Google Groups no longer supports new Usenet posts or subscriptions. Historical content remains viewable.
Dismiss

Schnee(wittchen?)

2,023 views
Skip to first unread message

Georg Lenner

unread,
Apr 20, 1999, 3:00:00 AM4/20/99
to
Beim Vorlesen von Märchen stolpert man immer wieder über seltsame
Namen. Wie z.B.:


1.Schneewittchen
2.Aschenputtel
3.Rumpelstilzchen

Mich würde interessieren, ob das bloße Phantasienamen sind und wenn
nicht: Was ist dann ein -wittchen oder ein -puttel oder -stilzchen?

Roland Schmitt-Hartmann

unread,
Apr 21, 1999, 3:00:00 AM4/21/99
to


Also, bei Wittchen vermute ich mal ein "Weißchen" - ein Mädchen,
das so weiß wie Schnee ist. (Die gleiche, aber negativ gefärbte
Aussage würde man mit "kalkweiß" erreichen...).

Mit der zweiten Lautverschiebung ist das kein Problem.

"Puttel" - ich vermute, dass das auch eine Bedeutung hat (mir
schwebt im Hinterkopf ein süddeutsches "buddel" herum - aber
weder bin ich mir sicher, noch kenne ich dessen eventuelle
Bedeutung). Da die Asche eine direkte Verbindung zu dem Dreck
hat, in dem Aschenputtel gehalten wird, vermute ich einen
Sinn hinter dem Namen. Denk auch weiterhin daran, dass das
Pseudonym von A. "Aschenbrösel" ist.

"Rumpelstilzchen" - keine Ahnung.

Gruß, Roland
--
V R. Schmitt-Hartmann, System Architecture HFC/NMS
+---------------+ Alcatel SEL AG,Internet Access Division, AS/HEA4
| A L C A T E L | Tel:+49-711821-49106, Fax: -45068, Alcanet: 259-
+---------------+ mailto:Roland.Schm...@ks.sel.alcatel.de

Wolfram Steinacker

unread,
Apr 21, 1999, 3:00:00 AM4/21/99
to
Georg Lenner
> würde interessieren, ob das bloße Phantasienamen sind und wenn
> nicht:
> Was ist ein -wittchen

ein Weißchen (w. wie Schnee)

> oder ein -puttel

schon schwerer. Walter Scherf vermutet in seinem Märchenlexikon:
"vielleicht stammt er aus dem Griechischen und bedeutet, daß
Aschenputtel mit der Scham in der Asche sitzt (achylia = Asche, puttos =
weibliche Scham)
Daneben sind die Märchen und Legenden mit den Namen Aschenbrödel,
Eschengrüdel, Aschenpüster, Aschenper bekannt.

> oder -stilzchen?

ein Phallussymbol, was vermutlich auch die Geheimhaltung des Namens
erklärt.

Herzliche Grüße

Wolfram


Bertel Lund Hansen

unread,
Apr 21, 1999, 3:00:00 AM4/21/99
to
Roland Schmitt-Hartmann skrev:

>Also, bei Wittchen vermute ich mal ein "Weißchen" - ein Mädchen,
>das so weiß wie Schnee ist.

USA "Snowwhite", DK "Snehvide" ("hvid" = "Weiß")

>"Puttel" - ich vermute, dass das auch eine Bedeutung hat

Im Dänischen heißt sie "Askepot". Bevor ich es nachschlug, würde
ich gesagt haben, daß "pot" oder "potte" einen Topf ist, aber
mein dänisches Wörterbuch sagt was anderes. Es kann Sprößling und
kleine Junge (ein "Sprößling") bedeuten, aber vielleicht hat es
auch etwas mit einem schwedischen Wort zu tun, das "wühlen"
bedeutet. Das Buch ist aber nicht sicher.

Die meisten Dänen würden sofort an einem Topf denken, glaube ich.

Gruß, Bertel

Klaus Civegna

unread,
Apr 21, 1999, 3:00:00 AM4/21/99
to
Georg Lenner schrieb:

> Beim Vorlesen von Märchen stolpert man immer wieder über seltsame
> Namen. Wie z.B.:
>
> 1.Schneewittchen
> 2.Aschenputtel
> 3.Rumpelstilzchen
>
>

Aschenputtel (Asche buddeln = in der Asche wühlen) ist ursprünglich
Aschenbrödel - mhd. aschenbrodele = Küchenjunge (Asche brodeln = in der
Asche wühlen und stauben) - (Wahrig) - bezeichnet ursprünglich den
jüngsten Bruder, der in der Küche, in der Asche schlafen muss.

Schneewittchen: weiß wie der Schnee (vgl. im Märchen die Beschreibung
des Mädchens und das Erlebnis der Mutter), vgl. auch Schneeweißchen und
Rosenrot

Rumpelstilzchen = rumpelnder Kobold; -stilzchen von Stülz = Hinkender
(wird nioch im Elsass verwendet = "Stilzer") (Duden)

Das nächste Mal: selber nachschauen! Die Informationen findest du in
jedem etymologischen Wörterbuch.

Klaus

Juergen Amrhein

unread,
Apr 21, 1999, 3:00:00 AM4/21/99
to

Bertel Lund Hansen schrieb:


>
> Roland Schmitt-Hartmann skrev:
>
> >Also, bei Wittchen vermute ich mal ein "Weißchen" - ein Mädchen,
> >das so weiß wie Schnee ist.
>
> USA "Snowwhite", DK "Snehvide" ("hvid" = "Weiß")
>
> >"Puttel" - ich vermute, dass das auch eine Bedeutung hat
>
> Im Dänischen heißt sie "Askepot". Bevor ich es nachschlug, würde
> ich gesagt haben, daß "pot" oder "potte" einen Topf ist, aber
> mein dänisches Wörterbuch sagt was anderes. Es kann Sprößling und
> kleine Junge (ein "Sprößling") bedeuten, aber vielleicht hat es
> auch etwas mit einem schwedischen Wort zu tun, das "wühlen"
> bedeutet. Das Buch ist aber nicht sicher.

"Aschenputtel" also "Aschenbuddel"? Die, die in der Asche buddelt/wühlt?
In den alten german. Gesellschaften gab es für pubertierende Jünglinge
(und Mädchen?) eine "Aschenzeit", in der sie tun und lassen konnten, was
sie wollten. So richtig eine Auszeit ohne Verpflichtungen ... Oft sollen
sie sich in der Asche der heimischen Feuerstelle gewälzt haben, deshalb
die "Asche". Ein Aschenputtel ist demnach ein Mädchen in der
Übergangszeit zur Frau, die sich verwahrlosen läßt, nicht auf ihre
Kleidung und den äußeren chic achtet, sich auch nicht wäscht etc. (Warum
sollte sie auch? Sie glaubt, es würde sich sowieso keiner für sie
interessieren.)

Gruß,
Jürgen

Matthias Kranz

unread,
Apr 21, 1999, 3:00:00 AM4/21/99
to
Georg Lenner wrote:

> Beim Vorlesen von Märchen stolpert man immer wieder über seltsame
> Namen. Wie z.B.:
>
> 1.Schneewittchen
> 2.Aschenputtel
> 3.Rumpelstilzchen
>

> Mich würde interessieren, ob das bloße Phantasienamen sind und wenn
> nicht: Was ist dann ein -wittchen oder ein -puttel oder -stilzchen?

Lieber Georg,

"Aschenbrödel (mhd. aschenbrodele "Küchenjunge",
eigentlich "einer, der in der Asche wühlt", vgl.
brodeln.) Im Volksmärchen bezeichnet 'Aschenbrödel'
den jüngsten von drei Brüdern, der untätig in der
Herdasche liegt und sich später als der stärkste
und klügste erweist; im Grimmschen Märchen
bezeichnet es die jüngste, zur Küchenarbeit
gezwungene Tochter. - Landsch. ist auch
Aschenputtel gebräuchlich (vgl. buddeln)."
(Duden, Etymologie, 2. Aufl., 1989, S. 47)

"buddeln (ugs. für): 'im Sand wühlen, graben':
Das seit dem 19. Jh. bezeugte Verb ist eine
Nebenform des unter Pudel genannten
Verbs 'pudeln' "im Wasser plätschern"
und wohl von Berlin her in die nordd. und
mitteld. Umgangssprache eingedrungen."
(ebda, S. 103)

"Rumpelstilzchen (etwa 'rumpelnder Kobold,
Poltergeist'; der zweite Bestandteil ist eine
Verkleinerungsbildung zu dem heute
veralteten Stülz 'Hinkender', vgl.
elsäss. Stilzer 'Hinkender'."
(ebda, S. 603)

Schneewittchen = Schneeweißchen;
in der Originalausgabe der Grimmschen
Kinder- und Hausmärchen heißt das
Märchen "Sneewittchen", wozu der
Märchenexperte Rölleke schreibt:
"Die Namensform (in Jacob Grimms
ältester Niederschrift noch 'Schneeweißchen')
ist künstlich der altnordischen Sagenfigur
'Snäfridr' ... angeglichen worden ..."
(Kinder- und Hausmärchen / ges. durch
die Brüder Grimm. Hrsg. von Heinz
Rölleke. - Frankfurt am Main, 1985,
S. 1221)

Es grüßt:
M. Kranz

Gernot Zander

unread,
Apr 21, 1999, 3:00:00 AM4/21/99
to
Hi,

in de.etc.sprache.deutsch Klaus Civegna <klaus....@provinz.bz.it> wrote:
> Rumpelstilzchen = rumpelnder Kobold; -stilzchen von Stülz = Hinkender
> (wird nioch im Elsass verwendet = "Stilzer") (Duden)

Das hat dir der Teufel gesagt!

mfg.
Gernot

--
<hi...@gmx.de> (Gernot Zander)
Es lohnt sich nicht, die Augen aufzumachen, wenn der Kopf im Sand
steckt.

Georg Lenner

unread,
Apr 21, 1999, 3:00:00 AM4/21/99
to
>Klaus Civegna schrieb in Nachricht <371D9800...@provinz.bz.it>

[snip:etymologische Deutungen]

>Das nächste Mal: selber nachschauen! Die Informationen findest du in
>jedem etymologischen Wörterbuch.

Lieber Klaus,
ich besitze kein etymologisches Wörterbuch. Besäßen wir alle, für alle
Wissensgebiete, die nötige Literatur es gäbe bald keine Fragen mehr im
Usenet. Aber natürlich auch lieben Dank an Dich für Deine Mühe.

MfG
Georg

Georg Lenner

unread,
Apr 21, 1999, 3:00:00 AM4/21/99
to
Lieben Dank an alle, die mir auf meine Fragen antworteten.

MfG
Georg

Igotmail2

unread,
Apr 21, 1999, 3:00:00 AM4/21/99
to
Gernot Zander schrieb:
- Rumpelstilzchen - ...

>Das hat dir der Teufel gesagt!

Hahaha!
Hervorragende Antwort!
Marzahn lacht.

Viele Grüße aus Berlin
Götz Sachse

Frank Manthey

unread,
May 26, 1999, 3:00:00 AM5/26/99
to
Georg Lenner schrieb in Nachricht
<7fin5b$80...@WS01IS04.highway.telekom.at>...

>Beim Vorlesen von Märchen stolpert man immer wieder über seltsame
>Namen. Wie z.B.:
>
>
>1.Schneewittchen
>2.Aschenputtel
>3.Rumpelstilzchen
>
>Mich würde interessieren, ob das bloße Phantasienamen sind und wenn
>nicht: Was ist dann ein -wittchen oder ein -puttel oder -stilzchen?
>
Hi Georg,

IIRC stammt das "-wittchen" vom mhd. "witte" fuer weiss.

"-stilzchen" als Verkleinerung von "-stilz", was wohl vom
"stelzen" kommt fuer eine recht eigentuemliche
Fortbewegungsart kleinwuechsiger Menschen.

Und das "-puttel"? k.A., da muss ich passen.

HTH

Gruesse Frank

--
'Gedichte sind Balsam auf Unstillbares im Leben.'
Karoline von Guenderrode (1780 - 1806 [Freitod])

Susanne

unread,
May 30, 1999, 3:00:00 AM5/30/99
to
>
> Und das "-puttel"? k.A., da muss ich passen.
>
kommt vielleicht von "put-put", bei uns in österreich lockruf für vögel
etc., und bei aschenputtel geht's doch auch um vögel/täubchen, wenn ich mich
recht erinnere.

oder es kommt vom buddeln (in der herdasche...)?

lg, susanne

0 new messages