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Ich kann kein perfektes Deutsch . . .

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Phil Olsen

unread,
Dec 11, 2002, 12:46:22 PM12/11/02
to
und will mein Deutsch verbessern.

Was ist richtig:

Ich kann kein perfektes Deutsch.
Ich kann Deutsch nicht perfekt.
Ich kann nicht perfektes Deutsch.
Mein Deutsch ist nicht perfekt.

. . . oder etwas Anderes??

Vielen Dank im Voraus.

Tschüß,
Phil

Tom Steinbeck

unread,
Dec 11, 2002, 2:05:36 PM12/11/02
to

"Phil Olsen" <taho...@inreach.com> schrieb im Newsbeitrag
news:SNLJ9.471$Tp1.10...@news.inreach.com...

> und will mein Deutsch verbessern.
>
> Was ist richtig:
>
> Ich kann kein perfektes Deutsch.
> Ich kann Deutsch nicht perfekt.
> Ich kann nicht perfektes Deutsch.
---------------------------------

> Mein Deutsch ist nicht perfekt.
---------------------------------

Heinz Lohmann

unread,
Dec 11, 2002, 6:48:50 PM12/11/02
to
Phil Olsen schrieb:

>und will mein Deutsch verbessern.
>
>Was ist richtig:
>
>Ich kann kein perfektes Deutsch.
Komisch.

>Ich kann Deutsch nicht perfekt.

Besser: Ich kann nicht perfekt Deutsch.

>Ich kann nicht perfektes Deutsch.

Sehr komisch.

>Mein Deutsch ist nicht perfekt.

OK.

In meinen Ohren hört sich "Ich kann nicht perfekt Deutsch" am
geläufigsten an.
(P.S. Ich kann's auch nicht perfekt.)

--
mfg
Heinz Lohmann
Tanshui, Taiwan
25.13N 121.29E

Lukas Graf

unread,
Dec 11, 2002, 6:57:45 PM12/11/02
to
Hallo Phil!

"Phil Olsen" <taho...@inreach.com> wrote:

>Ich kann kein perfektes Deutsch.

Ist theoretisch richtig, aber nicht sehr schöner Stil.

>Ich kann Deutsch nicht perfekt.

Ist eigentlich ebenfalls richtig, aber sehr schlechter Stil.

>Ich kann nicht perfektes Deutsch.

Das ist ganz falsch.

>Mein Deutsch ist nicht perfekt.

Das ist richtig und zudem schön formuliert.

Gruss Lukas

--
Sebastian Bork in dsd:
>Echt, es ist total hilfreich, wenn man weiß, wovon man eigentlich
>spricht. Sonst verursacht man Belustigung, Kopfschütteln oder gar
>Anflüge von Verzweiflung beim Gesprächspartner. Meinjanur.

Wolfgang Schein

unread,
Dec 11, 2002, 8:33:20 PM12/11/02
to
Hi Phil

Kein Mensch auf unserer kugeligen Erde spricht irgend eine Sprache perfekt.
Deutsche schon gar nicht ;-)
Ich schlage vor: Ich spreche noch nicht so gut Deutsch, bitte verbessern sie
mich.
Nichts macht ein Deutscher lieber als andere zu verbessern ;-)

Tschüss
Wolfgang


Michael Hemmer

unread,
Dec 12, 2002, 3:27:22 AM12/12/02
to
Wolfgang Schein wrote:
> bitte verbessern sie mich.
|
Aber gerne doch: Sie

> Nichts macht ein Deutscher lieber als andere zu verbessern ;-)

Stimmt offenbar :-)

Gruß,

Michael

Bernd Gramlich

unread,
Dec 12, 2002, 1:55:27 PM12/12/02
to
Phil Olsen wrote:

> Was ist richtig:
>
> Ich kann kein perfektes Deutsch.
> Ich kann Deutsch nicht perfekt.
> Ich kann nicht perfektes Deutsch.
> Mein Deutsch ist nicht perfekt.
>
> . . . oder etwas Anderes??

Deutschlernen ist ein Spiel mit zwölf Leveln. Wenn Du eines davon
gemeistert hast, darfst Du nacheinander von Dir behaupten:

1. Ich kann kein Deutsch.
2. Ich spreche ein paar Brocken Deutsch.
3. Ich radebreche Deutsch.
4. Mein Deutsch ist mehr schlecht als recht.
5. Ich mache mich auf Deutsch mit Händen und Füßen verständlich.
6. An guten Tagen spreche ich leidlich Deutsch.
7. Mein Deutsch könnte besser sein, aber ich will nicht klagen.
8. Ich parliere mit etwas Mühe ein halbwegs salonfähiges Deutsch.
9. Ich wünschte sehnlichst, mein Deutsch wäre besser.
10. Ich gewöhne mir gerade den Berliner Akzent meines Lehrers ab.
11. Der Feinschliff der Rechtschreibreform fehlt meinem Deutsch noch.

Und schließlich - tata! -:

12. Außer schwierigem, verwirrenden Deklinieren von Adjektiven
schreckt mich im Deutschen eigentlich nicht mehr viel.

Wichtig bei allen Aussagen über Dich und Dein Deutsch ist, dabei stets
zu jammern. Eine Selbstbeschreibung ohne Klageton wirkt im Deutschen
unglaubwürdig. In Deinem obigen Beispiel könntest Du also höchstens
sagen: "Mein Deutsch ist noch ziemlich weit entfernt davon, perfekt zu
sein." Das wäre irgendwo zwischen Level 10 und 11 und damit schon sehr
gut, denn die meisten Muttersprachler kommen selbst nie über Level 4
oder 5 hinaus.

--
Bernd Gramlich Quod scripsi, scripsi.

Phil Olsen

unread,
Dec 12, 2002, 2:38:33 PM12/12/02
to
Ist es auch richtig zu sagen, "Kannst du mein Deutsch verbessern?"

Oder kann nur der Mensch der spricht (anstatt seiner Sprachkenntnisse)
verbessert werden?

Noch einmal, danke.

Phil

Wolfgang Schein wrote in message
<3df7e77c$0$3001$9b62...@news.freenet.de>...

Heinz Lohmann

unread,
Dec 12, 2002, 6:52:48 PM12/12/02
to
Bernd Gramlich schrieb:

>Phil Olsen wrote:
>
>> Was ist richtig:
>>
>> Ich kann kein perfektes Deutsch.
>> Ich kann Deutsch nicht perfekt.
>> Ich kann nicht perfektes Deutsch.
>> Mein Deutsch ist nicht perfekt.
>>
>> . . . oder etwas Anderes??
>
>Deutschlernen ist ein Spiel mit zwölf Leveln. Wenn Du eines davon
>gemeistert hast, darfst Du nacheinander von Dir behaupten:

Schöne Stufungen! Aber:


>
> 1. Ich kann kein Deutsch.
> 2. Ich spreche ein paar Brocken Deutsch.
> 3. Ich radebreche Deutsch.
> 4. Mein Deutsch ist mehr schlecht als recht.
> 5. Ich mache mich auf Deutsch mit Händen und Füßen verständlich.

<besserwisser an>
Das kann ich mir nicht recht vorstellen. Deutsche Gebärdensprache?
<besserwisser aus>

> 6. An guten Tagen spreche ich leidlich Deutsch.
> 7. Mein Deutsch könnte besser sein, aber ich will nicht klagen.
> 8. Ich parliere mit etwas Mühe ein halbwegs salonfähiges Deutsch.
> 9. Ich wünschte sehnlichst, mein Deutsch wäre besser.
> 10. Ich gewöhne mir gerade den Berliner Akzent meines Lehrers ab.
> 11. Der Feinschliff der Rechtschreibreform fehlt meinem Deutsch noch.
>
>Und schließlich - tata! -:
>
> 12. Außer schwierigem, verwirrenden Deklinieren von Adjektiven
> schreckt mich im Deutschen eigentlich nicht mehr viel.

13. Auch die deutsche Syntax mit gelegentlicher Frontstellung der
eigenartigsten Satzteile und die verwirrenden Anordnungsregeln für
temporale, kausale, modale und lokale Angaben sowie die richtige
Position der Negation sind mir nicht mehr unvertraut.


>Wichtig bei allen Aussagen über Dich und Dein Deutsch ist, dabei stets
>zu jammern. Eine Selbstbeschreibung ohne Klageton wirkt im Deutschen
>unglaubwürdig. In Deinem obigen Beispiel könntest Du also höchstens
>sagen: "Mein Deutsch ist noch ziemlich weit entfernt davon, perfekt zu
>sein." Das wäre irgendwo zwischen Level 10 und 11 und damit schon sehr
>gut, denn die meisten Muttersprachler kommen selbst nie über Level 4
>oder 5 hinaus.

P.S.. Sich selbst und seine Leistungen herabzusetzen gilt in vielen
Ländern als höflich. Was manche/viele Deutsche von ihren
Englischkenntnissen halten, spricht eher für Selbsttäuschung. Ich
persönlich finde eine gewisse Bescheidenheit auch als angenehm.

Bernd Gramlich

unread,
Dec 13, 2002, 5:41:35 AM12/13/02
to
Heinz Lohmann wrote:

[Stufen der Deutschkenntnis]


>> 5. Ich mache mich auf Deutsch mit Händen und Füßen verständlich.
>
> <besserwisser an>
> Das kann ich mir nicht recht vorstellen. Deutsche Gebärdensprache?
> <besserwisser aus>

Auf Stufe 5 ist man Besserwissern wie Dir noch nicht gewachsen. Wenn
man später Stufe 8 erreicht hat, fällt einem wie Schuppen von den
Augen, daß man deutlicher hätte sagen können: "Ich mache mich auf
deutsch [sic] unter zusätzlicher Zuhilfenahme meiner Hände und Füße
verständlich. Das meine ich natürlich nicht wörtlich, sondern bildhaft,
wobei ich die Möglichkeit offenlasse, die Metapher falsch verstanden zu
haben. Will heißen, ich mogle mich auf deutsch erfolgreich durch den
Alltag, ohne das Gefühl zu haben, die Sprache im entferntesten zu
beherrschen."

>>Und schließlich - tata! -:
>>
>> 12. Außer schwierigem, verwirrenden Deklinieren von Adjektiven
>> schreckt mich im Deutschen eigentlich nicht mehr viel.
>
> 13. Auch die deutsche Syntax mit gelegentlicher Frontstellung der
> eigenartigsten Satzteile und die verwirrenden Anordnungsregeln für
> temporale, kausale, modale und lokale Angaben sowie die richtige
> Position der Negation sind mir nicht mehr unvertraut.

Meine private Erfahrung mit Mutter- und Fremdsprachlern ist, daß das
Herumreiten auf grammatikalisch korrektem Gebrauch von Adjektiven die
Leute am schnellsten und erfolgreichsten in den Wahnsinn treibt. Du als
Deutschlehrer für Fremdsprachler magst das differenzierter und
realistischer sehen, aber ich hatte ohnehin nicht vor, meine plakativen
Äußerungen den Beschränkungen durch die Wirklichkeit unterzuordnen.

>>Wichtig bei allen Aussagen über Dich und Dein Deutsch ist, dabei
>>stets zu jammern. Eine Selbstbeschreibung ohne Klageton wirkt im
>>Deutschen unglaubwürdig. In Deinem obigen Beispiel könntest Du also
>>höchstens sagen: "Mein Deutsch ist noch ziemlich weit entfernt davon,
>>perfekt zu sein." Das wäre irgendwo zwischen Level 10 und 11 und
>>damit schon sehr gut, denn die meisten Muttersprachler kommen selbst
>>nie über Level 4 oder 5 hinaus.
>
> P.S.. Sich selbst und seine Leistungen herabzusetzen gilt in vielen
> Ländern als höflich. Was manche/viele Deutsche von ihren
> Englischkenntnissen halten, spricht eher für Selbsttäuschung. Ich
> persönlich finde eine gewisse Bescheidenheit auch als angenehm.

Da bin ich mit Dir einer Meinung. Ich möchte Dir jedoch noch ein paar
einschlägige Zitate aus dem sehr lesenswerten und lehrreichen Büchlein
"The Xenophobe's Guide to The Germans" (Ravette Publishing, 1993)
aufzählen, die meinen obigen Absatz inspiriert haben:

"'Small-talk is an expression which has no direct equivalent in
German. People would be mortified at the suggestion that any
utterance they make is less than portentous.

The English compulsion for discussing the weather is looked on with
wry compassion. Instead the Germans are delighted to discuss the
enormous strain and pressure of their work, hardships, stress
symptoms, illnesses, doomsday and other uplifting topics."

"In their hearts, the Germans believe that no foreigner can speak
German properly. (In fact, they believe that only people from their
own region speak decent German. There is nothing more barbarous to
a Berliner than the Bavarian version of the language. Bavarians
heartily reciprocate this feeling.)"

"[The Germans] see themselves as profoundly well educated. Contrary
to popular belief, the Germans do not know everything, they just
know everything better."

Chris R

unread,
Dec 13, 2002, 7:13:30 AM12/13/02
to
In article <v2mata...@tenuki.de>, Bernd Gramlich <be...@tenuki.de> wrote:

>Und schließlich - tata! -:
>
> 12. Außer schwierigem, verwirrenden Deklinieren von Adjektiven
> schreckt mich im Deutschen eigentlich nicht mehr viel.

Mmmh, die Deklinationsregeln treiben nicht-Muttersprachler völlig zur
Verzweiflung.
Könnte jemand mir erklären warum es schwierigEM, dagegen aber verwirrendEN
ist?

Chris

Yvonne Steiner

unread,
Dec 13, 2002, 8:41:19 AM12/13/02
to
Chris R <cren...@hotmail.com> wrote:

Es kommt doch immer auf den Kontext an; in beiden Fällen ist auch die
Gegenvariante möglich.

Dieses Buch hat einen recht verwirrenden Titel.
Ein tolles Buch (ist das), aber mit recht verwirrendem Titel.

Er musste einen sehr schwierigen Text vorlesen.
Der Bericht ist mit solch schwierigem Text überfrachtet, dass ...

Oder habe ich etwas falsch verstanden?

Yvonne Steiner

Ralf Heinrich Arning

unread,
Dec 13, 2002, 12:24:23 PM12/13/02
to
Yvonne Steiner <y...@swissonline.ch> wrote:

Es geht um die Fälle, in denen zwei Adjektive Attribut zum selben
Substantiv sind, also aneinandergereiht werden.

Ralf

Hagel

unread,
Dec 15, 2002, 3:32:05 PM12/15/02
to
Hallo,
so wie es dasteht, muß es auch "verwirrendem" heißen, weil es sich um eine
Aufzählung handelt, denn es ist sowohl schwierig als auch verwirrend. Ohne
Komma aber ist es richtig, denn das schwiérige Deklinieren verwirrt.

Gruß Hartwig Grubel

"Ralf Heinrich Arning" <Muell...@despammed.com> schrieb im Newsbeitrag
news:1fn56lz.7e1qouoxy0zkN%Muell...@despammed.com...

Ralf Heinrich Arning

unread,
Dec 16, 2002, 2:54:04 PM12/16/02
to
Hagel <ha...@berlinwebmail.de> wrote:

> "Ralf Heinrich Arning" <Muell...@despammed.com> schrieb im Newsbeitrag
> news:1fn56lz.7e1qouoxy0zkN%Muell...@despammed.com...

> > > Chris R <cren...@hotmail.com> wrote:
> > >
> > > > > 12. Außer schwierigem, verwirrenden Deklinieren von Adjektiven
> > > > > schreckt mich im Deutschen eigentlich nicht mehr viel.
> > > >
> > > > Mmmh, die Deklinationsregeln treiben nicht-Muttersprachler völlig
> > > > zur Verzweiflung. > > > Könnte jemand mir erklären warum es
> > > > schwierigEM, dagegen aber verwirrendEN ist?
> > >

> > Es geht um die Fälle, in denen zwei Adjektive Attribut zum selben
> > Substantiv sind, also aneinandergereiht werden.
> >

> so wie es dasteht, muß es auch "verwirrendem" heißen, weil es sich um eine
> Aufzählung handelt, denn es ist sowohl schwierig als auch verwirrend. Ohne
> Komma aber ist es richtig, denn das schwiérige Deklinieren verwirrt.

Es ist tatsächlich beides stark zu beugen, also: "Außer schwierigem,
verwirrendem Deklinieren von Adjektiven".

Aber auch wenn kein Komma zu setzten ist, weil das zweite Adjektiv mit
dem Substantiv einen Gesamtbegriff bildet, beugt man heutzutage
parallel. Beispiel:
früher: bei dunklem bayrischen Bier
heute: bei dunklem bayrischen Bier.

Im Dativ Singular Maskulinum und Neutrum wird allerdings aus lautlichen
Gründen oft das zweite Adjektiv schwach gebeugt, und zwar unabhängig
davon, ob dort ein Komma steht oder nicht -- also so wie im Beispiel
oben angegeben.

(Nach Duden 9 von 1985.)

Ralf


P. S.: Bitte zitiere künftig zuerst, worauf Du Dich beziehst und
schreibe dann Deinen Text. Das sog. "TOFU" ist unpraktisch. Zur
Einführung: <http://www.einklich.net/usenet/zitier.htm>

Bernd Gramlich

unread,
Dec 22, 2002, 2:28:35 PM12/22/02
to
Ralf Heinrich Arning wrote:

> Hagel <ha...@berlinwebmail.de> wrote:
>
>> "Ralf Heinrich Arning" <Muell...@despammed.com> schrieb im
>> Newsbeitrag news:1fn56lz.7e1qouoxy0zkN%Muell...@despammed.com...
>
>> > > Chris R <cren...@hotmail.com> wrote:
>> > >
>> > > > > 12. Außer schwierigem, verwirrenden Deklinieren von
>> > > > > Adjektiven schreckt mich im Deutschen eigentlich nicht
>> > > > > mehr viel.
>> > > >
>> > > > Mmmh, die Deklinationsregeln treiben nicht-Muttersprachler
>> > > > völlig zur Verzweiflung. Könnte jemand mir erklären warum es
>> > > > schwierigEM, dagegen aber verwirrendEN ist?
>> > >
>> > Es geht um die Fälle, in denen zwei Adjektive Attribut zum selben
>> > Substantiv sind, also aneinandergereiht werden.
>> >
>> so wie es dasteht, muß es auch "verwirrendem" heißen, weil es sich
>> um eine Aufzählung handelt, denn es ist sowohl schwierig als auch
>> verwirrend. Ohne Komma aber ist es richtig, denn das schwiérige
>> Deklinieren verwirrt.
>
> Es ist tatsächlich beides stark zu beugen, also: "Außer schwierigem,
> verwirrendem Deklinieren von Adjektiven".
>
> Aber auch wenn kein Komma zu setzten ist, weil das zweite Adjektiv
> mit dem Substantiv einen Gesamtbegriff bildet, beugt man heutzutage
> parallel. Beispiel:
> früher: bei dunklem bayrischen Bier
> heute: bei dunklem bayrischen Bier.

^m


>
> Im Dativ Singular Maskulinum und Neutrum wird allerdings aus
> lautlichen Gründen oft das zweite Adjektiv schwach gebeugt, und zwar
> unabhängig davon, ob dort ein Komma steht oder nicht -- also so wie
> im Beispiel oben angegeben.
>
> (Nach Duden 9 von 1985.)

Wobei ich das Beispiel gegenüber paralleler starker Beugung als
gehobenen Stil empfinde. Ich habe es bewußt so gewählt, weil auch
Muttersprachler oft darüber verwirrt sind, daß beide Varianten als
richtig gelten.

Wie der Duden 4 von 1984 in Abschnitt 500 weiter ausführt, wurde in
kommafreien Reihungen artikelloser attributiven Adjektive vor nicht
allzulanger Zeit auch im Dativ Singular des Femininums und im Genitiv
Plural nur das erste Adjektiv stark und alle weiteren schwach gebeugt.
(Wolf Busch könnte uns sicher noch die Dudenausgaben nennen, in denen
jene Regel verankert war.) Heutzutage wirkt dies in den genannten
Fällen jedoch nicht mehr stilistisch gehoben, sondern altertümelnd.
Siehe dazu das hier mitgelieferte neue Beispiel.

Wolf Busch

unread,
Dec 23, 2002, 4:24:33 PM12/23/02
to
Bernd Gramlich schrieb:

> Ralf Heinrich Arning wrote:
[...]

> > Es ist tatsächlich beides stark zu beugen, also: "Außer schwierigem,
> > verwirrendem Deklinieren von Adjektiven".
> >
> > Aber auch wenn kein Komma zu setzten ist, weil das zweite Adjektiv
> > mit dem Substantiv einen Gesamtbegriff bildet, beugt man heutzutage
> > parallel. Beispiel:
> > früher: bei dunklem bayrischen Bier
> > heute: bei dunklem bayrischen Bier.
> ^m
> >
> > Im Dativ Singular Maskulinum und Neutrum wird allerdings aus
> > lautlichen Gründen oft das zweite Adjektiv schwach gebeugt, und zwar
^^^

> > unabhängig davon, ob dort ein Komma steht oder nicht -- also so wie
> > im Beispiel oben angegeben.
> >
> > (Nach Duden 9 von 1985.)

Duden Bd. 9 von 1985 (S. 24):

| Im Dativ Singular Maskulinum und Neutrum wird allerdings das zweite
| Adjektiv aus lautlichen Gründen noch öfter schwach gebeugt: /eine
| Flut von weißem elektrischen Licht ergoß sich breit in den Saal/
| (Th. Mann); /auf schwarzem hölzernen Sockel/ (Carossa) [...]

Duden Bd. 9 von 2001 (S. 40):

| Im Dativ Singular Maskulinum und Neutrum wird allerdings das zweite
| Adjektiv gelegentlich schwach gebeugt: /eine Flut von weißem
| elektrischen Licht ergoss sich breit in den Saal/ (Th. Mann);
| /auf schwarzem hölzernen Sockel/ (Carossa) [...]

So schnell geht's. ;-) Vor kurzem kam es »noch öfter« vor, jetzt nur
noch »gelegentlich«.

> Wobei ich das Beispiel gegenüber paralleler starker Beugung als
> gehobenen Stil empfinde. Ich habe es bewußt so gewählt, weil auch
> Muttersprachler oft darüber verwirrt sind, daß beide Varianten als
> richtig gelten.
>
> Wie der Duden 4 von 1984 in Abschnitt 500 weiter ausführt, wurde in
> kommafreien Reihungen artikelloser attributiven Adjektive vor nicht
> allzulanger Zeit auch im Dativ Singular des Femininums und im Genitiv
> Plural nur das erste Adjektiv stark und alle weiteren schwach gebeugt.
> (Wolf Busch könnte uns sicher noch die Dudenausgaben nennen, in denen
> jene Regel verankert war.)

Das ist schon etwas länger her. Im ersten Grammatik-Duden von 1935
ist das noch so vorgeschrieben (S. 206):

| Gehen dem Hauptwort zwei Eigenschaftswörter voraus, so ist zu
| unterscheiden, ob das dem Hauptwort unmittelbar voranstehende
| mit diesem /einen/ Begriff bildet, der durch das voraufgehende
| Eigenschaftswort näher bestimmt werden soll, oder ob beide
| Eigenschaftswörter in gleicher Weise dem Hauptwort als Beifügung
| beigelegt sind. In jenem Falle steht (im /Wesfall und im Wemfall/)
| das letzte Eigenschaftswort in der schwachen, in diesem Fall in
| der starken Form. Beide Fälle lassen sich leicht dadurch
| unterscheiden, daß man in jenem die Eigenschaftswörter weder durch
| einen Beistrich trennen noch durch /und/ verbinden kann, während
| beides in diesem Falle möglich ist bzw. eins von beiden sogar
| geschehen muß.

Aber es gab damals auch schon Grammatiken, in denen die parallele
Beugung bevorzugt wurde. In Grunows grammatischem Nachschlagebuch
von 1905 heißt es:

| Stehn vor einem Substantiv zwei oder mehr Adjektive, so werden
| sie - einerlei, ob sie durch eine Konjunktion verbunden oder durch
| Komma getrennt werden oder nicht - gleichmäßig dekliniert [...]
|
| Diese gleichmäßige Flexion hat sich immer mehr Bahn gebrochen
| und sollte nun auch allgemein durchgeführt werden. Die bisher
| vielfach befolgte Regel, wonach das zuletzt stehende Adjektiv
| (zumal wenn es gewissermaßen mit dem Substantiv einen einheitlichen
| Begriff bildet, der durch das zuerst stehende näher bestimmt wird)
| im Genitiv und Dativ des Singulars und im Genitiv des Plurals
| trotz der vorausgehenden starken Adjektivform die schwache
| erhalten müsse (von großem juristischen Verstande, nach allgemeinem
| deutschen Sprachgebrauch, bei schönem blauen Himmel), ist durchaus
| willkürlich ausgetüftelt worden und hat zu keiner Zeit in der
| lebendigen Sprache geherrscht.

Daß das »willkürlich ausgetüftelt« wurde, halte ich für eine etwas
übertriebene Formulierung, denn diese ungleichmäßige Beugung kam
(und kommt) ja durchaus vor.

Schöne Grüße,
Wolf


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