im duden steht unter 'regel r72' ueber die hoeflichkeitsanrede auch
das beispiel:
'er sagte damals: "das kann ich Ihnen nicht versprechen."
(hierbei handelt es sich doch offensichtlich um das zitat einer
woertlichen rede.)
muss man hier bei zeitungsinterviews unterscheiden zwischen 'hoef-
lichen' und 'unhoeflichen' anreden?
persoenlich finde ich die in der deutschen schreibsprache moegliche
unterscheidung zwischen 'einfachem' personalpronomen und der
'hoeflichkeitsanrede' sinnvoll und gut. (ebenfalls die unterscheidung
zwischen 'du' und 'sie'.) daher schreibe ich anreden immer gross und
weise beim korrekturlesen die verfasser auf die problematik hin.
lesbar und verstaendlich sind auf jeden fall beide varianten, und nach
dudenregelung ist die 'kleinschreibung' im o.g. fall richtig. zum
glueck ist die deutsche rechtschreibung ja bisher weder din noch
gesetz. daher sollten die verfasser in eigenverantwortung weiterhin
die schreibweise waehlen, die ihnen im kontext sinnvoller erscheint.
guenter (guenter...@t-online.de)
Die Anrede "Sie" (Hoeflichkeitsform) sowie die davon abgeleiteten
Woerter ("Ihnen", "Ihr" usw., ausser "sich") werden _immer_ gross
geschrieben (Regel 72 des alten Rechtschreibduden, §§ 65 und 66
der neuen Rechtschreibung).
Die Anrede "Du" und die davon abgeleiteten Woerter werden nach den
alten Rechtschreibregeln _nur_ in Briefen gross geschrieben, sonst
_immer_ klein (ausser am Satzanfang, natuerlich ...) (Regel 71 des
alten Rechtschreibdudens). Zur Klarstellung: ein Dialog ist kein
Brief, ebensowenig wie ein Interview; "du" ist also dort klein zu
schreiben.
Nach der neuen Rechtschreibung wird "du" (ausser am Satzanfang ...)
_immer_ klein geschrieben (§66).
Jens W. Heckmann
>Die Anrede "Sie" (Hoeflichkeitsform) sowie die davon abgeleiteten
>Woerter ("Ihnen", "Ihr" usw., ausser "sich") werden _immer_ gross
Die Wörter "ihnen", "ihr" usw. sind Personal- und Possessivpronomen; das
Wort "sich" hingegen ist ein Reflexivpronomen und NICHT "abgeleitet"
(KEINE Flexion) von "sie". Weil es also etwas anderes und keine Anrede
ist, wird es auch nicht groß geschrieben.
>Die Anrede "Du" und die davon abgeleiteten Woerter werden nach den
>alten Rechtschreibregeln _nur_ in Briefen gross geschrieben, sonst
>_immer_ klein (ausser am Satzanfang, natuerlich ..., Regel 71 des
>alten Rechtschreibdudens). Zur Klarstellung: ein Dialog ist kein
>Brief, ebensowenig wie ein Interview; "du" ist also dort klein zu
>schreiben.
>
>Nach der neuen Rechtschreibung wird "du" (ausser am Satzanfang ...)
>_immer_ klein geschrieben (§66).
Diese "Regeln" sind zwar nicht falsch, und seit jeher schreibe ich "Du",
"Dein" etc. (nur) in Briefen groß, aber nicht, weil es im Duden steht,
sondern weil es meine Erziehung, die Höflichkeit und der Respekt vor an-
deren so gebieten. Ich werde mir meine Umgangsformen nicht von irgend-
welchen Wörterbüchern vorschreiben lassen und weiterhin so schreiben.
Hans Fischer, Berlin
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>Diese "Regeln" sind zwar nicht falsch, und seit jeher schreibe ich "Du",
>"Dein" etc. (nur) in Briefen groß, aber nicht, weil es im Duden steht,
>sondern weil es meine Erziehung, die Höflichkeit und der Respekt vor an-
>deren so gebieten. Ich werde mir meine Umgangsformen nicht von irgend-
>welchen Wörterbüchern vorschreiben lassen und weiterhin so schreiben.
Auch bin ich erstaunt darüber, daß sich diese Großschreibung überhaupt
als Schreibregel im Duden findet. Weiß jemand, seit welcher Auflage? Ist
das nicht frech und anmaßend von der Redaktion, ebenso wie der aktuelle
Versuch der Abschaffung?
Umgangsformen und gesellschaftliche Gepflogenheiten sind m. E. kein Muß.
Man kann sie akzeptieren und mitmachen (freiwillig!) oder es lassen.
Insbesondere haben sie mit Rechtschreibung nichts zu tun.
Werden demnächst auch Kleidervorschriften und andere Benimm-Regeln im
Duden erscheinen?
Ist Rechtschreibung nicht einer Art von Benimmregel?
Zumindest kann man wie bei anderen Benimmregeln anecken,
wenn man sich nicht daran haelt.
Gruss,
Jochen.