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Dänisch - eine schwierige Sprache

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Bertel Lund Hansen

unread,
Jul 6, 2021, 9:18:43 AM7/6/21
to
Diese Gruppe handelt sich nicht um Dänisch, aber das, wovon ich spreche,
hat mit generellen Sprachphänomenen zu tun.

Bis neulig meinte ich, dass es keinen Sinn hat die eine oder die andere
Sprache als schwierig zu bezeichnen. Es handelt sich um komplexe
Verhältnisse, und der 'Abstand' zwischen der Muttersprache und der
Fremdsprache ist am wichtigsten.

Ich habe jetzt eine andere Meinung. Ich habe nähmlich einen (englischen)
Artiklel gelesen, der von Sprachforschern geschrieben ist:

https://theconversation.com/danish-children-struggle-to-learn-their-vowel-filled-language-and-this-changes-how-adult-danes-interact-161143

Der Artikel gibt zwei überzeugende Beispiele:

A Find bilen. (Finde das Auto)
B Hvor er aben? (Wo ist die Affe?)

A wird deutlich (und schriftnah) ausgesprochen: zwei Wörter und drei Silben.

B wird wie ein Wort mit zwei Silben ausgesprochen - "woäabm" (bm mit
geschlossenem Mund). Nur Experten können die drei Wörter erkennen.

--
Bertel

Sergio Gatti

unread,
Jul 6, 2021, 10:04:21 AM7/6/21
to
Bertel Lund Hansen hat am 06.07.2021 um 15:18 geschrieben:
Ehm, falls, wie in diesem Artikel behauptet wird: "consonants play an
important role in helping listeners figure out where words begin and
end," dann müssten Finnisch (nur 14 eigenständige Konsonantenphoneme),
Samoanisch (13, noch weniger in der Umgangssprache) und im allgemeinen
die polynesischen Sprachen noch größere Probleme bereiten.

40 verschiedene Vokale sind in der Tat eine große Hürde, da die meisten
Sprachen deutlich weniger Vokale haben.

Stefan Schmitz

unread,
Jul 6, 2021, 11:43:46 AM7/6/21
to
Es geht doch wohl nicht um die Zahl der Phoneme, sondern um die
Häufigkeit der Verwendung.

Christian Weisgerber

unread,
Jul 6, 2021, 12:30:06 PM7/6/21
to
On 2021-07-06, Sergio Gatti <sergi...@meine-wahrheit-deine-wahrheit.de> wrote:

>> https://theconversation.com/danish-children-struggle-to-learn-their-vowel-filled-language-and-this-changes-how-adult-danes-interact-161143
>
> Ehm, falls, wie in diesem Artikel behauptet wird: "consonants play an
> important role in helping listeners figure out where words begin and
> end," dann müssten Finnisch (nur 14 eigenständige Konsonantenphoneme),
> Samoanisch (13, noch weniger in der Umgangssprache) und im allgemeinen
> die polynesischen Sprachen noch größere Probleme bereiten.

Zum einen geht es darum, wie häufig Konsonanten auftreten, nicht
wie viele verschiedene es gibt. Das sind ja zwei grundverschiedene
Dinge.

Zum anderen geht es um die Worterkennung _im Dänischen_. In anderen
Sprachen mag es ganz anders sein.

Sprachen können die Silbe oder das Wort optimieren. Für den Sprecher
sind einfache, gleichmäßige Silben (CV) optimal. Für den Hörer sind
leicht zu erkennende phonologische Wörter optimal, was komplexe,
ungleichmäßige Silben fördert. Sprachen müssen einen Kompromiss
irgendwo im Spannungsfeld dieses Widerspruchs finden. Deutsch ist
eine ausgesprochene Wortsprache mit stark markierten Wörtern
(Behauchung, Betonung, komplexe Silben); Französisch ist eine
ausgesprochene Silbensprache, die Wörter kaum markiert und im
Lautstrom munter Silben ungeachtet der Wortgrenzen bildet. Das war
nicht immer so. Althochdeutsch war eine Silbensprache. Französisch
muss sich in Anbetracht der betonungabhängigen Erscheinungen in
seiner Sprachgeschichte zur Silbensprache hin entwickelt haben.

> 40 verschiedene Vokale sind in der Tat eine große Hürde, da die meisten
> Sprachen deutlich weniger Vokale haben.

Es ist nicht ganz klar, wie viele Vokalphoneme Dänisch überhaupt
unterscheidet.
https://en.wikipedia.org/wiki/Danish_phonology#Vowels

--
Christian "naddy" Weisgerber na...@mips.inka.de

Christian Weisgerber

unread,
Jul 6, 2021, 12:30:06 PM7/6/21
to
On 2021-07-06, Bertel Lund Hansen <gade...@lundhansen.dk> wrote:

> Diese Gruppe handelt sich nicht um Dänisch, aber das, wovon ich spreche,
> hat mit generellen Sprachphänomenen zu tun.

Seufz. Das sind gleich zwei Gründe, warum das Thema in de.etc.sprache.misc
besser aufgehoben gewesen wäre.

> Bis neulig meinte ich, dass es keinen Sinn hat die eine oder die andere
> Sprache als schwierig zu bezeichnen. Es handelt sich um komplexe

Man kann einzelne Aspekte einer Sprache herauspicken. Niemand wird
in Frage stellen, dass die spanische Verbmorphologie komplexer als
die dänische ist.

> Verhältnisse, und der 'Abstand' zwischen der Muttersprache und der
> Fremdsprache ist am wichtigsten.

Wenn wir von Fremdsprachenerwerb sprechen.

Soweit man wissenschaftlich versucht, die Komplexität von Sprachen
objektiv zu vergleichen, geht es um Muttersprachen. Das betrifft
dann sowohl die Art, wie die Sprache erworben wird, als auch den
Zielpunkt, eben muttersprachliche Kompetenz. Das ist natürlich etwas
ganz anderes, als Fremdsprachenunterricht in der Schule abzusitzen,
mit dem Ziel, radebrechen zu können. Daher dann die allgegenwärtigen
Klagen, dass z.B. komplexe Beugung sooo schwierig sei. Eigentlich
ist das nur ein Anfängerproblem, aber wenn man nie über das
Anfängerstadium hinauskommt oder hinauskommen will, dann hat man
im Rahmen der Zielsetzung durchaus eine objektive Schwierigkeit vor
sich.

„Russisch ist schwierig wegen der Deklinierei“ => zweifelhaft

„Russisch ist schwierig wegen der Deklinierei, wenn man nur soviel
lernen will, um ein Bier zu bestellen“ => ja

> Ich habe jetzt eine andere Meinung. Ich habe nähmlich einen (englischen)
> Artiklel gelesen, der von Sprachforschern geschrieben ist:
>
> https://theconversation.com/danish-children-struggle-to-learn-their-vowel-filled-language-and-this-changes-how-adult-danes-interact-161143

„Together, these results indicate that the way people interpret language
is not static, but dynamically adapts to the challenges posed by the
specific language or languages they speak.“

Ach!

Die Dänische Lautung ist komplex.
Lerner müssen damit klarkommen.
Vermutlich has das Auswirkungen auf den Rest der Sprache.

Das ist jetzt alles nicht gerade überraschend.

„We found that because Danish speech is so ambiguous, Danes rely
much more on context“ - im direkten Vergleich mit Norwegisch. In
der Bildunterschrift wird das dann zu „Adults who speak Danish rely
more on contextual clues than speakers of other languages“
verallgemeinert. Vooorsicht!

Sergio Gatti

unread,
Jul 6, 2021, 1:42:47 PM7/6/21
to
Stefan Schmitz hat am 06.07.2021 um 17:43 geschrieben:
Selbst in diesem Fall sind die Zahlen aus
<https://de.wikipedia.org/wiki/Finnische_Sprache#Phoneme>
sehr deutlich.
"In einem finnischen Text kommen auf 100 Vokale durchschnittlich 96
Konsonanten (zum Vergleich: im Deutschen sind es 177)."

Als Italiener staunte ich nicht schlecht, als ich im Sibelius-Museum
finnische Lieder hörte und den Eindruck hatte, sie wären noch viel
vokalreicher als italienische.

Sergio Gatti

unread,
Jul 6, 2021, 2:00:21 PM7/6/21
to
Christian Weisgerber hat am 06.07.2021 um 17:51 geschrieben:
> On 2021-07-06, Bertel Lund Hansen <gade...@lundhansen.dk> wrote:
>
>> Diese Gruppe handelt sich nicht um Dänisch, aber das, wovon ich spreche,
>> hat mit generellen Sprachphänomenen zu tun.
>
> Seufz. Das sind gleich zwei Gründe, warum das Thema in de.etc.sprache.misc
> besser aufgehoben gewesen wäre.

Einverstanden. Vielleicht liest Bertel diese NG nicht. Dort lesen und
schreiben viel weniger Leute als hier. Über stumme Leser kann ich nichts
sagen, aber ich schätze, dass nicht mal 20 Leute dort mal was schreiben.


>> Verhältnisse, und der 'Abstand' zwischen der Muttersprache und der
>> Fremdsprache ist am wichtigsten.
>
> Wenn wir von Fremdsprachenerwerb sprechen.
>
> Soweit man wissenschaftlich versucht, die Komplexität von Sprachen
> objektiv zu vergleichen, geht es um Muttersprachen. Das betrifft
> dann sowohl die Art, wie die Sprache erworben wird, als auch den
> Zielpunkt, eben muttersprachliche Kompetenz. Das ist natürlich etwas
> ganz anderes, als Fremdsprachenunterricht in der Schule abzusitzen,
> mit dem Ziel, radebrechen zu können.


Was sagst du zum Fremdsprachenunterricht in einer Dolmetscherschule -
meistens mit guten Grundlagenkenntnissen - mit dem Ziel, sie fast wie
Muttersprachler zu beherrschen?

Sergio Gatti

unread,
Jul 6, 2021, 2:25:36 PM7/6/21
to
Sergio Gatti hat am 06.07.2021 um 16:04 geschrieben:
>
> 40 verschiedene Vokale sind in der Tat eine große Hürde, da die meisten
> Sprachen deutlich weniger Vokale haben.


Frage an Bertel: Gehören Diphthonge und ggf. Triphthonge zu den
behaupteten 40 verschiedenen Vokalen?
40 verschiedene Stellen im Vokaldreieck
<https://de.wikipedia.org/wiki/Vokaldreieck> kann ich mir nicht so
richtig vorstellen.

Selbst hier <https://fr.wikipedia.org/wiki/Triangle_vocalique> kommt man
nicht auf 40.

Bertel Lund Hansen

unread,
Jul 6, 2021, 3:51:22 PM7/6/21
to
Den 06.07.2021 kl. 20.25 skrev Sergio Gatti:

> Frage an Bertel: Gehören Diphthonge und ggf. Triphthonge zu den
> behaupteten 40 verschiedenen Vokalen?

Das weiss ich nicht. Ich habe den Zahl vom Artikel. Christian Weisgerber
hat zu einem Wikipedia-Artikel hingewiesen, der nur von 20 spricht.

--
Bertel

Matthias Opatz

unread,
Jul 6, 2021, 4:35:11 PM7/6/21
to
Dies schrieb Bertel Lund Hansen:

> Der Artikel gibt zwei überzeugende Beispiele:
>
> A Find bilen. (Finde das Auto)
> B Hvor er aben? (Wo ist die Affe?)
>
> A wird deutlich (und schriftnah) ausgesprochen: zwei Wörter und drei Silben.

Eine der ersten Regeln, die ich als Englischlerner gelernt habe:
Mit Vokalen zusammenziehen, stoßen Konsonanten aneinander: absetzen.

Also: Thisisaneggisntit. Aber: Tom have got ten shirts.

Matthias

Christian Weisgerber

unread,
Jul 6, 2021, 5:30:08 PM7/6/21
to
On 2021-07-06, Sergio Gatti <sergi...@meine-wahrheit-deine-wahrheit.de> wrote:

> Frage an Bertel: Gehören Diphthonge und ggf. Triphthonge zu den
> behaupteten 40 verschiedenen Vokalen?
> 40 verschiedene Stellen im Vokaldreieck
><https://de.wikipedia.org/wiki/Vokaldreieck> kann ich mir nicht so
> richtig vorstellen.

Naja, es ist ein analoger Raum, den man theoretisch beliebig fein
unterteilen kann.

Das Vokaltrapez beschreibt aber nur die Zungenstellung. Man kann
mehrere zusätzliche Achsen einführen:
- Lippenrundung: gerundet, ungerundet
- Länge: kurz, mittel, lang
- Nasalierung: oral, nasal
- Phonationstyp: Hauchstimme, Modalstimme, Knarrstimme
- Ton, z.B. die vier Konturtöne des Hochchinesischen

Rundung und Länge sind für das Dänische relevant.


Wer glaubt, dass Dänisch mit seinen vielen Vokalen und dem Stød
schlimm sei...
https://en.wikipedia.org/wiki/Jalapa_Mazatec

Thomas Hochstein

unread,
Jul 6, 2021, 8:03:32 PM7/6/21
to
Sergio Gatti schrieb:

> Dort lesen und
> schreiben viel weniger Leute als hier. Über stumme Leser kann ich nichts
> sagen, aber ich schätze, dass nicht mal 20 Leute dort mal was schreiben.

Und warum? Im zweifel weil sie sich für die deutsche Sprache
interessieren, nicht aber für Dänisch und generelle Sprachphänomene.
Es ist - zumindest - grob unhöflich, diese Aufteilung dann zu
ignorieren.

Quinn C

unread,
Jul 6, 2021, 8:44:48 PM7/6/21
to
* Christian Weisgerber:

> On 2021-07-06, Bertel Lund Hansen <gade...@lundhansen.dk> wrote:
>
>> Diese Gruppe handelt sich nicht um Dänisch, aber das, wovon ich spreche,
>> hat mit generellen Sprachphänomenen zu tun.
>
> Seufz. Das sind gleich zwei Gründe, warum das Thema in de.etc.sprache.misc
> besser aufgehoben gewesen wäre.
>
>> Bis neulig meinte ich, dass es keinen Sinn hat die eine oder die andere
>> Sprache als schwierig zu bezeichnen. Es handelt sich um komplexe
>
> Man kann einzelne Aspekte einer Sprache herauspicken. Niemand wird
> in Frage stellen, dass die spanische Verbmorphologie komplexer als
> die dänische ist.

Eben. Es geht ums Gesamtsystem. Sprache braucht ein gewisses Maß an
Redundanz, damit sie verstanden wird, und das wird mit der Faulheit der
Sprecher im Gleichgewicht gehalten. Es gibt aber viele Arten, die
Redundanz zu erhöhen oder zu vermindern.

Was die Schwierigkeit angeht, Wörter aus dem Sprachstrom herauszupicken,
so ist das eine, mit der ich im Französischen zu kämpfen hatte.
Schriftliches Verstehen stand lange Zeit Längen vor dem mündlichen, und
nicht nur wegen des Informationsverlusts beim einzelnen Wort, der auch
gegeben ist.

Wenn es Spaß macht, das mit verwandten Sprachen zu vergleichen, dann ja,
im Vergleich zum Italienischen oder Spanischen. Es gab einen Moment, wo
ich einen Freund Italienisch sprechen hörte, und dachte: "das verstehe
ich besser als Französisch - Italienisch hört sich so an, wie
Französisch gedruckt aussieht." (Ich habe nie versucht, Italienisch zu
lernen.)

Zu den unterschiedlichen Redundanzstrategien gehört auch, daß manche
Sprachen mehr auf Kontextinformation vertrauen. Im Japanischen werden
Pronomen gerne weggelassen, und man muß dann schon mal auf Weltwissen
vertrauen, um zu entscheiden, vom wem vermutlich die Rede ist.

--
Wir haben ein Teil von Ihren persönlichen Angaben ausgestriechen.
Mit freundlichen Grüßen Managementteam der Angaben mit persönlichem
Charakter der Paypal
-- SPAMPOESIE

Stefan Schmitz

unread,
Jul 7, 2021, 4:19:46 AM7/7/21
to
Und im Dänischen?

Ulf Kutzner

unread,
Jul 7, 2021, 6:37:04 AM7/7/21
to
Quinn C schrieb am Mittwoch, 7. Juli 2021 um 02:44:48 UTC+2:

> Was die Schwierigkeit angeht, Wörter aus dem Sprachstrom herauszupicken,
> so ist das eine, mit der ich im Französischen zu kämpfen hatte.
> Schriftliches Verstehen stand lange Zeit Längen vor dem mündlichen, und
> nicht nur wegen des Informationsverlusts beim einzelnen Wort, der auch
> gegeben ist.
>
> Wenn es Spaß macht, das mit verwandten Sprachen zu vergleichen, dann ja,
> im Vergleich zum Italienischen oder Spanischen. Es gab einen Moment, wo
> ich einen Freund Italienisch sprechen hörte, und dachte: "das verstehe
> ich besser als Französisch - Italienisch hört sich so an, wie
> Französisch gedruckt aussieht." (Ich habe nie versucht, Italienisch zu
> lernen.)

Ist wohl auch besser so. Mich fragte mal ein Franzose,
wie ich das - mir im Unterricht bis dahin nicht untergekommene -
Wort 'taureau' denn schreiben würde. Ich antwortete, das wüßte
ich nicht; als ich dennoch zu einem Vorschlag gedrängt wurde,
bekam ich anschließend zur Antwort, die Schreibweise sei leider
nur im Spanischen gültig.

Christian Weisgerber

unread,
Jul 7, 2021, 12:30:07 PM7/7/21
to
On 2021-07-06, Sergio Gatti <sergi...@meine-wahrheit-deine-wahrheit.de> wrote:

>> Soweit man wissenschaftlich versucht, die Komplexität von Sprachen
>> objektiv zu vergleichen, geht es um Muttersprachen. Das betrifft
>> dann sowohl die Art, wie die Sprache erworben wird, als auch den
>> Zielpunkt, eben muttersprachliche Kompetenz. Das ist natürlich etwas
>> ganz anderes, als Fremdsprachenunterricht in der Schule abzusitzen,
>> mit dem Ziel, radebrechen zu können.
>
> Was sagst du zum Fremdsprachenunterricht in einer Dolmetscherschule -
> meistens mit guten Grundlagenkenntnissen - mit dem Ziel, sie fast wie
> Muttersprachler zu beherrschen?

Ich wusste bis eben nicht einmal, dass es Dolmetscherschulen gibt,
und ich habe keine Ahnung, was man dort als besondere Schwierigkeiten
betrachtet. Idiomatik, Idiomatik, Idiomatik, wenn ich raten müsste.

Ich wollte erläutern, warum die sprachwissenschaftliche Grundthese,
dass alle Sprachen ähnlich schwierig sind, und die Allerwelts-
erfahrung, dass manche Sprachen schwieriger zu lernen sind als
andere, keinen unversöhnbaren Widerspruch bilden müssen.

Helmut Richter

unread,
Jul 7, 2021, 3:19:06 PM7/7/21
to
On Wed, 7 Jul 2021, Christian Weisgerber wrote:

> Ich wollte erläutern, warum die sprachwissenschaftliche Grundthese,
> dass alle Sprachen ähnlich schwierig sind,

Was natürlich auch eine politische Aussage ist. Man wollte damit der
eindeutig falschen Vorstellung entgegentreten, „primitive“ Völker (also
welche, die keine Dampfmaschine erfunden haben) hätten „primitive“
Sprachen (also welche, die mit der lateinischen Grammatik nicht gut
beschreibbar sind).

Auf die Goldwaage würde ich das nicht legen. Manche Eigenheiten von
manchen Sprachen sind in manchen Phasen des Spracherwerbs für manche
Menschen schwieriger oder leichter, und wie will man nachweisen, dass sich
das immer heraushebt?

> und die Allerwelts-
> erfahrung, dass manche Sprachen schwieriger zu lernen sind als
> andere, keinen unversöhnbaren Widerspruch bilden müssen.

Ich persönlich finde – anscheinend im Gegensatz zu gescheiteren Menschen –
dass Sprachverwandtschaft mit der Muttersprache eine sehr geringe Rolle
spielt. Warum sollen für einen Deutschen die indogermanischen Sprachen
irisches Gälisch, Albanisch oder Kurdisch besonders einfach sein im
Vergleich zu Hebräisch oder Swahili? Nur wenn die Ähnlichkeiten
unmittelbar auffallen (de/nl/da oder es/fr) können sie eine Hilfe sein.

Eine Sache, die als schwierig empfunden wird, sind grammatische
Kategorien, die es in der Muttersprache nicht gibt und die in jedem Satz
vorkommen: Aspekte von Ru für De, Artikel von De für Ru, alle
morphologisch realisierten Kategorien für Zh. Aber russische Kasus für
Deutsche sind unmittelbar klar, weil es bis auf wenige die gleichen sind
wie die deutschen. Für Engländer wirds das ganz anders sein.

Im globalen Durchschnitt als leicht empfunden werden Sprachen, die viel
von Nichtmuttersprachlern als Lingua franca verwendet werden (Malaiisch,
Swahili, Farsi, Englisch, Spanisch). Das kann auch Ursachen haben, die
außerhalb der Sprache selbst liegen, z.B. dass Nichtmuttersprachler auf
präzise Grammatik keinen Wert legen und sich die Muttersprachler daran
gewöhnen. Aber es kann auch sein, dass sich solche Sprachen im
multikulturellen Umfeld vereinfachen.

--
Helmut Richter

Ulf Kutzner

unread,
Jul 7, 2021, 4:03:40 PM7/7/21
to
Helmut Richter schrieb am Mittwoch, 7. Juli 2021 um 21:19:06 UTC+2:

> Ich persönlich finde – anscheinend im Gegensatz zu gescheiteren Menschen –
> dass Sprachverwandtschaft mit der Muttersprache eine sehr geringe Rolle
> spielt. Warum sollen für einen Deutschen die indogermanischen Sprachen
> irisches Gälisch, Albanisch oder Kurdisch besonders einfach sein im
> Vergleich zu Hebräisch oder Swahili? Nur wenn die Ähnlichkeiten
> unmittelbar auffallen (de/nl/da oder es/fr) können sie eine Hilfe sein.

Auf den zweiten Blick fallen welche auf.
https://de.wikipedia.org/wiki/Kurmandschi#Wortschatz
(Vielleicht insoweit weniger Seitenlinie als Irisch-Gälisch)
Und es fällt auf, daß derlei fehlt, wenn man Sprachen aus
anderen Systemen erlernt.

René Marquardt

unread,
Jul 7, 2021, 5:13:36 PM7/7/21
to
On Tuesday, July 6, 2021 at 3:35:11 PM UTC-5, Matthias Opatz wrote:
> Dies schrieb Bertel Lund Hansen:
> > Der Artikel gibt zwei überzeugende Beispiele:
> >
> > A Find bilen. (Finde das Auto)
> > B Hvor er aben? (Wo ist die Affe?)
> >
> > A wird deutlich (und schriftnah) ausgesprochen: zwei Wörter und drei Silben.
> Eine der ersten Regeln, die ich als Englischlerner gelernt habe:
> Mit Vokalen zusammenziehen, stoßen Konsonanten aneinander: absetzen.

Falsch gelernt. So falsch, dass man es nicht einmal berichtigen kann.
Erklaert aber einiges.

> Also: Thisisaneggisntit. Aber: Tom have got ten shirts.

Tom's got ten shirts. Aber davon abgesehen, gibt es keine Regel,
die der von dir zitierten auch nur nahe kommt.
Je nachdem werden die gesprochenen Woerter mal getrennt, mal
zusammen, mal ueber Wortgrenzen hinweg ausgesprochen.

Sko-al ready! Lasset uns nun von dannen wandeln!
Betty boughta bit of better butter.
I could go for a cuppa. (Das es sich um eine Tasse Tee* handelt, ist impliziert und wird daher kaum dazu gesagt)
*Spuelwasser mit Zucker und Milch
This's anegg, innit? (Daher auch a nadder/an adder: das wurde so lange ueber die Grenzen der Worte
ausgesprochen, dass sich das Wort geaendert hat).

Ulf Kutzner

unread,
Jul 8, 2021, 1:01:55 AM7/8/21
to
Vor Hereinbrechen der Nacht: Nahmt!

Bertel Lund Hansen

unread,
Jul 8, 2021, 1:41:29 AM7/8/21
to
Den 07.07.2021 kl. 23.13 skrev René Marquardt:

> (Daher auch a nadder/an adder: das wurde so lange ueber die Grenzen der Worte
> ausgesprochen, dass sich das Wort geaendert hat).

Ich habe glesen, dass dasselbe für "a nother/an other" geschehen ist.

--
Bertel

Stefan Schmitz

unread,
Jul 8, 2021, 9:13:54 AM7/8/21
to
Am 07.07.2021 um 23:13 schrieb René Marquardt:
> On Tuesday, July 6, 2021 at 3:35:11 PM UTC-5, Matthias Opatz wrote:
>> Dies schrieb Bertel Lund Hansen:
>>> Der Artikel gibt zwei überzeugende Beispiele:
>>>
>>> A Find bilen. (Finde das Auto)
>>> B Hvor er aben? (Wo ist die Affe?)
>>>
>>> A wird deutlich (und schriftnah) ausgesprochen: zwei Wörter und drei Silben.
>> Eine der ersten Regeln, die ich als Englischlerner gelernt habe:
>> Mit Vokalen zusammenziehen, stoßen Konsonanten aneinander: absetzen.
>
> Falsch gelernt. So falsch, dass man es nicht einmal berichtigen kann.
> Erklaert aber einiges.

In der DDR gelernt? Mir ist das nie begegnet.

René Marquardt

unread,
Jul 8, 2021, 9:47:14 AM7/8/21
to
Dafuer gibts es einige Beispiele:
https://en.wikipedia.org/wiki/Rebracketing

René Marquardt

unread,
Jul 8, 2021, 10:04:39 AM7/8/21
to
Ich habe, wie Matthias, die Anfaenge von Englisch ebenfalls in der DDR
gelernt, aber mir ist eine solche Regel ebenfalls noch nie untergekommen.
Waere auch voellig absurd, und widerspricht jedem Sprachgebrauch.

Christian Weisgerber

unread,
Jul 8, 2021, 2:30:06 PM7/8/21
to
On 2021-07-08, Bertel Lund Hansen <gade...@lundhansen.dk> wrote:

>> (Daher auch a nadder/an adder: das wurde so lange ueber die Grenzen der Worte
>> ausgesprochen, dass sich das Wort geaendert hat).
>
> Ich habe glesen, dass dasselbe für "a nother/an other" geschehen ist.

Nein.

„Other“ ist mit deutsch „ander“ verwandt, mit dem typisch englischen
Verlust von -n- vor Reibelaut (vgl. five - fünf, tooth - ahd. zand).
Dir als Däne sollte die Verwandschaft zu „anden“ auffallen. Und
Gotisch hatte „anþar“. Damit muss es schon im Urgermanischen *anþ-
gewesen sein und das hatte keinen Artikel, dessen -n man hätte
falsch zuordnen können. Schlaue Köpfe haben verwandte Wörter in
anderen indogermanischen Sprachen bis hin zu altindisch „ántara“
ausgemacht.

Christina Kunze

unread,
Jul 8, 2021, 3:27:10 PM7/8/21
to
Am 06.07.2021 um 19:42 schrieb Sergio Gatti:

> Selbst in diesem Fall sind die Zahlen aus
> <https://de.wikipedia.org/wiki/Finnische_Sprache#Phoneme>
> sehr deutlich.
> "In einem finnischen Text kommen auf 100 Vokale durchschnittlich 96
> Konsonanten (zum Vergleich: im Deutschen sind es 177)."

Sie haben diese regelmäßige Abfolge von Konsonanten und Vokalen. Und sie
sprechen alles, was sie schreiben, also kann man vom Hören gut auf das
Schriftbild schließen. Mir erleichtert das das Lernen einer Sprache
enorm, und deshalb habe ich große Schwierigkeiten mit Dänisch.

chr

Christina Kunze

unread,
Jul 8, 2021, 3:33:11 PM7/8/21
to
Am 07.07.2021 um 21:19 schrieb Helmut Richter:

> Eine Sache, die als schwierig empfunden wird, sind grammatische
> Kategorien, die es in der Muttersprache nicht gibt und die in jedem Satz
> vorkommen: Aspekte von Ru für De, Artikel von De für Ru, alle
> morphologisch realisierten Kategorien für Zh. Aber russische Kasus für
> Deutsche sind unmittelbar klar, weil es bis auf wenige die gleichen sind
> wie die deutschen. Für Engländer wirds das ganz anders sein.

Ich habe zugesehen, wie eine Amerikanerin Serbisch lernen wollte. Das
war offenbar ihre erste Fremdsprache, und eines der ersten Hindernisse
war, dass sie das Konzept Deklination / Konjugation nicht begriff, also
nicht verstehen konnte, warum Verben anders gebeugt werden als
Substantive und dass das überhaupt unterschiedliche Dinge sind.
In dem - ernsthaften - Versuch, das zu begreifen, fielen ihr immer
wieder Beispiele ein, wie ein und dasselbe englische Wort mal das eine
und mal das andere ist (every noun can be verbed), und sie konnte den
Unterschied zwischen beiden nicht erkennen. Die Dozentin war auch
deutlich erkennbar überfordert, so etwas war ihr noch nicht begegnet.

chr

Bertel Lund Hansen

unread,
Jul 8, 2021, 3:48:07 PM7/8/21
to
Den 08.07.2021 kl. 21.27 skrev Christina Kunze:

> Sie haben diese regelmäßige Abfolge von Konsonanten und Vokalen. Und sie
> sprechen alles, was sie schreiben, also kann man vom Hören gut auf das
> Schriftbild schließen. Mir erleichtert das das Lernen einer Sprache
> enorm,

Das habe ich mit Spanisch erlebt.

> und deshalb habe ich große Schwierigkeiten mit Dänisch.

Klar. Selbst Dänen haben Probleme. Es gibt unsicherheit bei z.B.
einfachem oder dobbelt Konsonant. Es gibt oft keinen Unterschied in der
Aussprache, oder der eine spricht den Vokal lang aus, der andere kurz.

Frage: Soll "dobbelt" auch gebeugt werden? Es kommt mir selsam vor.

--
Bertel

René Marquardt

unread,
Jul 8, 2021, 3:51:32 PM7/8/21
to
Ging ja auch nicht um other/ander, sondern another, das aus "an other" gebildet wurde.
Und von dort zurueck zu 'nother, wie in "that's a whole 'nother issue."

Oliver Jennrich

unread,
Jul 8, 2021, 4:13:58 PM7/8/21
to
Ja, auch wenn es vielleicht seltsam aussieht. In diesem Fall: 'einfachem
oder doppeltem Konsonanten'.


--
Space - The final frontier

Oliver Jennrich

unread,
Jul 8, 2021, 4:18:07 PM7/8/21
to
Christina Kunze <ku...@revesz.de> writes:

> Am 07.07.2021 um 21:19 schrieb Helmut Richter:
>
>> Eine Sache, die als schwierig empfunden wird, sind grammatische
>> Kategorien, die es in der Muttersprache nicht gibt und die in jedem Satz
>> vorkommen: Aspekte von Ru für De, Artikel von De für Ru, alle
>> morphologisch realisierten Kategorien für Zh. Aber russische Kasus für
>> Deutsche sind unmittelbar klar, weil es bis auf wenige die gleichen sind
>> wie die deutschen. Für Engländer wirds das ganz anders sein.
>
> Ich habe zugesehen, wie eine Amerikanerin Serbisch lernen wollte. Das
> war offenbar ihre erste Fremdsprache, und eines der ersten Hindernisse
> war, dass sie das Konzept Deklination / Konjugation nicht begriff,
> also nicht verstehen konnte, warum Verben anders gebeugt werden als
> Substantive und dass das überhaupt unterschiedliche Dinge sind.
> In dem - ernsthaften - Versuch, das zu begreifen, fielen ihr immer
> wieder Beispiele ein, wie ein und dasselbe englische Wort mal das eine
> und mal das andere ist (every noun can be verbed),


"Buffalo buffalo buffalo"

> und sie konnte den
> Unterschied zwischen beiden nicht erkennen.

Im Englischen ist im Aussagesatz das was vorne oder hinten steht, nicht
das Verb :)

Thomas Hochstein

unread,
Jul 8, 2021, 5:15:03 PM7/8/21
to
Christina Kunze schrieb:

> Ich habe zugesehen, wie eine Amerikanerin Serbisch lernen wollte. Das
> war offenbar ihre erste Fremdsprache, und eines der ersten Hindernisse
> war, dass sie das Konzept Deklination / Konjugation nicht begriff, also
> nicht verstehen konnte, warum Verben anders gebeugt werden als
> Substantive und dass das überhaupt unterschiedliche Dinge sind.

Üblicherweise gehört das - wenn auch furchtbar langweilig - zur
Schulbildung, auch in der Muttersprache.

René Marquardt

unread,
Jul 8, 2021, 6:03:41 PM7/8/21
to
On 7/8/2021 1:08, wolfgang sch wrote:
> Helmut Richter <hr.u...@email.de> wrote in
> news:alpine.DEB.2.22.394.2107072056310.4485@kiboko2:
>
>> Ich persönlich finde – anscheinend im Gegensatz zu gescheiteren
>> Menschen – dass Sprachverwandtschaft mit der Muttersprache eine sehr
>> geringe Rolle spielt. Warum sollen für einen Deutschen die
>> indogermanischen Sprachen irisches Gälisch, Albanisch oder Kurdisch
>> besonders einfach sein im Vergleich zu Hebräisch oder Swahili? Nur wenn
>> die Ähnlichkeiten unmittelbar auffallen (de/nl/da oder es/fr) können
>> sie eine Hilfe sein.
>
> Die Anknüpfungspunkte zwischen germanisch und romanisch, oder
> germanisch und slawisch fallen durchaus auch auf.

Aber sowas von:
https://de.wikipedia.org/wiki/Liste_indogermanischer_Wortgleichungen


Ulf Kutzner

unread,
Jul 8, 2021, 11:26:06 PM7/8/21
to
Christina Kunze schrieb am Donnerstag, 8. Juli 2021 um 21:33:11 UTC+2:
> Am 07.07.2021 um 21:19 schrieb Helmut Richter:
>
> > Eine Sache, die als schwierig empfunden wird, sind grammatische
> > Kategorien, die es in der Muttersprache nicht gibt und die in jedem Satz
> > vorkommen: Aspekte von Ru für De, Artikel von De für Ru, alle
> > morphologisch realisierten Kategorien für Zh. Aber russische Kasus für
> > Deutsche sind unmittelbar klar, weil es bis auf wenige die gleichen sind
> > wie die deutschen. Für Engländer wirds das ganz anders sein.
> Ich habe zugesehen, wie eine Amerikanerin Serbisch lernen wollte. Das
> war offenbar ihre erste Fremdsprache, und eines der ersten Hindernisse
> war, dass sie das Konzept Deklination / Konjugation nicht begriff, also
> nicht verstehen konnte, warum Verben anders gebeugt werden als
> Substantive und dass das überhaupt unterschiedliche Dinge sind.

Ich wäre ihr damit gekommen, daß das -s für 3. Sg. durchaus nicht
identisch ist mit der Pluralendung für Substantive, die sehr gelegentlich
auch -en lauten kann, was wiederum mit der mittelenglischen und ihr
vieleicht unbekannten Infinitivendung eher wenig zu tun hat.

Gilt den Anglisten mit sprachhistorischem Schwerpunkt der Wegfall
der -en-Endung in Infinitiven als Wegfall des Infinitivs an sich und
die Konstruktion mit 'to' als infinitiversetzende Hilfskonstruktion?
Gewisse Parallelen mit dem aktuellen Rumänisch fallen auf,
auch wenn mir nun gar nicht einfiele, wie sich diese Sprachen hätten
beeinflussen sollen. Zu weiteren infinitivlosen Sprachen in
Südosteuropa:
https://de.wikipedia.org/wiki/Bulgarische_Sprache#Weitere_Verbformen

> In dem - ernsthaften - Versuch, das zu begreifen, fielen ihr immer
> wieder Beispiele ein, wie ein und dasselbe englische Wort mal das eine
> und mal das andere ist (every noun can be verbed),

Ausnahmslos? To child, to wife, to mother?

> und sie konnte den
> Unterschied zwischen beiden nicht erkennen. Die Dozentin war auch
> deutlich erkennbar überfordert, so etwas war ihr noch nicht begegnet.

Da sieht man, wofür Lateinschulen gut sind. Es muß da irgendwelche
Tricks geben, daß solche auch auf angelsächsischem Gebiet zumindest
für einige Schüler funktionieren.

Ulf Kutzner

unread,
Jul 8, 2021, 11:35:42 PM7/8/21
to
Allerdings ist, außer bei der Kopula, der Formenreichtum bei
den Aktiv-Präsensformen der Verben der Gegenwartssprache
überschaubar und nach Kasusendungen kannst Du bei Substantiven
der englischen Gegenwartssprache auch lange suchen.

Ich schätze, zumindest beim Pflichtprogramm staatlicher Schulen
in den USA wird man da muttersprachlich auch ohne auskommen;
das Fehlen von Pflichtfremdsprachen hielte ich für grundsätzlich
möglich.

Bertel Lund Hansen

unread,
Jul 9, 2021, 1:54:04 AM7/9/21
to
Den 08.07.2021 kl. 23.53 skrev Stefan Ram:

> Why should /I/ explain? /You/ are the teacher here!

Because if you can't explain your mothertongue to me, then I can't
explain an unfamiliar language to you. We need to agree on how we
explain language.

--
Bertel

Bertel Lund Hansen

unread,
Jul 9, 2021, 1:58:19 AM7/9/21
to
Den 09.07.2021 kl. 05.26 skrev Ulf Kutzner:

> Ausnahmslos? To child, to wife, to mother?

Aus dem Web:

Thereafter, the questions focused on the mother's parental
performance, as well as her experienced self-esteem and need for
control when mothering her child with diabetes.

Ich weiss nicht, was "to child" oder "to wife" bedeuten sollte.

--
Bertel

Diedrich Ehlerding

unread,
Jul 9, 2021, 2:26:36 AM7/9/21
to
Christina Kunze meinte:

> Ich habe zugesehen, wie eine Amerikanerin Serbisch lernen wollte. Das
> war offenbar ihre erste Fremdsprache, und eines der ersten Hindernisse
> war, dass sie das Konzept Deklination / Konjugation nicht begriff,
> also nicht verstehen konnte, warum Verben anders gebeugt werden als
> Substantive und dass das überhaupt unterschiedliche Dinge sind.

Das ist nicht allzu verwunderlich. In etwas kleinerem Maßstab geht es
deutschen Schülern ähnlich, die Englisch lernen und den Unterschied
zwischen Adjektiv und Adverb lernen müsssen, oder wenn Deutsche Russisch
lernen und auf das bereits genannte Thema Aspekte stoßen.
--
gpg-Key (DSA 1024) D36AD663E6DB91A4
fingerprint = 2983 4D54 E00B 8483 B5B8 C7D1 D36A D663 E6DB 91A4
HTML-Mail wird ungeleſen entſorgt.

Bertel Lund Hansen

unread,
Jul 9, 2021, 3:20:05 AM7/9/21
to
Den 09.07.2021 kl. 07.58 skrev Bertel Lund Hansen:

> Ich weiss nicht, was "to child" oder "to wife" bedeuten sollte.

Marry him. Marry him now.<<<< please tell me she wifed him.
(​Keeping that comment because it's hilarious! Wifed??)

--
Bertel

Sergio Gatti

unread,
Jul 9, 2021, 3:22:43 AM7/9/21
to
Thomas Hochstein hat am 08.07.2021 um 23:10 geschrieben:
Sicher nicht, wenn die Muttersprache Deklinationen oder Konjugationen
nicht kennt. Es war sehr schwer, einer Japanerin, die Sopranistin werden
wollte und für ihr Gesang einige Italienischkenntnisse brauchte, zu
erklären, dass man nicht "due uomo" (zwei Mann) sagen kann und es "due
uomini" (zwei Männer) heißen muss.
Deutsche haben dieses Problem nicht, wenn sie Italienisch lernen wollen.

Christina Kunze

unread,
Jul 9, 2021, 3:36:11 AM7/9/21
to
Den Vergleich mit den Aspekten in den slawischen Sprachen finde ich ganz
passend, sie stellen einen vor ähnliche Probleme wie das
Deklination/Konjugatin jemanden, der sie nicht kennt (bzw. sich ihrer
nicht bewusst ist).

Hier wie da hängt sehr viel von der richtigen Vermittlung ab.
Uns wurde das Aspektsystem in der Schule sehr unzureichend vermittelt.
Ein Gefühl für die Verwendung der Aspekte habe ich beim Polnisch-Hören
bekommen und nicht im Russischunterricht.
Und sicher auch daher, dass es im Ungarischen auch Aspekte gibt, aber
dummerweise etwas anders, wenn es sie auch vermutlich aus den slawischen
Sprachen hat.

chr

Dieter Britz

unread,
Jul 9, 2021, 4:25:41 AM7/9/21
to
On Tue, 06 Jul 2021 21:51:20 +0200, Bertel Lund Hansen wrote:

> Den 06.07.2021 kl. 20.25 skrev Sergio Gatti:
>
>> Frage an Bertel: Gehören Diphthonge und ggf. Triphthonge zu den
>> behaupteten 40 verschiedenen Vokalen?
>
> Das weiss ich nicht. Ich habe den Zahl vom Artikel. Christian Weisgerber
> hat zu einem Wikipedia-Artikel hingewiesen, der nur von 20 spricht.

Experten scheinen einig zu sein, dass es 40 Vokale in Dänisch gibt.
Meine Muttersprache ist Deutsch, und ich kann alle dänische Vokale
unterscheiden und aussprechen. Meine Frau aber, deren Muttersprache
Englisch ist, hat da Probleme.

--
Dieter Britz

Ulf Kutzner

unread,
Jul 9, 2021, 4:28:23 AM7/9/21
to
Christina Kunze schrieb am Freitag, 9. Juli 2021 um 09:36:11 UTC+2:
> Am 09.07.2021 um 09:22 schrieb Sergio Gatti:
> > Thomas Hochstein hat am 08.07.2021 um 23:10 geschrieben:
> >> Christina Kunze schrieb:
> >>
> >>> Ich habe zugesehen, wie eine Amerikanerin Serbisch lernen wollte. Das
> >>> war offenbar ihre erste Fremdsprache, und eines der ersten Hindernisse
> >>> war, dass sie das Konzept Deklination / Konjugation nicht begriff, also
> >>> nicht verstehen konnte, warum Verben anders gebeugt werden als
> >>> Substantive und dass das überhaupt unterschiedliche Dinge sind.
> >>
> >> Üblicherweise gehört das - wenn auch furchtbar langweilig - zur
> >> Schulbildung, auch in der Muttersprache.
> >
> >
> > Sicher nicht, wenn die Muttersprache Deklinationen oder Konjugationen
> > nicht kennt. Es war sehr schwer, einer Japanerin, die Sopranistin werden
> > wollte und für ihr Gesang einige Italienischkenntnisse brauchte, zu
> > erklären, dass man nicht "due uomo" (zwei Mann) sagen kann und es "due
> > uomini" (zwei Männer) heißen muss.
> > Deutsche haben dieses Problem nicht, wenn sie Italienisch lernen wollen.
> >
> Den Vergleich mit den Aspekten in den slawischen Sprachen finde ich ganz
> passend, sie stellen einen vor ähnliche Probleme wie das
> Deklination/Konjugatin jemanden, der sie nicht kennt (bzw. sich ihrer
> nicht bewusst ist).

Zu den Aspekten hätte die Serbischlernerin auch noch
kommen sollen, aber bitte zielgerichtet bei Verben.

Immerhin:
https://de.wikipedia.org/wiki/Aspekt_(Linguistik)#Aspektrealisierung_im_Englischen

Ulf Kutzner

unread,
Jul 9, 2021, 4:30:29 AM7/9/21
to
Dieter Britz schrieb am Freitag, 9. Juli 2021 um 10:25:41 UTC+2:

> Experten scheinen einig zu sein, dass es 40 Vokale in Dänisch gibt.
> Meine Muttersprache ist Deutsch, und ich kann alle dänische

Ich kaufe ein -n.

> Vokale
> unterscheiden und aussprechen.

Stefan Schmitz

unread,
Jul 9, 2021, 4:41:14 AM7/9/21
to
Ist es denn nötig, das zu können? Gibt es Bedeutungsunterschiede, wenn
ein Vokal durch einen ähnlich klingenden (für deine Frau gleichen)
ersetzt wird?


Christian Weisgerber

unread,
Jul 9, 2021, 7:30:08 AM7/9/21
to
On 2021-07-09, Bertel Lund Hansen <gade...@lundhansen.dk> wrote:

>> Ausnahmslos? To child, to wife, to mother?
>
> Ich weiss nicht, was "to child" oder "to wife" bedeuten sollte.

„To wive“, transitiv und intransitiv, ‘(eine Frau) heiraten’.
Klingt für mich altmodisch/literarisch.

„To child“ kenne ich auch nicht, aber Merriam-Webster’s Third - das
große, nicht online - verzeichnet es, markiert als veraltet, ‘to bear
young : give birth’.

Bertel Lund Hansen

unread,
Jul 9, 2021, 9:33:29 AM7/9/21
to
Den 09.07.2021 kl. 10.41 skrev Stefan Schmitz:

>> Meine Muttersprache ist Deutsch, und ich kann alle dänische Vokale
>> unterscheiden und aussprechen. Meine Frau aber, deren Muttersprache
>> Englisch ist, hat da Probleme.

> Ist es denn nötig, das zu können?

Nein. Wenn es Kontext gibt, und man weiss, dass man mit einem Ausländer
spricht, dann gibt es natürlich grosse Toleranz. Auch unter Dänen muss
man sich oft auf variierende Aussprachen einstellen.

> Gibt es Bedeutungsunterschiede, wenn ein Vokal durch einen ähnlich klingenden (für deine Frau gleichen) ersetzt wird?

Streng genommen ja, aber in Praxis mit Toleranz: selten.

--
Bertel

Bertel Lund Hansen

unread,
Jul 9, 2021, 9:42:41 AM7/9/21
to
Den 09.07.2021 kl. 10.41 skrev Stefan Schmitz:

> Ist es denn nötig,

Ich vergass ein Beispiel:

"Bat" (Tischtennisschläger) reimt auf eng. "cat". Mit dem deutschen A
(wie in "Bach") bedeutet es "nackt". Mit Ä wird es das englische Wort "bet".

--
Bertel

Manfred Hoß

unread,
Jul 9, 2021, 10:59:09 AM7/9/21
to
Am Fri, 9 Jul 2021 01:30:28 -0700 (PDT) schrieb Ulf Kutzner:

> Dieter Britz schrieb am Freitag, 9. Juli 2021 um 10:25:41 UTC+2:
>
>> Experten scheinen einig zu sein, dass es 40 Vokale in Dänisch gibt.
>> Meine Muttersprache ist Deutsch, und ich kann alle dänische
>
> Ich kaufe ein -n.

Möchtest du auch lösen?

SCNR
Manfred.

Diedrich Ehlerding

unread,
Jul 9, 2021, 12:54:57 PM7/9/21
to
Christian Weisgerber meinte:

> „To child“ kenne ich auch nicht, aber Merriam-Webster’s Third - das
> große, nicht online - verzeichnet es, markiert als veraltet, ‘to bear
> young : give birth’.

Im DDRschen gabs ein von "Kind" abgeleitetes Verb, nämlich "abkindern" -
junge Ehepaare konnten die Rückzahlung eines bestimmten staatlichen
Kredits vermeiden, indem sie Kinder in die Welt setzten.

<https://de.wikipedia.org/wiki/Ehekredit#%E2%80%9EAbkindern%E2%80%9C>

Christian Weisgerber

unread,
Jul 9, 2021, 5:30:07 PM7/9/21
to
On 2021-07-08, René Marquardt <k98m...@gmail.com> wrote:

>>> Ich persönlich finde – anscheinend im Gegensatz zu gescheiteren
>>> Menschen – dass Sprachverwandtschaft mit der Muttersprache eine sehr
>>> geringe Rolle spielt.
>>
>> Die Anknüpfungspunkte zwischen germanisch und romanisch, oder
>> germanisch und slawisch fallen durchaus auch auf.
>
> Aber sowas von:
> https://de.wikipedia.org/wiki/Liste_indogermanischer_Wortgleichungen

Die sind für den Spracherwerb viel weniger interessant als solche
Dinge wie, dass Relativsätze postnominal sind und mit einem
Relativpronomen eingeleitet werden, dessen Beugung die Role im
Nebensatz anzeigt.

René Marquardt

unread,
Jul 9, 2021, 7:59:24 PM7/9/21
to
Buck naked gibts, manchmal auch als butt naked verstuemmelt, aber es
handelt sich bei beiden nur um eine Verstaerkung von naked.

Tischtennisschlaeger werden ueblicherweise als ping pong paddle
bezeichnet. Das Sportinstrument bat findet bei Baseball Verwendung.
Und ein Tennisschlaeger heisst racket/raquet.

Ulf Kutzner

unread,
Jul 10, 2021, 7:19:16 AM7/10/21
to
Christian Weisgerber schrieb am Freitag, 9. Juli 2021 um 13:30:08 UTC+2:
> On 2021-07-09, Bertel Lund Hansen <gade...@lundhansen.dk> wrote:
>
> >> Ausnahmslos? To child, to wife, to mother?
> >
> > Ich weiss nicht, was "to child" oder "to wife" bedeuten sollte.
> „To wive“, transitiv und intransitiv, ‘(eine Frau) heiraten’.
> Klingt für mich altmodisch/literarisch.

Gilt für 'unbeweibt' ja auch. Im Russischen ist zhenit'sja/zhenat Standardsprache.

Ulf Kutzner

unread,
Jul 10, 2021, 8:50:35 AM7/10/21
to
Diedrich Ehlerding wähnte und vermeinte am Freitag, 9. Juli 2021 um 08:26:36 UTC+2:
> Christina Kunze meinte:
> > Ich habe zugesehen, wie eine Amerikanerin Serbisch lernen wollte. Das
> > war offenbar ihre erste Fremdsprache, und eines der ersten Hindernisse
> > war, dass sie das Konzept Deklination / Konjugation nicht begriff,
> > also nicht verstehen konnte, warum Verben anders gebeugt werden als
> > Substantive und dass das überhaupt unterschiedliche Dinge sind.
> Das ist nicht allzu verwunderlich. In etwas kleinerem Maßstab geht es
> deutschen Schülern ähnlich, die Englisch lernen und den Unterschied
> zwischen Adjektiv und Adverb lernen müsssen

Wer als Deutschlehrer die Wörter heute, gestern, vergebens, nicht
kennt und nicht umgekehrt die Ableitungen heutig, gestrig, erklären
kann, der hat es eben in solchen Fällen schwer.

Quinn C

unread,
Jul 10, 2021, 12:38:09 PM7/10/21
to
* Helmut Richter:

> Ich persönlich finde – anscheinend im Gegensatz zu gescheiteren Menschen –
> dass Sprachverwandtschaft mit der Muttersprache eine sehr geringe Rolle
> spielt. Warum sollen für einen Deutschen die indogermanischen Sprachen
> irisches Gälisch, Albanisch oder Kurdisch besonders einfach sein im
> Vergleich zu Hebräisch oder Swahili? Nur wenn die Ähnlichkeiten
> unmittelbar auffallen (de/nl/da oder es/fr) können sie eine Hilfe sein.

Wird das denn wirklich so vertreten? Ich dachte, da bezieht man sich nur
auf aus der Verwandtschaft resultierende noch erkennbare Ähnlichkeiten.

Allerdings gibt es vermutlich auch "zufällige" Ähnlichkeiten, die im
Prinzip ebenso hilfreich sein können, so daß etwa die englische
Grund-Satzstruktur für Chinesen intuitiver ist als für Japaner.

--
Um IHREN SIEGREICHEN ANSPRUCH ANZUFANGEN, den SIE DIE FORM UNTEN
MIT IHRE INFORMATIONEN UND FÜLLEN MÜSSEN, SCHICKEN Sie IHM ZU IHREN
ANSPRUCH AGENTEN SOFORT.
-- SPAMPOESIE

Quinn C

unread,
Jul 10, 2021, 12:38:10 PM7/10/21
to
* Christina Kunze:

> Hier wie da hängt sehr viel von der richtigen Vermittlung ab.
> Uns wurde das Aspektsystem in der Schule sehr unzureichend vermittelt.
> Ein Gefühl für die Verwendung der Aspekte habe ich beim Polnisch-Hören
> bekommen und nicht im Russischunterricht.

Mein (westdeutscher) Russischunterricht in der Schule war ziemlich
schlecht. Als ich in meinem Mathematikstudium Probleme hatte und dachte,
ich könne nicht mehr weitermachen, habe ich probiert, ob Slawistik was
für mich sein könnte, und nochmal Russisch von Null an genommen. Mit
meinem Vorkenntnissen war das nicht so schwer, und ich konnte nebenher
die Mathe auf kleiner Flamme warmhalten.

Die Erklärungen für Sachen wie Aspekt, aber selbst so was relativ
einfaches wie palatalisierte Vokale waren um etliche Längen besser.

--
(1) Vollstandiger Name:
(2) parmanent Adresse & Country:
(3) Sex & Alter:
-- SPAMPOESIE

Ulf Kutzner

unread,
Jul 10, 2021, 2:29:42 PM7/10/21
to
Quinn C schrieb am Samstag, 10. Juli 2021 um 18:38:10 UTC+2:
> * Christina Kunze:
> > Hier wie da hängt sehr viel von der richtigen Vermittlung ab.
> > Uns wurde das Aspektsystem in der Schule sehr unzureichend vermittelt.
> > Ein Gefühl für die Verwendung der Aspekte habe ich beim Polnisch-Hören
> > bekommen und nicht im Russischunterricht.
> Mein (westdeutscher) Russischunterricht in der Schule war ziemlich
> schlecht. Als ich in meinem Mathematikstudium Probleme hatte und dachte,
> ich könne nicht mehr weitermachen, habe ich probiert, ob Slawistik was
> für mich sein könnte, und nochmal Russisch von Null an genommen. Mit
> meinem Vorkenntnissen war das nicht so schwer, und ich konnte nebenher
> die Mathe auf kleiner Flamme warmhalten.
>
> Die Erklärungen für Sachen wie Aspekt, aber selbst so was relativ
> einfaches wie palatalisierte Vokale waren um etliche Längen besser.

An der Uni kann man mehr in die Tiefe gehen, dort hören
die Studierenden eher freiwillig und mit im Schnitt höherer
fachlicher Begabung, dieweil die Schüler, die im Fremdsprachenunterricht
nicht zurechtkamen und trotzdem das Abitur geschafft haben,
hoffentlich von einem Slawistikstudium absahen; zudem wird
man an der Uni eher Dozenten angetroffen haben, die Rußland bereits
und womöglich mehrmals bereist hatten.

Hans-R. Biermann

unread,
Jul 11, 2021, 10:44:46 AM7/11/21
to
Ulf Kutzner schrieb am Samstag, 10. Juli 2021 um 20:29:42 UTC+2:


>> Die Erklärungen für Sachen wie Aspekt, aber selbst so was relativ
>> einfaches wie palatalisierte Vokale waren um etliche Längen besser.

> An der Uni kann man mehr in die Tiefe gehen, dort hören
> die Studierenden eher freiwillig und mit im Schnitt höherer
> fachlicher Begabung, dieweil die Schüler, die im Fremdsprachenunterricht
> nicht zurechtkamen und trotzdem das Abitur geschafft haben,
> hoffentlich von einem Slawistikstudium absahen; zudem wird
> man an der Uni eher Dozenten angetroffen haben, die Rußland bereits
> und womöglich mehrmals bereist hatten.

An der Univ. Greifswald hatten wir Russisch. Ich hatte das Glück, mich
mit 18 Jahren inskribieren zu können und schloß Russisch mit einer
Zwei ab. Aber diejenigen, die vorher Wehrdienst geleistet hatten (etliche
drei, vier oder mehr Jahre; der höchste Dienstgrad unseres Jahrgangs war
Kapitänleutnant), waren in dem Fach von seltsamer Entrücktheit, die wurden
zur Doofengruppe zusammengefaßt und am Sonnabendvormittag unterrichtet.
Hatte ich's unter der Woche nicht zum Russischen geschafft, so stieß ich
zu jener Gruppe und erstaunte geziemend über das, was dort ablief.
Viele waren kaum in der Lage, einen Text vorzulesen, einige waren
einfach der kyrillischen Schrift nicht mächtig - FR

Ulf Kutzner

unread,
Jul 11, 2021, 12:18:57 PM7/11/21
to
Hans-R. Biermann schrieb am Sonntag, 11. Juli 2021 um 16:44:46 UTC+2:

> An der Univ. Greifswald hatten wir Russisch. Ich hatte das Glück, mich
> mit 18 Jahren inskribieren zu können und schloß Russisch mit einer
> Zwei ab. Aber diejenigen, die vorher Wehrdienst geleistet hatten (etliche
> drei, vier oder mehr Jahre; der höchste Dienstgrad unseres Jahrgangs war
> Kapitänleutnant), waren in dem Fach von seltsamer Entrücktheit, die wurden
> zur Doofengruppe zusammengefaßt und am Sonnabendvormittag unterrichtet.
> Hatte ich's unter der Woche nicht zum Russischen geschafft, so stieß ich
> zu jener Gruppe und erstaunte geziemend über das, was dort ablief.
> Viele waren kaum in der Lage, einen Text vorzulesen, einige waren
> einfach der kyrillischen Schrift nicht mächtig

Auch sonst ist es ein recht spezielles Vergnügen, dieweil der
Wortakzent zwar beweglich und bedeutungswirksam ist, aber
zumindest außerhalb von Lehrbüchern außer bei bólschie nicht
mitgeschrieben wird. Will heißen- einen unbekannten Text
mit teils unbekannten Wörtern brauchbar vorzutragen, ist eine
Angelegenheit für Fortgeschrittene.

Christina Kunze

unread,
Jul 11, 2021, 1:54:08 PM7/11/21
to
Kein Wunder: Je länger sie sich verpflichtet hatten, desto höher wurden
sie notenmäßig gehoben, desto weniger konnten sie folglich wirklich
Russisch.

chr

Christina Kunze

unread,
Jul 11, 2021, 1:57:08 PM7/11/21
to
Aber es gibt Muster, die man sich "nebenbei" aneignet, wenn man 6 Jahre
lang 5h /Woche Russisch hat.
Bei mir hat das irgendwie geklappt. Uns hat niemals irgendwer die
Betonungsregeln beigebracht (auch nicht diese Vokalunterschiede in
betonten und unbetonten Silben), aber wir hatten die ersten beiden Jahre
zum Glück einen muttersprachlichen Russischlehrer, da ist ziemlich viel
Aussprache hängengeblieben.

chr

Christina Kunze

unread,
Jul 11, 2021, 1:59:22 PM7/11/21
to
Am 11.07.2021 um 19:57 schrieb Christina Kunze:
> Am 11.07.2021 um 18:18 schrieb Ulf Kutzner:
>> Hans-R. Biermann schrieb am Sonntag, 11. Juli 2021 um 16:44:46 UTC+2:
>>
>>> An der Univ. Greifswald hatten wir Russisch. Ich hatte das Glück, mich
>>> mit 18 Jahren inskribieren zu können und schloß Russisch mit einer
>>> Zwei ab. Aber diejenigen, die vorher Wehrdienst geleistet hatten
>>> (etliche
>>> drei, vier oder mehr Jahre; der höchste Dienstgrad unseres Jahrgangs war
>>> Kapitänleutnant), waren in dem Fach von seltsamer Entrücktheit, die
>>> wurden
>>> zur Doofengruppe zusammengefaßt und am Sonnabendvormittag unterrichtet.
>>> Hatte ich's unter der Woche nicht zum Russischen geschafft, so stieß ich
>>> zu jener Gruppe und erstaunte geziemend über das, was dort ablief.
>>> Viele waren kaum in der Lage, einen Text vorzulesen, einige waren
>>> einfach der kyrillischen Schrift nicht mächtig
>>
>> Auch sonst ist es ein recht spezielles Vergnügen, dieweil der
>> Wortakzent zwar beweglich und bedeutungswirksam ist, aber
>> zumindest außerhalb von Lehrbüchern außer bei bólschie nicht
>> mitgeschrieben wird. Will heißen- einen unbekannten Text
>> mit teils unbekannten Wörtern brauchbar vorzutragen, ist eine
>> Angelegenheit für Fortgeschrittene.
>>
> Aber es gibt Muster, die man sich "nebenbei" aneignet, wenn man 6 Jahre
> lang 5h /Woche Russisch hat.

Korrektur: 8 Jahre, denn Floris Kommilitonen hatten ja Abi.

chr

Diedrich Ehlerding

unread,
Jul 11, 2021, 2:14:30 PM7/11/21
to
Christina Kunze meinte:

> Korrektur: 8 Jahre, denn Floris Kommilitonen hatten ja Abi.

Und da wundert es mich doch sehr, wenn er schreibt, einige seiner
Kommilitonen hätten nicht einmal das kyrillische Alphabet gekannt. Das
war mir (Wessi) nach den ersten 6 Wochen freiwilligen
Russischunterrichts geläufig.

Überhaupt - war auch an der Uni Greifswald, also für studenten, noch
Russischunterricht üblich oder gar obligatorisch? Also für Nicht-
Slawisten? Oder musste man im obligatorisachen Marxismus-Leninismus-
Studium Lenins heilige Schriften im Urtext studieren und nachbeten?

Ulf Kutzner

unread,
Jul 11, 2021, 3:26:48 PM7/11/21
to
Mir reicht so etwas. Da kann man sich etwas abhören; die Regeln
bilde ich mir notfalls selber; hatte in so einem Fall ja auch zwei/sechs
Jahre Zeit zum Nachfragen. Außerdem ist man nach sechs Jahren bei
den zumindest mittelprächtig Fortgeschrittenen.

Es ist allerdings ähnlich wie im Ukrainischen. Es wurden Stimmzettel
ausgezählt und nach dortigem Wahlrecht jeweils ausgerufen:

Kútschma, Kútschma, Kútschma, Kútschma...

Im nächsten Dorf, dreieinhalb Kilometer weiter:

Kutschmá, Kutschmá, Kutschmá, Kutschmá...

Christina Kunze

unread,
Jul 11, 2021, 3:53:25 PM7/11/21
to
Am 11.07.2021 um 20:13 schrieb Diedrich Ehlerding:
> Christina Kunze meinte:
>
>> Korrektur: 8 Jahre, denn Floris Kommilitonen hatten ja Abi.
>
> Und da wundert es mich doch sehr, wenn er schreibt, einige seiner
> Kommilitonen hätten nicht einmal das kyrillische Alphabet gekannt. Das
> war mir (Wessi) nach den ersten 6 Wochen freiwilligen
> Russischunterrichts geläufig.

Freiwillig ist das Zauberwort.
Man musste und wollte überhaupt nicht. Die Anforderungen waren danach
ausgerichtet.
Wenn man bedenkt, wie erbärmlich wenig wir in diesen vielen
Unterrichtsstuden im auffassungsfähigsten Alter gelernt haben! So viel
verschwendete Zeit!

> Überhaupt - war auch an der Uni Greifswald, also für studenten, noch
> Russischunterricht üblich oder gar obligatorisch?

Ja, klar. Man musste doch auch über sein Fach auf Russisch reden können!!!
In der medizinischen Fachschule war Russisch auch obligatorisch.

Nein, bis zu Lenin auf Russich sind wir nie gekommen. Wir haben ja bis
zum Abi keinerlei Partizipien gelernt, da kommt man mit echten Texten
außerhalb der Prawda nicht zurecht.
Ich hatte das Glück, von einem französischen Slawisten etwas Alltags-
und Kulturwortschatz zu lernen, ein bisschen Grammatik ist auch
hängengeblieben, und so konnte ich mit einigem Raten Gorbatschows Reden
verstehen, aber alle haben das nicht gekonnt.

chr

Quinn C

unread,
Jul 11, 2021, 6:36:42 PM7/11/21
to
* Christina Kunze:

> Am 11.07.2021 um 20:13 schrieb Diedrich Ehlerding:
>> Christina Kunze meinte:
>>
>>> Korrektur: 8 Jahre, denn Floris Kommilitonen hatten ja Abi.
>>
>> Und da wundert es mich doch sehr, wenn er schreibt, einige seiner
>> Kommilitonen hätten nicht einmal das kyrillische Alphabet gekannt. Das
>> war mir (Wessi) nach den ersten 6 Wochen freiwilligen
>> Russischunterrichts geläufig.
>
> Freiwillig ist das Zauberwort.

In der Tat. Ich konnte das schon halbwegs, bevor ich Unterricht hatte.
Weil mich das fasziniert hat, habe ich Russisch gewählt.

> Wenn man bedenkt, wie erbärmlich wenig wir in diesen vielen
> Unterrichtsstuden im auffassungsfähigsten Alter gelernt haben! So viel
> verschwendete Zeit!

Ja. Aber so ist das - soziale Umstände haben einen großen Einfluß auf
die Motivation und damit den Erfolg des Fremdsprachenunterrichts.
Deswegen war auch im Westen, und ist in vielen anderen Ländern, der
Englischunterricht wesentlich erfolgreicher als der in jeder anderen
Fremdsprache.

--
Mein Name ist Dr. Wendy Watt ein Legitime Seriöse Geld Lender.
-- SPAMPOESIE

Ulf Kutzner

unread,
Jul 12, 2021, 1:52:40 AM7/12/21
to
Quinn C schrieb am Montag, 12. Juli 2021 um 00:36:42 UTC+2:
> * Christina Kunze:
> > Am 11.07.2021 um 20:13 schrieb Diedrich Ehlerding:
> >> Christina Kunze meinte:
> >>
> >>> Korrektur: 8 Jahre, denn Floris Kommilitonen hatten ja Abi.
> >>
> >> Und da wundert es mich doch sehr, wenn er schreibt, einige seiner
> >> Kommilitonen hätten nicht einmal das kyrillische Alphabet gekannt. Das
> >> war mir (Wessi) nach den ersten 6 Wochen freiwilligen
> >> Russischunterrichts geläufig.
> >
> > Freiwillig ist das Zauberwort.
> In der Tat. Ich konnte das schon halbwegs, bevor ich Unterricht hatte.
> Weil mich das fasziniert hat, habe ich Russisch gewählt.
> > Wenn man bedenkt, wie erbärmlich wenig wir in diesen vielen
> > Unterrichtsstuden im auffassungsfähigsten Alter gelernt haben! So viel
> > verschwendete Zeit!
> Ja.

Ohne den Notendruck zumindest der Wahlpflichtfächer
fühlten sich viele weniger bemüßigt, sich die Vokabeln
auch vollständig, soweit Unterrichtsstoff, einzuprägen.

Diedrich Ehlerding

unread,
Jul 12, 2021, 1:57:40 AM7/12/21
to
Christina Kunze meinte:

> Nein, bis zu Lenin auf Russich sind wir nie gekommen. Wir haben ja bis
> zum Abi keinerlei Partizipien gelernt,

Dann muss der Russischunterricht in der DDR ja unterirdisch schlecht
gewesen sein. In meinem freiwilligen Kurs warem all die vielen
Partizipien, im Prinzip die ganze Grammatik, das Aspektwesen usw., nach
2½ Jahren "durch". Und ich war dann in der Lage, immerhin in Moskau nach
der Bushaltestelle zu fragen (und die antwort zu verstehen).

> da kommt man mit echten Texten außerhalb der Prawda nicht zurecht.

Och, auch die Prawda schwelgte gern in Partizipien.

Ulf Kutzner

unread,
Jul 12, 2021, 2:59:43 AM7/12/21
to
Diedrich Ehlerding wähnte und vermeinte am Montag, 12. Juli 2021 um 07:57:40 UTC+2:
> Christina Kunze meinte:
> > Nein, bis zu Lenin auf Russich sind wir nie gekommen. Wir haben ja bis
> > zum Abi keinerlei Partizipien gelernt,
> Dann muss der Russischunterricht in der DDR ja unterirdisch schlecht
> gewesen sein.

Zumindest Sachen wie 'geöffnet' und 'geschlossen' hätte man aufnehmen sollen.
Etwas später auch 'gemacht' oder 'zukünftig'.

Nicht unbedingt benötigt für die Sprechfertigkeit und Orientierung im
Alltag: Skazav sie...

> In meinem freiwilligen Kurs warem all die vielen
> Partizipien, im Prinzip die ganze Grammatik, das Aspektwesen usw., nach
> 2½ Jahren "durch". Und ich war dann in der Lage, immerhin in Moskau nach
> der Bushaltestelle zu fragen (und die antwort zu verstehen).

Da kommt man ohne Vergangenheitsformen aus, wenn die Antwort nicht
gerade lautet: "Machen Sie sich nicht die Mühe, Sie haben den letzten
Bus des Tages schon verpaßt."

> > da kommt man mit echten Texten außerhalb der Prawda nicht zurecht.
> Och, auch die Prawda schwelgte gern in Partizipien.

Nach drei Jahren "für Hörer aller Fachbereiche" mit 3 SWS und einigen
Rußlandbereisungen war ich in einer Übung in Osteuropäischer Geschichte
erstaunlicherweise (außer dem Dozenten natürlich) wohl am besten in
der Lage, den originalsprachlichen Verfassungsentwürfen Gorbatschows
bzw. den Vorlagen für eine "Gemeinschaft unabhängiger Staaten" zu folgen.

René Marquardt

unread,
Jul 12, 2021, 8:06:16 AM7/12/21
to
On 7/12/2021 0:43, Diedrich Ehlerding wrote:
> Christina Kunze meinte:
>
>> Nein, bis zu Lenin auf Russich sind wir nie gekommen. Wir haben ja bis
>> zum Abi keinerlei Partizipien gelernt,
>
> Dann muss der Russischunterricht in der DDR ja unterirdisch schlecht
> gewesen sein.

War er. Es ging im Kindergarten an mit "Busyegda byuseg solzne"
auswendig lernen; 1986 mit ner Eins in Russisch abgeschlossen, 1990
nicht mal mehr in der Lage in Moskau nach dem Weg zu fragen und die
Antwort zu verstehen.

> In meinem freiwilligen Kurs warem all die vielen
> Partizipien, im Prinzip die ganze Grammatik, das Aspektwesen usw., nach
> 2½ Jahren "durch". Und ich war dann in der Lage, immerhin in Moskau nach
> der Bushaltestelle zu fragen (und die antwort zu verstehen).

Ich weiss ehrlich nicht, was Aspekte sein sollen in dem Zusammenhang.
Brauchst es mir aber nicht zu erklaeren.

Christina Kunze

unread,
Jul 12, 2021, 8:37:11 AM7/12/21
to
Am 12.07.2021 um 08:59 schrieb Ulf Kutzner:
> Diedrich Ehlerding wähnte und vermeinte am Montag, 12. Juli 2021 um 07:57:40 UTC+2:
>> Christina Kunze meinte:
>>> Nein, bis zu Lenin auf Russich sind wir nie gekommen. Wir haben ja bis
>>> zum Abi keinerlei Partizipien gelernt,
>> Dann muss der Russischunterricht in der DDR ja unterirdisch schlecht
>> gewesen sein.
>
> Zumindest Sachen wie 'geöffnet' und 'geschlossen' hätte man aufnehmen sollen.
> Etwas später auch 'gemacht' oder 'zukünftig'.

Ja, das gab es, aber als Vokabel (besonders "gegründet", die Partei
nämlich, die SU, die DDR ...) und nicht als Grammatik.

chr

René Marquardt

unread,
Jul 12, 2021, 9:29:42 AM7/12/21
to
On Monday, July 12, 2021 at 7:06:16 AM UTC-5, René Marquardt wrote:
> On 7/12/2021 0:43, Diedrich Ehlerding wrote:
> > Christina Kunze meinte:
> >
> >> Nein, bis zu Lenin auf Russich sind wir nie gekommen. Wir haben ja bis
> >> zum Abi keinerlei Partizipien gelernt,
> >
> > Dann muss der Russischunterricht in der DDR ja unterirdisch schlecht
> > gewesen sein.
> War er. Es ging im Kindergarten an mit "Busyegda byuseg solzne"
> auswendig lernen;

Mal nachgesehen. Na, nach 45 Jahren immerhin noch halbwegs erkennbar.
Lautete richtigerweise: Пусть всегда будет солнце.
Close enough for government work!

Christina Kunze

unread,
Jul 12, 2021, 9:46:18 AM7/12/21
to
Ich habs jedenfalls erkannt. Aber ich weiß ja auch, was wir in der
ersten Klasse gesungen haben. (Ich war nicht in einem staatlichen
Kindergarten und kannte vor der Schule weder dieses noch die andere
Kindergartenhymne "Kleine weiße Friedenstaube".)

chr

Ulf Kutzner

unread,
Jul 12, 2021, 9:46:23 AM7/12/21
to
Nicht unbedingt für die Bushaltestelle, aber wenn man
nach jemandem fragt, der irgendwann kommen sollte,
hier etwa eine Frau betreffend:

Prichodila - ist erfolgreich angekommen, aber schon wieder weg.
Prischla - ist angekommen, und der Erfolg hält noch immer an.

Christina Kunze

unread,
Jul 12, 2021, 9:53:11 AM7/12/21
to
Habt Ihr nicht neulich alle gesagt, dass ходить und идти gar kein
Aspektpaar sind?

chr

Ulf Kutzner

unread,
Jul 12, 2021, 11:53:04 AM7/12/21
to
Wenn wir, mit welchen Werten von wir auch immer, das gesagt haben,
dann betraf das riochtigerweise die von Dir nun genannten unpräfigierten
Formen.

Da nimmt das erste Verb gern iterative und/oder durative Werte an.

Wenn also jemand zur Schule geht, kann das etwas über
ein bestehendes Schulverhältnis ausdrücken oder aber
über das konkrete Ziel seines aktuellen Fußwegs.

René Marquardt

unread,
Jul 12, 2021, 2:12:47 PM7/12/21
to
Sachen gibts. Die Verfasserin des von dir genannten Liedes wurde 2016
mit dem Bundesverdienstkreuz ausgezeichnet.

Hans-R. Biermann

unread,
Jul 14, 2021, 3:29:32 PM7/14/21
to
Ulf Kutzner schrieb am Sonntag, 11. Juli 2021 um 18:18:57 UTC+2:

>> Viele waren kaum in der Lage, einen Text vorzulesen, einige waren
>> einfach der kyrillischen Schrift nicht mächtig

> Auch sonst ist es ein recht spezielles Vergnügen, dieweil der
> Wortakzent zwar beweglich und bedeutungswirksam ist, aber
> zumindest außerhalb von Lehrbüchern außer bei bólschie nicht
> mitgeschrieben wird. Will heißen- einen unbekannten Text
> mit teils unbekannten Wörtern brauchbar vorzutragen, ist eine
> Angelegenheit für Fortgeschrittene.

Vice versa habe ich mehrfach das ebenso zweifelhafte Vergnügen
gehabt, Russen Vortrag auf Deutsch halten zu versuchen.
Grausam - FR

Hans-R. Biermann

unread,
Jul 14, 2021, 3:37:03 PM7/14/21
to
Christina Kunze schrieb am Sonntag, 11. Juli 2021 um 19:59:22 UTC+2:

>> Aber es gibt Muster, die man sich "nebenbei" aneignet, wenn man 6 Jahre
>> lang 5h /Woche Russisch hat.

> Korrektur: 8 Jahre, denn Floris Kommilitonen hatten ja Abi.

Es gab verschiedene Wege zur Hochschulreife.
Etwa das Absolvieren einer Ing.-Schule.
Wir hatten so einen, der mit dem Überreichen seines
Abschlusses gleichzeitig zum Leutnant der Reserve
ernannt worden war, ohne je Wehrdienst geleistet zu haben - FR

Hans-R. Biermann

unread,
Jul 14, 2021, 3:41:48 PM7/14/21
to
Diedrich Ehlerding schrieb am Sonntag, 11. Juli 2021 um 20:14:30 UTC+2:

>> Korrektur: 8 Jahre, denn Floris Kommilitonen hatten ja Abi.

> Und da wundert es mich doch sehr, wenn er schreibt, einige seiner
> Kommilitonen hätten nicht einmal das kyrillische Alphabet gekannt. Das
> war mir (Wessi) nach den ersten 6 Wochen freiwilligen
> Russischunterrichts geläufig.

Der Widerwille gegen das Russische war in der DDR umfassend.

> Überhaupt - war auch an der Uni Greifswald, also für studenten, noch
> Russischunterricht üblich oder gar obligatorisch? Also für Nicht-
> Slawisten?

War für alle Fächer (ich meine, auch für Theologie) obligatorisch.
Und zur Promotion ging der Zinnober wieder los - FR

Hans-R. Biermann

unread,
Jul 14, 2021, 3:48:44 PM7/14/21
to
Ulf Kutzner schrieb am Sonntag, 11. Juli 2021 um 21:26:48 UTC+2:

> Mir reicht so etwas. Da kann man sich etwas abhören; die Regeln
> bilde ich mir notfalls selber; hatte in so einem Fall ja auch zwei/sechs
> Jahre Zeit zum Nachfragen. Außerdem ist man nach sechs Jahren bei
> den zumindest mittelprächtig Fortgeschrittenen.

Wolle mir bitte die Frage gestatten, was Dich als Juristen ins
Sowjetische gebracht hat - FR

Hans-R. Biermann

unread,
Jul 14, 2021, 4:03:15 PM7/14/21
to
Christina Kunze schrieb am Sonntag, 11. Juli 2021 um 21:53:25 UTC+2:

> Wenn man bedenkt, wie erbärmlich wenig wir in diesen vielen
> Unterrichtsstuden im auffassungsfähigsten Alter gelernt haben! So viel
> verschwendete Zeit!

Und dazu noch Marxismus-Leninismus (ML)!
Im Greifswalder Studentenlied "Heil dir im Ziegenstall" (Melodie: Heil dir
im Siegerkranz) hieß es

Wir sind in Gewi schlecht,
Wir haben niemals recht,
Sagt die Partei.

(Gewi = Gesellschaftswissenschaft)

> > Überhaupt - war auch an der Uni Greifswald, also für studenten, noch
> > Russischunterricht üblich oder gar obligatorisch?

> Ja, klar. Man musste doch auch über sein Fach auf Russisch reden können!!!
> In der medizinischen Fachschule war Russisch auch obligatorisch.
>
> Nein, bis zu Lenin auf Russich sind wir nie gekommen. Wir haben ja bis
> zum Abi keinerlei Partizipien gelernt, da kommt man mit echten Texten
> außerhalb der Prawda nicht zurecht.

Hm, also ich kann mich erinnern, sowas wie Tolstoi übersetzt zu haben
und über die Partizipialkonstruktionen ziemlich verzweifelt gewesen zu
sein - FR

René Marquardt

unread,
Jul 14, 2021, 4:25:12 PM7/14/21
to
On Wednesday, July 14, 2021 at 3:03:15 PM UTC-5, Hans-R. Biermann wrote:
> Christina Kunze schrieb am Sonntag, 11. Juli 2021 um 21:53:25 UTC+2:
>
> > Wenn man bedenkt, wie erbärmlich wenig wir in diesen vielen
> > Unterrichtsstuden im auffassungsfähigsten Alter gelernt haben! So viel
> > verschwendete Zeit!
> Und dazu noch Marxismus-Leninismus (ML)!
> Im Greifswalder Studentenlied "Heil dir im Ziegenstall" (Melodie: Heil dir
> im Siegerkranz)

Eine Melodie mit einer interessanten Geschichte.
Siehe auch "God save the Queen/King" und eine Reihe anderer
Hymnen in Europa, und ausserhalb.

Hans-R. Biermann

unread,
Jul 15, 2021, 12:55:58 PM7/15/21
to
Christina Kunze schrieb am Montag, 12. Juli 2021 um 15:46:18 UTC+2:

>> Lautete richtigerweise: Пусть всегда будет солнце.

> Ich habs jedenfalls erkannt. Aber ich weiß ja auch, was wir in der
> ersten Klasse gesungen haben. (Ich war nicht in einem staatlichen
> Kindergarten und kannte vor der Schule weder dieses noch die andere
> Kindergartenhymne "Kleine weiße Friedenstaube".)

In Tübingen diagnostizierten Theologen erstaunt, ich käme aus der
DDR und wäre doch kirchlich sozialisiert (es war das erstemal, daß
ich dieses Wort vernahm). Ich konnte es mit dem Besuch evangelischen
Kindergartens und Hortes verklaren - FR

René Marquardt

unread,
Jul 15, 2021, 1:58:26 PM7/15/21
to
Meine Oma zahlte monatlich Parteibeitrag (SED) und Kirchensteuer (r-k).

Christina Kunze

unread,
Jul 18, 2021, 10:28:57 AM7/18/21
to
Am 14.07.2021 um 22:03 schrieb Hans-R. Biermann:
> Christina Kunze schrieb am Sonntag, 11. Juli 2021 um 21:53:25 UTC+2:
>
>> Wenn man bedenkt, wie erbärmlich wenig wir in diesen vielen
>> Unterrichtsstuden im auffassungsfähigsten Alter gelernt haben! So viel
>> verschwendete Zeit!
>
> Und dazu noch Marxismus-Leninismus (ML)!
> Im Greifswalder Studentenlied "Heil dir im Ziegenstall" (Melodie: Heil dir
> im Siegerkranz) hieß es
>
> Wir sind in Gewi schlecht,
> Wir haben niemals recht,
> Sagt die Partei.

Der funktioniert natürlich nur, wenn man dieses unsägliche "Die Partei,
die Partei, die hat immer Recht" im Hinterkopf laufen hat.
https://de.wikipedia.org/wiki/Lied_der_Partei

Wobei uns unsere - nuja, nicht sehr fortschrittliche -
Geschichtslehrerin das in der 11. Klasse vorgespielt hat und wir es nur
ironisch hören konnten. Erst mein Vater hat mir den Kopf zurechtgesetzt,
dass es ernst gemeint war.

chr

Hans-R. Biermann

unread,
Jul 18, 2021, 2:32:00 PM7/18/21
to
Christina Kunze schrieb am Sonntag, 18. Juli 2021 um 16:28:57 UTC+2:

>> Wir sind in Gewi schlecht,
>> Wir haben niemals recht,
>> Sagt die Partei.

> Der funktioniert natürlich nur, wenn man dieses unsägliche "Die Partei,
> die Partei, die hat immer Recht" im Hinterkopf laufen hat.
> https://de.wikipedia.org/wiki/Lied_der_Partei
>
> Wobei uns unsere - nuja, nicht sehr fortschrittliche -
> Geschichtslehrerin das in der 11. Klasse vorgespielt hat und wir es nur
> ironisch hören konnten. Erst mein Vater hat mir den Kopf zurechtgesetzt,
> dass es ernst gemeint war.

Gestern noch Uhr geklaut,
Heute schon Kosmonaut,
Dank der Partei.

FR

Christina Kunze

unread,
Jul 18, 2021, 3:17:24 PM7/18/21
to
Biete:
Die uns die Uhr geklaut,
sind heute Kosmonaut.

Aber das ist auf die Melodie von "Heil dir im Siegerkranz".

chr

Peter Blancke

unread,
Jul 20, 2021, 5:04:53 AM7/20/21
to
Am 2021-07-14, Hans-R. Biermann <xylo...@gmail.com> schrieb:

> Im Greifswalder Studentenlied "Heil dir im Ziegenstall" (Melodie:
> Heil dir im Siegerkranz) hieß es
>
> Wir sind in Gewi schlecht,
> Wir haben niemals recht,
> Sagt die Partei.

Möchte beregen, zum Buche "Trunkene Formeln bei Boddenlicht. Ein
Studentenroman Greifswald 1966 bis 1971" des Bernd Kebelmann zu
greifen. Ebenjenes Gedicht ist in ebendieser Lektur erwähnt und mit
der "Ziege" persiflierte man wohl Gen. Ulbrichts Spitzbart.

Gruß,

Peter Blancke

--
Hoc est enim verbum meum!

Stefan Schmitz

unread,
Jul 20, 2021, 5:14:55 AM7/20/21
to
Neues Pseudonym von FloRi, oder hat er einen seiner Verbindungsbrüder
hierher abgeordnet?

Thomas Schade

unread,
Jul 20, 2021, 5:32:44 AM7/20/21
to
On 20.07.2021 11:14 (CEST), Stefan Schmitz wrote:

> Neues Pseudonym von FloRi, oder hat er einen seiner Verbindungsbrüder
> hierher abgeordnet?

Gegen Ersteres sprechen Newsserver und -client. :)


Ciao
Toscha
--
Rap is like scissors.
It always loses to rock.

Dorothee Hermann

unread,
Jul 20, 2021, 8:29:28 AM7/20/21
to
Am 20.07.21 um 11:14 schrieb Stefan Schmitz:
Nein.

Siehe (von 2006):
https://www.mail-archive.com/search?l=debian-us...@lists.debian.org&q=subject:%22hylafax%22&o=newest&f=1


Nur echt, wenn Sig "Hoc est enim verbum meum" ;-)


Dorothee

Hans-R. Biermann

unread,
Jul 20, 2021, 5:18:22 PM7/20/21
to
Peter Blancke schrieb am Dienstag, 20. Juli 2021 um 11:04:53 UTC+2:

>> Im Greifswalder Studentenlied "Heil dir im Ziegenstall" (Melodie:
>> Heil dir im Siegerkranz) hieß es
>>
>> Wir sind in Gewi schlecht,
>> Wir haben niemals recht,
>> Sagt die Partei.

> Möchte beregen, zum Buche "Trunkene Formeln bei Boddenlicht. Ein
> Studentenroman Greifswald 1966 bis 1971" des Bernd Kebelmann zu
> greifen. Ebenjenes Gedicht ist in ebendieser Lektur erwähnt und mit
> der "Ziege" persiflierte man wohl Gen. Ulbrichts Spitzbart.

Dank für den Hinweis.
Eigenartigerweise sagen mir weder Verf. noch Titel was. Habe soeben das
Inhaltsverz. eingesehen, drauf ein Expl. bestellt.
Werde bei Lektüre wohl auf etliche Bekannte stoßen - FR

Hans-R. Biermann

unread,
Jul 20, 2021, 5:21:14 PM7/20/21
to
Thomas Schade schrieb am Dienstag, 20. Juli 2021 um 11:32:44 UTC+2:

>> Neues Pseudonym von FloRi, oder hat er einen seiner Verbindungsbrüder
>> hierher abgeordnet?

> Gegen Ersteres sprechen Newsserver und -client. :)

Außerdem handelt es sich nicht um eine "Verbindung", vielmehr
um ein Corps - FR

Thomas Schade

unread,
Jul 20, 2021, 5:32:23 PM7/20/21
to
Who corps, uhm, cares ...?


Ciao
Toscha
--
Hast du was zum Süßen für den Kaffee?
Kandiszucker?
Ja, Zucker kann dies.

Quinn C

unread,
Jul 20, 2021, 5:57:37 PM7/20/21
to
* Thomas Schade:

> On 20.07.2021 23:21 (CEST), Hans-R. Biermann wrote:
>> Thomas Schade schrieb am Dienstag, 20. Juli 2021 um 11:32:44 UTC+2:
>
>>>> Neues Pseudonym von FloRi, oder hat er einen seiner Verbindungsbrüder
>>>> hierher abgeordnet?
>>
>>> Gegen Ersteres sprechen Newsserver und -client. :)
>>
>> Außerdem handelt es sich nicht um eine "Verbindung", vielmehr
>> um ein Corps - FR
>
> Who corps, uhm, cares ...?

Nur Leute mit Korpsgeist.

--
Ich gehe mal davon aus, der wird nach dem gleichen Prinzip hergestellt
wie Himbeergeist.

René Marquardt

unread,
Jul 20, 2021, 6:11:23 PM7/20/21
to
Na, dann will ich mal auch nicht so sein, und empfaehle das Werk:
"Der Todesbote aus Greifswald", aus der Gruselheftchen-Reihe "Mark
Hellmann - Daemonenjaeger der Ostzone".
Erschienen irgendwann in den spaeten 90ern, fuer den Preis von nur Zwei
Mark Dreissig.

Hans-R. Biermann

unread,
Jul 21, 2021, 2:07:00 PM7/21/21
to
René Marquardt schrieb am Mittwoch, 21. Juli 2021 um 00:11:23 UTC+2:

>> Werde bei Lektüre wohl auf etliche Bekannte stoßen.

> Na, dann will ich mal auch nicht so sein, und empfaehle das Werk:
> "Der Todesbote aus Greifswald", aus der Gruselheftchen-Reihe "Mark
> Hellmann - Daemonenjaeger der Ostzone".

Sicher ein fulminantes Werk, als dessen Protagonist ein Pharmakologe
anzunehmen ist - FR
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