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Schweizer Ortsnamen auf -ikon

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Klaus Pommerening

unread,
Nov 28, 2015, 5:04:03 AM11/28/15
to
Im Raum Zürich gube es recht viele Orte mit Namen, die auf
-ikon enden (Adlikon, Bertschikon, Pfäffikon, Ellikon,
Wetzikon, Oerlikon, Dietikon, ...). Die Vermutung, es handle
sich um eine Dialektvariante der üblichen alemannischen
Ortsnamen auf -ingen, ist sehr unplausibel, da Orte auf
-ikon und Orte auf -ingen vermischt vorkommen (Reutlingen,
Wülflingen, Weisslingen, Schwamendingen, ...).

Zwei Fragen:

1. Welche Bedeutung hat die Endung -ikon für Ortsnamen?
2. Ist diese Endung auf den Kanton Zürich (oder den
historischen Zürichgau) beschränkt, oder gibt es auch
anderswo ein Vorkommen?
--
Klaus Pommerening
Aus dem alemannischen Wörterbuch:
Am Dunschtig isch's z'dunschtig gsi.
= Vorgestern war die Aussicht nicht so überwältigend.

Walter Schmid

unread,
Nov 28, 2015, 7:40:01 AM11/28/15
to
Am 28.11.2015 um 11:04 schrieb Klaus Pommerening:
> Im Raum Zürich gube es recht viele Orte mit Namen, die auf
> -ikon enden (Adlikon, Bertschikon, Pfäffikon, Ellikon,
> Wetzikon, Oerlikon, Dietikon, ...). Die Vermutung, es handle
> sich um eine Dialektvariante der üblichen alemannischen
> Ortsnamen auf -ingen, ist sehr unplausibel, da Orte auf
> -ikon und Orte auf -ingen vermischt vorkommen (Reutlingen,
> Wülflingen, Weisslingen, Schwamendingen, ...).


Das ist richtig
>
> Zwei Fragen:
>
> 1. Welche Bedeutung hat die Endung -ikon für Ortsnamen?


https://de.wikipedia.org/wiki/-ing


> 2. Ist diese Endung auf den Kanton Zürich (oder den
> historischen Zürichgau) beschränkt, oder gibt es auch
> anderswo ein Vorkommen?


Das wüsste ich jetzt nicht. Mir fällt aber kein Ausnahme ein.


Gruss

Walter

--
Neu: Täglich frische Sig

Andreas Karrer

unread,
Nov 28, 2015, 9:12:22 AM11/28/15
to
* Klaus Pommerening <pomm...@mail.uni-mainz.de>:
> Im Raum Zürich gube es recht viele Orte mit Namen, die auf
> -ikon enden (Adlikon, Bertschikon, Pfäffikon, Ellikon,
> Wetzikon, Oerlikon, Dietikon, ...). Die Vermutung, es handle
> sich um eine Dialektvariante der üblichen alemannischen
> Ortsnamen auf -ingen, ist sehr unplausibel, da Orte auf
> -ikon und Orte auf -ingen vermischt vorkommen (Reutlingen,
> Wülflingen, Weisslingen, Schwamendingen, ...).

Es sind beides alemannische Ortsnamen, aber aus verschiedenen Zeiten.

HLS, Historisches Lexikon der Schweiz:
http://www.hls-dhs-dss.ch/textes/d/D8027.php

Innerhalb der alemann.-dt. Siedlungsnamen ist eine ältere
Namenschicht (Formen: -ingen-, -heim- und -dorf) von den Namen eines
ersten frühma. Ausbauraums (Haupttyp: -inghofen bzw. -ighofen,
ikofen sowie -ikon) und denjenigen eines zweiten Ausbauraums (Formen:
-wil und -wiler) zu unterscheiden. Aus der Übernahme und
Lautverschiebung vordt. Namen, der zeitl. und räuml. Verteilung der
genannten alemann.-dt. Leitnamen, ferner aus der Verbreitung der für
die alemann.-rom. Berührungszonen typ. Walen-Namen entlang der
dt.-franz. Sprachgrenze sowie in der Nordost- und der Zentralschweiz
kann die alemann. Siedlungsbewegung bis zum 7./8. Jh. bestimmt
werden.

> Zwei Fragen:
>
> 1. Welche Bedeutung hat die Endung -ikon für Ortsnamen?

Das -ikon ist eine Verkürzung von -i(n)ghofen, solche
Ortsnamen sind im Bodenseeraum noch erhalten (Bottighofen,
Dettighofen, Hünighofen). Also eine Art erweitertes -ing.

> 2. Ist diese Endung auf den Kanton Zürich (oder den
> historischen Zürichgau) beschränkt, oder gibt es auch
> anderswo ein Vorkommen?

Die Ortsnamen sind natürlich viel älter als die Grenzen der heutigen
Kantone. -ikon ist im Kanton Zürich und im Aargau (dort meist mit
-iken verschriftlicht) sehr häufig, im Thurgau nicht selten, in der
Umgebung dieser Gebiete vereinzelt.

Die Aussprache im heutigen Schweizerdeutsch ist immer -ike mit einem
Schwa, keine Spur eines o; also Wetzike, Örlike, Mörike usw. Die
Ortsnamen auf -ingen werden traditionell wie -ige ausgesprochen:
Grüenige, Esslige, Goldige, das ist nicht soo weit von -ike entfernt.




- Andi, in Wetzikon aufgewachsen

Manfred Hoß

unread,
Nov 28, 2015, 4:01:31 PM11/28/15
to
Am Sat, 28 Nov 2015 11:04:02 +0100 schrieb Klaus Pommerening:

[...]
> Zwei Fragen:
>
> 1. Welche Bedeutung hat die Endung -ikon für Ortsnamen?
> 2. Ist diese Endung auf den Kanton Zürich (oder den
> historischen Zürichgau) beschränkt, oder gibt es auch
> anderswo ein Vorkommen?

3. Wieso hat der Fluss Rubikon ebenfalls die Endung -ikon, bzw. -icon im
Lateinischen? Gibt es einen Zusammenhang mit der Endung -ikon bei
Ortsnamen?

Gruß
Manfred

Roland Franzius

unread,
Nov 29, 2015, 2:09:16 AM11/29/15
to
Eher nicht, der heutige Fluss Rubicone wurde von Mussolini "erfunden".

Wo genau ein antiker Rubicon die Grenze zwischen der Gallia cisalpina
und Etrurien markierte und welchem Sprachkreis der Name angehörte, ist
unbekannt.

Etruskisch und norditalienisches Keltisch in der Po-Ebene sind schon im
zweiten Jahrhundert vChr ausgestorben, da die Gegenden bevorzugte
Ansiedlungsebiete für die Veteranen der römischen Legionen darstellten.

Von der Geschichtsseite von Pfäffikon an Pfäffiker See:

> Der bedeutendste geschichtliche Zeuge ist das Römerkastell, erbaut im
> 3./4. Jhd. n. Chr. Es ist eines der schönsten und am besten
> erhaltenen römischen Bauwerke in der Ostschweiz. Funde aus früheren
> Zeiten sind im Museum am Pfäffikersee ausgestellt.
>
> Zum ersten Mal wurde der Name „Faffinchova“ (Hof des Pfaffen) erwähnt
> im Zusammenhang mit einer Schenkungsurkunde, welche im Jahr 811 n.
> Chr. im Vorraum der Kirche unterzeichnet worden war.

Demnach wäre der geografische Grundbegriff eine allemannische Form von
Hof/Chof als befestigter Siedlungsplatz. Die Endsilbe -hof kommt im
Süden des Deutschen Reich bei Ortsnamen flächendeckend vor, oft auch als
-hofen.

Zum selben Schluss kommt auch Konrad Kunze, Dialektforscher an der
Universität Freiburg

http://www.badische-zeitung.de/fragen-sie-nur/wieso-enden-so-viele-ortsnamen-in-suedbaden-und-der-schweiz-auf-kon--20261506.html

--

Roland Franzius


Markus Loch

unread,
Nov 30, 2015, 11:14:32 AM11/30/15
to
Am 28.11.2015 um 22:01 schrieb Manfred Hoß:
In der vaskonischen Hypothese:

<https://de.wikipedia.org/wiki/Vaskonische_Hypothese>

sind die Endungen auf "k" oder "ko" der Reflex eines
Genitivus Locativus, so wie er noch im heutigen Baskischen
existiert.

Beispiel: (Bad) Dürkheim:

Dürk geht ein Durik voraus (Umlautung durch das i), das wiederum
entspricht 'Ituri' baskisch "Quelle". Ituriko heisst "an der Quelle"
Bad Dürkheim, Bad Dürrheim uam. sind nach ihren Quellen benannt.

Die Herleitung von Ortsnamen aus Personennnamen wird abgelehnt,
da kein einziger Fall belegt ist, siehe Abschnitt

<https://de.wikipedia.org/wiki/Vaskonische_Hypothese#Kritik>

Gruss
Markus

Uwe Schickedanz

unread,
Nov 30, 2015, 11:49:59 AM11/30/15
to
On Mon, 30 Nov 2015 17:14:25 +0100, Markus Loch <M...@rkusLo.ch> wrote:

>
> Die Herleitung von Ortsnamen aus Personennnamen wird abgelehnt,
>da kein einziger Fall belegt ist, siehe Abschnitt
>
><https://de.wikipedia.org/wiki/Vaskonische_Hypothese#Kritik>

Ich konnte dem soweit folgen, aber dieser Abschnitt müßte noch
präzisiert werden. Ein Christiansdorf oder Berthelsdorf ist ganz
sicher nach Personen benannt, nämlich nach deren Lokatoren. Und davon
gibts eine ganze Menge.

Man sollte hier also wenigstens den Zeitraum benennen, für den das
zutrifft.

Gruß Uwe

--
"Die Amerikaner können von uns lernen, wie man Russland schlagen kann."
Der ukrainische Präsident Poroschenko über US-Instrukteure, die im November
in die Ukraine kommen werden.
=== http://www.sicherheitslampe.de ===

Walter Schmid

unread,
Nov 30, 2015, 11:55:48 AM11/30/15
to
Am 30.11.2015 um 17:14 schrieb Markus Loch:
`
> Die Herleitung von Ortsnamen aus Personennnamen wird abgelehnt,
> da kein einziger Fall belegt ist, siehe Abschnitt


Sankt Gallen stammt von heiligen Gallus ab! Wenn das kein Beleg ist!

Oder habe ich etwas missverstanden?


Gruss

Walter

--
Ich suche Wörter, die mit Fn oder fn *beginnen*. Egal welche
Sprache und Schrift (aber keine Akronyme oder selbst gebildete
Scherzwörter!). Ich bitte bei aussereuropäischen Schriften um
Transkription. Besten Dank!

Manfred Hoß

unread,
Nov 30, 2015, 1:15:33 PM11/30/15
to
Am Mon, 30 Nov 2015 17:49:58 +0100 schrieb Uwe Schickedanz:

> On Mon, 30 Nov 2015 17:14:25 +0100, Markus Loch <M...@rkusLo.ch> wrote:
>
>>
>> Die Herleitung von Ortsnamen aus Personennnamen wird abgelehnt,
>>da kein einziger Fall belegt ist, siehe Abschnitt
>>
>><https://de.wikipedia.org/wiki/Vaskonische_Hypothese#Kritik>
>
> Ich konnte dem soweit folgen, aber dieser Abschnitt müßte noch
> präzisiert werden. Ein Christiansdorf oder Berthelsdorf ist ganz
> sicher nach Personen benannt, nämlich nach deren Lokatoren. Und davon
> gibts eine ganze Menge.
>
> Man sollte hier also wenigstens den Zeitraum benennen, für den das
> zutrifft.

Am Anfang des Artikels ist vom 3. Jahrtausend vor Christus die Rede.

Gruß
Manfred.

Uwe Schickedanz

unread,
Nov 30, 2015, 1:47:19 PM11/30/15
to
On Mon, 30 Nov 2015 19:15:42 +0100, Manfred Hoß <rostk...@arcor.de>
wrote:
Sicher. Aber bei den Ortsnamen fehlt diese Eingrenzung, da gehts um
Bad Dürkheim etc.

Markus Loch

unread,
Nov 30, 2015, 5:42:31 PM11/30/15
to
Am 30.11.2015 um 17:55 schrieb Walter Schmid:
> Am 30.11.2015 um 17:14 schrieb Markus Loch:
> `
>> Die Herleitung von Ortsnamen aus Personennnamen wird abgelehnt,
>> da kein einziger Fall belegt ist, siehe Abschnitt
>
> Sankt Gallen stammt von heiligen Gallus ab! Wenn das kein Beleg ist!
>
> Oder habe ich etwas missverstanden?
>
>
> Gruss
>
> Walter
>

Der Name ist vom Kloster auf die Stadt übertragen worden.

Gegründet wurde Sankt Gallen jedoch von Otmar 100 Jahre nach dem
Tode von Gallus, müsste also eigentlich Otmarsheim o.ä heissen.
Erst seit dieser Zeit gibt es ein Kloster namens Sankt Gallen.

Gruss
Markus

Sepp Neuper

unread,
Nov 30, 2015, 5:59:05 PM11/30/15
to
Manfred Hoß <rostk...@arcor.de> schrieb:

>3. Wieso hat der Fluss Rubikon ebenfalls die Endung -ikon, bzw. -icon im
>Lateinischen? Gibt es einen Zusammenhang mit der Endung -ikon bei
>Ortsnamen?

Vielleicht ist hier die Endung nicht "-ikon", sondern nur "-kon"?
Es gibt in Europa viele Orte, die Rubi heißen.

Servus, Sepp

Markus Loch

unread,
Nov 30, 2015, 6:26:51 PM11/30/15
to
Am 30.11.2015 um 19:47 schrieb Uwe Schickedanz:
> On Mon, 30 Nov 2015 19:15:42 +0100, Manfred Hoß <rostk...@arcor.de>
> wrote:
>
>> Am Mon, 30 Nov 2015 17:49:58 +0100 schrieb Uwe Schickedanz:
>>
>>> On Mon, 30 Nov 2015 17:14:25 +0100, Markus Loch <M...@rkusLo.ch> wrote:
>>>
>>>>
>>>> Die Herleitung von Ortsnamen aus Personennnamen wird abgelehnt,
>>>> da kein einziger Fall belegt ist, siehe Abschnitt
>>>>
>>>> <https://de.wikipedia.org/wiki/Vaskonische_Hypothese#Kritik>
>>>
>>> Ich konnte dem soweit folgen, aber dieser Abschnitt müßte noch
>>> präzisiert werden. Ein Christiansdorf oder Berthelsdorf ist ganz
>>> sicher nach Personen benannt, nämlich nach deren Lokatoren. Und davon
>>> gibts eine ganze Menge.
>>>
>>> Man sollte hier also wenigstens den Zeitraum benennen, für den das
>>> zutrifft.
>>
>> Am Anfang des Artikels ist vom 3. Jahrtausend vor Christus die Rede.
>
> Sicher. Aber bei den Ortsnamen fehlt diese Eingrenzung, da gehts um
> Bad Dürkheim etc.
>


Es steht eigentlich da:

"Ortsnamenforscher, die traditionell Namen von Städten und Dörfern der
vor-neuzeitlichen, vor-absolutistischen Epoche von Personennamen
ableiten...."

vor-neuzeitlichen: vor 1500
vor-absolutistischen: Es gab keine König oder eine andere
Herrscherfigur - wie z.B. Papst -
die einen Namen am Reissbrett entwerfen
und dann auf Grund ihres Prestiges
durchsetzen konnte.

Der Name musste ohne Initiative von oben "im Volke" entstehen,
so wie das bei 99,9% der Ortsnamen angenommen wird.

-
Beispiel
Der Ortsnamen Bettingen wird von einem nirgendwo belegten
Betto hergeleitet, noch nicht mal die Ortsgeschichte selber
kennt den. Man kennt noch nicht mal einen Gründer unbekannten
Namens. In der bis anhin verbreiteten Hypothese hat Betto
den Ort gegründet und seine Nachfahren haben den Ort aus sich
heraus so benannt.
-

Die 0.1% Restnamen sind am Reissbrett entworfen und durchgesetzt
worden. Insbesondere sind das die Ortsnamen mit Heiligen.

Bischof-Orte enthalten ursprüngliches Biskar (baskisch
für Bergrücken) und wurden von "frommen Leuten" langsam
Richtung Bischof umgebogen um einen Herrschaftsanspruch
zu begründen.

Beispiel: Bischoffsheim im Elsass, der benachbarte Bischenberg

<http://www.couvent-bischenberg.fr/>

wurde bei der Umwidmung vergessen und bewahrt den alten Namen.

Dasselbe gilt für die meisten Marienorte. Der Namensbestandteil
"mar" ist über ganz Deutschland verbreitet. Weimar, Geismar
Sigmaringen, Germersheim und und und ...

Solche Orte waren bedroht, vom lokalen Pfarrer in den schriftlichen
Aufzeichnungen als Marienorte umbenannt zu werden. Allerdings
hat sich der ursprüngliche Name meist in der Bevölkerung erhalten.

Gruss
Markus

Markus Loch

unread,
Nov 30, 2015, 6:37:12 PM11/30/15
to
Am 30.11.2015 um 17:49 schrieb Uwe Schickedanz:
> On Mon, 30 Nov 2015 17:14:25 +0100, Markus Loch <M...@rkusLo.ch> wrote:
>
>>
>> Die Herleitung von Ortsnamen aus Personennnamen wird abgelehnt,
>> da kein einziger Fall belegt ist, siehe Abschnitt
>>
>> <https://de.wikipedia.org/wiki/Vaskonische_Hypothese#Kritik>
>
> Ich konnte dem soweit folgen, aber dieser Abschnitt müßte noch
> präzisiert werden. Ein Christiansdorf

† Christiansdorf bestand nur wenige Jahre. Wahrscheinlich der
Versuch der Kirche eine neue Siedlung zu gründen, ohne Erfolg.
Ein zugehöriger Christian ist nicht überliefert.

oder Berthelsdorf ist ganz
> sicher nach Personen benannt, nämlich nach deren Lokatoren. Und davon
> gibts eine ganze Menge.

Nenn mal ein paar, mit Lebensdaten der Gründer. Du wirst keine
finden. Die ganze Toponomastik sucht nach _einem_ Beweis.

>
> Man sollte hier also wenigstens den Zeitraum benennen, für den das
> zutrifft.

vor-absolutistisch.

Gruss
Markus

Juergen Grosse

unread,
Nov 30, 2015, 7:09:21 PM11/30/15
to
Am 01.12.2015 um 00:26 schrieb Markus Loch:

...
> Dasselbe gilt für die meisten Marienorte. Der Namensbestandteil "mar"
> ist über ganz Deutschland verbreitet. Weimar, Geismar Sigmaringen,
> Germersheim und und und ...
...

Zur Stützung der Vaskonischen Hypothese sind Ortsnamen auf '-mar' aber
nicht besonders gut geeignet.


Tschüs, Jürgen

Juergen Grosse

unread,
Nov 30, 2015, 7:26:49 PM11/30/15
to
Am 30.11.2015 um 17:14 schrieb Markus Loch:

...
> In der vaskonischen Hypothese:

> <https://de.wikipedia.org/wiki/Vaskonische_Hypothese>

> sind die Endungen auf "k" oder "ko" der Reflex eines Genitivus
> Locativus, so wie er noch im heutigen Baskischen existiert.
...

Schön, aber dann hätte doch das 'k' auch der hochdeutschen
Lautverschiebung unterliegen müssen. Davon einmal abgesehen scheint mir
die Entwicklung '-inghofen' > '-ikon' anhand zahlreicher überlieferter
Zwischenstufen nahezu zweifelsfrei belegt zu sein. Siehe z. B. die
verschiedenen älteren Formen, die du im Wikipedia-Artikel zu 'Zollikon'
findest.


Tschüs, Jürgen

Walter Schmid

unread,
Dec 1, 2015, 3:36:28 AM12/1/15
to
Am 30.11.2015 um 23:42 schrieb Markus Loch:
> Am 30.11.2015 um 17:55 schrieb Walter Schmid:
>> Am 30.11.2015 um 17:14 schrieb Markus Loch:
>> `
>>> Die Herleitung von Ortsnamen aus Personennnamen wird abgelehnt,
>>> da kein einziger Fall belegt ist, siehe Abschnitt
>>
>> Sankt Gallen stammt von heiligen Gallus ab! Wenn das kein Beleg ist!
>>
>> Oder habe ich etwas missverstanden?
>
>
> Der Name ist vom Kloster auf die Stadt übertragen worden.


Ja und? Stammt er deshalb von keinem Personen-Namen ab?

Markus Loch

unread,
Dec 1, 2015, 6:34:43 AM12/1/15
to
Am 01.12.2015 um 01:10 schrieb Juergen Grosse:
>
> Zur Stützung der Vaskonischen Hypothese sind Ortsnamen auf '-mar' aber
> nicht besonders gut geeignet.

Warum?

Das m kann sich aus einem anderen Phonem entwickelt haben.
z.B. aus b.

Gruss
Markus

Juergen Grosse

unread,
Dec 1, 2015, 9:44:36 AM12/1/15
to
Am 01.12.2015 um 12:34 schrieb Markus Loch:

...
>> Zur Stützung der Vaskonischen Hypothese sind Ortsnamen auf '-mar'
>> aber nicht besonders gut geeignet.

> Warum?

Weil das rekonstruierte Proto- oder Prä-Baskische kein Phonem /m/ hatte.

> Das m kann sich aus einem anderen Phonem entwickelt haben. z.B. aus
> b.

Kann es. Hat es - wo nicht entlehnt - im heutigen Baskischen auch, m. W.
aus einigermaßen benachbarten /b/ und /n/. Und es könnte ich natürlich
auch in Ortnamen vaskonischer Herkunft parallel so entwickelt haben.
Mangels irgendwelcher überlieferter Zwischenstufen lässt sich da
allerhand spekulieren. Alles ist möglich.

Ein Fehlen von /m/ in der als vaskonisch angenommenen Namensschicht
würde ganz gewiss als Beleg für diese Hypothese angesehen werden, ein
Vorhandensein widerlegt sie nicht zwingend, zählt aber auch auf der
Waagschale _für_ sie nicht viel.


Tschüs, Jürgen

Uwe Schickedanz

unread,
Dec 1, 2015, 2:46:20 PM12/1/15
to
On Tue, 1 Dec 2015 00:37:06 +0100, Markus Loch <M...@rkusLo.ch> wrote:

>> Man sollte hier also wenigstens den Zeitraum benennen, für den das
>> zutrifft.
>
>vor-absolutistisch.

Okay, so um die Ecke hatte ich nicht gedacht.
Wie hieß der erste König der Geschichte? Und wann lebte er?

Markus Loch

unread,
Dec 1, 2015, 3:31:39 PM12/1/15
to
Am 01.12.2015 um 20:46 schrieb Uwe Schickedanz:
> On Tue, 1 Dec 2015 00:37:06 +0100, Markus Loch <M...@rkusLo.ch> wrote:
>
>>> Man sollte hier also wenigstens den Zeitraum benennen, für den das
>>> zutrifft.
>>
>> vor-absolutistisch.
>
> Okay, so um die Ecke hatte ich nicht gedacht.
> Wie hieß der erste König der Geschichte? Und wann lebte er?
>

Das müssten die Pharaonen gewesen sein. Gibt es Städte
die nach einem Pharao benannt sind?

Als nächstes käme dann Alexander, der hat viele Städte mit seinem
Namen gegründet.

Die römischen Könige waren zu unbedeutend, die Kaiser schon
mehr, Viele Städte haben Kaisernamen. Augsburg z.B.
Der römische Name von Zaragoza enthält Kaisernamen, die zur
lautlichen Angleichung an den unaussprechbaren barbarischen
Namen (Plinius) verwendet wurden.

"vor-absolutistisch" ist vielleicht schlecht gewählt, besser
schreibt man, nicht-absolutistisch; schon präziser aber nicht
schön.

Die Ortsnamen, von denen ich hier mehrheitlich spreche, sind
in einer Zeit ohne weitreichende Herrschaftsstrukturen geschaffen
worden. Also kein Kaiser, König, Pharao weit und breit.

Die Mehrheit aller Könige, Kaiser und Pharaos haben keine
Städte mit ihren Ǹamen hinterlassen.

Gruss
Markus

Markus Loch

unread,
Dec 1, 2015, 5:30:12 PM12/1/15
to
Man braucht das ja auch nicht, die "vaskonisch angenommenen
Namensschicht" ist ja längst durch die riesige Verbreitung der
Alteuropäischen Hydronymie belegt. Und durch den a-Vokalismus
und durch das geringere Vorkommen der Verschlusslaute und durch
das Hauptaxiom der Toponomastik, dass nämlich Toponyme
weitgehend unverändert bleiben auch wenn die Bevölkerung die
Sprache wechselt.

Betrachten wir also _eine_ vaskonische Namensschicht - die der
Flussnamen - als belegt.

Daraus folgt, dass auch andere Toponyme, wie die Ortsnamen
zu dieser Namensschicht gehören müssen. Dieses Theorem ist
eine logische Ableitung aus den Axiomen.

Dass also "mar" in z.B. "Germersheim" vaskonisch ist, ist die
Grundannahme, jede andere Hypothese bedarf der Begründung.

Und das Protobaskisch, wie Trask schreibt, kein m hatte, bezieht
sich nur auf die letzten paar Tausend Jahre. Für unsere
These ist aber der Zustand von vor 10 000 Jahren relevant, und
da kann sich viel getan haben.

Die Landnahme in Mitteleuropa fand am Beginn der Mittelsteinzeit
statt, etwa vor 11000 Jahren: Die Maglemose-Kultur

<https://de.wikipedia.org/wiki/Maglemose-Kultur>

Am Anfang dieser Zeit werden die Flüsse, und mit ihnen alle
anderen Toponyme wie Berge, See, Hochebenen usw. initial benannt.
Vorher gab es keine Namen dafür, weil es dort keine Menschen gab.

Der Phonem "m" kann zum Phonembestand des Protovaskonischen gehört
haben und ist viel später dann ausgestorben, sodass protobaskisch
bereits kein m mehr hatte. Andernorts hat sich m gehalten, weil
mittlerweile dort Sprecher einer anderen Sprache - des Indogermanischen
- dominant wurden. Indogermanisch hatte m als Phonem und bewahrte so
das vaskonische "m" in Ortnamen mit "mar"

Zudem darf man sich das vaskonische Gebiet nicht als monolithischen
Block vorstellen. Durch die Arealvergrösserung konnten die entfernteren
Gebiete erst dialektale dann immer weitergehende Eigenentwicklungen
durchmachen, denn ein Sprachkontakt der Bewohner Galiziens in
Nordspanien mit Sprechern an der heutigen Ostgrenze Polen - soweit
reicht die untersuchte Fläche des Alteuropäischen - fand sicher nicht
mehr statt.

Nach 7000 Jahren wird im Restvaskonischen das "m" nicht mehr
sprechbar, früh genug um die im Protobaskischen vermutete
Abwesenheit des m zu erklären.

"m" und "b" gehen übrigens häufig ineinander über da sie homorgan sind.

Gruss
Markus

Markus Loch

unread,
Dec 1, 2015, 8:02:35 PM12/1/15
to
Am 01.12.2015 um 09:36 schrieb Walter Schmid:
> Am 30.11.2015 um 23:42 schrieb Markus Loch:
>> Am 30.11.2015 um 17:55 schrieb Walter Schmid:
>>> Am 30.11.2015 um 17:14 schrieb Markus Loch:
>>> `
>>>> Die Herleitung von Ortsnamen aus Personennnamen wird abgelehnt,
>>>> da kein einziger Fall belegt ist, siehe Abschnitt
>>>
>>> Sankt Gallen stammt von heiligen Gallus ab! Wenn das kein Beleg ist!
>>>
>>> Oder habe ich etwas missverstanden?
>>
>>
>> Der Name ist vom Kloster auf die Stadt übertragen worden.
>
>
> Ja und? Stammt er deshalb von keinem Personen-Namen ab?
>

Ja, aber der Name ist von oben verordnet worden, diese Fälle
stehen hier nicht im Fokus.

Gruss
Markus

Walter Schmid

unread,
Dec 2, 2015, 4:52:16 AM12/2/15
to
Am 02.12.2015 um 02:02 schrieb Markus Loch:
> Am 01.12.2015 um 09:36 schrieb Walter Schmid:
>> Am 30.11.2015 um 23:42 schrieb Markus Loch:
>>> Am 30.11.2015 um 17:55 schrieb Walter Schmid:
>>>> Am 30.11.2015 um 17:14 schrieb Markus Loch:
>>>> `
>>>>> Die Herleitung von Ortsnamen aus Personennnamen wird abgelehnt,
**************************************************************************

>>>>> da kein einziger Fall belegt ist, siehe Abschnitt
>>>>
>>>> Sankt Gallen stammt von heiligen Gallus ab! Wenn das kein Beleg ist!


> Ja, aber der Name ist von oben verordnet worden, diese Fälle
> stehen hier nicht im Fokus.

Und wie entstehen nichtverordenete Ortsnamen? (Hier kommt man auf
Fragen, auf die man sonst nie käme!)

Und wie steht es mit den vielen weiteren Ortsnamen "Sankt X"?
X dürften ausnahmslos Personennamen sein.

Und dann noch Ludwigsburg, Wilhelmshöhe, usw. Oder Genf, von
Genoveva, ohne sankt.
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