Am Montag, 8. Mai 2017 03:49:59 UTC+2 schrieb Reinhold {Rey} Aman:
> Helmut Richter schrieb:
Sehr interessante Beiträge. Die Bedeutungen dieser Tiermetaphern
sind nicht so klar umrissen. Ich füge mal kurz hier und da was an aus
Sicht eines Ruhrmenschen.
> >
> > In vielen Sprachen werden Tiernamen für Menschen verwendet, meist
> > pejorativ, manchmal anerkennend. So auch im Deutschen und im
> > Bairischen, und zwar sehr verschieden. Meine Frau und ich haben das
> > vor ein paar Wochen diskutiert, und der malediktologische Thread
> > hat mich jetzt daran erinnert. Ich verwende im Folgenden die
> > deutsche Schreibung für bairische Wörter, wenn es eine gibt ("Geiß"
> > statt "Goaß", "Hammel" statt "Hamme", "Büffel" statt "Biffe" usw.).
> >
> > Am auffälligsten ist die meist anerkennende Bedeutung von "Hund"
... hatte ich mal gelesen als 'a Hund is er scho', bei uns ungebräuch-
lich, eher als 'Schuft', was inzwischen auch komplett out ist, oder
noch in 'krummer Hund'
> > im Bairischen. "Has(e)" anerkennend und gleichzeitig ein wenig
> > kritisch für ein attraktives, aber nicht unbedingt reifes
> > weibliches Wesen hat sich vielleicht vom Bairischen ins Deutsche
> > verbreitet.
Ich glaube, Hape Kerkeling als Horst Schlämmer hat das gerne benutzt.
"Hammel" ist im Deutschen eher ein dummer oder
> > dummdreister Mensch (blöder Hammel), im Bairischen eher ein
> > ungehobelter (gscherter Hammel).
sagen wir nicht
> >
> > Ähnliche Bedeutung haben in den beiden Sprachen: Rindvieh (eher
> > bairisch)
bei uns tatsächlich ungebräuchlich, wird aber sofort verstanden
> > Gans (eher deutsch).
> >
> "Gans" ist im Niederbayrischen durchaus üblich. 1: eine dumme,
> beschränkte Frau; 2: eine eingebildete, dünkelhafte Frau.
kenn ich als 'dumme Gans', Heinz Erhardt nannte das mal
'großer weißer Vogel'
> >
> > Meines Wissens im Deutschen ungebräuchlich, aber im Bairischen
> > häufig sind: Hirsch, (Krampf-)Henne, Vogel
'Vogel' ist bei uns stark abwertend: 'Der Vogel soll nur kommen!',
im Plural geht das bei uns Richtung 'blödes Pack'
> > Sau, Wildsau
bei uns auch gerne 'Pottsau', und natürlich 'Drecksau' und in allen
möglichen Zusammensetzungen à la 'Saupreiß, japanischer', z.B.
Saubande, Saukerl usw.
> > Geiß
hier auch Hippe, inzwischen weitgehend außer Gebrauch, kann vielleicht
'zickig' bedeuten, für mich eher für eine 'knochige Frau' ein
'Knochengestell'
> > Büffel, Bißgurre (=bissige Stute), Ruach (=Krähe)
'Krähe' kommt für mich eher gehoben, für 'hässliche Frau' oder eine,
die bewusst nicht attraktiv sein will, wie die eine oder andere
Feministin in früheren Zeiten
> > Uhu (im Dt: Kauz)
nur als 'komischer Kauz', also kauzig, schrullig
> > Protz (=Kröte)
für mich hochsprachlich für 'Neureicher' und in Zusammensetzungen
'Protzkarre', hat wohl mit einer bairischen Kröte nix zu tun
> > Gockel
= Schönling, Geck, oder einer, der herumbalzt, eher hochsprachlich
> > Urvieh.
> >
> > Umgekehrt im Bairischen ungebräuchlicher als im Deutschen sind:
> > Schaf,
> >
> Schaferl (kleines oder junges Schaf): leicht abfällig, etwa
> "Dummerchen"; nur Mädchen und junge Frauen.
Schäfchen, kann hinkommen mit dem Bezug eher auf Frauen, sone Art
weiblicher Naivling, Neusprech Naivlingin
> >
> > Ziege
s.o.
> > Kamel,
> >
> "Kaméj" ist durchaus gebräuchlich.
in erster Linie dumm, aber auch trampelig, siehe Trampeltier
> >
> > (dumme) Kuh
'blöde Kuh' ist bei uns jede Frau, über die man sich - ggf. auch
ganz kurzzeitig - ärgert
> >
> "Kua" (dumme, blède, wamperte, dèpperte) ist durchaus gebräuchlich.
> >
> > Esel
= dumm, auch stur (will es nicht begreifen)
> > Kauz, Schnepfe,
> >
> "Schnèpfan": liederliche, unsittliche Frau; Hure. Durchaus gebräuchlich.
'Schnepfe' geht für mich ausschließlich in Richtung 'Spinatwachtel' auch
'Flittchen' oder 'Betthäschen' bin ich da noch nie gekommen
> >
> > Pute
ja, auch 'dumme Pute'
> > (toller) Hecht,
hält sich für sonstwen, Angeber
> >
> "dàmmischa Hecht" hab ich schon gehört. Bedeutet das gleiche wie
> "dàmmischa / schbinnada Daife" (= verrückter Teufel).
> >
> > (flotte) Biene.
ist (noch) bekannt, heute eher 'heißer Feger'
> >
> > Wir fanden es interessant, dass bei den vielen Bezeichnungen die
> > Überschneidungen so wenige sind.
> >
> > Kommentare vom akademischen Malediktologen oder von allen anderen?
> >
> Weitere (nieder)bayrische Tiernamen als Schimpfwörter, dt. und (nb.):
>
> * Affe (Aff): wie im Deutschen.
> * Bachratte (Båchratz): wie "Kanalratte" unten. Auch "unattraktives
> Mädchen".
unbekannt
> * Filzlaus (Fuizlaus): aufdringlicher, störend anhänglicher Mensch.
auch einer, der anderen mit unlauteren Methoden nachspioniert
> * Geiß (Goas): 1: einfältige, beschränkte Frau; 2: schmächtige,
> schwächliche Frau.
> * Geißbock (Goasboog): 1: junger, dummer Kerl; 2: herumtollender
> Bursch.
> * Gockel (Goggl): etwa "närrischer Kerl".
s.o.
> * Holzfuchs (Hoizfuchs = Waldfuchs): allgemein abfällig; etwa
> "dummer Kerl"; auch "schadenfreudiger Kerl" und "stinkender Kerl".
> * Kanalratte (Kanájratz): unsauberer, ungepflegter, unappetitlicher
> Mann.
schmieriger Typ, die Sorte Kleindealer, ungewaschen
> * Mops: Kerl, allgemein abwertend.
dicklich, Pfannkuchengesicht, kurzatmig
> * Neidhammel (Naidhàmme): neidischer Kerl.
ja
> * Ratte (Ratz): allgemein abwertend; nicht wie dt. "gemein".
gerissen, link, arbeitet unauffällig, reitet krumme Touren
> * Rhinozeros (Rinozarus): dummer, läppischer, ungeschickter,
> langweiliger Mensch.
hamwa nich, wenn, wär's für mich eher plump, grob, trampelig,
vielleicht noch hornochsig
> * Stängleinaffe (Stànglaff = Affe, der im Käfig auf einer kleinen
> Stange sitzt): etwa "blöder Kerl".
Affe auf dem Schleifstein siehe Redenartenindex
> * Stute (Schduaddn, Schduan): plumpe, grobknochige, schwerfällige,
> träge oder dumme Frau.
kann sein, vielleicht gibt's auch ne 'bissige Stute'
> * Trebernsau (Drèwansau): ordinäres, verwahrlostes Weibsbild.
> * Wespe (der Wèps): unruhiger Mensch; einer, der sich nicht
> stillhalten kann, der immer hin und her wetzt.
wäre bei uns eher eine 'Hummel'
> * Zuchtel (Zuchtl = Zuchtsau, Muttersau): sehr schmutzige, schlampige,
> verwahrloste, ordinäre oder unsittliche Frau.
>
> In meinem _Bayrisch-Österreichisches Schimpfwörterbuch_ sind noch
> weitere zu finden: <
http://aman.members.sonic.net/boes.html>.
Bei uns gibt's auch noch welche, aber die kommen mir immer so
zwischendurch, ich kann die nicht auf Knopfdruck abrufen. Viele sind
'gemeinsprachlich' lexikalisiert und mehr oder weniger klischeehaft
(geiler Bock, falsche Schlange, fleißige Biene), manche wenig
verbreitet (Elefantenküken).
Gruß Ralf Joerres