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Bairische vs. deutsche Tiermetaphern

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Helmut Richter

unread,
May 7, 2017, 2:30:25 PM5/7/17
to
In vielen Sprachen werden Tiernamen für Menschen verwendet, meist
pejorativ, manchmal anerkennend. So auch im Deutschen und im Bairischen,
und zwar sehr verschieden. Meine Frau und ich haben das vor ein paar
Wochen diskutiert, und der malediktologische Thread hat mich jetzt daran
erinnert. Ich verwende im Folgenden die deutsche Schreibung für
bairische Wörter, wenn es eine gibt ("Geiß" statt "Goaß", "Hammel" statt
"Hamme", "Büffel" statt "Biffe" usw.).

Am auffälligsten ist die meist anerkennende Bedeutung von "Hund" im
Bairischen. "Has(e)" anerkennend und gleichzeitig ein wenig kritisch für
ein attraktives, aber nicht unbedingt reifes weibliches Wesen hat sich
vielleicht vom Bairischen ins Deutsche verbreitet. "Hammel" ist im
Deutschen eher ein dummer oder dummdreister Mensch (blöder Hammel), im
Bairischen eher ein ungehobelter (gscherter Hammel).

Ähnliche Bedeutung haben in den beiden Sprachen: Rindvieh (eher
bairisch), Gans (eher deutsch).

Meines Wissens im Deutschen ungebräuchlich, aber im Bairischen häufig
sind: Hirsch, (Krampf-)Henne, Vogel, Sau, Wildsau, Geiß, Büffel,
Bißgurre (=bissige Stute), Ruach (=Krähe), Uhu (im Dt: Kauz), Protz
(=Kröte), Gockel, Urvieh.

Umgekehrt im Bairischen ungebräuchlicher als im Deutschen sind: Schaf,
Ziege, Kamel, (dumme) Kuh, Esel, Kauz, Schnepfe, Pute, (toller) Hecht,
(flotte) Biene.

Wir fanden es interessant, dass bei den vielen Bezeichnungen die
Überschneidungen so wenige sind.

Kommentare vom akademischen Malediktologen oder von allen anderen?

--
Helmut Richter

Detlef Meißner

unread,
May 7, 2017, 2:38:04 PM5/7/17
to
Ja nun, wo gab es denn in Bayern Esel oder Hecht?

Vermutlich sind die Überschneidungen mit Österreich größer.

Detlef

Reinhold {Rey} Aman

unread,
May 7, 2017, 9:49:59 PM5/7/17
to
Helmut Richter schrieb:
>
> In vielen Sprachen werden Tiernamen für Menschen verwendet, meist
> pejorativ, manchmal anerkennend. So auch im Deutschen und im
> Bairischen, und zwar sehr verschieden. Meine Frau und ich haben das
> vor ein paar Wochen diskutiert, und der malediktologische Thread
> hat mich jetzt daran erinnert. Ich verwende im Folgenden die
> deutsche Schreibung für bairische Wörter, wenn es eine gibt ("Geiß"
> statt "Goaß", "Hammel" statt "Hamme", "Büffel" statt "Biffe" usw.).
>
> Am auffälligsten ist die meist anerkennende Bedeutung von "Hund"
> im Bairischen. "Has(e)" anerkennend und gleichzeitig ein wenig
> kritisch für ein attraktives, aber nicht unbedingt reifes
> weibliches Wesen hat sich vielleicht vom Bairischen ins Deutsche
> verbreitet. "Hammel" ist im Deutschen eher ein dummer oder
> dummdreister Mensch (blöder Hammel), im Bairischen eher ein
> ungehobelter (gscherter Hammel).
>
> Ähnliche Bedeutung haben in den beiden Sprachen: Rindvieh (eher
> bairisch), Gans (eher deutsch).
>
"Gans" ist im Niederbayrischen durchaus üblich. 1: eine dumme,
beschränkte Frau; 2: eine eingebildete, dünkelhafte Frau.
>
> Meines Wissens im Deutschen ungebräuchlich, aber im Bairischen
> häufig sind: Hirsch, (Krampf-)Henne, Vogel, Sau, Wildsau, Geiß,
> Büffel, Bißgurre (=bissige Stute), Ruach (=Krähe), Uhu (im Dt:
> Kauz), Protz (=Kröte), Gockel, Urvieh.
>
> Umgekehrt im Bairischen ungebräuchlicher als im Deutschen sind:
> Schaf,
>
Schaferl (kleines oder junges Schaf): leicht abfällig, etwa
"Dummerchen"; nur Mädchen und junge Frauen.
>
> Ziege, Kamel,
>
"Kaméj" ist durchaus gebräuchlich.
>
> (dumme) Kuh,
>
"Kua" (dumme, blède, wamperte, dèpperte) ist durchaus gebräuchlich.
>
> Esel, Kauz, Schnepfe,
>
"Schnèpfan": liederliche, unsittliche Frau; Hure. Durchaus gebräuchlich.
>
> Pute, (toller) Hecht,
>
"dàmmischa Hecht" hab ich schon gehört. Bedeutet das gleiche wie
"dàmmischa / schbinnada Daife" (= verrückter Teufel).
>
> (flotte) Biene.
>
> Wir fanden es interessant, dass bei den vielen Bezeichnungen die
> Überschneidungen so wenige sind.
>
> Kommentare vom akademischen Malediktologen oder von allen anderen?
>
Weitere (nieder)bayrische Tiernamen als Schimpfwörter, dt. und (nb.):

* Affe (Aff): wie im Deutschen.
* Bachratte (Båchratz): wie "Kanalratte" unten. Auch "unattraktives
Mädchen".
* Filzlaus (Fuizlaus): aufdringlicher, störend anhänglicher Mensch.
* Geiß (Goas): 1: einfältige, beschränkte Frau; 2: schmächtige,
schwächliche Frau.
* Geißbock (Goasboog): 1: junger, dummer Kerl; 2: herumtollender
Bursch.
* Gockel (Goggl): etwa "närrischer Kerl".
* Holzfuchs (Hoizfuchs = Waldfuchs): allgemein abfällig; etwa
"dummer Kerl"; auch "schadenfreudiger Kerl" und "stinkender Kerl".
* Kanalratte (Kanájratz): unsauberer, ungepflegter, unappetitlicher
Mann.
* Mops: Kerl, allgemein abwertend.
* Neidhammel (Naidhàmme): neidischer Kerl.
* Ratte (Ratz): allgemein abwertend; nicht wie dt. "gemein".
* Rhinozeros (Rinozarus): dummer, läppischer, ungeschickter,
langweiliger Mensch.
* Stängleinaffe (Stànglaff = Affe, der im Käfig auf einer kleinen
Stange sitzt): etwa "blöder Kerl".
* Stute (Schduaddn, Schduan): plumpe, grobknochige, schwerfällige,
träge oder dumme Frau.
* Trebernsau (Drèwansau): ordinäres, verwahrlostes Weibsbild.
* Wespe (der Wèps): unruhiger Mensch; einer, der sich nicht
stillhalten kann, der immer hin und her wetzt.
* Zuchtel (Zuchtl = Zuchtsau, Muttersau): sehr schmutzige, schlampige,
verwahrloste, ordinäre oder unsittliche Frau.

In meinem _Bayrisch-Österreichisches Schimpfwörterbuch_ sind noch
weitere zu finden: <http://aman.members.sonic.net/boes.html>.

~~~ Reinhold {"Wörter-Aktivist"} Aman ~~~

Frank Hucklenbroich

unread,
May 8, 2017, 2:44:26 AM5/8/17
to
Am Sun, 7 May 2017 20:31:08 +0200 schrieb Helmut Richter:

> In vielen Sprachen werden Tiernamen für Menschen verwendet, meist
> pejorativ, manchmal anerkennend. So auch im Deutschen und im Bairischen,
> und zwar sehr verschieden. Meine Frau und ich haben das vor ein paar
> Wochen diskutiert, und der malediktologische Thread hat mich jetzt daran
> erinnert. Ich verwende im Folgenden die deutsche Schreibung für
> bairische Wörter, wenn es eine gibt ("Geiß" statt "Goaß", "Hammel" statt
> "Hamme", "Büffel" statt "Biffe" usw.).

Bei den Schwaben als Beleidigung noch der Dackel, oder als Steigerung der
"Halbdackel".

Grüße,

Frank

Ulf.K...@web.de

unread,
May 8, 2017, 10:22:37 AM5/8/17
to
Moin,

Moin,

Am Sonntag, 7. Mai 2017 20:30:25 UTC+2 schrieb Helmut Richter:

> Meines Wissens im Deutschen ungebräuchlich, aber im Bairischen häufig
> sind: Hirsch, (Krampf-)Henne, Vogel, Sau, Wildsau, Geiß, Büffel,
> Bißgurre (=bissige Stute), Ruach (=Krähe), Uhu (im Dt: Kauz),

Das ist, sagt http://www.das-tierlexikon.de/eigentliche-eulen-photos.htm
wohl deswegen keine Entsprechung, weil das Hochdeutsche neben
den Uhus auch Käuze kennt.

Oder heißen die im Bairischen dann alle Uhu?

Gruß, ULF

Helmut Richter

unread,
May 8, 2017, 10:41:27 AM5/8/17
to
Keine Ahnung, welche Bezeichnungen üblich und welche Importe sind.

Das (= ...) bei den anderen Wörtern bedeutet eine Übersetzung. Das (im
Dt: ...) beim Uhu bedeutet eine Entsprechung der auf Menschen
übertragenen Bezeichnung: "gspinnerter Uhu" ist ungefähr "komischer Kauz".

--
Helmut Richter

Aleks Holub

unread,
May 8, 2017, 1:50:01 PM5/8/17
to
Ich verwende beide Ausdrücke, jedoch völlig unterschiedlich:

"Jetz gib amoi a Ruah, du gschpinnerter Uhu!" sage ich z.B. zu meinem
Enkel, wenn er mal wieder aufgedreht plappernd durch die Wohnung springt.

Ein komischer Kauz ist mein Nachbar, der seine alten Zeitungen nach
Datum sortiert, bevor er sie in die Altpapiertonne wirft. Den würde ich
aber nie direkt mit "du komischer Kauz" ansprechen. Auch sonst niemanden.

Reinhold {Rey} Aman

unread,
May 13, 2017, 5:50:44 PM5/13/17
to
Helmut Richter schrieb am 7. Mai 2017:
>
> Kommentare vom akademischen Malediktologen oder von allen anderen?
>
Ich verschwendete mehr als eine Stunde, um Helmuts Post ausführlich zu beantworten.

Reaktion? Null.

Oder, wie wir alten Bayern resigniert seufzen: "Gej, då kamma håid nix
macha. Kõã Griaß de Good, kõã Pfiat de Good, kõã Lègg me am Ååsch - går nix."

Ralf Joerres

unread,
May 23, 2017, 5:11:03 AM5/23/17
to
Am Montag, 8. Mai 2017 03:49:59 UTC+2 schrieb Reinhold {Rey} Aman:
> Helmut Richter schrieb:

Sehr interessante Beiträge. Die Bedeutungen dieser Tiermetaphern
sind nicht so klar umrissen. Ich füge mal kurz hier und da was an aus
Sicht eines Ruhrmenschen.

> >
> > In vielen Sprachen werden Tiernamen für Menschen verwendet, meist
> > pejorativ, manchmal anerkennend. So auch im Deutschen und im
> > Bairischen, und zwar sehr verschieden. Meine Frau und ich haben das
> > vor ein paar Wochen diskutiert, und der malediktologische Thread
> > hat mich jetzt daran erinnert. Ich verwende im Folgenden die
> > deutsche Schreibung für bairische Wörter, wenn es eine gibt ("Geiß"
> > statt "Goaß", "Hammel" statt "Hamme", "Büffel" statt "Biffe" usw.).
> >
> > Am auffälligsten ist die meist anerkennende Bedeutung von "Hund"

... hatte ich mal gelesen als 'a Hund is er scho', bei uns ungebräuch-
lich, eher als 'Schuft', was inzwischen auch komplett out ist, oder
noch in 'krummer Hund'

> > im Bairischen. "Has(e)" anerkennend und gleichzeitig ein wenig
> > kritisch für ein attraktives, aber nicht unbedingt reifes
> > weibliches Wesen hat sich vielleicht vom Bairischen ins Deutsche
> > verbreitet.

Ich glaube, Hape Kerkeling als Horst Schlämmer hat das gerne benutzt.

"Hammel" ist im Deutschen eher ein dummer oder
> > dummdreister Mensch (blöder Hammel), im Bairischen eher ein
> > ungehobelter (gscherter Hammel).

sagen wir nicht

> >
> > Ähnliche Bedeutung haben in den beiden Sprachen: Rindvieh (eher
> > bairisch)

bei uns tatsächlich ungebräuchlich, wird aber sofort verstanden

> > Gans (eher deutsch).
> >
> "Gans" ist im Niederbayrischen durchaus üblich. 1: eine dumme,
> beschränkte Frau; 2: eine eingebildete, dünkelhafte Frau.

kenn ich als 'dumme Gans', Heinz Erhardt nannte das mal
'großer weißer Vogel'

> >
> > Meines Wissens im Deutschen ungebräuchlich, aber im Bairischen
> > häufig sind: Hirsch, (Krampf-)Henne, Vogel

'Vogel' ist bei uns stark abwertend: 'Der Vogel soll nur kommen!',
im Plural geht das bei uns Richtung 'blödes Pack'

> > Sau, Wildsau

bei uns auch gerne 'Pottsau', und natürlich 'Drecksau' und in allen
möglichen Zusammensetzungen à la 'Saupreiß, japanischer', z.B.
Saubande, Saukerl usw.

> > Geiß

hier auch Hippe, inzwischen weitgehend außer Gebrauch, kann vielleicht
'zickig' bedeuten, für mich eher für eine 'knochige Frau' ein
'Knochengestell'

> > Büffel, Bißgurre (=bissige Stute), Ruach (=Krähe)

'Krähe' kommt für mich eher gehoben, für 'hässliche Frau' oder eine,
die bewusst nicht attraktiv sein will, wie die eine oder andere
Feministin in früheren Zeiten

> > Uhu (im Dt: Kauz)

nur als 'komischer Kauz', also kauzig, schrullig

> > Protz (=Kröte)

für mich hochsprachlich für 'Neureicher' und in Zusammensetzungen
'Protzkarre', hat wohl mit einer bairischen Kröte nix zu tun

> > Gockel

= Schönling, Geck, oder einer, der herumbalzt, eher hochsprachlich

> > Urvieh.
> >
> > Umgekehrt im Bairischen ungebräuchlicher als im Deutschen sind:
> > Schaf,
> >
> Schaferl (kleines oder junges Schaf): leicht abfällig, etwa
> "Dummerchen"; nur Mädchen und junge Frauen.

Schäfchen, kann hinkommen mit dem Bezug eher auf Frauen, sone Art
weiblicher Naivling, Neusprech Naivlingin

> >
> > Ziege

s.o.

> > Kamel,
> >
> "Kaméj" ist durchaus gebräuchlich.

in erster Linie dumm, aber auch trampelig, siehe Trampeltier

> >
> > (dumme) Kuh

'blöde Kuh' ist bei uns jede Frau, über die man sich - ggf. auch
ganz kurzzeitig - ärgert

> >
> "Kua" (dumme, blède, wamperte, dèpperte) ist durchaus gebräuchlich.
> >
> > Esel

= dumm, auch stur (will es nicht begreifen)

> > Kauz, Schnepfe,
> >
> "Schnèpfan": liederliche, unsittliche Frau; Hure. Durchaus gebräuchlich.

'Schnepfe' geht für mich ausschließlich in Richtung 'Spinatwachtel' auch
'Flittchen' oder 'Betthäschen' bin ich da noch nie gekommen

> >
> > Pute

ja, auch 'dumme Pute'

> > (toller) Hecht,

hält sich für sonstwen, Angeber

> >
> "dàmmischa Hecht" hab ich schon gehört. Bedeutet das gleiche wie
> "dàmmischa / schbinnada Daife" (= verrückter Teufel).
> >
> > (flotte) Biene.

ist (noch) bekannt, heute eher 'heißer Feger'

> >
> > Wir fanden es interessant, dass bei den vielen Bezeichnungen die
> > Überschneidungen so wenige sind.
> >
> > Kommentare vom akademischen Malediktologen oder von allen anderen?
> >
> Weitere (nieder)bayrische Tiernamen als Schimpfwörter, dt. und (nb.):
>
> * Affe (Aff): wie im Deutschen.
> * Bachratte (Båchratz): wie "Kanalratte" unten. Auch "unattraktives
> Mädchen".

unbekannt

> * Filzlaus (Fuizlaus): aufdringlicher, störend anhänglicher Mensch.

auch einer, der anderen mit unlauteren Methoden nachspioniert

> * Geiß (Goas): 1: einfältige, beschränkte Frau; 2: schmächtige,
> schwächliche Frau.
> * Geißbock (Goasboog): 1: junger, dummer Kerl; 2: herumtollender
> Bursch.
> * Gockel (Goggl): etwa "närrischer Kerl".

s.o.

> * Holzfuchs (Hoizfuchs = Waldfuchs): allgemein abfällig; etwa
> "dummer Kerl"; auch "schadenfreudiger Kerl" und "stinkender Kerl".
> * Kanalratte (Kanájratz): unsauberer, ungepflegter, unappetitlicher
> Mann.

schmieriger Typ, die Sorte Kleindealer, ungewaschen

> * Mops: Kerl, allgemein abwertend.

dicklich, Pfannkuchengesicht, kurzatmig

> * Neidhammel (Naidhàmme): neidischer Kerl.

ja

> * Ratte (Ratz): allgemein abwertend; nicht wie dt. "gemein".

gerissen, link, arbeitet unauffällig, reitet krumme Touren

> * Rhinozeros (Rinozarus): dummer, läppischer, ungeschickter,
> langweiliger Mensch.

hamwa nich, wenn, wär's für mich eher plump, grob, trampelig,
vielleicht noch hornochsig

> * Stängleinaffe (Stànglaff = Affe, der im Käfig auf einer kleinen
> Stange sitzt): etwa "blöder Kerl".

Affe auf dem Schleifstein siehe Redenartenindex

> * Stute (Schduaddn, Schduan): plumpe, grobknochige, schwerfällige,
> träge oder dumme Frau.

kann sein, vielleicht gibt's auch ne 'bissige Stute'

> * Trebernsau (Drèwansau): ordinäres, verwahrlostes Weibsbild.
> * Wespe (der Wèps): unruhiger Mensch; einer, der sich nicht
> stillhalten kann, der immer hin und her wetzt.

wäre bei uns eher eine 'Hummel'

> * Zuchtel (Zuchtl = Zuchtsau, Muttersau): sehr schmutzige, schlampige,
> verwahrloste, ordinäre oder unsittliche Frau.
>
> In meinem _Bayrisch-Österreichisches Schimpfwörterbuch_ sind noch
> weitere zu finden: <http://aman.members.sonic.net/boes.html>.

Bei uns gibt's auch noch welche, aber die kommen mir immer so
zwischendurch, ich kann die nicht auf Knopfdruck abrufen. Viele sind
'gemeinsprachlich' lexikalisiert und mehr oder weniger klischeehaft
(geiler Bock, falsche Schlange, fleißige Biene), manche wenig
verbreitet (Elefantenküken).

Gruß Ralf Joerres

Ulf.K...@web.de

unread,
May 23, 2017, 5:37:16 AM5/23/17
to
Moin,

Am Dienstag, 23. Mai 2017 11:11:03 UTC+2 schrieb Ralf Joerres:

> > > Am auffälligsten ist die meist anerkennende Bedeutung von "Hund"
>
> ... hatte ich mal gelesen als 'a Hund is er scho', bei uns ungebräuch-
> lich, eher als 'Schuft',

Lese das wie: "Setzt unsaubere Mittel ein, aber das Ergebnis
läßt sich sehen."

> was inzwischen auch komplett out ist, oder
> noch in 'krummer Hund'

Das ist nun wirklich pejorativ.

Gruß, ULF

Helmut Richter

unread,
May 26, 2017, 5:47:31 AM5/26/17
to
Am 23.05.2017 um 11:11 schrieb Ralf Joerres:

> Am Montag, 8. Mai 2017 03:49:59 UTC+2 schrieb Reinhold {Rey} Aman:

Erst mal vielen Dank für die ausführlichen Antworten.

>> Helmut Richter schrieb:
>
> Sehr interessante Beiträge. Die Bedeutungen dieser Tiermetaphern
> sind nicht so klar umrissen. Ich füge mal kurz hier und da was an aus
> Sicht eines Ruhrmenschen.

Ich habe sicher unterschätzt, wie divers der Gebrauch sowohl in den
verschiedenen Regionen des bairischen Sprachraums als auch außerhalb
ist. Daher müsste man eher eine gründliche Unersuchung anstellen, wenn
man die Zeit dazu hat. Deswegen auch der Bezug auf Rey Aman, der in
einem Interview gesagt hat: "Da kam der Satz vor: »Ich schlage dir
gleich mit dem Kochlöffel um die Ohren, du Affe!« Und ich dachte: Warum
nennt man eigentlich jemanden einen Affen? Und welche Tiere werden noch
als Schimpfwörter benutzt? Ich hatte dann schnell eine Sammlung von 25
Tiermetaphern zusammen. Damit fing alles an."
(http://sz-magazin.sueddeutsche.de/texte/anzeigen/36713/4/1) So einer
muss doch die Untersuchung fertig aus dem Ärmel ziehen, habe ich gedacht.

Ausgangspunkt war die Beobachtung, dass manche Metaphern eben typisch
bairisch sind und ohne Erklärung woanders nicht verstanden werden. Zum
Beispiel "a Hund is a scho", was ich gemeindeutsch als "er hat es
faustdick hinter den Ohren" wiedergeben würde -- hinsichtlich der
eingesetzten Schläue anerkennend, hinsichtlich der Ethik vielleicht
auch, vielleicht aber auch kritisch.

Ein anderes Beispiel wäre die Selbstbezichtigung, wenn man einen
vermeidbaren Fehler gemacht hat. Man könnte nördlich von Bayern
vielleicht sagen "Ich bin vielleicht ein Schaf!", aber in Bayern habe
ich es noch nie so gehört; dort sagt man eher "Mei, bin ich ein Hirsch!"

Von den folgenden kommentiere ich nur einige.

>>> Gans (eher deutsch).
>>>
>> "Gans" ist im Niederbayrischen durchaus üblich. 1: eine dumme,
>> beschränkte Frau; 2: eine eingebildete, dünkelhafte Frau.

Deswegen bei den gemeinsamen Metaphern mit "eher" statt
"ausschließlich". Vielleicht kommts auch genauso häufig vor wie
anderswo, je nachdem wo anderswo ist.

> kenn ich als 'dumme Gans', Heinz Erhardt nannte das mal
> 'großer weißer Vogel'

Für eine Untersuchung müsste man bei allen Tiernamen noch trennen:
- das Wort (der Tiername) allein
- eine Adjektiv-Substantiv-Verbindung, die ohne Adjektiv unidiomatisch
wirkt. Wo sagt man "Gans" ohne Adjektiv? Was ist ein "Uhu" im Bairischen
ohne das Adjektiv "gspinnat"?
- eine Metapher, die mit "wie" angeschlossen wird ("der frisst wie ein
Schwein", was ja eine Beleidigung der Schweine ist)

>>> Meines Wissens im Deutschen ungebräuchlich, aber im Bairischen
>>> häufig sind: Hirsch, (Krampf-)Henne, Vogel
>
> 'Vogel' ist bei uns stark abwertend: 'Der Vogel soll nur kommen!',
> im Plural geht das bei uns Richtung 'blödes Pack'

Ein Vogel ist im Bairischen meist ein liebenswerter leicht exzentrischer
Mensch, ein Original. Kann sein, dass es weitere Bedeutungen gibt.

>>> Sau, Wildsau
>
> bei uns auch gerne 'Pottsau', und natürlich 'Drecksau' und in allen
> möglichen Zusammensetzungen à la 'Saupreiß, japanischer', z.B.
> Saubande, Saukerl usw.

Die "Wildsau" würde ich eher mit brachialem Benehmen ("Elefant im
Porzellanladen") assoziieren als mit Dreck. Wobei letzteres auf Wildsäue
gar nicht zutrifft und auf Hausschweine hauptsächlich wegen der
unmensch... äääh unschweinischen Haltungsbedingungen.

>>> Büffel, Bißgurre (=bissige Stute), Ruach (=Krähe)
>
> 'Krähe' kommt für mich eher gehoben, für 'hässliche Frau' oder eine,
> die bewusst nicht attraktiv sein will, wie die eine oder andere
> Feministin in früheren Zeiten

Der Ruach (m) ist ein Geizhals oder Abzocker. Ich nehme an, dass viele
Bairischsprecher nicht wissen, dass es ein Tiername ist, sondern nur die
übertragene Bedeutung kennen.

>>> Uhu (im Dt: Kauz)
>
> nur als 'komischer Kauz', also kauzig, schrullig

und analog nur als "gspinnater Uhu", was jedenfalls eine
Bedeutungsüberlappung mit "komischer Kauz" hat, wenn auch nicht
deckungsgleich ist.

>>> Umgekehrt im Bairischen ungebräuchlicher als im Deutschen sind:
>>> Schaf,
>>>
>> Schaferl (kleines oder junges Schaf): leicht abfällig, etwa
>> "Dummerchen"; nur Mädchen und junge Frauen.
>
> Schäfchen, kann hinkommen mit dem Bezug eher auf Frauen, sone Art
> weiblicher Naivling, Neusprech Naivlingin

Aber ein ausgewachsenes Schaf ohne Adjektiv käme mir unbairisch vor.

>>> Kommentare vom akademischen Malediktologen oder von allen anderen?
>>>
>> Weitere (nieder)bayrische Tiernamen als Schimpfwörter, dt. und (nb.):
>>
>> * Affe (Aff): wie im Deutschen.
>> * Bachratte (Båchratz): wie "Kanalratte" unten. Auch "unattraktives
>> Mädchen".
>> * Filzlaus (Fuizlaus): aufdringlicher, störend anhänglicher Mensch.
>> * Kanalratte (Kanájratz): unsauberer, ungepflegter, unappetitlicher
>> Mann.
>> * Mops: Kerl, allgemein abwertend.
>> * Ratte (Ratz): allgemein abwertend; nicht wie dt. "gemein".
>> * Rhinozeros (Rinozarus): dummer, läppischer, ungeschickter,
>> langweiliger Mensch.
>> * Stängleinaffe (Stànglaff = Affe, der im Käfig auf einer kleinen
>> Stange sitzt): etwa "blöder Kerl".
>> * Trebernsau (Drèwansau): ordinäres, verwahrlostes Weibsbild.
>> * Wespe (der Wèps): unruhiger Mensch; einer, der sich nicht
>> stillhalten kann, der immer hin und her wetzt.
>> * Zuchtel (Zuchtl = Zuchtsau, Muttersau): sehr schmutzige, schlampige,
>> verwahrloste, ordinäre oder unsittliche Frau.

Nicht alle kenne ich aus dem täglichen Leben hier, aber das ist ja auch
nicht zu erwarten. Den Weps kenne ich metaphorisch nur als Adjektiv
"wepsig" (hektisch).

So viel für heute.

--
Helmut Richter

Andreas Karrer

unread,
May 27, 2017, 6:30:43 PM5/27/17
to
* Helmut Richter <hh...@web.de>:

> Der Ruach (m) ist ein Geizhals oder Abzocker. Ich nehme an, dass viele
> Bairischsprecher nicht wissen, dass es ein Tiername ist, sondern nur die
> übertragene Bedeutung kennen.

Das Wort gibt es auch bei uns (CH). Lt. Schweizerischem Idiotikon ist
ein Ruech eine Krähenart und auch ein Wasservogel, Kormoran,
Haubentaucher oder so etwas.

Das Wort ist aber selten; es fällt mir nur eine Frau ein, die das
gelegentlich benutzt; die ist knapp 90 und hat leider so gut wie kein
Kurzzeitgedächtnis mehr. Aber über Wörter, die sie seit langem
kennt, kann sie sicher noch Auskunft geben.

Ich hatte immer angenommen, dass es von "ruuch" (rauh) abgeleitet sei,
und folglich einen rohen, bösartiger Kerl bezeichne.

Wwg.

- Andi

Ralf Joerres

unread,
May 30, 2017, 3:29:48 AM5/30/17
to
Am Freitag, 26. Mai 2017 11:47:31 UTC+2 schrieb Helmut Richter:

Danke für die Nachträge. Auch mir war noch eingefallen:
'Spinatwachtel' vielleicht für 'alte Schachtel', der Duden meint
'komische Alte', kann hinkommen; unser Regional-Mitmachwörterbuch
meint sinngemäß einfach 'abwertend für Frau', aber auf jüngere
Frauen würde ich das Wort nicht anwenden

'Hornochse': in etwas das, was man bis vor kurzem als 'Vollhorst' bezeichnet
hätte, früher auch 'Blödian'; ist für mich eine Kommentierung der Dummheit
eines Verhaltens, kein Wesenszug

'Riesenross': trampeliger Einfaltspinsel

'Zimtzicke': unser Regionalwörterbuch sagt 'schnippische Frau', auch
allgemein abwertend für Frau

'Sumpfkuh': Mal von einem Senior gelernt, der als Kind in der Landwirt-
schaft gearbeitet hatte, dass Kühe ursprünglich (als Auerochsen) Sumpf-
landbewohner sind. Ist selten, kann wohl wie 'blöde Kuh' verwendet werden,
also als Allround-Beschimpfung.

Gruß Ralf Joerres
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