Bärbel Nolden <
bbel-...@netcologne.de>:
> "Ewald Pfau" schrieb:
>> Bärbel Nolden <
bbel-...@netcologne.de>:
>
> Lieber Freund, schade dass Du für einen kurzen Brief keine Zeit hattest.
Jetzt gibst Du es mir aber! Hmm, vielleicht hilfts was?
> Ich mag mir nun nicht die Zeit nehmen, auf alle Mäander Deiner Ausführungen
> einzugehen und beschränke mich daher darauf, einige Fragen zu stellen.
>> Immer dasselbe.
> Was meinst Du damit?
Wir sind da ja nicht alleine nur in der Reduktion auf die verbale Replik.
Meinen Punkt könnte erhellen, dass mir gelegentlich eine Reportage unterkam,
wie ich auch anführte.
> Dass ein ursprünglich komplexer ausformuliertes Anliegen (hier, bei den
> Femen, bzw. deren Begründer Hanna Huzol und Wiktor Swjatsky, die Ablehnung
> des Patriarchats) auf plakative Reduktionen zusammenschnurrt?
"Ursprünglich" wird hier in etwa die Bedeutung haben, als wenn, um im Bilde
zu bleiben. zu einem Gelage ein Handzettel aufgelegt wird, sodass eine
leicht ausufernde Vernichtung erlesenen Gesöffs den Erwartungen an
bürgerlich braven Anstand nicht ins Gehege kommen möge.
> Oder dass für jemanden eine Oberfläche (Parole plus Halbnacktheit) ohne
> argumentative Grundierung nicht dazu taugt, Einblicke in eine
> Weltanschauung zu bieten?
Weder das eine noch das andere ist tragfähig für den Akt, wie er dann in
kommunikative Zusammenhängen einbettet ist, die mit ihm losgetreten werden.
****
> Und mit diesen drei Punkten wäre wessen Freiheitsbegriff buchstabiert?
Mir legte sich der Gedanke an solcherart derzeit gut geläufige & gut
eingespielte populistische Machart nahe, mit dem sich jene Unternehmungen
ins Boot setzen, mitnaschen wollen, von einer Möglichkeit, in die
Schlagzeilen zu kommen.
Die Sprechakttheorie kennt drei Ebenen des Gelingens einer sprachlichen
Handlung, ich denke das sollte man da mit anführen: dass die grammatische
Ebene korrekt bedient werde, dass in der semantischen Ebene keine Fehlgriffe
in die Netze der verwobenen Bedeutungen erfolgen, und schließlich, als wenig
geläufige dritte Ebene, im Blickwinkel eines performatorischen Aspekts, dass
mit dem Handeln ein Kontext getroffen werde, der stimmig zu diesem Handeln
ist.
Wenn der dritte Aspekt faktisch dermaßen stark für das Ganze zu stehen
kommt, wie es hier gespielt wird, vor allem unter Ausnutzung der
Massenmedien, dann bin ich kaum geneigt, mir ein naïves
Intellektuellen-Blabla verkaufen zu lassen, als da der Zusammenhang mir
zugleich zeigt, dass die performative Ebene sehr gezielt und mit
professionellem Schmäh bedient wird.
Und eben diese Betonung hat eben auch jene Reportage nahegelegt, von einer
die ausgezogen war [jaja], mitzumachen.
Das ist dann mein intellektueller Blick dazu. Sozusagen. Zuerst kommt die
Empirie, wenn die schon so fett (nun ja) aufs Silbertablett gelegt wird.
> Das Zusammendenken einer schwülen Sinnlichkeit mit Freiheit als solcher
> kommt mir doch stark konstruiert vor.
Was heißt hier schwül? Das ist knochentrocken durchkalkuliert.
****
> Weiter unten bezeichnest Du dann das Laszive als Programm eines
> Aktionismus (wenn dies denn das ist, was Du gemeint hast), siedelst es
> also nicht mehr im Grundsätzlichen, sondern auf der Ebene des Transports
> eines zu vermittelnden Theorems an.
Mit den drei Punkten, die mir hierzu eingefallen waren (schon einen halben
Tag bevor ich antwortete) war es mir um eine systemimmanente Schwäche, mit
der Populisten Leute recht billig für blöd verkaufen können. Das ist gut
eingespielt. Die Hilflosigkeit und die Resignation, die an solch einem
Modell kleben, das mit euphorischer Abgehobenheit und eben Laszivität im
Ausdruck als Ausdruck von Freiheit spielt, sind allgegenwärtig. Die
Schwäche, auf diese populistische Anmache hereinzufallen, ebenso.
Letztlich ist es ein moralisches Defizit und da würde sich dann ein langer
Rattenschwanz von Erwägungen dranhängen, deren erster aber wohl so beginnen
müsste, dass der rigide Maßstab zu bürgerlichen Rechtfertigungsstrategien,
wie er als protestantisches Modell um die Welt geschwappt ist (und Max Weber
hat das schon in den 1920ern beschrieben), letztlich nun destruktiv geworden
ist, eine kompatible Autorität aber nicht in Sicht ist, die den Schaden
prinzipiell abfangen könnte, der hiermit gestiftet wird.
Man kann eine Moral anschauen, die auf dem Lasziven als Ausgangspunkt
aufsetzt und auf drei zählen, wie wenig tröstlich das ist, wo das hin
verweist. Einen entscheidende Rolle spielt dabei die Unselbständigkeit im
Urteilsvermögen - zugleich ist aber die solcherart eingefleischte
Verantwortungslosigkeit tatsächlich ein Zeichen der Zeit ... zugleich ein
Hinweis, dass diese Art Entscheidungsmodell ihre Ablaufzeit eigentlich
schon überschritten hat.
Und eben jener Aktionismus ist genau hier mit im Boot, die publizistischen
Rosinen zu ernten, die man mit verqueren Klischees abfangen kann, die sich
daran anknüpfen, wenn man da einmal etwas frecher daran rüttelt.
>> Aber ich sehe, mit Deiner obigen Frage hast Du den Kontext ausgeblendet,
>> womöglich ganz und gar spießig verdrängt, mit dem dieserthalber die
>> Existenz des Menschen als Warenkonsument gar zur höchsten Form seiner
>> spirituellen Inkarnation bekehrt sein soll,
>
> Die Kehrseite wäre, dass das zu konsumierende Parolen, womöglich gar die
> Trägerinnen dieser, Warencharakter haben.
[irgendwas fehlt da]
Für mich war das etwas sarkastische Überspitzung - dass der Warenkonsument
sich damit in seiner spirituellen Inkarnation wähnen darf, wenn ihm ein kurz
angebundener Ausblick von Triebhaftigkeit, als Modell gesellschaftlicher
Versprechungen, Appetit macht.
Und was dann hier nun geboten wird, präsentiert sich als Markenartikel im
Unterhaltungsprogramm der Medien. Da hat ja oft schon ein Popbarde die
Revolution ausgerufen und alle hat es gefreut, also der Sound & die Show &
die Besetzung & usw. & haben die Elaborate gekauft & brav ins Regal
gestellt & aufs Ticket für die nächste Show gespart.
>> ****
>>
>>> Aber vielleicht bedarf es dazu eines männlichen Blicks.
>>
>> Romantik, ich höre sie trappsen,
[...]
> Wie Du an diesem Punkt auf Romantik kommst, und sei sie auch trappsend,
> ist mir verschlossen geblieben.
Die Medien bedienen ein Erwartungsmodell.
Zugleich haben die Darstellerinnen eben dieses Erwartungsmodell
verinnerlicht, eben auf das hin, mit den Medienfuzzis symbiotisch zu
interagieren.
Ob es zu den Erwartungen eine tatsächliche Entsprechung gibt, ist reichlich
nebensächlich. Es ist als Erfolgsmodell bewährt. Das ist das trockene
Kalkül.
Und davon hat jene Zeugin berichtet - wie alle Betonung darauf liege, dass
das eiserne Regelwerk eingehalten werde, wie sie dieses symbiotische
Verhältnis mit Medienleuten diktiert.
Der männliche Blick plus angeschlossener Romantikquack sind Projektion, rein
im Kalkül dessen, wie für die Medienkonsumenten ein Blick auf die Welt
zusammengeschustert wird. Für das weitere Verständnis hätte ich dann
vorzuschlagen gehabt, sich der Brisanz des Diskurses um das Begehren zu
widmen, zugleich des politischen wie des sexuellen (wie es Michel Foucault
thematisiert hat), und dessen Abbiegen in die Harmlosigkeit des Kokettierens
mit dem Warenfetisch in Erwägung zu ziehen.
Jedenfalls sind für die Darstellerinnen die Massenmedien ein Instrument,
auf dem sie spielen wollen.
Man sollte sich nichts vormachen lassen, stattdessen den analytischen
Ansatz entsprechend wählen. Und da hatte ich eben noch auch die Erinnerung
an andere Aktionen, die nicht auf das massenmediale Rosinenpflücken
ausgerichtet sind.
Es könnte auch passieren, dass plötzlich so viele Nachahmerinnen aus dem
Boden schießen, dir mit je konkretem Ansatz das unterwandern, dass die
Medien, weil nun zu anstrengend, das billig aufs Brot zu schmieren, nicht
mehr mitspielen wollen und plötzlich das mit den Femen in einen ganz
lapidaren Begriff übergeht, und plötzlich komplett gleichgültig ist, ob und
wie das als Markenartikel medial platziert werden müsste.
Dennoch - Engagement in der Gesellschaftspolitik ist ganz sicher ganz
woanders. Weil mir das gerade unterkam, ein Link , quasi als Faust aufs
Auge & somit als Hinweis, wie sehr das Blabla um die Unterhaltungskanäle
doch nur ein Fluchtverhalten kaschiert ... statt dem nachzulaufen, wie (als
Exklusivitäts-Feminismus) Menschen gegeneinander ausgespielt werden, was
sich als Herrschaftsalgebra immer gern in jedes Programm elastisch einpasst,
gibt es auch konstruktive Pfade (als politischer Feminismus), wie folgende
Recherche zeigt, nur kitzelt das dann nicht so genial im schwülstigen
Gebälk, wie es Redakteure lieben (und die weiblichen sind doch meist nur
die besseren Männer!) ...
<
http://netzfrauen.org/2014/01/23/
bangladesch-naehen-bis-den-tod-keine-entschaedigung-fuer-naeherinnen/>
bzw.: <
http://kuerzer.de/IrXsQmUfD>