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Eperies

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Matthias Opatz

unread,
Mar 12, 2012, 7:53:54 AM3/12/12
to
Der historisch deutsche Name der slowakischen Stadt Prešov lautet
Eperies (Preschau ist eine nationalsozialistische Neuschöpfung).
So steht es auch in alten Lexika ([1], [2]). Ist das an sich schon
ein ungewöhnlicher Name für deutsche Zungen (laut Brockhaus waren
vor >100 Jahren immerhin 1786 von 10371 Zungen deutsch, also 17%),
so überrascht noch mehr die dort angegeben Aussprache: 'epperiesch.

Hat die Schreibung eine französierende Anmutung - die Aussprache hat
es eher nicht.

Aber was dann? Kann jemand etwas zur Wortherkunft sagen?


[1] Brockhaus 1894:
http://www.retrobibliothek.de/retrobib/faksimile_530225.jpeg
http://www.retrobibliothek.de/retrobib/faksimile_530226.jpeg
[2] Meyers 1885:
http://www.retrobibliothek.de/retrobib/faksimile_509451.jpeg


Matthias

--
Nach der Schlacht von Leipzig sah man Pferde, denen 3, 4 und noch mehr
Beine abgeschossen waren, herrenlos herumlaufen. Prof. Galletti
Wer zum Kuckuck ist dieser Galletti? ==> <http://www.galletti.de/>
== Bitte bei Mailantwort Großbuchstaben aus Reply-Adresse löschen. ==

Jakob Achterndiek

unread,
Mar 12, 2012, 8:21:21 AM3/12/12
to
Am 12.03.2012, 12:53 Uhr, schrieb Matthias Opatz <inv...@invalid.invalid>:

> Der historisch deutsche Name der slowakischen Stadt Prešov
> lautet Eperies (Preschau ist eine nationalsozialistische
> Neuschöpfung). So steht es auch in alten Lexika ([1], [2]).
> Ist das an sich schon ein ungewöhnlicher Name für deutsche
> Zungen (laut Brockhaus waren vor >100 Jahren immerhin 1786
> von 10371 Zungen deutsch, also 17%), so überrascht noch
> mehr die dort angegeben Aussprache: 'epperiesch.
>
Pierers Lexikon schreibt: Eperies (spr. Eperiësch).
Und was die paar teutschen Zungen angeht: Vielleicht wollten
die Einheimischen den Namen ihrer ungarischen Stadt eher den
ungarischen Zungen anbequemen?

j/\a
--

Matthias Opatz

unread,
Mar 12, 2012, 8:36:25 AM3/12/12
to
Jakob Achterndiek gab zur Kenntnis:

> Und was die paar teutschen Zungen angeht: Vielleicht wollten
> die Einheimischen den Namen ihrer ungarischen Stadt eher den
> ungarischen Zungen anbequemen?

Auch als die Stadt zu Ungarn gehörte, waren die Zungen der meisten
Einwohner slowakische. Aber was die Aussprache betrifft, scheint das
dennoch die rechte Fährte zu sein ...

Roland Franzius

unread,
Mar 12, 2012, 8:35:39 AM3/12/12
to
Am 12.03.2012 12:53, schrieb Matthias Opatz:
> Der historisch deutsche Name der slowakischen Stadt Prešov lautet
> Eperies (Preschau ist eine nationalsozialistische Neuschöpfung).
> So steht es auch in alten Lexika ([1], [2]). Ist das an sich schon
> ein ungewöhnlicher Name für deutsche Zungen (laut Brockhaus waren
> vor>100 Jahren immerhin 1786 von 10371 Zungen deutsch, also 17%),
> so überrascht noch mehr die dort angegeben Aussprache: 'epperiesch.
>
> Hat die Schreibung eine französierende Anmutung - die Aussprache hat
> es eher nicht.
>
> Aber was dann? Kann jemand etwas zur Wortherkunft sagen?
>
>
> [1] Brockhaus 1894:
> http://www.retrobibliothek.de/retrobib/faksimile_530225.jpeg
> http://www.retrobibliothek.de/retrobib/faksimile_530226.jpeg
> [2] Meyers 1885:
> http://www.retrobibliothek.de/retrobib/faksimile_509451.jpeg

War laut Text dort bedeutender griech. orth. Bischofssitz. Wird dann
wohl eine ungarische Verbalhornung von Eparchie sein

--

Roland Franzius

Paul Hold

unread,
Mar 12, 2012, 9:02:34 AM3/12/12
to
On 12.03.2012 13:36, Matthias Opatz wrote:

>>Und was die paar teutschen Zungen angeht: Vielleicht wollten
>>die Einheimischen den Namen ihrer ungarischen Stadt eher den
>>ungarischen Zungen anbequemen?
>
>Auch als die Stadt zu Ungarn gehörte, waren die Zungen der meisten
>Einwohner slowakische. Aber was die Aussprache betrifft, scheint das
>dennoch die rechte Fährte zu sein ...

Stimmt. Aber das Wort (der Ortsname) Eperjes ist ungarisch.
Aussprache: /'äpärjäsch/; also irgendwas zwischen Eperjesch und
Aparjasch.

Von eper /'äpär/ "Erdbeere" (földi eper); oder "Maulbeere".
-jes ist bloß ein Suffix (ähnlich wie auf Deutsch -(j)esch).

P. H.


Christina Kunze

unread,
Mar 12, 2012, 2:27:38 PM3/12/12
to
Am 12.03.2012 12:53, schrieb Matthias Opatz:
> Der historisch deutsche Name der slowakischen Stadt Prešov lautet
> Eperies (Preschau ist eine nationalsozialistische Neuschöpfung).
> So steht es auch in alten Lexika ([1], [2]). Ist das an sich schon
> ein ungewöhnlicher Name für deutsche Zungen (laut Brockhaus waren
> vor>100 Jahren immerhin 1786 von 10371 Zungen deutsch, also 17%),
> so überrascht noch mehr die dort angegeben Aussprache: 'epperiesch.
>
> Hat die Schreibung eine französierende Anmutung - die Aussprache hat
> es eher nicht.
>
> Aber was dann? Kann jemand etwas zur Wortherkunft sagen?
>
>
> [1] Brockhaus 1894:
> http://www.retrobibliothek.de/retrobib/faksimile_530225.jpeg
> http://www.retrobibliothek.de/retrobib/faksimile_530226.jpeg
> [2] Meyers 1885:
> http://www.retrobibliothek.de/retrobib/faksimile_509451.jpeg
>

Es ist Ungarisch. "Eper" heißt Erdbeere und ist trotz ähnlichem Klang
kein Lehrnwort aus dem Deutschen, sondern ein finnougrisches Wort, es
gibt Ähnlichekeiten zum Vogulischen, aber das kann ich nicht abschreiben
(total schräge Zeichen). Ursprünglich hatte das Wort ein -k im
Stammauslaut, das über sowas wie einen stimmhaften Ich-Laut zu J wurde
und später ausfiel, in der Form mit J ist es in "Eperjes" enthalten.
(Zusammenfassung aus "Etimológiai szótár", 2006)

Das würde allerdings heißen, dass der ungarische Name primär ist und
nicht der slawische.

Reicht das? Am Mittwoch kann ich in einem etymologischen WB der
ORtsnamen nachsehen, im ungarischsprachigen Internet habe ich nichts
gefunden.

chr

Matthias Opatz

unread,
Mar 12, 2012, 2:35:13 PM3/12/12
to
Christina Kunze gab zur Kenntnis:

> Das würde allerdings heißen, dass der ungarische Name primär ist und
> nicht der slawische.
>
> Reicht das?

Ja, fein, aber falls Du sowieso an dem Buch vorbeikommst ...

> Am Mittwoch kann ich in einem etymologischen WB der
> ORtsnamen nachsehen

... schau doch mal rein.

Oliver Cromm

unread,
Mar 12, 2012, 6:18:48 PM3/12/12
to
* Christina Kunze:

> "Eper" heißt Erdbeere und ist trotz ähnlichem Klang
> kein Lehrnwort aus dem Deutschen, [...]

Danke, danach wollte ich schon fragen. Wobei ich auch den
umgekehrten Weg in Betracht gezogen habe, so viel Sinn ergibt das
Wort "Erdbeere" ja nicht, da wäre eine Volksetymologie geradezu
erhellend.

--
The Internet? Is that thing still around? - Homer Simpson

Christina Kunze

unread,
Mar 12, 2012, 7:03:07 PM3/12/12
to
Am 12.03.2012 23:18, schrieb Oliver Cromm:
> * Christina Kunze:
>
>> "Eper" heißt Erdbeere und ist trotz ähnlichem Klang
>> kein Lehrnwort aus dem Deutschen, [...]
>
> Danke, danach wollte ich schon fragen. Wobei ich auch den
> umgekehrten Weg in Betracht gezogen habe, so viel Sinn ergibt das
> Wort "Erdbeere" ja nicht, da wäre eine Volksetymologie geradezu
> erhellend.
>
Naja, es sind Beeren, und sie wachsen an der Erde, sagt mir meine
Volksetymologie, aber was heißt das schon, Palatschinken ist ja auch
kein Schinken.
Pfeiffer führt aber die Erdbeere unter "Erde", also wird es wohl
zusammenhängen.
Und bei Obst-Ortsnamen fällt mir gleich Kronstadt ein, das seinen
deutschen Namen den Preiselbeeren verdankt.

chr

Christian Weisgerber

unread,
Mar 13, 2012, 1:07:05 AM3/13/12
to
Oliver Cromm <lispa...@crommatograph.info> wrote:

> > "Eper" heißt Erdbeere und ist trotz ähnlichem Klang
> > kein Lehrnwort aus dem Deutschen, [...]
>
> Danke, danach wollte ich schon fragen. Wobei ich auch den
> umgekehrten Weg in Betracht gezogen habe, so viel Sinn ergibt das
> Wort "Erdbeere" ja nicht, da wäre eine Volksetymologie geradezu
> erhellend.

Altenglisch "eorðberge".

--
Christian "naddy" Weisgerber na...@mips.inka.de

Florian Ritter

unread,
Mar 13, 2012, 5:47:53 PM3/13/12
to
On 12 Mrz., 19:27, Christina Kunze <k...@revesz.de> wrote:

> > [1] Brockhaus 1894:
> >      http://www.retrobibliothek.de/retrobib/faksimile_530225.jpeg
> >      http://www.retrobibliothek.de/retrobib/faksimile_530226.jpeg
> > [2] Meyers 1885:
> >      http://www.retrobibliothek.de/retrobib/faksimile_509451.jpeg
>
> Es ist Ungarisch. "Eper" heißt Erdbeere und ist trotz ähnlichem Klang
> kein Lehrnwort aus dem Deutschen, sondern ein finnougrisches Wort, es
> gibt Ähnlichekeiten zum Vogulischen, aber das kann ich nicht abschreiben
> (total schräge Zeichen). Ursprünglich hatte das Wort ein -k im
> Stammauslaut, das über sowas wie einen stimmhaften Ich-Laut zu J wurde
> und später ausfiel, in der Form mit J ist es in "Eperjes" enthalten.
> (Zusammenfassung aus "Etimológiai szótár", 2006)

Hatte es Steinitz nicht immer mit dem wogulischen Vokalismus?

> Das würde allerdings heißen, dass der ungarische Name primär ist und
> nicht der slawische.

Aber sonst sind doch viele Agrarbegriffe im Ungarischen slaw.
Herkunft, zB der für Himbeere, oder? FR

Florian Ritter

unread,
Mar 13, 2012, 5:51:26 PM3/13/12
to
Na, ob das mal so stimmt...

Und sind Kronsbeeren wirklich das gleiche wie Preiselbeeren? FR

Christina Kunze

unread,
Mar 21, 2012, 6:32:16 PM3/21/12
to
Am 12.03.2012 19:27, schrieb Christina Kunze:
> Am 12.03.2012 12:53, schrieb Matthias Opatz:
>> Der historisch deutsche Name der slowakischen Stadt Prešov lautet
>> Eperies (Preschau ist eine nationalsozialistische Neuschöpfung).
>
> Es ist Ungarisch. "Eper" heißt Erdbeere und ist trotz ähnlichem Klang
> kein Lehrnwort aus dem Deutschen, sondern ein finnougrisches Wort, es
> gibt Ähnlichekeiten zum Vogulischen, aber das kann ich nicht abschreiben
> (total schräge Zeichen). Ursprünglich hatte das Wort ein -k im
> Stammauslaut, das über sowas wie einen stimmhaften Ich-Laut zu J wurde
> und später ausfiel, in der Form mit J ist es in "Eperjes" enthalten.
> (Zusammenfassung aus "Etimológiai szótár", 2006)
>

Eperjes - gebildet aus der Form eperj des ung. Substantivs eper, szamóca
(Erdbeere, also nicht Maulbeere); weist auf häufiges Vorkommen von
Erdbeeren in der REgion zur Zeit der Benennung hin, dt. Eperies und
slow. Presov stammen aus dem Ungarischen, dt. Preschau und ukr. Пряшiв
aus dem Slowakischen;
(Földrajzi nevek etimológiai szótára / Kiss Lajos. - Budapest :
Akadémiai K., 1978 (1978))

chr

Christina Kunze

unread,
Mar 22, 2012, 3:46:57 AM3/22/12
to
Das denominale Adjektivbildungssuffix mit der Bedeutung "versehen mit"
bzw. "reich an" ist aber -(e/a)s, von einem J keine Spur.

Bei einem Grundwort "eper" und -es müsste zudem nach Horger[1] ein E
ausfallen, wie man ja schön sieht, wenn etwa der Erbeerjoghurt "epres
joghurt" heißt.
Die Annahme eines alten Stammauslautkonsonanten in Schwundstufe scheint
mir da wesentlich schlüssiger.

chr

[1] Antal Horger, das Gesetz der zweiten offene Silbe: wenn zwei oder
mehr offene Silben aufeinanderfolgen, kann ein kurzer Vokal in der
zweiten oder dritten Silbe ausfallen.

Matthias Opatz

unread,
Mar 22, 2012, 9:48:43 PM3/22/12
to
Christina Kunze gab zur Kenntnis:

> Eperjes - gebildet aus der Form eperj des ung. Substantivs eper, szamóca
> (Erdbeere, also nicht Maulbeere); weist auf häufiges Vorkommen von
> Erdbeeren in der REgion zur Zeit der Benennung hin, dt. Eperies und
> slow. Presov stammen aus dem Ungarischen, dt. Preschau und ukr. Пряшiв
> aus dem Slowakischen;
> (Földrajzi nevek etimológiai szótára / Kiss Lajos. - Budapest :
> Akadémiai K., 1978 (1978))

Danke.

Die Ableitung von Prešov aus Eperjes ist zumindest nicht offenkundig.

Christina Kunze

unread,
Mar 23, 2012, 5:51:50 PM3/23/12
to
Am 23.03.2012 02:48, schrieb Matthias Opatz:
> Christina Kunze gab zur Kenntnis:
>
>> Eperjes - gebildet aus der Form eperj des ung. Substantivs eper, szamóca
>> (Erdbeere, also nicht Maulbeere); weist auf häufiges Vorkommen von
>> Erdbeeren in der REgion zur Zeit der Benennung hin, dt. Eperies und
>> slow. Presov stammen aus dem Ungarischen, dt. Preschau und ukr. Пряшiв
>> aus dem Slowakischen;
>> (Földrajzi nevek etimológiai szótára / Kiss Lajos. - Budapest :
>> Akadémiai K., 1978 (1978))
>
> Danke.
>
> Die Ableitung von Prešov aus Eperjes ist zumindest nicht offenkundig.

Dazu kann ich leider nichts sagen, von der Geschichte der slawischen
Sprachen weiß ich fast nichts.

Die slowakische Wikipedia führt zudem den lat. Namen Fragolinum auf, den
ich hübsch finde, weil mir da die Erdbeere deutlicher mitklingt als auf
Ungarisch.

chr
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