Danke für die Blumen! Ich möchte darauf im Zusammenhang antworten.
Ich will versuchen, mich verständlich zu machen. Wenn ich mich
hemdsärmelig ausdrücke, dann deswegen, weil ich nicht die Gelegenheit
habe, mich in differenzierte linguistische Fachterminologie
einzuarbeiten. Und weil solche terminologischen Angestrengtheiten
meiner Beobachtung nach in desd kontraproduktiv wären.
Das Wort 'Standardsprache' existiert, zu finden in Wikipedia und Duden,
entsprechend auch das Wort 'standardsprachlich', ebenso das Wort
'inakzeptabel'. Wer sich mit Sprache gedanklich beschäftigt hat, wird
vom Inhalt dieser Wörter eine ungefähre Vorstellung haben. Bezogen auf
Sprache kann man eine Äußerung wie "Der Satz 'da is doch nix bei' ist
standardsprachlich inakzeptabel" verstehen als: Dieser Satz entspricht
nicht den Regeln, die ein um korrektes Deutsch bemühter Sprecher
beherzigen sollte.
Zum Zustandekommen und der Funktion solcher Regeln sehe ich folgende
primitive Reihenfolge: Zuerst war die Sprache da, dann die Grammatik
mit ihren diversen Beschreibungsmodellen, dann der Deutsch- und
Sprachunterricht auf Basis dieser Modelle, letztere beide(n?) naturgemäß
präskriptiv.
Um die Regelapparate einer Sprache aufzustellen, muss eine
Vorentscheidung getroffen werden, welche Bildungsmuster von Sätzen
als korrekt (akzeptabel) mitbeschrieben werden sollen und welche
nicht. Früher galt sowohl in der Auswahl der akzeptierten Sätze als
auch in der daraus gewonnenen Ableitung der Regeln der Duden als
normsetzend im Sinne von normstabilisierend, gaanz früher, wenn ich
nicht irre, deutlich an literarischer, sprich dem, was man heute als
'Hochsprache' bezeichnen würde, orientiert. Wie auch immer, heute
scheint mir generell eine offenere Auffassung vorzuherrschen, welche
der tatsächlichen sprachlichen Vielfalt Geltung zu geben versucht.
Das macht die Dinge unübersichtlicher.
Ich habe von außen herangetragene Wertungen der Art " 'da finde ich
nix bei' ist kein richtiges Deutsch" erlebt, wohl jeder hat dies
oder etwas Vergleichbares erfahren. Derartige Äußerungen sind in
meinen Augen nicht lediglich Belege für die Nicht-Akzeptanz
bestimmter Sätze durch präskriptionsverliebte Deutsch-Lehrmeister oder
Sprachbewahrer, sondern wären für mich zu übersetzen in: Die Regeln
zur Bildung eines solchen Satzes sollten nicht in den Kernbestand
des grammatischen Regelsystems des Standarddeutschen aufgenommen
werden. Einer solchen Aussage würde ich mich anschließen.
Damit wäre nicht gleichzeitig gesagt, dass es nicht vom
Standarddeutschen abweichende Varietäten geben könnte, in denen
ein derartiges Bildungsmuster voll akzeptabel wäre. Gleichwohl wäre
die Zahl derjenigen, die derartige Sätze für unbedenklich halten,
meiner Einschätzung nach wesentlich kleiner als die Zahl derjenigen,
die Sätzen wie 'ich finde nichts dabei' den Vorzug geben würden. Und
eben dies zeichnet in meinen Augen Standardsprachlichkeit aus: Dass
die ihr zuzurechnenden Äußerungen nach mehr oder weniger allgemein
verbreiteter Einschätzung korrekt im Sinne von 'akzeptables Deutsch'
sind. 'Standardsprachlich' heißt, so gesehen, für mich 'von
einigermaßen normbewussten Deutschsprechern durchschnittlich
akzeptiert'.
Die Nicht-Unterscheidung von 'Akzeptanz' und 'Akzeptabilität' bei mir
beruht zum allergrößten Teil auf der Tatsache, dass 'Akzeptanz' über
längere Zeit hinweg als Modewort in sich akademisch gerierenden
Kreisen kursierte. Ob ansonsten ein dringender Bedarf für diese
Unterscheidung besteht, um Urteile über Sprachrichtigkeit korrekt
zu charakterisieren, möchte ich hier nicht entscheiden.
Das Wort 'titulieren' hatte ich im Sinne von 'bezeichnen' gemeint, um
nicht immer nur 'bezeichnen bezeichnen bezeichnen' zu verwenden. Der
einzige mögliche Hintergedanke bei dieser Wortwahl wäre ein
Distanzierungsversuch gegenüber naiven Etikettierungen als 'richtig'
oder 'falsch', wie man sie überall und auch in desd antreffen kann,
auf die ich mir dann erlaube, das Wort 'titulieren' anzuwenden.
Dessen ungeachtet habe ich Dich vermutlich nicht verstanden. Du
schreibst von 'Inakzeptabilität' als einer immanenten Eigenschaft
von Sätzen? Bist Du der Ansicht, dass es eine solche unabhängig von
von außen herangetragenen Wertungen gibt?
Schließlich: Du wirfst mir floskelhafte Auslassungen vor. Floskel heißt
für mich so viel wie 'Leerformel', auch sprichst Du (im Umkehrschluss)
von meiner unklaren, rational nicht kontrollierten Sprache (mit
Ausrufezeichen dahinter), ich sehe mich also in dem darauf bezogenen
Posting als Verbreiter von sowas wie gedankenarmem Wischiwaschi in
nicht rationaler Sprache beschrieben. Ich weiß nicht so recht, womit
ich mir solche Zurechtweisungen verdient habe, will aber nicht
unerwähnt lassen, dass ich diese sehr verwundert zur Kenntnis nehme.
Grüße von: Ralf Joerres