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gewrummelt

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F. Platonva

unread,
May 14, 2001, 3:13:08 AM5/14/01
to
Hallo Leute


Im Spiegel vom 07.05.2001 stand ein Artiel über die Sexy Shwane, die Ehefrau von
der Schweizer Botschafter in Berlin


"Und hoch zu Ross reitet die Dame nicht etwa nackt wie einst lady Godiva durch
die Stadt, sondern in einer wallenden Robe, das Langhaar züchtig in ein Diadem
gewrummelt."


Ich möchte gerne die Bedeutung von "wrummeln" in diesem Satz wissen und ob
dieses Wort ein lautmalerisches Wort (Onomopetika?) ist?


Danke
--
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Matthias Kranz

unread,
May 14, 2001, 6:57:23 AM5/14/01
to
"F. Platonva" <fpla...@web.de> wrote:
>Hallo Leute
>
>
>Im Spiegel vom 07.05.2001 stand ein Artiel über die Sexy Shwane, die Ehefrau von
>der Schweizer Botschafter in Berlin
>
>
>"Und hoch zu Ross reitet die Dame nicht etwa nackt wie einst lady Godiva durch
>die Stadt, sondern in einer wallenden Robe, das Langhaar züchtig in ein Diadem
>gewrummelt."
>
>
>Ich möchte gerne die Bedeutung von "wrummeln" in diesem Satz wissen und ob
>dieses Wort ein lautmalerisches Wort (Onomopetika?) ist?


"Wrummeln", ist nicht unbedingt ein hochdeutsches
Wort, sondern wohl eine niederdeutsche
Dialektvokabel. Das "Mecklenburgische
Wörterbuch" verzeichnet in Bd. 7 von
1992, welcher die herrlich exotische Gruppe
der mit "wr-" beginnenden Wörter (Wrake,
Wramp, Wraug, Wraus, Wriwwel, wroegeln,
wrucken, Wrump u.v.a) enthält, die Form
"wrümmeln" und erklärt es so: "Aus kleinen Brotteilen
Kugeln drehen; einen Faden vor dem Einfädeln zusammendrehen;
zusammenwickeln, wickeln". Eine weitere Formen
dieses ist "wrimmeln"; ich habe es auch schon,
vermutlich von Zugereisten aus Norddeutschland,
als "vriemeln" oder "friemeln" gehört.


Ach ja, und das Fremdwort für "lautmalerisches
Wort" lautet "O-no-ma-to-po-e-ti-kon" bzw.
"O-no-ma-to-po-e-ti-kum", der Vorgang bei
der Bildung eines solchen Wortes, also die
Lautmalerei, "Onomatopöie" (sozusagen die
orthografische 100000-Mark-Frage).


M. Kranz

rp5...@rp-plus.de

unread,
May 14, 2001, 7:47:05 AM5/14/01
to
Matthias Kranz schrieb:

[...]

> "Wrummeln", ist nicht unbedingt ein hochdeutsches
> Wort, sondern wohl eine niederdeutsche
> Dialektvokabel. Das "Mecklenburgische
> Wörterbuch" verzeichnet in Bd. 7 von
> 1992, welcher die herrlich exotische Gruppe
> der mit "wr-" beginnenden Wörter (Wrake,
> Wramp, Wraug, Wraus, Wriwwel, wroegeln,
> wrucken, Wrump u.v.a) enthält, die Form
> "wrümmeln" und erklärt es so: "Aus kleinen Brotteilen
> Kugeln drehen; einen Faden vor dem Einfädeln zusammendrehen;
> zusammenwickeln, wickeln". Eine weitere Formen
> dieses ist "wrimmeln"; ich habe es auch schon,
> vermutlich von Zugereisten aus Norddeutschland,
> als "vriemeln" oder "friemeln" gehört.

Meinst Du jetzt "pfriemeln", das ich auf den "Pfriem" zurückführe?

Matthias Kranz

unread,
May 14, 2001, 9:46:13 AM5/14/01
to


Ja, eben das meinte ich, war auch etwas
erstaunt, dass es so im "Duden, Das
große Wörterbuch der deutschen Sprache"
(3. Aufl., 1999) steht und erklärt wird als regionaler
Ausdruck für "mit den Fingerspitzen hin-
und herdrehen, zwirbeln". Der Zusammenhang
mit "Pfriem" scheint mir aber zweifelhaft,
denn im Grimmschen Wörterbuch gibt es
zwar einen Eintrag für "Pfriem", aber
keinen für "pfriemeln" - wohl aber einen
für "wrimmen, häufiger in der iterativbildung
wrimmeln ... hin und her (zwischen zwei
fingern) reiben. unsicherer herkunft; vielleicht
darf an germ. *wremp- 'drehen, krümmen'
... angeknüpft werden ...
im dt. als mundartwort häufig bezeugt ...":
z.B. im Westfälischen "vriemeln"
"friemeln", in Elberfeld "fremmeln", im
Rheinland "frimmeln", in Hessen "rimmeln".
Die Schreibweise "pfriemeln" ist also
etwas irreführend; allerdings ist das
Wort auch nicht, wie ich schrieb, auf
das Niederdeutsche beschränkt.

Ralf Heinrich Arning

unread,
May 14, 2001, 4:07:26 PM5/14/01
to
Matthias Kranz <Kr...@wupper.bib.uni-wuppertal.de> wrote:

>
> Ja, eben das meinte ich, war auch etwas
> erstaunt, dass es so im "Duden, Das
> große Wörterbuch der deutschen Sprache"
> (3. Aufl., 1999) steht und erklärt wird als regionaler

Werden da Belegstellen angegeben? Im Rechtschreibduden von 1996, der
auch diesen Zusammenhang konstruiert, natürlich nicht.
Der Duden von 1980 kennt weder "pfriemeln" noch "friemeln".

> Ausdruck für "mit den Fingerspitzen hin-
> und herdrehen, zwirbeln". Der Zusammenhang
> mit "Pfriem" scheint mir aber zweifelhaft,

In der Tat. Das mittelniederdeutsche Äquivalent zu "Pfriem" ist "preme".
Die Lautverschiebung macht aus dem P ein Pf

> denn im Grimmschen Wörterbuch gibt es
> zwar einen Eintrag für "Pfriem", aber
> keinen für "pfriemeln" - wohl aber einen
> für "wrimmen, häufiger in der iterativbildung
> wrimmeln ... hin und her (zwischen zwei
> fingern) reiben. unsicherer herkunft; vielleicht
> darf an germ. *wremp- 'drehen, krümmen'

Deshalb gibt es auch keinen Grund für das "p" im Anlaut.

> ... angeknüpft werden ...
> im dt. als mundartwort häufig bezeugt ...":
> z.B. im Westfälischen "vriemeln"
> "friemeln", in Elberfeld "fremmeln", im
> Rheinland "frimmeln", in Hessen "rimmeln".

Mir ist "friemeln" auch sehr geläufig.

> Die Schreibweise "pfriemeln" ist also
> etwas irreführend;

... sehr irreführend, um nicht zu sagen falsch.

> allerdings ist das
> Wort auch nicht, wie ich schrieb, auf
> das Niederdeutsche beschränkt.

Dennoch haben "Pfriem" und "friemeln" unterschiedliche Wortstämme.
Außer der Privatetymologie eines Wörterbuchautors fällt mir kein Grund
ein, "pfriemeln" zu schreiben.

Ralf

Matthias Kranz

unread,
May 15, 2001, 6:38:42 AM5/15/01
to
Ralf....@t-online.de (Ralf Heinrich Arning) wrote:
>Matthias Kranz <Kr...@wupper.bib.uni-wuppertal.de> wrote:
>
>>
>> Ja, eben das meinte ich, war auch etwas
>> erstaunt, dass es so im "Duden, Das
>> große Wörterbuch der deutschen Sprache"
>> (3. Aufl., 1999) steht und erklärt wird als regionaler
>
>Werden da Belegstellen angegeben? Im Rechtschreibduden von 1996, der
>auch diesen Zusammenhang konstruiert, natürlich nicht.
>Der Duden von 1980 kennt weder "pfriemeln" noch "friemeln".


Ja, und zwar ausgerechnet eine von Väterchen
Franz. In Franz Josef Degenhardts Roman
"Zündschnüre" aus dem Jahre 1973 steht auf
S. 25 der Satz:
"Fänä ... pfriemelte den Zettel beim
Weitergehen."
Die ganze Sache ums "wrummen/wrümmeln/
wrimmen/wrimmeln/friemeln/pfriemeln"
wird immer mysteriöser, denn bereits
in der 20. Aufl. des Rechtschreib-Dudens
steht sowohl "pfriemeln" = regional für "mit den
Fingerspitzen hin und her drehen, zwirbeln"
als auch "friemeln" = regional für "basteln",


im "Duden, Das große Wörterbuch der

deutschen Sprache" (3. Aufl., 1999) die
gleichen Definitionen, außerdem ist
"friemeln" dort angeblich eine Nebenform von
"pfriemeln" - ich hätts nach den gestrigen
Ausführungen eher umgekehrt
gesehen. Auch ich vermute, dass "pfriemeln"
ein Produkt der Volksetymologie seitens
Degenhardts und anderer ist. Dass aber
auch die Duden-Redaktion auf so was reinfallen
kann - irgendwie rührend.

Ralf Heinrich Arning

unread,
May 15, 2001, 12:32:01 PM5/15/01
to
Matthias Kranz <Kr...@wupper.bib.uni-wuppertal.de> wrote:

> Ralf....@t-online.de (Ralf Heinrich Arning) wrote:
> >Matthias Kranz <Kr...@wupper.bib.uni-wuppertal.de> wrote:
> >
> >>
> >> Ja, eben das meinte ich, war auch etwas
> >> erstaunt, dass es so im "Duden, Das
> >> große Wörterbuch der deutschen Sprache"
> >> (3. Aufl., 1999) steht und erklärt wird als regionaler
> >
> >Werden da Belegstellen angegeben? Im Rechtschreibduden von 1996, der
> >auch diesen Zusammenhang konstruiert, natürlich nicht.
> >Der Duden von 1980 kennt weder "pfriemeln" noch "friemeln".
>
>
> Ja, und zwar ausgerechnet eine von Väterchen
> Franz. In Franz Josef Degenhardts Roman
> "Zündschnüre" aus dem Jahre 1973 steht auf
> S. 25 der Satz:
> "Fänä ... pfriemelte den Zettel beim
> Weitergehen."

Tja, da hat er einen Fehler gemacht. Und sein Lektor konnte es damals
noch nicht im Duden überprüfen.

> Die ganze Sache ums "wrummen/wrümmeln/
> wrimmen/wrimmeln/friemeln/pfriemeln"
> wird immer mysteriöser, denn bereits
> in der 20. Aufl. des Rechtschreib-Dudens
> steht sowohl "pfriemeln" = regional für "mit den
> Fingerspitzen hin und her drehen, zwirbeln"
> als auch "friemeln" = regional für "basteln",

Ob die wohl andere Belege als Degenhardt hatten?
"Friemeln" im Sinne von "basteln" ist auch mißverständlich. Nur das
Basteln im abfälligen Sinn ist gemeint. Dies kann man noch verstärken
durch "zurecht":
"Er hat sich da was zurechtgefriemelt."

> im "Duden, Das große Wörterbuch der
> deutschen Sprache" (3. Aufl., 1999) die
> gleichen Definitionen, außerdem ist
> "friemeln" dort angeblich eine Nebenform von
> "pfriemeln" - ich hätts nach den gestrigen
> Ausführungen eher umgekehrt
> gesehen.

Du solltest dabei bleiben.

> Auch ich vermute, dass "pfriemeln"
> ein Produkt der Volksetymologie seitens
> Degenhardts und anderer ist.

Degenhardt als Norddeutscher ist hyperkorrekt gewesen.
Wenn "Flaume" eigentlich "Pflaume" heißt, dann muß "friemeln" eigentlich
"pfriemeln" heißen.

> Dass aber
> auch die Duden-Redaktion auf so was reinfallen
> kann - irgendwie rührend.

Geradezu klassisch.

Ralf

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