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Ameise

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Juergen Barsuhn

unread,
Sep 14, 2014, 4:01:49 PM9/14/14
to
Ameise:
Wortstamm Ameis-
Endung -e
Ich wᅵrde jetzt die Betonung auf der zweiten Silbe, also auf dem ei
erwarten. Bekanntlich liegt die Betonung aber auf der ersten Silbe A.

Gruᅵ
Jᅵrgen
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Helmut Richter

unread,
Sep 14, 2014, 4:53:33 PM9/14/14
to
On Sun, 14 Sep 2014, Stefan Ram wrote:

> r...@zedat.fu-berlin.de (Stefan Ram) writes:
> >Juergen Barsuhn <jw.ba...@t-online.de> writes:
> >>Ich w�rde jetzt die Betonung auf der zweiten Silbe, also auf dem ei
> >>erwarten. Bekanntlich liegt die Betonung aber auf der ersten Silbe A.
> >Deutsche Grundw�rter werden auf der ersten Silbe betont.
> >�Schule�. �Tonne�.
>
> Die Betonung liegt auf der Stammsilbe, welche oft die erste
> Silbe nach eventuellen Vors�tzen ist. Genaueres findet man
> beispielsweise in �Systematische �berpr�fung deutscher
> Wortbetonungsregeln� von Petra Wagner.

Ich denke, dass die von J�rgen Barsuhn ge�u�erte Erwatung nicht so falsch ist:
Ist der Wortstamm mehrsilbig und gibt es eine Endung mit Schwa (also -e, -el,
-er, -en), dann ist eher die davorliegende Silbe betont: Holunder, Wacholder,
Kartoffel, Hornisse, Rhabarber (die Fremdw�rter unter ihnen lang genug
eingedeutscht, um sich nach deutscher Betonung zu richten). Das Muster von
"Ameise" kommt mir seltener vor; gibts daf�r noch viele weitere Beispiele?

--
Helmut Richter
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Jakob Achterndiek

unread,
Sep 14, 2014, 6:00:44 PM9/14/14
to
Am 14.09.2014, 23:19 Uhr, schrieb Stefan Ram <r...@zedat.fu-berlin.de>:

> Ringelnatz:
> In Hamburg lebten zwei Ameisen,
> Die wollten nach Australien reisen.
>
> Hier muß man »mei« betonen, damit es sich reimt!

Nein!
Das würde aus metrischen Gründen den Satzton (und das Satz-
verständnis) der zweiten Zeile auf das "reisen" verlegen
statt auf das ferne Australien. Und dann müßte der Kritiker
einwenden: Wie sonst, außer durch's Reisen, sollten sie denn
wohl nach Australien kommen? Warum das also derart betonen?

j/\a
--

Allenfalls so: Am Aschermittwoch taucht unter der Deutzer
Brücke ein Kopf aus den Fluten und fragt: Geht's hier nach
Australien? - Ja, schreit jemand von oben, das ist aber noch
weit! - Macht nix, antwortet der Kopf. Ich bin per Fahrrad.

Stefan Froehlich

unread,
Sep 15, 2014, 2:44:41 AM9/15/14
to
On Mon, 15 Sep 2014 00:00:44 Jakob Achterndiek wrote:
> > Ringelnatz:
> > In Hamburg lebten zwei Ameisen,
> > Die wollten nach Australien reisen.

> > Hier muß man »mei« betonen, damit es sich reimt!

> Nein!
> Das würde aus metrischen Gründen den Satzton (und das Satz-
> verständnis) der zweiten Zeile auf das "reisen" verlegen
> statt auf das ferne Australien.

Das sowieso, ansonsten holpert es, wie Du schreibst, in
der zweiten Zeile ganz gewaltig. Aber unabhaengig davon
finde ich keinen Weg, das Gedicht fluessig zu lesen, wenn
ich die Ameisen auf der ersten Silbe betone.

> Und dann müßte der Kritiker einwenden: Wie sonst, außer durch's
> Reisen, sollten sie denn wohl nach Australien kommen? Warum das
> also derart betonen?

Der inhaltliche Aspekt steht bei diesem Gedicht wohl nicht
so stark im Vordergrund :-)

Servus,
Stefan

--
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Laune mit Stefan, gelassen und weit!
(Sloganizer)

Jakob Achterndiek

unread,
Sep 15, 2014, 4:08:17 AM9/15/14
to
Am 15.09.2014, 08:44 Uhr, schrieb Stefan Froehlich
<Stefan...@froehlich.priv.at>:

>>> In Hamburg lebten zwei Ameisen,
>>> Die wollten nach Australien reisen.
>
> [..] Aber unabhaengig davon finde ich keinen Weg,
> das Gedicht fluessig zu lesen, wenn ich die Ameisen
> auf der ersten Silbe betone.

Suchet, so werdet ihr finden:
<http://www.youtube.com/watch?v=uvUimhV43sw>

> Der inhaltliche Aspekt steht bei diesem Gedicht wohl
> nicht so stark im Vordergrund :-)

Schää, wer bei Lyrik ümmer nur an Goethe denken tut --
Aber selbst da war Ringelnatz ein ausgewiesener Kenner und
intimer Liebhaber. In seiner Autobiographie erzählt er:

| Als ich einmal dem Literaturunterricht beiwohnte, warf
| ich die Frage auf, ob den Damen das ernste schöne Gedicht
| von Goethe bekannt wäre, worin das Wort "Rinderbrust"
| vorkäme.
| An den Mond
| Füllest wieder Busch und Tal
| [..]
| Selig, wer sich vor der Welt
| Ohne Haß verschließt,
| Einen Freund am Busen hält
| Und mit dem genießt,
| Was von Menschen nicht gewußt
| Oder nicht bedacht,
| Durch das Laby
| Rinderbrust
| Wandelt in der Nacht.
| Damit rief ich Gelächter der Schülerinnen und Empörung
| der Lehrerin hervor.
[ Ringelnatz: Mein Leben bis zum Kriege. -GW Bd. 6, S. 304 ]

j/\a
--

Stefan Froehlich

unread,
Sep 15, 2014, 6:44:46 AM9/15/14
to
On Mon, 15 Sep 2014 10:08:17 Jakob Achterndiek wrote:
> >>> In Hamburg lebten zwei Ameisen,
> >>> Die wollten nach Australien reisen.

> > [..] Aber unabhaengig davon finde ich keinen Weg,
> > das Gedicht fluessig zu lesen, wenn ich die Ameisen
> > auf der ersten Silbe betone.

> Suchet, so werdet ihr finden:
> <http://www.youtube.com/watch?v=uvUimhV43sw>

Ok, ich hatte das norddeutsche "Australjen" nicht
bedacht. Damit funktioniert es dann natuerlich schon.

Servus,
Stefan

--
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Die Lust zu lieben! Stefan, wenn der kleine Arger kocht!
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Juergen Barsuhn

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Sep 15, 2014, 7:40:59 PM9/15/14
to
Stefan Ram schrieb:
> r...@zedat.fu-berlin.de (Stefan Ram) writes:
>> r...@zedat.fu-berlin.de (Stefan Ram) writes:
>>> Juergen Barsuhn <jw.ba...@t-online.de> writes:
>>>> Ich w�rde jetzt die Betonung auf der zweiten Silbe, also auf dem ei
>>>> erwarten. Bekanntlich liegt die Betonung aber auf der ersten Silbe A.
....

--Zitat aus Helmut Richtervom 14.9.
Ich denke, dass die von J�rgen Barsuhn ge�u�erte Erwatung nicht so
falsch ist: Ist der Wortstamm mehrsilbig und gibt es eine Endung mit
Schwa (also -e, -el, -er, -en), dann ist eher die davorliegende Silbe
betont: Holunder, Wacholder,
Kartoffel, Hornisse, Rhabarber (die Fremdw�rter unter ihnen lang genug
eingedeutscht, um sich nach deutscher Betonung zu richten). Das Muster
von "Ameise" kommt mir seltener vor; gibts daf�r noch viele weitere
Beispiele?
--Ende Zitat

>
> Inzwischen habe ich auch eine Quelle gefunden, derzufolge �Ameise�
> eine Ausnahme darstellt. Und zwar von der �Reduzierte-Silbe-Regel�:
>
> �Eine reduzierte letzte Silbe mit Onset legt die
> Betonung auf die letzte volle Silbe fest.�
>
> Beim Wort �Ameise� haben die beiden letzten Silben einen Onset.
>
> Nach derselben Quelle ist �Brosame� eine weitere Ausnahme dieser Art.
>
> Es gibt eine andere Regel, nach der unbetonte Silben h�ufig
> einmorig sind, mit �Arbeit�, �Efeu� und �Ameise� als Ausnahmen.
>
> Eine andere Quelle: �Pseudokomposita: Simplizia, die sich
> nach ihrer Akzentstruktur wie Komposita verhalten: Ameise,
> Brosamen, Eidechse, Herberge, Talisman, Dolmetscher,
> P�mpelmuse, Pumpernickel, Abenteuer, B�rserker�

Danke, Helmut und Stefan. Ich hoffe, ich habe oben eure beiden
aufeinanderfolgenden Postings sinvoll zusammen geschnitten. Die
Erinnerung an die "Ameise-Ausnahme" aus meiner Schulzeit vor rund
sechzig Jahren tauchte wider auf, als ich eher zuf�llig auf diese
Newsgruppe stie�. Nun steht die Ameise nicht mehr so alleine da.
>
> Ringelnatz:
>
> In Hamburg lebten zwei Ameisen,
> Die wollten nach Australien reisen.
>
> Hier mu� man �mei� betonen, damit es sich reimt!
>
Sehr sch�n, die Auflockerung des Ernstes mit Ringelnatz. Ich kopiere
mal hierher den von Jakob Achterndiek pr�sentierten Youtube-Link:

-- Zitat Anfang:
Suchet, so werdet ihr finden:
<http://www.youtube.com/watch?v=uvUimhV43sw>
-- Zitat Ende

Gru�
J�rgen
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