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Goetz-Zitat

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Heinz Lohmann

unread,
Jan 2, 2002, 8:49:01 PM1/2/02
to
Das Götz-Zitat ist sicher bekannt in verschiedenen Formen, wie z.B.: "Du
kannst mich mal am Arsch lecken."
Was wird denn im "Götz von Berlichingen" wörtlich gesagt?
Im Zitate-Duden hab ich leider nichts dazu gefunden.

--
mfg
Heinz Lohmann
Taipei, Taiwan
25°05'N 121°32'E

Ralf Heinrich Arning

unread,
Jan 2, 2002, 11:30:50 PM1/2/02
to
Heinz Lohmann <heinzl...@yahoo.com> wrote:

> Das Götz-Zitat ist sicher bekannt in verschiedenen Formen, wie z.B.: "Du
> kannst mich mal am Arsch lecken."
> Was wird denn im "Götz von Berlichingen" wörtlich gesagt?
> Im Zitate-Duden hab ich leider nichts dazu gefunden.

Im dritten Akt:

| *Götz* (/antwortet/). Mich ergeben! Auf Gnad und Ungnad! Mit wem
| redet Ihr! Bin ich ein Räuber! Sag deinem Hauptmann: Vor Ihro
| Kaiserliche Majestät hab ich, wie immer, schuldigen Respekt. Er
| aber, sag's ihm, er kann mich - - - (/Schmeißt das Fenster zu./)
|
|  
| *Belagerung. Küche*
|
| /Elisabeth. Götz zu ihr./

Das hatten wir vor einem guten Jahr.
Such mal bei Google den Artikel <913ic4.3...@bei-ermel.de> und
schau Dir ggf. den ganzen Thread an (Satz: 'Du mich auch!')

Es gibt wohl mehrer Fassungen, sowohl von Goethe selbst als auch von den
Herausgebern.

Ralf

Ralf Heinrich Arning

unread,
Jan 3, 2002, 10:32:02 AM1/3/02
to
Nachtrag, aus Röhrich:

| Lange vor Goethes 'Götz von Berlichingen' (III, 4) findet sich
| die Redensart bei Luther: »Wenn man aber nun den Teufel kennt, so
| kann man leichtlich zu im sagen: Leck mich im Arsch«. Frühbelege
| gibt es allenthalben in grobianischer Sprache, z.B. bei Hans Sachs
| ('Der doctor mit der grosen nasen'):
|
| Ey wie wol dus getroffen hast,
| Peim ars im Schlaff, mein lieber Fricz,
| Kump her vnd kües mich, da ich sicz!
|
| Grimmelshausens 'Simplicissimus' kennt die Redensart noch als
| konkrete Demütigung: »Hätten sie ihm Nasen und Ohren
| abgeschnitten, zuvor aber gezwungen, daß er ihrer Fünfen den
| Hindern lecken müssen«; oder an anderer Stelle: »Ich sagte: Du
| Flegel, sie haben dir deine Schafe wollen stehlen. Der Bauer
| antwortete: So wollte ich, daß sie mich und meine Schafe müßten im
| Hintern lecken«.
| [Lexikon der sprichwörtlichen Redensarten: Arsch, S. 2. Digitale
| Bibliothek Band 42: Lexikon der sprichwörtlichen Redensarten, S.
| 366 (vgl. Röhrich-LdspR Bd. 1, S. 103) (c) Verlag Herder]

[...]

| Goethe fand die Vorlage in der 'Lebensbeschreibung Herrn Götzens
| von Berlichingen', 1731, wo es u.a. heißt: » ... da schrie der
| Amtmann oben heraus, da schrie ich wieder zu ihme hinauf, er
| sollte mich hinten lecken ...«. Kaspar Stieler formulierte 1691
| vornehm und lateinisch: »Ich werde dich darumb nicht im Arsche
| lecken, non supplicabo tibi, nec instar numinis te venerabor ob
| rem eius modi«.
| [Lexikon der sprichwörtlichen Redensarten: Arsch, S. 3. Digitale
| Bibliothek Band 42: Lexikon der sprichwörtlichen Redensarten, S.
| 367 (vgl. Röhrich-LdspR Bd. 1, S. 103) (c) Verlag Herder]

Ralf

Erik Meltzer

unread,
Jan 3, 2002, 10:27:37 AM1/3/02
to
Moin!

Ralf Heinrich Arning wrote:
> | Sag deinem Hauptmann: Vor Ihro
> | Kaiserliche Majestät hab ich, wie immer, schuldigen Respekt. Er
> | aber, sag's ihm, er kann mich - - - (/Schmeißt das Fenster zu./)

Unser Deutschlehrer trug uns einst auf, im Reclam die Worte
"im Arsche lecken" statt der Auslassungszeichen einzutragen
(und vorzulesen).

HTH,
Erik.
--
"Nein. drm ist die Mutter und der Vater des Usenets, Astra und Omega."
-- Wolfgang Krietsch in d.s.r.s.

Kerstin Lenz

unread,
Jan 4, 2002, 1:00:50 PM1/4/02
to
Hallo!

Hans-Georg Bickel wrote:
> Wobei ich als langjähriger Besucher der Festpiele auf der
> Götzenburg in Jagsthausen beitragen kann, daß bei sämtlichen von
> mir besuchten Aufführungen der letzte Teil des Zitates eindeutig
> das Wort "im" enthielt.


Meiner Erinnnerung nach ist das auch die "echte" Fassung.
Kann das jemand bestaetigen?

Und eine weiterfuehrende Frage: Kann es sein, dass diese
Redewendung urspruenlich auf homosexuelle Praktiken
anspielte? Ich erinnnere mich dunkel an eine Fussnote in
einem Werk ueber die Kreuzritter, wo die jahrelange rein
maennliche Gesellschaft in manchen Orden diese sexuellen
Praktiken derart gefoerdert hatte, dass sie spaeter explizit
verboten wurden. Ich meine, in der Anmerkung war die Rede
davon, dass das gemeinsame Schlafen unter einem Mantel und
das "am Arsche lecken" als teuflische Riten verboten seien.
Eventuell nicht auf Kreuzritter allgemein, sondern auf
Malteserritter spezielle bezogen?


Gruss,

Kerstin

Heinz Lohmann

unread,
Jan 5, 2002, 8:32:23 PM1/5/02
to
Kerstin Lenz schrieb:

Nach Röhrichs Lexikon der sprichwörtlichen Redensarten hat dieser sehr
alte Ausdruck urspr.. zauberische Hintergründe, denn die Weisung des
nackten Hinterns war eine zauberische Abwehrgeste. In der
Teufelsverehrung mussten die Hexen auf dem Blocksberg dem Teufel den
Arsch lecken oder ihm in Gestalt eines Bocks den Hintern küssen.
Die Aufforderung "LMAA" soll auf jeden Fall eine Entwürdigung und
Demütigung darstellen.

In der Umgangssprache wird die Redewendung auch als Ausdruck des
Erstaunen oder der Überraschung gebraucht.

Diese und viele weitere interessante Infos zum Thema "Arsch" stehen in:
Lutz Röhrich: Lexikon der sprichwörtlichen Redensarten Bd. 1 Herder 1999

Danke an alle Beiträger zum genauen Wortlaut des Götz-Zitats.

--
mfg
Heinz Lohmann
Taipei, Taiwan
25°05'N 121°32'E

Der gute Ton steht dort um eine Oktave niedriger.
- Georg Christoph Lichtenberg

Ralf Heinrich Arning

unread,
Jan 8, 2002, 4:12:50 PM1/8/02
to
Erik Meltzer <er...@ermel.org> wrote:

> Moin!
>
> Ralf Heinrich Arning wrote:
> > | Sag deinem Hauptmann: Vor Ihro
> > | Kaiserliche Majestät hab ich, wie immer, schuldigen Respekt. Er
> > | aber, sag's ihm, er kann mich - - - (/Schmeißt das Fenster zu./)
>
> Unser Deutschlehrer trug uns einst auf, im Reclam die Worte
> "im Arsche lecken" statt der Auslassungszeichen einzutragen
> (und vorzulesen).

Nicht ohne Grund. Die Weimarer Ausgabe (= Sophienausgabe), Band I.8,
Weimar 1889, repr. München 1987, gibt zwar auf S. 109 auch den oben
zitierten Text mit Gedankenstrichen wieder, fügt im Apparart auf S. 331
aber die Variante der ersten Buchausgabe von 1773 an: da steht statt
"mich -- -- --" nämlich "mich im Arsch lecken".

Ralf

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