Am 12.06.2016 um 07:46 schrieb Wolfgang Schwanke:
> Christina Kunze <
ku...@revesz.de>
> wrote in news:njirdk$hql$
1...@news.albasani.net:
>
>> Kennt/benutzt Ihr den Ausdruck "in der Wolle gefärbt"?
>
> Nicht aktiv, aber passiv ist er geläufig.
>
>> Wenn ja, in welcher Bedeutung?
>
> Angewandt auf Personen: Jemand ist etwas anderes als er zu sein
> vorgibt, insbesondere in Bezug auf Gesinnung.
>
Spannend. Dann tut sich da wirklich was:
Grimm, Lemma Wolle:
so seind menschen, heiszent lasterliche menschen, und sein die, die in
der wollen geferbet seind. es sol gar kostlich sein, wenn man wollen
ferbt und thuch darusz macht. also seind etliche menschen in der wollen
geferbet worden in der leckery und bübery ufferzogen
Röhrich:
in der Wolle gefärbt = unverfälscht, treu und zuverlässig
Duden:
in der Wolle gefärbt [sein] (umgangssprachlich: etwas Bestimmtes in
besonders ausgeprägter Form [sein]; ein überzeugter Vertreter von etwas
[sein]; eigentlich von einem farbigen Stoff, der nicht erst als Tuch,
sondern schon als unverarbeitete Wolle gefärbt worden ist)
Ich bin über diesen Ausdruck in einer Übersetzung aus dem Polnischen
gestolpert. Im Original stand "farbowany lisy", übersetzt war es mit "in
der Wolle gefärbte Wölfe".
Inhaltlich waren Wölfe im Schafspelz gemeint.
Wenn ich mit meinen zugegeben eher rudimentären Polnischkenntnissen die
Beschreibung richtig verstehe, beschreibt "farbowany lis" einen
unehrlichen Menschen, der zu sein vorgibt, was er nicht ist (zunächst
aber nicht mit der Grundrichtung "versucht, harmloser zu scheinen, als
er wirklich ist").
Ob der polnische Ausdruck vom Englischen beeinflusst ist, kann ich nicht
entscheiden.
Mir ist "der ist in der Wolle gefärbt" mit einer Bedeutung wie "das hat
er schon mit der Muttermilch eingesogen" in Erinnerung, aber sicher bin
ich mir nicht.
chr