sascha
>Das glaube ich nicht. Schon in etwa als ich in der ..
Hier fehlt "1960".
--
Gruß, Bertel
Volker Gringmuth wrote:
>
> Im Norden fragt man eher "..., ne?" oder "..., was?"
Kleine Anmerkung zur Aussprache: Im Sueden Niedersachsens
spricht man allerdings das "s" nicht mit: "..., wa?"
Ausserdem ist der Tonfall nicht unbedingt fragend.
Und in Hessen, wo ich gerade zwei Jahre verbringen durfte
(genauer: Osthessen - die Einheimischen betonen ja immer,
dass das nicht dasselbe ist wie "Hessen"), sagt man etwas,
was ich als "ger" hoere.
Gruss,
Kerstin
>> Im gesamten Norden Deutschlands <alert mode="angli"> outest
>> </> du dich damit als "aus'm Süden".
> Ich würde Sachsen nicht zum Norden rechnen.
> Dort sagt man das aber nicht (in Thüringen aber sehr wohl).
> Sachsen sagen: "Ä scheenes Audou, nohr?"
Ney. Am "nohr" ergennd mor Leude aus dor Stadd midden vier Os[1].
In'n andorn Deil'n von Saggsen wörd "nohr" gaum benuddsd.
"Hn scheenes Audo, ne?"
"Än scheens Audo, nu?"
"Hn scheenes Audo, hey?"
"Än scheenes Audo, niwar?"
"Scheenes Audo, oudor?"
[1] "Wo bisdn hehr?" - "Aus Gohrl Mohrgs Stodt, nohr!"
Scheen Dahch noch unn viele Griese,
Schdeffahn
> Und dan wollen wir doch das Sauerland nicht vergessen, woll?
Und das Siegerland, wohl?
Oder die Platt-Variante, wor?
Gruß Dirk, woä?
> "nuh" ?? Dresden?
Eher ein kurzes "nu?" oder "nisch wahr?", "niwahr?".
Es wird aber auch viel in der Leipziger gegend verwendet.
> Mein das bei meiner Tante oft geh?rt
> zu haben, aber nach einer Frage?
Ich kenne es nur nach einer Behauptung.
> "nich wahr?" Mehr so Berliner Ecke
> "vastehste?" dito.
> "weeeeste?" dito (Mit mindestens 4 "e" in der Mitte
"Weesde?" (weysde?) Hört man oft im Muldental.
Den Kindern wird (wurde?) oft in der Schule oder im Kindergarten
beigebracht, daß man nicht "hey?" oder "eyh!" sagen soll,
weil das schlechtes Deutsch wäre.
Also weichen die Kleinen dann kurzerhand auf "niwohr", "ne" und
"weysde" aus.
Bei "niwohr" und "ne" ist sicher der Sprecher meistens sehr sicher
(oder versucht so zu wirken), während man bei "weysde" mit Widerspruch
rechnet.
> Bayern und Schwaben haben sowas MUSEN nicht.
> (Die haben sowas _bestimmt_ auch.)
> Jedenfalls f?llt mir grad nichts ein.
Hier in München höre ich oft ein kurzes "ge".
Aber ob München nun zu Bayern gehört, ist ja sowieso umstritten. :^)
Gruß,
Stephan
>
> > Bayern und Schwaben haben sowas MUSEN nicht.
> > (Die haben sowas _bestimmt_ auch.)
> > Jedenfalls f?llt mir grad nichts ein.
>
> Hier in München höre ich oft ein kurzes "ge".
> Aber ob München nun zu Bayern gehört, ist ja sowieso umstritten. :^)
Da halt ick ma raus;-)
Ich mußte mir ob meiner obigen Behauptung auch gleich eine
schwäbischen Rüffel abholen.
Natürlich haben Schwaben _sowas_ und zwar:
"woisch?"
"vorschtaasch?"
"net woar?"
was soviel heißt wie "weißt Du?", "verstehst Du?" und "nicht wahr?"
Mahlzeit
In Schwaben - oder war es doch eher Baden? ;-) - habe ich schon "nidte"
gehört, wohl die Kontraktion von "nicht wahr".
Aber mal eine andere Frage: Spricht irgendjemand wirklich "gelt", wie es
im Buche (in diesem Fall dem Duden) steht?
Gruß,
Michael
> Matthias Opatz <abo-...@onlinehome.de> wrote:
[...]
> > Ich würde Sachsen nicht zum Norden rechnen.
> > Dort sagt man das aber nicht (in Thüringen aber sehr wohl).
> > Sachsen sagen: "Ä scheenes Audou, nohr?"
>
> Ney. Am "nohr" ergennd mor Leude aus dor Stadd midden vier Os[1].
> In'n andorn Deil'n von Saggsen wörd "nohr" gaum benuddsd.
Also, in und um Dresden schon!
> "Hn scheenes Audo, ne?"
Hört man hier nicht so. Klingt für *mich* nach Gämz = Chemnitz (= OOOO-Stadt [1]).
> "Än scheens Audo, nu?"
Das "nu" in dieser Position würde ich nur als Kurzform von "nohr" gelten lassen.
> "Hn scheenes Audo, hey?"
Leipziger Ecke?
> "Än scheenes Audo, niwar?"
Oder "nuwwer". Wie auch obiges "nohr" eine Variante von "nicht wahr".
> "Scheenes Audo, oudor?"
Das geht natürlich auch. Etwas weniger rhetorisch als "nohr", d.h. Bestätigung erwünscht.
> [1] "Wo bisdn hehr?" - "Aus Gohrl Mohrgs Stodt, nohr!"
>
> Scheen Dahch noch unn viele Griese,
Ähmfalls.
Torsten
In bestimmten Teilen der Schweiz. Nichtzürcher imitieren manchmal
zürcherischen Gassenslang durch Einbau von "oder" in allen möglichen
Satzstellungen. Abgesehen davon sagt man auch im Zürichdeutschen "gell"
(bzw. gäll, wir unterscheiden e und ä in der Aussprache deutlich).
"Gell" sagt man in der Schweiz (im Gegensatz zu Süddeutschland)
nur gegenüber Personen, die man duzt. Für die Sie-Form gibt es
"gelled Sie", etwa "Sie stimmen mir doch zu, nicht?".
Bei Schweizer Autoren der Generation vor Frisch und Dürrenmatt liest
man oft "gelt", obwohl das "t" nur in wenigen Dialekten in der
Ostschweiz gesprochen wird. War damals wohl so etwas wie die
"schweizerhochdeutsche" Form von "gell".
- Andi
Habe ich noch nie gehört,
weder hier (bei den Schwaben, wo es so etwas DBSSEN (*) nicht gibt),
noch anderswo in Deutschland.
Hier sagt man "gell" (wie gelb ohne "b")
oder "gä" (wie "Wie bitte?" mit "g" statt "h" ;-)
(*) Dem Boris Sein Sprach Empfinden Nach
--
Jürgen Kozlik
> Boris Gerlach <DRSt...@t-online.de> wrote:
[...]
> > "nuh" ?? Dresden?
>
> Eher ein kurzes "nu?" oder "nisch wahr?", "niwahr?".
Und noch mal Widerspruch.
Das kurze "nu" steht für "ja" als positive Antwort auf eine Frage:
"Haste schon Hausaufgaben gemacht?" -- "Nu!" (verstärkend auch: "Nu klar!)
Dem "gell" (question tag) entspricht hier MUSEN das "nohr", das
(wenn nicht besonders betont) eine rein rhetorische Funktion hat:
"Dann bin'ch nach Hause gekommen, nohr, und hab glei meine
Hausaufgaben gemacht, nohr."
> > Mein das bei meiner Tante oft geh?rt
> > zu haben, aber nach einer Frage?
>
> Ich kenne es nur nach einer Behauptung.
Wie gesagt, "nu" und "nohr" sind definitiv verschiedene Wörter.
"nohr" kommt eindeutig von "nicht wahr" und zeigt noch die ursprüngliche
Funktion der Wendung ("isn't it?"); übrigens hört man auch alle möglichen
anderen Abwandlungen von "nicht?" in dieser "gell"-Funktion, z.B.
"nich", "nöch", hier auch "ni" ... (individuell sehr verschieden).
Bei "nu" habe ich den Verdacht, daß es mit tschechisch /ano/ (= "ja")
zusammenhängt, weiß aber nicht, ob diese Vermutung sprachwissenschaftlich
Bestand hat. Zwei Indizien jedenfalls: In der Zittauer Gegend (Oberlausitz,
Dreiländereck) klingt das Dresdner "nu" eher wie "no", und in der tschechi-
schen Umgangssprache hört man von dem /ano/ eigentlich auch nur noch "no".
> > "weeeeste?" dito (Mit mindestens 4 "e" in der Mitte
>
> "Weesde?" (weysde?) Hört man oft im Muldental.
Gibt's hier natürlich auch. "weeste" ist etwas stärker markiert als "nohr".
> Den Kindern wird (wurde?) oft in der Schule oder im Kindergarten
> beigebracht, daß man nicht "hey?" oder "eyh!" sagen soll,
> weil das schlechtes Deutsch wäre.
So?
> Also weichen die Kleinen dann kurzerhand auf "niwohr", "ne" und
> "weysde" aus.
Ist ja kein großer Unterschied. Für mich klingt "niwohr" etwas
altertümlich, kann ich mir bei Kindern kaum vorstellen.
> Bei "niwohr" und "ne" ist sicher der Sprecher meistens sehr sicher
> (oder versucht so zu wirken), während man bei "weysde" mit Widerspruch
> rechnet.
Genau, meistens ist das so. Allerdings gibt es auch Sprecher (Kinder?),
die "weeste" so wie "nohr"/"ne"/"gell" rein rhetorisch verwenden, was
dann natürlich zu leichten Irritationen bei der Kommunikation führen kann.
So wie ich ein wenig irritiert war, als mir das schweizerische "odrr?"
erstmals begegnete und ich glaubte, nach jedem Halbsatz mein unbedingtes
Einverständnis versichern zu müssen ... Odrr?
Gruß
Torsten
> In Schwaben - oder war es doch eher Baden? ;-) - habe ich schon "nidte"
> gehört, wohl die Kontraktion von "nicht wahr".
Muss ziemlich selten sein, denn ich kann mich nicht daran erinnern, das
schon mal gehört zu haben, obgleich ich sowohl im Schwabenland als auch in
Baden schon einige Jährchen verlebt habe.
> Aber mal eine andere Frage: Spricht irgendjemand wirklich "gelt", wie es
> im Buche (in diesem Fall dem Duden) steht?
Das habe ich schon verschiedentlich - und zwar von älteren Menschen -
gehört, kann aber leider nicht mit Gewissheit sagen, wo das war.
AFAIK ist 'gell' ein Derivat des Verbs 'gelten', was dem t zu seinem Recht
verhilft. Es bedeutet also etwas wie 'gilts?' oder 'es gelte' o.ä. (insofern
vergleichbar mit dem im iberischen Spanisch gebräuchlichen ¿vale?)
Umso eigenartiger ist demnach übrigens der von Andreas erwähnte Imperativ
"gellen sie" [gelletse], den man im Schwabenland wirklich ziemlich oft hören
kann.
Wie ein offenbar rheinisch geprägter Teilnehmer hier immer schreibt:
"tschö, wa", könnte die schwäbische Variante denn lauten:
Adéle, gell
Holger
>> "Hn scheenes Audo, ne?"
> Hört man hier nicht so. Klingt für *mich* nach Gämz = Chemnitz
> (= OOOO-Stadt [1]).
Ist im Muldental bei Colditz/Grimma/Wurzen oft zu hören.
>> "Hn scheenes Audo, hey?"
> Leipziger Ecke?
In Leipzig habe ich es noch nicht gehört.
20km weiter südlich im Muldental hört man es vor allem bei Kindern
ständig.
>> "Scheenes Audo, oudor?"
> Das geht natürlich auch. Etwas weniger rhetorisch als "nohr", d.h.
> Bestätigung erwünscht.
Nu[2]! Das is fasd des gleische wie weesde, oudor?
HAND
Stephan
[2] Für die Nichtsachsen: "Nu" als eigenständiger Satz ist eine
Bestätigung.
Könnte IMHO aus "Na klar!" -> "Nu glor!" entstanden sein.
Jedenfalls hat es die selbe Bedeutung.
Jürgen Kozlik wrote:
> Habe ich noch nie gehört,
> weder hier (bei den Schwaben, wo es so etwas DBSSEN (*) nicht gibt),
> noch anderswo in Deutschland.
>
> Hier sagt man "gell" (wie gelb ohne "b")
> oder "gä" (wie "Wie bitte?" mit "g" statt "h" ;-)
>
> (*) Dem Boris Sein Sprach Empfinden Nach
Wie meenst'n des?
;-)
> --
> Jürgen Kozlik
>> Boris Gerlach <DRSt...@t-online.de> wrote:
> [...]
>> > "nuh" ?? Dresden?
>> Eher ein kurzes "nu?" oder "nisch wahr?", "niwahr?".
> Und noch mal Widerspruch.
> Das kurze "nu" steht für "ja" als positive Antwort auf eine Frage:
> "Haste schon Hausaufgaben gemacht?" -- "Nu!" (verstärkend auch:
> "Nu klar!)
Siehe mein anderes Posting.
Es wird aber tatsächlich gern als Frage angehängt:
"Morgn geh mer ins Gino, nu?" - "Nu! Das mach mor."
> Dem "gell" (question tag) entspricht hier MUSEN das "nohr", das
> (wenn nicht besonders betont) eine rein rhetorische Funktion hat:
> "Dann bin'ch nach Hause gekommen, nohr, und hab glei meine
> Hausaufgaben gemacht, nohr."
Das als Frage angehängte nu deutet meistens an, dass der Sprecher gern
eine Bestätigung hätte.
>> > Mein das bei meiner Tante oft geh?rt
>> > zu haben, aber nach einer Frage?
>> Ich kenne es nur nach einer Behauptung.
> Wie gesagt, "nu" und "nohr" sind definitiv verschiedene Wörter.
> "nohr" kommt eindeutig von "nicht wahr" und zeigt noch die ursprüngliche
> Funktion der Wendung ("isn't it?"); übrigens hört man auch alle möglichen
> anderen Abwandlungen von "nicht?" in dieser "gell"-Funktion, z.B.
> "nich", "nöch", hier auch "ni" ... (individuell sehr verschieden).
Mir fällt gerade ein dass ich ", ni?" genauso oft wie ", nu?" bei
meinen Nichten höre. Allerdings haben sie das von ihrem Vater, der
zwar IIRC auch aus Sachsen, aber nicht aus unserer Gegend kommt.
> Bei "nu" habe ich den Verdacht, daß es mit tschechisch /ano/ (= "ja")
> zusammenhängt, weiß aber nicht, ob diese Vermutung sprachwissenschaftlich
> Bestand hat. Zwei Indizien jedenfalls: In der Zittauer Gegend
> (Oberlausitz,
> Dreiländereck) klingt das Dresdner "nu" eher wie "no", und in der
> tschechi-
> schen Umgangssprache hört man von dem /ano/ eigentlich auch nur noch
> "no".
Nette Hypothese! :^)
Dazu passt noch als Indiz, dass Sachsen früher slawisches Siedlungsgebiet
war und viele Orts- und Familiennamen slawischen Ursprungs sind.
(Auch wenn heute meist niemand mehr weiss, was sie bedeutet haben. :-()
>> Den Kindern wird (wurde?) oft in der Schule oder im Kindergarten
>> beigebracht, daß man nicht "hey?" oder "eyh!" sagen soll,
>> weil das schlechtes Deutsch wäre.
> So?
Zumindest mir und meinen Mitschülern wollte man das von der 1. bis
etwa zur 3. Klasse immer wieder beibringen.
Dazu gab es noch die legendären Sprüche "Dorde gibds beim Bägger!
Rede Deidsch mit mir!", "Gibs gannsde isn Wasser riern, das heesd gibds."
und das leidige Problem mit "wir" statt "mir"/"mor" und "mir" statt
"misch".
Die meisten meiner alten Lehrer sind halt immer noch an der Schule,
und ich glaube nicht, dass sie damit aufgehört haben.
Zumindest annähernd Hochdeutsch zu sprechen gilt als wichtiges
Bildungsziel und vereinfacht auch den Rechtschreibunterricht stark.
>> Also weichen die Kleinen dann kurzerhand auf "niwohr", "ne" und
>> "weysde" aus.
> Ist ja kein großer Unterschied. Für mich klingt "niwohr" etwas
> altertümlich, kann ich mir bei Kindern kaum vorstellen.
Rate mal, wo ich es herhabe:
"Schdeffan, also hey sollsde doch nisch mer sachn, weil das
unanschdändisch glingd, niwohr?"
:^)
>> Bei "niwohr" und "ne" ist sicher der Sprecher meistens sehr sicher
>> (oder versucht so zu wirken), während man bei "weysde" mit Widerspruch
>> rechnet.
> Genau, meistens ist das so. Allerdings gibt es auch Sprecher (Kinder?),
> die "weeste" so wie "nohr"/"ne"/"gell" rein rhetorisch verwenden, was
> dann natürlich zu leichten Irritationen bei der Kommunikation führen
> kann.
Gottseidank hört man es meist am Tonfall raus. :^)
Griesse,
Stephan
--
Lehrer: "Heide iebn wir mal das harde D und das weische B.
Machd mir das ma nach: Tontafel!" (Mit sehr hartem, feuchten T...)
Stephan: "Hey mir solln abor nisch schbuggn dabei, hey?"
Lehrer: "Isch habbe Dir nu schon dausend ma gesachd, Du mussd nisch
immer so fresch sein, nisch wohr?
> Dort sagt man das aber nicht (in Thüringen aber sehr wohl)
das stimmt nicht. in thüringen verrwenden wir eigentlich kein auffallendes
wörtchen am ende.
komischerweise.
cu
tom
[...]
> Umso eigenartiger ist demnach übrigens der von Andreas erwähnte Imperativ
> "gellen sie" [gelletse], den man im Schwabenland wirklich ziemlich oft hören
> kann.
Also, erstens ist "gellen sie" kein Imperativ und zweitens hat Andreas das
Wort sicher nicht so geschrieben.
Wir *verhochdeutschen es ganz bestimmt nicht für den schriftlichen Gebrauch;
da gebrauchen wir das Wort gar nicht.
Es heisst also "gälled Sie" oder "gelled Sie" -> aber immer nur im Dialekt.
Übrigens nehme ich doch an, dass alle Deutschsprachler dieses "gell" nie in
schriftlichem Hochdeutsch verwenden würden, oder?
Yvonne Steiner
Das weißt Du doch, gell?
--
Jürgen Kozlik
Es ist nicht allgemein verbreitet; hier (Niedersachsen) zum Beispiel nicht.
Ich kenne es nur aus Südwestdeutschland (ungefähr Frankfurt und südlicher).
Hier gebräuchlich ist "oder" oder "nicht wahr".
Diedrich
--
pgp-Key (RSA) 1024/09B8C0BD auf den üblichen Servern
fingerprint = 2C 49 FF B2 C4 66 2D 93 6F A1 FF 10 16 59 96 F3
> > Dort sagt man das aber nicht (in Thüringen aber sehr wohl)
> das stimmt nicht. in thüringen verrwenden wir eigentlich kein auffallendes
> wörtchen am ende.
Ich kenne einen Geraer, der sehr oft "ge" verwendet.
Gruß
Torstem
--
Tom Wunder
*** http://www.frametom.de ***
> Torsten Rönsch <roe...@ite.inf.tu-dresden.de> wrote:
[...]
> > Das kurze "nu" steht für "ja" als positive Antwort auf eine Frage:
> > "Haste schon Hausaufgaben gemacht?" -- "Nu!" (verstärkend auch:
> > "Nu klar!)
>
> Siehe mein anderes Posting.
Ebenfalls. :-)
> Es wird aber tatsächlich gern als Frage angehängt:
> "Morgn geh mer ins Gino, nu?" - "Nu! Das mach mor."
Das erste "nu" würde ich weder so schreiben noch so sprechen,
sondern immer etwa wie "nohr".
> > Dem "gell" (question tag) entspricht hier MUSEN das "nohr", das
> > (wenn nicht besonders betont) eine rein rhetorische Funktion hat:
> > "Dann bin'ch nach Hause gekommen, nohr, und hab glei meine
> > Hausaufgaben gemacht, nohr."
>
> Das als Frage angehängte nu deutet meistens an, dass der Sprecher gern
> eine Bestätigung hätte.
Das kann beim "nohr" natürlich genauso sein:
"Morgen gehn mer ins Kino, nohr?"
Es ist hier wohl intonationsabhängig wie immer bei diesen 'question tags', vgl.
a) That's a nice picture, isn't it? (Stimme nach oben, Bestätigung angefordert)
b) It's a nice picture, isn't it. (Stimme nach unten, rein rhetorisch)
[...]
> > Bei "nu" habe ich den Verdacht, daß es mit tschechisch /ano/ (= "ja")
> > zusammenhängt,
[...]
> Nette Hypothese! :^)
> Dazu passt noch als Indiz, dass Sachsen früher slawisches Siedlungsgebiet
> war und viele Orts- und Familiennamen slawischen Ursprungs sind.
Das sowieso. Ist ja auch heute nicht weit zu unseren Nachbarn.
> (Auch wenn heute meist niemand mehr weiss, was sie bedeutet haben. :-()
Chemnitz: (wie Kamenz) benannt nach dem steinigen Fluß, vgl. tschech. Kamenice
(/kamen/ = Stein)
Leipzig: tschech. Lipsko, nach /lipa/ = Linde
Dresden: etwa Flußniederung
Aber Du hast recht: allgemein bekannt dürfte das eher nicht sein.
[...]
> Dazu gab es noch die legendären Sprüche "Dorde gibds beim Bägger!
> Rede Deidsch mit mir!", "Gibs gannsde isn Wasser riern, das heesd gibds."
Das heeßt ni "heeßt", das heeßt "heißt"! ;-)
[...]
> >> Also weichen die Kleinen dann kurzerhand auf "niwohr", "ne" und
> >> "weysde" aus.
>
> > Ist ja kein großer Unterschied. Für mich klingt "niwohr" etwas
> > altertümlich, kann ich mir bei Kindern kaum vorstellen.
>
> Rate mal, wo ich es herhabe:
> "Schdeffan, also hey sollsde doch nisch mer sachn, weil das
> unanschdändisch glingd, niwohr?"
Von der Lehrerin?
> Lehrer: "Heide iebn wir mal das harde D und das weische B.
> Machd mir das ma nach: Tontafel!" (Mit sehr hartem, feuchten T...)
> Stephan: "Hey mir solln abor nisch schbuggn dabei, hey?"
> Lehrer: "Isch habbe Dir nu schon dausend ma gesachd, Du mussd nisch
> immer so fresch sein, nisch wohr?
:-))
Gruß
Torsten
Stephan Lahl wrote:
> [2] Für die Nichtsachsen: "Nu" als eigenständiger Satz ist eine
> Bestätigung.
Erstmal eine Erweiterung: Das kommt auch in Sachsen-Anhalt
vor. Ich habe mich dort zwar nicht lange aufgehalten, aber
diejenige, von der ich mich konkret erinnern kann, war
eingesessene Bernburgerin.
Jetzt meine Frage: Fuer meine Ohren klingt das "nu" manchmal
fast wie ein "nü". Kann man diesen Unterschied ebenfalls
regional eingrenzen?
Gruss,
Kerstin
> >> "Hn scheenes Audo, hey?"
> > Leipziger Ecke?
>
> In Leipzig habe ich es noch nicht gehört.
> 20km weiter südlich im Muldental hört man es vor allem bei Kindern
> ständig.
Na, da ist aber der Tip "Leipziger Ecke" so schlecht nicht, hey?
Wenn ich mich recht erinnere, kenne ich es von einem aus Borna.
Gruß
Torsten
Es gibt (oder gab) Formen wie »gelten Sie?«, »gelt ihr?« oder auch
»gelt du?«. Das kann man schon als Imperativ bezeichnen, jedenfalls
wird das von den Sprechern so aufgefaßt, auch wenn das eigentlich
falsch ist.
> Es heisst also "gälled Sie" oder "gelled Sie" -> aber immer nur im Dialekt.
Im Grimmschen Wörterbuch steht, daß die Schweizer aus »gelt« ein
Zeitwort entwickelt haben, nämlich »gällen« mit der Bedeutung
»einstimmen, ja sagen, recht geben«. Als Beispiel steht da:
»er hed em gäng g'gället, hat ihm immer beifall gegeben«.
> Übrigens nehme ich doch an, dass alle Deutschsprachler dieses "gell" nie in
> schriftlichem Hochdeutsch verwenden würden, oder?
Da würde man »nicht wahr?« verwenden. Hildebrand, der den Artikel
zu »gelt« im Grimmschen Wörterbuch verfaßt hat, bemerkt mit einigem
Bedauern, daß dieses Wort »für niedrig erklärt« wurde. Ihm gefällt
daran die »freudigkeit, die unser heutiges gebildetes /nicht wahr?/
nicht erreicht«. Da hat er recht, gell?
Schöne Grüße,
Wolf
In Halle / preuß. Provinz Sachsen sagen sie immer: na da.
FR
Sie, des kost fei Strafe.
Die Schlesier haben eine ganz muntere Floskel:
newane (nicht wahr, nicht).
FR
Ein mir bekannter mecklenburgischer Nichtsnutz beendete (er lebt nich
mehr) seine Sätze immer mit 'weißt'.
FR
> "Hn scheenes Audo, ne?"
> "Än scheens Audo, nu?"
> "Hn scheenes Audo, hey?"
> "Än scheenes Audo, niwar?"
> "Scheenes Audo, oudor?"
>
> [1] "Wo bisdn hehr?" - "Aus Gohrl Mohrgs Stodt, nohr!"
Fetz'sche Gagge.
Die Stadt sprach sich übrigens 'Gormorg Schdad'; ich verweise
in der Sache auf den Vierten Zensor von Erich Loest.
Aus eigenem Erleben weiß ich, daß den Bewohnern der Name ihrer
Stadt äußerst peinlich war, Chemnitz zu sagen aber unangenehme
Folgen haben konnte, weshalb 'Kahms' gesagt wurde.
FR
> > Ney. Am "nohr" ergennd mor Leude aus dor Stadd midden vier Os[1].
> > In'n andorn Deil'n von Saggsen wörd "nohr" gaum benuddsd.
>
> Also, in und um Dresden schon!
In Dresden gehört: Ietzichgnedel für einen übellaunigen Mann.
FR
> Bei "nu" habe ich den Verdacht, daß es mit tschechisch /ano/ (= "ja")
> zusammenhängt, weiß aber nicht, ob diese Vermutung sprachwissenschaftlich
> Bestand hat. Zwei Indizien jedenfalls: In der Zittauer Gegend (Oberlausitz,
> Dreiländereck) klingt das Dresdner "nu" eher wie "no", und in der tschechi-
> schen Umgangssprache hört man von dem /ano/ eigentlich auch nur noch "no".
Ano is gereinigtes Tschech. und wird kaum verwendet.
Umgangsprachlich: jo.
FR
in de.etc.sprache.deutsch Stephan Lahl <s.l...@gmx.de> wrote:
> Ney. Am "nohr" ergennd mor Leude aus dor Stadd midden vier Os[1].
> In'n andorn Deil'n von Saggsen wörd "nohr" gaum benuddsd.
Ick habe mal in Leipzich eenen sachen jehört:
"..., ne wa nohr?"
Det davor hab ick bei dem aber nie verstanden. Also kann ick
hier ooch nur Punkte machen.
> Scheen Dahch noch unn viele Griese,
Dem schließ ick mich doch voll an.
mfg.
Gernot
--
<hi...@gmx.de> (Gernot Zander) www.kabelmax.de *Keine Mailkopien bitte!*
Mit der "globalen Vernetzung" kommt man eben u.a. auch in den "Genuss"
der "globalen Dummheit". bl...@tinydose.pfalz.de (Olaf Boos), 30.10.96
> In Dresden gehört: Ietzichgnedel für einen übellaunigen Mann.
"Nu sei doch ni so ietzich", würde die Mutter zum Kind sagen,
das sich z.B. ningelnd weigert, die Mütze aufzusetzen.
(Ist "ningeln" eigentlich hochdeutsch?)
Hier haben wir übrigens das dritte "nu"-ähnliche Wort,
selbstverständlich bedeutet es hier einfach "nun".
Gruß
Torsten
> Torsten =?iso-8859-1?Q?R=F6nsch?= <roe...@ite.inf.tu-dresden.de> schreibt:
[...]
> > und in der tschechi-
> > schen Umgangssprache hört man von dem /ano/ eigentlich auch nur noch "no".
>
> Ano is gereinigtes Tschech.
Sorry, gereinigt wovon?
> und wird kaum verwendet.
> Umgangsprachlich: jo.
Sicher? -- Ich höre immer: "'no!"
(Natürlich mit offenem 'o', nicht wie engl. "no".)
Gruß
Torsten
Ningeln, nengeln,
hat meine... (Quatsch sacht meine Mutter heute noch)
die kommt aus östlich von Cottbus, muß sorbisch sein.
;-)
Bo"quengeln gibts auch noch"ris
Uli
> Im Grimmschen Wörterbuch steht, daß die Schweizer aus »gelt« ein
> Zeitwort entwickelt haben, nämlich »gällen« mit der Bedeutung
> »einstimmen, ja sagen, recht geben«. Als Beispiel steht da:
> »er hed em gäng g'gället, hat ihm immer beifall gegeben«.
Das Beispiel kommt wahrscheinlich aus dem Raum Bern ("gäng", immer,
dauernd), das Verb wird aber so kaum mehr benutzt. Es hat offenbar nur
in den drei Formen der "nicht wahr"-Floskel am Satzende überlebt:
gäll (Duz-Form)
gället (Ihrz-Form, u.a. in Bern gebräuchlich)
gälled Sie (Siez-Form)
- Andi
> Es gibt (oder gab) Formen wie »gelten Sie?«, »gelt ihr?« oder auch
> »gelt du?«. Das kann man schon als Imperativ bezeichnen, jedenfalls
> wird das von den Sprechern so aufgefaßt, auch wenn das eigentlich
> falsch ist.
Dann müsste am Ende des Satzes aber ein Ausrufezeichen stehen, nicht wahr?
Zum Beispiel: Willst du jetzt endlich still sein, gelt du!
Das wäre dann ein Imperativ, in dem scheinbar auch eine Frage mitschwingt.
> Im Grimmschen Wörterbuch steht, daß die Schweizer aus »gelt« ein
> Zeitwort entwickelt haben, nämlich »gällen« mit der Bedeutung
> »einstimmen, ja sagen, recht geben«. Als Beispiel steht da:
> »er hed em gäng g'gället, hat ihm immer beifall gegeben«.
Das habe ich allerdings noch nie gehört, könnte aber Bernerdialekt sein.
> Da würde man »nicht wahr?« verwenden. Hildebrand, der den Artikel
> zu »gelt« im Grimmschen Wörterbuch verfaßt hat, bemerkt mit einigem
> Bedauern, daß dieses Wort »für niedrig erklärt« wurde. Ihm gefällt
> daran die »freudigkeit, die unser heutiges gebildetes /nicht wahr?/
> nicht erreicht«. Da hat er recht, gell?
Eigentlich schon, nur klingt es leider so ungewohnt.
:-) Grüsse
Yvonne Steiner
> > Ano is gereinigtes Tschech.
>
> Sorry, gereinigt wovon?
Von Germanismen. Als Torberg Ende der 30er nach NY kam, verstanden
die dortigen Tschech. sein gereinigtes Tschech. kaum. Näheres bei T.
nachzulesen.
> > und wird kaum verwendet.
> > Umgangsprachlich: jo.
>
> Sicher? -- Ich höre immer: "'no!"
> (Natürlich mit offenem 'o', nicht wie engl. "no".)
Jo!
Ahoj! FR
Nich wirklich
Bzw.: man kann sich fragen, wie weit das Verb "gällen" jemals in Gebrauch
war. Die ursprüngliche Form ist ja das "gäll" aus "gelt" und das ist der
Konjunktiv 3. Person von "gelten", also eigentlich gemeint: "(es) gelte".
Dieser wurde offensichtlich nur in CH als Imperativ 2.sg. umgedeutet und
dann ein ganzes Verb drumherum aufgebaut.
Christian
--
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Diese Umdeutung gab es laut Grimmschen Wörterbuch nicht nur in
der Schweiz (»man faszte /gelt/ als anredeform, ja als imperativ,
mit vergessen des conjunctivs darin«). Aber in der Schweiz ist
dann offenbar auch noch das erwähnte Verb daraus entstanden:
| aber es ist endlich auch wirklich ein zeitwort daraus rückwärts
| entnommen worden, in der Schweiz, und zwar mit der angleichung
| des /-lt,/ die sonst md., nicht oberd. ist, hier aber auch
| schwäb., bair. gilt, eine wirkung des massenhaften gebrauchs:
| bei STALDER, 1, 416, neben der frage /gältet, gället (geltet,
| gellet),/ sing. /gäll, gält/ auch /gällen,/ einstimmen, ja sagen,
| recht geben, z. b. /er hed em gäng g'gället,/ hat ihm immer beifall
| gegeben; /so ein weib ist gewohnt, dasz ihm alles gället, dasz
| der mann selbst vortanzt nach seiner geige./ J. GOTTHELF 18,74.
Schöne Grüße,
Wolf
>Bei Schweizer Autoren der Generation vor Frisch und Dürrenmatt liest
>man oft "gelt", obwohl das "t" nur in wenigen Dialekten in der
>Ostschweiz gesprochen wird. War damals wohl so etwas wie die
>"schweizerhochdeutsche" Form von "gell".
Gelt kenne ich auch in Ostösterreich in der Umgangssprache.
Ihr in Thüringen vielleicht nicht, aber andere Thüringer in Thüringen
schon, zum Beispiel die Erfurter, die sagen "ge", und die Geraer, die
sagen auch "ge".
Christina
>> Torsten Rönsch <roe...@ite.inf.tu-dresden.de> wrote:
>> Dazu gab es noch die legendären Sprüche "Dorde gibds beim Bägger!
>> Rede Deidsch mit mir!", "Gibs gannsde isn Wasser riern, das heesd gibds."
> Das heeßt ni "heeßt", das heeßt "heißt"! ;-)
Kenne ich als "Das heisd nisch hees, das heesd heiß!" :^)
>> > Ist ja kein großer Unterschied. Für mich klingt "niwohr" etwas
>> > altertümlich, kann ich mir bei Kindern kaum vorstellen.
>> Rate mal, wo ich es herhabe:
>> "Schdeffan, also hey sollsde doch nisch mer sachn, weil das
>> unanschdändisch glingd, niwohr?"
> Von der Lehrerin?
Nu!
Griesse,
Stephan
>> Florian Ritter wrote:
>>
>> > In Dresden geh?rt: Ietzichgnedel f?r einen ?bellaunigen Mann.
>> "Nu sei doch ni so ietzich", w?rde die Mutter zum Kind sagen,
>> das sich z.B. ningelnd weigert, die M?tze aufzusetzen.
> Ningeln, nengeln,
> hat meine... (Quatsch sacht meine Mutter heute noch)
> die kommt aus ?stlich von Cottbus, mu? sorbisch sein.
> ;-)
Wenn dann allgemein slawisch.
So weit sind die Sorben nun auch nicht verbreitet.
> Bo"quengeln gibts auch noch"ris
Step"nerschln (nörgeln)"han
Zähl Ilmenau dazu.
JL
>....aber andere Thüringer in Thüringen
>schon, zum Beispiel die Erfurter, die sagen "ge", und die Geraer, die
>sagen auch "ge".
>
>Christina
Hab in Gotha studiert und kann bestätigen: Erfurter und Gothaer "ge",
in der näheren Umgebung kamen auch "gelle" und sogar "jelle" vor,
immer im Sinne von "gelt" (= "richtig") benutzt.
GH
In Wien ebenfalls: "gön'S".
Auch in Tirol, wo eigentlich das "odrr" vorherrscht, habe ich öfters
"gall" gehört (N.B. a statt e). Die Skibusfahrer schienen es bei ihren
CB-Funkgesprächen in der Funktion von "Roger" zu verwenden.
Servus!
M
> Auch in Tirol, wo eigentlich das "odrr" vorherrscht,
Aber woher denn. "Odrrr" ist klassisches Alemannisch vulgo
Gsibergisch vulgo Vorarlbergisch und ist in Tirol höchstens in
Grenzregionen (Tannheimer Tal) üblich, wenn überhaupt.
M.