Am 24.04.2012 10:21, schrieb Jakob Achterndiek:
> Am 24.04.2012, 08:04 Uhr, schrieb Roland Franzius <
roland....@uos.de>:
>
>> Der Grund für die Kontaktion von mm und nn war das allgemeine
>> ästhetische und phonologische Prinzip der Ligaturen in der
>> Fraktur. Ligaturen sind zwingend für alle Konsonantenkombina-
>> tionen und verbessern die Lautgewichtung im Schriftbild in
>> Richtung des in dieser Hinsicht vorbildlichen Lateins.
>>
>> Schreibt man dann das sehr häufige mm und nn aus, verdirbt das
>> die Lautbalance im Schriftbild.
>
> Diese Begründung habe ich noch nie gehört oder gelesen, aber sie
> leuchtet mir unmittelbar ein. Kennst du schriftliche Zeugnisse
> dafür, daß sie noch weitere Anhänger hat? Dann wäre das ja bei
> mir eine weitere spät entdeckte Bildungslücke gewesen -
> »Zna jveq fb nyg jvr rvar Xhu
> haq yreag vzzre abpu qnmh.«
rvar sagt mir nicht direkt was.
Könnte sein, dass der Hinweis aus einem uralten Fachbuch stammt. Habe
aber kürzlich noch irgendwo beim Herunterladen von "Alt Schwabach"
einiges zur Fraktur gelernt, möglicherweise beim Designer dort.
Vor einigen Jahren fiel mir aus dem Nachlass eines vielseitig
interessierten Medizinalrates, der seinen gesamten Nachlass mit Haus und
20 Regalmeter Buch der Universität um den Preis der Förderung und
Vollendung seiner Theorie vermachte, das schöne Buch
Karl Faulhaber, Geschichte der Schrift,
seines Zeichens Professor für Stenographie an der Universität Wien,
http://de.wikipedia.org/wiki/Carl_Faulmann
in die Hand.
Nach anfänglichem Staunen über die Vielfalt seiner Einfälle zur
Entstehung der Schriften in aller Welt nahm dann doch die Vorsicht
gegenüber der Phantasie des Autors überhand und inzwischen ist das
Meisterwerk leider in der Papierpresse der städtischen Abfallbetriebe
auf dem Monte Pies gelandet
http://www.noz.de/bildergalerien/63380924/der-aussichtsturm-auf-dem-piesberg-ist-fertig
Interessant fand ich seine These, dass Buchstaben eigentlich
astronomisch/astrologisch/religiöse Zeichen für die Stunden seien,
ähnlich den Tierkreiszeichen ohne den Gedanken einer mathematischen
Nummerierung, sondern einer zyklischen Ordnung und dass daher die Zahl
von 24 Zeichen stamme, die die Griechen dann umgekehrt zu Zahlzeichen in
einem Einer/Zehner/Hunderter-System auf 30 aufgeblasen hätten.
--
Roland Franzius