Am Mon, 17 May 2021 09:50:18 +0200 schrieb Manfred Haertel:
> Kennt jemand den Ausdruck bzw. Ausruf "i bewahre"?
>
> Das wird gelegentlich als bekräftigte Verneinung benutzt, heißt also so
> was ähnliches wie "aber nein".
>
> Ich habe den Ausdruck während meiner Kindheit in den 60er Jahren
> gelegentlich mal gehört oder auch gelesen, später aber immer weniger.
> Möglicherweise ist er am Aussterben.
>
> Nur, auch seit meiner Kindheit frage ich mich, woher dieser Ausdruck
> kommt. Was man da "bewahren" will und vor allen Dingen was das "i" davor
> bedeuten soll. Wobei ich schon mal gehört habe, dass es einen
> Zusammenhang zu dem "i wo" mit ähnlicher Bedeutung gäbe.
"*i* Empfindungswort, mhd. /ī/ (Gottfried v.S.; DWb), fnhd. auch /ie, ih,/
/y/ und /ye/ geschrieben und z. T. wie -> /³je/ ausgesprochen (Ca., vgl.
dagegen Adelung), wohl nd. Ursprungs und daher undiphthongierte Form des
synon. -> /ei/, insb. nordd. *1* Einleitungssignal als Ausdruck von
Verwunderung o. auch (eingeschränkten) Zugeständnissen, insbes. vor
Anreden, Impp., Fragewörtern und Flüchen; Maaler (1561) bestimmt /y/ als
»indignantis particula«, veralt.: /Y laß dir dz schnöd gält/ [>Geld<] /nit/
/so lieb sein/ (Maaler); /i verflucht/ (Wi; DWb); /i wer kommt uns da/
/entgegen?/ (Kotzebue; DWb); /Noch weniger glaube ich, daß ein Fürst .. /
/zu seiner Gemahlin spricht: »I, du bist ja ein allerliebstes Frauchen!«/
/O, sagte er, vielleicht, aber I gewiß nicht/ (Börne; Sa.); heute v.a. in
Flüchen bzw. Ablehnungsformen wie /i wo!/ (Genthe), /i bewahre!/: /»Sie/
/hatten sie wohl sehr lieb?« »Ich? Die? I, Gott bewahre« (Fontane, Effi
Briest 4,110); die Einleitungsfunktion hat heute insb. -> /ja/ übernommen,
-> /ach, ei/; dazu auch das zurückhaltend einräumende /je nun/, in der Bed.
»da die sache nun einmal so liegt« (DWb); Anselmo /zu grosz, zu klein; zu/
/leer, zu enge. was heiszt denn das?/ Maskarill. /ie nun! sie werden es/
/von ihm selbst hören können, wie das alles ist/ (Le.; DWb); /Je nun, ich/
/hab mich ihr nun einmal verschrieben (ASchmidt, Trommler 85); *2* Ausdruck
von Ekel und Abscheu, wohl erst im späten 19.Jh. verkürzte Form des nordd.
Ausrufs /i gitt i gitt/ (aus /i/ und der Interj. -> /gitt/): /Sie glättete/
/unaufhörlich die Falten ihres Rockes, fand »ii!« und da einen Käfer, den/
/Georg schleunigst zu entfernen hatte/ (1964 Jägersberg, Weihrauch und
Pumpernickel 93)."
(Hermann Paul, "Deutsches Wörterbuch. Bedeutungsgeschichte und Aufbau
unseres Wortschatzes" / von Helmut Henne, Heidrun Kamper und Georg
Objartel. - 10., überarbeitete und erweiterte Auflage. - Tübingen : Max
Niemeyer Verlag, 2002. - S. 493)
Gruß
Manfred.