Am Mon, 9 Jan 2012 00:14:50 +0100 schrieb Peter J. Holzer:
[Mitvergangenheit]
> Diese Erklärung scheint mir etwas an den Haaren herbeigezogen. Die
> Mitvergangenheit wird keineswegs nur bei solchen Gegenüberstellungen
> verwendet, sondern bei allen vergangenen Tätigkeiten ohne direkte
> Auswirkungen auf die Gegenwart. Man könnte natürlich argumentieren, dass
> in einer Geschichte (die typischerweise in der Mitvergangenheit erzählt
> wird) jede Tätigkeit einer anderen "gleichzeitig ist, nachfolgt oder
> vorangeht", aber bei so weiter Auslegung blieben für die Vergangenheit
> nur noch isolierte Sätze übrig. Entweder der Sprachgebrauch hat sich
> seit 1833 sehr gewandelt, oder da hat jemand eine hübsch klingende Regel
> erfunden, ohne sich von der Realität irritieren zu lassen.
Der Deutlichkeit halber zitiere ich mal die ganze Stelle (die
_unterstrichenen_ Begriffe sind im Original g e s p e r r t gedruckt):
"§. 15. Abwandlung der Zeitwörter.
Die Zeitwörter werden abgewandelt durch:
[...]
B. Die _Zeitformen_, durch welche die Zeit der ausgesagten Thätigkeit
bezeichnet wird (§. 12). Nur zwei Zeitformen werden durch die Abwandlung
des Zeitwortes selbst gebildet; alle andern Zeitformen werden vermittelst
der Formwörter _haben_, _sein_ und _werden_ gebildet, und werden
_zusammengesetzte Zeitformen_ genannt.
Die Zeitformen sind:
a. Die _Gegenwart_ (Präsens). Sie bezeichnet, daß die Thätigkeit für den
Sprechenden in der Zeit gegenwärtig ist.
Beisp. Das Kind _schläft_. Er _lieset_ den Brief. Ich _schreibe_ einen
Brief. Er _kleidet_ sich an.
b. Drei Zeitformen der _Vergangenheit_, welche bezeichnen, daß die
Thätigkeit der Gegenwart des Sprechenden vorangegangen ist, nämlich:
aa. Die (einfache) _Vergangenheit_ (Perfekt). Sie bezeichnet, daß die
Thätigkeit ohne Beziehung auf eine andere Thätigkeit vergangen ist.
Beisp. Das Kind _hat geschlafen_. Ich _habe_ den Brief _gelesen_. Ich
_habe_ einen Brief _geschrieben_. Er _hat_ sich _angekleidet_.
bb. Die _Mitvergangenheit_ (Imperfekt). Sie bezeichnet, daß die Thätigkeit
einer andern ebenfalls vergangenen Thätigkeit gleichzeitig war, oder ihr
nachfolgte oder voranging.
Beisp. Während das Kind _schlief_, _las_ er den Brief. Als er sich
_ankleidete_, _schrieb_ ich. Nachdem er den Brief gelesen
hatte, _schrieb_ er. Man _schrieb_ Bücher, ehe man Bücher _druckte_.
cc. Die _Vorvergangenheit_ (Plusquamperfekt). Sie bezeichnet, daß die
Thätigkeit einer andern ebenfalls vergangenen Thätigkeit vorangegangen ist.
Beisp. Nachdem er den Brief _gelesen hatte_, schlief er ein. Als er
_ausgeschlafen hatte_, schrieb er einen Brief. Als due noch schliefest,
_hatte_ ich mich schon _angekleidet_.
c. Zwei Zeitformen der _Zukunft_ nämlich:
aa. Die (einfache) _Zukunft_ (das Futur). Sie bezeichnet, daß die
Thätigkeit der Gegenwart des Sprechenden nachfolgenden wird, ohne eine
Beziehung auf eine andere Thätigkeit auszudrücken.
Beisp. Das Kind _wird schlafen_. Du _wirst_ den Brief _lesen_. Ich _werde_
bald _schreiben_. Er _wird_ sich _ankleiden_.
bb. Die _Vorzukunft_ (das Futurum exaktum). Sie bezeichnet zugleich, daß
die Thätigkeit einer andern ebenfalls zukünftigen Thätigkeit wird
vorangegangen sein.
Beisp. Wernn er kommt, _wirst_ du _ausgeschlafen haben_. Wenn ich werde
den Brief _gelesen haben_, werde ich antworten. Ich _werde_ mich
_angekleidet haben_, ehe du aufstehst.
Alle diese Formen finden sich in der Wirklichkeitsform."
Bevor jemand nachfragt: Ich habe mich bei dem Beispielsatz "Wenn ich werde
den Brief gelesen haben, werde ich antworten." nicht vertippt.
Gruß
Manfred.