heute erreichte mich die Anfrage eines Wiener Sprachinteressierten. Er
schrieb, daß er gemeinsam mit seiner Freundin Hobby-Etymologie
betreibe. Der Schreiber möchte die Auflösung seiner Freundin als
Geburtstagsgeschenk (!) überreichen.
Denn sie seien bisher nicht fündig geworden bei dem obigen Wort. Das
heiße im Zusammenhang "ins Narrenkastl schauen" soviel wie "abwesend
in die Gegend blicken".
Ich selbst würde mir das ganz schlicht zusammenreimen:
Unter Kastl verstehe ich eine Schublade nach Art des Nachtkästchens/-
kastls. Wenn man abwesend in eine Schublade oder in ein Kästchen
starrt, hat man vergessen, was man da noch eben suchte. Diese Art von
Geistesabwesenheit können sich nur Narren - also närrische, törichte
Menschen - erlauben.
Liege ich richtig?
Könnten (insbesondere die österreichischen und nichtborealischen)
Kommilitonen etwas Erhellendes beisteuern? Oder gibt es gar ein
norddeutsches Pendant?
Vielen Dank für Eure Bemühungen.
Gruß
Gunhild
Hier finde ich "Narrenkastl" als flapsiger Ausdruck für Fernseher:
http://www.holidaycheck.de/ort-Urlaubsbilder+Klagenfurt-ch_ub-oid_11567.html?action=detail&mediaId=1156902105
Ciao
Wolfram
--
Mir san mir und mir san ned wenig / drum san mir in dem land der kenig
<http://derfranzehatgsagt.blogspot.com/> <www.theodor-rieh.de/heinrich>
<www.mpu-forum.eu> <http://www.youtube.com/watch?v=oDjbbkGVT4Q>
> Denn sie seien bisher nicht fündig geworden bei dem obigen Wort. Das
> heiße im Zusammenhang "ins Narrenkastl schauen" soviel wie "abwesend
> in die Gegend blicken".
Es kann nur der Blick ins Fernsehgerät gemeint sein.
Sieht man mal, wie hinter dem Mond ich lebe: Es fällt mir wie Schuppen
von den Augen - als fernsehlos Lebende kommt man gar nicht auf diese
Idee. Hier heißt das Glotze.
Der junge Wiener wollte wohl seinen Schabernack mit mir älterer Dame
treiben.
Gruß
Gunhild
Der Text des Liedes "Du entschuldige, I kenn di" beginnt so:
Wann I oft a bisserl ins Narr'nkasterl schau,
Dann siech I a Maderl mit Augen so blau ...
Es geht um eine alte Erinnerung, die sich der Sänger dabei
hervorkramt. (Am Ende kriegen sie sich, dem Schlagergott sei Dank).
Mit unserer alten Tanzkapelle habe ich das wohl 100 mal gesungen.
Das spricht sehr für "Herumträumen", was der genannten Bedeutung
nahekommt. Und ich dachte immer, es handelte sich um einen Druckfehler
und es war "Nahkasterl" gemeint, was ich zu Nähkästchen umdeutete.
Thomas, der sich ebenfalls beschenkt fühlt und herzlich dankt
Die Narrenzunft hängt Zu Beginn der Saison ein Narrenkästchen auf, einen
Briefkasten, in dem die Leut Briefe mit lustige Begebenheiten der
Nachbarschaft deponieren können, wahrscheinlich um Stoff für die Bütt zu
gewinnen.
http://www.narrenzunft-heiligenzimmern.de/historie_aktuell/narrenkasten.htm
www.suedkurier.de/_/tools/pdfpage.html?arid=3590112
oder eine besondere Art von Gefängnis, vielleicht, die Kästen, in denen
man die Leute auf dem Markt ausstellte
http://www.rzuser.uni-heidelberg.de/~cd2/drw/e/na/rren/kast/narrenkasten.htm
Vielleicht solls ja auch nur den Blick in den eigenen Narrenkasten nach
innen beschreiben.
Als Wort hat es der vielseitig einsetzbare Narrenkäfig, der mancherorts
die Bütt vertritt, ja sogar zum Filmtitel gebracht
http://de.wikipedia.org/wiki/Ein_K%C3%A4fig_voller_Narren
--
Roland Franzius
Sei nicht so streng, es gibt den Ausdruck "ins Narrenkastl schauen"
durchaus:
http://www.ostarrichi.org/wort-2707-at-Narrenkastl+schaun.html
Ciao
Wolfram
--
Ma sogt ja nix, ma red't ja bloß
> On 2 Nov., 09:01, Gunhild Simon <gunhild.si...@yahoo.de> wrote:
>
> > Denn sie seien bisher nicht f�ndig geworden bei dem obigen Wort. Das
> > hei�e im Zusammenhang "ins Narrenkastl schauen" soviel wie "abwesend
> > in die Gegend blicken".
>
> Es kann nur der Blick ins Fernsehger�t gemeint sein.
Nicht nur.
Siehe: <http://tinyurl.com/yajg73c>
--
Yvonne Steiner
Verstehe. Narrenkastl für Fernsehgerät ist nur die übertragene
Bedeutung; gemeint ist eigentlich das, was Ursula Hennig erläutert:
"Ich arbeite hier als Sängerin am Theater und komme eben aus einer
sehr laaaaangweiligen Probe, bei der ich immer wieder in mein
'Narrenkastl' g'schaut hab (ziellos vor mich hingeblickt habe), für
selbiges möchte ich sofort eine Patenschaft übernehmen!!"
http://www.unsere-sprache.at/lexicon.php?show=n
> On 2 Nov., 09:36, ystei...@swissonline.ch (Yvonne Steiner) wrote:
> > Stefanie Bach <b...@baytor.de> wrote:
> > > On 2 Nov., 09:01, Gunhild Simon <gunhild.si...@yahoo.de> wrote:
> >
> > > > Denn sie seien bisher nicht f�ndig geworden bei dem obigen Wort. Das
> > > > hei�e im Zusammenhang "ins Narrenkastl schauen" soviel wie "abwesend
> > > > in die Gegend blicken".
> >
> > > Es kann nur der Blick ins Fernsehger�t gemeint sein.
> >
> > Nicht nur.
> > Siehe: <http://tinyurl.com/yajg73c>
> >
> > --
> > Yvonne Steiner
>
> Verstehe. Narrenkastl f�r Fernsehger�t ist nur die �bertragene
> Bedeutung; gemeint ist eigentlich das, was Ursula Hennig erl�utert:
> "Ich arbeite hier als S�ngerin am Theater und komme eben aus einer
> sehr laaaaangweiligen Probe, bei der ich immer wieder in mein
> 'Narrenkastl' g'schaut hab (ziellos vor mich hingeblickt habe),
Genau deshalb nennen die Deutschen das dann "Glotzkiste" oder "Glotze"
--
Yvonne Steiner
Warum bloß schauen die Leut nicht einfach in ein Wörterbuch?
Zum Beispiel ins Österreichische Wörterbuch?
>> Denn sie seien bisher nicht fündig geworden bei dem obigen Wort. Das
>> heiße im Zusammenhang "ins Narrenkastl schauen" soviel wie "abwesend
>> in die Gegend blicken".
>>
> Hier finde ich "Narrenkastl" als flapsiger Ausdruck für Fernseher:
>
http://www.holidaycheck.de/ort-Urlaubsbilder+Klagenfurt-ch_ub-oid_11567.html?action=detail&mediaId=1156902105
Ein beliebiger Internet-Eintrag auf einer *deutschen* Seite über
ausgerechnet Urlaubsorte ist nun nicht gerade als Besonders
aussagekräftiger Hinweis anzusehen, was sprachliche Phänomene betrifft!
Also doch zum ÖWB gegriffen, und was findet man da?
"Nar|ren|kastl (ugs.) (nur in der Wendung): ins N. schauen (gedankenlos
vor sich hinstarren)"
(ÖWB 40, p.456)
*Gedankenlos* vor sich hinstarren, also in jenes Kasterl schauen, das
nur Narren (und sonstige Träumer) sehen können.
Es mag zwar dann und wann für "Fernseher" benützt worden sein, gängig
ist tatsächlich einzig die im ÖWB angegebene Bedeutung, die allerdings
kennt man eigentlich überall in AT.
Helmut
--
Nach dera Zei'n kimmt nix mehr
> Also doch zum ᅵWB gegriffen, und was findet man da?
> "Nar|ren|kastl (ugs.) (nur in der Wendung): ins N. schauen (gedankenlos
> vor sich hinstarren)"
> (ᅵWB 40, p.456)
Das heiᅵt ᅵbrigens in meinem niederbairischen Heimatdialekt "as
Goaᅵgschau hᅵm". Kennt das sonst jemand (ich denke z. B. an Wolfram und
Jᅵrg)?
--
Schᅵnen Gruᅵ aus der "lebenswertesten Stadt der Welt"!
http://www.iht.com/articles/2007/06/18/arts/rmon1munich.php
Michael
> Wolfram Heinrich beliebte zu schreiben :
>> Am Mon, 2 Nov 2009 00:01:15 -0800 (PST) schrieb Gunhild Simon:
>>
>>> Denn sie seien bisher nicht fündig geworden bei dem obigen Wort. Das
>>> heiße im Zusammenhang "ins Narrenkastl schauen" soviel wie "abwesend
>>> in die Gegend blicken".
>>>
>> Hier finde ich "Narrenkastl" als flapsiger Ausdruck für Fernseher:
>>
> http://www.holidaycheck.de/ort-Urlaubsbilder+Klagenfurt-ch_ub-oid_11567.html?action=detail&mediaId=1156902105
>
> Ein beliebiger Internet-Eintrag auf einer *deutschen* Seite über
> ausgerechnet Urlaubsorte ist nun nicht gerade als Besonders
> aussagekräftiger Hinweis anzusehen, was sprachliche Phänomene betrifft!
>
Jetzt tu mich halt nicht so schimpfen, ich hab meine Anmerkung ja gleich
drauf auf dieses ins Leere starren ausgeweitet.
"Er schaut a weng draamhappad" ist in etwa die bairische Variante davon.
Ciao
Wolfram
--
"Sich keine Illusionen mehr machen": da beginnen sie erst.
KARL KRAUS
> Am Mon, 2 Nov 2009 10:36:46 +0100 schrieb Helmut P. Einfalt:
>
>> Also doch zum ÖWB gegriffen, und was findet man da?
>> "Nar|ren|kastl (ugs.) (nur in der Wendung): ins N. schauen (gedankenlos
>> vor sich hinstarren)"
>> (ÖWB 40, p.456)
>
> Das heißt übrigens in meinem niederbairischen Heimatdialekt "as
> Goaßgschau håm". Kennt das sonst jemand (ich denke z. B. an Wolfram und
> Jörg)?
Ich kenne es, aber es war nie in meinem aktiven Wortschatz, ich habe es
wohl zu selten gehört.
Ciao
Wolfram
--
Eine Eigenschaft geistig Träger, die am meisten ins Auge fällt, ist ihre
unverwüstliche Aktivität.
STANISLAW JERZY LEC
> gängig
> ist tatsächlich einzig die im ÖWB angegebene Bedeutung, die allerdings
> kennt man eigentlich überall in AT.
Allen freundlichen Unterstützern gilt mein Dank.
Ich habe daraus einen Artikel zusammengestellt und die Aspekte darin
verarbeitet.
http://www.blog1.institut1.de/
Das wird also meine Antwort an das verliebte Pärchen aus Wien sein.
Gruß
Gunhild
> Der Text des Liedes "Du entschuldige, I kenn di" beginnt so:
>
> Wann I oft a bisserl ins Narr'nkasterl schau,
> Dann siech I a Maderl mit Augen so blau ...
Es ist mMn sein sch�nstes Lied, l��t mich immer wieder an meine
Jugendzeit denken ...
--
Diedrich