Am Mon, 04 Nov 2013 14:10:27 +0100 schrieb Jakob Achterndiek:
> Am 04.11.2013, 14:03 Uhr, schrieb Jakob Achterndiek
> <
achte...@buzemann.de>:
>
>> Am 04.11.2013, 14:00 Uhr, schrieb Martin Gerdes <
martin...@gmx.de>:
>>
>>> "Jakob Achterndiek" <
achte...@buzemann.de> schrieb:
>>>
>>>> Das ist - jedenfalls im höheren Dienst - etwas Anderes
>>>
>>> Du bist bekanntlich ein großer Freund der Großschreibung des Wortes
>>> "Anderes". Offensichtlich wünschst Du stets, dessen subjektivischen
>>> Charakter besonders zu betonen.
>>>
>>> Was steckt dahinter?
>>
>> Wurschtigkeit.
[...]
> 3. In den letzten paar Jahren habe ich ziemlich intensiv private
> Briefe aus dem ganzen 19. Jahrhundert transkribiert. Dabei konnte
> ich bei den Schreibern, durchweg aus "gebildeten" Ständen, neben
> individuellen Vorlieben auch bestimmte zeittypische allgemeine Muster
> erkennen. Eines dieser Muster war die Großschreibung von Begriffen,
> die als - konkret oder abstrakt - dingliche Wesen begriffen werden
> konnten. Der oder das "Andere" gehörten dazu. Dieses Muster läßt
> sich auch in der Literatur des 18. und 19. Jahrhunderts wiederfinden.
> Es hat eine nachvollziehbare Logik; und vielleicht hat sich die mehr
> oder weniger unbewußt bei mir "in der Wolle" festgesetzt.
Da du schon die Großschreibung im 19. Jahrhundert erwähnst, hier mal ein
Auszug aus einer Quelle aus der damaligen Zeit:
"§ 2 A. Große Anfangsbuchstaben haben:
1) Die Substantiva oder Hauptwörter.
2) Wörter, die zu Hauptwörtern erhoben sind, z. B. sächlichen Geschlechts:
Das W e n n und das A b e r. Das V o n vor dem Namen. Das M e i n
und D e i n. So entsteht ein H ü b e n und D r ü b e n, ein O b e n
und U n t e n, ein Z u v o r und H e r n a ch. Das J e n s e i t s.
Ein E t w a s, ein N i ch t s. Das A l l. Sein zweites I ch (s. 11a).
Das V e r g i ß m e i n n i ch t. Ein trübes L e b e w o h l. Das
S ch r e i b e n und L e s e n etc., aber auch männlichen und weiblichen
Geschlechts, wie: Der N u. Der E r und die S i e bei den Singvögeln.
Der H a b e r e ch t, T a u g e n i ch t s, S p r i n g i n s f e l d,
N i m m e r s a t t. Eine Z w e i oder D r e i (als Ziffer, im Würfel-
oder Kartenspiel) etc., s. auch § 14,8.
3) Adjektiva (Eigenschaftswörter) und adjektivische (eigenschaftswörtliche)
Redetheile (Fürwörter, Zahlwörter etc.) haben als solche, d. h. wenn sie
als Bestimmungswörter eines nebenstehenden oder aus dem Nebenstehenden zu
ergänzenden Hauptworts auftreten, den kleinen Anfangsbuchstaben; dagegen
stehen sie, wo keine derartige Beziehung stattfindet, substantivisch oder
hauptwörtlich und erhalten demgemäß den großen Anfangsbuchstaben, vgl. z.
B.: Ich höre w e i s e Männer und thörichte (zu ergänzen: Männer) reden.
Ich höre W e i s e und Thoren reden. Wenn wir W e i s e (hauptwörtl.
Eigenschaftswort) reden hören; verschieden: Wenn wir w e i s e Reden
(Eigenschaftswort als Bestimmungswort eines Hauptworts) hören - und: Wenn
wir w e i s e reden (Adverb oder Umstandswort als Bestimmungswort des
klein geschriebenen Zeitworts) hören etc. - Dem König will er S e l t e -
n e s vertrauen - und: Der seltne Mann will (= beansprucht) s e l t e -
n e s Vertrauen. - Die Sonne scheint über A l l e, über G u t e und
B ö s e. Sie bringt a l l e s G u t e und a l l e s B ö s e an den
Tag. - Gieb J e d e m das S e i n e!! und Hier sind die Hefte der
Schüler. Gieb j e d e m (zu ergänzen: Schüler) das s e i n e (= sein
Heft). - In S ch e i n b a r e m Trost für die herbe Wirklichkeit zu
suchen. - Grimmig hört und geduldlos und droh'nd den F u r ch t b a r e n
Satan. - Alle, sage ich, aber Keiner will D a s Wort haben. -
verschieden: Der Vorsitzende fragt, ob noch Einer sprechen will; aber
Keiner will d a s Wort haben - Du nennst D a s Götterwort, was dir im
Herzen schlägt? - vgl.: Du nennst d a s Götterwort trügerisch etc. -
Kannst du nicht A l l e n gefallen durch deine That und dein Kunstwerk,
mach es W e n i g e n recht, V i e l e n gefallen ist schlimm. Besser,
W e n i g e s lesen und dies W e n i g e gründlich, als V i e l e s und
dies V i e l e oberflächlich (s. Anm.).
Anm. Doch werden - wenn nicht am Anfang stehend (s. § 1) oder zu Hauptwör-
tern erhoben (s. 2) - immer mit kleinem Anfangsbuchstaben geschrieben,
gleichviel ob eigenschaftswörtlich, umstandswörtlich oder hauptwörtlich
gebraucht, g e n u g und, wenn sie ohne weitere Biegungsendung stehen,
v i e l, m e h r, w e n i g, w e n i g e r (als Komparativ oder 2. Stei-
gerungsgrad), z. B. (s. o.) Besser, w e n i g lesen und dies W e n i g e
gründlich, als v i e l und dies V i e l e oberflächlich. Mit v i e l
(oder: V i e l e m) hält man Haus, mit w e n i g (oder: W e n i g e m)
kommt man aus. Wem v i e l anvertraut, von Dem wird man auch desto mehr
fordern. Denn v i e l (oder: V i e l e) sind berufen, aber w e n i g
(oder: W e n i g e) sind auserwählt. Das ist nicht g e n u g, zu w e -
n i g zum Leben, zu v i e l zum Verhungern. Morgen m e h r (aber: ein
M e h r e r e s). Das ist v i e l (aber: um V i e l e s) schwerer etc.
Vgl. dagegen ohne Biegungsendung, aber zum Hauptwort erhoben: Nicht das
V i e l, sondern das G e n u g macht den wahren Reichthum. Mit einem
M e h r von 10 Stimmen etc.
4) (s. 3). Auch wo in Gedanken ein nicht ausgesprochenes Hauptwort zu
verstehen oder zu ergänzen ist: Im T r ü b e n, im D u n k e l n, im
F r e i e n, ins F r e i e. Den K ü r z e r n ziehen. Ein Glas vom
B e st e n. Jemand zum B e st e n haben (vgl. 10b). Alle V i e r e von
sich strecken. Mit S e ch s e n fahren. Eine S e ch s, alle S e ch -
s e n werfen. Alle N e u n e n werfen (s. 6) etc. Ihr G e e h r t e s,
W e r t h e s, G e s ch ä tz t e s etc. Vorzeiger D i e s e s. Binnen
K u r z e m. Das W e i t e suchen. Das liegt noch im W e i t e n. Von
W e i t e m. Bei W e i t e m. Es bleibt beim A l t e n. Von N e u e m,
F r i s ch e m. Aufs N e u e, F r i s ch e. Im A l l g e m e i n e n
und im B e s o n d e r n. Im G a n z e n und G r o ß e n..., im
E i n z e l n e n jedoch etc.
5) (s. 3). Auch in einzelnen Fällen ohne Biegungsendung, z. B. Ihn lieben
(oder liebt) - A l t und J u n g, G r o ß und K l e i n, A r m und
R e i ch, H o ch und N i e d r i g. Bei A l t und J u n g beliebt,
von G r o ß und K l e i n verehrt etc., vgl. namentlich: Es woben in
jedem Zimmer die Spinnen g r o ß und k l e i n (vgl. 7) ... Romantische
Menschenfresser | hausen auf jenem Schloß, | die mit barbarischem Messer |
abschlachten K l e i n und G r o ß. (Uhland) etc.; auch: Er ist ohne
A r g, F a l s ch etc. Er spricht F r a n z ö s i s ch und L a t e i n
wie D e u t s ch. Im feinsten I t a l i ä n i s ch. Auf E n g l i s ch
etc.
6) Beispiele von Zahlwörtern: Denn d r e i Meter und f ü n f (Meter)
sind a ch t (Meter) etc.; aber (unbenannt): Denn D r e i und F ü n f
ist A ch t etc. Ein h a l b e s Kilo und zwei d r i t t e l sind
zusammen sieben s e ch s t e l etc., aber: Ein H a l b und zwei
D r i t t e l sind sieben S e ch s t e l etc. Das H u n d e r t. Die
D r e i. In E i n s, Z w e i, D r e i. Wen lieben Z w e i | von euch
am meisten? ... So seid ihr alle D r e i | betrogene Betrüger. Eure Ringe
| sind alle d r e i (bezogen auf "Ringe") nicht echt etc. Zu Z w e i e n,
D r e i e n etc. Er ist S i e b e n, wird zu Ostern A ch t, dagegen: Er
ist s i e b e n Jahr, wird zu Ostern a ch t (zu ergänzen: Jahr). Er ist
in den V i e r z i g e n, ein V i e r z i g e r. Die Uhr schlägt
A ch t, aber: um a ch t Uhr etc.
Anm. Wenn bei Angaben von Geldsummen wie: Das kostet fünf Thaler z w ö l f
(Groschen), zwölf Mark f ü n f u n d z w a n z i g (Pfennig) etc. die
niedere - hier eingeklammerte - Münzsorte ungenannt bleibt, so wird doch
die dazugehörige Zahl für die Rechtschreibung als benannte behandelt, d. h.
klein geschrieben."
(Quelle: Daniel Sanders, "Kurzgefaßtes Hilfsbuch der Rechtschreibung für
deutsche Schulen". - 2. um die abweichenden amtlichen Feststellung für die
bairischen, die österreichischen, die preußischen und würtembergischen
Schulen vermehrte Auflage. - Leipzig : Breitkopf und Härtel, 1880. - S.
8ff.)
Gruß
Manfred.