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Woher kommt "i bewahre"?

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Manfred Haertel

unread,
May 17, 2021, 4:00:04 AM5/17/21
to
Kennt jemand den Ausdruck bzw. Ausruf "i bewahre"?

Das wird gelegentlich als bekräftigte Verneinung benutzt, heißt also so
was ähnliches wie "aber nein".

Ich habe den Ausdruck während meiner Kindheit in den 60er Jahren
gelegentlich mal gehört oder auch gelesen, später aber immer weniger.
Möglicherweise ist er am Aussterben.

Nur, auch seit meiner Kindheit frage ich mich, woher dieser Ausdruck
kommt. Was man da "bewahren" will und vor allen Dingen was das "i" davor
bedeuten soll. Wobei ich schon mal gehört habe, dass es einen
Zusammenhang zu dem "i wo" mit ähnlicher Bedeutung gäbe.

Noch spannender wird die ganze Angelegenheit dadurch, dass es man im
Englischen tatsächlich sagen kann "i beware of...", was ungefähr heißt
"ich hüte mich vor...", was ja vom Sinn her nicht soo weit weg ist.

Ist der Ausdruck am Ende ein Aussprache- und Sinn-entstelltes Fremdwort?

Oder wo kommt er her?

--
Manfred Härtel, DB3HM mailto:Manfred...@rz-online.de
http://rz-home.de/mhaertel

Heinrich Pfeifer

unread,
May 17, 2021, 4:19:33 AM5/17/21
to
Am 17.05.2021 um 09:50 schrieb Manfred Haertel:
> Kennt jemand den Ausdruck bzw. Ausruf "i bewahre"?

Ich kenne nur "Gott bewahre" mit etwa der selben Bedeutung.


--
Heinrich
mail: new<at>pfei.eu

Christina Kunze

unread,
May 17, 2021, 5:04:53 AM5/17/21
to
Am 17.05.2021 um 09:50 schrieb Manfred Haertel:
Keine richtige Ahnung, aber was unterscheidet ihn von "XY bewahre mich
davor, dass ich …"?

chr

Ulf Kutzner

unread,
May 17, 2021, 7:04:17 AM5/17/21
to
Manfred Haertel schrieb am Montag, 17. Mai 2021 um 10:00:04 UTC+2:
> Kennt jemand den Ausdruck bzw. Ausruf "i bewahre"?
>
> Das wird gelegentlich als bekräftigte Verneinung benutzt, heißt also so
> was ähnliches wie "aber nein".
>
> Ich habe den Ausdruck während meiner Kindheit in den 60er Jahren
> gelegentlich mal gehört oder auch gelesen, später aber immer weniger.
> Möglicherweise ist er am Aussterben.
>
> Nur, auch seit meiner Kindheit frage ich mich, woher dieser Ausdruck
> kommt. Was man da "bewahren" will und vor allen Dingen was das "i" davor
> bedeuten soll.

Vgl. 4. und auch 3. Bedeutung in
https://www.dwds.de/wb/bewahren

> Wobei ich schon mal gehört habe, dass es einen
> Zusammenhang zu dem "i wo" mit ähnlicher Bedeutung gäbe.

Spontan fiele mir Abscheu ein, igitt.

> Noch spannender wird die ganze Angelegenheit dadurch, dass es man im
> Englischen tatsächlich sagen kann "i beware of...", was ungefähr heißt
> "ich hüte mich vor...", was ja vom Sinn her nicht soo weit weg ist.
>
> Ist der Ausdruck am Ende ein Aussprache- und Sinn-entstelltes Fremdwort?
>
> Oder wo kommt er her?

Eine Verwendung findet sich im Vaterunser.

Jakob Achterndiek

unread,
May 17, 2021, 8:21:41 AM5/17/21
to
Am 17.05.2021 um 11:04 schrieb Christina Kunze:
> Am 17.05.2021 um 09:50 schrieb Manfred Haertel:
>
>> Kennt jemand den Ausdruck bzw. Ausruf "i bewahre"?
>>[..]
> Keine richtige Ahnung, aber was unterscheidet ihn von
> "XY bewahre mich davor, dass ich …"?

Das i als ein angerufener Fürsprecher und Beschützer?
Andererseits: "Gott bewahre ..! wird ja auch gesagt.

Zu letzterem fällt mir eine Grabinschrift vom Doberaner
Klosterfriedhof ein:

Hier liggt Aalke
AALKE POTT
Bewohr mi leiwer Herregott
As ick di wull bewohren
Wenn Du wierst Aalke
AALKE POTT
Un ick de leiwe Herregott

--
j/\a

Detlef Meißner

unread,
May 17, 2021, 10:57:58 AM5/17/21
to
Ulf Kutzner schrieb:
> Manfred Haertel schrieb am Montag, 17. Mai 2021 um 10:00:04 UTC+2:
>> Kennt jemand den Ausdruck bzw. Ausruf "i bewahre"?
>>
>> Das wird gelegentlich als bekräftigte Verneinung benutzt, heißt also so
>> was ähnliches wie "aber nein".
>>
>> Ich habe den Ausdruck während meiner Kindheit in den 60er Jahren
>> gelegentlich mal gehört oder auch gelesen, später aber immer weniger.
>> Möglicherweise ist er am Aussterben.
>>
>> Nur, auch seit meiner Kindheit frage ich mich, woher dieser Ausdruck
>> kommt. Was man da "bewahren" will und vor allen Dingen was das "i" davor
>> bedeuten soll.
>
> Vgl. 4. und auch 3. Bedeutung in
> https://www.dwds.de/wb/bewahren
>
>> Wobei ich schon mal gehört habe, dass es einen
>> Zusammenhang zu dem "i wo" mit ähnlicher Bedeutung gäbe.
>
> Spontan fiele mir Abscheu ein, igitt.
>
So kenne ich das auch.

Detlef

--
Wenn es einen Muttersprachler gibt, der sich nicht ganz schlüssig ist
und zwei, die sich sicher sind, dann würde dies dafür sprechen, daß es
wahrscheinlicher ist, daß die zwei recht haben. (Stefan Ram)

Stefan Schmitz

unread,
May 17, 2021, 11:42:06 AM5/17/21
to
Am 17.05.2021 um 16:57 schrieb Detlef Meißner:
> Ulf Kutzner schrieb:
>> Manfred Haertel schrieb am Montag, 17. Mai 2021 um 10:00:04 UTC+2:
>>> Kennt jemand den Ausdruck bzw. Ausruf "i bewahre"?
>>> Das wird gelegentlich als bekräftigte Verneinung benutzt, heißt also
>>> so was ähnliches wie "aber nein".
>>> Ich habe den Ausdruck während meiner Kindheit in den 60er Jahren
>>> gelegentlich mal gehört oder auch gelesen, später aber immer weniger.
>>> Möglicherweise ist er am Aussterben.
>>> Nur, auch seit meiner Kindheit frage ich mich, woher dieser Ausdruck
>>> kommt. Was man da "bewahren" will und vor allen Dingen was das "i"
>>> davor bedeuten soll.
>>
>> Vgl. 4. und auch 3. Bedeutung in
>> https://www.dwds.de/wb/bewahren
>>
>>> Wobei ich schon mal gehört habe, dass es einen Zusammenhang zu dem "i
>>> wo" mit ähnlicher Bedeutung gäbe.
>>
>> Spontan fiele mir Abscheu ein, igitt.
>>
> So kenne ich das auch.

Würde ich bei "i wo" eher als Interjektion ansehen, gleichbedeutend mit
"ach was". Die gleiche Funktion könnte es in Manfreds Ausruf haben.

Manfred Hoß

unread,
May 17, 2021, 4:19:48 PM5/17/21
to
Am Mon, 17 May 2021 09:50:18 +0200 schrieb Manfred Haertel:

> Kennt jemand den Ausdruck bzw. Ausruf "i bewahre"?
>
> Das wird gelegentlich als bekräftigte Verneinung benutzt, heißt also so
> was ähnliches wie "aber nein".
>
> Ich habe den Ausdruck während meiner Kindheit in den 60er Jahren
> gelegentlich mal gehört oder auch gelesen, später aber immer weniger.
> Möglicherweise ist er am Aussterben.
>
> Nur, auch seit meiner Kindheit frage ich mich, woher dieser Ausdruck
> kommt. Was man da "bewahren" will und vor allen Dingen was das "i" davor
> bedeuten soll. Wobei ich schon mal gehört habe, dass es einen
> Zusammenhang zu dem "i wo" mit ähnlicher Bedeutung gäbe.

"*i* Empfindungswort, mhd. /ī/ (Gottfried v.S.; DWb), fnhd. auch /ie, ih,/
/y/ und /ye/ geschrieben und z. T. wie -> /³je/ ausgesprochen (Ca., vgl.
dagegen Adelung), wohl nd. Ursprungs und daher undiphthongierte Form des
synon. -> /ei/, insb. nordd. *1* Einleitungssignal als Ausdruck von
Verwunderung o. auch (eingeschränkten) Zugeständnissen, insbes. vor
Anreden, Impp., Fragewörtern und Flüchen; Maaler (1561) bestimmt /y/ als
»indignantis particula«, veralt.: /Y laß dir dz schnöd gält/ [>Geld<] /nit/
/so lieb sein/ (Maaler); /i verflucht/ (Wi; DWb); /i wer kommt uns da/
/entgegen?/ (Kotzebue; DWb); /Noch weniger glaube ich, daß ein Fürst .. /
/zu seiner Gemahlin spricht: »I, du bist ja ein allerliebstes Frauchen!«/
/O, sagte er, vielleicht, aber I gewiß nicht/ (Börne; Sa.); heute v.a. in
Flüchen bzw. Ablehnungsformen wie /i wo!/ (Genthe), /i bewahre!/: /»Sie/
/hatten sie wohl sehr lieb?« »Ich? Die? I, Gott bewahre« (Fontane, Effi
Briest 4,110); die Einleitungsfunktion hat heute insb. -> /ja/ übernommen,
-> /ach, ei/; dazu auch das zurückhaltend einräumende /je nun/, in der Bed.
»da die sache nun einmal so liegt« (DWb); Anselmo /zu grosz, zu klein; zu/
/leer, zu enge. was heiszt denn das?/ Maskarill. /ie nun! sie werden es/
/von ihm selbst hören können, wie das alles ist/ (Le.; DWb); /Je nun, ich/
/hab mich ihr nun einmal verschrieben (ASchmidt, Trommler 85); *2* Ausdruck
von Ekel und Abscheu, wohl erst im späten 19.Jh. verkürzte Form des nordd.
Ausrufs /i gitt i gitt/ (aus /i/ und der Interj. -> /gitt/): /Sie glättete/
/unaufhörlich die Falten ihres Rockes, fand »ii!« und da einen Käfer, den/
/Georg schleunigst zu entfernen hatte/ (1964 Jägersberg, Weihrauch und
Pumpernickel 93)."
(Hermann Paul, "Deutsches Wörterbuch. Bedeutungsgeschichte und Aufbau
unseres Wortschatzes" / von Helmut Henne, Heidrun Kamper und Georg
Objartel. - 10., überarbeitete und erweiterte Auflage. - Tübingen : Max
Niemeyer Verlag, 2002. - S. 493)

Gruß
Manfred.

Henning Sponbiel

unread,
May 18, 2021, 5:55:28 AM5/18/21
to
On Mon, 17 May 2021 09:50:18 +0200, Manfred Haertel wrote:

>Kennt jemand den Ausdruck bzw. Ausruf "i bewahre"?

Ich, von meiner Mutter, die aus dem Raum Hannover kam.

Ansonsten schließe ich mich Stefans Ausführungen in Message-ID:
<i-bewahre-20...@ram.dialup.fu-berlin.de> an.



Henning

Hans-R. Biermann

unread,
May 18, 2021, 3:03:56 PM5/18/21
to
Henning Sponbiel schrieb am Dienstag, 18. Mai 2021 um 11:55:28 UTC+2:

>> Kennt jemand den Ausdruck bzw. Ausruf "i bewahre"?

> Ich, von meiner Mutter, die aus dem Raum Hannover kam.

Im Ostpreußischen auch "i Erbarmung" - FR

Frank Zeeb

unread,
May 20, 2021, 12:45:35 PM5/20/21
to
Am 17.05.2021 um 14:21 schrieb Jakob Achterndiek:


> Zu letzterem fällt mir eine Grabinschrift vom Doberaner
> Klosterfriedhof ein:
>
> Hier liggt Aalke
> AALKE POTT
> Bewohr mi leiwer Herregott
> As ick di wull bewohren
> Wenn Du wierst Aalke
> AALKE POTT
> Un ick de leiwe Herregott


... ist vermutlich ein Wandervers, auf dem Friedhof an der Wurmlinger
Kapelle zwischen Tübingen und Rottenburg soll ein Grabstein gestanden haben:

Hier ruht in Gott
der Gächinger Bot |eine Art Amtsbote, im Dialekt mit kurzem o, so dass
es sich mit "Gott" reimt].
Sei ihm gnädig, o Herr,
wie er dir wär,
wenn er wäre Gott
und du der Gächinger Bot.

Gruß
Frank

Stefan Schmitz

unread,
May 20, 2021, 5:18:21 PM5/20/21
to
Was ist denn ein Wandervers?

Quinn C

unread,
May 20, 2021, 5:42:58 PM5/20/21
to
* Stefan Schmitz:

> Am 20.05.2021 um 18:45 schrieb Frank Zeeb:
>> Am 17.05.2021 um 14:21 schrieb Jakob Achterndiek:
>>
>>> Zu letzterem fällt mir eine Grabinschrift vom Doberaner
>>> Klosterfriedhof ein:
>>>
>>>          Hier liggt Aalke
>>>             AALKE POTT
>>>     Bewohr mi  leiwer Herregott
>>>       As ick di wull bewohren
>>>        Wenn Du wierst Aalke
>>>             AALKE POTT
>>>      Un ick de leiwe Herregott
>>
>> ... ist vermutlich ein Wandervers, auf dem Friedhof an der Wurmlinger
>> Kapelle zwischen Tübingen und Rottenburg soll ein Grabstein gestanden
>> haben:
>> [mit einer ähnlichen Inschrift]

> Was ist denn ein Wandervers?

Ist mir auch nicht vertraut, aber ich kann es mir leicht erschließen:
Sowas wie eine Wanderlegende, mit Vers statt Legende.

Nächste Woche: die Wanderniere.
--
Um Begrenzung zu entfernen und sicher Ihre Kreditkarte laden Sie
sich bitte und füllen Sie das beigefügte Formular aus.
-- SPAMPOESIE

Stefan Schmitz

unread,
May 21, 2021, 9:56:54 AM5/21/21
to
Am 20.05.2021 um 23:42 schrieb Quinn C:
> * Stefan Schmitz:
>
>> Am 20.05.2021 um 18:45 schrieb Frank Zeeb:
>>> Am 17.05.2021 um 14:21 schrieb Jakob Achterndiek:
>>>
>>>> Zu letzterem fällt mir eine Grabinschrift vom Doberaner
>>>> Klosterfriedhof ein:
>>>>
>>>>          Hier liggt Aalke
>>>>             AALKE POTT
>>>>     Bewohr mi  leiwer Herregott
>>>>       As ick di wull bewohren
>>>>        Wenn Du wierst Aalke
>>>>             AALKE POTT
>>>>      Un ick de leiwe Herregott
>>>
>>> ... ist vermutlich ein Wandervers, auf dem Friedhof an der Wurmlinger
>>> Kapelle zwischen Tübingen und Rottenburg soll ein Grabstein gestanden
>>> haben:
>>> [mit einer ähnlichen Inschrift]
>
>> Was ist denn ein Wandervers?
>
> Ist mir auch nicht vertraut, aber ich kann es mir leicht erschließen:
> Sowas wie eine Wanderlegende, mit Vers statt Legende.

Auch das Wort Wanderlegende kannte ich noch nicht. Nach Lektüre des
Wikipedia-Artikels sehe ich auch keinen Sinn darin. Ich halte es für
selbstverständlich, dass Legenden mit regionalem Bezug je nach Erzählort
an die Region angepasst werden.

Christina Kunze

unread,
May 21, 2021, 10:55:12 AM5/21/21
to
Am 21.05.2021 um 15:56 schrieb Stefan Schmitz:
> Am 20.05.2021 um 23:42 schrieb Quinn C:
>> * Stefan Schmitz:

>>> Was ist denn ein Wandervers?
>>
>> Ist mir auch nicht vertraut, aber ich kann es mir leicht erschließen:
>> Sowas wie eine Wanderlegende, mit Vers statt Legende.
>
> Auch das Wort Wanderlegende kannte ich noch nicht. Nach Lektüre des
> Wikipedia-Artikels sehe ich auch keinen Sinn darin. Ich halte es für
> selbstverständlich, dass Legenden mit regionalem Bezug je nach Erzählort
> an die Region angepasst werden.

Manche wandern, andere nicht. Hast Du schon mal gehört, dass Zeus auf
der Zugspitze residiert?

Dasselbe ist ja mit diesem Grabspruch auch passiert: Er ist an die
Region bzw. den Regiolekt angepasst und tritt an verschiedenen Orten auf.
Bei manchen Wanderlegenden kann man WIMRE nachvollziehen, von wo nach wo
sie gewandert sind. Mindestens in Zeiten ohne flächendeckende
schriftliche Aufzeichnungen kann man dem doch einige Informationen
entnehmen.

Manchmal ähneln sich die einzelnen Vorkommen nicht mehr so stark wie
diese beiden Beispiele, wenn nämlich nicht nur ein Bestandteil
(beispielsweise eine Person, wenn derselbe Witz über Bismarck und
Ulbricht erzählt wird), sondern mehr oder außer der Struktur alles
geändert ist.

In diesem Sinne folgt "Hier ruhen meine Gebeine, ich wollt', es wären
deine" ebenso derselben Struktur wie mutatis mutandis "Eram quod es,
eris quod sum" und all seine vielfältigen Varianten, wie sie sich
beispielsweise hier finden:
https://www.wochenspiegel-web.de/autothumb/800x600marked/Web_naumburger_dom_geheimnis_5_-_rudolf_ms.jpg

chr

Jakob Achterndiek

unread,
May 21, 2021, 11:40:14 AM5/21/21
to
Am 21.05.2021 um 15:56 schrieb Stefan Schmitz:
>
> Auch das Wort Wanderlegende kannte ich noch nicht. Nach Lektüre des
> Wikipedia-Artikels sehe ich auch keinen Sinn darin. Ich halte es für
> selbstverständlich, dass Legenden mit regionalem Bezug je nach Erzählort
> an die Region angepasst werden.

Es ist doch schön, wenn man immer neue Wörter kennenlernt.
Im Mittelalter z.B. gab es die Scholaren, das waren Wander-
schüler, die von einer Universität zur anderen und von einem
Professor zum anderen wanderten. Die mußten sich auch immer
anpassen. Beim einen Professor lernten sie Griechisch, beim
anderen Latein. In Heidelberg tranken sie Wein, in Jena
mußten sie Bier trinken. Das hielten die auch für ganz selbst-
verständlich. Und ob ein Sinn darin war, blieb auch umstritten.
Das Wort jedenfalls gips noch.
--
j/\a

Christina Kunze

unread,
May 21, 2021, 3:48:19 PM5/21/21
to
Am 21.05.2021 um 21:18 schrieb Martin Gerdes:
> Jakob Achterndiek <achte...@buzemann.de> schrieb:
>
>>> Auch das Wort Wanderlegende kannte ich noch nicht. Nach Lektüre des
>>> Wikipedia-Artikels sehe ich auch keinen Sinn darin. Ich halte es für
>>> selbstverständlich, dass Legenden mit regionalem Bezug je nach Erzählort
>>> an die Region angepasst werden.
>
>> Es ist doch schön, wenn man immer neue Wörter kennenlernt.
>> Im Mittelalter z.B. gab es die Scholaren, das waren Wander-
>> schüler, die von einer Universität zur anderen und von einem
>> Professor zum anderen wanderten. Die mußten sich auch immer
>> anpassen. Beim einen Professor lernten sie Griechisch, beim
>> anderen Latein. In Heidelberg tranken sie Wein, in Jena
>> mußten sie Bier trinken.
>
> Dem Vernehmen nach mußte man Studenten zu allen Zeiten zum Trinken von
> Alkohol zwingen. Freiwillig hätten sie das nie getan!
>
Zwingen nicht, aber singen musste man sie dazu: Ça, ça!

chr

Stefan Schmitz

unread,
May 22, 2021, 3:42:17 AM5/22/21
to
Am 21.05.2021 um 21:48 schrieb Christina Kunze:
>> Dem Vernehmen nach mußte man Studenten zu allen Zeiten zum Trinken von
>> Alkohol zwingen. Freiwillig hätten sie das nie getan!
>>
> Zwingen nicht, aber singen musste man sie dazu: Ça, ça!

Den verstehe ich nicht.

Christina Kunze

unread,
May 22, 2021, 4:43:21 AM5/22/21
to
In dem Studententrinklied, das so anfängt, heißt es später: Edite,
bibite, collegiales, post multa saecula pocula nulla.

chr

Ulf Kutzner

unread,
Mar 9, 2023, 5:02:19 AM3/9/23
to
Quinn C schrieb am Donnerstag, 20. Mai 2021 um 23:42:58 UTC+2:
> * Stefan Schmitz:

> > Was ist denn ein Wandervers?

> Ist mir auch nicht vertraut, aber ich kann es mir leicht erschließen:
> Sowas wie eine Wanderlegende, mit Vers statt Legende.

Beim Vers fällt die außer in Österreich übliche f-Aussprache auf.

https://de.wiktionary.org/wiki/Vers

verweist auf ahd. 'fers'. War die Anlautverhärtung da zwingend?
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