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Bedeutung von 'aufgekratzt'

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Ralf Joerres

unread,
Nov 7, 2016, 9:05:01 AM11/7/16
to
Bei Dudens lese ich in der Synonym-Ecke zu 'aufgekratzt'
lauter Wörter wie - ich das ein oder andere lasse ich
weg - :

angeregt, animiert, ausgelassen, fröhlich, in Stimmung,
lebhaft, lustig, munter, vergnügt; (umgangssprachlich)
[mops]fidel; (umgangssprachlich emotional) quietschfidel;
(umgangssprachlich scherzhaft) feuchtfröhlich

Das deckt sich nicht mit 'meiner' Bedeutung von 'aufgekratzt'.

Wenn ich eine Art Gegentest mit dict.cc mache, und dort
die englischen Übersetzungen von 'aufgekratzt' in Deutsch
zurückübersetzten lasse, bekomme ich:

in high spirits = beschwingt, in gehobener Stimmung, auf-
gedreht, ausgelassen, in Hochstimmung

cheerful = fröhlich, heiter, gut gelaunt, aufgeräumt,
munter, gut aufgelegt ...

full of beans = putzmunter, springlebendig, voller
Tatendrang ...

chipper = putzmunter, aufgeweckt, quietschfidel, munter ...

Irgendwie muss ich dann wohl das Wort in den falschen
Hals bekommen haben. Wie seht ihr das?

Grüße: Ralf Joerres

Detlef Meißner

unread,
Nov 7, 2016, 9:16:23 AM11/7/16
to
Am 07.11.2016 um 15:05 schrieb Ralf Joerres:
> Bei Dudens lese ich in der Synonym-Ecke zu 'aufgekratzt'
> lauter Wörter wie - ich das ein oder andere lasse ich
> weg - :
>
> angeregt, animiert, ausgelassen, fröhlich, in Stimmung,
> lebhaft, lustig, munter, vergnügt; (umgangssprachlich)
> [mops]fidel; (umgangssprachlich emotional) quietschfidel;
> (umgangssprachlich scherzhaft) feuchtfröhlich
>
> Das deckt sich nicht mit 'meiner' Bedeutung von 'aufgekratzt'.

Und was verstehst du darunter?
>
> Wenn ich eine Art Gegentest mit dict.cc mache, und dort
> die englischen Übersetzungen von 'aufgekratzt' in Deutsch
> zurückübersetzten lasse, bekomme ich:
>
> in high spirits = beschwingt, in gehobener Stimmung, auf-
> gedreht, ausgelassen, in Hochstimmung
>
> cheerful = fröhlich, heiter, gut gelaunt, aufgeräumt,
> munter, gut aufgelegt ...
>
> full of beans = putzmunter, springlebendig, voller
> Tatendrang ...
>
> chipper = putzmunter, aufgeweckt, quietschfidel, munter ...
>
> Irgendwie muss ich dann wohl das Wort in den falschen
> Hals bekommen haben. Wie seht ihr das?
>
Das wird wohl so sein.

Detlef

Lars Bräsicke

unread,
Nov 7, 2016, 9:56:50 AM11/7/16
to
Am 07.11.2016 um 15:05 schrieb Ralf Joerres:
> Bei Dudens lese ich in der Synonym-Ecke zu 'aufgekratzt'
> lauter Wörter wie - ich das ein oder andere lasse ich
> weg - :
>
> angeregt, animiert, ausgelassen, fröhlich, in Stimmung,
> lebhaft, lustig, munter, vergnügt; (umgangssprachlich)
> [mops]fidel; (umgangssprachlich emotional) quietschfidel;
> (umgangssprachlich scherzhaft) feuchtfröhlich
>
> Das deckt sich nicht mit 'meiner' Bedeutung von 'aufgekratzt'.

Welche wäre das?

Für mich ist "aufgekratzt" nicht nur "angeregt" etc., sondern schon
etwas over the top.

Walter Schmid

unread,
Nov 7, 2016, 10:19:41 AM11/7/16
to
Für mich ist "aufgekratzt" weniger, es ist eine Stufe höher als
"müde", aber unterhalb von "angeregt".

Was soll man denn anderes aufkratzen als die Müdigkeit?


Gruss

Walter

--
Religionsfreiheit ist die Freiheit zur Geschlechterapartheid,
und damit zur Versklavung der halben Menschheit.

Ralf Joerres

unread,
Nov 7, 2016, 10:26:45 AM11/7/16
to
Am Montag, 7. November 2016 15:16:23 UTC+1 schrieb Detlef Meißner:
> Am 07.11.2016 um 15:05 schrieb Ralf Joerres:

> Und was verstehst du darunter?

Für mich bedeutete es bislang 'aufgedreht, überdreht, wie angekokst,
wie aufgezogen, vor lauter Aufgeregtheit nicht einschlafen können',
und es geht ein wenig in die Richtung von 'hysterisch'. 'Mein'
'aufgekratzt' ist deutlich negativ.

Gruß Ralf Joerres

Frank Hucklenbroich

unread,
Nov 7, 2016, 10:33:24 AM11/7/16
to
Ich kenne es durchaus auch in positiver Verwendung, vor allem bei Leuten,
die sonst eher still und introvertiert sind, bei einer bestimmten
Gelegenheit aber auf einmal sehr gesprächig, kommunikativ, gesellig,
aufgekratzt eben.

Grüße,

Frank

Walter Schmid

unread,
Nov 7, 2016, 12:27:36 PM11/7/16
to
Welche Substanz wird denn bei Dir aufgekratzt, dass man ohne
Weiteres in Euphorie landet? Für mich ist es der Sand in den
Augen am Morgen oder das Restessen, das noch an der Pfanne klebt.

Ralf Joerres

unread,
Nov 7, 2016, 12:32:29 PM11/7/16
to
Ja, kann ich mir vorstellen, so quasi 'wie ausgewechselt', durch die
Situation bei ihnen das Eis gebrochen. Aber Du meinst schon so etwas
wie 'normal ist der/die ganz anders, so kenne ich ihn/sie sonst gar
nicht', oder? Dann würde ich 'aufgekratzt' dennoch als 'nicht-normal',
vielleicht sogar 'künstlich aufgeregt' unter meine alte Bedeutung
subsumiert haben, wenn mir das jemand so erzählt hätte, und ich hätte
gar nicht gemerkt, dass er eigentlich ein ganz entspanntes
'Aufgemuntert-Sein' gemeint hätte.

Ich frag mich halt schon, wieso sich diese Negativbedeutung bei mir
verfestigt hat, wenn das Wort auch, vielleicht sogar überwiegend,
positiv verwendet wird.

Gruß Ralf Joerres

Detlef Meißner

unread,
Nov 7, 2016, 12:36:45 PM11/7/16
to
Am 07.11.2016 um 18:27 schrieb Walter Schmid:
> Am 07.11.2016 um 16:26 schrieb Ralf Joerres:
>> Am Montag, 7. November 2016 15:16:23 UTC+1 schrieb Detlef Meißner:
>>> Am 07.11.2016 um 15:05 schrieb Ralf Joerres:
>>
>>> Und was verstehst du darunter?
>>
>> Für mich bedeutete es bislang 'aufgedreht, überdreht, wie angekokst,
>> wie aufgezogen, vor lauter Aufgeregtheit nicht einschlafen können',
>> und es geht ein wenig in die Richtung von 'hysterisch'. 'Mein'
>> 'aufgekratzt' ist deutlich negativ.
>
>
> Welche Substanz wird denn bei Dir aufgekratzt, dass man ohne
> Weiteres in Euphorie landet? Für mich ist es der Sand in den
> Augen am Morgen oder das Restessen, das noch an der Pfanne klebt.
>
Es *wird* nichts aufgekratzt (kein Essen, kein Pickel), man *ist*
aufgekratzt.

Detlef



Walter Schmid

unread,
Nov 7, 2016, 12:40:16 PM11/7/16
to
Zufällig kann ich ganz genau sagen, weshalb "aufgekratzt" für
mich positiv besetzt ist. Als Berufstätiger nahm ich abends
Klavierstunden, war aber immer zu müde, um dort wirklich gut
spielen zu können. Wozu die uralte Lehrerin bemerkte, sie sei am
Abend immer sehr aufgekratzt, sie spüre keine Müdigkeit am frühen
Abend. Das war vor 40 Jahren, das Wort hatte ich vorher nicht
gekannt. Vielleicht hast Du auch eine solche Geschichte, aber mit
negativem Beiklang.

Detlef Meißner

unread,
Nov 7, 2016, 12:40:44 PM11/7/16
to
Am 07.11.2016 um 18:32 schrieb Ralf Joerres:

> Ich frag mich halt schon, wieso sich diese Negativbedeutung bei mir
> verfestigt hat, wenn das Wort auch, vielleicht sogar überwiegend,
> positiv verwendet wird.
>
Nicht zwingend überwiegend.
Aufgekratzt sein kann auch bedeuten, dass man überdreht ist, nicht zur
Ruhe kommt, unter Stress steht.

Wenn ich z.B. abends auf eine Veranstaltung gehe, bin ich anschließend
aufgekratzt, finde lange keine Ruhe und kann nicht einschlafen, auch
wenn es schon sehr spät ist.

Kinder sind oft abends aufgekratzt, wenn sie länger als üblich
aufblieben. Wird bald häufig vorkommen.

Detlef




Walter Schmid

unread,
Nov 7, 2016, 12:42:00 PM11/7/16
to
Aber noch da! Sonst wäre man ausgekratzt.

René Marquardt

unread,
Nov 7, 2016, 1:42:42 PM11/7/16
to
On Monday, November 7, 2016 at 11:42:00 AM UTC-6, Walter Schmid wrote:
> Am 07.11.2016 um 18:36 schrieb Detlef Meißner:
> > Am 07.11.2016 um 18:27 schrieb Walter Schmid:
>
> >> Welche Substanz wird denn bei Dir aufgekratzt, dass man ohne
> >> Weiteres in Euphorie landet? Für mich ist es der Sand in den
> >> Augen am Morgen oder das Restessen, das noch an der Pfanne klebt.
> >>
> > Es *wird* nichts aufgekratzt (kein Essen, kein Pickel), man *ist*
> > aufgekratzt.
>
>
> Aber noch da! Sonst wäre man ausgekratzt.

Sicher wolltest du "abgekratzt" sagen.

Oliver Cromm

unread,
Nov 7, 2016, 2:56:28 PM11/7/16
to
* Detlef Meißner:
Die von Dir beschriebenen Umstände sind für mich die Bedeutung von
"aufgekratzt" schlechthin. Ich verstehe es also wohl so wie Ralf.

Daß es bei einem arg introvertierten Zeitgenossen als positiv
gelten kann, wenn er zur Abwechslung mal aufgekratzt ist, ändert
am Prinzip nichts. Das gleiche gälte beispielsweise auch für
"redselig", das ist trotzdem an sich negativ.

--
There are two ways of constructing a software design. One way is
to make it so simple that there are obviously no deficiencies.
And the other way is to make it so complicated that there are no
obvious deficiencies. The first method is far more difficult.
-- C. A. R. Hoare

Detlef Meißner

unread,
Nov 7, 2016, 2:59:47 PM11/7/16
to

Detlef Meißner

unread,
Nov 7, 2016, 3:01:44 PM11/7/16
to
Am 07.11.2016 um 20:56 schrieb Oliver Cromm:
> * Detlef Meißner:
>> Am 07.11.2016 um 18:32 schrieb Ralf Joerres:
>>
>>> Ich frag mich halt schon, wieso sich diese Negativbedeutung bei mir
>>> verfestigt hat, wenn das Wort auch, vielleicht sogar überwiegend,
>>> positiv verwendet wird.
>>>
>> Nicht zwingend überwiegend.
>> Aufgekratzt sein kann auch bedeuten, dass man überdreht ist, nicht zur
>> Ruhe kommt, unter Stress steht.
>>
>> Wenn ich z.B. abends auf eine Veranstaltung gehe, bin ich anschließend
>> aufgekratzt, finde lange keine Ruhe und kann nicht einschlafen, auch
>> wenn es schon sehr spät ist.
>>
>> Kinder sind oft abends aufgekratzt, wenn sie länger als üblich
>> aufblieben. Wird bald häufig vorkommen.
>
> Die von Dir beschriebenen Umstände sind für mich die Bedeutung von
> "aufgekratzt" schlechthin. Ich verstehe es also wohl so wie Ralf.
>
> Daß es bei einem arg introvertierten Zeitgenossen als positiv
> gelten kann, wenn er zur Abwechslung mal aufgekratzt ist, ändert
> am Prinzip nichts. Das gleiche gälte beispielsweise auch für
> "redselig", das ist trotzdem an sich negativ.
>
Nun, wenn eine Frau in aufgekratzter Stimmung ist, so kann das doch sehr
positiv sein. ;-)

Detlef

Ralf Joerres

unread,
Nov 7, 2016, 3:57:36 PM11/7/16
to
Am Montag, 7. November 2016 18:40:44 UTC+1 schrieb Detlef Meißner:
> Am 07.11.2016 um 18:32 schrieb Ralf Joerres:
>
> > Ich frag mich halt schon, wieso sich diese Negativbedeutung bei mir
> > verfestigt hat, wenn das Wort auch, vielleicht sogar überwiegend,
> > positiv verwendet wird.
> >
> Nicht zwingend überwiegend.
> Aufgekratzt sein kann auch bedeuten, dass man überdreht ist, nicht zur
> Ruhe kommt, unter Stress steht.
>
> Wenn ich z.B. abends auf eine Veranstaltung gehe, bin ich anschließend
> aufgekratzt, finde lange keine Ruhe und kann nicht einschlafen, auch
> wenn es schon sehr spät ist.

Jaja, dann sag ich dann auch z.B. 'aufgedreht'. Wenn kleine Kinder
sich z.B. bei Besuch vor den Fremden produzierten, konnte es heißen:
'Der is ja wie en Hullidöppken.' Wird wohl ein Familienjargon gewesen
sein, 'Hulldopp' sollte 'Heuldopp' bedeuten, eine rheinische
Variante von 'Brummkreisel, gemeint war aber eigentlich 'Pitschen-
dopp', in Wikipedia läuft der unter 'Peitschenkreisel'
( https://de.wikipedia.org/wiki/Peitschenkreisel ). Gemeint war
damit, das das Kind hochtourig dreht / überdreht ist, wie ein mit
der Schnur geschlagener Holzkreisel. Heute kann man noch gelegent-
lich hören, jemand 'läuft wie ein Döppken', also schnell und ohne
Probleme.

> Kinder sind oft abends aufgekratzt, wenn sie länger als üblich
> aufblieben. Wird bald häufig vorkommen.

Ja, vor allem die letzte Situation kenne ich noch gut aus meiner
Kindheit. Im Ruhrgebiet haben wir dafür ein Wort, wenn z.B.
andere Kinder bei uns geschlafen hatten und wir dann noch lange
wach waren und allerhand Spökes getrieben haben, dann nannten die
Erwachsenen das 'rumbandusen': 'Die Kurzen waren da noch bis halb
drei am rumbandusen.'

Grß Rlf Jrrs

Frank Hucklenbroich

unread,
Nov 8, 2016, 2:20:39 AM11/8/16
to
Am Mon, 7 Nov 2016 09:32:28 -0800 (PST) schrieb Ralf Joerres:

> Am Montag, 7. November 2016 16:33:24 UTC+1 schrieb Frank Hucklenbroich:
>> Am Mon, 7 Nov 2016 07:26:44 -0800 (PST) schrieb Ralf Joerres:
>>
>>> Am Montag, 7. November 2016 15:16:23 UTC+1 schrieb Detlef Meißner:
>>>> Am 07.11.2016 um 15:05 schrieb Ralf Joerres:
>>>
>>>> Und was verstehst du darunter?
>>>
>>> Für mich bedeutete es bislang 'aufgedreht, überdreht, wie angekokst,
>>> wie aufgezogen, vor lauter Aufgeregtheit nicht einschlafen können',
>>> und es geht ein wenig in die Richtung von 'hysterisch'. 'Mein'
>>> 'aufgekratzt' ist deutlich negativ.
>>
>> Ich kenne es durchaus auch in positiver Verwendung, vor allem bei Leuten,
>> die sonst eher still und introvertiert sind, bei einer bestimmten
>> Gelegenheit aber auf einmal sehr gesprächig, kommunikativ, gesellig,
>> aufgekratzt eben.
>>
>> Grüße,
>>
>> Frank
>
> Ja, kann ich mir vorstellen, so quasi 'wie ausgewechselt', durch die
> Situation bei ihnen das Eis gebrochen. Aber Du meinst schon so etwas
> wie 'normal ist der/die ganz anders, so kenne ich ihn/sie sonst gar
> nicht', oder?

Ja, genau.

> Dann würde ich 'aufgekratzt' dennoch als 'nicht-normal',
> vielleicht sogar 'künstlich aufgeregt' unter meine alte Bedeutung
> subsumiert haben, wenn mir das jemand so erzählt hätte, und ich hätte
> gar nicht gemerkt, dass er eigentlich ein ganz entspanntes
> 'Aufgemuntert-Sein' gemeint hätte.

Künstlch aufgeregt geht mir da schon etwas zu weit. Jemand ist einfach
locker und kommunikativ, und das fällt natürlich besonders dann auf, wenn
jemand sonst still und zurückhaltend ist. Bei einem hyperaktiven
Dampfplauderer würde man nicht "aufgekratzt" verwenden, denn der ist ja
immer so.

Grüße,

Frank

Jakob Achterndiek

unread,
Nov 8, 2016, 4:21:28 AM11/8/16
to
Am 07.11.2016 um 15:05 schrieb Ralf Joerres:
> Dudens [..] Synonym-Ecke
> 'aufgekratzt' [..]
> feuchtfröhlich

Mussu einfach mal die Metapher hinterfragen:
Früher kriegten die Leute die Krätze,
heute leisten sie sich eine Neurodermitis.

> Das deckt sich nicht mit 'meiner' Bedeutung von 'aufgekratzt'.

Fehlender Erfahrungshintergrund?
--
j/\a

Roland Franzius

unread,
Nov 8, 2016, 6:35:23 AM11/8/16
to
Angeblich sind die Bedeutunge "abkratzen" sich entfernen, vermutlich
Renaissance-Deutsch vom damit verbundenen Kratzfuß rückwärts.

Aufkratzen ist hingegen eine obeflächliche Aufarbeitung alter
Gegenstände für erneuten Verkauf. Wir kennen es heute noch als aufrauhen
von Wildleder oder Samt, aufpolieren bei Möbeln, Metallgegenständen und
Software.

--

Roland Franzius

Ralf Joerres

unread,
Nov 8, 2016, 11:59:23 AM11/8/16
to
Am Dienstag, 8. November 2016 10:21:28 UTC+1 schrieb Jakob Achterndiek:
> Am 07.11.2016 um 15:05 schrieb Ralf Joerres:
> > Dudens [..] Synonym-Ecke
> > 'aufgekratzt' [..]
> > feuchtfröhlich
>
> Mussu einfach mal die Metapher hinterfragen:

Na denn fragen wir doch mal einfach hinter die Metapher:
auf = offen, kratzen = mit Krallen oder Fingernägeln schaben
oder ritzen,
also so lange schaben oder ritzen, bis es aufgegangen
= (grob gesprochen) die Haut weg ist ist,
das im PP2, da hätten wir dann 'wundgekratzt'.

Jetzt fehlt nur noch der kleine Schritt von 'wundgekratzt'
zu '(quietsch)vergnügt' resp. 'überdreht'. Tja, und da
verließen sie ihn.

> Früher kriegten die Leute die Krätze,
> heute leisten sie sich eine Neurodermitis.

Dann wäre wohl gemeint, dass sie gar nicht wieder mit dem
Kratzen aufhören können, weil es sie ständig juckt, weiter-
zumachen. Da würden dann wohl 'aufgedreht'/'überdreht', aber auch
'ausgelassen' einigermaßen ins Bild passen. Nur mit dem PP2
passt es für mich nicht so recht, denn wenn die Wunde / offene
Stelle erst mal da ist, dann hat man ja ein - ziemlich misslie-
biges - Ergebnis, dann ist da ja eigentlich mit dem Kratzen erst
mal Schluss. Aber vielleicht geht es dann an einer anderen
Stelle weiter.

> > Das deckt sich nicht mit 'meiner' Bedeutung von 'aufgekratzt'.
>
> Fehlender Erfahrungshintergrund?

Ich meinte die 'figurative' Bedeutung von aufgekratzt. Krätze
zu bekommen hätte ich Gelegenheit gehabt, aber durch glückliche
Umstände wurde ich davon verschont. Und das hätte mir auch nicht
geholfen. Unwiderstehlichen Juckreiz und Kratzen bis das Blut
kommt bei verschorften Wunden kenne ich, auch die Verbalgruppe
'sich etwas immer wieder aufkratzen', eine Verbindung zu dem
anderen 'aufkratzen' war mir nie in den Sinn gekommen.

'Aufgekratzt' wird bereits in der ersten Lieferung des DWB von 1852
als volkssprachlich für "aufgeräumt, lustig sein" erwähnt. Google
Ngram Viewer erwähnt zwei Fundstellen aus Büchern von 1929 mit
Hautkrankheiten. So recht hilft mir das alles nicht weiter,
vorerst.

Gruß Ralf Joerres

Tom Bola

unread,
Nov 8, 2016, 12:01:07 PM11/8/16
to
Roland Franzius schrieb:
> Am 08.11.2016 um 10:21 schrieb Jakob Achterndiek:
>> Am 07.11.2016 um 15:05 schrieb Ralf Joerres:
>>> Dudens [..] Synonym-Ecke
>>> 'aufgekratzt' [..]
>>> feuchtfröhlich
>>
>> Mussu einfach mal die Metapher hinterfragen:
>> Früher kriegten die Leute die Krätze,
>> heute leisten sie sich eine Neurodermitis.
>>
>>> Das deckt sich nicht mit 'meiner' Bedeutung von 'aufgekratzt'.
>>
>> Fehlender Erfahrungshintergrund?
>
>
> Angeblich sind die Bedeutunge "abkratzen" sich entfernen, vermutlich
> Renaissance-Deutsch vom damit verbundenen Kratzfuß rückwärts.

Diese Assoziation sitzt!

> Aufkratzen ist hingegen eine obeflächliche Aufarbeitung alter
> Gegenstände für erneuten Verkauf. Wir kennen es heute noch als aufrauhen
> von Wildleder oder Samt, aufpolieren bei Möbeln, Metallgegenständen und
> Software.

Juckende Hautveränderungen (und "aus Spass" verschorfende Wunden) hat
man sich wohl auch schon immer aufgekratzt, was alles zur Krätze passt.

Detlef Meißner

unread,
Nov 8, 2016, 12:05:42 PM11/8/16
to
Mückenstiche fangen erst so richtig an zu jucken, wenn man dran kratzt.
Bei Windpocken ist es ähnlich.

Detlef

René Marquardt

unread,
Nov 8, 2016, 12:06:31 PM11/8/16
to
Du schriebst:

On Tuesday, November 8, 2016 at 10:59:23 AM UTC-6, Ralf Joerres wrote:
> 'Aufgekratzt' wird bereits in der ersten Lieferung des DWB von 1852
> als volkssprachlich für "aufgeräumt, lustig sein" erwähnt.

Sowie:

> Bei Dudens lese ich in der Synonym-Ecke zu 'aufgekratzt':

> angeregt, animiert, ausgelassen, fröhlich, in Stimmung,
> lebhaft, lustig, munter, vergnügt; (umgangssprachlich)
> [mops]fidel; (umgangssprachlich emotional) quietschfidel;
> (umgangssprachlich scherzhaft) feuchtfröhlich

Und:

> So recht hilft mir das alles nicht weiter, vorerst.

Du darfst jetzt akzeptieren, dass du das Wort wohl augenscheinlich
irgendwann mal in den falschen Hals gekriegt hast. Die beiden von
dir zitierten Wortenbuche sowie der Konsensus hier stimmen alle
miteinander ueberein.

Ralf Joerres

unread,
Nov 8, 2016, 3:52:34 PM11/8/16
to
Das mit dem 'nicht weiterhelfen' bezog sich auf den Tipp von Jakob
Achterndiek, es mal mit Metaphernanalyse zu versuchen. Von 'sich
die Haut aufgekratzt habend' zu 'aufgeräumter Stimmung sein' kriege
ich nur mit leichter Gewaltanwendung eine Verbindung hin. Den
Konsensus hier hab ich wohl auch in den falschen Hals gekriegt, denn
der kam bei mir anders als bei Dir gar nicht so einhellig an. Was ich
aber sehr wohl finde, und zwar mit müheloser Leichtigkeit, sind jede
Menge Textstellen, die mir Google liefert, in denen 'aufgekratzt'
eher das bedeutet, als was ich es bisher ausschließlich verstanden
hatte. Was ich hier erfahre, ist, dass viele dieses Wort anders
benutzen als ich, und das ist für mich die eigentlich interessante
Frage: Wie war dieses mein In-den-falschen-Hals-Bekommen möglich?
Offensichtlich existiert die von mit wahrgenommene Bedeutung, nur:
Wieso hab ich die andere nicht mitbekommen? Kann Zufall gewesen sein,
dass in meinem persönlichen Umfeld sehr häufig 'meine' Bedeutung
gemeint war. Viele Kontexte lassen auch beide Interpretationen
zu, und ich habe vielleicht die Doppeldeutigkeit nicht wahrgenommen.

Leider hab ich es hier falsch angefangen und gleich eine Bedeutung
geliefert. Wer weiß, was dabei herausgekommen wäre, wenn ich einfach
nur gefragt hätte: Sagt mir doch bitte freundlicherweise mal, was Ihr
unter dem Wort 'aufgekratzt' versteht, wann ihr jemanden 'aufgekratzt'
nennen würdet. Vielleicht wäre das Ergebnis dann ein anderes gewesen.

Mein Fazit in Sachen Duden: Die Wortbedeutung ist dort nicht
vollständig wiedergegeben, sondern nur einer der beiden Bedeutungs-
aspekte. Wäre nicht das erste und einzige Mal, dass in einem Wörter-
buch etwas fehlt.

Gruß Ralf Joerres

Jakob Achterndiek

unread,
Nov 8, 2016, 6:13:28 PM11/8/16
to
Am 08.11.2016 um 21:52 schrieb Ralf Joerres:
>
> [..] wenn ich einfach nur gefragt hätte: Sagt mir doch bitte
> freundlicherweise mal, was Ihr unter dem Wort 'aufgekratzt'
> versteht, wann ihr jemanden 'aufgekratzt' nennen würdet.
> Vielleicht wäre das Ergebnis dann ein anderes gewesen.


Du hättest anders fragen sollen. Nämlich:
Wer von euch hat denn, auf Ehre und Gewissen, schon mal
das Wort "aufgekratzt" in Bezug auf die Stimmung eines
Menschen gebraucht?
Da hättest du vielleicht so etwas gehört wie: "Ja, WENN
ich WÜRDE, dann TÄTE ich vielleicht. Aber auf Ehre und
Gewissen HABE ich noch nie -" Und so waren denn ja auch
die hier gegebenen Antworten.

Die digibib hat für "aufgekratzt*" ganze 7 Vorkommen, davon
aber nur 4 in der erfragten metaphorischen Bedeutung, und
von diesen gleich 2 bei Th.Fontane. - Da frage ich mich doch,
woher eigentlich der Duden seine vielen sogenannten Synonyme
nimmt. Sitzen da vielleicht auch nur Leute, die sagen:
"Ja, wenn ICH würde, ICH täte dann vielleicht -" ?
--
j/\a

Peter J. Holzer

unread,
Nov 8, 2016, 7:28:44 PM11/8/16
to
On 2016-11-08 07:20, Frank Hucklenbroich <Hucklen...@aol.com> wrote:
> Am Mon, 7 Nov 2016 09:32:28 -0800 (PST) schrieb Ralf Joerres:
>> Am Montag, 7. November 2016 16:33:24 UTC+1 schrieb Frank Hucklenbroich:
>>> Am Mon, 7 Nov 2016 07:26:44 -0800 (PST) schrieb Ralf Joerres:
>>>> Am Montag, 7. November 2016 15:16:23 UTC+1 schrieb Detlef Meißner:
>>>>> Und was verstehst du darunter?
>>>>
>>>> Für mich bedeutete es bislang 'aufgedreht, überdreht, wie angekokst,
>>>> wie aufgezogen, vor lauter Aufgeregtheit nicht einschlafen können',
>>>> und es geht ein wenig in die Richtung von 'hysterisch'. 'Mein'
>>>> 'aufgekratzt' ist deutlich negativ.

ACK

[...]
>> Dann würde ich 'aufgekratzt' dennoch als 'nicht-normal',
>> vielleicht sogar 'künstlich aufgeregt' unter meine alte Bedeutung
>> subsumiert haben, wenn mir das jemand so erzählt hätte, und ich hätte
>> gar nicht gemerkt, dass er eigentlich ein ganz entspanntes
>> 'Aufgemuntert-Sein' gemeint hätte.
>
> Künstlch aufgeregt geht mir da schon etwas zu weit. Jemand ist einfach
> locker und kommunikativ, und das fällt natürlich besonders dann auf, wenn
> jemand sonst still und zurückhaltend ist.

Hier würde ich das Wort "aufgekratzt" nicht verwenden.

Aufgekratzt zu sein ist meinem Sprachgefühl ausschließlich eine
Nachwirkung eines anregenden Erlebnisses: Die Gäste sind schon gegangen,
alle sind müde, aber die Kinder sind noch immer nicht ins Bett zu
bekommen und haben nichts als Blödsinn im Kopf: Die sind aufgekratzt.

Vielleicht könnte man auch sagen, dass ich jetzt ein bisschen
aufgekratzt bin, nachdem ca. um Mitternacht heimgekommen bin und im halb
zwei noch vor dem Computer sitze. Aber das ist bei mir keine ganz
unübliche Zeit.

hp


--
_ | Peter J. Holzer | Fluch der elektronischen Textverarbeitung:
|_|_) | | Man feilt solange an seinen Text um, bis
| | | h...@hjp.at | die Satzbestandteile des Satzes nicht mehr
__/ | http://www.hjp.at/ | zusammenpaßt. -- Ralph Babel

Roland Franzius

unread,
Nov 9, 2016, 1:54:49 AM11/9/16
to
Am 08.11.2016 um 12:35 schrieb Roland Franzius:
> Am 08.11.2016 um 10:21 schrieb Jakob Achterndiek:
>> Am 07.11.2016 um 15:05 schrieb Ralf Joerres:
>>> Dudens [..] Synonym-Ecke 'aufgekratzt' [..] feuchtfröhlich
>>
>> Mussu einfach mal die Metapher hinterfragen: Früher kriegten die
>> Leute die Krätze, heute leisten sie sich eine Neurodermitis.
>>
>>> Das deckt sich nicht mit 'meiner' Bedeutung von 'aufgekratzt'.
>>
>> Fehlender Erfahrungshintergrund?
>
>
> Angeblich sind die Bedeutunge "abkratzen" sich entfernen, vermutlich
> Renaissance-Deutsch vom damit verbundenen Kratzfuß rückwärts.

Das ist falsch. Die Urbedeutung ist entfernen im Sinn von "ausradieren"
und stammt aus der Schreibstube.

>
> Aufkratzen ist hingegen eine obeflächliche Aufarbeitung alter
> Gegenstände für erneuten Verkauf. Wir kennen es heute noch als
> aufrauhen von Wildleder oder Samt, aufpolieren bei Möbeln,
> Metallgegenständen und Software.
>

Da frühneuhochdeutsche Wörterbuch gibt drei Bedeutungen

1) Acker, Wunde, Pustel aufkratzen, auch aufjucken
2) Das letzte Geld zusammenkratzen
3) Alte Kleider oder lackierte Möbel für den Verkauf aufbereiten.

Fachsprachlich die Oberflächenbearbeitung von Wollstoffen:

Darstellung des fabriks- und gewerbswesens in seinem gegenwärtigen
zustande ...
herausgegeben von Stephan von Keess:

Feines Tuch wird aufgekratzt und dann geschoren (immer noch eine
Methode, ein abgescheuertes teures Stück wieder ansehnlich zu machen).

Herstellungsverfahren für filzartige Wollwaren sind
gewalkt, gewalkt und aufgekratzt, gewalkt, aufgekratzt und gefärbt,
gesteift (geleimt).
Aufgekratztes heißt österreichisch auch Kotzen.

Den direkten Zusammenhang mit der heutigen Bedeutung - die natürlich
auch an der durchgehend üblichen, medizinischen Primärbedeutung des
Pustel-Aufkratzens, -Aufjuckens doppelt verankert ruht - findet man in
einem Brief von Kühne, Leipzig, an Heine von 1842, in vorrevolutionären
Zeiten,
mit einem ironischen Charakterbild des aufgekratzten, aufgebürsteten
Hannoveraners, der beginnt, sich gegen den seit Ende der Personalunion
absolutistisch regierenden König von Hannover, Ernst-August, zur Wehr zu
setzen

https://books.google.de/books?id=-vrnBQAAQBAJ&pg=PA16&dq=%22aufgekratzt%22&hl=de&sa=X&ved=0ahUKEwj5wIL4hpvQAhXpKMAKHZBGDmcQ6AEIHTAA#v=onepage&q=%22aufgekratzt%22&f=false


> Es muss noch besser, dh ärger kommen, damit die zähe deutsche Seele
> aufgekratzt und aufgebürstet wird.


--


Roland Franzius

Ralf Joerres

unread,
Nov 9, 2016, 4:53:47 AM11/9/16
to
Der Titel hört sich für mich nicht so an, als wenn in diesem Buch
der aktuelle Stand der Technik zu finden ist.

> Feines Tuch wird aufgekratzt und dann geschoren (immer noch eine
> Methode, ein abgescheuertes teures Stück wieder ansehnlich zu machen).

Interessant, man kann auch aus älteren Fachbüchern immer eine Menge
lernen. In unseren heutigen Wegwerf- und Wachstumszeiten würde man
sich mit solch umständlichen Verfahren wohl nur bei wirklich sehr
wertvollen Geweben ("feines Tuch") aufhalten.

> Herstellungsverfahren für filzartige Wollwaren sind
> gewalkt, gewalkt und aufgekratzt, gewalkt, aufgekratzt und gefärbt,
> gesteift (geleimt).
> Aufgekratztes heißt österreichisch auch Kotzen.

Einige Wörterbücher stellen einen Zusammenhang zum 'Kardieren' her,
was ich nur als 'Ausrichten von Fasern in eine Richtung' etwa zur
Vorbereitung des späteren Spinnens von Garn kannte, indem man die
Wollfasern mit einem Kardierbrett, in dem sehr viele Drahtstifte
stehen, quasi gebürstet hatte (heute maschinell); diese Bretter
hießen 'Karden' wie die Karden (Disteln), deren Fruchtköpfe eine
ähnliche Oberfläche haben wie 'Kardierbretter'. Sehr viel früher
scheint man die Disteln tatsächlich zum Kardieren benutzt zu haben.

> Den direkten Zusammenhang mit der heutigen Bedeutung - die natürlich
> auch an der durchgehend üblichen, medizinischen Primärbedeutung des
> Pustel-Aufkratzens, -Aufjuckens doppelt verankert ruht - findet man in
> einem Brief von Kühne, Leipzig, an Heine von 1842, in vorrevolutionären
> Zeiten,
> mit einem ironischen Charakterbild des aufgekratzten, aufgebürsteten
> Hannoveraners, der beginnt, sich gegen den seit Ende der Personalunion
> absolutistisch regierenden König von Hannover, Ernst-August, zur Wehr zu
> setzen
>
> https://books.google.de/books?id=-vrnBQAAQBAJ&pg=PA16&dq=%22aufgekratzt%22&hl=de&sa=X&ved=0ahUKEwj5wIL4hpvQAhXpKMAKHZBGDmcQ6AEIHTAA#v=onepage&q=%22aufgekratzt%22&f=false
>
>
> > Es muss noch besser, dh ärger kommen, damit die zähe deutsche Seele
> > aufgekratzt und aufgebürstet wird.

Das finde ich sehr interessant, man sagt ja auch heute 'auf Krawall
gebürstet'. Das erinnert mich wiederum an 'krabitzig', zu dessen
Herkunft es sehr unterschiedliche Assoziation gibt...

Gruß Ralf Joerres

Manfred Hoß

unread,
Nov 9, 2016, 12:17:02 PM11/9/16
to
Am Wed, 9 Nov 2016 07:54:49 +0100 schrieb Roland Franzius:

[aufkratzen]
> Da frühneuhochdeutsche Wörterbuch gibt drei Bedeutungen
>
> 1) Acker, Wunde, Pustel aufkratzen, auch aufjucken
> 2) Das letzte Geld zusammenkratzen
> 3) Alte Kleider oder lackierte Möbel für den Verkauf aufbereiten.
>
> Fachsprachlich die Oberflächenbearbeitung von Wollstoffen:
>
> Darstellung des fabriks- und gewerbswesens in seinem gegenwärtigen
> zustande ...
> herausgegeben von Stephan von Keess:
>
> Feines Tuch wird aufgekratzt und dann geschoren (immer noch eine
> Methode, ein abgescheuertes teures Stück wieder ansehnlich zu machen).
>
> Herstellungsverfahren für filzartige Wollwaren sind
> gewalkt, gewalkt und aufgekratzt, gewalkt, aufgekratzt und gefärbt,
> gesteift (geleimt).
> Aufgekratztes heißt österreichisch auch Kotzen.
>
> Den direkten Zusammenhang mit der heutigen Bedeutung - die natürlich
> auch an der durchgehend üblichen, medizinischen Primärbedeutung des
> Pustel-Aufkratzens, -Aufjuckens doppelt verankert ruht - findet man in
> einem Brief von Kühne, Leipzig, an Heine von 1842, in vorrevolutionären
> Zeiten,
> mit einem ironischen Charakterbild des aufgekratzten, aufgebürsteten
> Hannoveraners, der beginnt, sich gegen den seit Ende der Personalunion
> absolutistisch regierenden König von Hannover, Ernst-August, zur Wehr zu
> setzen
>
> https://books.google.de/books?id=-vrnBQAAQBAJ&pg=PA16&dq=%22aufgekratzt%22&hl=de&sa=X&ved=0ahUKEwj5wIL4hpvQAhXpKMAKHZBGDmcQ6AEIHTAA#v=onepage&q=%22aufgekratzt%22&f=false

"*aufgekratzt* ugs. >sehr lustig< (1781 stud.; H/O 2,45), heute selten als
Verbform. /Sie hatte ihn merkwürdig angeregt, a., aus dem Häuschen/
/gebracht/ (HMann, Prof. Unrat 407)."
(Quelle: Hermann Paul, "Deutsches Wörterbuch". - 10., überarbeitete und
erweiterte Auflage. - Tübingen : Niemeyer, 2002)

H/O: Bibliothek zur historischen deutschen Studenten- und Schülersprache.
Hrsg. von Helmut Henne und Georg Objartel. 6 Bde. Berlin. New York 1984.

Gruß
Manfred.
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