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Stimmhaftes "s" im Deutschen (war Re: Gebrauch von Miss)

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Hannah Schroeter

unread,
Feb 18, 2003, 6:06:55 AM2/18/03
to
[XP+F'up d.e.s.deutsch]

Hallo!

Matthias Opatz <use0...@onlinehome.de> wrote:
>Hannah Schroeter schrieb:

>> Seit wann gibt es im Deutschen (außer bei Fremdwörtern) ein
>> stimmhaftes "s"?

>Rosse, aber: Rose;

[rose] [ro:se]

>reißen, aber: reisen

[raisen] [rai:sen]

>Machst Du da keinen Unterschied?

Doch, in der Länge des Vokals bzw. Diphtongs, aber nicht wesentlich
in der Qualität des "s".

Gruß,

Hannah (Zwischen Karlsruhe und Stuttgart aufgewachsen, falls das
eine Rolle spielt).

Olaf Dietrich

unread,
Feb 18, 2003, 7:38:53 AM2/18/03
to
Hannah Schroeter <han...@schlund.de> (de.etc.sprache.deutsch):

> Matthias Opatz <use0...@onlinehome.de> wrote:
>>Hannah Schroeter schrieb:
>
>>> Seit wann gibt es im Deutschen (außer bei Fremdwörtern) ein
>>> stimmhaftes "s"?
>>Rosse, aber: Rose;
> [rose] [ro:se]

Nein, [rOs@], [ro:z@] ([r??s??], [ro??z??]).

>>reißen, aber: reisen
> [raisen] [rai:sen]

[raIs@n], [raIz@n] ([ra??s??n], [ra??z??n]).

Lediglich im Auslaut gibt es im Deutschen kein
stimmloses s (Auslautverhärtung).


> Hannah (Zwischen Karlsruhe und Stuttgart aufgewachsen, falls das
> eine Rolle spielt).

Vermutlich, da das stimmhafte s für viele Süddeutsche problematisch
ist.

Olaf

Olaf Dietrich

unread,
Feb 18, 2003, 7:52:19 AM2/18/03
to
Hannah Schroeter <han...@schlund.de> (de.etc.sprache.deutsch):

> Matthias Opatz <use0...@onlinehome.de> wrote:
>>Hannah Schroeter schrieb:
>
>>> Seit wann gibt es im Deutschen (außer bei Fremdwörtern) ein
>>> stimmhaftes "s"?
>>Rosse, aber: Rose;
> [rose] [ro:se]

Nein, [rOs@], [ro:z@] ([rɔsə], [roːzə]).

>>reißen, aber: reisen
> [raisen] [rai:sen]

[raIs@n], [raIz@n] ([raɪsən], [raɪzən]).

Lediglich im Auslaut gibt es im Deutschen kein

stimmloses s (Auslautverhärtung), so daß sich Deutsche,
die unbedingt »politisch korrekt« sein wollen, mit
der englischen Anrede »Ms.« häufig schwertun.


> Hannah (Zwischen Karlsruhe und Stuttgart aufgewachsen, falls das
> eine Rolle spielt).

Vermutlich, da das stimmhafte s für viele Süddeutsche problematisch
ist.

Olaf

Thorsten Nitz

unread,
Feb 18, 2003, 7:59:13 AM2/18/03
to
Wolfgang Schwanke schrieb:
> han...@schlund.de (Hannah Schroeter) wrote

>>>reißen, aber: reisen
>>
>> [raisen] [rai:sen]
>

> [raisen] [rai:zen]

[raisen] [raizen]

Seit wann gibt kurze Diphthonge?

> Das spielt absolut eine Rolle. Ich möchte übrigens kühn behaupten, dass
> meine Aussprachen hochdeutsch sind.

Meine Aussprache ist selbstredend noch höherdeutscher.

--
Tschö, wa!
Thorsten

Michael Baumgartner

unread,
Feb 18, 2003, 8:05:05 AM2/18/03
to
Wolfgang Schwanke schrieb:

> [rose] [ro:ze]


>Ich möchte übrigens kühn behaupten, dass
>meine Aussprachen hochdeutsch sind.

Na Klasse, sind wir wieder einmal so weit. Ich bin ebenso kühn und
behaupte, daß meine Aussprache mit stimmlosem s ebenso Hochdeutsch ist,
wenn auch kein Bühnendeutsch.
Ich rolle übrigens auch das r, von den Adjektiven auf -ig mal ganz zu
schweigen.

Gruß, Michael

Thomas Hühn

unread,
Feb 18, 2003, 7:04:20 AM2/18/03
to
Also sprach han...@schlund.de (Hannah Schroeter):

>>reißen, aber: reisen
>
> [raisen] [rai:sen]
>
>>Machst Du da keinen Unterschied?
>
> Doch, in der Länge des Vokals bzw. Diphtongs, aber nicht wesentlich
> in der Qualität des "s".

Ich meine subjektiv, daß ich beide Laute unterscheide. Andererseits
mußte ich mich schon darauf konzentrieren, um zu merken, daß bei "Rad"
tatsächlich eine Auslautverhärtung stattfindet. Das ist mir nie zuvaor
aufgefallen.

> Hannah (Zwischen Karlsruhe und Stuttgart aufgewachsen, falls das
> eine Rolle spielt).

Ich bin in der Nähe von Stuttgart aufgewachsen.

Aber mal was anderes: Ich bin mir nicht mehr sicher, aber ich glaube,
daß mein Phonetik-Prof mal erwähnt hatte, daß Deutsche gar keinen echten
meßbaren Unterschied zwischen stimmhaften und stimmlosen Lauten machten,
sondern daß sich nur die Zeitspanne bis zum darauffolgenden Vokal
unterscheide. Habe ich das recht in Erinnerung?

Thomas

Sebastian Koppehel

unread,
Feb 18, 2003, 8:32:05 AM2/18/03
to
Wolfgang Schwanke schrieb:

> han...@schlund.de (Hannah Schroeter) wrote in

>
>>>> Seit wann gibt es im Deutschen (außer bei Fremdwörtern) ein
>>>> stimmhaftes "s"?
>>
>>>Rosse, aber: Rose;
>>
>> [rose] [ro:se]
>

> [rose] [ro:ze]


>
>>>reißen, aber: reisen
>>
>> [raisen] [rai:sen]
>

> [raisen] [rai:zen]


>
>> Hannah (Zwischen Karlsruhe und Stuttgart aufgewachsen, falls das
>> eine Rolle spielt).
>

> Das spielt absolut eine Rolle.

Das ist vermutlich wieder ein Fall für die glücklichen Besitzer des
DTV-Atlanten. Aber ganz unqualifiziert und pi mal Daumen würde ich
sagen, daß das stimmhafte S bis tief in den mitteldeutschen Raum
verbreitet ist, oberhalb (bzw. landkartenmäßig unterhalb) davon aber
eher selten anzutreffen ist.

> Ich möchte übrigens kühn behaupten, dass meine Aussprachen
> hochdeutsch sind.

Ich möchte lieber zwischen Bühnenaussprache und Hochdeutsch
differenzieren; Bühnenaussprache ist das stimmhafte S aber auf jeden
Fall, und insofern sollte es den Ssss-üddeutschen auch aus der
Tagesschau usw. bekannt sein.

- Sebastian

--
Aber diese ganzen Erfolge haben sie nicht davon abgehalten, ihr Ziel aus
den Augen zu verlieren.

(Moderator C. Spengemann bei DSDS)

Yvonne Steiner

unread,
Feb 18, 2003, 8:41:39 AM2/18/03
to
Olaf Dietrich <o...@dtrx.de> wrote:

> Hannah Schroeter <han...@schlund.de> (de.etc.sprache.deutsch):

> Lediglich im Auslaut gibt es im Deutschen kein
> stimmloses s (Auslautverhärtung), so daß sich Deutsche,
> die unbedingt »politisch korrekt« sein wollen, mit
> der englischen Anrede »Ms.« häufig schwertun.
>
>
> > Hannah (Zwischen Karlsruhe und Stuttgart aufgewachsen, falls das
> > eine Rolle spielt).
>
> Vermutlich, da das stimmhafte s für viele Süddeutsche problematisch
> ist.

Für uns Schweizer ebenso.

Es gibt hier eine TV-Sprecherin, die krampfhaft versucht ein stimmhaftes
"s" zu sprechen.
Sie setzt es aber zu oft auch an falschen Stellen ein -> und das Ganze
artet dann in ein Lispeln aus.

Das muss doch gar nicht sein.

- ys

Michael Baumgartner

unread,
Feb 18, 2003, 9:00:12 AM2/18/03
to
Sebastian Koppehel schrieb:

>Ich möchte lieber zwischen Bühnenaussprache und Hochdeutsch
>differenzieren; Bühnenaussprache ist das stimmhafte S aber auf jeden
>Fall, und insofern sollte es den Ssss-üddeutschen auch aus der
>Tagesschau usw. bekannt sein.

In der Tat, nur dürften das die wenigsten wissen, weil sie es einfach
nicht merken. [s] und [z] sind im Deutschen nun mal kein Minimalpaar.

Gruß, Michael

Christian Weisgerber

unread,
Feb 18, 2003, 10:01:01 AM2/18/03
to
Hannah Schroeter <han...@schlund.de> wrote:

> Hannah (Zwischen Karlsruhe und Stuttgart aufgewachsen, falls das
> eine Rolle spielt).

Ja, damit ist das stimmhafte s für dich ein genauso fremdsprachlicher
Laut wie für mich (Ludwigshafen). Was an seiner Rolle in der durch
Fischköpfe bestimmten Standardlautung nichts ändert.

--
Christian "naddy" Weisgerber na...@mips.inka.de

Martin Braun

unread,
Feb 18, 2003, 11:24:14 AM2/18/03
to
"Olaf Dietrich" <o...@dtrx.de> schrieb im Newsbeitrag
news:b2taa3$as9$1...@wsc10.lrz-muenchen.de...

['Rosse' : 'Rose']


> Nein, [rOs@], [ro:z@] ([rɔsə], [roːzə]).

Uh, danke. Dachte schon, das kriegt keiner mehr richtig hin!

['reißen' : 'reisen']
> [raisen] [rai:sen]

[raIs@n], [raIz@n] ([raɪsən], [raɪzən]).

Ja, meist sogar [raesən] : [raezən], bzw. gemäßigte Standardlautung mit [n]
statt [ən].

> Vermutlich, da das stimmhafte s für viele Süddeutsche problematisch
> ist.

Ja, im Auslaut und vor Konsonant ist es sowieso stimmlos. Im Anlaut im
Süd(ost)deutschen ebenso. Nur intervokalisch werden zwei S-Laute
unterschieden (d.h. 'reisen' und 'reißen' sind auch hier ein Minimalpaar).
Der Unterschied besteht jedoch nicht wirklich in der Stimmhaftigkeit sondern
vielleicht eher - wie man sagt - in der Gespanntheit.

Grüße,
Martin

Michael Hemmer

unread,
Feb 18, 2003, 11:26:54 AM2/18/03
to
Hannah Schroeter wrote:
> [XP+F'up d.e.s.deutsch]

> Matthias Opatz <use0...@onlinehome.de> wrote:
>>Hannah Schroeter schrieb:
>>>Seit wann gibt es im Deutschen (außer bei Fremdwörtern) ein
>>>stimmhaftes "s"?
>
>>Rosse, aber: Rose;
> [rose] [ro:se]
(...)

>>Machst Du da keinen Unterschied?
>
> Doch, in der Länge des Vokals bzw. Diphtongs, aber nicht wesentlich
> in der Qualität des "s".
>
> Hannah (Zwischen Karlsruhe und Stuttgart aufgewachsen, falls das
> eine Rolle spielt).

Für die Reform des Deutschunterrichts in dieser Gegend* schon ;-)

Gruß,

Michael

* Hätte ich hier "Schwaben" sagen sollen? ;-)

Ralf Heinrich Arning

unread,
Feb 18, 2003, 12:30:40 PM2/18/03
to
Martin Braun <sea...@indogermanistik.wien> wrote:

> "Olaf Dietrich" <o...@dtrx.de> schrieb im Newsbeitrag
> news:b2taa3$as9$1...@wsc10.lrz-muenchen.de...
>
> ['Rosse' : 'Rose']

> > Nein, [rOs@], [ro:z@] ([r?s?], [ro?z?]).


>
> Uh, danke. Dachte schon, das kriegt keiner mehr richtig hin!
>
> ['reißen' : 'reisen']
> > [raisen] [rai:sen]
>

> [raIs@n], [raIz@n] ([ra?s?n], [ra?z?n]).
>
> Ja, meist sogar [raes?n] : [raez?n], bzw. gemäßigte Standardlautung mit [n]
> statt [?n].
>
Was bedeutet bei Euch das Fragezeichen? Meines Wissens steht es für den
Kehlkopfknacklaut (Glottal stop). Den höre ich hier aber beim besten
Willen nicht.

Ralf

Olaf Dietrich

unread,
Feb 18, 2003, 12:46:21 PM2/18/03
to
Ralf Heinrich Arning <Muell...@despammed.com>:

> Martin Braun <sea...@indogermanistik.wien> wrote:
>> "Olaf Dietrich" <o...@dtrx.de> schrieb im Newsbeitrag
>>
>> > Nein, [rOs@], [ro:z@] ([r?s?], [ro?z?]).
>> [raIs@n], [raIz@n] ([ra?s?n], [ra?z?n]).
>> Ja, meist sogar [raes?n] : [raez?n], bzw. gemäßigte Standardlautung mit [n]
>> statt [?n].
>>
> Was bedeutet bei Euch das Fragezeichen?

Die Fragezeichen deuten Dir an, daß Dein Newsreader Probleme
mit der Zeichencodierung UTF-8 hat. Es handelte sich (in meinem
Artikel) um die IPA-Zeichen, deren ASCII-Umschrift ich jeweils
vor den Klammern angegeben hatte.

Olaf

Martin Braun

unread,
Feb 18, 2003, 1:03:34 PM2/18/03
to
"Ralf Heinrich Arning" <Muell...@despammed.com> schrieb im Newsbeitrag
news:1fql9wu.7xxq18lrmy7iN%Muell...@despammed.com...

> Martin Braun <sea...@indogermanistik.wien> wrote:
>
>> Ja, meist sogar [raes?n] : [raez?n], bzw. gemäßigte Standardlautung mit
>> [n] statt [?n].
>
> Was bedeutet bei Euch das Fragezeichen?

Das war kein Fragezeichen sondern ein Unicode-kodiertes E-Schwa.

> Meines Wissens steht es für den Kehlkopfknacklaut (Glottal stop).

Fragezeichen, ja.

> Den höre ich hier aber beim besten Willen nicht.

Und das ist auch gut so! ;-)

Grüße,
Martin

Diedrich Ehlerding

unread,
Feb 18, 2003, 1:31:54 PM2/18/03
to
Hannah Schroeter meinte:


>>Rosse, aber: Rose;
>
> [rose] [ro:se]

Da spreche ich auch unterschiedliche Vokale.


>
>>reißen, aber: reisen
>
> [raisen] [rai:sen]
>
>>Machst Du da keinen Unterschied?
>
> Doch, in der Länge des Vokals bzw. Diphtongs, aber nicht wesentlich
> in der Qualität des "s".

Ich spreche hier nur beim s einen Unterschied. Für mich sind "reisen"
und "reißen" Minimalpaare bezüglich der Aussprache des s.

Es gibt noch etliche andere (aus meiner Sicht) Minimalpaare, die sich
nur im stimmhaften bzw. stimmlosen s unterscheiden. Häufig ist
allerdings ein Diphthong "ei" dabei: Wie unterscheidest du "weise" und
"weiße" Frauen, wie unterscheidest du "Geiseln" und "Geißeln"? Wie das
"Gleißen" von den "Gleisen"? Für mich unterscheiden sich die auch nur
jeweils beim s.

Es gibt (MUSEN) aber auch Minimalpaare ohne "ei": Sprichst du einen
Unterschied zwischen dem Busen, an den man(n) grapscht, und den Bußen,
die daraufhin gegen die Grapscher verhängt werden? Hast du ausreichend
Muße, nach einem Kuss duiner Muse kreativ tätig zu werden?

> Hannah (Zwischen Karlsruhe und Stuttgart aufgewachsen, falls das
> eine Rolle spielt).

Das spielt eine Rolle. Je nördlicher, desto ausgeprägter der Unterschied
zwischen stimmhaftem und stimmlosem s. Ich selber stamme aus Hannover,
habe aber mit ~10 Jahren in Südhessen gewohnt und konnte damals die
Probleme meiner dort autochthonen Mitschüler, die zwei Laute im
Englischen auseinanderzuhalten, nicht verstehen.

Diedrich
--
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Frank Zeeb

unread,
Feb 18, 2003, 7:55:35 AM2/18/03
to
Hannah Schroeter wrote:

[stimmhaftes s]


> Hannah (Zwischen Karlsruhe und Stuttgart aufgewachsen, falls das
> eine Rolle spielt).

Es spielt. In der Gegend gibt es kein stimmhaftes "s". Daran kennt man
unsereines überall im Norden gleich.

Gruß
Frank

Sebastian Koppehel

unread,
Feb 18, 2003, 4:15:28 PM2/18/03
to
Michael Baumgartner schrieb:

> Sebastian Koppehel schrieb:
>
>>Ich möchte lieber zwischen Bühnenaussprache und Hochdeutsch
>>differenzieren; Bühnenaussprache ist das stimmhafte S aber auf jeden
>>Fall, und insofern sollte es den Ssss-üddeutschen auch aus der
>>Tagesschau usw. bekannt sein.
>
> In der Tat, nur dürften das die wenigsten wissen, weil sie es einfach
> nicht merken.

Tja, die verfeinerte norddeutsche Aussprache ist eben nicht jedermann
zugänglich :-)

> [s] und [z] sind im Deutschen nun mal kein Minimalpaar.

So? Wie ist es mit "reißen" vs. "reisen"? Oder "Sex" vs. "Sechs"?

helge willkowei

unread,
Feb 18, 2003, 5:05:31 PM2/18/03
to

Das würde ich aber vehement bezweifeln.

-helge


Thomas Frieling

unread,
Feb 18, 2003, 6:23:57 PM2/18/03
to

Michael Baumgartner schrieb:

> Wolfgang Schwanke schrieb:
>
>
>>[rose] [ro:ze]
>>Ich möchte übrigens kühn behaupten, dass
>>meine Aussprachen hochdeutsch sind.
>
>
> Na Klasse, sind wir wieder einmal so weit. Ich bin ebenso kühn und
> behaupte, daß meine Aussprache mit stimmlosem s ebenso Hochdeutsch ist,
> wenn auch kein Bühnendeutsch. (...)

Rose mit stimmlosem S? Welcher Dialekt soll das denn sein?
^ ^ ^ ^
Alle stimmlos?

Gruß

Thomas

(Schön ischt esch auf der Welt tschu schein)

Sebastian Koppehel

unread,
Feb 18, 2003, 9:31:19 PM2/18/03
to
Rüdiger Silberer schrieb:

> Sebastian Koppehel schrieb:
>>Michael Baumgartner schrieb:


>>
>>> [s] und [z] sind im Deutschen nun mal kein Minimalpaar.
>>
>>So? Wie ist es mit "reißen" vs. "reisen"? Oder "Sex" vs. "Sechs"?
>

> Absolut kein Unterschied in der Aussprache. (Mittelfranke)

Ja, das es Dialekte gibt, wo ein stimmhaftes S schlichterdings nicht
vorkommt, kann ich mir schon vorstellen. Man muß wohl festhalten, daß
man eine Aussage über "das Deutsche" in dieser Frage nicht treffen
kann.

Michael Baumgartner

unread,
Feb 19, 2003, 3:31:29 AM2/19/03
to
Sebastian Koppehel schrieb:
>Michael Baumgartner schrieb:
>
>> [s] und [z] sind im Deutschen nun mal kein Minimalpaar.
>
>So? Wie ist es mit "reißen" vs. "reisen"? Oder "Sex" vs. "Sechs"?
>
In der Tat ist Dein Einwand (wie auch Helges) berechtigt, hier wollte
ich eigentlich schreiben "im Süddeutschen". Die meisten hierzulande sind
einfach nicht in der Lage, den Unterschied wahrzunehmen.
Das erschwert übrigens die korrekte Aussprache einiger Fremdsprachen,
dafür klingt unser Italienisch schöner ;-)

"Sex" und "Sechs" werden, denke ich, von allen Sprechern des
Oberdeutschen (und wohl auch einigen des Mitteldeutschen) identisch
ausgesprochen. Zwischen "reißen" und "reisen" besteht tatsächlich ein
Unterschied, allerdings nicht in der Qualität des "s", sondern in der
Quantität.

Gruß, Michael

Michael Baumgartner

unread,
Feb 19, 2003, 3:35:17 AM2/19/03
to
Thomas Frieling schrieb:

>Rose mit stimmlosem S? Welcher Dialekt soll das denn sein?
> ^ ^ ^ ^
>Alle stimmlos?

Ja. Kein Dialekt, sondern regionale Hochlautung im oberdeutschen
Sprachgebiet.
Allerdings scheint beim Bayerischen Rundfunk die norddeutsche Aussprache
seit einiger Zeit Einstellungsvoraussetzung zu sein. Wer weiß, welche
Auswirkungen das noch zeigen wird...

Gruß, Michael

tobias b koehler

unread,
Feb 19, 2003, 4:21:22 AM2/19/03
to

Michael Baumgartner schrieb:

>>Alle stimmlos?

> Ja. Kein Dialekt, sondern regionale Hochlautung im oberdeutschen
> Sprachgebiet.

Das höre ich zum ersten mal, und ich bin in die"ß"em sprach-
gebiet aufgewachsen. Mag "ß"ein, dass das daran liegt, dass
meine vorfahren eher aus dem norden stammten, aber auch bei
anderen ur"ß"üddeutschen leuten habe ich diesen sprachfehler
nie bemerkt.

> Allerdings scheint beim Bayerischen Rundfunk die norddeutsche Aussprache
> seit einiger Zeit Einstellungsvoraussetzung zu sein.

Bei schlechtem UKW-empfang gehen die stimmhaften "s" in der tat
manchmal bachab.

--
tobias benjamin köhler ____________________________ t...@uncia.de
_________ ______________ ______________ ______________ __>_____
========H|H============H|H============H|H============H|=H=====`)
------oo-^-oo--------oo-^-oo--------oo-^-oo--------oo-^o-o--o-o=

helge willkowei

unread,
Feb 19, 2003, 6:13:03 AM2/19/03
to

Na aber hoffentlich, zumindest wenn die Beiträge auch außerhalb des
Südens gesendet werden, darf man ja wohl eine standardkonforme
Aussprache mit stimmhaftem s und unter Vermeidung des Zungen-Rs erwarten!!!

-helge


helge willkowei

unread,
Feb 19, 2003, 6:17:19 AM2/19/03
to
Michael Baumgartner wrote:
> Sebastian Koppehel schrieb:
>
>>Michael Baumgartner schrieb:
>>
>>
>>>[s] und [z] sind im Deutschen nun mal kein Minimalpaar.
>>
>>So? Wie ist es mit "reißen" vs. "reisen"? Oder "Sex" vs. "Sechs"?
>>
>
> In der Tat ist Dein Einwand (wie auch Helges) berechtigt, hier wollte
> ich eigentlich schreiben "im Süddeutschen". Die meisten hierzulande sind
> einfach nicht in der Lage, den Unterschied wahrzunehmen.
> Das erschwert übrigens die korrekte Aussprache einiger Fremdsprachen,
> dafür klingt unser Italienisch schöner ;-)

Auch Euer Schwedisch müsste besser klingen :) Obwohl jeder Norddeutsche
ja prinzipiell in der Lage sein müsste, ein stimmloses S am Silbenanfang
zu sprechen (siehe "Sex"), tun sich doch viele damit sehr schwer. Ich
vermute mal, dass eine solche Aussprache als sehr unnatürlich empfunden
und deshalb vermieden wird. Gleiches gilt für postvokalisches R (vgl.
Französisch) oder Zungen-R (Allerdings können die Niederdeutsch-Sprecher
das wiederum von Haus aus sehr gut).

-helge

Ralf Heinrich Arning

unread,
Feb 19, 2003, 8:43:16 AM2/19/03
to
Sebastian Koppehel <ba...@bastisoft.de> wrote:

> Rüdiger Silberer schrieb:
>
> > Sebastian Koppehel schrieb:
> >>Michael Baumgartner schrieb:
> >>
> >>> [s] und [z] sind im Deutschen nun mal kein Minimalpaar.
> >>
> >>So? Wie ist es mit "reißen" vs. "reisen"? Oder "Sex" vs. "Sechs"?
> >
> > Absolut kein Unterschied in der Aussprache. (Mittelfranke)
>
> Ja, das es Dialekte gibt, wo ein stimmhaftes S schlichterdings nicht

^ na, na


> vorkommt, kann ich mir schon vorstellen. Man muß wohl festhalten, daß

^
es geht doch!


> man eine Aussage über "das Deutsche" in dieser Frage nicht treffen
> kann.

Nicht nur in dieser.

Ralf

Oliver Voß

unread,
Feb 19, 2003, 11:41:16 AM2/19/03
to
Rüdiger Silberer wrote:

>>>[s] und [z] sind im Deutschen nun mal kein Minimalpaar.
>>
>>So? Wie ist es mit "reißen" vs. "reisen"? Oder "Sex" vs. "Sechs"?
>
>

> Absolut kein Unterschied in der Aussprache. (Mittelfranke)
>

Gerade in Franken würde ich eher das Gegenteil vermuten: Franken, das
ist da wo die Hasen Hosen und die Hosen Husen hasen, und das ist da wo
man zum "Glubb" geht.

Gruß,

Oliver

--
Ham Radio Station DL1YOV: http://www.qsl.net/dl1yov

Franz Kruse

unread,
Feb 19, 2003, 3:03:28 PM2/19/03
to
Michael Baumgartner:

> > > [s] und [z] sind im Deutschen nun mal kein Minimalpaar.
> >
> > So? Wie ist es mit "reißen" vs. "reisen"? Oder "Sex" vs. "Sechs"?
> >
> In der Tat ist Dein Einwand (wie auch Helges) berechtigt, hier wollte
> ich eigentlich schreiben "im Süddeutschen". Die meisten hierzulande sind
> einfach nicht in der Lage, den Unterschied wahrzunehmen.
> Das erschwert übrigens die korrekte Aussprache einiger Fremdsprachen,
> dafür klingt unser Italienisch schöner ;-)

Wie stellt ihr das denn an? Die Italiener unterscheiden sehr deutlich
zwischen stimmhaftem und stimmlosem s, abhängig von der Stellung im
Wort.

Franz

tobias b koehler

unread,
Feb 19, 2003, 5:06:48 PM2/19/03
to

Rüdiger Silberer schrieb:

>>>>So? Wie ist es mit "reißen" vs. "reisen"? Oder "Sex" vs. "Sechs"?

> Das ist schon richtig, es gibt trotzdem keinen Unterschied in der
> Aussprache bei den oben genannten Wörtern.

Kultivierter Sprachfehler?
(Komisch, auch DER FRANKE, den ich kenne, und der seiner eigenen
einschätzung nach ein lupenreines fränkisch spricht, ist fähig,
ein stimmhaftes s auszusprechen und tut das auch .....)

Thomas Frieling

unread,
Feb 19, 2003, 6:17:56 PM2/19/03
to

Rüdiger Silberer schrieb:
> (...)
> Warum sollte ein süddeutscher Sender denn in norddeutscher Ausspracher
> senden? (...)

(Bitte Hochdeutsch anstatt norddeutsch, sonst klingt es nach Heidi Kabel.)

Antwort: Um es dem Zuhörer leicht zu machen, also aus Höflichkeit.
Gegenfrage: gibt es für 'einen Süddeutschen' Elemente im Hochdeutschen,
die ihm ebenso als Sprachfehler erscheinen, wie einem
'Nicht-Süddeutschen' z.B. die Unfähigkeit, stimmhafte 's'-Laute
hervorzubringen?

Gruß

Thomas

Ralf Heinrich Arning

unread,
Feb 20, 2003, 8:55:06 AM2/20/03
to
Thomas Frieling <thomas....@arcor.de> wrote:

> Gegenfrage: gibt es für 'einen Süddeutschen' Elemente im Hochdeutschen,
> die ihm ebenso als Sprachfehler erscheinen, wie einem
> 'Nicht-Süddeutschen' z.B. die Unfähigkeit, stimmhafte 's'-Laute
> hervorzubringen?

Ja sicher. Zur niederdeutschen Lautung gehört es, ein "g" nach Vokalen
fast immer wie ein "ch" auszusprechen, also nicht nur in solchen
Endungen wie "-nig" oder "-lig", sondern auch in Wörtern wie "Teig",
"Sieg", "lügt", "legt", "Sog", "Magdalene", "Agnes", "Burg" (r=a),
"Sarg", "sag", "Bug" ...

Ich wurde einmal nicht verstanden, weil ich "Teig" meinte, man aber
"Teich" verstand.

Solche perversen Laute wie "pf" gibt man als Norddeutscher ohne Not auch
nicht von sich. Deshalb klingen "Pflug" und "Fluch" völlig gleich.

Ein "g" spricht man nur am Silbenanfang oder wenn ein "g" am
Silbenanfang folcht ;-) ("baggern").

Ralf

Diedrich Ehlerding

unread,
Feb 20, 2003, 11:22:55 AM2/20/03
to
Ralf Heinrich Arning meinte:


>> Gegenfrage: gibt es für 'einen Süddeutschen' Elemente im
>> Hochdeutschen, die ihm ebenso als Sprachfehler erscheinen, wie einem
>> 'Nicht-Süddeutschen' z.B. die Unfähigkeit, stimmhafte 's'-Laute
>> hervorzubringen?
>
> Ja sicher. Zur niederdeutschen Lautung gehört es, ein "g" nach Vokalen

> fast immer wie ein "ch" auszusprechen, [...]


>
> Solche perversen Laute wie "pf" gibt man als Norddeutscher ohne Not
> auch nicht von sich. Deshalb klingen "Pflug" und "Fluch" völlig
> gleich.
>
> Ein "g" spricht man nur am Silbenanfang oder wenn ein "g" am
> Silbenanfang folcht ;-) ("baggern").

Alles richtig beobachtet, die Frage hieß aber nicht "gibt es im
Norddeutschen/Niederdeutschen ...?", sondern "gibt es im Hochdeutschen
...?". Wenn ich Thomas richtig verstehe, meint er hier mit
"Hochdeutsch" die Standardaussprache.

"Fluch" für "Pflug" ist zwar z.B. in Ostwestfalen verbreitet, aber
keineswegs "Hochdeutsch" im Sinne von Standardaussprache. Auch deine
anderen Beispiele für norddeutsche Regionalaussprache nicht.

Michael Baumgartner

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Feb 20, 2003, 12:30:51 PM2/20/03
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tobias b koehler schrieb:

>Kultivierter Sprachfehler?
>(Komisch, auch DER FRANKE, den ich kenne, und der seiner eigenen
>einschätzung nach ein lupenreines fränkisch spricht, ist fähig,
>ein stimmhaftes s auszusprechen und tut das auch .....)

Ich bin zwar kein Franke, aber ich kann es auch, wo es in Fremdsprachen
notwendig ist. Nur im Deutschen mache ich es halt nicht.

Gruß, Michael

Michael Pronay

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Feb 21, 2003, 2:33:00 AM2/21/03
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Thomas Frieling <thomas....@arcor.de> wrote:

> Gegenfrage: gibt es für 'einen Süddeutschen' Elemente im
> Hochdeutschen, die ihm ebenso als Sprachfehler erscheinen, wie
> einem 'Nicht-Süddeutschen' z.B. die Unfähigkeit, stimmhafte
> 's'-Laute hervorzubringen?

Ein Paar wird's schon geben. "Verse" sprechen sich in der
Standardlautung wie Ferse, in süddeutscher Lautung wie Werse.

M.

Michael Baumgartner

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Feb 21, 2003, 6:49:10 AM2/21/03
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Michael Pronay schrieb:

Müßte hier statt "süddeutscher" nicht "norddeutscher" stehen? Denn
gerade in meiner Heimatstadt München fallen Nicht-Einheimische u. a.
dadurch auf, daß sie das "Walentin"-Musäum (sic) besuchen und auf dem
"Wiktualienmarkt" einkaufen, während die Eingeborenen beides wacker mit
"f" aussprechen.

Gruß, Michael

Sebastian Koppehel

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Feb 21, 2003, 8:12:09 AM2/21/03
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Michael Baumgartner schrieb:

> Michael Pronay schrieb:
>>Thomas Frieling <thomas....@arcor.de> wrote:
>>
>>> Gegenfrage: gibt es für 'einen Süddeutschen' Elemente im
>>> Hochdeutschen, die ihm ebenso als Sprachfehler erscheinen, wie
>>> einem 'Nicht-Süddeutschen' z.B. die Unfähigkeit, stimmhafte
>>> 's'-Laute hervorzubringen?
>>
>>Ein Paar wird's schon geben. "Verse" sprechen sich in der
>>Standardlautung wie Ferse, in süddeutscher Lautung wie Werse.
>
> Müßte hier statt "süddeutscher" nicht "norddeutscher" stehen?

Das jedenfalls nicht. Ob "süddeutscher" richtig ist, weiß ich nicht.

Sebastian Koppehel

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Feb 21, 2003, 8:14:14 AM2/21/03
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Ralf Heinrich Arning schrieb:

Da will man orthographisch/vokabularisch mal mit "schlichterdings"
provozieren, aber dann rutscht einem ein "s" rein, und keiner sieht
mehr hin ... :-)

Sebastian Koppehel

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Feb 21, 2003, 11:57:51 AM2/21/03
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Rüdiger Silberer schrieb:

> Finde ich auch. Aber bei der Aussprache von englischen Wörtern brechen
> sie sich schier die Zungen damit das ganze möglichst original
> amerikanisch klingt.

Gestern im Qualitätsfernsehen von RTL 2 Reportage über kanadische
Lastwagenfahrer gesehen. Harte Jungs, fahren mit schweren Maschinen
gigantische Ladungen frisch gefällter Baumstämme zu Tal. Dokumentation
offenbar aus überseeischer Produktion, hektisch geschnitten, O-Töne
deutsch übersprochen, ständig war von den "Twuckern" auf ihren
"Twucks" und ihrem "harten Dschaaab" die Rede, jedoch -- langsam aber
sicher schlich sich eine Tatsache in das Bewußtsein des Zuschauers,
die den gewollten Eindruck vollkommen durchkreuzte ... die
Brummi-Fahrer ... ihre Chefs von der Holzfirma ... ihre Familien ...
das Kantinenpersonal ... alle sprachen FRANZÖSISCH!

Sebastian Koppehel

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Feb 21, 2003, 9:07:14 PM2/21/03
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Rüdiger Silberer schrieb:

> Sebastian Koppehel schrieb:
>

>>Gestern im Qualitätsfernsehen von RTL 2 Reportage über kanadische
>>Lastwagenfahrer gesehen. Harte Jungs, fahren mit schweren Maschinen
>>gigantische Ladungen frisch gefällter Baumstämme zu Tal. Dokumentation
>>offenbar aus überseeischer Produktion, hektisch geschnitten, O-Töne
>>deutsch übersprochen, ständig war von den "Twuckern" auf ihren
>>"Twucks" und ihrem "harten Dschaaab" die Rede, jedoch -- langsam aber
>>sicher schlich sich eine Tatsache in das Bewußtsein des Zuschauers,
>>die den gewollten Eindruck vollkommen durchkreuzte ... die
>>Brummi-Fahrer ... ihre Chefs von der Holzfirma ... ihre Familien ...
>>das Kantinenpersonal ... alle sprachen FRANZÖSISCH!
>

>:-)
> Sehr erheiternd.
> Aber es ist bezeichnend, daß dies den Dschornalisten nicht aufgefallen
> ist.

Ob ihnen das aufgefallen ist, weiß ich nicht. Dokumentationen auf RTL
2, noch dazu welche über Amerika, müssen wohl so sein.

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