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in der Wolle gefaerbt

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Christina Kunze

unread,
Jun 12, 2016, 1:19:49 AM6/12/16
to
Kennt/benutzt Ihr den Ausdruck "in der Wolle gefärbt"?
Wenn ja, in welcher Bedeutung?

chr

Dr. Falstaff

unread,
Jun 12, 2016, 1:27:26 AM6/12/16
to
____________________________________
/ Klar, weiße Schafspelze sind nicht \
\ hipp, man hat jetzt was buntes /
------------------------------------
\
\
__
UooU\.'@@@@@@`.
\__/(@@@@@@@@@@)
(@@@@@@@@)
`YY~~~~YY'
|| ||


Reinhold {Rey} Aman

unread,
Jun 12, 2016, 1:43:11 AM6/12/16
to
Christina Kunze schrieb:
>
> Kennt/benutzt Ihr den Ausdruck "in der Wolle gefärbt"?
> Wenn ja, in welcher Bedeutung?
>
Das ist aus dem Englischen gestohlen und klingt blöd.
Google mal "dyed in the wool".

--
~~~ Reinhold {Rey} Aman ~~~

Christina Kunze

unread,
Jun 12, 2016, 2:12:11 AM6/12/16
to
Am 12.06.2016 um 07:46 schrieb Wolfgang Schwanke:
> Christina Kunze <ku...@revesz.de>
> wrote in news:njirdk$hql$1...@news.albasani.net:
>
>> Kennt/benutzt Ihr den Ausdruck "in der Wolle gefärbt"?
>
> Nicht aktiv, aber passiv ist er geläufig.
>
>> Wenn ja, in welcher Bedeutung?
>
> Angewandt auf Personen: Jemand ist etwas anderes als er zu sein
> vorgibt, insbesondere in Bezug auf Gesinnung.
>
Spannend. Dann tut sich da wirklich was:

Grimm, Lemma Wolle:
so seind menschen, heiszent lasterliche menschen, und sein die, die in
der wollen geferbet seind. es sol gar kostlich sein, wenn man wollen
ferbt und thuch darusz macht. also seind etliche menschen in der wollen
geferbet worden in der leckery und bübery ufferzogen

Röhrich:
in der Wolle gefärbt = unverfälscht, treu und zuverlässig

Duden:
in der Wolle gefärbt [sein] (umgangssprachlich: etwas Bestimmtes in
besonders ausgeprägter Form [sein]; ein überzeugter Vertreter von etwas
[sein]; eigentlich von einem farbigen Stoff, der nicht erst als Tuch,
sondern schon als unverarbeitete Wolle gefärbt worden ist)

Ich bin über diesen Ausdruck in einer Übersetzung aus dem Polnischen
gestolpert. Im Original stand "farbowany lisy", übersetzt war es mit "in
der Wolle gefärbte Wölfe".
Inhaltlich waren Wölfe im Schafspelz gemeint.

Wenn ich mit meinen zugegeben eher rudimentären Polnischkenntnissen die
Beschreibung richtig verstehe, beschreibt "farbowany lis" einen
unehrlichen Menschen, der zu sein vorgibt, was er nicht ist (zunächst
aber nicht mit der Grundrichtung "versucht, harmloser zu scheinen, als
er wirklich ist").

Ob der polnische Ausdruck vom Englischen beeinflusst ist, kann ich nicht
entscheiden.

Mir ist "der ist in der Wolle gefärbt" mit einer Bedeutung wie "das hat
er schon mit der Muttermilch eingesogen" in Erinnerung, aber sicher bin
ich mir nicht.

chr

Christina Kunze

unread,
Jun 12, 2016, 2:13:53 AM6/12/16
to
Am 12.06.2016 um 07:43 schrieb Reinhold {Rey} Aman:
> Christina Kunze schrieb:
>>
>> Kennt/benutzt Ihr den Ausdruck "in der Wolle gefärbt"?
>> Wenn ja, in welcher Bedeutung?
>>
> Das ist aus dem Englischen gestohlen und klingt blöd.
> Google mal "dyed in the wool".
>
Erster Nachweis im Deutschen 1517.

chr

Reinhold {Rey} Aman

unread,
Jun 12, 2016, 2:15:03 AM6/12/16
to
Wolfgang Schwanke wrote:
> Christina Kunze wrote ...
>
>> Kennt/benutzt Ihr den Ausdruck "in der Wolle gefärbt"?
>
> Nicht aktiv, aber passiv ist er geläufig.
>
>> Wenn ja, in welcher Bedeutung?
>
> Angewandt auf Personen: Jemand ist etwas anderes als er
> zu sein vorgibt, insbesondere in Bezug auf Gesinnung.
>
Stimmt nicht. Völlig daneben.

Reinhold {Rey} Aman

unread,
Jun 12, 2016, 2:55:35 AM6/12/16
to
Jemand, der *kompromißlos* ist, bes. hinsichtlich Politik und Religion.

Jakob Achterndiek

unread,
Jun 12, 2016, 5:42:47 AM6/12/16
to
Am 12.06.2016 um 07:43 schrieb Reinhold {Rey} Aman:
> Christina Kunze schrieb:
>>
>> Kennt/benutzt Ihr den Ausdruck "in der Wolle gefärbt"?
>> Wenn ja, in welcher Bedeutung?
>>
> Das ist aus dem Englischen gestohlen und klingt blöd.
> Google mal "dyed in the wool".
>

Diese blöd klingende Dieberei haben aber schon im 19. Jahrhundert
die Schreiberlinge Arnim, Bleibtreu, Fontane und Francois mit "in
der Wolle gefärbtem" Tuch, einem Demokraten, einem Konservativen
und einem "in der Wolle gewaschenen" Scharlatan begangen. Arnims
"Kronenwächter" ist zu entnehmen, daß "in der Wolle gefärbt" ein
Qualitätsmerkmal ist gegenüber Kledagen, die erst als fertig
genähte Stücke in den Farbbottich getunkt werden.
--
j/\a

Markus Loch

unread,
Jun 12, 2016, 6:13:04 AM6/12/16
to
Am 12.06.2016 um 11:42 schrieb Jakob Achterndiek:
> ...... Arnims
> "Kronenwächter" ist zu entnehmen, daß "in der Wolle gefärbt" ein
> Qualitätsmerkmal ist gegenüber Kledagen, die erst als fertig
> genähte Stücke in den Farbbottich getunkt werden.


Nie vorher gehört; bei Grimm Fehlanzeige, aber "Kledagen"
gibs tatsächlich:

<http://www.kinderkledage.de>

Scheint Norddeutsch zu sein.-


Die Erklärung für "in der Wolle gefärbt" leuchtet ein.


Gruss
Markus




Jakob Achterndiek

unread,
Jun 12, 2016, 6:30:50 AM6/12/16
to
Am 12.06.2016 um 08:12 schrieb Christina Kunze:

> Ich bin über diesen Ausdruck in einer Übersetzung aus dem Polnischen
> gestolpert. Im Original stand "farbowany lisy", übersetzt war es mit "in
> der Wolle gefärbte Wölfe".
> Inhaltlich waren Wölfe im Schafspelz gemeint.

Kannst Du denn sicher sein, daß jener polnische Autor die
Redewendung in ihrer ursprünglichen und richtigen Bedeutung
verwendet hat? Vielleicht hat schon der sie falsch verstanden?
Bei unseren heimischen Autoren, gar solchen, die in Presse und
Medien ihr Tagesgeschäft betreiben, passiert sowas inzwischen
leider häufig.
--
j/\a

Stephen Hust

unread,
Jun 12, 2016, 8:24:04 AM6/12/16
to
On 6/12/2016 12:13 PM, Markus Loch wrote:

> Am 12.06.2016 um 11:42 schrieb Jakob Achterndiek:

>> ...... Arnims
>> "Kronenwächter" ist zu entnehmen, daß "in der Wolle gefärbt" ein
>> Qualitätsmerkmal ist gegenüber Kledagen, die erst als fertig
>> genähte Stücke in den Farbbottich getunkt werden.

> Nie vorher gehört; bei Grimm Fehlanzeige, aber "Kledagen"
> gibs tatsächlich:
>
> [...]
>
> Scheint Norddeutsch zu sein.-

Das meint Grimm auch:

| /das französ. suffix/ -age /findet sich auch sonst als
| ableitungssilbe deutscher stämme, z. b. nd./ kledage, tackelage,
| /wozu noch aus der studentenspr./ leckage, futterage, paukage,
| schmierage, spendage, schenkage /kommen, die alle wie/ st[ellage]
| /den wortaccent auf dem suffix haben./
|
(Stichwort: stellage.)

<http://woerterbuchnetz.de/DWB/?sigle=DWB&mode=Vernetzung&lemid=GS44130#XGS44130>

--
Steve

My e-mail address works as is.

Stefan Schmitz

unread,
Jun 12, 2016, 10:57:34 AM6/12/16
to
Am Sonntag, 12. Juni 2016 08:12:11 UTC+2 schrieb Christina Kunze:

> Ich bin über diesen Ausdruck in einer Übersetzung aus dem Polnischen
> gestolpert. Im Original stand "farbowany lisy", übersetzt war es mit "in
> der Wolle gefärbte Wölfe".
> Inhaltlich waren Wölfe im Schafspelz gemeint.

Wörtlich übersetzt wären es "gefärbte Füchse".
Warum macht man aus Füchsen Wölfe, wenn man dann doch keine gängige Wolfsmetapher
nimmt?

Diedrich Ehlerding

unread,
Jun 12, 2016, 3:49:15 PM6/12/16
to
Christina Kunze meinte:

> Kennt/benutzt Ihr den Ausdruck "in der Wolle gefärbt"?

Ja.

> Wenn ja, in welcher Bedeutung?

ein "in den Wolle gefärbter XYZ" ist erstens schon sehr lange ein XYZ, und
außerdem ein zutiefst überzeugter, um nicht zu sagen geradezu
fundamentalistischer XYZ.

Diedrich
--
pgp-Key (RSA) 1024/09B8C0BD
fingerprint = 2C 49 FF B2 C4 66 2D 93 6F A1 FF 10 16 59 96 F3
HTML-Mail wird ungeleſen entſorgt.

Christina Kunze

unread,
Jun 12, 2016, 4:21:30 PM6/12/16
to
Ja, der hat die polnische Redewendung offenbar adäquat verwendet, denn
bei "farbowany lis" steht im wiktionary "człowiek nieszczery, obłudny"
als Erklärung, und im Kontext passte das genau.

(Als Synonym zur Redewendung steht übrigens neben Pharisäer und Jesuit
auch "wilk w owczej skórze", was ja wohl dann dem Wolf im Schafspelz
entspricht.)

chr

Thomas Schade

unread,
Jun 13, 2016, 1:38:44 AM6/13/16
to
Diedrich Ehlerding <diedrich....@t-online.de> Wrote in message:
> Christina Kunze meinte:
>
>> Kennt/benutzt Ihr den Ausdruck "in der Wolle gefärbt"?
>
> Ja.
>
>> Wenn ja, in welcher Bedeutung?
>
> ein "in den Wolle gefärbter XYZ" ist erstens schon sehr lange ein XYZ, und
> außerdem ein zutiefst überzeugter, um nicht zu sagen geradezu
> fundamentalistischer XYZ.

Ja, fast genauso kenne ich das auch. Ich hätte nur auf
fundamentalistisch verzichtet, kann's aber nicht begonnen
warum.


Ciao
Toscha
--
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Florian Ritter

unread,
Jun 13, 2016, 9:57:28 AM6/13/16
to
Am Sonntag, 12. Juni 2016 21:49:15 UTC+2 schrieb Diedrich Ehlerding:

>> Kennt/benutzt Ihr den Ausdruck "in der Wolle gefärbt"?
>> Wenn ja, in welcher Bedeutung?

> ein "in den Wolle gefärbter XYZ" ist erstens schon sehr lange ein XYZ, und
> außerdem ein zutiefst überzeugter, um nicht zu sagen geradezu
> fundamentalistischer XYZ.

In der DDR kannte man landauf, landab den in der Wolle gefärbten
Kommunisten, im offiziellen Jargon Parteiveter - vulgo Parteiopa -,
der bei jeder Gelegenheit sein KP-Mitgliedsheft von 1932 schwang
und Philippiken über die verderbten Zeitläufte losließ - FR

Diedrich Ehlerding

unread,
Jun 13, 2016, 1:42:20 PM6/13/16
to
Christina Kunze meinte:

> (Als Synonym zur Redewendung steht übrigens neben Pharisäer und Jesuit
> auch "wilk w owczej skórze", was ja wohl dann dem Wolf im Schafspelz
> entspricht.)

Aber das passt nicht zu dem, was ich unter einem "ind der Wolle gefärbten
XYZ" verstehe. Der Wolf im Schafspelz ist jemand, der seine absichten
versteckt; ein in der Wolle gefärbter Wolf wäre hingegen einer, der
ausdrücklich und mit Nachdruck besonders wölfisch daherkommt.

Christina Kunze

unread,
Jun 13, 2016, 4:15:54 PM6/13/16
to
Am 13.06.2016 um 18:29 schrieb Diedrich Ehlerding:
> Christina Kunze meinte:
>
>> (Als Synonym zur Redewendung steht übrigens neben Pharisäer und Jesuit
>> auch "wilk w owczej skórze", was ja wohl dann dem Wolf im Schafspelz
>> entspricht.)
>
> Aber das passt nicht zu dem, was ich unter einem "ind der Wolle gefärbten
> XYZ" verstehe. Der Wolf im Schafspelz ist jemand, der seine absichten
> versteckt; ein in der Wolle gefärbter Wolf wäre hingegen einer, der
> ausdrücklich und mit Nachdruck besonders wölfisch daherkommt.
>
> Diedrich
>
Darin bestand ja gerade der Fehler. Gemeint und auf Polnisch offenbar
gesagt war ein Wolf im Schafspelz, übersetzt war ein besonders
wölfischer Wolf.
Nur wer weiß schon, ob "in der Wolle gefärbt" nicht irgendwo "Wolf im
Schafspelz" heißt?
Ich wusste es nicht und habe deshalb nachgefragt.

chr

Jakob Achterndiek

unread,
Jun 13, 2016, 6:33:49 PM6/13/16
to
Am 13.06.2016 um 15:57 schrieb Florian Ritter:

> In der DDR kannte man landauf, landab den in der Wolle gefärbten
> Kommunisten, im offiziellen Jargon Parteiveter - vulgo Parteiopa -,
> der bei jeder Gelegenheit sein KP-Mitgliedsheft von 1932 schwang
> und Philippiken über die verderbten Zeitläufte losließ - FR
>

Einen von denen muß ich doch mal in Schutz nehmen. Er gehörte
zu den Davongekommenen und den ersten Hütern der neuen Ordnung
im noch nicht gegründeten Staat: Ein schlichter Kopf, aber eine
kreuzbrave Seele und imponierend in seiner proletarischen Grad-
heit. Das von ihm unterzeichnete amtliche Schreiben
<http://www.buzemann.de/publ/bild.php?a=verboten&b=100%>
war ein vermutlich nicht autorisierter, aber unbedingt zu respek-
tierender Akt der Enteignung. Ich hatte später, als mein Vater
als der Adressat jenes Schreibens längst im Westen war und ich
in der FDJ anfing, den Sozialismus zu lernen, noch öfter mit ihm
zu tun, und wir haben uns immer gut vertragen. Ganz im Ernst:
Ich denke noch heute mit Respekt an ihn.
--
j/\a

Christina Kunze

unread,
Jun 14, 2016, 2:07:59 AM6/14/16
to
Am 14.06.2016 um 00:33 schrieb Jakob Achterndiek:
> Am 13.06.2016 um 15:57 schrieb Florian Ritter:
>
>> In der DDR kannte man landauf, landab den in der Wolle gefärbten
>> Kommunisten, im offiziellen Jargon Parteiveter - vulgo Parteiopa -,
>> der bei jeder Gelegenheit sein KP-Mitgliedsheft von 1932 schwang
>> und Philippiken über die verderbten Zeitläufte losließ - FR
>>
>
> Einen von denen muß ich doch mal in Schutz nehmen.
... Ganz im Ernst:
> Ich denke noch heute mit Respekt an ihn.

Meine Erfahrung ist, dass gerade mit den in der Wolle gefärbten
Kommunisten auszukommen war, weil sie beispielsweise bereit waren,
Missstände als solche anzuerkennen und anderen eine eigene Meinung
zuzugestehen.
Profilierungssüchtige Mitläufer waren da anders drauf.

Um aber mal auf die ursprüngliche Frage zurückzukommen: der Ausdruck "in
der Wolle gefärbt" ist mir damals nicht begegnet.
Wer als vollkommen überzeugt galt, der war "ne janz rote Socke" oder ein
"Hundertfuffzigprozentiger".

chr

Matthias Opatz

unread,
Jun 14, 2016, 2:10:03 AM6/14/16
to
Dies schrieb Christina Kunze:

> Um aber mal auf die ursprüngliche Frage zurückzukommen: der Ausdruck "in
> der Wolle gefärbt" ist mir damals nicht begegnet.
> Wer als vollkommen überzeugt galt, der war "ne janz rote Socke" oder ein
> "Hundertfuffzigprozentiger".

Dto.

Matthias

Heinz Lohmann

unread,
Jun 14, 2016, 6:30:12 AM6/14/16
to
Am 13.06.2016 um 03:13 schrieb Diedrich Ehlerding:
> Christina Kunze meinte:
>
>> Kennt/benutzt Ihr den Ausdruck "in der Wolle gefärbt"?
>
> Ja.
>
>> Wenn ja, in welcher Bedeutung?
>
> ein "in den Wolle gefärbter XYZ" ist erstens schon sehr lange ein XYZ, und
> außerdem ein zutiefst überzeugter, um nicht zu sagen geradezu
> fundamentalistischer XYZ.
>

Ich hatte es jahrelang so verstanden, dass jemand nur in der Wolle
gefärbt war, in seinem Wesen aber eigentlich gleich geblieben war. Ich
hab den Ausdruck aber nie selbst benutzt.

Ich vermute, es gibt noch mehr missverstandene Sprichwörter.

--
mfg
Heinz Lohmann
Tamsui, Taiwan

Gedanken sind nicht stets parat,
man schreibt auch, wenn man keine hat. W.B.

Florian Ritter

unread,
Jun 14, 2016, 9:09:01 AM6/14/16
to
Am Montag, 13. Juni 2016 22:15:54 UTC+2 schrieb Christina Kunze:

>>> (Als Synonym zur Redewendung steht übrigens neben Pharisäer und Jesuit
>>> auch "wilk w owczej skórze", was ja wohl dann dem Wolf im Schafspelz
>>> entspricht.)

>> Aber das passt nicht zu dem, was ich unter einem "ind der Wolle gefärbten
>> XYZ" verstehe. Der Wolf im Schafspelz ist jemand, der seine absichten
>> versteckt; ein in der Wolle gefärbter Wolf wäre hingegen einer, der
>> ausdrücklich und mit Nachdruck besonders wölfisch daherkommt.

> Darin bestand ja gerade der Fehler. Gemeint und auf Polnisch offenbar
> gesagt war ein Wolf im Schafspelz, übersetzt war ein besonders
> wölfischer Wolf.
> Nur wer weiß schon, ob "in der Wolle gefärbt" nicht irgendwo "Wolf im
> Schafspelz" heißt?

Und was ist mit dem Schaf im Wolfspelz? FR

Florian Ritter

unread,
Jun 14, 2016, 9:29:54 AM6/14/16
to
Am Dienstag, 14. Juni 2016 08:07:59 UTC+2 schrieb Christina Kunze:

>>> In der DDR kannte man landauf, landab den in der Wolle gefärbten
>>> Kommunisten, im offiziellen Jargon Parteiveteran - vulgo Parteiopa -,
>>> der bei jeder Gelegenheit sein KP-Mitgliedsheft von 1932 schwang
>>> und Philippiken über die verderbten Zeitläufte losließ,

>> Einen von denen muß ich doch mal in Schutz nehmen.
>> ... Ganz im Ernst:
>> Ich denke noch heute mit Respekt an ihn.

> Meine Erfahrung ist, dass gerade mit den in der Wolle gefärbten
> Kommunisten auszukommen war, weil sie beispielsweise bereit waren,
> Missstände als solche anzuerkennen und anderen eine eigene Meinung
> zuzugestehen.

Die waren wohl auch für die Stasi nicht recht zugänglich.

> Profilierungssüchtige Mitläufer waren da anders drauf.
>
> Um aber mal auf die ursprüngliche Frage zurückzukommen: der Ausdruck "in
> der Wolle gefärbt" ist mir damals nicht begegnet.

Mein Vater benutzte ihn in diesem Sinne.

> Wer als vollkommen überzeugt galt, der war "ne janz rote Socke" oder ein
> "Hundertfuffzigprozentiger".

Mein Vater unterschied noch zwischen gefährlich (wohl Stasi) und
hochgefährlich (wohl sowjet. Dienst). Übrigens hat ihn ein
obrigkeitlich aufgezwängelter Mitarb. (Theologe und als IM in
der Kirche aufgeflogen) mal schriftlich bei der Stasi angezeigt.
Da war was los...

Wie war eigentlich Dein Philologe Steinitz einzuschätzen?

An der HU gab's einen kathol. Theologen, dessen Name mir nicht
momentan ist. Der war, meine ich Jesuit, in den 30ern
Theologie-Prof. an der Karls-Univ. Prag, begann ein
Verhältnis mit seiner Sekretärin, flog aus Orden und Univ.
und stellte sich nach '45 den fortschrittlichen Kräften
zur Verfügung. Weißt Du, wie der hieß?
Er sprach etwas bombastisch, als er einmal meines Vaters
ansichtig wurde rief er wie auf einer Opernbühne;
Da kommt är, dor Göttorbote!

FR

Uwe Schickedanz

unread,
Jun 14, 2016, 10:54:16 AM6/14/16
to
On Tue, 14 Jun 2016 18:30:11 +0800, Heinz Lohmann
<go...@sofort-mail.de> wrote:

>Am 13.06.2016 um 03:13 schrieb Diedrich Ehlerding:
>> Christina Kunze meinte:
>>
>>> Kennt/benutzt Ihr den Ausdruck "in der Wolle gefärbt"?
>>
>> Ja.
>>
>>> Wenn ja, in welcher Bedeutung?
>>
>> ein "in den Wolle gefärbter XYZ" ist erstens schon sehr lange ein XYZ, und
>> außerdem ein zutiefst überzeugter, um nicht zu sagen geradezu
>> fundamentalistischer XYZ.
>>
>
>Ich hatte es jahrelang so verstanden, dass jemand nur in der Wolle
>gefärbt war, in seinem Wesen aber eigentlich gleich geblieben war. Ich
>hab den Ausdruck aber nie selbst benutzt.

Danke. Ich bin doch nicht allein.

>Ich vermute, es gibt noch mehr missverstandene Sprichwörter.

Bestimmt.

Gruß Uwe

--
So wie die Attentäter von Brüssel Helden des IS sind,
so ist Nadejda Sawtschenko Heldin des Kiever Regimes. (Netzfundstück)
=== http://www.sicherheitslampe.de ===

Sepp Neuper

unread,
Jun 15, 2016, 12:21:45 PM6/15/16
to
Christina Kunze <ku...@revesz.de> schrieb:

>Um aber mal auf die ursprüngliche Frage zurückzukommen: der Ausdruck "in
>der Wolle gefärbt" ist mir damals nicht begegnet.
>Wer als vollkommen überzeugt galt, der war "ne janz rote Socke" oder ein
>"Hundertfuffzigprozentiger".

Den "Hundertfuffzigprozentigen" gabs aber auch schon während der
Nazi-Zeit. Da natürlich auf NS bezogen.

Ciao, Sepp

Christina Kunze

unread,
Jun 19, 2016, 3:29:55 PM6/19/16
to
Am 19.06.2016 um 20:27 schrieb Rüdiger Silberer:
> Am 12.06.2016 schrieb Christina Kunze:
>
>> Kennt/benutzt Ihr den Ausdruck "in der Wolle gefärbt"?
>> Wenn ja, in welcher Bedeutung?
>
> Ja kenne ich, zum Beispiel "ein in der Wolle gefärbter Sozialist".
> Einer der durch und durch Sozialist ist und keinen Zweifel an seine
> Überzeugung heranläßt.
>
Ist der Ausdruck dann eher anerkennend oder eher abwertend zu verstehen?

chr

Diedrich Ehlerding

unread,
Jun 19, 2016, 4:02:16 PM6/19/16
to
Christina Kunze meinte:

>> Ja kenne ich, zum Beispiel "ein in der Wolle gefärbter Sozialist".
>> Einer der durch und durch Sozialist ist und keinen Zweifel an seine
>> Überzeugung heranläßt.
>>
> Ist der Ausdruck dann eher anerkennend oder eher abwertend zu verstehen?

Das hängt davon ab, ob der Sprecher "Sozialist" als positiv oder negativ
konnotiert versteht.

Roland Franzius

unread,
Jun 21, 2016, 6:23:54 PM6/21/16
to
Am 13.06.2016 um 18:29 schrieb Diedrich Ehlerding:
> Christina Kunze meinte:
>
>> (Als Synonym zur Redewendung steht übrigens neben Pharisäer und
>> Jesuit auch "wilk w owczej skórze", was ja wohl dann dem Wolf im
>> Schafspelz entspricht.)
>
> Aber das passt nicht zu dem, was ich unter einem "ind der Wolle
> gefärbten XYZ" verstehe. Der Wolf im Schafspelz ist jemand, der seine
> absichten versteckt; ein in der Wolle gefärbter Wolf wäre hingegen
> einer, der ausdrücklich und mit Nachdruck besonders wölfisch
> daherkommt.

Methaphern gehören unter anderem auch zum Verwurstungsmaterial des
sprechenden und schreibenden Personals.

In einem Spiegel-Artikel aus der Mitte des vorigen Jahrhunderts
http://www.spiegel.de/spiegel/print/d-45861378.html
findet sich die freie Verwurstung: "nicht bis in die Wolle gefärbt" in
Bezug auf die Farben der BRD

> 6.01.1969

> DER ANDERE

> Der Mitherausgeber des „Monat“, Klaus
> Harpprecht, in einem Leitartikel über das Image der Bundesrepublik in
> der Welt, falls Gerhard Schröder Bundespräsident würde:

> Selbstdarstellung dieser Republik: nasal, weitläufig im
> Warenhausstil, deutsch-national, aber nicht bis in die Wolle gefärbt,
> weil es bis zum "Schwarz -- weiß -- rot" nicht reicht, aus Gründen
> genereller Farblosigkeit


Ich frage mich manchmal, welcher Berufsstand eigentlich in Bezug auf die
deutsche Sprache auf die schräge Idee gekommen ist, dass Worte,
Zusammensetzungen und Metaphern kontextfreie eindeutige Formen haben und
feste Bedeutungen und fixe Ideen transportieren müssten.

Dazu hatten wir ja schon in Kindertagen den preußischen
Offiziers-Stammtischwitz mit den nummerierten Witzen. Heute kolportiert
man dieselben aus Kreisen von Datenbankpflegern und
Verschlüsselungsspezialisten.


Da bei der Suche im Spiegel der obigen Zeit das Wort "wolle" auch im
folgenden Artikel auftritt, gleich noch eine historisch verblüffende
Reminiszenz zu EU und zum Brentry, der nun mit dem Brexit wieder
aufgehoben werden wird.

http://www.spiegel.de/spiegel/print/d-45317944.html

--

Roland Franzius
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