Nein.
Die Suetterlinschrift ist eine Anfang dieses Jahrhunderts von dem
Berliner Graphiker L. Suetterlin (1865-1917) geschaffene Schreibschrift,
die seit 1915 in den Schulen mehrerer deutscher Laender eingefuehrt war.
Die heute in den Schulen gelehrte "lateinische Schreibschrift" lehnt
sich an die Suetterlinschrift an.
Du meinst aber wahrscheinlich die "deutsche Schreibschrift" unserer
Grosseltern und frueherer Generationen, die von vielen Leuten
faelschlicherweise als "Suetterlinschrift" bezeichnet wird. Auch
diese ist aber keine "handgeschriebene Fraktur", sondern beruht
(wie die gotische Frakturschrift) auf der "gotischen Schrift".
Die "gotische Schrift" (in dem heute gebrauchten Sinne; sie hat nichts
mit dem zu tun, was die Goten einst schrieben, genausowenig wie
"gotische Kirchen" und dergleichen) ist eine Schriftart der gotischen
Stilepoche, die im 11. Jahrhundert in Frankreich aus der "karolingischen
Minuskel" entstanden ist. Sie wurde insbesondere in den Anfaengen
des Buchdrucks viel verwendet.
"Frakturschrift" ist im weiteren Sinne jede Schrift mit "gebrochenen"
Buchstaben (d. h. bei dene die runden Segmente durch Polygonzuege
ersetzt sind). Im engeren Sinne bezeichnet man jedoch als "Fraktur"
die Frakturvariante der gotischen Schrift, wie sie (mit etlichen
Varianten) insbesondere im 18. und 19. Jahrhundert als Druckschrift
Verwendung fand.
> Wenn nein, gibt
> es eine Druckschrift zur Suetterlinschrift
Ich weiss nicht, ob Suetterlin auch eine zu seiner Schreibschrift
passende Druckschrift geschaffen hat (durchaus moeglich), aber wenn,
hat diese jedenfalls nie Bedeutung erlangt.
Die "deutsche Schreibschrift" beruht (wie gesagt) auf der gotischen
Schrift.
> und eine Schreibschrift
> zur Fraktur?
Eine Schreibschrift zur Fraktur ist kaum denkbar, da die zahlreichen
Brechungen dem Schreibfluss sehr im Wege stuenden.
Jens W. Heckmann
hjw> Die Suetterlinschrift ist eine Anfang dieses Jahrhunderts von dem
hjw> Berliner Graphiker L. Suetterlin (1865-1917) geschaffene Schreibschrift,
hjw> die seit 1915 in den Schulen mehrerer deutscher Laender eingefuehrt war.
Und um wen handelt es sich bei dem Herrn "Dr. L. Sütterlin, Prof. an
der Universität Heidelberg", der dort im Jahre 1906 Vorlesungen über
"die Lehre von der Lautbildung" gehalten hatte, welche durch einen
"Kurzschriftkundigen für den späteren Druck festgehalten" wurden und
im Jahre 1908 im Verlag Quelle & Meyer in Leipzig erschienen?
Er sagte u. a.: "Als regelmäßiges Lautgebilde kommt das Knackgeräusch
nur im Deutschen vor, fremde Völker, Franzosen und Engländer z. B.,
kennen es so nicht."
Wenn ich das recht verstehe, ist das Knackgeräusch ein Kehlkopfver-
schlußlaut, der beispielsweise vor einem Vokal im Anlaut auftritt,
es aber auch Sprecher gibt, die diesen Laut nicht realisieren.
--Thorsten
'Es 'ist 'aber 'oben 'unruhig.
> BTW, gibt es eigentlich einen Fond in deutscher bzW. in Suetterlin -
> Schrift?
Wieso willst Du denn die Ruecksitze Deines Autos beschriftet haben?
Ach so, Du meinst Font. Fuer LaTeX gibt es welche unter
ftp://www.dante.de/tex-archive/fonts/gothic/
> Ohne jetzt wieder in die schreckliche Deutschtuemelei zu
> verfallen oder an die Nazis anknuepfen zu wollen, die die
> Suetterlinschrift auch wieder durchsetzen wollten, mich wuerde sie
> interessieren.
In dem oben genannten Verzeichnis gibt es auch einen Text, der besagt,
dass die Suetterlin-Schrift 1915 in Preussen und spaeter auch in anderen
Laendern an den Schulen eingefuehrt wurde und 1942 (also von den Nazis)
durch die lateinische Schreibschrift ersetzt wurde. Diese Schrift teilt
also vermutlich das Schicksal der Fraktur, faelschlicherweise immer mit
dem Dritten Reich in Verbindung gebracht zu werden.
Joern
Die Nazis haben die Suetterlin-Schrift durch die lateinische Schreibschrift
ersetzt, weil Suetterlin juedischen Glaubens war.
DM
--
............................................................................
... Dieter M"uller .. VVV#1 ................ http://www.rwth-aachen.de/lat .
... OY EN TW POLLW TO EY ............ http://www.euregio.com/ ..............
.......................... http://www.rwth-aachen.de/People/D.Mueller.html .
> BTW, gibt es eigentlich einen Fond in deutscher bzW. in Suetterlin -
^
> Schrift?
Ob es einen "Hintergrund eines Gemäldes oder einer Bühne; Rücksitz im
Wagen" in Sütterlinschrift gibt, weiß ich nicht. Du meinst
wahrscheinlich einen Font.
Falls Du TeX benutzt: dafür gibt es einen Sütterlinfont. Ist wie alles
TeXische auf dem Dante-Server (ftp.dante.de) zu haben.
> Ohne jetzt wieder in die schreckliche Deutschtuemelei zu
> verfallen oder an die Nazis anknuepfen zu wollen, die die
> Suetterlinschrift auch wieder durchsetzen wollten,
Es waren die Nazis, die die Sütterlinschrift in den Schulen
*abgeschafft* haben.
Karl-Heinz Krause
> g.hoe...@jinxed.netland.de (Gerd Hoeffken) writes:
>
> > BTW, gibt es eigentlich einen Fond in deutscher bzW. in Suetterlin -
> > Schrift?
>
> Wieso willst Du denn die Ruecksitze Deines Autos beschriftet haben?
Will er doch gar nicht. Suppe will er kochen. Buchstabensuppe, sozusagen.
Gruss
Stephan,
Hamburg
Conscience is what hurts when everything else
feels so good.
>: > Er sagte u. a.: "Als regelmäßiges Lautgebilde kommt das Knackgeräusch
>: > nur im Deutschen vor, fremde Völker, Franzosen und Engländer z. B.,
>: > kennen es so nicht."
>Eigentlich kommt der Kehlkopfverschlusslaut auch im Englischen vor, und
>zwar haeufig, aber oft nicht in derselben Umgebung wie im Deutschen,
>sondern im In- und Auslaut, z.B. sozusagen als Ersatz fuer den /t/-Laut.
Wie hieß der Spruch noch so schön?
"se wo´a in Madscho´a daunt taist laak i´ o´a"
[The water in Mallorca don´t taste like it ought to]
[ich kann die phonetische Schreibweise nicht und verwende daher eine
deutsche Umschreibung]
Wenn das keine Knacklaute sind.....
mfg
Martin Gerdes, Hannover
[we reply! please re-send unconfirmed mail]
>>>>> "Joern" == Joern Richts <ric...@frege.informatik.rwth-aachen.de>
>>>>> writes:
[Dr.-Suetterlin-Zitat]
>> Er sagte u. a.: "Als regelmaessiges Lautgebilde kommt das
>> Knackgeraeusch nur im Deutschen vor, fremde Voelker, Franzosen und
>> Englaender z. B., kennen es so nicht."
Joern> Im Arabischen gibt es diesen Knacklaut auch. Wenn ich mich
Joern> richtig erinnere, gibt es dort auch einen Buchstaben dafuer.
Joern> Dieser Laut kann z.B. auch am Wortende vorkommen, wo er auch
Joern> fuer einen Deutschsprachigen schwierig zu erzeugen ist.
Man muss gar nicht so weit reisen. ;-) Der Stosston (,,st0d'') gilt
als charakteristisches Merkmal der daenischen Sprache. Dr. Suetterlin
hatte also selbst in bezug auf europaeische Sprachen unrecht.
Gruss
Florian
>Am 10. Dez. 1996 schrieb Gerd Hoeffken (g.hoe...@jinxed.netland.de):
>> Ohne jetzt wieder in die schreckliche Deutschtuemelei zu
>> verfallen oder an die Nazis anknuepfen zu wollen, die die
>> Suetterlinschrift auch wieder durchsetzen wollten,
>Es waren die Nazis, die die Sütterlinschrift in den Schulen
>*abgeschafft* haben.
>Karl-Heinz Krause
Weitere Anmerkung: Die Nazis haben nicht nur die Suetterlinschrift,
sondern auch die in einigen Provinzen des Deutschen Reichs im-
mer noch gelehrte 'Deutsche Schreibschrift' abgeschafft!
In den Behoerden fast ohne Uebergangszeit, was nach Aussage
meines Vaters sogar Ursache zahlreicher Missverstaendnisse
war, da die Aelteren die 'lateinische Schrift' in der Schule nie
gelernt haben und ploetzlich die neuen Anordnungen als Fremd-
sprachendokumente ansahen...
Ueber das Verhaeltnis der Nazis zu der 'Fraktur-Druckschrift' kann
ich nichts sagen. Die mir vorliegende Ausgabe von Hitlers 'Mein
Kampf' (aus dem Jahr 1940, Zentralverlag der NSDAP) ist in Frak-
tur gesetzt, der 'Voelkische Beobachter' war es meines Wissens
ebenfalls.
Guenter Kaiser
Fraktur wurde offiziell 1941 abgeschafft (und als "Judenletter"
diffamiert, wenn ich mich recht erinnere -- aber ich kann dazu
keine Quelle nennen), nachdem die Nazis sie vorher kr=E4ftig gef=F6rdert
hatten.
Gru=DF & 1 guts Neus,
Otto Stolz
Die Nazis haben tatsaechlich schon vorher gotische Lettern benutzt.
Was ich sowohl aus der Literatur und aus dieser Newsgroup weiss.
Diese Lettern haben aber eine grosse Aehnlichkeit mit Fraktur.
> Fraktur wurde offiziell 1941 abgeschafft (und als "Judenletter"
> : diffamiert, wenn ich mich recht erinnere -- aber ich kann dazu
> : keine Quelle nennen)
Eine Begruendung fuer die 'Abschaffung' der Fraktur durch die Nazis,
die ich neulich irgendwo gelesen habe, ist, dass die Bevoelkerung der
besetzten Gebiete gewisse 'Schwierigkeiten' hatte, in dieser Schrift
gesetzte Anordnungen zu entziffern... Die Abschaffung der
Suetterlin-Schrift erfolgte wohl aus aehnlichen Motiven.
Cheers,
Klaus
---------------------------------------------
The things one feels absolutely certain about
are never true. (Oscar Wilde)
---------------------------------------------
>Die Nazis haben tatsaechlich schon vorher gotische Lettern benutzt.
>Was ich sowohl aus der Literatur und aus dieser Newsgroup weiss.
>Diese Lettern haben aber eine grosse Aehnlichkeit mit Fraktur.
Die 'Fraktur-Schriften' sind eine Untergruppe der 'Gotischen
Schriften' und seit Beginn des Buchdrucks aus diesen entwickelt
worden, um ein leicht lesbares gleichmaessiges Druckbild zu erhalten.
Wer einmal Originale oder Reprints aus den Anfangszeiten der
Drucktechnik gesehen hat, weiss, wie schwer es ist, die noch in
'gotischen Lettern' gesetzten Texte zu lesen.
Gruesse
Guenter
>Fraktur wurde offiziell 1941 abgeschafft (und als "Judenletter"
>diffamiert, wenn ich mich recht erinnere -- aber ich kann dazu
>keine Quelle nennen), nachdem die Nazis sie vorher kr=E4ftig gef=F6rdert
>hatten.
Soweit mir bekannt ist, wurde die Suetterlinschrift (als
"Judenschrift") 1941 abgeschafft und durch die 'lateinische Schrift'
ersetzt.
Im Gegensatz dazu war die "Fraktur-Schrift" eine reine Druckschrift
mit langer (deutscher) Tradition. Sie wurde auch weiterhin benutzt,
auch in offiziellen Publikationen der NSDAP. (Mir liegt der Abdruck
eines Zeitungsartikels vom Februar 1945 vor.)
Danke fuer den Hinweis. Werde demnaechst noch einmal weiter
recherchieren.
Alles Gute wuenscht
Guenter
G. Kaiser (Guenter...@t-online.de) wrote:
: k1...@alf.zfn.uni-bremen.de (Joachim Fortkamp) wrote:
Ich hatte ca. Oktober 1995 in dieser Newsgroup Nazihetze gegen
Judenlettern zitiert. Darufhin schrieb jemand fast woertlich.
"Tatsaechlich, die Nationalsozialisten haben gotische Lettern benutzt."
: Gruesse
: Guenter
>Aber etwas anderes: Weiss jemand eine Bezugsquelle fuer Schrift-Dateien
>gebrochener Schriften (= Gotisch, Fraktur ...), die auch das lange S und
>das richtige Trennungszeichen kennen?
>
Ja, bei Will Software, http://www.will-software.com,
eMail: Will.S...@t-online.de
Ich arbeite seit einiger Zeit damit und bin sehr zufrieden.
Ein Zusatzprogramm "Keytrans" wandelt automatisch in Rund- oder Lang-s
sowie die Ligaturen st, ch, sch usw. um.
Gruß Norbert
mailto:norbert...@t-online.de